Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

lU. Wohniingon. 73

und an Strassenkreuzungen auf grosse, steinerne oder hölzerne

Crucifixe. Auch sonstige Heiligenbilder kommen viel vor, Wallfahrten,

deren man im Lande nicht wenige kennt, finden aber

nur nach Mariakapellen statt. So ziehen alljährlich sehr grosse

Schaaren vou Wallfahrern nach Notre-Dame de la Salette beim

Dorfe Villers- rOrme östlich von Metz, wie früher auch nach

St. Barbe und anderen Orten. Während in katholischen Ländern

im Innern Deutschlands in der Ecke der Hauernwohnstube das

Crucifix niemals fehlt und auf den Jahrmärkten solche einen gesuchten

Handelsartikel bilden, findet man hier nur Marien- und

Heiligenbilder und in den Wirthschaften hängt daneben höchstens

nur noch ein Schlachtenbild

aus der Zeit des ersten Napoleon oder

dessen Portrait mit seineu hervorragenden Generalen.

Eigenthümlich ist es den Dörfern, dass den Häusern meistens

ein ordentlicher Kellerraum fehlt und man selbst den Wein in

oberirdischen Remisen aufbewahrt. Wo Keller gegraben sind,

nehmen sie nur einen kleinen Raum ein und führt im Hausgange

eine Fallthüre zur Treppe in denselben. Es Hessen sich solche

jedoch leicht graben, da vielfach Mangel au Wasser ist und z. B.

alle Dörfer auf dem Hochplateau des linken Moselufers genöthigt

sind,

Bassins oder kleine Teiche zur Ansammlung des Kegenwassers

anzulegen, worin sodann gewaschen oder das Vieh getränkt wird,

während bei Feuersbrünsten darin allein Wasser für die Feuerspritzen

gewonnen werden kann. Doppelfenster zum Schutze gegen

Kälte im Winter sind selten, auch sohliessen Fenster und Thüren

in der Kegel nicht gut. Fensternischen kennt man fast gar nicht

und selbst in der Stadt Metz fehlen solche bei den grössten und

schönsten (iebäuden , sogar wenn dieselben ziemlich dicke Mauern

haben, wo bis auf den Boden reichende Fensternischen doch zugleich

eine Bauersparniss gewährten. Während in Deutschland

die Fenster in zwei Abtheilungen getheilt sind und die obere niedriger

ist, bestehen sie in Lothringen nur aus zwei von unten bis

oben reichenden Flügeln,

und zwar mit etwas grösseren Scheiben,

wie denn auch das Glas ziemlich billig ist. Man liebt es aber

sehr, die Jalousieläden geschlossen zu halten, und desshalb haben

auch die Häuser so oft ein vereinsamtes Aussehen, als ob sie unbewohnt

wären. Es entspringt diess ganz dem Charakterzuge,

welcher die Leute, und besonders viel die Reicheren, veranlasst,

nach dem Hofe zu die Wohnung einzunehmen. Dielenboden sind

wenig gekannt; der Boden besteht regelmässig nur aus langen

Balken von 10 Centimeter Breite und dicht an einander gereiht.

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