DIG-Konzert-Magazin 2009 - Deutsch-Israelische Gesellschaft ...

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DIG-Konzert-Magazin 2009 - Deutsch-Israelische Gesellschaft ...

Deutsch-Israelische Gesellschaft

Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam

www.digberlin.de

Rabin-Gedenkkonzert

mit

Keren Hadar

Hans-Dietrich Genscher

über das Lebenswerk von Dr. Rainer Hildebrandt

100 Jahre Tel Aviv

Eine Stadt, die sich immer wieder neu erfindet

Angst und Ausnahmezustand

Nukleare Bedrohung im Nahen Osten


Haben Sie Mozarts A-Dur-

Sonate jemals so gehört?

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Answers.


Editorial

03

Liebe Freunde Israels,

zu unserem 13. Rabin-Gedenkkonzert, zugleich 33. Benefizkonzert heiße ich Sie herzlich

willkommen. Dieses Konzert stellt alljährlich den kulturellen Höhepunkt unserer Arbeit dar.

Der Schwerpunkt unserer Bemühungen für Israel liegt jedoch auf politischen Veranstaltungen.

So sind wir wachsam, wenn es in einer Agenturmeldung Ende September 2009 heißt:

»Nach Präsident Mahmoud Ahmadinedschad hat auch das geistliche Oberhaupt des Iran

in drastischen Worten Israel angegriffen«.

Ali Chamenei, die oberste Autorität

des islamischen Gottesstaates sprach

von einem »tödlichen Krebsgeschwür,

das sich in der Region ausbreite«.

Seine Rede wurde von »Tod Israel«-

Rufen begleitet. Ahmadinedschad

hatte zuvor zum wiederholten Mal

den Holocaust geleugnet und den

millionenfachen Mord an den Juden

als Märchen bezeichnet, das als Vorwand

für die Gründung Israels gedient

habe. Nach solchen Äußerungen

können und wollen wir nicht zur

Tagesordnung übergehen, sondern

empören uns mit allen Freunden

Israels und demonstrieren Solidarität

mit der einzigen Demokratie im

Nahen Osten.

Foto: Mike Minehan

Nahen Osten auf sich warten lässt

— die Bedrohung durch feindliche

Nachbarn, insbesondere durch den

Iran lässt nicht nach. Wir hoffen

sehr und wünschen uns, dass die

Obama-Administration auch künftig

die Existenz des Staates sichert. 20

Jahre nach dem 9. November 1989

erinnern wir uns hier daran, wie dick

die Mauern sein können, die durchstoßen

werden müssen. Auch die

neue Bundesregierung muss ihre

Mög lichkeiten für die Schaffung eines

dauerhaften Friedens im Nahen

Osten unvermindert einsetzen. Wir

hoffen, dass die Menschen in Israel

bald in sicheren Grenzen und in

Frieden leben können!

Israels Staatspräsident Schimon Peres stellte Ahmadinedschad

wegen dessen verbalen Angriffen auf Israel in eine Reihe mit

Hitler und Stalin. Beide Diktatoren und ihre im 20. Jahrhundert

vollbrachten Schandtaten konnten nur durch prinzipientreues

Handeln überwunden werden. Wer sich heute uneingeschränkt

zu Israel bekennt und harte Maßnahmen gegen

seine Feinde fordert, die ihm mit Vernichtung drohen, wird

gelegentlich ebenso belächelt wie die Politiker, die trotz jahrzehntelanger

Teilung Deutschlands und Europas für Freiheit

und Einheit standen. Als der US Präsident Ronald Reagan im

Jahre 1982 am Checkpoint Charlie als »Grenzverletzer« agierte

und schlimmer noch, als er 1987 am Brandenburger Tor rief

»Mr. Gorbachev, tear down this wall« wurde er vom Spott der

»Friedensbewegten« begleitet.

Gerade wir Deutschen haben alle guten Gründe, fest an der

Seite Israels zu stehen, wie lange auch immer der Frieden im

Heute Abend freuen uns sehr auf die Künstlerin Keren Hadar.

Gemeinsam mit Ihrer Hilfe werden wir vom Konzerterlös das

Hadassah Krankenhaus in Jerusalem unterstützen. Und wir

danken der Intendantin des Rundfunks Berlin Brandenburg,

Dagmar Reim, dafür, dass sie uns den Großen Sendesaal im

Haus des Rundfunks wieder mietfrei überlässt. Auch dem

Schirmherrn unseres Konzertes, dem Botschafter des Staates

Israel, Yoram Ben Zeev, danken wir für seine Unterstützung.

Besonders Alexandra Hildebrandt sind wir für ihr Engagement

im Zusammenhang mit der Erstellung dieses Magazins zu

großem Dank verpflichtet.

Ihnen allen und Israel: Schalom!

Ihr Jochen Feilcke

Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam


04 Inhalt | Impressum

05 12

Grußwort

Yoram Ben-Zeev

Botschafter des Staates Israel

14

»Das wird man doch wohl mal sagen dürfen…«

Al Quds-Tag: Propaganda gegen Frieden

06

16

Gilad Shalit — Run4Me:

Marathonlauf für die Freiheit

18

Angst und Ausnahmezustand

08

Das Konzert:

Keren Hadar

20

21

22

Opfer werden verhöhnt —

Museum für Selbstmordattentäter

Muslimische Jugendliche bauen Vorurteile ab

Israel-Reise

23

Porträt Emmanuel Nahshon

09

Es wird aufgeforstet:

Ein Wald für Israel

24

25

26

Im Deutschen Bundestag:

Deutsch-Israelische Parlamentariergruppe

Das Jugendforum stellt sich vor

Freunde Israels ohne wenn und aber

27

Beitrittserklärung

10

Wir fördern:

Das Hadassah Kinderkrankenhaus

28

30

32

Der Vorstand der DIG Berlin und Potsdam

stellt sich vor

Kooperationspartner

Über das Leben Rainer Hildebrandts

33

Verleihung des Internationalen

Menschenrechtspreises 2008

Jubiläum: 100 Jahre Tel Aviv

Herausgeber

Deutsch-Israelische Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam

Auguststraße 80 | 10117 Berlin | Tel.: (030) 28 39 52 15 | Fax: (030) 28 39 51 16

E-Mail: schalom@digberlin.de | www.digberlin.de

Redaktion

Maya Zehden; Ulrike Sommer; KulturPur, Bundesallee 23, 10717 Berlin

Layout

Katrin Surberg, Berlin


GruSSwort

05

Liebe Konzert-Besucher,

Je weiter Yitzhak Rabins Tod zurückliegt, desto stärker nehmen wir die Bedeutung seiner politischen

Führung wahr. Er hinterlässt ein Vakuum, da er als Mensch und als Politiker unersetzlich

ist. Sein Leben, sein Fühlen und Denken als Wegbereiter des Friedens, zu dem er sich im

Jahr 1993 bekannte, ist in uns präsent.

Yitzhak Rabins Generation ist eine besondere Generation, die sich selbstlos in den Dienst des

Staates stellte, um ihm zum Erfolg zu verhelfen.

Yitzhak Rabin gelangte zu der inneren Überzeugung, dass der Weg des Friedens der richtige

ist. Und dieser Wille zur Versöhnung muss uns als Leitgedanke erhalten bleiben. Bei allem

Willen zum Frieden hat er jedoch nie vergessen, wie wichtig für Israel sichere Grenzen sind.

Foto: Israelische Botschaft

Ziehen wir heute Bilanz, so stellen wir fest, dass der israelische Staat viele Versuche unternommen

hat, um Frieden mit den palästinensischen Nachbarn zu schließen und die arabischen

Staaten als Partner für einen Frieden zu gewinnen. Es ist eine tiefe Enttäuschung, dass es uns

nicht gelungen ist. Dennoch glaube ich, dass der Konflikt mit viel Geduld gelöst werden kann.

Ich möchte der Deutschen Israelischen Gesellschaft Berlin und Potsdam meinen herzlichen

Dank dafür aussprechen, dass sie Yitzhak Rabin mit dem jährlichen Gedenkkonzert würdigt.

Ihnen allen wünsche ich ein angenehmes Konzerterlebnis mit Keren Hadar.

Yoram Ben-Zeev

S. E. Botschafter des Staates Israel

Faust zweifelt!

Lady Macbeth intrigiert!

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finden Sie auf


06 Das Konzert

Keren Hadar

Keren Hadars Weg führte von Israel über Berlin bis nach New York: Die israelische

Sopranistin studierte an der Beit Zvi Akademie für Darstellende Künste

Israel, vervollkommnete ihre Kunst im Opernfach in den Jahren 2006/2007

mit Unterstützung von Daniel Barenboim in Berlin und gehörte 2007 zu den

Preisträgerinnen des Schloss Rheinsberg-Gesangswettbewerbs. Anschließend

gab sie mit großem Erfolg die Nannetta in Verdis Falstaff.

Als Solistin sang sie unter anderem

mit dem Israel Philharmonic

Orchestra, der Israel Camerata

Jerusalem, dem Jerusalem Symphony

Orchestra, dem Haifa Symphony

Orchestra und dem Westchester

Philharmonic Orchestra

New York. 2008 trat Hadar in der

Bundeshauptstadt mit den Berliner

Philharmonikern auf, sang in

Potsdam mit den Brandenburger

Symphonikern Mozart sowie mit

der Potsdamer Kantorei Werke

von Mendelssohn und Paul Ben

Haim.

Anlässlich des 100. Geburtstages

von Tel Aviv übernahm sie im Juli

Keren Hadar

2009 die Solopartie bei der Uraufführung

von Ella Milch-Sheriffs »Night’s End Anthem« des

Israel Philharmonic Orchestra unter Leitung von Zubin Mehta.

Keren Hadar tritt darüber hinaus regelmäßig bei wichtigen

israelischen Musikfestivals (z. B. dem Israel Festival) auf, ist

aber auch auf Bühnen in Deutschland, Großbritannien, Belgien,

Kroatien, Polen und in China zu Hause.

Die vielseitige und charismatische israelische Sängerin widmet

sich dem Konzert- und Operngesang ebenso wie israelischen

Traditionals, Cross-Over- und Weltmusik. Seit 2008

gehört sie zu den von der Israel Cultural Excellence Foundation

(IcExcellence) ausgezeichneten »hervorragenden Künstlern

Israels«.

Die DIG wurde im vergangenen Jahr auf die Künstlerin aufmerksam:

Bei einem Konzert zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht

in Potsdam sang

Keren Hadar in deutscher Uraufführung

das von der israelischen

Komponistin Ella Milch-Sheriff

eigens für sie geschriebene Stück

»Dark am I« nach dem Hohelied

Salomos. Sie verzauberte das Publikum

mit der ungeheuren Spannbreite

ihres musikalischen Könnens.

Nachdem wir anlässlich der »Woche

der Brüderlichkeit« im März

2009 bereits Ella Milch-Sheriff mit

ihrem Buch »Ein Lied für meinen

Vater« mit Ingeborg Prior präsentieren

konnten, freuen wir uns,

dass es nunmehr gelungen ist,

Keren Hadar als Interpretin für

unser größtes kulturelles Event, das diesjährige 13. Rabin-

Gedenkkonzert, zu gewinnen. Wir wünschen Ihnen am 1. November

einen unvergesslichen musikalischen Hochgenuss!

Keren Hadar hat bisher zwei CDs vorgelegt:

Mordechai Zeira’s Songs

Lieder des israelischen Komponisten

Mordechai Zaira

Anana records, 2005

Dark am I

Das Hohe Lied Salomos,

Komposition von Ella Milch-Sheriff

Newgen Prod., 2007


Das Konzert

07

Yoni Farhi — Pianist

Yoni Farhi — wie Keren Hadar in Israel

geboren, ist Pianist, Dirigent, Arrangeur,

Musikproduzent, Assistent des Direktors

des Symphonieorchesters Haifa, Noam

Sheriff, und unterrichtet Klavier am Levinsky

College in Tel Aviv. 2006 gewann

er den »Gina Bachauer Award« der American-Israeli

Cultural Foundation. Farhi trat — oft gleichzeitig

— als Solist und Dirigent beim Haifa Symphony-Orchester auf,

beim »Jerusalem Camerata Orchestra«, »Israel Chamber Orchestra«,

beim »Raanana Symphonette« und »Tel-Aviv Soloists

Ensemble«. Er lernte bei Noam Sheriff Dirigat, Komposition

mit Sergiu Natra und Klavier bei Hadassa Biribis, Emanuel

Krasovsky und Pnina Salzman. Außerdem erhielt er den

»Master of Music« von der Buchmann-Mehta School of Music

an der Universität Tel-Aviv. Im Ausland trat er bisher in Großbritannien,

Deutschland, Österreich und Belgien auf.

Ich bin Mitglied der DIG, …

… in Anerkennung und Würdigung des Jahrhunderte

langen Wirkens des jüdischen Bürgertums

zum Wohle der Stadt Berlin.

Wolfgang Fiebach,

Mitglied seit 2009

… aus Überzeugung. Viele Male habe ich

Israel bereist, ein faszinierendes Land, das

wegen seines Lebensmuts und seiner Lebensfreude

trotz aller andauernden Belastung einfach

zu bewundern ist. Den Zusammenhalt mit Israel

zu intensivieren und immer aufs Neue zu bekräftigen,

halte ich für eine der wichtigsten Aufgaben

der DIG, an deren Erfüllung ich gern mitarbeite.

Dr. Lore Maria Peschel-

Gutzeit, Senatorin a. D.,

Mitglied seit 1999

Das Konzertprogramm

1. November 2009

Keren Hadar — Gesang

Yoni Farhi — Piano

• Wandering Song

(hebräische Volksmusik, Text von David Shimony)

• Ir me quero madre a Yerushalaym,

Volkslied in Ladino

• Avihu Medina — Psalm 147 —

Praise Jerusalem God

• Im Ninalu - R. Shalom Shabazi, Jemenitischjüdisches

Volkslied aus dem 17. Jahrhundert

• Dark Am I, But Lovely

nach dem Hohenlied Salomos — 2007 von

Ella Milch-Sheriff geschrieben für Keren Hadar

• El Condor Pasa,

hebräische Version von Dan Almagor

• Silhouette Galilee (Eng. & Arabisch),

Beduinisch-galiläisches Volkslied,

arrangiert von Leonard Bernstein

Pause

Im Gedenken an Yitzhak Rabin:

• Shir laShalom

(Friedenslied, gesungen am 4. November 1995) —

Ya’acov Rotblit / Yair Rosenblum

• Rav Chovel — Walt Whitman / Neomi Shemer

(hebräische Version von »O Captain my Captain«)

• Shmor al ha’olam — David D‘Or

• Jerusalem of Gold — Naomi Shemer

• Life is Beautiful — Noa & Gil Dor & Nicola Piovani

(Engl. & Hebr., aus dem Oskar-prämierten Film von

Roberto Benini »Das Leben ist schön«)

• It is not for me —

Natan Alterman & Alexander Argov

(aus dem beliebten israelischen Musical

»King Solomon and Shalmay the cobbler«)

• Two Roses — Ya’akov Orland / Mordechai Zeira


08 Ein Wald für Israel

Es wird aufgeforstet:

Ein Wald für Israel

Das Ziel war hochgesteckt: 50 000 Euro mussten zusammen kommen — wir wollten Israel zum

60. Geburtstag einen Wald schenken und so helfen, die Folgen des Libanonkrieges wenigstens

an einem Ort ein wenig zu mindern. Ein israelischer Wald besteht aus mindestens 5 000

Bäumen und ein Baum kostet zehn Euro. Trotz der gigantischen Summe hielt es der Vorstand

der DIG Berlin und Potsdam mit Theodor Herzl »Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen!«

Gemeinsam haben wir es geschafft! Dank der großartigen

Hilfe unserer Berliner und Potsdamer Mitglieder, dank der Hilfe

einzelner Unternehmen, mit der Unterstützung einiger anderer

DIG-Arbeitsgemeinschaften in Deutschland haben wir

das Ziel tatsächlich erreicht.

Bald werden die ersten Bäume unseres Waldes in Galiläa gepflanzt

und damit unser Jubiläumsprojekt erfolgreich abgeschlossen.

Der Besuch unseres Waldes in Galiläa wird von nun

an fester Bestandteil der jährlichen Israel-Reisen der DIG Berlin

und Potsdam werden. Ich bedanke mich hiermit ausdrücklich,

auch im Namen des gesamten Vorstandes, bei allen, die

mit ihrer Spende dazu beigetragen haben, unser Projekt zu

realisieren.

Wir haben damit Israel nicht nur ein einzigartiges Geburtstagsgeschenk

gemacht, sondern haben auch ein Zeichen der

deutsch-israelischen Freundschaft und der Solidarität gesetzt.

Wir haben aktiv mitgeholfen, die Folgen der ökologischen Katastrophe

in Folge der Angriffe der Hizbollah zu beseitigen.

Auch haben wir unseren israelischen Freunden nachhaltig

bewiesen, dass wir ohne wenn und aber an ihrer Seite stehen

— in guten, wie auch in schweren Zeiten.

Und es waren schwere Zeiten. Die islamistische Hizbollah-

Miliz griff Israel im Sommer 2006 an und bombardierte den

Norden tagtäglich mit Katjuscha-Raketen. 150 Israelis starben,

Hunderte wurden verletzt und Hunderttausende flohen aus

dem bedrohten Norden. Auch im Libanon gab es viele Opfer,

die Situation der Flüchtlinge war verheerend.

Ich war während des Krieges in Israel und habe in vielen Bunkern

gesessen — in Zafed, in Tiberias oder in Rosh Pina in Galiläa,

und ich kann die Verzweiflung in den Gesichtern der Menschen

und die Schreie der Kinder während der Bombenalarme

und der Angriffe nicht vergessen.

Auch die Natur musste einen hohen Preis zahlen. Bei mehr

als 700 Waldbränden wurden rund 750 000 Bäume vernichtet.

In diesem Krieg verbrannten ganze Waldgebiete mit schlimmen

Folgen nicht nur für Israel, sondern für das Klima der

ganzen Region. Ganze Landstriche in Galiläa — der grünen

Lunge Israels — verwandelten sich in schwarze, verbrannte

Erde.

Nun aber wird wieder aufgeforstet. Es war ein ehrgeiziges

Projekt der Berliner und Potsdamer DIG. Weil wir es wollten,

wird unser Traum nun Wirklichkeit: Ein Wald für Israel.

Mirko Freitag

Vorstandsmitglied


Hadassah KinderKrankenhaus

09

Wir fördern:

Das Hadassah KinderKrankenhaus

Der Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Potsdam

hat sich dazu entschlossen, den Erlös des diesjährigen Benefizkonzertes

dem Hadassah-Kinderkrankenhaus zu spenden.

Lange vor der Staatsgründung

Israels 1948 begann die Geschichte

des Hadassah-Kranken

hauses, bekannt auch wegen

seiner weltberühmten Chagall-

Fenster: Im Jahre 1911 war

Henrietta Szold, die Tochter eines

amerikanischen Rabbiners,

bei einem Besuch im Jerusalem

des damaligen Palästina so entsetzt

über die schrecklichen hygienischen

Verhältnisse für

Mütter und ihre Neugeborenen,

dass sie nach ihrer Rückkehr in

die USA eine bis heute andauernde

Hilfe initiierte. Gemeinsam mit einem kleinen Studienkreis

amerikanischer Jüdinnen rief sie zur Zeit des Purimfests

im Jahr 1912 die Organisation Hadassah ins Leben. Ihren

Namen erhielt die Organisation von der Königin Esther —

auf Hebräisch: Hadassah — der Heldin des Purim-Festes, die

das jüdische Volk vor den Persern gerettet hatte. Und Heldinnen

der Gegenwart sind die Gründerinnen von Hadassah bis

heute.

Sie sammelten in einem Jahr genug Geld, um 1913 das erste

Hadassah-Team, bestehend aus zwei Krankenschwestern, in

diese Region des Nahen Osten zu schicken, die damals noch

zum Osmanischen Reich gehörte. Es war eine Zeit, in der in

den USA strikte Rassentrennung herrschte, keine Gleichstellung

der Geschlechter und eine allgemein akzeptierte Diskriminierung

von Minderheiten. Hadassah ging einen eigenen

Weg: Menschen in der Region sollte bestmögliche medizinische

Hilfe zukommen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit,

Hautfarbe, Nationalität oder politischen Ausrichtung.

Und das ist gelungen. Hadassah

ist eines der besten Versorgungszentren

der Region und

Grundpfeiler des heutigen Gesundheitswesens

im Nahen Osten.

Als Universitätsklinik angegliedert

an die Hebrew University

wird das gesamte medizinische

Spektrum abgedeckt.

Patienten kommen nicht nur

aus Jerusalem und Israel, sondern

auch aus den arabischen

Nachbarstaaten und aus der

ganzen Welt.

Trotz der Aufteilung der Region in verschiedene Staaten und

darauf folgende zahlreiche Kriege, sowie auch während der

beiden für Israel schrecklichen Intifadas mit unzähligen Terroropfern

wurde im Hadassah-Krankenhaus bei der Behandlung

kein Unterschied zwischen Israelis und Palästinensern gemacht.

Es kam vor, dass nach einem Terroranschlag sowohl

die Opfer als auch der verletzte Täter in diesem Krankenhaus

behandelt wurden — ein Zeugnis uneingeschränkter Nächstenliebe.

Allerdings wird dies kaum von den Kritikern Israels und

schon gar nicht von seinen Feinden angemessen gewürdigt.

Leider hat auch in Israel in den vergangenen Jahren die Armut

zugenommen. Viele kleine Patienten des Krankenhauses stammen

aus Familien, die kaum Geld haben, um ihren kranken

Kindern Spielzeug zu kaufen. Spenden aus dem Ausland für

Hadassah sind wegen der schweren Wirtschaftskrise spürbar

zurückgegangen. Daher versucht die DIG Berlin und Potsdam

hier zu helfen und dankt Ihnen für Ihre Unterstützung.

Mirko Freitag

Vorstandsmitglied


10

100 Jahre Tel Aviv

Jubiläum:

100 Jahre Tel Aviv

Noch bevor das erste Haus vor 100 Jahren errichtet wurde, war Tel Aviv bereits

eine Großstadt, zumindest in den Köpfen mancher ihrer Gründerväter.

Die einen sahen in ihr die größte Errungenschaft des Zionismus, die anderen

seinen Untergang. Bis zum heutigen Tag begleiten Diskussionen die Stadt,

in der das kulturelle, wirtschaftliche und geistige Herz Israels schlägt. Das

Konglomerat der Wolkenkratzer, die aus dem Nichts wuchsen, ist ein Ort

voller Gegensätze und Widersprüche.

Dieser Teil von Tel Aviv besteht seit mehr als 100 Jahren

Es mutet wie eine Unverschämtheit an, als ein unbekannter

ukrainischer Uhrmacher an einem warmen Sommerabend im

Jahr 1906 mit seiner phantastischen Idee in die Sitzung platzt.

Akiva Weiss ist erst am Abend zuvor in Jaffa angekommen.

Kaum 24 Stunden im Land, will er das Antlitz Palästinas dauerhaft

verändern.

»Ich habe einen Plan für eine Stadt — mit Straßen, Gärten, und

fließend Wasser«, sagt Weiss den etwa 120 jüdischen Bewohnern

Jaffas, die eng zusammengepfercht auf Holzbänken über

die Gründung eines neuen Stadtviertels diskutieren. Noch im

selben Jahr verkündet er in einem Pamphlet: »Wie die Stadt

New York das Haupttor in die Vereinigten Staaten ist, genau

so müssen wir unsere Stadt errichten, und so wird sie eines

Tages das New York des Landes Israel sein.«

So hat sich die Stadt in den letzten 60 Jahren entwickelt

Auch wenn Historiker heute darüber streiten, ob das Pamphlet

prophetisch war oder später einfach nur gefälscht wurde, sind

die Visionen und Taten von Akiva Weiss sehr kühn. Seinen

Zeitgenossen musste er wie ein Verrückter klingen, denn ein

jüdisches New York in Palästina schien damals realitätsfremd.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts liegt die Kleinstadt Jaffa inmitten

weitläufiger Orangenhaine. Gerade einmal 9 000 Juden

leben inmitten einer arabischen Mehrheit. Auf dem Gebiet,

von dem Weiss spricht, erstrecken sich unbewohnte Sanddünen

in der dampfenden Mittagshitze.

Seine Idee wird heftig diskutiert. Doch der Träumer erweist

sich tatsächlich als Prophet. Auf den ehemals leeren Sanddünen

pulsiert heute das Leben der Mittelmeermetropole Tel Aviv,

das Tor Israels zur großen Welt.


100 Jahre Tel Aviv

11

Die Einwände, die die Gegner von Weiss vorbringen, sind zuerst

praktischer Natur. Der Wassermangel oder die Angst, die

Sanddünen sänken unter der Last der Häuser ein, sind dann

schnell geklärte Probleme. Nur wenige wissen zu der Zeit, dass

sich mit der Besiedlung der vermeintlich jungfräulichen Dünen

eine jahrtausende alte Tradition wiederholt. Tel Aviv, an der

Furt des einst mächtigen Jarkon-Flusses gelegen, befindet sich

an einem geographischen Engpass auf der einzigen Landbrücke

zwischen Afrika, Asien und Europa.

Nach 101 Grabungen in Tel Aviv strafen Archäologen heute

den Mythos der nur hundertjährigen Stadt Lügen. Ihre bis zu

20 000 Jahre alten Funde zeigen, dass die Hügel seit Menschengedenken

bewohnt waren. Nicht umsonst ist das längst eingemeindete

Jaffa eine der ältesten Städte der Welt.

Nachdem praktische Bedenken ausgeräumt worden waren,

blieb das Hauptargument der Gegner Tel Avivs ideologischer

Natur. Der Zionismus, die jüdische nationale Befreiungsbewegung

aus dem 19. Jahrhundert, will nicht bloß einen Judenstaat

schaffen, sondern einen neuen Menschenschlag kreieren.

Der »neue Jude« soll den Pfad der Rabbiner verlassen und

in die Fußstapfen wackerer biblischer Hebräer treten: »Knüpfen

wir an unsere ältesten Überlieferungen an: Werden wir

wieder tiefbrüstige, strammgliedrige, kühnblickende Männer«,

fordert der Zionistenführer Max Nordau. Die Mehrheit der

Zionisten plädiert für eine Rückkehr zur Landarbeit.

Die Stadt Tel Aviv widerspricht dieser Ideologie. Wie kann man

zum gesunden Acker heimkehren, wenn der asphaltiert ist?

Lieber als die eine Stadt sähen die Zionisten eine Vielzahl von

Dörfern, in denen braungebrannte, muskulöse Pioniere ihre

Scholle bestellen.

Die Kritik hat Tradition. Den knackigen Pionieren der Kibbuzim

waren die vielen Kaffeehäuser der Mittelmeermetropole

schon in den dreißiger Jahren ein Dorn im Auge. Der Geostratege

Professor Arnon Sofer von der Universität Haifa erschütterte

Israel vor wenigen Jahren, als er »den Staat Tel Aviv als

die größte Gefahr für den Staat Israel« bezeichnete. Die Metropole

»blute« die Peripherie des Landes aus.

Trotz dieser Kritik ist Tel Aviv seit seiner Gründung intellektueller

Mittelpunkt des Landes. Hier wohnen oder schaffen

die wichtigsten jüdischen Schriftsteller und Vordenker. Tel

Aviv wird zur »ersten hebräischen Stadt«. Wohlgemerkt, hebräisch,

nicht jüdisch.

Nirgends in Israel sind die Gegensätze zwischen Arm und

Reich größer als in der Stadt, deren 400 000 Einwohner auf

einer Fläche leben, die in etwa so groß ist wie Salzburg. Für

Sozialkritiker ist Tel Aviv Sinnbild für die Ungerechtigkeit der

zunehmend materialistischen israelischen Gesellschaft. Der

Lärm überschreitet in den armen Vierteln wegen der Einflugschneise,

Autobahn und Fußballstadion öfter mal die erlaubten

50 dB, die Straßen haben dann das Flair eines Staubsaugers

im Amoklauf.

Nichts könnte den Gründern der Stadt ferner gelegen haben

als dieses stickige Verkehrschaos. Sie wollten eine moderne

Gartenstadt schaffen, für die der Wiener Hofrat und Architekt

Willhelm Stiassny sogar einen Stadtplan entwirft. Doch letztlich

engagiert man den namhaften schottischen Architekten

Pattrick Geddes, um eine grüne europäische Oase im Orient zu

planen.

Den Ideologen der Landarbeit zum Trotz spielt Tel Aviv von

Anfang an eine zentrale Rolle in der Schaffung der israelischen

Kultur. Ein großer Teil der späteren Eliten wächst in der Stadt

auf, die um ein hebräisches Gymnasium herum errichtet wird.

Im Süden der Stadt verwandeln asiatische Gastarbeiter, die die

Wohnungen der Reichen im Norden putzen, den Charakter

Tel Avivs. Zu Weihnachten wirkt die zentrale Busstation wie

ein Fremdkörper; statt Hebräisch und Chanukka-Leuchtern

sieht man Schilder auf Englisch und Tannenbäume.

Auch nach 100 Jahren erfindet sich die junge alte Stadt Tel

Aviv immer wieder von neuem.

Dr. Gil Yaron, Nahostkorrespondent

einer großen Zahl deutschsprachiger

Publikationen, geboren, aufgewachsen

und wohnhaft in Tel Aviv

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil ich sehr gute Freunde in Israel habe. Ich fühle mich aus moralischen

Gründen verpflichtet, für den Staat Israel und seine Bewohner einzutreten und die Freundschaft

im politischen wie persönlichen Bereich zwischen unseren

Ländern zu fördern wo immer es geht.

Jürgen Hoeche, General a. D., Mitglied seit 2005


12

Israel-Kritik — Antisemitismus

»Das wird man doch wohl

mal sagen dürfen ...«

Was ist legitime Kritik an Israel und was ist Antisemitismus? Die

Grenze zu ziehen fällt zuweilen auch denen schwer, die sich seit

Jahren mit dem Konflikt im Nahen Osten beschäftigen.

Vergleiche zwischen der aktuellen israelischen Politik und der

Politik der Nazis sind antisemitisch. Aussagen wie: »Wer nur

Bomben, aber keinen Staat offeriert, wird den Terror nie beenden«

sind legitime Kritik, wie sie auch Israelis an der Besatzungspolitik,

den Auswirkungen des Sperrzauns, den zivilen

»Nebenschäden« des Anti-Terror-Krieges äußern. Das sind

Definitionen von Experten der EUMC (European Monitoring

Centre on Racism and Xenophobia), die auf der Homepage

des AJC (American Jewish Committee) unter folgendem Link

vollständig abzurufen sind: http://www.european-forum-onantisemitism.org/working-definition-of-antisemitism/

deutsch

So ist es klar antisemitisch, eine militärische Einrichtung in

Israel als »Konzentrationslager« im Sinne der nationalsozialistischen

KZs zu bezeichnen, wie es die hoch umstrittene,

vor kurzem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete,

Felicia Langer getan hat.

Behauptungen, die ihre Verwandtschaft mit dem »klassischen«

Antisemitismus — also mit Stereotypisierung, Dämonisierung

und Denunzierung — nicht verleugnen können, gehören ebenfalls

dazu. Ein Artikel wie der des freien Journalisten Donald

Boström, der unter dem Titel »Die Organe unserer Söhne werden

geplündert« in Schwedens auflagenstärkster Zeitung

»Aftonbladet« am 17.09.09 erschien, ist ein Paradebeispiel.

Boström verarbeitete Gerüchte, die er unter Palästinensern

gehört haben will und schrieb, israelische Soldaten hätten

getöteten Feinden Organe entnommen. Er belegte den ungeheuerlichen

Vorwurf mit Aussagen von Hinterbliebenen und

mit einem eigenen Erlebnis von 1992. Damals hatte er gesehen

— und fotografisch dokumentiert —, wie Soldaten die Leiche

eines palästinensischen 19-Jährigen zurückgaben, die offensichtlich

obduziert worden war. Brust und Bauch waren frisch

vernarbt. Beweise für eine Organentnahme lieferte er nicht.

Durch Gespräche mit den beteiligten Palästinensern ist inzwischen

nachgewiesen, dass es sich hier um eine komplett

erfundene Geschichte handelt.

Boström verwob sie jedoch zusätzlich mit einer in den USA

aufgeflogenen Affäre um illegalen Organhandel — ein fieser

Rückgriff auf jahrhundertealte Klischees der christlichen Kirchen,

deren Vertiefung von den Nazis perfektioniert wurde.

Juden wird nicht nur unterstellt, für ihre Bereicherung Gefangene

zu ermorden, sondern gleich auch noch, damit an

einer Weltverschwörung teilzunehmen.

Der Schwede förderte mit seinem Artikel die Entwicklung,

dass seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts europäische

antisemitische Stereotype in den Nahen Osten transportiert

und nicht selten auch von islamischen Religionsführern übernommen

werden. Deutlich wird das auch in arabischen und

türkischen Filmen und Fernsehbeiträgen (Sarahs blaue Augen

oder Tal der Wölfe), die hier in Deutschland zu sehen waren.

Die Empörung israelischer Politiker über Boströms Unterstellungen

wurde unangemessener Weise mit den Reaktionen

der muslimischen Welt im ›Karikaturenstreit‹ verglichen:

Im September 2005 veröffentlichte eine dänische Zeitung

Zeichnungen des Propheten Mohammed, die sich an westlichem

Humor orientierten. Erst Monate später führte das weltweit

zu gewalttätigen Angriffen auf dänische Einrichtungen

und gesteuerten Massenprotesten und Boykottaufrufen gegen

dänische Produkte in Ländern mit einem hohen muslimischen

Bevölkerungsanteil. Heuchlerisch ist, wenn Muslime lautstark

religiösen Respekt fordern, ihre Führer aber schweigen

bei antisemitischen Darstellungen in den wichtigsten arabischen

Medien (www.jungle-world.com — Stichwort: Affen und

Schweine).

In der beliebten Formel: »Das wird man doch wohl mal sagen

dürfen ...« verbirgt sich häufig, dass Israel-Kritik eben nicht

immer bloß Kritik ist. Wird den Israelis unterstellt, dass sie

»wie Nazis« auftreten (ein vertrauter Topos, links wie rechts)

oder einen »Vernichtungsfeldzug« (Norbert Blüm) gegen die

Palästinenser führen, dann geht es nicht um Gerechtigkeit,

sondern um Entschuldung. Seht her, die Nachfahren unserer

Opfer sind so gemein wie unsere Vorväter. Wenn die sich so


Israel-Kritik — Antisemitismus

13

aufführen, waren die Deutschen nicht die einzigen Menschheitsverbrecher.

Wiegen wir also auf, und rechnen wir ab, auf

jeden Fall dürfen Juden nicht mehr mit dem Finger auf uns

zeigen.

Ist Käfig-Haltung von Hühnern oder die Massentötung von

Schweinen in Ägypten wegen der Schweinegrippe ein Holocaust?

Gibt es keinen besseren Vergleich für Tierquälerei als

jenen mit dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte,

dem organisierten Mord an sechs Millionen Menschen?

Der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex hat einst ironisiert:

»Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.«

Damit wollte er sagen, die Juden seien lebende Denkmäler

deutscher Schuld. Und Schuldgefühle wird am besten los, wer

sein eigenes schlechtes Gewissen zurück projiziert: Die Juden

sind an ihrem Unglück selbst schuld und dem anderer

ebenfalls.

Dazu gehört auch die von der EUMC als antisemitisch eingestufte

Delegitimierung Israels und das Abstreiten des Rechts

des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung. Unterstellt wird

oft, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches Unterfangen,

bewusst irreführend die Aussage benutzt, es handle

sich um Apartheid.

Auch deshalb war es richtig, dass Staaten wie Kanada, USA,

Deutschland, Italien, Niederlande und Israel die Nachfolgekonferenz

der Anti-Rassismus-Konferenz in Durban boykottiert

haben. In der Resolution von Durban war Israel des

»Völkermordes« verleumdet worden, der malaysische Premier

Mahathir phantasierte in seinen Reden von der »jüdischen

Verschwörung« gegen die Dritte Welt.

Es ist also im Grunde ganz einfach, zwischen berechtigter

Kritik an Israel und Antisemitismus zu unterscheiden: Wer

Juden diskriminiert, weil sie Juden sind, wer Israel und die

Juden dämonisiert, Israel das Existenzrecht abspricht und

Israel mit anderen Maßstäben misst als jedes andere Land der

Welt, der ist antisemitisch. Wer aber Israel kritisiert, weil er

aktuelle politische Probleme anders gelöst hätte, macht von

seinem demokratischen Recht auf freie Meinungsäußerung

Gebrauch.

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil ich dazu beitragen möchte, dass auch

für das jüdische Volk Normalität einkehrt.

Aufklärung, auch im täglichen Leben, soll diesen

fürchterlichen Anti semitismus überwinden

helfen. Das sind wir dem Volk, von dem wir

geistig so profitiert haben, schuldig.

Dr. Démètre Zavlaris,

Mitglied seit 1994

… weil ich Israel liebe mit seinen

wunderschönen Landschaften und

seiner funktionierenden Demokratie.

Hellmut Königshaus MdB

(FDP),

Mitglied seit 2004

… weil ich die Beziehungen zu Israel für

Deutsche und Deutschland wichtig finde.

Dr. Waltraud Rehfeld,

Geschäftsführende Vorsitzende

des Bundes der Verfolgten des

Naziregimes (BVN), Mitglied

seit Gründung der DIG 1966

Maya Zehden,

stellv. Vorsitzende

… weil ich eine Freundin Israels bin.

Inge Buchenau,

Mitglied seit 2000


14

Al Quds-Tag

Al Quds-Tag: Propaganda gegen Frieden

Es ist ein Ritual, beängstigend und gespenstisch: Seit Jahren rufen Islamisten zum »Al Quds-

Tag« auf und demonstrieren jeweils am letzten Wochenende im Ramadan auf dem Kurfürstendamm

gegen Israel. Und viele aufrechte Demokraten wehren sich dagegen. Die DIG Berlin

und Potsdam ist dabei wie auch die Amadeu Antonio Stiftung, die Jüdische Gemeinde zu

Berlin, iranische Oppositionelle und andere gesellschaftliche Gruppen sowie Politikerinnen

und Politiker.

Der sogenannte »Al Quds-

Tag« (arabisch für Jerusalem,

persisch »Ghods«)

wird über das größte islamistische

Internetportal

der Brüder Yavuz und

Gürhan Özoguz organisiert.

Drahtzieher sind

verschiedene islamistische

Zentren und Netzwerke,

unter anderem

aus dem Umfeld der libanesischen

Hisbollah.

Erfinder des internationalen

Kampftages gegen

Israel und die »westlichen

Mächte der Arroganz« war der iranische Revolutionsführer

Ayatollah Khomeini. 1979 beschwor er zum ersten Mal

in Teheran die panislamische Einheit mit den Shiiten, nachdem

er im irakischen Exil in Nadschaf unter den Einfluss sunnitischer

Islamisten und des panarabischen Antizionismus

geraten war.

Demonstration gegen den »Al-Quds-Tag« 2009; Foto: Meggie Jahn

Seitdem gibt es weltweit Massenaufmärsche, die unter anderem

in Teheran, Beirut, Pakistan, Bangladesh und Indonesien

organisiert werden. Die Demonstranten skandieren »Tod für

Israel«, »Tod für Amerika« oder »Möge Israel von der Landkarte

radiert werden«. Israelische und amerikanische Fahnen

brennen.

Gefährlich ist, dass Islamisten

nach Allianzen

mit linken antiimperialistischen

Gruppen und

Rechtsextremisten suchen.

Da weiß man sich

einig über das Feindbild

des »internationalen Finanzkapitals«,

über Antiamerikanismus,

Antizionismus,

Antisemitismus

oder auch die Leugnung

des Holocaust. Umfragen

der vergangenen

Jahre belegen, dass dies

auch mehr 60 Prozent

der Deutschen und Europäer

denken. Umso wichtiger ist es, dass das Bündnis gegen

den Al Quds-Tag breiter wird.

Um mehr Zuspruch auch bei Migrantinnen und Migranten zu

gewinnen, ist allerdings viel Sensibilität erforderlich. Claudia

Dantschke, deutsche Journalistin und Islamismus-Expertin

warnt vor einem pauschalisierenden Islamismus-Diskurs. Undifferenzierte

Urteile gegen ›alle‹ Muslime könnten schnell zu

einer rassistischen Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen

führen. Das aber werde islamistische Phänomene und

Strukturen eher fördern. Es sei aber genauso gefährlich, den

Islamismus und seinen Einfluss auf Teile der Gesellschaft

zu ignorieren.

In den europäischen Großstädten nahm anfangs kaum jemand

Notiz von den Hasstiraden. In Berlin hat sich das geändert.

Inzwischen sind die Islamisten sogar bemüht, provozierende

Aktionen zu vermeiden. Nach antiisraelischen Anschlägen auf

Synagogen in Istanbul entwickelte sich eine Gegenbewegung

in Kreuzberg, die seit 2005 im Verein »Kreuzberger Initiative

gegen Antisemitismus« aufging. Und während noch 2002 noch

knapp 2 500 Islamisten gegen Israel marschierten, kamen in

den vergangenen Jahren nur wenige hundert.

In diesem Jahr gab es bei unserer Anti-Al Quds Demonstration

völlig unangemessene Eingriffe der Berliner Polizei. Polizeipräsident

Dieter Glietsch hat sich dafür entschuldigt. Und wir

werden weiter Gesicht zeigen, bis Al Quds Demonstrationen

Geschichte sind.

Meggie Jahn,

stellv. Vorsitzende


16 Freiheit für Gilad Shalit

Gilad Shalit — RUN4ME:

Marathonlauf für die Freiheit

Seit über drei Jahren ist der israelische Soldat Gilat Shalit in der Gewalt der Hamas. Und am

20. September 2009, genau 1183 Tage nach seiner Entführung, forderten mehrere hundert

Läuferinnen und Läufer auf dem Berlin-Marathon seine Freilassung. Der damals 19jährige

war am 25. Juni 2006 entführt worden, zwei Soldaten starben bei dem Überfall.

Die Täter, Anhänger der islamistischen Terrororganisation

Hamas, verwehren Gilad

Shalit seitdem Kontakt zum Internationalen

Roten Kreuz — ein eindeutiger Verstoß gegen

die Genfer Konvention. Ein Jahr nach der

Entführung veröffentlichte die Hamas eine

Audio-Aufnahme, auf der Shalits Stimme zu

hören war. Erst kürzlich, am 2. Oktober 2009,

gab es wieder ein neues Lebenszeichen. Für

eine Video-Aufnahme von Shalit hat Israel

19 inhaftierte Palästinenserinnen freilassen

müssen. Dem israelischen Fernsehen zufolge

zeigt der Film den inzwischen 23-Jährigen

gesund und unversehrt. Die Familie hat

wieder Hoffnung geschöpft.

Run4me, Foto: Rolf Behrens

Der israelische Filmemacher Ron Segal wollte für Shalit ein

Zeichen setzen, damit die Weltöffentlichkeit sein Schicksal

nicht vergisst. Aufgrund eines Stipendiums des Deutschen

Akademischen Austauschdienstes für 16 Monate in Berlin,

setzte er alles daran, seine Idee umzusetzen: die Initiative

RUN4ME. Er meldete sich zum Berlin-Marathon an und machte

es zu seinem Ziel, 1183 Mitläufer zu finden, die gemeinsam

mit ihm beim Berlin-Marathon auf die menschenrechtsverletzende

Gefangenschaft von Gilad Shalit aufmerksam machen

und sich für seine Freilassung einsetzen würden.

Es gelang ihm, so viele Läufer zu finden, die dann am Handgelenk

ein blaues Armband aus Kunststoff trugen. Auf diesem

Armband waren die Zahl 1183 und www.run4me.com zu lesen.

Ron Segal und seine Helfer warben die Läufer aus der

ganzen Welt während der dreitägigen Marathon-Messe auf dem

Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof und über die

Website, RUN4ME zu unterstützten. Sie kamen

aus dem Iran, aus Mexiko, Brasilien,

Großbritannien, Irland, Schweden, aus den

Niederlanden und natürlich aus Deutschland.

Am Tag des Marathons fand eine konzertierte

Aktion vieler Helfer, darunter zahlreiche

Mitglieder der DIG, an einem Info-Stand am

Innsbrucker Platz statt. T-Shirts mit dem Aufdruck

»Gilad Shalit lebt«, Armbänder und

Flyer wurden verteilt, um auch Passanten

und weitere Läufer zu informieren. Bewegend

der Berliner Polizist, der sich sofort das

blaue Band am Handgelenk befestigte. Selbstverständlich,

wie er sagte, denn sein Sohn

wird demnächst in Afghanistan dienen. Falls ihm dasselbe

Schicksal wie Gilad Shalit widerfahren sollte, hoffe er auf

eine ähnliche Unterstützung aus der Bevölkerung.

Die große Zahl von Unterstützern — der Bezirk Schöneberg-

Tempelhof, diverse Unternehmen sowie DIG und Jüdische

Gemeinde, aber auch die Botschaft des Staates Israel, hat Ron

Segals Aktion auf jeden Fall zu einem Erfolg für Shalit gemacht.

Sein T-Shirt-Aufdruck hat sich wenige Tage später bewahrheitet

— Shalit lebt — nun muss er einfach bald freigelassen

werden.

Stefan Krikowski,

Vorstandsmitglied

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil mich Israel fasziniert und das Land viel näher ist als wir oft denken.

Felix Husmann, Mitglied seit 2000


Konzert-Direktion Hans Adler • 030 / 826 47 27

Saison 2009 / 2010

Kammermusiksaal

So., 6. Dez.

GIPFELTREFFEN DER STREICHQUARTETTE

Am 85. Geburtstag von WALTER LEVIN mit

Amaryllis Quartett (Deutschland) Kurtág · Cuarteto Casals (Spanien) Haydn · Gemeaux Quartett (Schweiz) Webern ·

Kuss Quartett (Deutschland) Brahms · Cuarteto Quiroga (Spanien) Webern · Zemlinsky Quartet (Tschechien) Janácek

Philharmonie

Mo., 2. Nov.

Kammermusiksaal

Fr., 20. Nov.

Kammermusiksaal

Sa., 21. Nov.

Philharmonie

So., 22. Nov.

Kammermusiksaal

Fr., 27. Nov.

Philharmonie

Di., 1. Dez.

Kammermusiksaal

Fr., 11. Dez.

Kammermusiksaal

So., 13. Dez.

TONHALLE ORCHESTER ZÜRICH

DAVID ZINMAN Dirigent

SABINE MEYER Klarinette

Strauss: Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28

Mozart: Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur

Takemitsu: Fantasma / Cantos für Klarinette und

Orchester

Schumann: Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120

RUDOLF BUCHBINDER Klavier

Werke von Haydn · Schubert · Beethoven

PACIFICA QUARTET

MENAHEM PRESSLER Klavier

Haydn, Prokofieff, Brahms: Klavierquintett f-Moll

op. 34

BENEFIZKONZERT

„INNOCENCE IN DANGER“

CHORGEMEINSCHAFT NEUBEUERN

KLANGVERWALTUNG

ENOCH ZU GUTTENBERG Dirigent

Susanne Bernhard, Sopran;

Gerhild Romberger, Alt; Timothy Richards, Tenor;

Christian van Horn, Bass

Verdi: Messa da Requiem

HEINRICH SCHIFF Violoncello

MARTIN HELMCHEN Klavier

Beethoven · Brahms · Lutoslawski · Debussy

BACH: WEIHNACHTSORATORIUM

(Kantaten I, II, III und VI)

GÄCHINGER KANTOREI

BACH-COLLEGIUM STUTTGART

HELMUTH RILLING Dirigent

Sibylla Rubens Sopran, Ingeborg Danz Alt,

James Taylor Tenor, Georg Zeppenfeld Bass

ARTEMIS QUARTETT

Beethoven: Streichquartette B-Dur op. 18 Nr. 6, F-

Dur op. 135, C-Dur op. 59 Nr. 3 „Rasumowsky“

ALBRECHT MAYER Oboe

FESTIVAL STRINGS LUCERNE

Bach · Mendelssohn Bartholdy · Bach

Kammermusiksaal

Di., 26. Jan.

Philharmonie

Do., 11. Feb.

Kammermusiksaal

Sa., 13. Feb.

Konzerthaus

Mi., 3. März

Philharmonie

So., 7. März

Philharmonie

Fr., 19. März

Philharmonie

Do., 25. März

Philharmonie

Do., 15. April

Kammermusiksaal

Mi., 21. April

Kammermusiksaal

Fr., 23. April

Kammermusiksaal

Mi., 28. April

ARTEMIS QUARTETT

Beethoven: Streichquartette F-Dur op. 18 Nr. 1,

f-Moll op. 95, a-Moll op. 132

MISCHA MAISKY Violoncello

MOSKOW VIRTUOSI

Mozart · Boccherini · Rossini · Haydn

CAMERATA SALZBURG

ANDRE DE RIDDER Dirigent

MARTIN GRUBINGER Percussion

Haydn · Corigliano · Hartl · Haydn

DANIEL HOPE Violine

ZÜRCHER KAMMERORCHESTER

Bach · Händel · Biber · Telemann · Pachelbel

Falconiero · Geminiani · Vivaldi

DANIEL BARENBOIM Klavier

Werke von Chopin

CHORGEMEINSCHAFT NEUBEUERN

KLANGVERWALTUNG

ENOCH ZU GUTTENBERG Dirigent

Solisten: Miriam Meyer Sopran,

Gerhild Romberger Alt, Daniel Johannsen Tenor,

N.N. Bass

Mozart: Requiem u. a.

GRIGORIJ SOKOLOV Klavier

Programm wird noch bekanntgegeben

ORQUESTA NACIONAL DE ESPANA

JOSEP PONS Dirigent

KATIA UND MARIELLE LABÈQUE Klavier

Ginastera · Amargos · Piazzolla · Ravel

ARTEMIS QUARTETT

Beethoven: Streichquartette Es-Dur op. 74

„Harfenquartett“, cis-Moll op. 131

ALICE SARA OTT Klavier

Mendelssohn Bartholdy · Beethoven · Chopin · Liszt

QUATUOR EBÈNE

Mozart · Debussy · Mendelssohn Bartoldy

Kammermusiksaal

Di., 15. Dez.

Philharmonie

So., 24. Jan.

RADU LUPU Klavier

PAAVO JÄRVI Dirigent

DEUTSCHE

KAMMERPHILHARMONIE BREMEN

Schumann: Manfred-Ouvertüre, Klavierkonzert

a-Moll op. 54, Sinfonie Nr. 3 „Rheinische“

MAURIZIO POLLINI Klavier

Schumann · Chopin · Liszt

Philharmonie

So., 30. Mai

Philharmonie

Fr., 11. Juni

Beginn jeweils 20 Uhr

KREMERATA BALTICA

GIDON KREMER Violine

JULIA KORPACHEVA Sopran

Lourie · Desyatnikoff · Tschaikowski

ANNE-SOPHIE MUTTER Violine

LAMBERT ORKIS Klavier

Debussy · Mendelssohn · Brahms · Sarasate

WIENER PHILHARMONIKER · CHRISTIAN THIELEMANN Dirigent

BEETHOVEN-ZYKLUS 2010 in der Berliner Philharmonie

Mittwoch, 1. Dezember 2010 · 20 Uhr: 4. und 5. Sinfonie | Donnerstag, 2. Dezember 2010 · 20 Uhr: 6. und 7. Sinfonie

Samstag, 4. Dezember 2010 · 18 Uhr: 1. 2. und 3. Sinfonie | Sonntag, 5. Dezember 2010 · 11 Uhr: 8. und 9. Sinfonie

Kartenservice 826 47 27 · Mo. – Sa. 9 – 20 Uhr, So. 14 – 20 Uhr · E-Mail: karten@musikadler.de


18 Nukleare Bedrohung im Nahen Osten

Angst und Ausnahmezustand

Während Europa und Nordamerika zwanzig Jahre nach Ende der Ost-West-Konfrontation

die Möglichkeit eines Atomkrieges vergessen haben, wächst die nukleare Bedrohung im

Nahen Osten. Die Konfrontation zwischen Israel und dem Iran trägt Züge eines beginnenden

neuen Kalten Krieges — mit bedrückenden gesellschaftlichen Folgen.

»Duck — and cover« sangen

amerikanische Schulkinder

in den 1950er Jahren. »Duck

and cover — in Deckung gehen«,

das wollte ihnen ein

Lehrfilm der US-Zivilverteidigungsbehörde

beibringen.

Nachdem die Sowjetunion

die Atombombe entwickelt

hatte, sollten die Kleinen mit

Hilfe einer eingängigen Melodie

lernen, sich im Falle

eines Angriffes schnell unter

ihre Schulpulte zu verkriechen,

um sich selbst zu

schützen. Heute wirkt der

Film makaber: ein bizarres

Relikt aus dem Kalten Krieg.

Ein improvisierter, öffentlicher Bunker in Sderot: Die Kindermalereien verschönern den

nüchternen Zweckbau nur unzureichend. Foto: Jewbask

»Tseva adom, tseva adom« singen heute israelische Schulkinder.

»Tseva adom — Farbe Rot«, so lautet das automatische

Alarmzeichen im Süden Israels, wenn das Radar eine Granate

oder Rakete, abgefeuert aus dem Gazastreifen, registriert. Die

Kinder aus Sderot leiden unter dem Stress, im Ernstfall unter

Sirenengeheul 15 Sekunden Zeit zu haben, sich in Sicherheit

zu bringen. Mit simplen Reimen will die Kunsttherapeutin

Shahar Bar den Kindern die Angst vor dem Signal nehmen.

»Schnell, schnell, schnell, an einen sicheren Platz! Schnell,

schnell, schnell, jetzt ist’s ein bisschen gefährlich!«

Die Bilder ähneln sich frappierend: Stühle rücken, die Sprösslinge

verkriechen sich unter ihren Pulten, kauern sich zusammen

und verschränken schützend ihre Hände hinter dem

Kopf. Was für Amerikaner im Einschlagsbereich einer Nuklearwaffe

pathetisch wirkte, kann den Israelis wirklich helfen:

Die Deckung unter den Tischen kann vor herabstürzenden

Trümmern und herumfliegenden Glassplittern schützen. Während

das Propagandastück der US-Zivilverteidigung der Bevölkerung

wenigstens teilweise vormachen wollte, dass ein

Schutz vor sowjetischen Atombomben möglich gewesen wäre,

kann Shahar Bars private Initiative den Schaden ein wenig begrenzen,

den die palästinensischen

Angriffe tatsächlich

verursachen. Doch im Vergleich

zur Atombombe sind

die Raketen und Granaten

aus dem Gazastreifen noch

nicht einmal Nadelstiche.

»Die israelische Angst vor

einem nuklearen Holocaust,

einem zweiten Holocaust, ist

überwältigend«, erklärt Ronen

Bergman, Iran-Experte

der größten Tageszeitung Israels

Yediot Achronoth. In

den Medien sei die Islamische

Republik ständig als

Thema präsent. Laut Bergman

wird eine zukünftige

iranische Atombombe von Experten derzeit für die größte

Bedrohung Israels gehalten. Eine militärische Aktion gegen

die nuklearen Ambitionen Teherans, wie oft in den vergangenen

Monaten angedroht, könnte kaum erfolgreich sein. »Ein

Angriff wäre auch nur ein letzter Ausweg — es würde das iranische

Nuklear-Programm nur verzögern, aber nicht verhindern«,

so Bergman.

So nüchtern schätzt auch Anthony Cordesman vom Washingtoner

Center for Strategic and International Studies die Lage

ein. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Islamische

Republik über die Atombombe verfügt. Cordesman bezieht

sich unter anderem auf eine offizielle amerikanische nachrichtendienstliche

Einschätzung aus dem November 2007, gemäß

der der Iran spätestens 2015 genügend Plutonium angereichert

hat, um seine ersten Nuklearwaffen zu produzieren. Mittelstreckenraketen,

die bis nach Tel Aviv reichen, werden derzeit

getestet.

Indes bereitet sich Israel intensiver denn je auf den Ernstfall

vor. Im Frühsommer führte das Land die größte Zivilschutzübung

seiner Geschichte durch. Wie die Kinder in Sderot soll-


Nukleare Bedrohung im Nahen Osten

19

ten am 2. Juni 2009 alle Israelis den Sirenensignalen gehorchen

und die Luftschutzräume aufsuchen. Ein Aufarbeiten der

Probleme im zivilen Bevölkerungsschutz war überfällig. Der

Libanonkrieg 2006 hatte viele Defizite im zivilen Bevölkerungsschutz

aufgedeckt. Damals waren unter dem Raketenbeschuss

der Hizbollah weite Teile des nördlichen Israel überhastet

evakuiert worden; eine allgemeine Panik unter den

Betroffenen wurde nur knapp vermieden.

Angesichts der wachsenden Bedrohung nicht nur durch Katjuschas,

abgefeuert von Hizbollah oder Hamas, sondern auch

durch wesentlich größere Kaliber aus dem Iran erhält der Belagerungszustand

des jüdischen Staates eine neue Qualität.

Die Behörden verfügen für den Ernstfall über weit reichende

Befugnisse. So haben beispielsweise Verteidigungsminister

Amir Peretz und sein Nachfolger Ehud Barak bereits zweimal

eine »Ausnahmesituation an der Heimatfront« im Grenzgebiet

zum Gazastreifen ausgerufen, als die Bombardierung der

Region durch die Hamas vor dem Krieg am Anfang dieses Jahres

zugenommen hatte. Während ihre Familienmitglieder evakuiert

werden konnten, durften Mitarbeiter lebenswichtiger

öffentlicher Betriebe ihre Arbeitsplätze nicht verlassen.

Hierzulande besitzt die Bundesregierung mit dem »Arbeitssicherstellungsgesetz«

vergleichbare Kompetenzen. Dieses

war 1968 nach einer jahrelangen kontroversen Debatte verabschiedet

worden. Neben den weiteren »Notstandsgesetzen«

liegt es bis heute in den Schubladen der Bundesministerien.

Was für Deutschland oder die USA nicht aktuell ist, bleibt für

Israel akut: der nationale Ausnahmezustand. »Angst dominiert

alle Aspekte unseres Lebens«, sagt beispielsweise Hedva Eyal

vom Haifa Feminist Center »Isha l’Isha«. Sie beklagt, dass die

israelische Zivilgesellschaft durch den ständigen Zwang, in

der Kategorie »Sicherheit« denken zu müssen, sich zunehmend

militarisiert hat. Diese Sorge teilen politische Analysen

wie der jüngst erschiene Sammelband »Eine Armee hält sich

einen Staat«, das Ergebnis einer mehrjährigen Studie über das

Verhältnis von Militär und Gesellschaft in Israel. Die Herausgeber

Gabriel Sheffer, Oren Barak und Amiram Oren stellen

fest: »Der Sicherheitssektor schützt nicht nur Israels Bürger;

er formt auch den Charakter des Landes und seiner Bürger.«

Die Bedrohung durch eine iranische Atombombe wird an diesen

Umständen kaum etwas verbessern.

Marcus Mohr,

Vorstandsmitglied

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil ich diese Freundschafts organisation

für eine wichtige, ja unverzichtbare Verbindung

zwischen unseren beiden Völkern halte.

Dr. Michael Jenne,

Mitglied seit Gründung der

DIG 1966

… weil ich eine besondere Nähe und

Verbindung zu Israel habe; ich schätze die

Menschen, die ich dort kennen lernen konnte,

ihre Menschlichkeit, ihre Wärme,

Unkompliziertheit, aber auch ihr

Draufgängertum …

Dr. Hedwig Raskob,

politische Friedensarbeit

und Konfliktklärung,

Mitglied seit 2000

… weil ich Israelin bin und stolz, dass es so

eine Organisation in Deutschland gibt.

Edna Morgensztern,

Mitglied seit 2000

… weil ich mich seit Jahren für die deutschjüdische

Geschichte interessiere, um

hiermit den großen Beitrag jüdischer Menschen

für die deutsche Kultur zu würdigen.

Hans-Joachim Krause,

Mitglied seit 2005


20

Eklat in der Al Quds-Universität

Opfer werden verhöhnt —

Museum für Selbstmordattentäter

Der Weg ins Westjordanland führte an bizarren und irrealen Sperranlagen vorbei. Angekommen

auf dem Campus der Al Quds Universität, einer Hochschule der Palästinenser, sahen wir

— Teilnehmer der Israelreise 2008 der DIG Berlin Potsdam und der Gesellschaft für Christlich-

Jüdische Zusammenarbeit — die Mauer in voller Größe. Sie schlängelt sich durch das Tal gleich

in der Nachbarschaft der palästinensischen Hochschule und erzeugte bei uns ein düsteres

Gefühl.

Die Begrüßung durch den stellvertretenden Universitätspräsidenten

war sachlich, konzentriert, ohne Floskeln, selbstbewusst.

Auf unserem Rundgang sahen wir viele junge Menschen,

auch Mädchen, ruhig und diszipliniert.

Doch dann folgte der Eklat: Nicht ahnend, was uns erwarten

würde, wurden wir in ein von einem reichen Ölstaat bezahltes

modernes Gebäude geführt. Museum nannte es sich. Und war

den »Märtyrern« der Intifada gewidmet — eine Art Ehrenmal

für jene, die als Selbstmörder in Israel Frauen und Kinder

mit ihren Bomben ermordeten.

Es war eine Stätte der Anklage gegen Israel, die den jüdischen

Staat als Horrorgebilde darstellt, voller Gewalt und Brutalität.

Den meisten von uns verschlug es die Sprache, anderen trieb

es die Zornesröte ins Gesicht.

Schnell wurde klar: Hier haben die Macher versucht, ein arabisches

Gegenstück zu Yad Vashem zu präsentieren. Nur: Wo

in Yad Vashem des millionenfachen Leids gedacht wird, werden

hier die Mörder verklärt und die Opfer verhöhnt.

Der Protest unserer Gruppe eskalierte schnell, es wurde laut

und unfreundlich. Der stellvertretende Präsident verschwand

und ließ sich auch beim Mittagsimbiss nicht mehr sehen. Die

Universität hatte die Chance zu einem offenen Gespräch verspielt,

wollte offensichtlich die Provokation — für mich war dies

auch ein Zeichen für die harte Realität Israels im Jahr 2008.

Dass es auch anders geht, erfuhren wir auf unserer Reise

allerdings auch: Wir trafen einen arabischen Israeli, der in

seinem Betrieb Juden und Araber, Christen, Muslime und

Drusen an wissenschaftlichen Projekten forschen lässt. Wir

begegneten Steph Wertheimer, dem durch seine Unternehmungen

reich gewordenen Philanthropen und Unterstützer von

Wirtschaftsprojekten auch in den Gebieten der Palästinenser.

Wir besuchten die Ben Gurion Universität im Negev, die unter

anderem Beduinenmädchen zu Ärztinnen ausbildet und den

arabischen Rechtsanwalt, der trotz persönlicher Nachteile in

Nazareth ein winziges Holocaust-Museum auf Arabisch für

Muslime eingerichtet hat.

Dort wurde sehr deutlich, wie allein gelassen dieser Jurist

bei seiner Aufklärungsarbeit ist. Deshalb mein Appell: Das

israelische Schulministerium sollte auch arabischen Schülern

Yad Vashem zeigen, um ihnen die Shoah nahe zu bringen. Dafür

sollten die Erläuterungen dann auch in arabischer Sprache

sein. Denn nur Wissen schützt vor Demagogie.

U. F. Krüger,

Vorstandsmitglied

Wir danken Air Berlin für

die gute Zusammenarbeit.


Muslimische Jugendliche

21

Muslimische Jugendliche bauen Vorurteile ab

Halten arabische Israelis wirklich zu den Terroristen? Oder geraten sie nur zwischen die

Fronten und leiden unter einer ständigen Identitätskrise? Sind arabische und türkische

Jugendliche in Deutschland wirklich gegen Israel? Was wissen sie eigentlich über den jüdischen

Staat? Das hat uns als Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Berlin

und Potsdam interessiert und um mehr zu erfahren, organisierten wir mehrere Veranstaltungen.

Im Juni 2009 luden wir zu einem

Abend mit Ahmad Mansour, einem

arabischen Israeli, der uns

im Garten unseres Vorstandsmitglieds

U. F. Krüger von seiner persönlichen

Entwicklung als arabischer

Israeli erzählte. Ahmad

Mansour studierte nach der Schule

in Deutschland Psychologie und

ist seit einigen Jahren im Berliner

Bezirk Neukölln Gruppenleiter

beim Projekt »Heroes«. Dieses von

der schwedischen Königin geförderte

Projekt will gegen Unterdrückung

im Namen der Ehre und

für Gleichberechtigung sensibilisieren.

Mansour arbeitet dort mit jungen Migranten gegen

Vorurteile und für Menschenrechte, Demokratie und Respekt

(http://www.heroes-net.de). Er berichtete, dass er immer wieder

auf antisemitische Vorurteile stoße. Er sei auch besorgt

über die einseitig ablehnende Sicht auf Israel und den Nahost-

Konflikt.

Das beginnt offenbar beim Schulunterricht über die Zeit des

Nationalsozialismus. Pädagogen geben häufig an, dass Jugendliche

mit arabischen Wurzeln an deutscher Geschichte desinteressiert

seien und sich antisemitisch äußerten, wenn es

um die NS-Verbrechen gehe.

In einer Kooperationsveranstaltung der DIG mit dem Haus

der Wannseekonferenz wurde von der Mitarbeiterin der Bildungsabteilung

Elke Gryglewski, Sabine Sackmann von der

arabischen Jugend- und Kultureinrichtung Karame e.V sowie

Ahmad Mansour dabei differenziert zwischen Jugendlichen

mit arabischem und mit türkischem Migrationshintergrund.

So hätten die jungen türkisch-stämmigen Männer und Frauen

bisher seltener antisemitische Vorurteile gezeigt als ihre arabisch-stämmigen

Altersgenossen.

Elke Gryglewski und Sabine Sackmann

arbeiteten 2008 mehrere

Wochen zum Thema Holocaust

mit einer Gruppe junger Muslime

unterschiedlicher Herkunft.

Schließlich fuhren alle gemeinsam

nach Israel, um die festgestellten

Vorurteile vor Ort zu überprüfen.

Die Jugendlichen überraschte,

dass sie sich auf einmal

eher als Berliner fühlten, dem

hiesigen Kulturkreis verbunden,

denn als Muslime. Sie fuhren als

Muslime nach Israel und kehrten

als Berliner zurück.

Gemeinsam mit der Friedrich-Naumann-Stiftung luden wir

zum Thema »Das Israelbild von jungen Muslimen in Deutschland«

ins Centrum Judaicum. »Ist der Islam mit der Demokratie

vereinbar« war Thema einer Kooperationsveranstaltung

mit der Landesvertretung des Saarlandes. Gemeinsam mit der

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin

und dem Centrum Judaicum luden wir die als Palästinenserin

geborene, in Ägypten aufgewachsene und heute in

Deutschland lebende Ärztin Dr. Halima Alaiyan ein. Sie berichtete

über ihre Erfahrungen als Frau in der muslimischen

Gesellschaft und über ihr Engagement in einer Stiftung im Andenken

an ihren verstorbenen Sohn. Ihr Thema war »Miteinander

gehen und zueinander stehen: Israelisch-Palästinensisch-Deutscher

Jugendaustausch«.

Fazit der verschiedenen Vorträge lautet: Begegnungen von

deutschen, israelischen und palästinensischen Jugendlichen

zeigen, dass Vorurteile abgebaut werden können.

Gesine Palmer,

Vorstandsmitglied


22 Israelreise 2010

IsraelReise 25. Mai bis 3. Juni 2010

Route: Tel-Aviv — Sderot - Rehovot — Massua — Haifa — Akko — Safed —

See Genezareth — Golan — BeitShean — Totes Meer — Jerusalem

Begegnungen mit:

• Botschafter a. D. Avi Primor, Präsident der

Israelisch-Deutschen Gesellschaft (IDG)

• Gisela Dachs, Die Zeit, sowie weitere Journalisten

• Mickey Pappe, deutscher Honorarkonsul

• Naftali Fürst, Holocaust-Überlebender

• General i. R. Arik Beckenstein, ehemaliger Divisionskommandeur

der IDF (angefragt)

• Vorsitzender der Israelisch-Deutschen Parlamentariergruppe

(zum Stand der deutsch-israelischen Beziehungen)

• Dr. Petra Heldt, Leiterin der »Ecumenical Theological

Research Fraternity in Israel«, vor Jahren Opfer eines

palästinensischen Selbstmordanschlags

• Matt Beynon Rees, britisch-walisischer Journalist und

Autor der Krimis «Der Verräter von Bethlehem« und

»Ein Grab in Gaza« mit Einblicken in die palästinensische

Gesellschaft

• Gad Granach, Schriftsteller

• Gabriel Bach, ehemaliger Oberster Richter und

zweiter Ankläger im Eichmann-Prozess

• Marianne Karmon, Vorsitzende der

Israelisch-Deutschen Gesellschaft

Blick vom österreichischen Hospiz in der Altstadt auf die

Erlöserkirche im christlichen Viertel. Foto: Meggie Jahn

Ausführliches Programm auf Anfrage.

Reisepreis und Leistungen:

1.350,- € im DZ, EZ-Zuschlag 349- €, 9 ÜN/HP

Vor Ort stehen Bus und deutschsprachige Reiseleiter zur

Verfügung. Weitere, aktualisierte Informationen auf unserer

Website www.digberlin.de.

Anmeldung:

DIG-Geschäftsstelle

Auguststraße 80 | 10117 Berlin

Tel.: (030) 28395 - 215/ Fax: - 116,

mail: schalom@digberlin.de

Das römische Amphitheater in Betschean. Foto: Meggie Jahn

Bitte beachten Sie: Englischkenntnisse hilfreich,

die meisten Gespräche finden in Deutsch statt.

Blick auf den erst jüngst ausgegrabenen Cardo in Betschean. Foto: Meggie Jahn


Emmanuel Nahshon 23

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil ich Israel seit Jahren verbunden bin

und dort auch noch liebe Schulfreunde aus meiner

Zeit an der Josef-Lehmann-Schule in der

Joachimstaler Straße, Berlin, bis 1941 habe.

Ruth Recknagel, frühere

Direktorin der Wiedergutmachungsämter

von Berlin,

Mitglied seit Gründung der DIG

im Jahr 1966

Portr Ät

Emmanuel Nahshon

Der neue Gesandte der Botschaft des Staates

Israel, Emmanuel Nahshon, wurde 1961

in Paris geboren. Er studierte Jura an der

Hebräischen Universität Jerusalem und ist

Mitglied der israelischen Anwaltskammer. Er

ist verheiratet und hat eine Tochter.

… weil ich es wichtig finde, die Beziehungen

zwischen Israel und Deutschland zu verbessern.

Dr. Nikoline Hansen,

Vorsitzende des Bundes der

Verfolgten des Naziregimes

(BVN), Mitglied seit 2009

Sommerfest 2009

Das Sommerfest im Kutschstall in Potsdam war der Glanzpunkt

im vielfältigen Programm der DIG Berlin und Potsdam.

Bei dieser Gelegenheit sind auch einige neue Mitglieder zu

uns gestoßen. Andere, die noch nicht lange dabei sind, haben

ihr Interesse an weiteren Aktivitäten bekundet.

Im Jahr 1992 trat Emmanuel Nahshon in den Dienst des israelischen

Außenministeriums in Jerusalem ein. Seine erste Auslandsposition

als Diplomat führte ihn von 1994 bis 1996 in

die israelische Botschaft in Caracas, Venezuela. In den folgenden

drei Jahren war er verantwortlich für die Beziehungen

zum Europäischen Parlament in der israelischen Delegation

bei der Europäischen Union in Brüssel.

Von 1999 bis 2000 war Nahshon im israelischen Außenministerium

als Berater in der Westeuropa-Abteilung tätig. Anschließend

fungierte er bis 2002 als stellvertretender Sprecher des

Außenministeriums.

In den Jahren 2002 bis 2006 war er Gesandter der israelischen

Botschaft in Ankara, Türkei. Zurück in Jerusalem leitete er von

2006 bis 2009 die Abteilung Diplomaten- und Zivilrecht im

Außenministerium.

Im August 2009 trat Emmanuel Nahshon den Posten des Gesandten

in der Botschaft des Staates Israel in Berlin an.

Der scheidende israelische Gesandte Ilan Mor dankt Jochen Feilcke für das

Gästebuch zum Jubiläum und die Aktivitäten der DIG.

Der Gesandte spricht neben Hebräisch auch Französisch,

Englisch, Spanisch, Türkisch und Deutsch.


24 Deutsch-israelische Parlamentariergruppe

Im deutschen Bundestag:

Deutsch-israelische Parlamentariergruppe

Als MdB gehörte ich der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe an, einer von 53 Gruppen

und Freundeskreisen, die weltweit die Beziehungen des Deutschen Bundestages zu

den Parlamenten anderer Staaten pflegen.

Bilaterale und multilaterale Parlamentariergruppen haben das

Ziel, durch Konferenzen, Informationsreisen, Fachveranstaltungen

sowie durch persönliche Kontakte mit Parlamentariern

anderer Länder die internationalen Beziehungen des Bundestages

zu fördern.

Die Deutsch-Israelische Parlamentariergruppe versteht sich

als Netzwerk für Demokratie und Verständigung in den Beziehungen

zum Staat Israel. Im Bundestag ist sie mit 111 Mitgliedern

die zweitgrößte Gruppe nach der Deutsch-Amerikanischen.

61 Jahre nach der Staatsgründung sieht Israel in

Deutschland seinen zweitwichtigsten Partner nach den USA.

Mit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1965

waren Grundlagen geschaffen, um in einen Dialog auf Staatsebene

eintreten zu können. Als sich dann 1970 die Deutsch-

Israelische Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages

gründete, wurde der Dialog fast selbstverständlich. Mit der

Konstituierung der Israelisch-Deutschen Parlamentariergruppe

der Knesset im Februar 1978 wurde die Tür zu einem vertrauensvollen,

offenen Dialog geöffnet.

Wir sehen unsere Aufgaben aber nicht nur im direkten Kontakt

zur Knesset, sondern auch als Ansprechpartner, wo sich

Israelis und Deutsche begegnen, in der Wirtschaft und der

Wissenschaft, in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und

in vielen jüdischen Gemeinden.

Es ist bemerkenswert, wie viel leichter es in der Parlamentariergruppe

ist, parteiübergreifend und vorbehaltlos miteinander

ins Gespräch zu kommen als im parlamentarischen Alltag.

Dies ist meiner Erfahrung nach sehr förderlich für die

Gespräche mit Mitgliedern der Knesset, denn sachliche Kritik

unter Partnern und Freunden wird ernst genommen.

Die Parlamentariergruppe arbeitet als Bindeglied zwischen

den Ländern auch in der Gesetzgebung. Ein Beispiel: Um den

überlebenden NS-Ghetto-Arbeitern eine Rente zu ermöglichen,

verabschiedete der Bundestag im Jahr 2002 das »Gesetz zur

Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem

Ghetto«. Mitglieder der Parlamentariergruppe setzten sich für

eine unbürokratische Lösung ein, die schließlich in Form

eines Fonds nach dem Vorbild der Zwangsarbeiter-Entschädigung

beschlossen wurde.

Künftig muss vor allem der Jugendaustausch stärker gefördert

werden. Das Deutschlandbild der jungen Israelis ist zwar gut,

doch müssen die Beziehungen in jeder Generation neu geknüpft

werden. Als großen Erfolg unserer gemeinsamen Arbeit

sehe ich die Ausweitung des Internationalen Parlaments-

Stipendiums (IPS) auch auf Israel. Im Jahr 2009 waren erstmals

vier junge Israelis als Internationale Parlaments-Stipendiaten

im Deutschen Bundestag. Im Jahr 2010 soll ein deutscher

Stipendiat in die Knesset entsandt werden. Auch im

Bereich von Schulpartnerschaften und Schüleraustausch gibt

es gute Chancen für eine Intensivierung der Beziehungen

zwischen unseren Ländern.

Gemeinsamkeiten zu entdecken und zu entwickeln ermöglicht

Freundschaften. Was kann wichtiger und schöner sein,

was mehr kann man erreichen wollen? Wir gehen einen langen

Weg, manche Abschnitte dieses Weges gehen wir gemeinsam

— je mehr wir gemeinsam gehen, desto näher kommen wir

unserem Ziel.

Steffen Reiche,

stellv. Vorsitzender, Mitglied des

Deutschen Bundestages (16. Wahlperiode)


Jugendforum 25

Das Jugendforum stellt sich vor

Es ist ein Angebot vor allem für junge Leute: Im Jugendforum der DIG Berlin und Potsdam

können sie sich kreativ für Israel und die deutsch-israelischen Beziehungen engagieren.

Schülerinnen und Schüler, Studierende und junge Berufstätige treffen sich monatlich in

lockerer Runde und suchen das Gespräch über Land und Leute, Kultur und Politik.

Bundesweit verfügen zahlreiche Arbeitsgemeinschaften über

vergleichbare Jugendgruppen, die zudem im Bundesjugendforum

zusammenarbeiten. Dieses organisiert jährlich zwei

Seminare, die über Israel, die deutsch-israelischen Beziehungen

oder verwandte Themen informieren und Mitgliedern wie

Interessierten offen stehen.

Weitere Informationen, aktuelle Termine und das erwähnte

Hand buch zum Freiwilligendienst finden sich unter:

www.digberlin.de/SEITE/jufo.php

Darüber hinaus gibt es Filmabende oder Treffen mit Politikern

oder Journalistinnen. So konnten wir mit Unterstützung von

Aktion Sühnezeichen den ehemaligen Knesset-Abgeordneten

und Dozenten an der Tel-Aviv University, Dr. Dan Korn, für

ein Hintergrundgespräch über die Lage in Israel nach den

Wahlen in der Region und in den USA gewinnen. Die Mitglieder

des Jugendforums teilen die unmittelbare Erfahrung mit

Israel wie Schulaustauschprogramme, Freiwilligen- oder Studienaufenthalte,

private Reisen oder das schlichte Interesse

an diesem besonderen Land. Außerdem bieten wir Unterstützung

bei der Vorbereitung von deutsch-israelischen Jugendbegegnungen

und vermitteln interessante Kontakte. In Berlin

haben wir im Mai 2006 ein Handbuch zum Freiwilligendienst

in Israel herausgegeben, das mittlerweile in einer zweiten

überarbeiteten Auflage vorliegt.

Selbstverständlich freuen wir uns über alle, die sich informieren

oder im JUFO aktiv werden wollen. Wir verfügen wie das

Bundesjugendforum über eine Mailingliste, mit der wir unsere

Mitglieder und zahlreiche Interessierte über Aktivitäten, interessante

Veranstaltungen und andere Neuigkeiten informieren.

Ansprechpartnerinnen für das JUFO

der DIG Berlin / Potsdam sind:

Sandra Bötig (Vorsitzende) und

Kerstin von der Krone (Sprecherin des JuFo im DIG-Vorstand):

jufo@digberlin.de

Kerstin von der Krone,

DIG-Vorstandsmitglied, JuFo

Alexander Raev,

Jugendforum

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil Israel mich nicht los läßt ... und ich Israel auch nicht!

Michael Löwe, Mitglied


26 Deutsch-israelische Gesellschaft

Freunde Israels ohne Wenn und Aber

Deutsch-Israelische Gesellschaft in Berlin und Potsdam

Das Bild Israels in der Welt gerade

zu rücken und auch im 61.

Jahr nach Gründung des jüdischen

Staates über Land und

Leute zu informieren ist das Ziel

der über 30 Veranstaltungen, zu

denen die Deutsch-Israelische

Gesellschaft im vergangenen Jahr

eingeladen hat.

Dazu dient auch das Internet.

Um unsere fast 700 Mitglieder,

aber auch alle anderen Freundinnen

und Freunde Israels zu

informieren, bringt unsere stellvertretende

Vorsitzende Meggie

Jahn auf www.digberlin.de unsere Veranstaltungsankündigungen

und -berichte in liebevoller, oft mühevoller Arbeit auf

den neuesten Stand.

v. l.: Jochen Feilcke, Ofer Eini und Michael Sommer; Foto: Meggie Jahn

Wir bemühen uns, stets aktuell zu bleiben. Dabei helfen zahlreiche

Kooperationspartnern, vor allem die Botschaft des Staates

Israel, mit der wir einmal im Quartal zum »Yom Fix« nur

für unsere Mitglieder einladen. Ein Diplomat erläutert uns

die jeweils aktuelle politische Situation in Israel.

Viel beachtet wurde eine gemeinsame

Veranstaltung mit dem

DGB-Vorsitzenden Michael Sommer

und dem Chef der israelischen

Gewerkschaft Histadrut,

Ofer Eini. Viele Zeitungen, darunter

die »Jerusalem Post«, berichteten

— wir erreichen mit

unseren Aktivitäten immer häufiger

die Öffentlichkeit. Beispielsweise

auch als Mitveranstalter

von Demonstrationen.

Zur Tradition geworden ist inzwischen

die Ausstellungseröffnung

»Wir waren Nachbarn« jeweils

am 27. Januar gemeinsam mit dem Bezirksamt Tempelhof-

Schöneberg. Auch unser Sommerfest ist zu einer festen Institution

geworden. In diesem Jahr verabschiedeten wir in

Potsdam den langjährigen Gesandten Israels, Ilan Mor.

Neue Mitglieder laden wir zu einem Kennenlernabend ein,

den Vorstandsmitglied Dr. Gesine Palmer organisiert. Annegret

Mielke betreut alle Mitglieder, steht Rede und Antwort

und gratuliert zu runden Geburtstagen.

Mit Hilfe der parteinahen Stiftungen sprechen wir politisch

besonders interessierte Menschen an. Die Stiftungen haben

große Adressenkarteien, Räume und Technik. Besonders angenehm

ist die Möglichkeit, in zwanglosem Meinungsaustausch

nach den Veranstaltungen, Themen zu vertiefen und neue

Freunde zu gewinnen — zumeist bei einem Glas Wasser oder

Wein.

Eng ist die Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-

Jüdische Zusammenarbeit, und auch mit den Außenstellen

der Bundesländer in Berlin. In den Landesvertretungen bieten

wir Diskussionen mit erstklassigen Referenten über Themen

an, die das pluralistische Israel eindrucksvoll beleuchten. Unsere

Mitglieder und Gäste lernen so attraktive Orte und am

Thema interessierte Menschen kennen.

Wir diskutieren offen. Dabei sind wir Freunde Israels ohne

Wenn und Aber. Wir stellen das Land differenziert dar und

widmen uns sowohl Politik und Wirtschaft als auch Wissenschaft

und Kultur. Wir sprechen über aktuelle Probleme und

sparen die Vergangenheit nicht aus.

Trotz aller wichtigen Diskusionen können wir Ihnen versichern,

dass die Geselligkeit nicht zu kurz kommt. Machen Sie bei uns

mit. Wir freuen uns auf Sie!

Jochen Feilcke,

Vorsitzender


Deutsch-israelische Gesellschaft

27

Beitrittserklärung

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil ich mich als Jüdin und Mitglied des

Abgeordnetenhauses privat und politisch für die

deutsch-israelische Freundschaft einsetze.

Monika Hannah Thamm,

MdA, Mitglied seit 2007

Bitte schicken Sie dieses Formular ausgefüllt

und unterschrieben an:

Deutsch-Israelische Gesellschaft e. V.

Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam

Geschäftsstelle

Auguststraße 80

10117 Berlin

Herr Frau Firma

Name:

Vorname:

Straße:

PLZ/Ort:

Geburtsdatum:

Geburtsort:

Tel. Fax: Email:

… weil ich Israel liebe.

Renate Bernard,

Mitglied seit 2000

Mitgliedsbeitrag (gültig seit 01.01.2003):

60,- € p.a. für Einzelpersonen

30,- € p.a. für Schüler, Studenten, Auszubildende,

Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger

90,- € p.a für Ehepaare

€ p.a. für Korporative Mitglieder (mindestens 110,- €)

sowie zusätzlicher jährlicher Regionalbeitrag der AG Berlin: 13,- €.

Ich erhöhe diesen freiwillig auf €.

… weil ich an einem objektiven Bild von Israel

interessiert bin.

Lutz Zywicki, Potsdam,

Mitglied seit 2007

Mitglieder unter 35 Jahren können ohne zusätzliche Kosten

auch dem Jugendforum der DIG beitreten.

ja

Datum

Unterschrift

Für Mitgliedsbeiträge: Für Regionalbeiträge:

Berliner Sparkasse Dresdner Bank

BLZ 100 500 00 BLZ 100 800 00

Kto. 1010 0091 99 Kto. 01 057 868 00

… weil ich mich in dieses kleine

verrückte Land verliebt habe und es in

Deutschland oft zu wenig Informationen über

das aktuelle Leben in Israel gibt.

Burghard Mannhöfer,

Potsdam, Mitglied seit 2008

Einzugsermächtigung

Hiermit ermächtige ich Sie, bis auf Widerruf die fälligen

Mitglieds-/Regionalbeiträge per Lastschrift von folgendem

Bankkonto einzuziehen:

Kontoinhaber:

Kontonummer:

Geldinstitut:

BLZ:

Datum

Unterschrift


28 Deutsch-israelische Gesellschaft

Der Vorstand der DIG Berlin

und Potsdam stellt sich vor

Der langjährige Berliner Bundestagsabgeordnete

und heutige Unternehmensberater

Jochen Feilcke, zugleich Vizepräsident der

DIG, ist seit 1999 Vorsitzender der DIG

Berlin, seit Januar 2007 der fusionierten

»DIG Berlin und Potsdam«. Jochen Feilcke

repräsentiert die Gesellschaft nach innen

und außen und ist zuständig für die Pressekontakte.

Heinz Striek, vor 40 Jahren Mitbegründer

der Deutsch-Israelischen Gesellschaft,

früherer Vizepräsident und Schatzmeister,

war viele Jahre Vorsitzender der DIG Berlin

und ist heute ihr Ehrenvorsitzender.

Maya Zehden gehört dem Vorstand seit

2004 an und ist seit 2006 auch stellv. Vorsitzende.

Die Journalistin war lange Jahre

Geschäftsführerin der Gesellschaft für

Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ)

und ist jetzt für die Öffentlichkeitsarbeit

im Büro der Vorsitzenden der Jüdischen

Gemeinde, Lala Süsskind, zuständig. Ihre

Aufgabe ist insbesondere die Kontaktpflege

zu befreundeten Organisationen.

Meggie Jahn, Politologin und wie Jochen

Feilcke Mitglied des DIG-Präsidiums, war

als Büroleiterin und wiss. Mitarbeiterin

im Deutschen Bundestag tätig. Sie ist seit

dem Jahr 2000 stellv. Vorsitzende und

kümmert sich insbesondere um unsere

Website www.digberlin.de sowie um Veranstaltungsbeiträge.

Zudem hält sie Kontakt

zu den politischen Stiftungen.

Steffen Reiche hat die DIG in Potsdam

1993 begründet und wurde deren Vorsitzender.

Seit der Fusionierung von DIG Berlin

und Potsdam vertritt er als stellv. Vorsitzender

Potsdam und Cottbus im Vorstand

und sorgt dafür, dass Veranstaltungen der

DIG auch dort stattfinden können. Er war Mitglied

des Deutschen Bundestages und als

Abgeordneter auch Mitglied der Deutsch-

Israelischen Parlamentariergruppe.

Nicole Pahl ist Schatzmeisterin der DIG

Berlin und Potsdam. Nach einer Banklehre

bei der Dresdner Bank und Weiterbildung

zur Industriekauffrau ist sie seit 1997 für

Büroleitung und Buchführung in der Allianzagentur

ihres Mannes verantwortlich.

Beisitzer:

Mirko Freitag arbeitet als wiss. Mitarbeiter

im Deutschen Bundestag und ist Initiator

des DIG-Waldes im Norden Israels, unseres

gemeinsamen Projektes mit dem

Jüdischen Nationalfonds (KKL). Er kümmert

sich darüber hinaus um Medienbeobachtung

und nötige Reaktionen sowie

um Mitgliederwerbung.

Der studierte Sozialpädagoge und heutige

Sozialarbeiter Stefan Krikowski ist seit

vielen Jahren Mitglied der DIG und gehört

wie Meggie Jahn zu den Mitbegründern des

DIG-Jugendforums. Auch er verfolgt die Berichterstattung

über Israel in den Medien

und reagiert wenn nötig.


Deutsch-israelische Gesellschaft

29

Kerstin von der Krone, Doktorandin im

Fach Judaistik, ist Sprecherin des Jugendforums

im Vorstand, und kümmert sich

vorrangig um den Kontakt und Austausch

mit der jungen Generation.

Ulrich F. Krüger (ehemaliges Mitglied

des Berliner Abgeordnetenhauses) ist seit

Jahrzehnten mit dabei und insbesondere

bei unseren größeren Kulturveranstaltungen

wie den traditionellen Rabin-Gedenkkonzerten

»unser Mann für die Sicherheit«.

STÜTZEN DER GESELLSCHAFT

Damit das Veranstaltungsprogramm jeden Monat seine Leser

erreicht, bedarf es vieler Hände, die beim Versand helfen.

Die Geschäftsstellenleiterin, Simone Bach-Sliwinski, ist froh,

sich dabei immer wieder auf die »Stützen der Gesellschaft«

verlassen zu können: Renate Bernard, Inge Buchenau,

Christine Crawford, Maria Haendcke-Hoppe-Arndt und

Irene Simon stellen sich immer wieder unverdrossen und

gut gelaunt der Herausforderung, monatlich ca. 1 000 Briefe

zusammenzustellen, zu kuvertieren und etikettieren. Sie bilden

den »harten Kern« der Helferinnen. Der Vorstand der

DIG Berlin und Potsdam sowie die Geschäftsstelle bedanken

sich bei allen für die große Hilfe!

Annegret Mielke gehört zum »Urgestein«

der DIG und ist aus dem Vorstand der DIG

nicht wegzudenken. Als langjährige engagierte

Lehrerin ist sie immer mit Leib und

Seele dabei. Ihr Anliegen im Rahmen der

Vorstandsarbeit ist vor allem die Kontaktpflege

zu den Schulen.

Im Uhrzeigersinn:

Christine Crawford,

Inge Buchenau,

Irene Simon,

Renate Bernard und

Maria Haendcke-Hoppe-

Arndt.

Der Politikwissenschaftler und Redakteur

der Zeitschrift »zenith — Zeitschrift für den

Orient«, Marcus Mohr, schreibt augenblicklich

seine Dissertation über die Geschichte

deutscher Sicherheitspolitik. Über

die deutsch-israelische Sicherheitszusammenarbeit

hat er vor unseren Mitgliedern

schon referiert. Marcus Mohr unterstützt

auch engagiert die Arbeit unserer Geschäftsstelle.

Dr. Gesine Palmer lebt nach einem z. T.

in Jerusalem absolvierten Studium der

Ev. Theologie, Judaistik und allg. Religionsgeschichte

und einigen Jahren überwiegend

akademischer Tätigkeit nun als freie

Rednerin und Autorin in Berlin. Sie ist ansprechbar

für Neumitglieder und kümmert

sich um Schul-, Universitäts- und Kirchenkontakte

sowie, wenn nötig, mit anderen

um Leserbriefe.

Ich bin Mitglied der DIG, …

… weil ich mich als Theologiestudent schon früh

für Israel interessiert habe. Ich möchte mehr erfahren

über das Zusammenleben von Christen und Juden in

Israel und den israelischen »way of life« kennenlernen.

… weil ich Israeli bin.

… aus Liebe zu Israel.

Sebastian Sell,

Mitglied seit 2009

Itzchak (Isi) Kitai,

Mitglied seit 2000 und

Margot Friedländer,

Mitglied seit 2000


30 KooperationsPartner

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF e.V.)

Länderreferent Israel: Bernhard Krane

Auguststraße 80 | 10117 Berlin

Tel.: (030) 28395 -184/-188 | Fax: (030) 28395-135

asf@asf-ev.de | krane@asf-ev.de | www.asf-ev.de

ASF-Landesbüro Israel | Katharina von Münster

Beit Ben Yehuda — Haus Pax

Rechov Ein Gedi 28, Jerusalem 93383

Tel.: 00972-2-6732587 | Fax: 00972-2-6717540

israel@asf-ev.de | www.asf-ev.de/il

Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.

Rathausallee 12 | 53757 Sankt Augustin

Tel.: 02241-246-0 | Fax: 02241-246-591

Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung

10785 Berlin | Tiergartenstraße 35

Tel.: (030) 269 96-0 | Fax: (030) 269 96 - 3217

Andreas.kleine-kraneburg@kas.de | www.kas.de

Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. | Bonner Haus

Godesberger Allee 149 | 53175 Bonn

Tel.: (0228) 883-0

Berliner Haus | Hiroshimastraße 17 | 10785 Berlin

Tel.: (030) 26935-9000

info.nahost@fes.de | www.fes.de/nahost

Hanns-Seidel-Stiftung e. V.

Zentrale: Lazarettstraße 33 | 80636 München

Tel.: (089) 1258 - 0 | www.hss.de

Büro Berlin: Ernst Hebeker | Leiter des Hauptstadtbüros

Unter den Linden 78 | 10117 Berlin | Tel.: (030) 72 240 13

Fax: (030) 72 32 00 22 | Hebeker@hss.de

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Regionalbüro Berlin-Brandenburg

Leiterin: Veronika Kolb

Truman-Haus, Karl-Marx-Straße 2, 14482 Potsdam

Tel.: (0331) 7019 -193 | Fax: (0331) 7019-198

buero.berlin-brandenburg@fnst.org

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

in Berlin e.V. (GCJZ Berlin)

Laubenheimer Straße 19 | 14197 Berlin

Tel.: (030) 8216683 | Fax: (030) 82701961

gcjz.berlin@t-online.de | www.gcjz-berlin.de

Hauptstadtbüro

Reinhardtstraße 12 | 10117 Berlin

Tel.: (030) 28 87 78 42 | Fax: (030) 28 87 78 49

wolfgang.schweiger@freiheit.org | Anne.Wellingerhof@

freiheit.org

www.stiftung-freiheit.org

Bund der Verfolgten des Naziregimes Berlin e.V.

Stauffenbergstraße 13 — 14, 10785 Berlin

Tel.: (030) 26 99 50 25

info@bvnberlin.de | www.bvnberlin.de

Deutsch-Israelische Hilfe für krebskranke Kinder e. V.

Tauentzienstraße 7a | 10789 Berlin

Tel.: (030) 31595060 | Fax: (030) 31595031

mail@dihkk.de | www.dihkk.de


KooperationsPartner

31

Jüdische Volkshochschule Berlin e. V.

Leiterin: Sigalit Meidler-Waks M.A.

Fasanenstraße 79 — 80 | 10623 Berlin

Tel.: (030) 880 28 265 | Fax: (030) 880 28 288

jvhs-berlin@jg-berlin.org

Vertretung des Saarlandes beim Bund

In den Ministergärten 4

10117 Berlin

Tel.: (030) 726 29-0000 | Fax: (030) 726 29-0099

www.landesvertretung.saarland.de

saar-page@landesvertretung.saarland.de

Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund

Tiergartenstraße 15 | 10785 Berlin

Tel.: (030) 25 456 0

www.lvtberlin.baden-wuerttemberg.de

MAUERMUSEUM

MUSEUM HAUS AM

CHECKPOINT CHARLIE

Mauermuseum — Museum Haus am Checkpoint Charlie

Friedrichstraße 43 — 45 | 10969 Berlin (Kreuzberg)

Tel.: (030) 253 72 50 | Fax: (030) 251 20 75

Postanschrift: Postfach 61 02 26 | 10923 Berlin

info@mauermuseum.de | www.mauermuseum.de

Diese Liste ist nicht vollständig. Abhängig von Themen und Aktualität arbeiten wir mit weiteren Partnern zusammen.

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32 Dr. Rainer Hildebrandt

Leben und Wirken Dr. Rainer Hildebrandts

Dr. Rainer Hildebrandt wurde am 14. Dezember 1914 als Sohn des Kunsthistorikers

Prof. Dr. Hans Hildebrandt und der jüdischen Malerin Lily

Hildebrandt in Stuttgart geboren.

1936 begann er ein Studium an der Technischen Hochschule

in Stuttgart, das er in Berlin fortsetzte und 1942 mit einer Promotion

abschloss. In dieser Zeit entstand auch die enge Freundschaft

zu seinem Lehrer und Vorbild Albrecht Haushofer, der

im Widerstand gegen Hitler aktiv war und am 23. April 1945

von der SS ermordet wurde. Hildebrandt selbst war während

der NS-Zeit 17 Monate aus politischen Gründen inhaftiert.

1948 gründete er die »Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit«

(KgU), die einen Suchdienst nach politischen Gefangenen aufbaute.

1952 verließ er die KgU.

gewaltfreie Kampf für Menschenrechte. Unser Museum darf

sich als das erste Museum des internationalen gewaltfreien

Kampfes nennen. Unter unseren Exponaten sind die Schreibmaschine

der Charta 77, der Hektograph des illegalen Periodikums

»Umweltblätter«, Tagebuch und Sandalen von Mahatma

Gandhi. Von Elena Bonner die Totenmaske ihres Lebensgefährten

Andrej Sacharow. Zum vierzigsten Jubiläum des Hauses

kamen Grußworte aus aller Welt, darunter von US-Präsident

George W. Bush und Königin Elisabeth II. Dr. Hildebrandt war

u. a. Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse, des

Hildebrandt (stehend 2. v. l.); Gründung der FU Berlin 1948

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft 13. August, Rainer

Hildebrandt, bei einer Pressekonferenz mit DDR-Flüchtlingen, 1962

Den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR verarbeitete

Dr. Hildebrandt publizistisch, sein Buch »Als die Fesseln fielen«

erschien in den USA, in Deutschland und in Italien. Zur

Herausforderung für Dr. Hildebrandt wurde der 13. August

1961, die Errichtung der Mauer, die Berlin teilte. Der Mauer

setzte er sein Museum entgegen. Die erste Ausstellung »Es geschah

an der Mauer« wurde am 19. Oktober 1962 in der Wolliner

Straße eröffnet. Deren Erfolg führte später, am 14. Juni

1963, zur Eröffnung des Hauses am Checkpoint Charlie, das

Dr. Hildebrandt in den folgenden Jahren zu einem der bestbesuchten

Berliner Museen ausbaute. Es hat heute zwei große

Schwerpunkte: die Geschichte der Mauer und der weltweite

Verdienstordens des Landes Berlin, ausgezeichnet mit der

»Imre-Nagy-Plakette« sowie der »25 Jahre Solidarnosc-Sondermedaille«.

Er verstarb am 9. Januar 2004 in Berlin.

Eröffnung des Mauermuseums Museum Haus am Checkpoint Charlie

am 14. Juni 1963 mit Bundesminister Ernst Lemmer (Mitte)


Dr. Hans-Dietrich Genscher

33

Deutsche Nachkriegsgeschichte 1949 – 1993

Vorwort von Bundesminister a. D. Dr. Hans-Dietrich Genscher zur

Publikation von Dr. Rainer Hildebrandt

Im Rückblick auf das vergangene Jahrhundert gehört die Teilung

Deutschlands und Europas, deren deutlichstes Sinnbild

die Mauer in Berlin war, der Vergangenheit an, sie ist Geschichte.

Mit dem Bau der Mauer schloß die damalige Führung der

DDR am 13. August 1961 die Grenzen zum Westen und schob

den Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Teilung zunächst

einen Riegel vor.

Bis zur friedlichen europäischen Freiheitsrevolution im Herbst

1989 die das Ende der deutschen und europäischen Teilung

erst möglich machte, waren die Mauer in Berlin und der in

unmittelbarer Nähe gelegene »Checkpoint Charlie« — der Kontrollpunkt

zwischen amerikanischen und sowjetischer Besatzungszone

— Sinnbild des kalten Krieges und den damit verbundenen

menschlichen Schicksalen.

Rainer Hildebrandt hat Zeit seines Lebens auf eben jene Schicksale

aufmerksam gemacht: auf Menschen, die sich aus dem

Willen zu Freiheit und Gerechtigkeit heraus gegen die Unterdrückung

in der sowjetischen Besatzungszone und der späteren

DDR auflehnten, die die Flucht aus der DDR und das damit

verbundene Risiko für Leib und Leben wagten, die in der DDR

selbst Opposition übten und oft genug dafür mit Repressionen

rechnen mussten.

Das Lebenswerk von Rainer Hildebrandt — das Museum Haus

am Checkpoint Charlie — dokumentiert seit 1963 am nun ehemaligen

Übergang vom amerikanischen in den sowjetischen

Sektor, die sich mit der Flucht aus dem Osten Deutschlands in

den Westen verbinden. Er bietet auch den Rahmen für Ausstellungen

und Gesprächskreise zum Thema Teilung und Widerstand

sowie Menschenrechte und deren Verletzung.

Zu diesem Lebenswerk gesellt sich

mit der vorliegenden Publikation ein

weiteres Element: Mit den in der Zeit

zwischen 1949 und 1993 in der Berliner

Tageszeitung »Der Tagesspiegel«

erschienenen Artikel lenkte Rainer

Hildebrandt das Augenmerk der Leser

im Westen immer wieder auf die

Geschehnisse im Osten. Sein kritisches

Hinterfragen, sein ruheloses

Hans Dietrich Genscher, Rainer und Alexandra Hildebrandt

anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Museums

Bemühen um Aufklärung und die Überzeugung, dass sich

die Unantastbarkeit der menschlichen Würde als universeller

Wert auch im täglichen Laben der Menschen in der damaligen

DDR durchsetzen müsse, machen diese Artikelsammlung

zu einem zeitgeschichtlichen Dokument der langen Jahre

der Teilung und des kalten Krieges in Europa.

Dass wir heute in Europa am Anfang eines neuen Kapitels der

Geschichte stehen, dass heute in Europa eine neue Kultur des

Zusammenlebens möglich ist, die sich in der Ebenbürtigkeit

der Völker und deren Gleichberechtigung begründet, verdanken

wir nicht zuletzt Menschen wie Rainer Hildebrandt.

Bestellnummer des Buches ISBN 3-922484-42-5

Demonstrierte noch 2003 gegen die Bebauung historischen Bodens

am Checkpoint Charlie


34 INTERNATIONALEr MENSCHENRECHTSPREIS 2008

Verleihung des INTERNATIONALEn

MENSCHENRECHTSPREISes 2008 IM

MUSEUM HAUS AM CHECKPOINT CHARLIE

In Anerkennung ihres Einsatzes für die Menschenrechte entschied sich die Jury im Jahr

2008 für die Verleihung an Herrn Bundesminister a. D. Dr. h. c. Rudolf Seiters, Präsident des

DRK, Laudator Herr UNO-Generaldirektor und Bundesumweltminister a. D. Prof. Dr. Klaus

Töpfer, und für Herrn Jurij Samodurow, Direktor des Sacharow-Museum Moskau, Laudator

Lothar de Maizière, Ministerpräsident a. D.

Der von Alexandra Hildebrandt im Jahre 2004 initiierte Internationale

Menschenrechtspreis »Dr. Rainer-Hildebrandt-

Medaille« wird jährlich anlässlich des Geburtstages von Dr.

Rainer Hildebrandt (*14.12.1914 †09.01.2004), zum Tag der

Menschenrechte, an Menschen vergeben, die sich gewaltfrei

für Menschenrechte eingesetzt haben. Die »Dr. Rainer-Hildebrandt-Medaille«

wurde von Prof. Matthias Koeppel entworfen.

Im Jahr 2005 entschied sich die Jury für Yitzhak Rabin, Israel,

Friedensnobelpreisträger, israelischer Premierminister, ermordet

1995, und Zheng Yichun, Volksrepublik China, Dissident,

Journalist, Detention Center Yingkou, inhaftiert 2004.

Preisträgerin im Jahr 2006 war die First Lady der Arabischen

Republik Ägypten, I. E. Frau Suzanne Mubarak. 2007 wurden

die kubanischen Bürgerrechtler Dr. Oscar Elias Biscet

Gonzalez und Normando Hernàndez Gonzalez, der Pfarrer

Dr. Harald Poelchau posthum und der Rechtsanwalt und

Bürgerrechtler Dr. Muhamad Mugraby aus dem Libanon

ausgezeichnet.

Instituts für Europäische Studien an der Universität Herzliya /

Israel | Dr. h. c. Joachim Gauck, erster Bundesbeauftragter für

die Stasi-Unterlagen | Sara Nachama, Direktorin des Touro

College Berlin | Freya Klier, Regisseurin, Bürgerrechtlerin in der

ehemaligen DDR | Rainer Haushofer, Jurist, Neffe von Prof.

Dr. Albrecht Haushofer | Internationale Gesellschaft für Menschenrechte

(IGfM) | Mauermuseum — Museum Haus am

Checkpoint Charlie

Seit 1962 – Haus am Checkpoint Charlie

Prof. Dr. Seiters erhält die Urkunde und Medaille aus den Händen Prof. Töpfers

und der Direktorin Frau Hildebrandt

Die Mitglieder der Jury sind: Prof. Dr. Henry Kissinger, Friedensnobelpreisträger,

Außenminister der USA a.D. | Dr. Hans-

Dietrich Genscher, Bundesaußenminister a. D. | Lord James

Douglas-Hamilton, Mitglied des Schottischen Parlaments a. D.

Prof. Dr. Avi Primor, Botschafter a. D., Leiter des Trilateralen

2008

Stifter: Gemeinnützige Stiftung Dr. Rainer Hildebrandt | Begründet von Dr. Rainer

Hildebrandt am 7. Januar 2004 | Eingetragen im Haupt register des Kantons Schwyz

unter CH-130.7.009.487-9 unter Eidgenössischer Stiftungsaufsicht des Bundes

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