Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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ihrem blanken Messingbeschläg sehr alterthünilich aussehen. Hier

und da sind solche Wandschränke so tief, dass darin ein Bett

angebracht ist, so dass man zum Schlafengehen bloss den Wandschrank

zu öffnen braucht. Ist hiernach im Ganzen die Zahl der

vorhandenen Mobilien sehr klein und besteht sie nur aus Kanape,

Stühlen und Tischen, etwa noch mit einem Secretär oder Butfet,

so fehlt doch fast in keinem Hause und besseren Zimmer über

dem Kamin eine Pendule, sowie irgend eine Vase u. dgl. Diese

Pendulen sind übrigens hier so allgemein verbreitet, dass sie bei

Möbelhändlern und Trödlern immer dutzendweise zum Verkaufe

aufgestellt sind, wie denn auch alte Mobilien aus den Glanzzeiten

des französischen

Hoflebens sehr häufig aus der Hinterlassenschaft

von Pensionären versteigert werden und von einer B'amilie an die

andere übergehen. Ueberhaupt findet man in Metz und in den

zahlreichen Landhäusern, die oft kleinen Schlössern gleichen, noch

ungemein viele Ueberbleibsel aus den luxuriösen Zeiten von Ludwig

XIV. und Ludwig XV., welche aber freilich auch zeigen, wie

die Familien inzwischen heruntergekommen sind, denn der Glanz

ist vielfach verblichen und am Ueberreste hat der Zahn der Zeit

genagt.

Es scheinen in Lothringen niemals gesetzliche Bestimmungen

über Einhaltung der Strassentlucht und Breite der Strassen und

Wege bestanden zu haben, denn überall ist durchaus unregeimässig

gebaut. Selbst in Metz ist seit langer Zeit nichts mehr

für Verbreiterung und Geradlegung der Strassen geschehen. Was

aber eine noch grössere Unzierde und Verunstaltung für die Strassen

bildet, diess sind die so oft vorkommenden langen und hohen,

häufig sogar haushohen Mauern ohne alle Ihüren und Fenster,

welche besonders an Klöstern und Häusern vielfach vorkommen

und in ihrem unteren Theile jetzt zum Aufkleben zahlreicher

grosser Plakate benützt werden. Es erhalten dadurch die betreffenden

Strassen ein verödetes Aussehen und vermindert den

Werth der übrigen Gebäude. Besonders aber hemmen die häufig

so engen Gassen und Wege den Verkehr und haben eine ganz

eigenthümliche Bespannung und Art der Lastwagen verursacht.

Ausser der Kirche befindet sich in den Dörfern gewöhnlich kein

besseres Gebäude aus früherer Zeit und nur in den letzten Jahrzehnten

hat man begonnen, da und dort ein Gemeindehaus

Mairiej

zu erbauen, welches zugleich für die Schule und zu anderen

Zwecken dienen muss. Früher mussten die Gemeinden auch die

Wohnung für die Gendarmerie stellen, was al)er in jüngster Zeit

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