Sibirischer Uhu - Tierparkfreunde Hellabrunn eV

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Sibirischer Uhu - Tierparkfreunde Hellabrunn eV

L Ö H L E I N S T I E R L E B E N 1 5

Uhupärchen seit Mai einer der leerstehenden Zeltvolieren

am Rande des Dschungelzelts umgebaut. Steinaufbauten

mit Nischen sollen als Sitzplätze dienen und

die Voliere soll neu bepflanzt werden. Dann erst zieht

das Eulenpaar von seinem bisherigen Gehege, in dem

früher die Wildkatzen lebten, ins neue Gehege um.

Ab nächstem Frühjahr kann dann auf erste Bruterfolge

gehofft werden. Dieses Jahr war es für die Brut im

März schon zu spät, denn der Brut geht eine etwa

zweimonatige Balz voraus und die beiden Uhus kamen

erst Anfang des Jahres in Hellabrunn an. Letztes Jahr

hatten sie im Eulenzoo in der Oberpfalz aber bereits

gebalzt, waren für eine erfolgreiche Brut aber wohl

noch zu jung. Da Sibirische Uhus in lebenslanger Monogamie

leben, gibt es berechtigte Hoffnungen auf

Bruterfolge in den nächsten Jahren. In der Brutzeit gilt

es dann für die Tierpfleger besonders aufzupassen.

Denn ausgewachsene Uhus schützen ihr Nest gegen

Eindringlinge und schrecken auch vor Angriffen auf

die eigenen Tierpfleger nicht zurück. Dieses Frühjahr

wird aber nicht gebrütet und deshalb verhalten sich

die Uhus eher scheu und zurückhaltend.

ZOOLOGISCHES

Der Sibirische Uhu ist die weltweit größte Eulenart.

Das deutlich größere Weibchen erreicht ein Gewicht

von bis zu 3000 Gramm bei einer Flügelspannweite

von 170 cm. Der Kopf läßt sich um 270° drehen, was eine

gute Rundumsicht des Ansitzjägers ermöglicht. Die

auffällig orangefarbenen Augen liegen nahe nebeneinander

und können sowohl bei Tag als auch bei

Nacht sehr gut räumlich und sehr scharf sehen. Auf

dem Kopf sitzen bis zu 8 cm große Federohren, die bei

Gefahr oder Erregung aufgestellt werden. Das Gehör

ist ebenfalls hervorragend ausgebildet und gilt bei der

Jagd als wichtigstes Sinnesorgan.

Der deutsche Name Uhu wird wie der lateinische Name

Bubo von den charakteristischen Balzrufen der

Uhus abgeleitet. Während der Balz versucht der Uhu

das Weibchen mit Fütterungs- und Locklauten zum

Nestplatz zu locken. Hat das Weibchen den Nistplatz

akzeptiert, beginnt das Männchen oft schon Wochen

vor der eigentlichen Brut das Weibchen mit Futter zu

versorgen. 34 Tage nach der Eiablage schlüpfen die

Jungeulen, die fünf Monate lang von ihren Eltern versorgt

werden.

Tagsüber ruht der Uhu in Tarnhaltung in Baumkronen

oder Felsnischen. Wie alle Eulen liebt der Uhu Sonnenbäder,

zu denen er sich sogar auf den Boden legt.

Auch ausgiebige Sandbäder mag der Uhu und schaufelt

sich dabei mit den Flügeln Sand auf Rücken und

Nacken. Gejagt wird mit Beginn der Dämmerung, wobei

gegen Mitternacht eine Jagdpause eingelegt wird,

ehe bis zum Morgen erneut gejagt wird. Nur in Hungerzeiten

wird auch tagsüber gejagt. Bei der Jagd

zeigt sich der Uhu als variabel und sehr geschickt. Er

kann auch wendige Vögel im Flug und im dichten Ge-

äst erbeuten und sogar auf dem Boden ist er schnell

und geschickt: so kann er flüchtende Mäuse laufend

einholen und erbeuten. Beutetiere mit einem Gewicht

von bis zu zwei Dritteln des Uhus können fliegend

weggetragen werden. Zu den Beutetieren gehören

überwiegend Säugetiere und Vögel bis zu mittlerer

Größe. Selbst vor den stacheligen Igeln wird nicht halt

gemacht.

FÜTTERUNG DER UHUS

Als Futter dienen Mäuse und Ratten aus der tierparkeigenen

Futtertierzucht, sowie Eintagsküken, Kaninchen-

und Rindfleisch. Das Futter wird kurz vor Feierabend

von den Tierpflegern ins Gehege gelegt und

abends und nachts von den Uhus gefressen. Die Fütterung

erfolgt deshalb so spät, damit das Futter der

nachtaktiven Vögel im Winter nicht bis zur Nahrungsaufnahme

eingefroren ist oder im Sommer Fliegen ihre

Eipakete daran ablegen können. Pro Uhu rechnet

man 200 bis 300g Futter. Unverdauliche Nahrungsreste

wie Knochen oder Haare werden als sog. Gewölle

wieder ausgespieen.

Dr. Wolfgang Löhlein

Stellvertretender Vorsitzender

Tierparkfreunde Hellabrunn e.V.

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