Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

74

J- Land. Volk und Vorwäliung-.

Häufig sind dieselben in parketbodenartiger Weise verschränkt.

Dadurch werden die vielen, durch Austrocknung des Holzes entstehenden

Si)alten im Boden vermieden und ist derselbe fester;

jedoch trocknet das dazu verwendete harte Holz beim Aufwaschen

nicht so leicht und ist man daher gewöhnt, den Boden entweder

mit Wachs zu wichsen oder mit Oelfarbe anzustreichen. Auf dem

Lande und auch vielfach in der Stadt sind die Zimmer niedrig;

wo es aber nur angeht, werden Gvpsverzierungen angebracht und

gibt es viele etwas gewölbte Decken mit Stuccaturarbeiten. In

manchen Häusern von Metz, wo die Zimmer, besonders des Erdgeschosses,

sehr hoch waren und man sie seit der Vertheuerung

des Holzes nicht so leicht erwärmen konnte, hat man mehrere

Fuss unterhalb dieser gewölbten Decke mit Brettern und Gypsanstrich

eine zweite Decke angebracht, um die Zimmer niedriger

zu machen und die Wärme mehr herabzudrücken.

Wo es die Räumlichkeiten gestatteten, hat man Doppelthüren,

d. h. Thüren mit zwei Flügeln, angebracht und sind dieselben

dann ziemHch hoch. Das Beschlag derselben liebt man von blankem

Messing zu haben, und zwar hat man keine Thürklinken zum

Drücken, sondern zum Drehen; vielfach fehlen aber auch solche

und vertritt ihre Stelle einfach ein Schlüssel, deren dann zwei an

der Thüre angebracht sind, der eine zum Oelfnen, der andere

zum Verschliessen. lieber allen Kaminen sind Spiegel angebracht

und Fremde erstaunen leicht über den Luxus, der in allen Wohnungen

mit Spiegeln herrscht. Dieselben sind aber in die Wand

eingemauert mid Bestandtheile des Hauses, eine Sitte, die sich

darauf begründet, dass dadurch dieser Luxusgegenstand nicht zur

Mobiliarsteuer herangezogen werden konnte. Diese Spiegel sind

meistens recht breit und hoch und durch das feste Einmauern

auch sehr haltbar, wie überhaupt die Spiegelgläser fast immer

rein und durchaus untadelhaft eben zu sein pllegen. In Gast-,

Kiiflee-, Wein- und Bierhüusern sind an allen Wänden in geringem

Abstände oft 1*2 — '20 solcher Spiegel angebracht und gewährt

diess wegen der Vergoldung der Balimon ein reiches Aussehen,

\\'ie es underwürts den Kaum grösser erscheinen lässt.

Zur Verminderung der Mobiliarsteuer sind in allen Wänden zahlreiche

^^'a^dschränke nngcbrachl, so dass nuiu hier zu Lande

KleiderK'hrünke, Chillonuier« u. dgl. gar nicht iiiHhig hat, ja nicht

cinnuil nufstt'llen kann. Es wird dadurch auch das Aufhängen von

(iiinälden er.'^chwert. Doch linden sich auf dem Laude noch vielfueli

alte, oft gesclinilzle Niissbaumschränke und Biiflets, die mit

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine