Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

7. Sprachverschiedenheit. 55

Stadt mit ihrem Handel dem Verfalle. Als aber endlich gar König

Stanislaus starb und Lothringen an Frankreich fiel, da wanderten

fast zwei Dritttheile der Einwohner aus und der Rest wäre wohl

auch mitgegangen, wenn er für sein Besitzthum nur hätte Käufer

finden können. Das waren meistens deutsch redende Einwohner.

Für sie kamen dann in das noch unter den schrecklichen Nachwehen

des dreissigjährigen Kriegs leidende Land Einwanderer aus

der Picardie und eine Menge von Hofschranzen, Beamten, Bedienstete

verschiedener Art aus dem Innern Frankreichs, um von

den entvölkerten Orten Besitz zu nehmen, und endlich wirkten

auch die zahlreichen französischen Besatzungen für die Sprachwandelung,

denn schon 1G61 hatte Ludwig XIV. eine lange Heerstrasse

durch Lothringen zu gewinnen verstanden mit Vic, Moyenvic,

Marsal, Saarburg und Pfalzburg, und bald wimmelte es an

diesen Plätzen voll französischer Familien, welchen es nicht im

Mindesten einfiel, die Sprache des Landes zu erlernen, sondern

die ihre eigene Sprache auf alle mögliche Weise daselbst einzuführen

und herrschend zu machen suchten. Letzteres war namentlich

im Süden auf der Linie von der Mosel über das Scillethal

nach Strassburg und im Norden auf der Linie Diedenhofen-Saarlouis

der Fall, und desshalb ist auf beiden Punkten die deutsche Sprache

verhältnissmässig etwas gegen den mittleren Theil zurückgedrängt

worden, i

Kurz vor dem Kriege hat man die Sprachgränze ziemlich

genau in folgender Weise festgestellt. Sie beginnt am Nordrande

des Donon, wo die Saar entspringt, und zwar auf der Wasserscheide

zwischen dieser und dem Bievrebache, wobei das ganze

Thal des letzteren mit den Orten Waldscheid, Biberskirch, Hartzweiler

und Schneckenbusch deutsch blieben. Südlich vom Mückenhof

bei Saarburg wendet sich die Sprachscheide mehr westlich,

'

Lepng-e in Nancy schrieb 1843 in seiner Statistilc: ,Iin Allgemeinen ist zu

bemerken, dass alle Orte, besonders in den Arrondisseraents Chäteau-Salins und

Saarburg, deren Namen auf bourg, alt, troff, ing, ring, ange, veiler oder viller,

berg oder ähnlich endigt, von deutschem Ursprünge sind. Diese Orte sind noch

deutsch oder waren es ursprünglich und es wurde davon nur ein Theil französisch

seit der Verheerung durch den Schwedenkrieg. Nach diesem kamen Colonisten

aus Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg, den Ardennen, dem Schwurzwalde

u. s. w., welche ihre heimische Sprache, tiewohnheiten, Sitten und Religion mitbrachten;

daher entstanden auch die Verschiedenheiten in der deutschen und

französischen Sprache, den Dialekten, Sitten und Gewohnheiten, so dass man von

Dorf zu Dorf und selbst in den verschiedenen Strassen, Vierteln und Sectionen

desselben Dorfs solche Verschiedenheiten antrifft (I. S. 19).

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