Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

10. Wohnungen. 69

Fensterläden, meistens sogenannte Jalousieläden, kommen weniger

oft vor. Den trostlosesten' Anblick verursacht aber der Umstand,

dass man eigentliche Dachgesimse fasst gar nicht kennt, sondern

der Kopf des Dachs einfach auf der Ecke der flauer aufsitzt, so

dass von unten gesehen die Häuser gar keine Dachbedeckung zu

haben scheinen und man meint, es seien lauter Ruinen, die von

einem Brande herstammen. Dadurch, dass das Dach nicht durch

ein Gesimse hervorragt, fehlt nämlich oben der Abschluss, der

Regen mit dem Staub und Schmutz des Dachs läuft an der Wand

herunter und so erhält dieselbe denn auch dadurch das Aussehen,

als ob die Verunstaltung und der Schmutz durch Feuer und Feuerspritzen

entstanden seie. Ein Gesims oder eine Gipsverzierung,

um die einzelnen Stockwerke von einander abzuschliessen und so

für das Auge Anhaltspunkte und Abwechslung zu bieten, wird

auf dem Lande gewöhnlich als unnöthiger Luxus angesehen. Diese

Bauart und dies äussere Aussehen der Häuser ist übrigens nicht

blos dem Lande eigenthümlich; es ist ganz ebenso in den wenigen

Städten und selbst iu Metz und bieten daselbst nur einzelne anders

construirte Häuser und die dunkelfarbige Holzverkleidung der Ladenlokale

eine Abwechslung.

Die Aussenmauern sind in der Regel nur von geringer Dicke

und ausserdem enthält das Haus nur noch zum Abschluss des

Gangs eine ganz steinerne flauer oder doch ein ausgemauertes

Balkenwerk. Alle übrigen Wände sind einfach durch Bretter gebildet

und zwar in folgender Weise. An den unten und oben

hinziehenden Balken werden aufrecht stehende Bretter immer im

Abstände von etwa einem C'entimeter von einander befestigt und

dann in gleichem Abstände auf dieselben, aber quer, eine zweite

Reihe Bretter aufgenagelt und diese Bretterwand sodann aussen

mit Gyps verputzt. Weil die Wand auf diese Weise nur dünn

wird, 80 tritt der Thürrahmen um so mehr hervor, oft um 4 Centimeter.

Dies ist zugleich Ursache, dass die Kamine so selten aus

der Mitte des Dachs hervorragen, sondern auf die steinerne Aussenmauer

aufgebaut sind. Die altfranzösischen, breiten Kamine sitzen

daher sehr oft auf den Ecken der Häuser und pflegen zugleich

sehr hoch zu sein,

auf der Spitze jedoch häufig noch einen kleineren

überbau oder Aufbau zu haben, was den Häusern ein sehr sonderbares

Aussehen verleiht. Das Dach selbst ist gewöhnlich flach

und mit lauter Hohlziegeln gedeckt, welche mehr Gewicht haben

und daher auch dem Winde besser trotzen. Solche Dächer haben

keine sog. Dachfenster und Dachkammern^ wo aber dergleichen

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