Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

7. Sprachverschiedenheit. 53

Dienste als Knechte und Mägde, in Comptoirs, Werkstätten und

als Arbeiter und Bedienstete der Eisenbahnen und sonst in grosser

Zahl kamen und so die französische Sprache als ihre angewohnte

Umgangssprache in ihre Heimath zurückbrachten. Nur in den

Bauerndörfern und als Sprache am heimischen Herde und in

Herzensangelegenheiten erhielt sich die deutsche Sprache zäher,

besonders in den Gränzorten, wo natürlich dieselbe im täglichen

Verkelhe gehandhabt werden musste. Allein bei der Fortdauer

der französischen Herrschaft wäre eine allmählige Unterdrückung

der deutschen Sprache sicher zu erwarten gewesen, zumal die

Regierung nach diesem Ziele hin Alles that, was in ihrer Kraft

stand, und sogar schon im Jahre 1822 die Akademie von Metz

ihren französirenden Eifer so weit trieb, dass sie eine Preisfrage

dafür ausschrieb, wie am besten und sichersten die französische

Sprache in den noch deutschredendeu Orten an Stelle des Deutschen

eingeführt werden könne, auf welche Frage allerdings

wenig Vernünftiges

einlief,

aber schon als Radikalmittel vorgeschlagen wurde,

Gemeinden, wo man noch deutsch rede,

mit einem Steuerzuschlage

zu beglücken, der erst aufhören solle, wenn Alles französisch spreche.

Dazu kam noch der Umstand, dass es den Leuten nach und nach

an deutschen Zeitungen und deutscher Lektüre gänzlich fehlte und

daher dieselben weder französisch noch deutsch lesen und schreiben

konnten, so dass von gewissem Standpunkte aus der Archivar

Lepage in Nancy 1843 nicht ganz Unrecht hatte, wenn er meinte,

mit der Verbreitung der französischen Sprache werde auch das

Landvolk civilisirter, denn da hätten sie doch etwas gelesen, z. B.

auch über Landwirthschaft und andere nützliche Dinge, während

sie bisher von allem solchen geistigen Verkehre abgeschnitten waren

und man bei allen Buchhändlern des Landes vergebens nach deutschen

Büchern, mit Ausnahme etwa von Katechismus und Gebetbuch,

fragen konnte, ohne etwas zu linden.

Li der Gegend zwischen Nied und Mosel herrschte zwar schon

seit Jahrhunderten das romanische Idiom ziemlich vor, aber man

verstand noch bis Toul und Verdun deutsch und die eigentliche

Romanisirung des Landes begann schon unter Ludwig XIV. Früher

hatten sich die Einwohner ganz und gar nicht zu Frankreich gerechnet,

und selbst französische Historiker erwähnen es ausdrücklich,

dass die in der Diöcese Toul gebürtige Jungfrau von Orleans

bei ihrem Weggange nach Orleans erklärte: „ich werde nach

Frankreich ziehen, um es zu retten."^ Noch heute finden w^ir in

den ganz französisch gewordenen Gemeinden Flurbenennnngen mit

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