Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde


11. Trachten, Sitten. 77

Männertraeht, wovon sich einzelne IJeslandtheile unverändert erhalten

liaben, wie Kappe, Wamms und Hosen. Man trifl't jetzt

aber auch bei der Arbeiterbevölkerung überwiegend die weiten

Pumphosen an, welche ebenfalls von blauer Farbe zu sein pflegen

und den Leuten das Aussehen eines verschobenen, auf die Spitze

gestellten Parallelogramms geben, zumal wenn sie

beide Hände in

die Hosentaschen stecken. Etwas mehr allgemeine Verbreitung

haben die Pelzmtitzen; doch werden zu den Biousen jetzt vielfach

modische niedere Hütchen und wohl auch die Franzosenkappe, mit

aufwärts stehendem Schild und nach vorn gebogen, getragen.

Frauen, Mädchen und kleine Kinder tragen in der Kegel eine

weisse Mütze oder Haube, ähnlich geformt wie die Schlafhauben,

mit einem geringelten Besatz um das Gesicht, und selten mit einem

farbigen Band. Es sieht dies sehr einförmig aus und macht einen

unangenehmen Eindruck , wenn man z. B. einen langen Zug von

Waisenkindern mit lauter solchen Hingelhauben ohne jedes farbige,

die Monotonie mildernde Band durch die Strassen ziehen

sieht. Im Sommer und Winter bietet gegen Hitze und Kälte eine

haubenartige Kappe oder Kaputze Schutz, ähnlich den Kaputzen,

die sonst von Frauen beim Ausgehen Abends über den Kopf gezogen

werden. Hier stehen sie aber mehr über das Gesicht vor,

sind sie meistens von weisser Farbe und im Winter watlirt.

Andere, besonders dunklere Farben wählt man dazu mehr in den

östlichen Gegenden und dort tritt auch das farbige Band häufiger

auf. Oefters schlingen die Frauenzimmer auch nur ein Tuch um

die Stirne. Eigentliche Volkstrachten, wie z. B. im Elsasse, haben

sich beim weiblichen Geschlechte nicht mehr erhalten und sind sie

allgemein der Modetracht gewichen. Da jedoch Stoff und Schnitt

der Kleider nicht immer den Voraussetzungen der Mode entsprechen,

sondern sie nur in ordinärerer, oft ärmliclierer Weise

wiedergeben, sowie Gesicht und Haltung der Personen mit der

Tracht gar nicht übereinstimmen, so macht dies einen widerlichen

Eindruck, zumal wenn auch noch die Farben durchaus unharmonisch

gewählt sind. In den Gebirgsgegenden tragen die Frauenzimmer

kürzere Röcke und ganz kul-ze Jacken. Die Schuhe sind in der

Regel doppelsohlig und mit vielen Nägeln besetzt,

denn das Pflaster

und Strassenmaterial ist hart und nützt das Schuhzeug sehr ab.

Ohrringe sieht man sehr häufig, selbst bei Männern, und gegen

die Luxemburger Gränze tragen dieselben Ohrringe von 1

V/^ Zoll

Durchmesser. Dort ist überhaupt noch manche wallonische Sitte

erhalten, wie auch die Sprache daran erinnert.

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