Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

10. Wohnungen. 07

10. Wohnungen.

Fast in nichts Anderem drücken sich die EigenfhüniHchkeiten

von Lothringen so sehr aus als in der Anlage der Ortschaften, der

l>auart der Häuser und in der inneren Hinrichtung derselben und

wenn man vom Elsass her etwa über Hagenau und Keichshofen

das Land betritt, wird man sofort auf den Unterschied aufmerksam,

der zwischen dem Elsass, sowie den angränzenden

deutschen Ländern und Lothringen herrscht. Dies mag in früheren

Jahrhunderten noch nicht so scharf ausgeprägt gewesen sein

und mehr an deutsche Sitte Erinnerndes bestanden haben, allein

die Kriege des sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts, welche

das Land ganz verödeten und den Untergang zahlreicher Orte

veranlassten, endeten mit der Niederbrennung und Zerstörung

fast aller Orte auf dem Lande und als man später wieder daran

ging dieselben neu aufzubauen, musste man sich mit der einfachsten

und billigsten Weise behelfen und die neuen Ansiedler

aus dem Innern Frankreichs brachten die französische Art mit

und so entstanden denn die Dörfer und Häuser in der Weise,

wie wir sie heute nocii sehen, denn es steht fest, dass in dieser

Hinsicht seither eine Veränderung oder ein Fortschritt nicht erfolgt

ist.

Die deutsche Weise ist, dass die Gemeinde in der Kegel aus

einem einzigen und zwar etwas grösseren Orte besteht, wozu nur

etwa einige Höfe und selten noch ein Weiler gehört, dass das

Dorf verschiedene Parallel- und Seitengassen, ausser jener an der

Hauptstrasse, enthält, die Häuser sich so um die möglichst auf

dem höchsten Punkte gelegene Kirche reihen, das abgeschlossene

Dorf aber auf allen Seiten von Gärten mit Obstbäumen umgeben

ist und so mitten zwischen den Kornfeldern und Wiesen eine

frische, grüne Oase bildet. Dabei bildet fasst jedes Haus mit den

dabei stehenden, aber meistens davon getrennten Scheunen und

Stallungen wieder ein abgeschlossenes Ganzes, das möglichst durch

ein Hausgärtchen von dem anderen getrennt ist, steht also, wenn

thumich, frei, ist aus Balkenwerk mit Backsteinmauern oder auch

ganz, wenigstens im unteren Stockwerke, aus Steinen erbaut und

umfasst immer mehr Räumlichkeiten , als gerade für eine Familie

nothwendig sind, ermangelt aber auch nur selten eines Kellerraums

und hat einen abgeschlossenen Hof. Man erkennt daraus

unschwer, dass diese Bauart mit dem Familien- und Heimaths-

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