Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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J- lanfl; Volk und Verwaltung.

von den Dienstboten selbst^ eigentliche Kaminfeger hat es bis

zur neuesten Zeit in Lothringen gar nicht gegeben und sie sind

jetzt erst in den Städten eingeführt worden.

Macht schon die Einförmigkeit der Häuser und ihrer Gruppirung,

so wie der Mangel von Blumengärtchen vor und neben

denselben keinen malerischen Eindruck, so ist diess auch meistens

mit den Kirchen der Fall, welche selten von einem freien Platze

umgeben sind. Mit Ausnahme einer Anzahl neuerer Kirchen sind

dieselben meistens alt und unansehnlich und der ursprünglich

gothische oder romanische Styl der alten Kirchen ist in der Regel

seit dem Verfalle in den erwähnten Kriegen und durch spätere

Restaurationen im vorigen Jahrhunderte arg verunstaltet. In dem

ganzen früheren Metzer Lande sind die Kirchen inmitten der Friedhöfe

fast kastellartig erbaut und zur energischen Vertheidigung

hergerichtet gewesen, hatten oben krenellirte Mauern und erschienen

stark befestigt, was um so mehr nothwendig war, als es niemals

an kleinen Kriegen fehlte und die Stadt fast fortMährend mit den

benachbarten Grossen wie den Herzogen von Lothringen und zahlreichen

Herreu zu kämpfen, Ueberfälle abzuwehren und zurückzugeben

hatte. In solchen Zeiten flüchteten die Landbewohner

ihre beste Habe in die Kirchen und dieselben widerstanden oft

längere Zeit. Meistens haben die Kirchen viereckige Thürme mit

niedrigem Dache, doch linden sich auch hohe, spitz zulaufende

Thürme. Die innere Aussckmückung pflegt ziemlich einfach, ja

ärmlich zu sein, und die zeitweise Herausputzung durch künstliche

Blumen gibt ihnen noch ein todteres Ansehen. Die Friedhöfe

lagen früher durchgängig um die Kirchen und viele davon sind

noch im Gebrauche, ohne dass die Snnitätspolizei dagegen einschritt,

was erst künftig geschehen wird. Christusbilder, namentlich Orucifixe

an Strassen, in Kirchen und Häusern, sieht man nur spärlich mid

auch da sind sie meistens alt. Man scheint den Christuskultus

wenig zu kennen und zu beachten, wogegen man um so häutiger

und zahlreicher Statuen und Bildern der Maria begegnet, welche

meistens noch in gesehmackloser Weise gefertigt sind. Selbst das

französische Kriegerdenkmal in Marie aux-Chöues ist von einer unschiuicn

Maricnstatiie tiberragt und auf den Seiten mit eingerahmten

Marienbildern umhängt. Es ist diess die schon acht Iranzösiöche

Sitte, welche in Frankreich darauf beruht, duss Maria zur Landesheiligr'n

erklärt ist, was über im Metzer Land und Lothringen

früher nicht ho der Fall war. Nur in den erst zuletzt IVanzr)sisch

gewordenen Ivandestheilen trifHl man auf Dorfplätzen, an Kirchen

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