Focus Money - Europa vor der Pleite? 13. 01. 2010 Die ...

i.cv.ch

Focus Money - Europa vor der Pleite? 13. 01. 2010 Die ...

# f;xiff :Ifi f i:; ?:,, # ff ffi$i',n";:Jlf, iff l I'f lfft "" # Hfsrll*tr;i?

ffis.mä ffirxmmfummämffid, dann lrlmffid- danrl ltalien *. ü

EU

[|[n[m

ruffi


lapan Grie. ltalien USA Belgien Groß- Frank- I}eutsch- Un0arn 0ster- Spanien Indien P0len Bra- Schwe' Däne Finn- Schweiz Süd- ßumä- China ßus$

bril, reich land reich silien den mark land korea nien lattd

28

FOCUS-MONEY 3/2010


TITEL

Die Griechenland-Krise beweist: Selbst Euro-Staatsanleihen sind kein sicherer

Hafen mehr. Eine Analyse aus der Schweizzeigt, wo lhr Geld wirklich sicher ist

( taaten können nicht pleitegehen" - dieser Glaubens- chenland selbst publik machte, dass sein Defizit 2009 mit

Jsatz wurde bereits zweimal widerlegt: 1998 erklärte 72,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) doppelt so

sich Russland für zahlungsunfähig, 2002 Argentinien. Das

waren Ausnahmen, hieß es damals. In lebendigen Demokratien

würde eine solche jahrelange Misswirtschaft verhindert.

Dachte man. Dann fiel im Herbst 2008 Island.

Schlagartig wurde klar, dass Staaten am Ende ihrer

Möglichkeiten ankommen, wenn sie zum Beispiel Banken

zu einer Größe heranwachsen lassen, die ihre eigene

Finanzkraft übersteigt. Hedge-Fonds spekulierten darauf

und gegen die isländische Krone, die Zentralbank des

Inselstaats wehrte sich mit Zinserhöhungen. Im Oktober

2008 stand Islands Leitzins bei 18 Prozent. Kurz darauf

kollabierten die drei großen Banken des Landes, der Internationale

Währungsfonds (IWF) musste helfen. Die Beben

der Island-Krise waren bis in den Euro-Raum zu spüren.

Nachdem Litauen, die Ukraine und Ungam ins Wanken

gerieten, fielen bald auch die Kurse österreichischer

Staatsanleihen - weil das Land traditionell enge Handelsbeziehungen

mit seinen östlichen Nachbam unterhält.

Der Ökonom Paul Iftugman skizzierte damals öffentlich

einen Staatsbankrott Östeneichs, Experten diskutierten das

Auseinanderbrechen der Euro-Znne. Jetzt entflammt die Debatte

neu: Griechenlands Haushaltsdefizit trifft die Mitglieder

der Euro-Zone an einem empfindlichen Nerv. Denn ihre

Sanktionsmöglichkeiten sind begrenzt. \iVird der Euro das

aushalten? Was bedeutet die I(rise für andere Euro-Anleihen?

Sind Staatsanleihen überhaupt noch sicher? FOCUS- l

hoch ausfallen wird wie erwartet, stuften Standard & Poor's,

Fitch und Moody's den Mittelmeerstaat herab. Noch immer

rangieren die Griechen mit BBB+ (S&P, Fitch) und A1

(Moody's) im Investment-Grade. Eine unmittelbare Gefahr

von Zahlungsausfällen besteht demnach nicht.

Brandheiße Exklusivstudie. Wirklich? Welche Anleihen

verdienen tatsächlich das Prädikat ,,ausfallsicher"? Wo

droht eine Abwertung? Die private Rating-Agentur Independent

Credit View (ICV) in Zürich hat den Markt untersucht.

FOCUS-MONEY darf die Ergebnisse, die ursprüng-

Iich einem kleinen Kreis von Großanlegem vorbehalten

waren, erstmals in Deutschland veröffentlichen.

Das Ergebnis gibt zu denken: Nur sechs Staaten verdienen

das Prädikat ,,sicher", darunter Deutschland, Frankreich

und die Schweiz. Mit Finnland, Dänemark und

Schweden rangieren gleich drei Skandinavier unter den

ersten sechs. Australien und Kanada wurden nicht ausgewertet.

,,'vVir haben uns an den Portfolios unserer Kunden

orientiert", sagt lCV-Partner Christian Fischer, In deren

Depots kommen diese Staaten kaum vor.

lndien vor Griechenland. Die Analyse birgt auch so genügend

Zündstoff . Die USA sind nach den strengen ICV-Maßstäben,

die 30 einzelne I(riterien abbilden, kein sicherer Hafen

mehr und dürften sich eigentlich nicht mehrmit der Top-Nofs

AuAA schrnücken. Die weltgrößte \Mrtschaftsmacht landet

im Ranking hinter China (s. S. 30 unten). Die Schwellenländer

MONEY erklärt, wie die Lage wirklich ist, zeigt Szenarien :

kommen generell gut weg: Südkorea rangiert im sicheren

für Griechenland und sagt, wo Anleger mit wirklich stabilen

Staatsanleihen und Sachwerten sichere Häfen finden.

Welle der Herabstufungen. Die Zweifel an den Top-Noten

der Rating-Agenturen mehren sich. Denn erst als Grie-

AA-MittelJeld, Brasilien ist auf dem Weg dorthin, Indien steht

noch vor den Griechen, die sich knapp ins Investment-Grade

retten. Dennoch sollten Anleger von griechischen Anleihen

die Finger lassen, Das gilt erst recht für Ungam, Russland )

Die Staatsschulden explodieren ...

Gemessen am BlP, steigen die Schulden Großbritanniens

bis zum Jahr 2014 nach IWF-Prognosen auf mehr

als das Doppelte - in Indien und Brasilien sinken sie.

Veränderung

Staatsschulden 2007 bis 2014

Prognose in Prozent

0eutschland

Frankreich

[)änemark

USA

... vor allem in Industrieländern

Die IWF-Zahlen zeigen auch, dass Schwellenländer

ihre Schulden schon heute besser im Griff haben als lndustriestaaten

- und die Schere wird sich weiter öffnen.

Schulden der Industrie- und Entwicklungsländer %

Staatsverschuldun0 in Prozent des BIB ab 2008 Prognose

Worsl-0ase-Szenatio -. "'

- -.

j40

100

Bumänien

Großbritannien

0

Quellen: IWE ICV

I

140

20001 02 03 04 05 06 07 08 09201011 12 132014

Quellü: IWE Eaonomist, ICV

60

www.focus-money.de Foto: istockphoto Composing: Focus-MoNEY


FOCUS.MONEY 32010

Die Banken-Falle

Wenn die Vermögenswerte der Banken größer werden

als die Wirtschaftsleistung ihrer HeimatländeL kann

ein Staat sein Bankensystem nicht mehr retten. Das gilt

sogar für die Schweiz, wo die Banken fast siebenmal

mehr Werte in den Bilanzen haben als das iährliche BlP.

Bankenexponierung

Bilanzsumme der Eanken in Pr0zent des Landes-BlP

Die Schuldenspirale

Bei Schulden von 80 Prozent des BIP und vier Prozent

Zinsen muss die Wirtschaftsleistung um 3,2 Prozent zulegen,

damit die Staatsschuldenicht weiter wachsen.

40%

50%

80%

100%

120%

0,8% 1,6%

1,0% 2,0%

1,6% 3,2%

2,0% 4,0%

2,4% 4,8%

2,4%

3,0%

4,8%

6,0 %

7,2%

Wer wirklich Top-Noten verdient

Die Methode: Independent Credit View (lCV) ermittelte die Bonität

anhand eines mehrstufigen Modells. Zunächst wurden in den Kategorien

Wirtschaftsprof il, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Banken und Zukunftsaussichten

anhand von IWF-Daten 30 Einzelkriterien benotet,

dann mögliche Einnahmen aus Steuererhöhungen und Asset-Ver-

und Rumänien: Ihre Ausfallwahrscheinlichkeiten sind nach

Ansicht der Schweizer Experten am höchsten.

Mit Italien, Spanien, Belgien und Österreich rangieren

vier Euro-Mitglieder unterhalb der Täpie-A-Note. Die Österreicher

finden sich in Nachbarschaft mit den USA und

China, Itaiien schafft nur ein A. Dramatisch ist es um Griechenland

besteltt. Zwar wächst dle griechische Wirtschaft

Iaut IWF schneller als der Euro-Durchschnitt. Doch das

reicht nicht, um den chronisch defizitären Staatshaushalt

und mehr ats 300 Milliarden Euro Schulden in der Balance

zu halten. Bei einer Verschuldung von 100 Prozent des

BIP und einem Zins von vier Prozent müsste Griechenland

jährlich um vier Prozent wachsen, um allein die Zinsen bedienen

zu können (s. I.) - sofern der Staatshaushalt ausgeglichen

ist und keine Neuverschuldung erfordert.

Goldklumpen für ltalien. Das griechische Dilemma (s.

S. 32) belastet schon den Euro-Kurs. Im Dezember verlor

die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar bereits

deutlich an Wert. Nach Ansicht von Professor Wilhelm Nö]-

ling, der sich in den 9Oer-Jahren als Mitglied des Zentralbankrats

der Deutschen Bundesbank gegen die Einführung

ausgesprochen hatte, hätte Griechenland nie Euro-Mitglied

werden dürJen - ebenso wie ltalien, Spanien, Portugal

und Irland. ,,Für diese Länder war dle Währungsunion ein

Goldklumpen! ", sagt Nölling im FOCUS-MONEY-Interview

(s. S. 34). Allein Italien habe durch den Euro-Beitritt Jahr für

Jahr bis zu 100 Milliarden Euro Zinskosten gespart.

Umso wichtiger ist es, dle Leistungsfähigkeit der Länder

einzeln zu betrachten. In die ICV-Auswertung fließen

zudem nicht nur Budgetdefizite und Verschuldungsgrade

ein. Ob ein Staat seine Zins- und Tilgungsraten bedienen

kann, hängt auch vom Wirtschaftswachstum, der

Arbeitslosenrate oder Währungsreserven ab. Konjunkturkäufen

ermittelt und die Ergebnisse mit den off iziellen sowie marktimpliziten

Ratings (CD5-Spreads) in das ICV-Rating überführt.

Das Ergebnis: Nach den strengen ICV-Kriterien gibt es nur noch

sechs echte AAA-Länder. Dahinter rangiert China (derzeitige offizielle

Rating-Note: A+) vor den USA, Japan und Großbritannien.

Ranking-Vertei lung

starkes AAA-Bating

schwaches AAA-Batrng I gerinqeres Batin0

[)äne- Schweiz Deütsch-Schv{e. Frank

mark land den rercl|

China 0ster

reich

USA Japan Bel0ien Süd- Groß- Spanien PolenItalien Brasil

korea brit,

ien

IIndien Grie- Ungarn

-l-F -r-,

ßuss-Bu|nä.

land n ien

chenl,

Finnland


programme, mögliche Privatisierungserlöse oderdas Steueraufkommen

spielen im ICV-Ranking ebenfalls eine Rolle.

Der Bankensektor bildet eine eigene Kategorie, Damit

ziehen die Schweizer Experten lehren aus der Finanzkrise,

die selbst Staaten wie Belgien, Großbritannien oder Irland

in die Bredouille brachte. Besonders groß ist das Missverhältnis

in der Schweiz: Ihre Banken bilanzieren 650 Prozent

oder rund siebenmal mehr Vermögenswerte als das jährliche

BIP. Das zeigt, dass die Eidgenossen im Fall eines Zusammenbruchs

ihres Bankensystems vermutlich nicht dagegenhalten

könnten. Auch Österreich kassiert wegen hoher

Eventualverbindlichkeiten gegenüber seinen Banken Abzüge.

Dass dieser Malus gerechfertigt ist, hat sich mit der

Verstaatlichung der Hypo Alpe Adria bestätigt.

Für Deutschland verbucht ICV die wettbewerbsfähige

Exportwirtschaft und die monetäre Flexibilität des Staates

auf der Habenseite. Negativ schlagen die hohe Arbeitslosigkeit,

hohe Steuem sowie ungelöste Probleme bei den

Landesbanken und in der Automobilindustrie zu Buche,

Wunschdenken. lVie kommt es, dass die ICV-Ergebnisse

für die Industrieländer deutlich scNechter ausfallen als die

offiziellen Noten? Halten Moody's & Co. ihre Ratings bewusst

hoch, um einen Dominoeffekt zu verhindem? Es gibt

Indizien dafür, dass sie zumindest einzelne I(riterien auJweichen.

,,In Großbritannien wird die Schuldenquote nach den

Prognosen des IWF bis 2012 stark zunehmen", stellt ICV-Experte

Fischer fest. ,,'Wieso sollte das Rating dann gleich bleiben?"

In einem Report vom 1, Oktober 2009 gibt Moody's

das indirekt zu: Man sehe keinen Druck auJ das Rating bis

zum Jahr 20t2, es sei denn, dass ,,sich das Wachsfum nicht

so verbessert, wie wir erwarten, und die Zinsen nicht steigen".

Zumindest l.etzteres dürfte \Mrnschdenken bleiben.

,,Wir erwarten, dass die Zinsen steigen", stellt Fischer klar,

,,dann können die Ratings unter Druck geraten," Vier Länder

stehen ganz oben auf der ICV-Giftliste: Griechenland,

Spanien, Großbritannien und die USA.

Die Experten gehen noch weiter: Sie belegen Länder

mit Abzügen, deren Haushalte dank florierender Rohstoffexporte

derzeit ausgeglichen sind. ,,Der Handel mit

Rohstoffen stellt zwar eine hohe Einnahmequelle dar",

erklärt Fischer. Die Erfahrung zeige aber, dass bei steigenden

Rohstoffpreisen und -erlösen Investitionen in die

verarbeitende Industrie zurückgestellt werden, Das räche

sich im Abschwung. ,,Diese Länder verlieren unmerklich

ihre Industrie-Infrastruktur und werden abhängiger vom

Rohstoffzyklus", stellt der ICV-Experte fest.

Länder, deren Anleihen im Ranking vom rangieren, bieten

Investoren die größte Sicherheit - aber nicht unbedingt

das beste Rendite-Risiko-Verhältnis. Ertragsperlen finden

sich eher im mittleren Segment: Wer im Juni den Mut hatte,

in österreichische Staatsanleihen zu investieren, konnte

Kursgewinne bis zu sechs Prozentpunkte erzielen (FOCUS-

MONEY 20/09). Upgrade-Kandidaten sind Brasilien, Indien,

China, Polen und Korea. Der eigenen Kundschaft legte

ICV schon fnih Anleihen aus aufstrebenden Schwellen-

Iändem ans Herz. Brasilianische Tleasuries standen bereits

auf der Kaufliste, als das Land offiziell noch gar nicht im

Investment-Grade-Bereich rangierte.

Konzern vor Staat. Man muss aber nicht zwingend in

Staaten investieren, findet Fischer.,,Die Rating-Agenturen

dürfen eine Firma nicht besser raten als den Staat, aus

dem sie kommt", sagt der Experte. Mitunter ist aber die

Finanzlage des Untemehmens besser. Der brasilianische

Berqbaukonzem Vale ist so ein Kandidat. I >

MARKUS VOSS

,, G roßbrita nn iens Schu I de n

wetden nach der lWF-Prognose

bis 2O12 stark atnehmen -

wieso sollb das Rating dann

gleich bleiben?"

Christian

Fischer,

Analyst

Independent

credit View

ETCS auf Gold und Silber gehörten in den vergangenen lvlonaten zu den

umsatzstärksten Produkten im Handel mit Rohstoffen. Marktbeobachter sehen

langfristig von einer FortsetzunB dieses Höhenfluges aus.

An der Börse Frankfurt haben Sie vielfältige Möglichkeiten, in Gold und

andere Rohstoffe zu investieren:

ETFS Physical Gold (physisches Gold)

Gold Bullion Securities

Xetra-Gold

ETFS Physical Palladium (physisches Palladium)

ETFS Physical Silver (physisches Silber)

Wertpapiere, News und fundiertes Know-how auf www.boerse-franKurt.de/etc

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine