Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

Hj. Wohnungen. 71

stens eiserne oder blecherne Herde von Unkel in Kastatt oder

rheiniechen Fabriken. Im ganzen Lande werden keine solclie verfertigt.

Mit der Küche und der Kochkunst sieht es überliaupt

noch nicht sehr gut aus und ist Alles von der primitivsten Art.

Ein sehr bedeutender Kaum wird überhaupt in den Zimmern durch

die französischen Kamine weggenommen, welche sehr gross und

meistens mit Marmorverkleidung versehen sind und über der

Kaminplatte einen grossen Spiegel haben. Diese Kamine stammen

\on den Franzosen her, welche mehr aus dem wärmeren Süden

kamen; auch brauchte man früher das Holz nicht zu sparen,

während es jetzt so theuer ist, dass man beim Kaminfeuer sich

nicht mehr erwärmen kann. Die Leute sind desshalb aber noch

nicht auf den vernünftigen Gedanken gerathen, die alten Kamine

abzubrechen und an ihre Stelle russische Kamine zu setzen. Vielmehr

setzt man vor diese grossen Kamine und daher so ziemlich

in die Mitte des Zimmers irdene oder Porzellanöfen und leitet

das Rohr unten oder an der Seite in das Kamin. Aber auch für

diese Oefen sorgt nicht etwa der Hauseigenthümer, sondern der

Miether muss sie mitbringen, so dass also bei jedem Umzüge der

Herd und Ofen mit wandert und dies last auch beim Abtritte

der Fall sein sollte. Mit Ausnahme ganz neuer Häuser gibt es

nämlich in ganz Lothringen keine ordentlichen Abtritte. In der

Regel besteht in jedem Hause nur ein einziger solcher, und zwar

im Hofe und für alle Stockwerke, und wem diess nicht behagt,

der mag nur auch einen Nachtstuhl mitbringen. Gewöhnlich sind

auf der Strassenseite des Hauses, selbst in Metz, Blechröhren neben

denjenigen der Dachkandel angebracht, in welche vom Fenster

aus alles Abwasser und wohl auch der flüssige Inhalt der Nachttöpfe

ausgeleert wird, ohne dass bis jetzt diesem Missstande abgeholfen

wurde. Uebrigens drängen sich ziemlich viele Handthierungen

hier auf die Strasse. In Deutschland gehen in der

Regel die Werkstätten nach rückwärts in den Hof, in Lothringen

aber gewöhnlich nach der Strasse, und gar manche Beschäftigungen

werden vor dem Hause auf der Strasse betrieben, so z. B. von

Schreinern und Schlossern; auch pflegen die Spezereihändler den

Kaffee auf der Strasse zu rösten. Dass bei solchen Einrichtungen

nicht mehr Feuersbrünste entstehen, ist zu verwundern, denn

brennen einmal derartige Wände von Holz, so ist an ein Löschen

schwer zu denken, und nur die Weite der Kamine mag Ursache

sein, dass so selten Kaminbrände entstehen. Die Kamine selbst

werden mit Seilen. Ketten und Kugeln gereinigt, und zwar häufle

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