Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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^- Lnnd, Volk und Verwaltung.

Besondere Eigenthümlichkeiteu begegnen uns auf zahlreichen

Seiten des tägliche)] Thuns und Treibens. So ist schon das in

Lothringen übliche Brod ganz anders geartet,

wie über dem Rheine.

Obschon mitten im Salzlande gelegen, salzt doch der Lothringer

Bäcker das Brod nicht und kennt er auch nur Weissbrod, das

trotz seiner Sprödigkeit und Trockenheit allein gegessen wird.

Halbweisses und schwarzes Roggenbrod backen erst nur die eingewanderten

Bäcker. Die Form des Brodes ist auch hier rund;

aber in Deutschland sind die Laibe von nicht so grossem Durchmesser

und höher, hier dagegen sind sie breiter, bis zu 1^2 bis

2 Fuss, und flacher, ähnlich wie Kuchen, haben aber auf dem

Lande eine oft unregelmässige, unförmliche Gestalt. Das Brod

in den Städten wird in Ringform gebacken und das Brod

übei'haupt nach dem Gewichte verkauft; was am Gewichte des

Laibs ödes Rings fehlt, wird in Stücken hinzugewogen, wodurch

freilich auch eine bessere Controle möglich ist. Man hat übrigens

ausser diessen grösseren Ringen noch klehiere Laibchen

und backt

Weissbrödehen zu je 2 und 1 Sous. Feinere Brödchen, namentlich

sogenannte INlilehbrödchen mit Butter, kommen weniger vor;

was man von solchem feineren Gebäck will, muss man beim

Pastetenbäcker oder CJonditor holen. Die meisten Dörfer in der

Umgebung von Metz holen allen ihren Brodbedarf in der Stadt;

sie tragen aber denselben nicht etwa in Körben auf dem Kopfe,

sondern fast zu Allem werden Rückkörbe verwendet, wie solche

überhaupt gewöhnlich in (Jebirgsgegenden vorzukommen pflegen;

jedoch sind es nicht immer geflochtene Körbe, sondern auch Holzgestelle,

und die Traglast liegt nicht im Korbe, sondern auf demselben.

Mit dem Essen wird es auch anders gehalten, wie am Rheine

und im östlichen Deutschland. In den Städten wird um 12— 1 Uhr

ein Dejeuner genommen, bestehend in Fleisch, Salat oder Gemüse

mit Käse oder anderem Dessert, um H Uhr Abends aber dos eigentliche

Mittagsessen mit Sup|)e. Auf dem Lande isst man häufig um

II -J2 Uhr, weil daselbst auch das Tagewerk IrUher beginnt.

Dort wird aber häufig gar nicht in Gemeinschaft gegessen, sondern

.leder nimmt sich seinen Theil auf einen Teller und setzt sich

/.um J'^Hcn auf die 'Jhilrschwelle, Treppe oder wo es ihm gerade

bequem ist. Suppe, Fleisch und (iemüse ist gewöhnlich auf dem-

«elben Teller. Selbst in den besseren Fällen ist es Regel, dass

muri auf dem blossen Tische isst uiul sich keines Tischtuchs bedient,

wenigstens nicht an den Wochentagen, und es verleiht

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