Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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^' Ji'Ufl- Volk und VerwaUung-.

sinne der Deutsehen zusannnenhängt und jedem seine Eigenthiinilichkeit

und Unabhängigkeit wahren soll. Damit wird es aber in

Lothringen sofort ganz anders und nur in den Griinzorteu gegen

das Klsnss und im Norden finden langsamere Uebergänge statt,

insoferne noch ältere Dörfer und Häuser bestehen und nicht jene

kriegerische Sündfluth auch hier vollständigen Wiederaufbau derselben

nothwendig gemacht hatte.

In Lothringen siedelten sich die Leute nach jener Zeit fast

durchgängig zu beiden Seiten der Strasse an und entstand daher

meistens nur eine einzige Dorfgasse, zu der höchstens noch die

eine oder andere dadurch kam, dass sich vom Dorfe noch eine

Seitenstrasse abzweigte, die dann auch mit Häusern besetzt wurde.

Ein vollständiges Strasseunetz zeigt ein solches Dorf sehr selten

und auch dann darf man annehmen, dass dazu in der Regel die

noch erhalteneu Grundmauern des früheren Dorfs Veranlassung

gaben. Die Häuser selbst stehen entweder, wie in den Städten,

dicht an der Strasse und meistens an einander angebaut, oder

zwischen ihnen und der Strasse liegt ein Streifen Land frei und

dient dazu, den Mist unter den Fenslern und neben der Thüre auszubreiten,

wobei die Jauche durch die Strassenrinne abfliesst, und

Wagen oder anderes Geräthe aufzustellen, was dem Dorf ein unreinliches,

oft widerliches Aussehen gibt, zumal wenn, wie es vorkonnnt,

dazwischen ein sogenanntes Herrenhaus mit Allane steht,

die also gerade über dem Misthaufen thront. Dass die Kirche

auf einem freien Platze steht, kommt seltener vor; häufig findet

man sie seitwärts an der Strasse und öfters auch ausserhalb des

Dorfs, was daher kommt, dass sie wenigstens in ihren Hauptmauern

noch von früher stammt und das neuaufgebaute Dorf mohr

an die Strasse gebaut wurde.

Die deutschen Häuser bieten dem Auge durch ihre Farbe und

die Abwechslung darin einen wohlthuenden Anblick, zumal wenn

das Haikenwerk durch eine dunklere Farbe herv()rgelu)ben ist;

die lothringischen Dorlliäuser haben aber alle eine einrörmige

Flüche und eine graue oder braungelbe Tünche, welche durch den

liegen nach und nach in eine wahre Dreckfarbe übergeht und den

Anblick so unfreundlich gestaltet. Die FcnsteigcsimHC sprii1f|en

entweder gar nicht, oder docli nur unbedeutend hervor, und auch

die« bemerkt man nicht, weil sie nicht durch eine dunklere Färbung

hervortreten. Es sieht vielmehr die Aussenwand so aus,

als ob in dieselbe lediglich viereckige längliche liöcher gcschliigcn

«eleu, in "eiche boduim «li»- l'cnster eingesetzt wurdiiu. Selbst

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