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Videospiele verändern visuelle Aufmerksamkeit - Joachimschmid.ch

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Neue Zür<strong>ch</strong>er Zeitung FORSCHUNG UND TECHNIK Samstag, 04.06.2003 Online<br />

<strong>Videospiele</strong> <strong>verändern</strong> <strong>visuelle</strong> <strong>Aufmerksamkeit</strong><br />

Wer regelmässig <strong>Videospiele</strong> spielt, eignet si<strong>ch</strong><br />

spezielle <strong>visuelle</strong> Fertigkeiten an - zumindest, wenn<br />

Baller- und Actionspiele über den Monitor flimmern.<br />

Bei <strong>Aufmerksamkeit</strong>s- und Wahrnehmungstests<br />

der Neurowissens<strong>ch</strong>afterin Daphne Bavelier<br />

von der University of Ro<strong>ch</strong>ester haben Spieler bis<br />

zu 50 Prozent besser abges<strong>ch</strong>nitten als Ni<strong>ch</strong>tspieler.<br />

Sie konnten Objekte no<strong>ch</strong> am Rand ihres Blickfelds<br />

identifizieren, eine grössere Zahl von Objekten auf<br />

dem Bilds<strong>ch</strong>irm wahrnehmen und glei<strong>ch</strong>zeitig im<br />

Auge behalten. Au<strong>ch</strong> wenn Actionspiele einen eher<br />

stumpfsinnigen Eindruck ma<strong>ch</strong>en, kommentiert<br />

Bavelier ihre Arbeit in der Zeits<strong>ch</strong>rift «Nature», so<br />

steigern sie offenbar die Fähigkeit des Hirns, mehrere<br />

Dinge glei<strong>ch</strong>zeitig wahrzunehmen. Allerdings<br />

habe die Verbesserung der <strong>visuelle</strong>n <strong>Aufmerksamkeit</strong><br />

keinen Einfluss auf andere Fertigkeiten wie Lesen,<br />

S<strong>ch</strong>reiben oder Re<strong>ch</strong>nen, und au<strong>ch</strong> für den IQ-<br />

Test würden die <strong>Videospiele</strong> vermutli<strong>ch</strong> wenig helfen.<br />

Rekrutiert hatte die Wissens<strong>ch</strong>afterin ihre 18- bis<br />

23-jährigen Testpersonen an der Universität. Die<br />

Spieler waren allerdings allesamt männli<strong>ch</strong> - auf<br />

dem ganzen Campus liess si<strong>ch</strong> keine einzige Studentin<br />

finden, die die von der Professorin aufgeführten<br />

kampflastigen Spiele wie «Counterstrike»<br />

oder «Spiderman» innerhalb des letzten halben Jahres<br />

mindestens vier Tage die Wo<strong>ch</strong>e für mindestens<br />

eine Stunde gespielt hatte. Im ersten Test liess Bavelier<br />

die Probanden Quadrate oder Rhomben auf<br />

einem mit geometris<strong>ch</strong>en Formen überladenen<br />

Bilds<strong>ch</strong>irm identifizieren. Je mehr Objekte si<strong>ch</strong> auf<br />

dem Monitor tummelten, umso grösser wurde der<br />

Leistungsunters<strong>ch</strong>ied zwis<strong>ch</strong>en Spielern und Ni<strong>ch</strong>tspielern.<br />

Im zweiten Test flimmerten Quadrate kurz<br />

über den Monitor. Im S<strong>ch</strong>nitt drei Objekte konnten<br />

die Ni<strong>ch</strong>tspieler auf einmal wahrnehmen, waren es<br />

mehr, mussten sie sie mühsam - und in der Eile<br />

häufig fehlerhaft - abzählen. Die versierten «Counterstrike»-Spieler<br />

hingegen konnten dur<strong>ch</strong>s<strong>ch</strong>nittli<strong>ch</strong><br />

fünf Quadrate ohne grosses Na<strong>ch</strong>zählen erkennen,<br />

beim Zählen war ihre Fehlerquote deutli<strong>ch</strong> geringer.<br />

In zwei weiteren Experimenten ging es um<br />

die Fähigkeit, s<strong>ch</strong>nelle <strong>visuelle</strong> Informationen zu<br />

verarbeiten und die <strong>Aufmerksamkeit</strong> immer wieder<br />

neu auszuri<strong>ch</strong>ten. Wieder waren die Spieler den<br />

Ni<strong>ch</strong>tspielern weit überlegen.<br />

Ein Problem aber blieb Bavelier na<strong>ch</strong> diesen Tests:<br />

Konnte es sein, dass si<strong>ch</strong> unter den Spielern nur<br />

Personen mit von vorneherein aussergewöhnli<strong>ch</strong><br />

ausgebildeten Wahrnehmungsfähigkeiten befanden?<br />

Viellei<strong>ch</strong>t tendieren ja eher sol<strong>ch</strong>e Mens<strong>ch</strong>en<br />

zum <strong>Videospiele</strong>n, die sie mit Erfolg absolvieren,<br />

während Ni<strong>ch</strong>tspieler eben wegen ihres Ni<strong>ch</strong>ter-<br />

Von Anne Markowski<br />

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folgs eher einen Bogen um den Joystick ma<strong>ch</strong>en.<br />

Um eine sol<strong>ch</strong>e Mögli<strong>ch</strong>keit auszus<strong>ch</strong>liessen, liess<br />

sie Ni<strong>ch</strong>tspieler eine Stunde pro Tag an zehn aufeinander<br />

folgenden Tagen trainieren - entweder mit<br />

dem Ballervideospiel «Medal of Honor», in dem<br />

Kampfsituationen des Zweiten Weltkriegs simuliert<br />

werden, oder dem Puzzlevideo «Tetris». Während<br />

bei «Medal of Honor» die <strong>Aufmerksamkeit</strong> wieder<br />

auf mehrere Objekte glei<strong>ch</strong>zeitig aufgeteilt werden<br />

muss, kann si<strong>ch</strong> der Spieler bei «Tetris» auf ein<br />

einziges Objekt konzentrieren. Das Ergebnis: Zwar<br />

verbesserten alle Probanden ihre Fertigkeiten, do<strong>ch</strong><br />

nur das Actionspiel erhöhte die <strong>visuelle</strong> <strong>Aufmerksamkeit</strong>.<br />

Bei den Neulingen liessen die neu gewonnenen<br />

Fähigkeiten indes innerhalb einiger Monate<br />

wieder na<strong>ch</strong>, während sie in den wirkli<strong>ch</strong> angefressenen<br />

Spielern fest verwurzelt s<strong>ch</strong>ienen.<br />

Nun will Bavelier herausfinden, wel<strong>ch</strong>e Faktoren in<br />

den Videos zu den Gehirnveränderungen führen.<br />

Sind Gewalt und Gefahr zum Beispiel notwendig?<br />

Spielt das Alter der Spieler eine Rolle? Das amerikanis<strong>ch</strong>e<br />

Militär jedenfalls habe mit grossem Interesse<br />

auf ihre Fors<strong>ch</strong>ungsresultate reagiert, sagte<br />

Bavelier der «New York Times». Spezialeinheiten<br />

würden dort inzwis<strong>ch</strong>en mit Actionvideos ges<strong>ch</strong>ult.<br />

Denn wenn Soldaten unbekanntes Territorium<br />

beträten, benötigten sie genau die damit trainierte<br />

Fähigkeit: eine s<strong>ch</strong>nelle, genaue Wahrnehmung des<br />

Umfelds.<br />

Quelle: Nature 423, 534-537 (2003).<br />

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Neue Zür<strong>ch</strong>er Zeitung FORSCHUNG UND TECHNIK Mittwo<strong>ch</strong>, 23.03.05 Nr 69 65<br />

Die Mühen der Frauen mit der Mathematik<br />

Negative Vorurteile beeinträ<strong>ch</strong>tigen die Leistungsfähigkeit<br />

Von Ralph Eri<strong>ch</strong> S<strong>ch</strong>midt<br />

Frauen sind in Mathematik-intensiven Studienri<strong>ch</strong>tungen na<strong>ch</strong> wie vor untervertreten. Vers<strong>ch</strong>iedentli<strong>ch</strong><br />

wird daher vermutet, ihre Begabung für mathematis<strong>ch</strong>es Denken sei geringer als jene der Männer.<br />

Sozialpsy<strong>ch</strong>ologis<strong>ch</strong>e Experimente spre<strong>ch</strong>en allerdings gegen diese Annahme: Sie zeigen vielmehr,<br />

dass die Last sol<strong>ch</strong>er Vorurteile die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Probanden deutli<strong>ch</strong><br />

beeinträ<strong>ch</strong>tigen kann.<br />

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Wie lässt si<strong>ch</strong> erklären, dass Frauen in mathematiklastigen<br />

Studiengängen wie den Natur- und Ingenieurwissens<strong>ch</strong>aften<br />

no<strong>ch</strong> immer eine Minderheit<br />

darstellen? Na<strong>ch</strong> einer verbreiteten, wennglei<strong>ch</strong> aus<br />

Gründen „politis<strong>ch</strong>er Korrektheit“ meist vers<strong>ch</strong>wiegenen<br />

Ansi<strong>ch</strong>t ist dies auf „angeborene“ oder<br />

„natürli<strong>ch</strong>e“ Begabungsunters<strong>ch</strong>iede zwis<strong>ch</strong>en den<br />

Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tern zurückzuführen. In jüngerer Zeit hat<br />

die Entdeckung struktureller Unters<strong>ch</strong>iede zwis<strong>ch</strong>en<br />

den Gehirnen von Frauen und Männern dieser Auffassung<br />

zusätzli<strong>ch</strong> Auftrieb verliehen: Die Existenz<br />

anatomis<strong>ch</strong>er Eigenheiten lässt intellektuelle Differenzen<br />

zwis<strong>ch</strong>en den Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tern in einem legitimeren<br />

Li<strong>ch</strong>t ers<strong>ch</strong>einen. Wissens<strong>ch</strong>aftli<strong>ch</strong> gesehen<br />

kann aber aus anatomis<strong>ch</strong>en oder funktionellen<br />

Unters<strong>ch</strong>ieden, zum Beispiel einer breiteren neuronalen<br />

Verbindung zwis<strong>ch</strong>en den beiden Hirnhälften<br />

oder einer anderen Verteilung der aktiven Hirnregionen<br />

bei gewissen Tätigkeiten, ni<strong>ch</strong>t auf unters<strong>ch</strong>iedli<strong>ch</strong>e<br />

kognitive Fähigkeiten ges<strong>ch</strong>lossen werden.<br />

Die Ma<strong>ch</strong>t der Stereotype<br />

Als si<strong>ch</strong> Ende der neunziger Jahre in den USA<br />

und Kanada die Sozialpsy<strong>ch</strong>ologen Steven J. Spencer,<br />

Claude M. Steele und Diane M. Quinn mit der<br />

Frage zu bes<strong>ch</strong>äftigen begannen, warum Frauen bei<br />

mathematis<strong>ch</strong>en Examen oft s<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>ter abs<strong>ch</strong>neiden<br />

als Männer, mutmassten sie, dass Stigmatisierungsprozesse<br />

in der Testsituation im Spiel sein könnten.<br />

Um ihre These zu überprüfen, rekrutierten die Wissens<strong>ch</strong>after<br />

männli<strong>ch</strong>e und weibli<strong>ch</strong>e Studenten, die<br />

beim Eintritt in die University of Mi<strong>ch</strong>igan zu den<br />

15 Prozent Besten in Mathematik gehört hatten und<br />

na<strong>ch</strong> eigenen Angaben grossen Wert auf ihre Leistungen<br />

in diesem Fa<strong>ch</strong> legten. In einem Experiment<br />

bekamen diese dann s<strong>ch</strong>wierige Mathematikaufgaben<br />

vorgesetzt.<br />

Einem Teil der Probanden wurde dabei mitgeteilt,<br />

es handle si<strong>ch</strong> um einen Test, in dem Frauen<br />

ebenso gute Resultate erzielten wie Männer; den<br />

übrigen Versu<strong>ch</strong>spersonen hingegen wurde gesagt,<br />

die Prüfung führe je na<strong>ch</strong> Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>t zu unters<strong>ch</strong>iedli<strong>ch</strong>en<br />

Ergebnissen. Die Auswirkungen dieser<br />

beiden Spielarten der Test<strong>ch</strong>arakterisierung waren<br />

dramatis<strong>ch</strong>: Na<strong>ch</strong> der „ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tsneutralen“ Be-<br />

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s<strong>ch</strong>reibung errei<strong>ch</strong>ten die Studentinnen ebenso gute<br />

Ergebnisse wie die Studenten – na<strong>ch</strong> dem Hinweis<br />

auf ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tsbedingte Unters<strong>ch</strong>iede jedo<strong>ch</strong> bra<strong>ch</strong><br />

die Leistung der Frauen ein. Sie erzielten weniger<br />

als halb so viele Punkte wie unter „neutralen“ Bedingungen.<br />

Spencer und Kollegen interpretierten diesen<br />

Leistungsabfall damit, dass der Hinweis auf die Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tsabhängigkeit<br />

der Testresultate die Studentinnen<br />

an das negative Stereotyp erinnert habe, wona<strong>ch</strong><br />

Frauen für Mathematik weniger begabt seien<br />

als Männer; die Befür<strong>ch</strong>tung, das eigene Verhalten<br />

könnte sozusagen dur<strong>ch</strong> die Linsen dieses Vorurteils<br />

wahrgenommen werden und s<strong>ch</strong>limmstenfalls<br />

gar als Bestätigung dafür dienen, habe daraufhin ihre<br />

Leistungsfähigkeit untergraben – „stereotype<br />

threat“, Bedrohung dur<strong>ch</strong> Stereotype, sei am Werk<br />

gewesen. Weitere Belege für die Ernsthaftigkeit<br />

dieser Bedrohung – unabhängig vom Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>t –<br />

ergaben si<strong>ch</strong> aus Studien, die si<strong>ch</strong> mit dem s<strong>ch</strong>ulis<strong>ch</strong>en<br />

und akademis<strong>ch</strong>en Zurückbleiben ethnis<strong>ch</strong>er<br />

Minderheiten in den USA befassten. Wies man<br />

s<strong>ch</strong>warze Studenten vor einem Test darauf hin, dass<br />

die Resultate Rücks<strong>ch</strong>lüsse auf ihre intellektuellen<br />

Fähigkeiten erlauben würden, dann lag ihr Leistungsniveau<br />

regelmässig unter demjenigen ihrer<br />

weissen Mitprüflinge; stellte man ihnen dieselben<br />

Tests hingegen als „ni<strong>ch</strong>tdiagnostis<strong>ch</strong>“ im Hinblick<br />

auf ihre Fähigkeiten vor, dann erwiesen si<strong>ch</strong><br />

S<strong>ch</strong>warze und Weisse als ebenbürtig.<br />

Dass selbst traditionell wenig diskriminierte Bevölkerungsgruppen<br />

von der Bedrohung dur<strong>ch</strong> Vorurteile<br />

ni<strong>ch</strong>t ausgenommen sind, geht aus einer<br />

Untersu<strong>ch</strong>ung hervor, die unter der Leitung von Joshua<br />

Aronson an der Stanford University dur<strong>ch</strong>geführt<br />

wurde. Als Probanden dienten den Fors<strong>ch</strong>ern<br />

weisse Studenten, die in Mathematik sehr gute<br />

Testergebnisse erzielt hatten und dieses Fa<strong>ch</strong> für<br />

wi<strong>ch</strong>tig era<strong>ch</strong>teten. Einer Teilnehmergruppe wurde<br />

zu Beginn des Experiments mitgeteilt, die Wissens<strong>ch</strong>after<br />

su<strong>ch</strong>ten die Gründe für die Überlegenheit<br />

der Asiaten in der Mathematik zu ermitteln; zudem<br />

wurden den Versu<strong>ch</strong>spersonen Zeitungsartikel vorgelegt,<br />

wel<strong>ch</strong>e von der Kluft in der akademis<strong>ch</strong>en<br />

Leistung zwis<strong>ch</strong>en den asiatis<strong>ch</strong>en und den weissen<br />

Studenten handelten. Einer anderen Gruppe wurde<br />

eingangs ledigli<strong>ch</strong> gesagt, die Studie befasse si<strong>ch</strong><br />

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mit mathematis<strong>ch</strong>er Leistungsfähigkeit. Beide<br />

Gruppen hatten daraufhin einen Mathematiktest zu<br />

absolvieren.<br />

Bei der ersten Gruppe war prompt ein Leistungseinbru<strong>ch</strong><br />

zu beoba<strong>ch</strong>ten – dur<strong>ch</strong> die Erwähnung des<br />

Stereotyps der überlegenen Asiaten mussten si<strong>ch</strong><br />

diese Studenten wie in den S<strong>ch</strong>atten gestellt gefühlt<br />

haben. Dies ist umso bemerkenswerter, als ni<strong>ch</strong>t<br />

davon auszugehen ist, dass diese weissen „Superre<strong>ch</strong>ner“<br />

während ihrer Sozialisierung kontinuierli<strong>ch</strong><br />

mit negativen Stereotypen konfrontiert worden<br />

waren. Offenbar setzt die leistungsmindernde<br />

Ma<strong>ch</strong>t der Vorurteile keine lange Vorges<strong>ch</strong>i<strong>ch</strong>te ihrer<br />

Verinnerli<strong>ch</strong>ung voraus.<br />

Was die Leistungsfähigkeit von Frauen in der<br />

Mathematik anbelangt, so sind in den letzten Jahren<br />

au<strong>ch</strong> weitere Arbeiten der Frage na<strong>ch</strong>gegangen,<br />

wel<strong>ch</strong>e Charakteristika einer Situation negative Stereotype<br />

wa<strong>ch</strong>zurufen vermögen. So bat man Studentinnen,<br />

ihr Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>t unmittelbar vor einem<br />

Mathematiktest auf den Antwortblättern anzugeben:<br />

In diesem Test erzielten sie im Dur<strong>ch</strong>s<strong>ch</strong>nitt<br />

s<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tere Ergebnisse, als wenn sie ihr Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>t<br />

erst dana<strong>ch</strong> zu vermerken hatten; befanden si<strong>ch</strong><br />

Studentinnen in der Testsituation ihren männli<strong>ch</strong>en<br />

Kollegen gegenüber in der Minderzahl, dann<br />

s<strong>ch</strong>nitten sie s<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>ter ab als Kommilitoninnen,<br />

die ganz unter si<strong>ch</strong> waren. Und in wel<strong>ch</strong>em Ausmass<br />

au<strong>ch</strong> ausserhalb der eigentli<strong>ch</strong>en Prüfungssituation<br />

liegende Faktoren die Vorurteile zu wecken<br />

vermögen, lässt ein Versu<strong>ch</strong> erahnen, der unter der<br />

Leitung von Paul G. Davies an der University of<br />

Waterloo in Kanada dur<strong>ch</strong>geführt wurde.<br />

Fernsehwerbung s<strong>ch</strong>ürt Vorurteile<br />

Bei Davies' Probanden handelte es si<strong>ch</strong> um Studentinnen<br />

und Studenten, die angegeben hatten, gut<br />

in Mathematik zu sein und Wert auf dieses Fa<strong>ch</strong> zu<br />

legen. Zunä<strong>ch</strong>st spielte er ihnen TV-Werbespots<br />

unter dem Vorwand vor, sie später na<strong>ch</strong> ihren Erinnerungen<br />

daran zu befragen. Eine Teilnehmergruppe<br />

bekam dabei zwei Spots zu sehen, die Frauen in<br />

ni<strong>ch</strong>tstereotypen Rollen zeigten: Im ersten beeindruckte<br />

eine attraktive Frau einen Mann mit ihrem<br />

Wissen über das Mas<strong>ch</strong>inenbauwesen, im zweiten<br />

äusserte si<strong>ch</strong> eine Frau kompetent über Probleme<br />

des Gesundheitswesens. Der anderen Gruppe wurden<br />

zwei Spots mit Frauen in stereotypen Rollen<br />

gezeigt: Im ersten hopste eine junge Frau vor lauter<br />

Begeisterung über ein neues Anti-Akne-Produkt auf<br />

ihrem Bett herum, im zweiten versetzte eine neue<br />

Brownie-Mis<strong>ch</strong>ung eine Frau in eine Art kulinaris<strong>ch</strong>er<br />

Ekstase. Nebenbei bemerkt: All diese Spots<br />

wurden damals tatsä<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong> im Fernsehen ausgestrahlt.<br />

Na<strong>ch</strong> dem Werbeblock folgte eine Worterkennungsaufgabe,<br />

bei der die Versu<strong>ch</strong>steilnehmer so<br />

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s<strong>ch</strong>nell wie mögli<strong>ch</strong> anzugeben hatten, ob eine auf<br />

einem Computerbilds<strong>ch</strong>irm ers<strong>ch</strong>einende Bu<strong>ch</strong>stabenfolge<br />

ein Wort ergab oder ni<strong>ch</strong>t. Bei der Auswertung<br />

der Reaktionszeiten stellte Davies fest,<br />

dass die Männer und Frauen, wel<strong>ch</strong>e die stereotypen<br />

Spots gesehen hatten, klis<strong>ch</strong>eehaft Frauen bes<strong>ch</strong>reibende<br />

Wörter wie „intuitiv“, „irrational“ oder<br />

„emotional“ s<strong>ch</strong>neller erkannten als die andere<br />

Gruppe, wel<strong>ch</strong>e die ni<strong>ch</strong>tstereotypen Spots anges<strong>ch</strong>aut<br />

hatte. Die filmis<strong>ch</strong>e Inszenierung femininer<br />

Exaltation ob einer Akne-Arznei und einer Backmis<strong>ch</strong>ung<br />

hatte also kognitive Spuren hinterlassen:<br />

Ein Netzwerk von stereotypen Konzepten war aktiviert<br />

worden, und dur<strong>ch</strong> dieses „Vorwärmen“ hatten<br />

si<strong>ch</strong> die entspre<strong>ch</strong>enden Antwortzeiten verkürzt.<br />

Den Abs<strong>ch</strong>luss des Experiments bildete ein Mathematiktest.<br />

Dabei s<strong>ch</strong>nitten die Studentinnen,<br />

wel<strong>ch</strong>e die stereotypen Spots zu sehen bekommen<br />

hatten, signifikant s<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>ter ab als alle anderen<br />

Probanden. Ihre Testleistung liess si<strong>ch</strong> statistis<strong>ch</strong><br />

aufgrund der Aktivierung der Stereotype sogar vorhersagen:<br />

Je stärker die Klis<strong>ch</strong>eevorstellungen<br />

dur<strong>ch</strong> die Filmvorführung aktiviert worden waren,<br />

desto weniger punkteten die Teilnehmerinnen in der<br />

darauf folgenden Prüfung.<br />

Rückzug aus dem Zahlenrei<strong>ch</strong><br />

Zwei weitere Experimente enthüllten, dass die<br />

psy<strong>ch</strong>ologis<strong>ch</strong>en Na<strong>ch</strong>wirkungen der Werbebots<strong>ch</strong>aften<br />

no<strong>ch</strong> viel weiter rei<strong>ch</strong>ten. Davies rekrutierte<br />

wiederum Studentinnen und Studenten, die in<br />

einem Fragebogen angegeben hatten, gut in Mathematik<br />

zu sein und Wert auf dieses Fa<strong>ch</strong> zu legen.<br />

Beide Versu<strong>ch</strong>e begannen erneut mit einem Werbeblock:<br />

Einer Gruppe von Probanden wurden neutrale<br />

Spots gezeigt, einer anderen Gruppe die bereits<br />

erwähnten Spots mit stereotypen Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>terdarstellungen.<br />

Im ersten Versu<strong>ch</strong> hatten die Teilnehmer<br />

dana<strong>ch</strong> die Mögli<strong>ch</strong>keit, si<strong>ch</strong> entweder mathematis<strong>ch</strong>en<br />

oder verbalen Aufgaben zuzuwenden.<br />

Männer gaben dabei häufiger den mathematis<strong>ch</strong>en<br />

den Vorzug; Frauen taten dies nur na<strong>ch</strong> dem neutralen<br />

Spot – sonst wandten sie si<strong>ch</strong> häufiger den<br />

verbalen zu, sie zogen si<strong>ch</strong> also aus der vorurteilsbehafteten<br />

Domäne der Mathematik zurück.<br />

Im zweiten Versu<strong>ch</strong> wurden die Teilnehmer ans<strong>ch</strong>liessend<br />

an den Werbeblock na<strong>ch</strong> ihren Studienund<br />

Berufszielen befragt. Die Studenten bekundeten<br />

dabei im Dur<strong>ch</strong>s<strong>ch</strong>nitt mehr Interesse für<br />

„quantitative“ Fa<strong>ch</strong>berei<strong>ch</strong>e, also Berei<strong>ch</strong>e, die<br />

mathematis<strong>ch</strong>e Fähigkeiten voraussetzen, wie Mathematik,<br />

Physik oder Ingenieurwissens<strong>ch</strong>aften; die<br />

Studentinnen drückten na<strong>ch</strong> dem neutralen Spot e-<br />

benfalls mehr Interesse für Quantitatives aus – na<strong>ch</strong><br />

den Akne-Medizin- und Ku<strong>ch</strong>en-Spots indessen<br />

bevorzugten sie verbale Fa<strong>ch</strong>berei<strong>ch</strong>e wie Linguistik<br />

oder Journalismus. Die flü<strong>ch</strong>tige Begegnung mit<br />

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stereotypen Frauenfiguren hatte also ausgerei<strong>ch</strong>t,<br />

um Studentinnen in ihren Lebensentwürfen die Zonen<br />

ums<strong>ch</strong>iffen zu lassen, in denen ihre Karrieren<br />

auf Vorurteile aufzulaufen drohten; sie hatten si<strong>ch</strong><br />

aus den Gefahrenberei<strong>ch</strong>en zurückgezogen. Mit einem<br />

sol<strong>ch</strong>en Verhalten lässt si<strong>ch</strong> aber au<strong>ch</strong> die Untervertretung<br />

von Frauen in Mathematik-intensiven<br />

Fa<strong>ch</strong>berei<strong>ch</strong>en erklären. Diese verstärkt ihrerseits<br />

die Vorurteile über ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tsbedingte Begabungsunters<strong>ch</strong>iede<br />

– der Teufelskreis s<strong>ch</strong>liesst si<strong>ch</strong>.<br />

In der Fors<strong>ch</strong>ung werden heute drei Arten von<br />

Strategien zur Änderung dieser Situation unters<strong>ch</strong>ieden.<br />

Kontextuelle Strategien setzen direkt an<br />

den Testsituationen an und su<strong>ch</strong>en sie so stereotypneutral<br />

wie mögli<strong>ch</strong> zu gestalten. Relationale Strategien<br />

zielen darauf ab, Erfahrungen zu begünstigen,<br />

wel<strong>ch</strong>e Vorurteile zu widerlegen vermögen: So<br />

können zum Beispiel Personen, die trotz ihrer negativ<br />

stereotypisierten sozialen Identität erfolgrei<strong>ch</strong><br />

sind, als Vorbilder dienen, sind sie do<strong>ch</strong> ein Beweis<br />

dafür, dass man aus dem Gefängnis der gema<strong>ch</strong>ten<br />

Meinungen ausbre<strong>ch</strong>en kann. Individuelle Strategien<br />

s<strong>ch</strong>liessli<strong>ch</strong> setzen auf Wissensvermittlung, um<br />

negative Stereotype im Denken der davon Betroffenen<br />

zu ents<strong>ch</strong>ärfen.<br />

Die Bedeutung der persönli<strong>ch</strong>en Einstellung zu<br />

den Klis<strong>ch</strong>eevorstellungen lässt eine Studie erkennen,<br />

die Toni S<strong>ch</strong>mader mit Kollegen von der University<br />

of Arizona im vergangenen Jahr publiziert<br />

hat. In einem Experiment entdeckten die Fors<strong>ch</strong>er<br />

eine Untergruppe von Studentinnen, die si<strong>ch</strong> als<br />

immun gegen Vorurteile erwies. Obwohl die Experimentatoren<br />

sie zu Beginn eines Mathematiktests<br />

darauf hingewiesen hatten, dass man ihre Ergebnisse<br />

mit denen von Männern verglei<strong>ch</strong>en würde, fielen<br />

ihre Leistungen ni<strong>ch</strong>t ab. Kennzei<strong>ch</strong>en dieser<br />

uners<strong>ch</strong>rockenen Studentinnen war der kritis<strong>ch</strong>e<br />

Blick, mit dem sie hergebra<strong>ch</strong>ten Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>terbildern<br />

begegneten: In ihren Fragebogenantworten<br />

kam zum Ausdruck, dass sie kaum an die männli<strong>ch</strong>e<br />

Überlegenheit in Mathematik glaubten. Es wäre<br />

daher si<strong>ch</strong>er von Vorteil, wenn negative Stereotype<br />

vermehrt öffentli<strong>ch</strong>er Diskussion und Kritik unterzogen<br />

würden, denn solange sie die Diskurse über<br />

ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tsbedingte und andere Begabungsdifferenzen<br />

prägen, werden die Betroffenen immer wieder<br />

hinter ihren Mögli<strong>ch</strong>keiten zurückbleiben – ungea<strong>ch</strong>tet<br />

aller Bekenntnisse zur Chancenglei<strong>ch</strong>heit.<br />

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Neue Zür<strong>ch</strong>er Zeitung FORSCHUNG UND TECHNIK Samstag, 14.05.2003 Online<br />

Von Bartwu<strong>ch</strong>s und Hirns<strong>ch</strong>lägen<br />

Studie zum Risiko für Kreislaufkrankheiten bei den Männern<br />

Von Barbara Baumann<br />

Lässt si<strong>ch</strong> bei Männern vom Bartwu<strong>ch</strong>s auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten<br />

s<strong>ch</strong>liessen? Englis<strong>ch</strong>e Wissens<strong>ch</strong>after meinen ja. In einer Studie belegen sie, dass Männer mit<br />

starkem Bartwu<strong>ch</strong>s seltener Herzinfarkte und Hirns<strong>ch</strong>läge erleiden. Um diesen Zusammenhang<br />

zu verstehen, brau<strong>ch</strong>t es allerdings no<strong>ch</strong> weitere Untersu<strong>ch</strong>ungen.<br />

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Studien, die si<strong>ch</strong> mit dem Zusammenhang zwis<strong>ch</strong>en<br />

Hormonhaushalt und der Wahrs<strong>ch</strong>einli<strong>ch</strong>keit, an<br />

Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken, befassen,<br />

kommen ni<strong>ch</strong>t immer zu übereinstimmenden Erkenntnissen.<br />

Trotzdem ist si<strong>ch</strong> die Mehrheit der<br />

Wissens<strong>ch</strong>after einig, dass ein stark erhöhter Spiegel<br />

an männli<strong>ch</strong>en Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tshormonen ein Herzinfarktrisiko<br />

bedeuten kann. Dass diese Beziehung<br />

komplexer sein dürfte als bisher angenommen,<br />

bringt nun eine neue englis<strong>ch</strong>e Untersu<strong>ch</strong>ung zutage.<br />

Die Gruppe unter der Leitung von Shah Ebrahim<br />

von der Bristol University stellte nämli<strong>ch</strong> fest,<br />

dass Herz-Kreislauf- Krankheiten genauso gut mit<br />

einem niedrigen Spiegel an männli<strong>ch</strong>en Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tshormonen<br />

einhergehen können.<br />

Untersu<strong>ch</strong>ung der Rasiergewohnheiten<br />

Während einer Periode von zwanzig Jahren zei<strong>ch</strong>neten<br />

die englis<strong>ch</strong>en Wissens<strong>ch</strong>after die Lebensgewohnheiten<br />

und Krankenges<strong>ch</strong>i<strong>ch</strong>ten von 2438 walisis<strong>ch</strong>en<br />

Männern im Alter zwis<strong>ch</strong>en 45 und 59<br />

Jahren auf. Da männli<strong>ch</strong>e Sexualhormone unter anderem<br />

für die Ausbildung sekundärer Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tsmerkmale,<br />

wie zum Beispiel den Bartwu<strong>ch</strong>s, verantwortli<strong>ch</strong><br />

sind, untersu<strong>ch</strong>ten die Fors<strong>ch</strong>er aus<br />

Bristol au<strong>ch</strong> die Rasiergewohnheiten der Männer.<br />

Dabei gingen sie davon aus, dass Männer, die si<strong>ch</strong><br />

häufig rasieren, einen starken Bartwu<strong>ch</strong>s und ergo<br />

au<strong>ch</strong> einen hohen Spiegel an männli<strong>ch</strong>en Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tshormonen<br />

haben müssen. Umgekehrt<br />

wurden Männer, die selten zum Rasierapparat greifen,<br />

mit einem niedrigen Spiegel an Sexualhormonen<br />

in Verbindung gebra<strong>ch</strong>t.<br />

Diese Vermutung liess si<strong>ch</strong> dur<strong>ch</strong> Messungen der<br />

männli<strong>ch</strong>en Ges<strong>ch</strong>le<strong>ch</strong>tshormone im Blut bestätigen.<br />

Zwis<strong>ch</strong>en dem Testosteronspiegel alleine und<br />

dem Bartwu<strong>ch</strong>s bestand hingegen kein direkter Zusammenhang.<br />

Die an der Studie beteiligten Männer<br />

wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Männer, die<br />

si<strong>ch</strong> einmal oder häufiger pro Tag rasierten, und<br />

sol<strong>ch</strong>e, die nur unregelmässig ihre Barthaare stutzten.<br />

Bartträger wurden von der Studie ausges<strong>ch</strong>lossen.<br />

Die Auswertungen der Untersu<strong>ch</strong>ung wurden kürzli<strong>ch</strong><br />

veröffentli<strong>ch</strong>t und erregten au<strong>ch</strong> ausserhalb<br />

Englands grosse <strong>Aufmerksamkeit</strong>: Von den Männern,<br />

die si<strong>ch</strong> seltener als einmal pro Tag rasierten,<br />

50<br />

60<br />

70<br />

80<br />

starben im Verlauf der Beoba<strong>ch</strong>tungsperiode 45<br />

Prozent; dagegen starben nur 31 Prozent der Männer,<br />

die si<strong>ch</strong> einmal oder häufiger pro Tag die<br />

Barthaare s<strong>ch</strong>nitten. Dieser Unters<strong>ch</strong>ied war statistis<strong>ch</strong><br />

signifikant. Überdies konnte die Studie belegen,<br />

dass Männer mit geringem Flaum eher zu<br />

Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzinfarkt und<br />

Hirns<strong>ch</strong>lag neigten als Männer mit kräftigem Bartwu<strong>ch</strong>s.<br />

Lebensgewohnheiten ents<strong>ch</strong>eidend<br />

Interessanterweise unters<strong>ch</strong>ieden si<strong>ch</strong> die beiden<br />

Männergruppen aber au<strong>ch</strong> no<strong>ch</strong> in ganz anderen<br />

Punkten. Die Wissens<strong>ch</strong>after aus Bristol stellten<br />

nämli<strong>ch</strong> fest, dass die Probanden, wel<strong>ch</strong>e si<strong>ch</strong> nur<br />

unregelmässig rasierten, im Dur<strong>ch</strong>s<strong>ch</strong>nitt kleiner<br />

waren, häufiger ledig blieben, mehr rau<strong>ch</strong>ten, seltener<br />

einen Orgasmus hatten und einer tieferen sozialen<br />

S<strong>ch</strong>i<strong>ch</strong>t angehörten. Vor allem letzteres ging<br />

mit deutli<strong>ch</strong> weniger gesunden Lebensgewohnheiten<br />

einher.<br />

Mit Hilfe statistis<strong>ch</strong>er Bere<strong>ch</strong>nungen konnte Shah<br />

Ebrahim belegen, dass der ungesündere Lebensstil<br />

tatsä<strong>ch</strong>li<strong>ch</strong> der wahre Grund für das erhöhte Herzinfarktrisiko<br />

dieser Männer war und ni<strong>ch</strong>t, wie die<br />

Studie auf den ersten Blick vermuten lässt, der tiefere<br />

Spiegel an männli<strong>ch</strong>en Sexualhormonen. Was<br />

aber das Auftreten von Hirns<strong>ch</strong>lägen betrifft, liess<br />

si<strong>ch</strong> au<strong>ch</strong> na<strong>ch</strong> einer statistis<strong>ch</strong>en Bereinigung der<br />

Resultate im Hinblick auf eine gesunde Lebensweise<br />

no<strong>ch</strong> immer ein deutli<strong>ch</strong>er Zusammenhang mit<br />

den Rasiergewohnheiten der Probanden feststellen:<br />

Bei Männern mit s<strong>ch</strong>wa<strong>ch</strong>em Bartwu<strong>ch</strong>s blieb das<br />

S<strong>ch</strong>laganfallrisiko um 70 Prozent erhöht.<br />

Die englis<strong>ch</strong>en Wissens<strong>ch</strong>after sind deshalb überzeugt,<br />

dass der Hormonhaushalt in diesem Fall eine<br />

Rolle spielen muss. Allerdings räumen sie ein, dass<br />

sie no<strong>ch</strong> weit davon entfernt sind, diesen komplexen<br />

Zusammenhang zu verstehen. Was aber bereits<br />

feststeht: Häufigeres Rasieren allein wird ni<strong>ch</strong>t vor<br />

S<strong>ch</strong>laganfällen s<strong>ch</strong>ützen.<br />

Quelle: American Journal of Epidemiology 157,<br />

234-238 (2003).<br />

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