Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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I- I-ainU Volk uml Verwaltung.

Ernährung fänden. Von einem liihrigen Gewerbsbetrieb Ist kaum

da und dort die Kede und für grossere Gewerbe und Industrie

fehlt es an Kapital und Unternehmern, so dass der Verdienst

ausser

der Landwirthschaft gering ist.

\Vie schon erwähnt, stammten die Einwohner zum grössten

Theile von Deutschen ab und nur ein Theil aus Vermischung oder

ganz aus französischem Bhite. Die Stadt Metz hat eine sehr bunt

gemischte Bevölkerung und besteht zumeist aus eingewanderten

französischen Familien, da die alten Familien bei der Besitznahme

durch Frankreich grösstentheils auswanderten. Das niedere Volk

daselbst besteht meistens aus kleinen, unansehnlichen, theihveise

scrophulösen Leuten von schwacher, oft kränklicher Natur, wie

dies

die Wohnung, Beschäftigung und Lebensweise mit sich bringt.

Bei besserer Stellung sind die Leute auch kräftiger und stärker,

von mittlerer Grösse, guter Gesichtsfarbe, kastanienbraunen Haaren

und blauen Augen, sowie von einem regeren, fast sanguinischen

Temperament. In Altlothringen sind sie etwas grösser und stärker,

in den Weinbaugegenden auf dem linken Moselufer aber meistens

klein. Man gibt die mittlere Grösse zu 1 M. 625 bis zu 2 M. 800

an. Die Frauen pflegen von mittlerer Statur und guter Gesundheit

zu sein; ihre Züge sind nicht regelmässig, aber viele haben

ein frisches Teint, eine angenehme Physiognomie und gefällige

Formen. Sie sind leichter erregbar und oft von recht sanguinischer

Natur. Ihre Reife beginnt sich mit dem 13— 15. Jahre zu

entwickeln. Auf dem linken Moselufer sind sie von brauner Haarfarbe,

ziemlich begabt, geschickt zur Arbeit und im Umgange

freundlich und gefällig, in der Unterhaltung heiter und schalkhaft,

in Bezug auf ihre Interessen abgefeimt. Sie sind etwas ruhiger

und besonnener als die Stock franzosen,

auch nicht so überschwänglich

und schwindelhaft, in der Landwirthsciiaft fleissig und zähe,

im Verkeiirsleben vorsichtig und berechnend und auch in geistiger

Hinsicht etwas mehr gelelirig. Auf dem rechten Ufer herrschen

sofort die blonden Haare vor, die französische Lebhaftigkeit ist

durch das deutsciie Phlegma gemildert, die Leute sind hunnui,

gastfreundlich, on'enherzig, hangen selir an ihrem Hause und den

überlieferten (Jewohnheilen und lassen sich nicht so leicht fortreissen,

was uIh-T auch manchen Fortschritt henunl. Im liilHcher

I^nd und den l>euachburlen Gebirgsgegenden herrscht noch eine

gewisse Kohheit der Sitten und Grobheit vor. Die Leute sehen

trübselig, glcichgilllig, fast uncni|>fiingli(-h aus und nur im l'rinUcn

werden sie munter, geralhen aber leicht in /orn inul gerathen

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