Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

4G !• Land, Volk und Verwaltung.

ringen Anzahl Orte dieser Zone, wo man seit Jahren selten einem

deutschen Worte oder Sprachanklange öfFentlich mehr begegnete,

taucht jetzt die deutsche Sprache wieder auf, die nach und nach

aus Kirche und Schule verdrängt, sich in die Kreise des häushchen

Lebens zurückgezogen hatte und auch dort allmählig zu verstummen

drohte, indem die Jugend aus Kasernen, Werkstätten

und Diensthäusern das ihr aufgedrängte Französisch auch dahin

zurücktrug. In allen Flurkarteu und Grundverzeichnissen finden

wir die deutschen Namen noch bis zur Mosel und zwar ziemlich

weit herauf, und erst die Kriege des sechszehnten und siebzehnten

Jahrhunderts, welche das ganze Land furchtbar verödeten, namentlich

das Seillegebiet, veranlassten die Einwanderung von Picarden

und Wallonen, und somit des französischen Elements, das noch

weit mehr Nahrung fand durch die häufige und lange Anwesenheit

französischer Armeen, die späteren zahlreichen Besatzungen

und dann durch den Einzug sehr zahlreicher französischer Beamten,

Angestellten, Pensionäre und Rentiers, die in dem dünn l)evölkerten

Lande sich billig ankaufen konnten und dazu dann noch

mehr in der Revolutionszeit die Confiscation der Emigrantengüter

und Verkauf der Kloster- und Staatsgüter benützten. Deutsche

Einwanderer kamen nur in geringer Zahl, um Bergbau zu betreiben,

verliessen

aber das Land bald wieder; auch kamen Schweizer

und Tyroler in kleiner Anzahl. Die Regierung begünstigte eben

die deutsche Einwanderung nicht, weil sie befürchtete, damit auch

protestantische oder freisinnige Elemente herein zu bekommen.

Noch ein anderes Element ist im Lande vertreten, bei Bitsch

(Bärenthal) und in den Vogesen bei Saarburg. Im vorigen Jahrhunderte

gab es nämlich hier ziemlich viele Zigeuner, die bald da,

bald dort ihre Wohnstätte aufschlugen und theiivveise in Baracken

lebten. Seit 1803 wurden sie genöthigt, feste Wohnsitze zu wählen

und in Folge dessen wanderten viele derselben fort und nur ein

sehr kleiner Theil wurde sesshaft und treibt Ackerbau und Gewerbe,

oder zieht als Händler und Kesselflicker umher. Die in

neuerer Zeit in deutschen illustrirleii Zeitschriften abgedruckten

Skizzen von Zigeunerlagern in Lothringen sind reine Phantasiebilder.

IHe Zigeuner sprechen alle deutsch und sind auch aus

deuj Osten eingewandert, weil sie in frnnzösisehen Ländern mehr

.Al*erglaul)e für ihre Zwecke zu finden glaubten al« in Deutschland

noch

l>esteht. ^

'

Viville ihi'illc 1817 folgcrKlc Wnrto auh ilirer Zigouncmpraohe mit: Mark

- Itrod, Umii«! =: WaMcr, Mol — ^Vl>ln, Munru und Mm — Fleisch, guw, gnl

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine