Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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!• Lauft 7 Volk und Verwaltung-.

7. SprachverscMedenheit.

Eine der wichtigsten und lehrreichsten Betrachtungen gewähren

die Sprachverhältnisse des Bezirks, worüber schon

Mancherlei geschrieben wurde, was kurz vor der Zurückerwerbung

von Deutsch -Lothringen in verschiedener Hinsicht, soweit man die

Sache mehr von der Oberfläche betrachtete, seine Hichtigkeif hatte,

bei

schärferem Kachsehen und eingehenderer Untersuchung jedoch

verschiedene Berichtigungen erfordert hätte. Von Seiten der deutschen

Regierung, welche einen mehrjährigen Zeitraum bis dahin

fetssetzte, wo die deutsche Sprache alleinige Amtssprache weiden

soll, ist für den vorübergehenden Zustand und die inzwischen einzuhaltende

Amtspraxis ein Verzeichniss aufgestellt worden, wornach

von den 750 Gemeinden 369 der deutschredenden Bevölkerung angehörten

und in 381 Gemeinden entweder nur französisch gesprochen

oder beide Sprachen verstanden und gehandhabt wurden. Diese

Zahlen würden aber einen ganz falschen Begriff von dem wirklichen

Thatbestande geben, wenn man nicht zugleich auch die

Zahl der betreffenden Bevölkerung mit in Betracht zieht. Nach

der von uns an anderer Stelle gegebenen Aufstellung, wobei die

Stadt Metz ganz ausser Rechnung gelassen ist, weil daselbst die

Sprachverhältnisse

noch nicht ganz zifl'ernmässig festgestellt werden

können, sind von der Bevölkerung 258,CU5 Personen dem deutschen

und 175,708 Personen dem französischen Sprachgebiete angehörig,

was also dem obigen Verhältnisse bereits eine ganz andere Gestalt

gibt, weil hiernach das deutsche Element bedeutend überwiegt,

wie ja auch schon ein Bild auf das betrelfende Territorium

beider Gebiete zeigt. Die Differenz beider Berechnungen gründet

sich nämlich vorzugsweise darauf, dass im französischen Sprachgebiete

mehr, aber fast lauter kleine Gemeinden liegen,

wie unsere

Uebersicht zeigt, im deutschen aber die Genieiiiden gn)S8er und

bevölkerter sind.

Gemeinden, wo man das Französische ganz und gar nicht

versteht, gab es schon lange nicht mehr, denn die französische

Sprache war als die ofllzielle eingeführt, alle (u'setze, \'erordnungen,

Bekanntmachungen, ^'er\valtung8- und Gerichtsakten mir

in franzÖHischer Sprache abgefasst und überall mussten Beamte,

Lehrer und (ieistliche dtis Fran/ÖHischc ver.stehcn und diene SpriK'lie

handhaben. Auch gingen fast alle Handelsverbindungen nur nach

Frankreich, w

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