Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

70 !• I-aiid, Volk und Verwaltung-.

angebracht werden sollen, da ist das "Dach steil und hat gewöhnlich

über den Gaupeukammeru noch eine zweite, flachere Etage.

Da die Kamine sehr hoch sind, werden sie oft durch eiserne

Staugen festgehalten, was dann dem Dache das Aussehen eines

aufgetakelten Schiffs mit Masten verleiht.

Man findet auffallend wenig Fenster und Thüren nach aussen

und dies hatte seinen Grund in der französischen Steuergesetzgebung,

welche Fenster und Thüren nach ihrer Zahl besteuerte,

so dass man also deren so wenig als möglich anbrachte. Im

Grunde genommen besteht dies Steuersystem auch heute noch,

obschon man doch so vernünftig war, besonders in den Städten,

diese Steuer nach dem Miethswerthe der betreffenden Wohnungen

zu berechnen, ohne freihch den alten Namen aufzugeben. In

grösseren Orten und Städten kommt es viel vor, dass nach der

Strasse zu blos eine hohe Mauer mit Thor steht und hinter dem

Hofe erst das A\'ohDhaus kommt. Litzteres hat dann häufig noch

eine ganze Anzahl von kleinem Höfchen im Innern des Gebäudes,

die lediglich dazu bestimmt sind,

den Zimmern Licht zu verschaffen

und doch nicht mehr Aussenfenster zu bedürfen. Es veranlasst

dies nicht blos eine grosse Platzverschwendung, sondern auch eine

sehr unbequeme Eintheilung der Zimmer und einen Ueberfluss an

kleinen Treppen und Gängen und in vielen Wohnungen kann mau

vom Gange nur in ein Zimmer gelangen und von diesem erst in

die anderen, was Alles auch nur zum Zwecke hatte, die lästige

Steuer zu

mit sich

mindern, aber natürhch die grössten Unbequemlichkeiten

bringt.

In keinem Lande findet nutn so viele schmale, aber desto

liefere und gewöhnlich mit solchen Höfchen versehene Häuser,

wie in Lothringen. In den Städten gibt es viele solcher, die in

der Fronte nur zwei, ja selbst nur ein Fenster haben. In den

Dörfern führt gewöhnlich von der Ilausthüre ein langer, schmaler

Gang durch das ganze Gebäude nach dem Hofe, Hinterhaus und

Oekonomiegebäude. Der Eintritt erfolgt auf dem Lande zunächst

in die grosse Küche, die meistens ziemlich finster ist. Hier befindet

sich in der Mitte der Hückwand ein breites Kamin, worin

auf Steinplatten und nur wenige Ceutimeter über dem Hoden ein

I-'euer brennt, auf das ein Kost zum Kochen gestellt ist. In der

•Mille den Kamin.s hängt un ('iner eisernen Kette der Supi)entoj»f

mIkt dem Feuer, und dasselbe hat in der Kegel nicht bloss das

Kamill, sondern hucIi die ganze Küche geschwärzt. Kochherde

nind erst in neuester Zt'it hier und da eingeführt, und zwar iiici-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine