Abrahams V/idder. Nur zwei dieser in Maraccis mit denen, die Dapp

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Abrahams V/idder. Nur zwei dieser in Maraccis mit denen, die Dapp

Goethes scherzhafte Erwiderung:,>'W.ieso, Ihre Landsleute

haben mit viel Mühe die V/ölfe verjagt, und Sie wollen sie

wieder hereinlassen?< macht besonders deutlich, wie geläu*

fig ihm die Identifizierung seiner selbst mit einem >[/olf<

gewesen ist.

Betrachtet man die WolÊStrophe aus Begünstígte Tiere auf

Gehait und Moral, so iäuít das vom \Í/olfbefolgte Gebot, den

Armen zu schonen, auf Goethes eigene Lebenspraxis hinaus.

Besonders in seinem Wirken als Staatsmann, als Minister in

Sachsen-V/eimar, strebte er von ,tnfang an danach, der armen

thüringischen Bevölkerung zu helfen, sie nach bestem

Vermögen vor Ausbeutung zu schützen.1 'Wenn er je eine

>'Wolfsnatur< besaß, so hat er diese zubezàhtnen getrachtet

und sich höheren sittlichen Geboten gefi.igt.

Tiifft unsere Vermútung nt, daß sich Goethe selbst hinter

dem ,rWolÊ< im Buth des Payadiescs verbirgt, so erklärcn sich

auch die ,tnfangsworte >Halb schüchtern kommt ein Wolf

herano sehr einfach. >Halb schüchtern< tritt er auf weil er

kein eigentlich Zugehöriger zum islamischen Paradiese ist.

Nur >halb< gehört dieser >'Wolf< hierher, doch erhält er AuÊ

enthaltserlaubnis aufgrund seines Wohlverhaltens im Leben,

hat er doch ein ausdrückliches Gebot des Propheten befolgt,

für die Armen zu sorgen.

Mit seinem Fabulieren schließt Goethe sich der uralten

L Vgl. Goethe - Warum? Eine repràsentatiue Auslese aus Werken, Briefen und

Dolcumenten. Hg. u.m.e. Nachwort vers. von K. Mommsen. Frankfurt

r984. S. ro5ff über Goethes staatsmännisches Wirken t¡nd sozialcs Handcln.

(KlingeaJuni 1776: oGoethe ist geliebt durchaus und des Landes Heil. <

-J.H. Merck, 1777'. >Goethe giit und dirigiert alles, und jedermann isr mir

ihrn zufrieden, weil er vielen dient und niemandem schadet. Wer kann der

lJncigennützigkeit des Menschcn widerstehn?< - J.A. Leisewitz, t78o:

rVon Àrmen-Anstalten; Goethe hat auf seine Kosten im Weimarischen Versuchc

gemacht, mit dencn er zufrieden war.< - D.J. Veit, 1793: rGoethe ist

hier unter vielen Volkskiassen ... als sehr freundlich, gutmütig bekannt,

und hat die allgerneine Achtung und Liebe; die mittlern Stände nennen ihn

den Genius des Orts. n

- H. Voß, r 8o4: r Gestern sagte rnir eine Frau, Goethe

wäre der Segen Weimars, alles brächte er ìns Gleis, und er sei der Wohltäter

aller Hilfsbcdürftigen. < etc.)

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