Abbildungen der in Deutschland und den angrenzenden gebieten ...

landesmuseum.at

Abbildungen der in Deutschland und den angrenzenden gebieten ...

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

dlßßildungen

/.'oimiinrnmä (jA

Müller

(Gei

. F.

Kränzlin (Berlin)

Berlin,

F r i e d 1 ä i

3 o h n


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Abbildungen

der

in

Deutschland und den angrenzenden Gebieten

vorkommenden Grundformen

der

ORCHIDEEN-ARTEN.

60 Tafeln

nach der Natur g-emalt und in

Farbendruck ausgeführt

von

Walter Müller (Gera)

mit beschreibendem Text von Dr.

F. Kränzlin (Berlin)

Berlin

R. Friedländer & Sohn

1904.


QL(e(o

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen vorbehalten.

Druck von A. Hopfer in Burg b. M.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Einleitung.

Das Werk wendet sich nicht an die Botaniker von Fach,

sondern an alle die, welche Freude an der Botanik oder richtiger,

Freude an den Blumen haben, an den schön g-efärbten sowohl

wie den unscheinbaren. Es soll ihnen eine Hülfe sein, die

Orchideen kennen zu lernen, diese so schönen und so bizarren

Pflanzen,

deren eigenartiger Bau lange Jahre hindurch von ernsthaften

Männern der Wissenschaft untersucht wurde, bis es gelang,

die Abweichungen auf Bekanntes zurückzuführen und die

scheinbare Regellosigkeit in Beziehung - zu setzen zu den allgemein

gültigen Normen im Bau verwandter Familien. An

wissenschaftlichen Werken zu Nutz und Frommen der Botaniker

von Fach fehlt es bekanntlich nicht. Alle unsere größeren

floristischen Werke enthalten auch die Orchideen mit mehr oder

minder ausführlichen Beschreibungen und mit dem g-anzen

Apparat wissenschaftlicher Namen, sowohl den jetzt üblichen

wie den einst üblich gewesenen, und da dieser Bestand an

wissenschaftlichen Hülfsmitteln in der Flora Mitteleuropas von

Ascherson und Gräbner in absehbarer Zeit ohnehin einen neuen

Zuwachs, beziehungsweise einen Abschluß erhalten wird, so liegt

kein Grund vor, diesen Teil unserer Literatur zu vermehren.

Ich habe es deshalb vermieden, die sehr zahlreichen Kontroversen

über den Wert der Arten auch nur anzudeuten; ich habe die

Beschreibungen auf die einfachste Form zurückgeführt und nur

das gesagt, was die Abbildung- nicht zu sagen weiß. Ich habe

auch die Sprache dem angepaßt und die wissenschaftlichen

Fremdworte nach Möglichkeit ausgeschaltet, sie völlig- bei Seite

zu lassen hielt ich deshalb für unpraktisch, weil das Buch vielleicht

für manchen Leser eine Einführung in ernsthaftere Studien

werden kann und es dann wünschenswert sein muß, die dort

üblichen technischen Ausdrücke zu kennen.

Ich will nun zunächst versuchen, Laien, für welche dies Buch

einzig und allein berechnet ist, in das Verständnis des Blütenbaues


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— IV —

der Orchideen einzuführen und halte dies um so weniger für überflüssig-,

als mir mehr als einmal von Leuten, welche sonst ein

g-utes Verständnis für Pflanzen hatten, Fragen über die absonderlichen

Verhältnisse dieser Blüten vorgelegt worden sind.

Um dem Leser über die erste Schwierigkeit hinweg zu

helfen, möchte ich die Blüte der Orchideen mit einer absolut

nicht verwandten, aber in Bau und Haltung ähnlichen Blüte vergleichen,

nämlich der eines Stiefmütterchens.

Der Ahnlichkeitspunkte sind in beiden Fällen zwei: erstens

haben sowohl die Stiefmütterchen wie die Orchideen in ihrer

Gesamtheit symmetrisch gebaute Blüten, — Blüten, bei denen

es ein rechts und links, sowie ein oben und unten gibt; zweitens

haben Stiefmütterchen wie Orchideen einen mit einer gewissen

Vorliebe behandelten Teil der Blüte, der in beiden Fällen das

nach unten gerichtete meist größere Blatt ist, ein Blatt, welches

bei den Stiefmütterchen stets und bei den Orchideen oft nach

hinten in einen mehr oder weniger großen Sporn verlängert ist.

Dies Blatt führt bei den Orchideen den Namen Lippe oder

Labellum. Es dient bei beiden so verschiedenen Gruppen von

Pflanzen als Landungsplatz für Insekten, welche die Blüten

wegen des Honigs besuchen, den sie im Sporn der Stiefmütterchen

oder der Orchideen finden. Der bisweilen längere oder

oft nur wenige Sekunden dauernde Aufenthalt ist, wie wir später

sehen werden, für die Pflanze von höchster Wichtigkeit. Ich

breche den Vergleich hier zunächst ab, obwohl er sich noch

etwas weiter treiben ließe.

Diesem Labellum gegenüber stehen bei den Orchideenblüten

5 andere Blütenhüllblätter, von denen 3 mit ihren Rändern

die anderen decken und also einen äußeren Kreis bilden, während

die beiden inneren mit dem Labellum zusammen den inneren

Kreis ausmachen. Diese 5 Blätter sind in der Regel einander

ziemlich ähnlich (eine Ausnahme bildet nur die Gattung- Ophrys),

sie bilden eine Art Helm, welcher die „Säule" bedeckt und umschließt.

Dieser Teil, die Säule, ist es besonders, welche dem

Laien viel Schwierigkeiten macht und welche den Scharfsinn

früherer Botaniker sehr stark auf die Probe gestellt hat. — Wo

sind hier Staubgefäße, Griffel und Narbe, fragt jeder, der eine

Orchideenblüte zum ersten Male untersucht. Die Antwort lautet:

Staubgefäße 1, Griffel g-ar keiner und eine Narbe in einer Höhlung

auf der Vorderseite, bei Orchis sogar auf der Unterseite dieser

Säule an einer sehr versteckten Stelle. Und auch bei diesen


Teilen

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— V —

muß man an den Begriff Staubgefäß starke Zugeständnisse

machen, denn ein Staubfaden, meist ein

so deutlich sichtbarer Teil,

fehlt, und daß ein gewisser am oberen Ende der Säule befindlicher

Körper ein Staubbeutel ist, ahnt man allenfalls, wenn man sieht,

daß er etwas enthält, was sicherlich wohl Blütenstaub sein soll.

Dieser Staubbeutel hat jedoch durchaus keine Ähnlichkeit mit

irgend welchen sonst üblichen gäng und geben Staubbeuteln und

Blütenstaub wie dieser hier ist auch ziemlich regelwidrig - ,

denn

vor allen Dingen ..stäubt" er nie, wie auch sonst sein Aussehen

sein mag'. Die Analogieen und Vergleiche lassen uns hier völlig

im Stich und für jemand, dem nicht eine Kenntnis weit über

unsere Flora hinaus zu Gebote steht, ist es am besten, die Teile

hinzunehmen, so regelwidrig - sie sein mögen. Die Orchideen sind

in allen diesen Einzelheiten eben ganz exceptionelle Gewächse;

sie haben äußerst unsichere verwandtschaftliche Beziehungen zu

nur wenigen anderen Familien und — dies nebenbei bemerkt —

zu den ausgestorbenen Pflanzen absolut gar keine, denn sie gehören

ausschließlich der jetzigen Schöpfung an.

Nehmen wir die Teile einzeln vor. — Die Anthere oder

der Staubbeutel hat bei den meisten Orchideen die Form einer

Kappe oder eines Deckels, der im Innern in 2, 4 oder 8 Fächer

geteilt ist, und in diesen liegen ebensoviele Massen von Pollen

oder Blütenstaub, der mehr oder minder fest oder bröckelig ist,

niemals aber so staubig", daß er an den Fingern oder der Nasenspitze

haften bleibt. Pollen ähnlicher Art kommt in unserer

ganzen deutschen Pflanzenwelt nur noch ein einzig-es Mal vor,

nämlich bei der Schwalbenwurz (Vincetoxicum album) der einzigen

weit nach Norden verspreng"ten Asclepiadee, einer sonst

tropischen Familie. — Außer dieser Deckelform der Anthere,

kommt nun bei der Hauptmasse unserer Orchideen (Orchis,

Ophrys, Gymnadenia u.s.w.) eine andere vor, bei welcher die

Blütenstaubmassen nicht unter einem Deckel, sondern in zwei

Fächern verborgen liegen. Es ist ein unbewegliches zweifächeriges

Gehäuse, welches mit seiner ganzen Masse breit

oben auf dem säulenförmigen Körper sitzt, der das Zentrum der

Blüte einnimmt. — Der Pollen oder Blütenstaub der Orchideen

ist nun, wie bereits bemerkt, kein lockeres Pulver, sondern eine

zusammenhängende Masse, welche, in ihre letzten Bestandteile

aufgelöst, kleinere Massen von je 4 Pollenkörnern (sogenannte

Pollentetraden) darstellt. Es ist ohne weiteres klar, daß derartiger

Pollen — das deutsche Wort „Blütenstaub" paßt eben


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— VI —

absolut nicht mehr — weder durch den Wind noch durch bloße

Berührung mit Insekten verbreitet werden kann, sondern daß

besondere Vorkehrungen nötig sind, um diese schwerfällige

Masse zu transportieren. Um den Pollen, der ein gewisses Gewicht

repräsentiert, zu entfernen, bedarf es mechanischer lebender

Kräfte; um diese Kräfte, d. h. die Insekten arbeitswillig zu

machen, bedarf es gewisser Reizmittel, und um die Insekten so

lange auf der Blüte seßhaft zu machen, bis sie die Last auf sich

genommen haben, bedarf es gewisser Hemmungswiderstände,

bis durch Mittel, welche bei den einzelnen Arten zu besprechen

sind, der Pollen dem Insekt glücklich angeklebt ist. Im günstigen

Falle gelangt dieser in einiger Zeit in die Narbenhöhle

einer anderen Blüte. Die Erläuterung der zahlreichen Eigentümlichkeiten

der Blüten einheimischer und ausländischer

Orchideen ist, wie vielleicht manchen Lesern bekannt sein wird,

der Gegenstand einer der glänzendsten Werke von Ch. Rob.

Darwin. Seine Arbeit fußt auf einer in Vergessenheit geratenen,

durch ihren allzu stark auf Reklame berechneten Titel sogar in

Verruf gekommenen Schrift von Chr. Konr. Sprengel,

„Das entdeckte

Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung

der Blumen". Dies Werk, welches besser ist, als sein schwülstiger

Titel vermuten läßt, ist von Darwin gewissermaßen wieder entdeckt

und erst durch ihn zu Ehren gekommen. Schon in diesem

Werke sind einige unserer deutschen Orchideen-Arten eingehend

besprochen. Die Würdigung von Teilen der Blüte, welche für

die Insekten von Wert und für die Übertrag-ung des Pollens

notwendig sind, hat einen sehr nachhaltigen und wohltätigen

Einfluß auch auf die rein beschreibende Botanik ausgeübt.

Als hauptsächliches Mittel, den Pollen den Insekten anzuhaften,

dient das sogen. Rostellum. Bei den Orchideen ist nämlich

unterhalb des Staubbeutels ein etwas vorg-ebauter Teil, auf dem

oder in dem zwei Verlängerungen oder wenigstens die zugespitzten

Enden der Blütenstaubmassen liegen und zwischen ihnen und der

Narbenfläche liegt ein unendlich verschieden gestalteter Körper,

der, mag sein Aussehen sein wie immer, die eine Eigenschaft hat,

klebrig zu sein oder es durch Berührung zu werden und dessen stets

sich wiederholende Aufgabe es ist, eine Verbindung- herzustellen

zwischen den Pollenmassen einerseits und irg-end einem Körperteil

(meist dem Kopfe) der Insekten, welche die Blüten besuchen,

andererseits. Dieser Teil hat, weil er in vielen Fällen zugespitzt

ist, den Namen Rostellum, d. i. Schnabel, erhalten. Was er für


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— VIT —

den wissenschaftlichen Botaniker darstellt, darüber ist ausführlich

in streng wissenschaftlichen Werken nachzulesen.

Die Narbe der Blüte ist bei den Orchideen last ausnahmslos

eine mehr oder minder leicht zugängliche Austiofung unterhalb

der Anthere. Sie hat, wenn wir von gewissen tropischen

Grattungen absehen, niemals das Aussehen, welches wir bei

unseren heimatlichen Pflanzen bei einer Narbe rinden, ausgenommen

wieder einmal das Stiefmütterchen, bei welchem keineswegs

der ganze kugelige Kopf des Stempels die Narbe darstellt,

sondern nur eine kleine Austiefung vorn als solche dient. Was

der Narbe an Zugänglichkeit fehlt, das ist durch die außergewöhnliche

Klebrigkeit einigermaßen gut gemacht. Ein Insekt,

welches Pollen mitbringt, braucht nur leise zu streifen und es

haftet der größte Teil des Pollens auf der überaus klebrigen Fläche.

Die 5

anderen Staubgefäße, welche den Blättern der Blütenhülle

entsprechend vorhanden sein sollten, lassen sich in gewissen

Bildungen im Innern

der Blüte mehr oder minder deutlich

nachweisen; aber dies gehört ganz und gar zur wissenschaftlichen

Botanik.

Schließlich ein paar Bemerkungen über Frucht und Samen.

Der Fruchtknoten steht bei den Orchideen ausnahmslos unterhalb

der Blütenhülle; er dient bei allen europäischen und vielen

ausländischen Arten gleichzeitig als Blütenstiel. Auch er hat

seine Besonderheiten; seine Außenseite zeigt nämlich 3, 6 oder

mehr, stets durch 3 teilbare Kanten oder Leisten, welche anfänglich,

d. h. bei ganz jungen Knospen gradlinig, später aber

in Art von Schraubenlinien gedreht verlaufen. Macht man diese

Drehung- rückgängig der Art, daß die Kanten u.s.w. gradlinig

gehen, so gewinnt die Blüte eine vollständig- andere Stellung,

d. h. sie steht mit dem Labellum nach oben. Dies kommt gelegentlich

vor, so z. B. bei dem Kohlrösel (Tafel 39) und bei

dem seltenen Epipogum aphyllum (Taf. 41). Bei allen anderen

Arten ist dagegen das Labellum nach unten gewendet und man

nennt solche Blüten „resupinierte", d. h. umgekehrte. Bei dem

Frauenschuh (Taf. 58) kommt die

resupinierte Stellung der Blüten

auf eine noch sonderbarere Art zu stände; die Blüte, welche im

frühen Knospenstadium mit dem Labellum nach oben steht,

kippt nämlich im weiteren Verlauf der Entwicklung" auf die

andere Seite und ist also schließlich ebenfalls resupiniert aber

ohne Drehung des Fruchtknotens. Bei der Reife springen die

zu Kapseln herangereiften Fruchtknoten in der Weise auf, daß


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

_ VIII —

sie oben und unten Zusammenhang behalten, daß sich in der

Mitte aber Spalten bilden, durch welche der Wind fährt. Die

Samenkörner sind staubfein und äußerst unvollkommen gebildet, sie

gelangen durch den Wind überall hin, gehen aber infolge ihrer gar

zu dürftigen Ausstattung - in ung-eheuren Meng-en zu Grunde. Sie

bestehen aus einem meist grüngefärbten, oblongen, eigentlichen

Samen und einem sehr zierlichen Netzwerk, dessen Feinheiten man

jedoch erst bei starker VergTÖßerung (50 bis 100 fach) wahrnimmt.

Ganz anders und viel einfacher und den uns gewohnten Verhältnissen

anderer Blüten ähnlicher ist der Bau der Säule bei den

Frauenschuh-Arten, von denen wir eine, Cypripedium Calceolus

(Taf. 58), in Deutschland haben.

Hier finden wir 2 Staubgefäße mit

kurzen, stämmigen Staubfäden und etwas unterhalb der Spitze angewachsenen

Staubbeuteln, welche jeder sofort als solche erkennt,

eine nach unten gewendete, große, dreiteilige Narbe und als

einzigen, abweichenden Teil einen g'roßen nach oben gewendeten,

schildförmigen Körper, welcher aus nicht hierher gehörig-en wissenschaftlichen

Gründen als ein drittes umgewandeltes Staubgefäß angesehen

und daher „Staminodium", falsches Staubgefäß, genannt

wird. Diese 4 Stücke, die beiden echten Staubgefäße, das falsche

und die Narbe stehen auf einer Basis, d. h. einer Verlängerung des

Fruchtknotens nach oben und bilden somit ebenfalls eine „Säule".

Da der Blütenstaub auch hier niemals „stäubt", sondern eine kittähnliche

Masse bildet, so sind auch hier Insekten als Nothelfer

erforderlich, um ihn von Blüte zu Blüte zu bringen.

Dies eine kurze, nur das alleroberflächlichste enthaltende

Schilderung der Besonderheiten

der Orchideenblüten, so weit sie

an unseren heimatlichen Arten zu sehen und z. T. mit einiger

Mühe zu finden sind. — Es ist alles in allem ein eigentümliches

Bild, was wir vor uns haben. Eine Fülle von scharfsinnig ersonnenen

Einrichtungen

an Blüten und eine Armee von Insekten,

welche gerade so und nicht anders gebaut sein und sich in g"enau

abgepaßten Schritten auf den Blüten bewegen müssen, um den

Blütenstaub sich anzukleben und den angeklebten auf anderen

Blüten abzuladen; tun sie einen Schritt daneben, so gelinget die

Bestäubung nicht und die vielen schönen „Anpassungen" bleiben

ein nutzloser Apparat. Welch' ein Gegensatz zwischen der Bestäubung

dieser Pflanzen, bei denen ein ungeheurer Aufwand

nutzlos vertan ist und demselben mit so unendlich einfachen

Mitteln erreichten Vorgang bei den Gräsern, auf denen die

Existenz der Menschengeschlechter beruht und bei denen das


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— IX

stille sanfte Sausen in den Halmen besser wirkt als alle komplizierten

Einrichtungen der I

>rchideen zusammen. Das an und

für sich richtige Prinzip, den Pollen zu sparen, ist bei diesen

Pflanzen so weit getrieben, die Blüten auf die Wirksamkeit eines

eirizigen Staiibg-efäßes zu stellen und dies hat wiederum zu

einer Übersteigerung der Schutzmaßregeln für diesen Teil der

Blüte geführt, welche seine praktische Brauchbarkeit stark in

Frage stellen. Angesichts der vielen Orchideenblüten, welche

unbefruchtet und imbesucht bleiben, bin ich für mich überzeugt,

daß die Insekten es lernen, Blüten zu meiden, welche

ihnen unerwünschte Anhängsel am Kopfe verschaffen, ihnen die

Augen verkleistern, die Beißwerkzeug-e unbrauchbar machen und

sie durch Überlastung der vorderen Körperpartie in ihren Bewegungen

beeinträchtigen; bestätigen doch auch alle Beobachter,

es gesellen zu haben, wie Insekten versuchten, die unbequemen

Anhängsel los zu werden. Einigermaßen ausgeglichen werden

die Nachteile dieser schwerfälligen Befruchtungsart einerseits

da durch, daß erwiesenermaßen sehr viele Orchideen bei ausgebliebenem

Insektenbesuch durch Schrumpfen der Antherenlacher

ihre Pollenmassen aus der Haft entlassen, und daß dann

wenigstens die Möglichkeit vorhanden ist, den eigenen Pollen

auf die Narbe zu bekommen. Eins der frappantesten Beispiele

von Selbstbefruchtung- ist die Bienen-Ophrys, Ophrys apifera.

(Tal. 7). Ferner dadurch, daß bei den Orchideen Befruchtung

durch den Pollen anderer Arten in schier unglaublichem Grade

möglich ist. Die Orchideen sind in dieser Hinsicht empfäng-nisfähig

in einem Umfang, der bei keiner andern Abteilung von

Gewächsen annähernd erreicht wird und bei keiner andern sind

die aus Kreuzung* zweier Gattungen entstandenen Bastarde so

zahlreich wie hier. Dies hat natürlich zur Folge, daß es bei den

wildwachsenden Arten eine sehr große Menge von Zwischenformen

gibt, welche man mit einem größeren oder g-ering-eren Grade von

Wahrscheinlichkeit oft mit unbedingter Sicherheit als Bastarde ansieht.

Für die eingeführten tropischen Orchideen hat diese Leichtigkeit

der Bildung von Kreuzungen zu einem ganz neuen Zweig der

( lartenkunst geführt, nämlich zum Erzielen immer neuer und immer

wertvollerer Formen. Es hat sich hier ein in jedem einzelnen Zuge

völlig zutreffendes Seitenstück zur Züchtung- von Rassepferden ausg-ebildet.

Neuerdings hat man denn in England auch ein stud-book

eingerichtet, in welchem die Kreuzungen, ihre Eltern, ihre Züchter,

erstes Erscheinen auf den großen Gartenbauausstellungen und

ihr


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— X —

die Preise, welche sie erhielten, eingetragen werden, [a es sind,

ganz abgesehen von den (40000 Mk. bereits übersteigenden) Preisen

für einzelne Exemplare, für die bloße Überlassuno- einer einzigen

Pollenmasse solcher Pflanzen Preise geboten und gezahlt und

gelegentlich sogar abgelehnt, welche stark an die Kosten herankommen,

welche für das Decken einer Stute durch einen besonders

wertvollen Hengst gezahlt werden.

Nach diesem Seitenblick auf einen Teil der Botanik oder

richtiger der modernen Gartenkunst, welche hier mit einem zum

high-life gehörigen Gebiet eine so starke Ähnlichkeit zeigt und

auf dem besten Wege ist, dieselben Auswüchse zu zeitigen, ist

nur noch wenig" zu sagen. Ich möchte nur noch auf einen

Punkt eing'ehen, der mir vielleicht nicht von Seiten der wissenschaftlichen

Botanik vorgeworfen werden wird, denn in diese

gehört das Buch nicht, sondern sonst von Kritikern. Man wird

fragen, wie angesichts der soeben darg-elegten Fähigkeit der

Orchideen, Zwischenformen zu bilden, ich mich unterfangen

könne, auf nur 50 Tafeln

• - denn mehr bleiben

der hier mitabgebildeten Seltenheiten nicht übrig'

nach Abzug

den Leser

in die Orchideenflora Mitteleuropas einführen zu wollen, da mir

ja bekannt sein müsse, daß ein ähnliches Werk, das von M. Schulze,

95 Tafeln, Reichenbachs Flora Germanica 170 und Barla's Flore

de Nice und des Alpes maritimes für ein weit kleineres Gebiet

63 Tafeln enthält. Darauf möchte ich antworten, daß es für ein

Werk, welches in irgend einen Zweig- der Wissenschaft einführen

soll, nur darauf ankommen kann, die Grundformen kennen zu

lehren und nicht die mehr oder minder reichlichen Abarten; nur

das Thema und nicht die Variationen. Wollte man diese mit abbilden,

so würden 200 Tafeln nicht reichen und — vom Kostenpunkt

ganz abgesehen - - würde ein solches Buch in den Staub

der Bibliotheken, aber nicht in die Hände der Freunde der Natur

gehören. Also die Beschränkung auf die Grundformen ist gewollt.

— Nun könnte man das Wort „Grundformen" anfechten, weil dies

Wort gewissermaßen einen eisernen Etat von Merkmalen voraussetzt

und ein solcher gegen das vielberufene Gesetz der Variabilität

verstößt. Hiergegen kann ich den historischen Beweis antreten.

Jeder, welcher die oft so vorzüglichen Holzschnitte der alten Kräuterbücher

kennt und mit Herbarpflanzen oft von hohem Alter zu tun gehabt

hat, weiß, daß seit 250 bis 300 Jahren sich im Aussehen dieser

Pflanzen absolut nichts geändert hat, daß es somit sehr wohl angeht,

zu den Leuten unserer Generation von „Grundformen" zu reden.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— XI —

Die 60 Tafeln, welche dem Leser eine gute und sichere

Hilfe zum Erlernen und Bestimmen unserer Orchideen sein

werden, sind gezeichnet, g-emalt und lithog*raphiert von Herrn

Walter Müller in Gera. Es sind alles nach dein Leben gezeichnete

Bilder, aber das sind viele Abbildungen andrer Werke

auch; was diese hier auszeichnet, ist, daß die Arbeit nicht eine

bestellte gewesen ist, sondern eine gewollte und daß die Liebe

und das Interesse für den Gegenstand dem Künstler die Hand

geführt haben.

Und nun wünschen wir dem Werkchen, an welchem mitzuarbeiten

mir viel Freude gemacht hat, Glück auf den Wegund

denen, welche es benutzen, Freude an den so schönen und

seltsamen Gewächsen. K.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Inhaltsverzeichnis.

Tafel

Aceras anthropophora R. Br 11

„ hircina Lindl 12

Anacamptis pyramidalis Rieh 31

Calypso bulbosa Rchb. f. 60

Cephalantliera ensifolia Rieh 56

„ grandiflora Babingt 57

„ rubra Rieh 55

Chaniaeorchis alpina Rieh 6

Corallorhiza innata R. Br 1

Cypripedium Calceolus L 58

Epipactis latifolia All 47

„ violacea l)up. Duq 48

„ microphylla Sw 50/51

„ palustris Crtz 46

„ rubiginosa Gaud 49

Epipogum aphyllum Sw 41

Croodyera repens R. Br 54

Gymnadenia albida Rieh 35

„ conopsea R. Br 32

„ eucullata Rieh 34

„ odoratissima Rieh 33

Herrainium Monorehis R. Br 5

Lirnodorum. abortivura Sw 42

Liparis Loeselii Rieh 2

Listera cordata R. Br 45

„ ovata R. Br 44

Malaxis paludosa Sw 3

Microstylis monophyllos Lindl 4

Neottia Nidus avis Rieh 43

Nigritella angustifolia Rieh 39

„ suaveolens Koch 40

Ophrys apifera Huds. 7

„ araneifera Huds 9

rueiflora (Crtz.) Rchb. f 8

„ museifera Huds 10

Orchis coriophora L. . .20

„ globosa L 16

inearnata L 28

„ latifolia L 27


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— XIV —

Tafel

Orchis laxiflora Lam 24

maculata L 29

mascula L 22

militaris (L. z. T.) Huds 14

morio L 21

pallens L 28

palustris Jacq 25

papilionacea L 13

purpurea Jlmis 16

sambucina L 26

Spitzelii Sauter 3"

tephrosanthos V'ill 15

tridentata Scop 18

ustulata L 17

Piatanthera solstitialis Bönningh 37

„ chlorantha Custer 38

„ viridis Lind] 36

Serapias pseudo-cordigera Moricand 59

Spiranthes aestivalis Rieh 53

„ autumnalis Rieh 52


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

R. Friedländer & Sohn in Berlin NW. 6, Carlstrasse 11.

Von uns sind

zu beziehen:

Beiträge zur Morphologie und Biologie

der

Familie der Orchideen

von

J. G. Beer.

Ein Band in Folio von VIII und 44 Seiten mit 12 Tafeln,

wovon 11 in Farbendruck. 1863. Kartonniert.

(Ladenpreis 30 Mark.) Ermäßigter Preis: 10 Mark.

Inhalt: Keimung der Orchideen-Samen und Aufbau der Pflanze. —

Allgemeine Erscheinungen. — Besondere Erscheinungen des Keimpfiänzchens

in den eisten Lebensperioden bei dem Keimen der

Orchideen-Samen nach Verschiedenheit der Gruppen. — Bau und

Entwicklung der Orchideen-Frucht von der Zeit des Öffnens der

Blüte an bis zur Samenreife. - Veränderungen im Verhalten einzelner

Blütenorgane infolge künstlicher Befruchtung. — Übersicht

der wichtigsten zur künstlichen Erzeugung von Früchten verwendeten

Gattungen. — Samenformen der Orchideen. — Zur Charakteristik der

Orchideen-Sippen. — Zur näheren Kenntnis der Gattung Vanilla. —

Verzeichnis der Orchideen-Samen. — Verzeichnis der Orchideen-Früchte.

Xenia Orchidacea.

Beiträge zur Kenntnis der Orchideen

vi >n

H. Gr. Reichenbach (fil.

Fortgesetzt von

F. Kränzlin.

3 Bände in Quart mit 150 halbkolorierten und 150 schwarzen

Tafeln (zusammen 300). 1854— 1900.

Preis

vollständig 240 Mark.

Nur wenige Exemplare stehen noch zur Verfügung-.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

1. Corallorhiza innata R. Br.



Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 1 —

Corallorhiza innata

R. Br.

K o r a 1 1 e n w u r z.

Das Rhizoni durchzieht den lockeren Waldhunuis, seine

Verzweigungen sind oft sehr regelmäßig" zweizeilig gestellt und

entspringen aus den Achseln dicker fleischiger Niederblätter.

Bisweilen liegt das Rhizoni auch dicken Baumwurzeln und

Steinen unmittelbar auf.

Der blühende Stengel wird 12 20 cm hoch und ist nur

mit einigen Niederblättern bekleidet; bisweilen findet man Exemplare,

bei denen die Spitzen der oberen am Stengel stehenden

Xiederblätter den Versuch machen, etwas wie eine Blattfläche

zu bilden. Der Blütenstand ist eine wenig-blütige Traube. Die

Deckblätter sind winzige Schuppen und viel kürzer als die

kurzen Blütenstiele. Die Blüten sind resupiniert. Die 3 äußeren

Hüllblätter sind grün und krautig - von oblong'er Form und etwas

zugespitzt, die beiden seitlichen sind nach unten geschlagen.

Die beiden inneren seitlichen Hüllblätter (Petaien) sind zarter,

weißlich mit roten Fleckchen und vorn stumpfer als die äußeren.

Die spornlose Unterlippe (Labellum) ist dreilappig. Die beiden

Seitenlappen sind kurz und spitz, der mittlere oblong' und vorn

abgerundet, der Rand ist leicht gewellt. Die Farbe ist weiß,

aber mit größeren roten Flecken als die der Petaien. Die Säule

ist schlank, etwas nach vorn gebogen und grün. Die Anthere

ist ein leicht abfallender Deckel mit 4 Fächern, deren Scheidewände

häutig" sind. Die 4 Pollenmassen sind in 2 Reihen gestellt,

die vorderen etwas größer. Die Frucht eine nahezu kugelig-e

Kapsel, welche mit 6 kurzen Spalten aufspringt

und auf welcher

das Perigon noch lange nach dem Verblühen festsitzt.

Weit verbreitet durch den größten Teil der nördlichen

Waldgebiete beider Hemisphären. In Nord-Amerika vom Gebiet

der Seen südwärts bis Georgia; in Europa von Lappland und

Nord-Rußland bis zu den Apenninen; in

Asien durch ganz Sibirien

südlich bis Kaschmir. Eine von Reichenbach unterschiedene var.

ericetorum ist nur eine kompakte niedrig-e Form, welche mehr

den Nadelwäldern angehört. Blüht vom Mai bis Juli.

Durch das gelegentliche Vorkommen auf Baumwurzeln und

die bleiche Farbe des Stengels verführt, hat man früher in dieser

Orchidee einen echten Schmarotzer zu sehen geglaubt. Das ist

unrichtig;

die Nahrungsaufnahme geschieht durch feine Büschel

von Wurzelhaaren, welche unmittelbar aus dem Rhizom ent-


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

spring-en. Echte Wurzeln sowohl wie solche, welche auf parasitische

Lebensweise deuten, fehlen durchaus. Es sei bei dieser

Geleg-enheit bemerkt, daß es „schmarotzende" Orchideen überhaupt

nicht g'ibt, das Wort in seiner eigentlichen Bedeutung

„Leben auf Kosten der Nahrung- anderer Pflanzen" genommen.

Corallorhiza und ebenso No. 40, 41 und 42 dieses Werkes sind

„Saprophyten", d.h. Bewohner des modernden Laubes der Wälder.

Direkte „Parasiten" sind diese Pflanzen ebensowenig wie die oft

fälschlich so genannten tropischen Orchideen, welche als „epiphytisch"

d. h. „baumbewohnend" bezeichnet werden müssen. —

Der Name ist nicht korrekt gebildet,

er sollte Coralliorhiza lauten,

abgeleitet von KopdXXlov Koralle und pi^a Wurzel. Da nun aber

der Name, so wie er ist, das botanische Bürgerrecht hat, so sind

nachträgliche Abänderungen wenig empfehlenswert und ich behalte

die alte Schreibart bei (s. No. 60 Cypripedium).

Tafel 1. Gesamtbild einer sehr starken Pflanze, 3 Blüten,

i davon (links oben) im Längsschnitt, rechts in der Mitte 2 Ansichten

der Säule, darunter eine Pollenmasse, darunter der

Fruchtknoten

quer durchschnitten.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

2. Liparis Loeselii Rieh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Liparis Loeselii Rieh.

„Glanzkraut", von Xurapoc; fettig glänzend.

Der Speziesname

nach Joh. Loesel, Professor in Königsberg um 1654.

Der Wurzelstock ist meist kurz und kriecht horizontal oder

etwas schräg ansteigend im Boden. Die Wurzeln sind mit kurzen

Wärzchen besetzt. Die Sprosse, sowohl die blühenden wie die

nicht blühenden, tragen 5 Blätter, 3 nach oben größer werdende

Niederblätter und 2 am Grunde scheidenförmige oben oblonge

oder elliptische stumpfe Laubblätter von gelbgrüner, seltener

völlig- grüner Farbe, aus deren Mitte sich der doppelt so lange

unten dreikantige, oben dreiflüg-elig-e Blütenstiel erhebt, welcher

mit einer einfachen wenigblütig-en Ähre abschließt. Der untere

Teil des Sprosses verdickt sich nachträglich zu einer glänzend

grünen oblongen, etwas zusammengedrückten Knolle, welche bis

zum nächsten Jahre dauert. Die Blüten haben meist kleine, selten

laubblattartige Deckblätter und sind durch Drehung - des Blütenstiels

resupiniert.

Die 3 äußeren und die beiden seitlichen inneren

Hüllblätter sind nahezu linealisch, mit den Rändern etwas nach

hinten gerollt und stumpf. Die Lippe (Labellum) ist im allgemeinen

Umriß eiförmig, aber erstens etwas gefaltet und sodann

erst aufwärts und dann abwärts gebognen, so daß sie nicht

gut ganz flach ausgebreitet werden kann, der Rand ist fein gezähnelt.

Auch sie ist wie die anderen Blütenteile grün gefärbt.

Die Säule ist

schwanenhalsmäßig- gebogen, an ihrem oberen wie

unteren Ende beiderseits etwas verbreitert. Die Anthere bildet

einen Deckel, sie ist im Innern 4-fächerig und enthält in jedem

Fache eine flache zusammengedrückte Pollenmasse, also 4, welche

paarweise zusammenhäng-en. Die Narbenhöhle ist quer oblong,

das sog-enannte Rostellum ist vorn gezähnt und ragt etwas über

die

Narbenhöhle vor.

Weit verbreitet in den Torfmooren Europas und Nordamerikas;

nicht sicher nachgewiesen in Sibirien, aber vielleicht

übersehen, was bei der durchweg grünen Pflanze leicht passieren

kann. Blüht von Juni bis Aug-ust.

Diese Art und ebenso die beiden folgenden sind ausgezeichnet

durch Luftknollen oder Bulben, d. h. verdickte oberirdische

Stengelglieder. Alle 3 sind die weit nach Norden

verschlagenen letzten Repräsentanten von Gattungen, welche

eig-entlich den Tropen angehören. Während die Knollen bei

den tropischen Orchideen in der Regel mehrere Jahre hindurch


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 2 —

am Leben und im Zusammenhangmit

dem weiterwachsenden

Stamm bleiben, sterben sie bei allen Arten der gemäßigten Zone

bald ab und überdauern höchstens die nächste Vegetationsperiode.

Tafel 2. Ganze Pflanze und Längsschnitt durch die untere

Stammpartie einer solchen; links z Blüten vergrößert, darunter

und rechts oben z Ansichten der Säule mit Pollenmassen in ihrer

natürlichen Lage, die Anthere ist beide Male hochgeklappt, ferner

(rechts) 2 Pollenmassen.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

3. Malaxis paludosa Sw,


«

— 3 —

Malaxis paludosa Sw.

MdXa^ic; Erweichung - ; wegen der äußerst zarten Substanz

der Pflanze, paludosa Sümpfe bewohnend.

Der in Moospolst tu kriechende Stamm ist außerordentlich

zart, die Stengelglieder sind an ihrem blatttragenden Ende zu

einer kleinen Bulbe oder Luftknolle verdickt. Der blühende

Sproß trägt meist 3 kleine oblonge oder elliptische spitze oder

stumpfe Laubblätter, der Blütenschaft ist fünfkantig und endet

mit einer meist ziemlich dichten Ähre sehr kleiner grüner Blüten.

Diese sind durch Drehung- des Fruchtknotens über 270° hinaus

und bis zu 360 nicht resupiniert, sondern das Labellum steht

mehr oder minder schräg - und oft direkt senkrecht nach oben.

Die 3 äußeren Hüllblätter sind eiförmig*, zugespitzt und bedeutend

größer als die 3 inneren; die seitlichen inneren Hüllblätter sind

etwas zarter, lanzettlich, alle 5 sind grasgrün, stehen meist etwas

nach hinten zurückg'ekrümmt, so daß das oblonge an den Seiten

etwas ausgeschweifte (geigenförmige) Labellum eine Art Kapuze

über der sehr kurzen Säule bildet. Die Textur des Labellums

ist bedeutend fester als die der übrigen 5 Blätter, die Farbe

gelbgrün. Die Anthere ist ein herzförmiger nicht abfallender,

sondern zusammentrocknender Deckel,

unter welchem die 4 birnförmigen

zusammengedrückten Pollenmassen liegen, welche paarweise

durch etwas klebrige Substanz zusammenhangen. DieNarbenfläche

ist ein schmaler Schlitz, das Rostellum sehr viel größer, breit,

oben dreispitzig* und auf seiner ganzen Fläche etwas klebrig.

Die Pflanze bewohnt ausschließlich die Torfsümpfe Europas,

sie findet sich von Engdand an, wo sie sehr selten ist, in einzelnen

Standorten durch Europa hindurch bis in das zentrale Rußland.

Sie ist nirgends häufig; wo sie vorkommt, tritt sie jedoch nesterweise

auf.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Es hängt dies mit der Eig*entümlichkeit zusammen, daß

sich an den Spitzen sowohl der Laubblätter wie auch bisweilen der

Niederblätter sog*enannte Adventivknospen bilden, welche bei dem

Zerfallen der Blätter zu Boden fallen und einwurzeln.

Blüht von Juli

bis August. Der Mechanismus der Bestäubung ist von Darwin sehr

eingehend studiert, aber nur theoretisch erörtert. Die Natur der

Standorte und die außerordentliche Kleinheit der Blüten haben bisher

Beobachtungen in situ unmöglich gemacht. Darwins Beobachtung*en

sind an Exemplaren dargestellt, die ihm zug*esandt waren.

Tafel 3. Gesamtbild der Pflanze und Ansichten von Blüten,

die auf der rechten Seite im Längsschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

I. Microstylis monophyllos Lindl.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 4 —

Microstylis monophyllos Lindl.

MiK'pöc; klein, ötöXo«; Säule, yiovoq eins, qpuXXov Blatt.

Der unterirdische Stamm ist stets kurz und in seinem ganzen

Aufbau wie bei Liparis Loeselii, die Pflanze hat also ebenfalls

eine oberirdische grüne Luftknolle oder Bulbe, auf deren Gipfel

der Rest des Blütenstandes des vorigen Jahres steht. Von den

beiden der Anlage nach vorhandenen Laubblättern des ung-efähr

10 bis 15 cm hohen Stengels entwickelt sich meist nur das untere

zu einem oblongen oder elliptischen stumpfen Blatte, welches

mit seiner Basis den Steng-el scheidenartig- umfaßt. Der Blütenschaft

ist nach oben hin dreikantig" und träg't eine reichblütige

Ähre ziemlich kleiner grünlicher Blüten, welche wie bei der

vorig-en Art durch Drehung- des Fruchtknotens bis zu 360 aus

der resupinierten Stellung- wieder in die umg-ekehrte g-ebracht

sind. Die 3 äußeren Hüllblätter sind lanzettlich, die beiden inneren

seitlichen linealisch, die Lippe ist konkav, von der Basis bis etwa

zur Mitte eiförmig- und am Rande g-ezähnelt, von da an plötzlich

zug-espitzt und g-anzrandig-, alle 6 Blätter sind stark auseinandergespreizt.

Die sehr kurze Säule steht rechtwinklig- zur Lippe

und nicht wie bei Malaxis unter ihr verborg-en. Die querovale

Anthere ist zweifächerig- und enthält 4 seitlich zusammengedrückte

paarweis zusammenlieg-ende Pollenmassen, sie wird durch einen

kurzen dreieckigen Staubfaden festgehalten. Beiderseits des

Antherenlag-ers ist

der Rand zu einem gezähnelten Fortsatz entwickelt,

der als eine verkümmerte Anthere (Stelidium) zu deuten

ist. Die Narbenhöhle ist quer-rhombisch, das Rostellum dreieckig-.

Durch einen sehr großen Teil des nördlichen Waldgebietes

verbreitet, aber nirgends häufig. Findet sich in Nord-Amerika

von Unalaschka, wo Adalb. von Chamisso sie fand, durch die

Vereinig-ten Staaten südlich bis Minnesota und Jowa. In Europa

vom nördlichen Norwegen bis Süd-Tirol, ostwärts durch ganz

Sibirien.

Sie bevorzugt tiefgründig-e feuchte Waldungen. — Die

Pflanze ist der nördlichste Vertreter einer unter den Tropen in 80 bis

90 Arten vorkommenden Gattung-. — Gelegentlich entwickelt sich

auch das obere Laubblatt. Diese Microstylis diphylla Lindl. ist indessen

von monophyllos nicht verschieden. — Blüht im Juni und Juli.

Tafel 4. Gesamtbild und daneben eine junge Pflanze, beides

in natürlicher Größe. 3 Blüten (1 im Längsschnitt), Säule und

Pollenmasse (links unten), Längsschnitt durch den unteren Teil

einer Pflanze (rechts unten). Dies alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

5. I liTiiiiiiiiim Monorchie K. Br.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Herminium Monorchis K.

Br.

Abzuleiten von epu-iq oder rpp.iv Pfosten; der Speziesname

von u.övoc, allein und öp^ic Knolle.

Der bis zu 20 cm hohe blühende Stengel entspringt aus

der alten im Vorjahre gebildeten Knolle, während die neue

Knolle zu dieser Zeit noch ganz unentwickelt ist, dies hat der

Pflanze zu ihrem Speziesnamen verholfen. Aul' ein paar kurze

Niederblätter folgen dann 2 bis 3 einander sehr genäherte

oblonge oder lanzettliche Laubblätter und auf diese ein schlanker

meist nur mit einem kleinen Blättchen versehener Schaft, welcher

oben eine meist kurze Ähre von ungefähr 10 bis 20 winzigen

Blüten trägt. Die Deckblätter sind krautig- und fast so lang wie

die Blüten, die Fruchtknoten gedreht, die Blüten also resupiniert.

Da die Fruchtknoten außerdem an der Spitze nach vorn umgebogen

sind, so sind die Blüten nickend. Von den drei äußeren

Hüllblättern ist das mittlere breit oblong mit oder ohne Spitze,

die beiden seitlichen eiförmig und etwas unsymmetrisch. Die

seitlichen inneren Hüllblätter sind eiförmig oder rhombisch, in

ihren Kohtouren oft etwas geschweift und in eine mehr oder minder

tang-e Spitze ausgezogen. Die Lippe hat einen verkümmerten

Sporn, d. h. eine sackartige Vertiefung am Grunde und ist dreiteilig

- , die beiden Seitenlappen sind klein und oft zang-enförmigeingekrümmt,

der mittlere ist doppelt so lang" und entweder

linealisch mit runder Spitze oder schmal dreieckig- und dann

spitzer. Die Säule ist kurz, die Anthere breit mit zwei tiefen

Fächern, in denen die Pollenmassen liegen, welche kurze Stiele

und breite große Klebscheiben haben; diese letzteren liegen

beiderseits an dem Rostellum. Rechts und links von der Anthere

stehen die beiden hier sehr großen verkümmerten Staubgefäße

des inneren Kreises oder sogenannten Staminodien. Dies sind

die „Pfosten", welche der Pflanze zu ihrem griechischen Gattungsnamen

verholfen haben. Die Narbenhöhle ist g-roß und queroblong

und in der Mitte so eingeschnürt, daß sie fast zweiteilig

erscheint. Das Rostellum ist breit und dreiteilig. Die Blüten

sind grünlich gelb, die von trockneren Standorten sollen mehr

gelb als grün sein, sie duften stark nach Moschus. Blüht im

Mai und Juni.

Durch ganz Europa von Lappland bis zur Lombardischen

Ebene, ostwärts durch ganz Sibirien (aber nicht in Nordamerika),

im Kaukasus und im ganzen Himalaya, wo das Verbreitungs-


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 5 —

Zentrum der Gattung liegt. Dort reichen die Herminium-Arten

bis zu 5000 111 ü. d. M., wohl die bedeutendste Höhe, bis zu

welcher Orchideen überhaupt beobachtet worden sind.

Die Blüten werden trotz ihrer geringen Größe von g-ewissen

Insekten regelmäßig- aufgesucht und befruchtet, als Lockmittel

dient jedenfalls der starke Duft nach Moschus. Die Perigonblätter

schließen so zusammen, daß die Blüte eine wenig g-eöffnete

schräg hängende Glocke bildet, in deren Innerem die beiden

großen Klebscheiben stehen, deren Unterseite in der Mitte stark

vertieft und dort klebrig ist. Diese Vertiefung paßt nun, wie

Darwin nachgewiesen hat, ganz genau auf das Hüftgelenk gewisser

winziger Insekten, wenn diese den Kopf in die kurze

schalenförmige Aushöhlung des Labellums stecken. Nehmen nun

die Insekten die Pollenmassen, welche locker und großkörnig

sind, mit, so ändern diese durch ihr eigenes Gewicht etwas ihre

Lage und passen dann auf die Narbenfläche der nächsten zu

besuchenden Blüte. Die Untersuchung ergab, daß von den geöffneten

Blüten die meisten ihrer Pollenmassen beraubt waren.

Die Insekten sind natürlich sehr winzige Formen, meist Schmetterlinge

und Fliegen, seltener Käfer.

Tafel 5. Gesamtbild (natürl. Größe). 4 Blüten, 1 davon

(links) längs durchschnitten, darunter eine Pollenmasse. Alles

vergTÖßert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

ß. Chamaeorchis alpina Rieh.


eine

— 6 —

Chamaeorchis alpina Rieh.

Zwergforchis - - xa.yi.ai, auf der Erde und Orchis.

Die Pflanze li.it ähnlich wie Orchis 2 ziemlich große eiförmige

oder oblonge Knollen ;

diesjährigfe, aus welcher sie blüht

und eine Ersatzknolle für das nächste Jahr. Der Stengel trägt

.111 seiner Basis 6 bis 7 schmal lanzettliche oder lineale Blätter,

welche bis zum Blütenstand reichen, gelegentlich bis über ihn

hinaus. Dieser besteht aus 6 bis 12 kleinen braungrünen, nickenden

Blüten, welche von ihren Deckblättern überragt werden. Die

3 äußeren und die sehr viel kleineren seitlichen inneren Hüllblätter

sind sämtlich nach oben gewendet und bilden einen Helm.

Die am meisten nach außen stehenden Blätter sind etwas schief,

davon abgesehen sind sie ebenso wie die andern oblong - und

stumpf. Die Lippe ist nach unten gewendet und im allgemeinen

Umriß oblong, mit einer schwachen Andeutung von seitlichen

Lappen, an der Basis hat sie 2 kaum sichtbare Lamellen oder

Plättchen und der Raum zwischen diesen und unterhalb der

Säule ist ein ganz klein wenig ausgetieft, aber noch viel schwächer

als bei der vorigen Art. Die Säule ist kurz und hat oben eine

Spitze, die Antherenfächer sind, parallel, die Pollenmassen und

ihre Klebscheiben sind ziemlich groß, die Stielchen aber kurz,

die Narbenhöhle queroblong bis nierenförmig-, das Rostellum ist

dreiteilig-, der mittlere Teil aber kleiner als die seitlichen (im

Gegensatz zur vorhergehenden Art). Die Blüten sind duftlos

und in der Hauptsache grün mit mehr oder wenig-er rotbraun

oder purpurbraun.

Die Pflanze bewohnt die höheren Gebirge Europas von

Lappland an südwärts bis zu den Alpen Savoyens und von den

Pyrenäen bis zu den Karpathen. Blüht im Juli und August.

Über die Befruchtung, welche nach dem Bau der Blüten

sich vermutlich in ähnlicher Weise vollzieht wie bei Herminium

Monorchis, habe ich nichts aufzufinden vermocht. Die Pflanze

wird übrigens von manchen Botanikern, u. a. von Reichenbach

als

zu Herminium gehörig angesehen.

Tafel 6. Gesamtbild in natürl. Größe. 4 Blüten in verschiedener

Vergrößerung und Stellung, rechts in der Mitte eine

Pollenmasse.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Ophrys L.

Die Gattung Ophrys unterscheidet sich von Orchis durch

eine Reihe sehr wichtiger Charaktere. Die Lippe ist stets spornlos

und stets auffallend dicht behaart, die seitlichen inneren Hüllblätter

sind stets klein und oft direkt winzig-, die 3 äußeren

Hüllblätter spreizen weit auseinander, die Bildung eines Helmes,

der die Säule überdeckt, wie bei Orchis und vielen anderen

Orchideen kommt nie vor. Ferner stecken die Klebscheiben

nicht wie bei

<

>rchis in einer Tasche oder bursicula, sondern

in zweien. Die Variabilität besonders im Bau des Labellums

bewegt sieh in ungemein weiten Grenzen und hat zur Bildung

und Autstellung einer ganzen Anzahl von Arten geführt und zu

einer äußerst verworrenen Nomenklatur. Man muß die Neigung - ,

jede Blüte besonders auszugestalten, als etwas dieser Gattung

inhärierendes ansehen, denn der bequeme Ausweg, jede beliebige

abweiehende Form für ein Kreuzungsprodukt zu erklären, ist

hier ausgeschlossen, weil Ophrys im g'anzen genommen für

Insektenbesuch, unpraktisch g-ebaut und solche Besuche nach

• dien bisher bekannt gewordenen Beobachtungen selten sind.

Ferner, weil die Blüten einer sich stets und ausschließlich selbst

befruchtenden Art eben solche Neigung zum Variieren zeigten

wie die

anderer Arten.

Die Gattung g-ehört mit einziger Ausnahme von Ophrys

muscifera in ihrer Hauptmasse dem mittleren und südwestlichen

Europa und ganz besonders dem Mediterrangebiet an. Keine

einzige Art bewohnt Nordamerika, keine erstreckt sich in Syrien

und Klein-Asien über das unmittelbarste Littoral tiefer in das

Land hinein, keine bewohnt den kontinentalen Teil Ost-Europas.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

7. Ophrys apifera ETuds.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Der Speziesname abgeleitet von apis, Biene; also Bienenorchis.

Ophrys apifera Htids.

Knollen kugelig, die jüngere zur Blütezeit meist noch ziemlich

kloin. Der Stengel wird bis 30 cm hoch und ist ziemlich

reichlich beblättert. Die unteren Blätter sind länglich oder lunzettlich,

die oberen werden scheidenförmig und gehen in große

Laubblattähnliche Deckblätter über. Der Blütenstand ist eine oft

sehr in die Länge gezogene Ähre von 5 bis 8 weit entfernt

stellenden Blüten, welche von den Deckblättern überragt werden.

Die 3 äußeren Hüllblätter sind im Umriß nahezu gleich, eiförmig

oder oblong, an der Spitze abgerundet oder mit einem winzigen

Spitzchen versehen, sie sind weiß mit rosa Streifen oder rot

überhaucht und dann oft mit grünlicher Streifung. Die beider

seitlichen inneren Blätter sind winzige pelzig behaarte Ahrchen

von eiförmiger Gestalt, oft an den Seiten etwas eingezogen

(geigenförmig). Das Lubellum ist stark konvex, sein Umriß kann

äußerst verschieden aussehen. Die häufigste Form ist eine breit

oblonge mit 2 kleinen Seitenlappen und einem in eine kurze

zurückgeschlagene Spitze ausgehenden großen Mittellappen, die

ganze Oberfläche ist braun, pelzig behaart und zeigt eine Zeichnung,

welche aus 1 oder 2 anders g-efärbten länglichen Flecken

besteht, die von kahlen braungelben oder goldgelben Linien

eingefaßt sind. Dies ist aber nur das Thema, welches wie bei

allen Ophrys-Arten so auch bei dieser mannigfach und oft von

Blüte zu Blüte variiert wird. Die Säule ist ziemlich groß und

endet oben mit einer gekrümmten Spitze. Die beiden Antherenfächer

stehen parallel, die Pollenmassen haben sehr lange und

dünne Stielchen und hängen oft so weit aus ihren Fächern heraus,

daß sie hin und her schwingen. Die Narbenhöhle steht unter

den beiden Täschchen, welche das Rostellum bilden.

Von Mitteleuropa an auf kulkig-en Bergabhängen wreit verbreitet

aber nirgends häufig. Im ganzen westlichen Mittelmeergebiet

häufiger, auch auf den großen Inseln und dem Nordrand

von Afrika, aber nicht im Osten des Mittelmeergebietes, also

nicht in Syrien und Kleinasien. Blüht in Deutschland im Juni,

im Süden viel früher. Der Name ,.Bienenorchis" enthält eine

Übertreibung, denn die Blüte erinnert von fern her an irgend

etwas einem Insekt ähnliches, aber auch mit viel Phantasie ist

eine Biene nicht herauszuerkennen.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 7 —

Die Befruchtung - dieser Art ist eine der auffallendsten, die wir

kennen. In striktem Gegensatz zu den meisten Orchideen ist die Bestäubung

ihrer Blüten von den Insekten nicht nur absolut unabhängig",

sondern die Insekten haben g-ar nicht die Möglichkeit, hierbei

helfend einzugreifen, weil die Befruchtung durch den eigenen Pollen

eher besorgt wird, als ein Insekt zur Stelle ist. Die Antherenfächer

öffnen sich gleich beim Aufblühen der Blumen weit, die schweren

Blütenstaubmassen fallen weit nach vorn über und schwingen,

da die Stielchen sehr dünn sind, hin und her. Die geringste

Erschütterung- der Pflanze durch den Wind genügt, um sie mit

der großen klebrig"en Narbe in Berührung zu bring'en und damit

ist dann die Befruchtung eingeleitet. Die Tatsache ist

immerhin erstaunlich,

denn wenn auch Selbstbestäubung bei den

Pflanzen im allgemeinen und den Orchideen im besonderen längst

nicht so perhorresziert wird, als man eine Zeitlang annahm, so

ist doch das Verhalten g'erade dieser Art ein besonders extremer

Fall.

Tafel 7. Gesamtbild. 3 Blüten, die auf der linken Seite

stärker vergrößert, die auf der rechten schwächer, darunter stark

vergrößert eine Pollenmasse.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

8. Ophrys hiciflora (Crtz.) Rchb. F


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 8 —

Ophrys fuciflora Crtz. (Rchb. f.).

Im Wuchs der vorigen ähnlich, aber durch die langgestielte

Ersatzknolle gut zu unterscheiden. Die Blätter sind vielleicht

noch etwas mehi blaugriin als bei jener. Die oberen Blätter

werden /.u Scheiden und diese gehen in große etwas scheidenartige

ausgehöhlte Deckblätter über. Die Blütenähre träg't

5 bis 8 ansehnliche Blüten. Die Sepalen oder äußeren Hüllblätter

sind oblong-, etwas ausgehöhlt, weiß mit grünen Längsstreifen

oder grün, selten rosa überlaufen. Die Fetalen oder

inneren seitlichen Hüllblätter sind winzig - klein, dreieckig", an der

Spitze etwas gewimpert, breit oder schmal, rosenrot oder rötlich

mit grüner Spitze. Das Labellum ist bei weitem der größte Teil

der Blüte, es ist wie stets bei Ophrys konvex, dem ganzen Umriß

nach nahezu quadratisch, mit schwach herzförmig-er Ausbuchtung"

an der Basis und drei- bis fünfzähniger nach vorn umgeklappter

Spitze am vorderen Ende. Dazu kommen noch 2 Vorsprünge

in Form kurzer dreieckig-er Plättchen, welche nahe dem Grunde

des Labellums zu stehen pflegten und in ihrer Form sehr variabel

sind. Das ganze Labellum hat einen rotbraunen Samtüberzug,

von welchem sich das an Nuancen und Gruppierung sehr

wechselnde „Mal" abhebt. In den typischen Fällen, wie auf

unserer Tafel, ist es ein helles Quadrat mit gebrochenen Seiten,

welche einspring-ende Winkel bilden. Innerhalb dieses Systems

von Linien stehen dann wieder dunkel gefärbte Flecke. Nicht

selten treten aber hierzu stahlblaue oder von blau in gTÜn changierende

Flecke. Hiermit ist das Thema angedeutet, der Variationen

sind viele. Zu erwähnen wäre noch, daß die Basis des

Labellums oft stark verdickt ist. Die Säule ist kürzer als bei der

vorigen Art und sehr stark vornübergeneig"t, die Antherenfächer

öffnen sich nicht so weit und die Stielchen sind kürzer. Die

Narbenfläche ist breit und herzförmig.

Die Pflanze findet sich auf sonnig-en Berg-wiesen an einigen

Standorten in

Norddeutschland und England, aber als Seltenheit

ersten Rang-es; am häufigsten ist sie wie alle Ophrys-Arten erst

im nördlichen Mittelmeerg-ebiet, wo sie von einer Menge von

Standorten bekannt ist. Auf Sardinien soll sie häufig sein, auf

Sicilien selten. Auf Cypern kommt sie nicht vor, dagegen soll

sie noch in Syrien am Orontes gefunden worden sein. Sie meidet

die g-anz heißen Standorte und findet sich in den Bergen bis

6oo m Höhe. Blüht in Deutschland im Juni.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Die starke Verkürzung" der Stielchen und die g'eringe Öff-

-

nung

der Antherenfächer machen eine Bestäubung durch den

eig*enen Pollen bei dieser Art sehr schwierig-, es muß also Insektenbesuch

eintreten. In welcher Weise dieser sich vollzieht, darüber

fehlen die Beobachtungen zur Zeit. Auch bei dieser Art ist die

Ähnlichkeit mit gewissen Spinnenformen nicht streng zu nehmen

und Linne war für seine Zeit im Rechte, wenn er, ohne auf eine

minutiöse Unterscheidung - der Formen einzugehen, eine Art

Kollektivspezies aufstellte, Ophrys insectifera, bei welcher die

Ähnlichkeit mit Insekten im allgemeinen genügend zum Ausdruck

kam. In der Französischen Schweiz soll für die Pflanze der

Volksname „Dame en velours" vorkommen, der sehr viel glücklicher

geprägt ist, als die etwas g-ezwung-enen Vergleiche mit

Insekten.

Tafel 8. Gesamtbild in natürlicher Größe. 3 Blüten schwach

vergrößert, eine davon im Längsschnitt und eine stärker vergrößerte

Pollenmasse.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

9. Ophrys araneifera Iluds.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 9 —

Ophrys araneifera Huds.

aranea.

Spinnen - Ophrys : von dem lateinischen Wort für Spinne,

Im Wuchs der vorig'en ähnlich, aber die jungte Knolle kürzer

gestielt. Die Blüten sind etwas kleiner. Die 3 äußeren Hüllblätter

sind oblong - und

nach vorn eing*ekrümmt, wodurch die

Blüte kleiner erscheint; sie sind grün oder bisweilen gelbgrün

mit dunkelgrünen Streifen. Die seitlichen inneren Hüllblätter

sind größer als die der beiden vorhergehenden, eiförmig - ,

dreieckig

und - spitz, von gleicher Farbe und Textur wie die 3 anderen

und ganz unbehaart. Das Labellum ist etwas konvex und von

äußerst variablen Umrißformen. Die gewöhnlichsten Formen sind

breit-eiförmig' und ganz ohne Teilung, aber mit 2 Auftreibungen

an beiden Seiten nahe der Basis, zweitens verkehrt herzförmig

mit seichter Ausbuchtung vorn, drittens mit einer schwachen

Andeutung einer Dreiteilung- nach vorn hin. Ein Anhängsel an

der Spitze,

wie die beiden vorigen Arten es stets haben, fehlt fast

immer. Die Färbung- ist im allgemeinen dunkelbraun mit heller

gefärbtem Rande, die Oberfläche pelzig behaart mit Ausnahme

des Males am Grunde des Labellums. Dies besteht aus 2 blaugrauen

oder direkt blauen Linien, welche parallel laufen, konvergieren,

divergieren, mit einander verbunden sind oder nicht,

welche anders gefärbte Flecke einschließen oder nicht, kurz, bei

denen des Variierens kein Ende ist. Man unterscheidet ganz im

allgemeinen 2 Gruppen: solche, bei denen das Labellum an der

Basis 2 buckelartig-e Auftreibungen hat und zweitens solche, bei

denen diese fehlen. Die Säule ist kurz, spitz und steht rechtwinklig

zum Labellum. Die Antherenfächer sind nicht sehr eng-,

die Stiele ziemlich kräftig, die Narbenfläche ist groß und quer

elliptisch.

Vom südlichen England und mittleren Deutschland, wo sie

stets sehr selten war und wohl kaum noch vorkommt, südwärts.

Im Mittelmeergebiet auf allen 3 Halbinseln und allen größeren

und den meisten kleineren Inseln, auch auf Cypern und Kreta

(var. atrata), aber nicht in Nord-Afrika und nicht in Syrien. Blüht

in Deutschland im Juni. — Es ist auffallend, daß diese Art sehr

wenig von Insekten besucht wird, es lieg"t dies vielleicht daran, daß

das Rostellum nach vorn und oben g-ebogen ist, also den Insekten

gewissermaßen aus dem Wege gerückt ist. Die Antherenfächer


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 9

sind weiter geöffnet als bei ( )ph. araobn-ites, aber nicht soweit

wie bei ( >ph. apifera.

Tafel g. Gesamtbild in natürlicher Größe, links oben l Blüte

in natürlicher Größe, links 2 vergrößerte Blüten, die obere im

Längsschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

lu. Ophrys nrascifera Huds.


— 10 —

Ophrys muscifera Huds.

Fliegen-Orchis von musca,

Fliegte.

Knollen länglich rundlich, die jüngere zur Blütezeit kurz

gestielt, Blätter dunkelgrün länglich, ansteigend, kurz zugespitzt,

die oberen am Grunde scheidig den Stengel umfassend. Blütenähre

lang- gestreckt, bis 12-blütig. Die Blüten stehen ziemlich

weit von einander entfernt; die Deckblätter sind schmal und stets

länger als die Blüte. Die 3 äußeren Hüllblätter sind oblong, weit

gespreizt und dunkelgrün oder gelbgrün, stumpf oder kurz zugespitzt.

Die beiden seitliehen inneren Blätter linealisch, stumpf

und ziemlich groß und samtig behaart. Das Labellum ist dreiteilig

mit ziemlich kleinen schräg abspringenden Seitenlappen

und großem sehr verschieden geformten Endlappen. Dieser beginnt

in der Regel mit keilförmigem Grunde, kann dann aber

entweder rhombisch werden und dann mit stumpfer oder ausgebuchteter

Spitze oder breit eiförmig -

oder umgekehrt herzförmig

oder er kann vorn noch einmal eine wenigstens angedeutete

Dreiteilung zeigen. Die Oberfläche ist samtig und dunkelbraun,

das Mal

auf der Mitte der Fläche ein mattblauer oder stahlblauer

matt glänzender Fleck. Die Säule biegt sich weit nach vorn

über das Labelllum, sie hat die für Ophrys charakteristische

kleine Spitze und 2 g-etrennte Taschen für die Klebscheiben der

beiden Pollenmassen, die Narbenhöhle ist quadratisch mit abgerundeten

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Ecken.

Die geographische Verbreitung-

dieser Art weicht von der

der übrig-en Arten wesentlich ab; die Pflanze ist fast nur auf

Nord- und Mittel-Europa beschränkt und südwärts der Alpen,

also im Mediterrangebiet, selten. Sie findet sich noch in Irland

(Prov. Leinster) und in England, aber nicht in Schottland, an

mehreren sicheren Standorten in Skandinavien und ist in Deutschland

die häufigste Art. In den Alpen bis in die alpine Region

ansteigend, so im oberen Zillertal bei Tux noch in 1500 m Höhe.

In Italien sicher nur aus der nördlichen Lombardei und den

Abhängen der Seealpen bekannt. Blüht in Deutschland im Juni,

in den Alpen - -

noch Mitte Juli. Die Befruchtung muß durch

Insekten erfolg-en, da die Pollenmassen fest in ihren Fächern

sitzen und nicht einmal bei starkem Schütteln herausfallen. Der

Besuch seitens der Insekten ist aber, wie Darwin festgestellt

hat, spärlich, und wie bereits Sprengel angenommen hatte, nur

dadurch veranlaßt, daß Insekten irgend etwas an der Blüte für


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 10 —

ein „Nektarium" halten, was bei näherer Best« htigung durchaus

nichts derartiges ist. Immerhin kommen solche wenn schon

seltenen Besuche vor und führen dann auch zu dem gewünschten

Ziele, d. h. Befruchtung der Blüte Wie selten dies eintritt, beweist

die Beobachtung Darwins, welcher in einem Jahre, wo die

Pflanze massenhaft blühte, unter 40 Blüten an 11 beobachteten

Pflanzen nur 7 Kapseln fand, die sich auf 5 Pflanzen verteilten.

Die g-anze mit Darwins g-ewohnter Sorgfalt ausgeführte Untersuchung

gipfelt in dem Satze: „Etwas in ihrem Mechanismus

oder ihren Lebensbedingungen muß nicht in Ordnung sein."

Dies zugegeben könnte die Frage erlaubt sein, ob nicht dies in

der Überkompliziertheit zu suchen sei, ein Vorwurf, der sich der

ungeheuren Mehrzahl der Orchideen mit ebenso gutem Recht

machen läßt. Darwins Beobachtungen wurden in einem Jahre

angestellt, in dem Ophrys museifera in Kent massenhaft blühte;

wenn er nun gleichwohl keine Insekten in flagranti fing", so

beweist dies zunächst, daß die Ensektenspezies, welche einzig und

allein im Stande ist, die Befruchtung dieser Pflanze zu vollziehen,

zufällig in diesem selben Jahre nicht ebenfalls häufig war. Demnach

wäre das, was „nicht in Ordnung ist'', augenscheinlich ihre

ins Extrem getriebene Abhängigkeit von einer einzigen Insektenspezies,

mit welcher, falls sie unterginge, diese Art ebenso fallen

würde, wie Viscum album in einigen Jahren zum Tode verurteilt

wäre, wenn durch irg-end ein Ereignis alle Misteldrosseln eines

plötzlichen Todes stürben.

Tafel 10. Gesamtbild und eine Ähre, beide in natürl. Größe.

Rechts oben die Säule mit den beiden Petalen, darunter eine

Pollenmasse, unten links eine der Länge nach durchschnittene,

rechts unten eine vollständige Blüte mit Deckblatt. Alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


1 1 . Aceras

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

anthropophora R. Br.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 11 —

Aceras anthropophora R.

Br.

Abgeleitet von Kepag Hörn, also „ohne Hörn", d. h. Spinn;

der Speziesname vor» äv^pcujtoc, Mensch und cpepto tragen. Beide

Namen beziehen sich also auf das Labellum.

Knollen kugelig oder dick eiförmig. Stengel bis 25 cm

hoch mit 5—6 grundständigen oblongen oder lanzettlichen Blättern

und wenigen Scheidenblättern am Schaft, die Blätter oft gelblich

grün. Die Ähre ist meist dicht und reichblütig, die Deckblätter

sind lan/ettlich und ungefähr so lang- wie der gedrehte Fruchtknoten.

Die 3 äußeren Hüllblätter sind meist eiförmig oder

eilanzettlich, die inneren seitlichen sind sehr variabel, in den

meisten Fällen sind sie breit-linealisch oder zungenförmig, sie

können aber auch viel breiter und mit schwacher Andeutunoeiner

Dreiteilung- an der Spitze vorkommen. Diese 5 Blätter

sind gelbgrün, die 3 äußeren oft etwas dunkler gerandet, alle

bilden einen über der kurzen Säule zusammeng-eneigten Helm.

Die Lippe ist wesentlich länger als die Blätter des Helmes mit

2 linealen Seitenzipfeln und einem viel längeren und breiteren

tief zweispaltig-en Endzipfel; am Grunde ist das Labellum beiderseits

schwach grubig- vertieft, aber - - wie schon der Name besagt

- - spornlos, die Farbe ist gelblich-rot. Die ganze Blüte

legt den Vergdeich mit einem Männchen mit dickem Kopfe sehr

nahe, dessen Kopf der Helm der Blüte, dessen Arme die Seitenlappen,

dessen Beine die beiden Zipfel des mittleren Teils des

Labellums sind. Die Säule hat den einer typischen Orchis, die

Antherenfächer stehen parallel, die Stielchen der beiden Pollenmassen

sitzen zwei Klebscheiben auf, die aber einander sehr

genähert sind und auf dem vorderen Teil des Rostellums hegen;

die beiden fehlgeschlagenen Staubgefäße des inneren Kreises

(Staminodien) sind verschieden stark entwickelt, aber stets vorhanden.

In Mittel-Europa äußerst selten, nach Südwesten hin nach

und nach etwas reichlicher vorkommend. Auf allen 3 südlichen

Halbinseln und auf den großen Inseln des Mittelmeeres einschließlich

Cypern, aber, wie es scheint, nicht auf Creta und

nicht in Kleinasien. Ferner in Nord-Afrika, aber nicht in Ägypten

und Syrien. — Überall eine seltene Pflanze. Die großen Lücken

im Vorkommen sind sicherlich z. T. darauf zurückzuführen, daß

der Pflanze überall von Botanikern und Laien nachgestellt wird,

Sie blüht in Deutschland im Mai und Juni.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 11 —

Über die Bestäubung durch Insekten fehlen bisher genauere

Angaben. Darwin hat in seinem bekannten Werke den Vorgang

rein theoretisch behandelt, ohne persönliche Beobachtungen zu

erwähnen, die er wohl kaum hat machen können. Seine Notizen

sind insofern von Interesse, als er die Frage streift, ob die beiden

Pollenmassen auf einer Klebscheibe (wie u. a. Reichenbach es

abbildet] autsitzen oder auf 2 getrennten, die sich aber mit ihren

Rändern berühren. Darwin entscheidet sich für die letztere

Annahme, aber keineswegs mit Recht. Der von ihm gemachte

Versuch, ob eine oder beide Pollenmassen mit einer Bleifederspitze

entfernt werden, ist unvollkommen. Nach Reichenbachs

Ansicht, der ich beipflichte, gehört Aceras zu den Monadeniae,

d. h. den Ophrydeen mit einer Klebscheibe. Unsere Abbildung

Fig. 4 ist demnach nicht ganz korrekt.

Tafel 11. Gesamtbild. 3 Blüten, die rechts oben stark, die

beiden anderen schwächer vergrößert, links oben eine Polleninasse,

rechts unten der Querschnitt des Fruchtknotens. Alles

vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

12. Aceras hircina Lindl.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

(I I i ma

— 12 —

Aceras hircina Lindl.

ntogl ossu ra h irci nu m.)

Von du/tc; i[idvToq) Riemen und yXobötfa, Zunge — hircinum

nach Bock riechend, daher Bocks-Riemenzunge.

Die Knollen dieser stattlichen Pflanze sind groß oblong

oder eiförmig abgerundet, der Stengel erreichl eine Höhe bis

45 cm und ist — besonders am Grunde - dicht beblättert. Ih


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

13. Orchis papilionacea L.


— 13 —

Orchis papilionacea L.

Papilionaceus, schmetterlingsähnlich, wohl wegen der Ähnlichkeit

der Blüten mit denen mancher Papilionaceen.

Die Knollen sind meist kug-elig, mein- oder weniger spitz,

die Nebenwurzeln dünn. Der Steng-el wird bis 20 cm hoch, ist

besondersam Grunde beblättert und bis oben hinauf mit Scheiden

dicht besetzt. Die Blätter sind ung'efleckt, lanzettlich bis lineallanzettlich

und spitz; die obersten Scheidenblätter des Stengels

sind oft an der Spitze etwas rötlich. Der Blütenstand ist eine

kurze wenigblütige Traube. Die Deckblätter sind g'roß, oblong*,

spitz, grünlich weiß mit dunkelg-rünen oder roten Adern und

rötlichem Anflug-, sie sind länger als der Fruchtknoten. Die

äußeren Hüllblätter sind eiförmig- und stumpf,

die seitlichen etwas

ungleich und oft am Grunde etwas herzförmig-, die inneren seitlichen

Blätter sind ähnlich, aber kleiner, spitzer, alle 5 sind schön

purpurrot. Das Labellum ist von keilförmigem Grunde aus fächerförmig

ausgebreitet,

kreisrund oder quer-oblong oder etwas rhombisch

und am ganzen Rande fein g-ekerbt oder gezähnelt; nach

hinten geht es in den kurzen kegelförmigen, herabhäng-enden

Sporn über, w T elcher an der Spitze oft leicht ausg'ebuchtet ist.

Die Farbe des Labellunis ist blaß rosenrot mit purpurnen Flecken,

die des Spornes weißlich mit rotem Anflug-. Die Blüten sind

die schönsten der europäischen Orchis-Arten. — Blüht im März

und April.

Die Pflanze gehört dem Mittelmeer-Gebiet an und fehlt

nordwärts der x\lpen gänzlich, ihre Nordgrenze sind die südlichen

Abhänge der Alpen, südlich reicht sie bis Nord-Afrika, sie findet

sich auch auf allen g-rößeren Inseln des Mittelmeeres bis Kreta,

fehlt aber (nach Dr. Kotschy) auf Cypern und ebenso in Syrien,

während sie im westlichen und nördlichen Klein-Asien (bei Brussa)

vorkommt. — Die Pflanze ist hier aufgenommen, weil sie von

den meisten Reisenden, welche den Vorfrühling in Italien verleben,

bemerkt wird.

vergrößert.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Tafel 13. Gesamtbild und 1 Blüte im Längsschnitt, diese


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

I. (»i'chis militaris (L. /. T.) Hnds.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

_ 14 —

Orchis militaris (L. z. T.) Huds.

Helm-Knabenkraut Von miles, Soldat, abg'eleitet.

Knollen ungeteilt eiförmig", spitz oder stumpf, gelblich weiß,

die der blühenden Pflanze noch ziemlich straff, die junge Knolle

meist noch ziemlich unentwickelt. Die g~anze Pflanze bis 40 cm

hoch. Die Blätter, 3— 4 an der Zahl, glänzend grün und saftig,

oblong, zugespitzt und oberseits ganz fein flaumig; am Schaft stehen

ein paar Scheidenblätter. Die Ahn- ist ziemlich dicht und besteht

aus etwa 20 — 30 Blumen. Die winzigen Deckblätter sind

rötlich g-efärbt, der Fruchtknoten stark gedreht.

Die 5 oberen Hüllblätter

schließen sämtlich zu einem Helm zusammen; die 3

äußeren

sind eiförmig, die 3 inneren zungenförmig und stumpf. Das Labellum

hat 2 lineale stumpfe Seitenzipfel und einen sehr viel

größeren mittleren, der sehr verschieden aussehen kann, er

variiert von verkehrt herzförmig- mit kaum angedeutetem mittleren

Zähnchen durch die auf unserer Tafel dargestellte Form

zu solchen, welche an ein X erinnern. Die Oberseite der Lippe

ist fein behaart. Der Sporn ist stumpf, walzig und halb so lang

wie der Fruchtknoten. Die Säule hat 2 deutlich entwickelte

Staminodien, im übrig-en den bereits erwähnten Bau. Die Farbe

der Sepalen und Petalen ist ein schönes blasses Rosenrot, die des

Labellums in der Hauptsache ein etwas gesättigteres Rosenrot

mit dunkleren Spitzen und Fleckchen. Daneben gäbt es g-anz

weiße und tief purpurrote Blüten.

Die Pflanze bewohnt einen ziemlich breiten Streifen Mitteleuropas

und findet sich in lichten Wäldern und besonders auf

Wiesen, wo der Boden Spuren von Kalk enthält, meist nicht selten.

Südwärts der Alpen ist sie seltener und fehlt im eigentlichen

Mediterrang-ebiet, dessen Klima ihr zu trocken ist. Sie soll südlich

vom 55 N. Br. durch ganz Sibirien vorkommen.

Die Bestäubung- durch Insekten ist spärlich, worüber bereits

C. K. Sprengel in seinem 1793 erschienenen Werk sein Erstaunen

äußert. Darwin und Müller haben hierüber ebenfalls nichts Neues

beig-ebracht.

Tafel 14.

Gesamtbild der Pflanze in natürlicher Größe. 3 Blüten,

i davon im Längsschnitt, links unten Fruchtknoten quer durchschnitten,

rechts oben die Säule von vorn, darunter eine Polk-nmasse

und ganz unten das Mittelstück einer solchen, um die

Tetraden der Pollenkörner zu zeigen. — Alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Orchis.

Die Gattung Orchis ist charakterisiert durch das gespornte

Labellum, durch Pollenmassen, deren Stiele konvergieren und einer

einzigen Klebscheibe aufsitzen, welche von einer einfächerigen

Tasche oder „bursicula" bedeckt wird. Trotzdem das Labellum

keinen Honig enthält, ist bei der überwiegenden Anzahl der

Arten der [nsektenbesuch ein sehr regelmäßiger und zwar sind

es nicht einzelne, sondern meist mehrere, oft viele Arten von

Insekten, welche die Blüten besuchen. Das Ergebnis dieser

reichlichen Frequenz ist eine ins weite gehende Kreuzung und

damit eine SO große Fülle intermediärer und unter sich gleichfalls

fruchtbarer Formen, wie in wenigen anderen (iattungen

phanerogamer Pflanzen. Die Massenhaftigkeit des Auftretens

macht viele Arten dieser Gattung zu Pflanzen, welche der Physiognomie

der Standorte zur Blütezeit ein gewisses Gepräge

groben. Grade an Orchis sind denn auch eine Reihe von Beobachtungen

über Insektenbesuch leicht zu machen gewesen, deren

Folgerungen nicht stets und überall auf andere Orchideengattungen

übertragen werden konnten.

Die Gattung- gehört dem Waldgebiet der östlichen Erdhälfte

und dem Mediterrangebiet an; mehrere Arten finden sich

von Irland bis zum Amurnuß und hoch hinauf in den Himalaya.

Seltsamerweise fehlt sie so gut wie ganz in Nord-Amerika, und

die einzige in mehreren Punkten stark abweichende Art dieses

Gebietes,*) welche ihrerseits in Europa fehlt, deutet durch ihr

ganzes Aussehen und ihre Struktur sehr stark auf verwandtschaftliche

Beziehungen zu gewissen asiatischen Arten strittiger

Zug-ehörigkeit, deren Verbreitungszentrum im chinesisch-japanischen

Gebiet zu suchen ist, so daß die Gattung in Nord-

Amerika streng genommen fehlt.

*) Orcbis speetabilis, L. mit ihrer Variet. rotundifolia.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

15. Orchis tephrosanthos Vül.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

auf

— 15 —

Orchis tephrosanthos Vill.

Von recppa - - Asche — weg-en des weißgrauen Anfluges

dem Labelluni.

Knollen ungeteilt kugelig- oder kurz eiförmig - ,

der Stengel

ungefähr 30 cm hoch, an der Basis beblättert, die 4— 5 Blätter

scheidenartig-

den Stengel umfassend, etwas zuzammengedrückt,

oblong- bis lanzettlich, spitz, nach und nach in Steng-elschei


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

16. Orchis purpurea Huds.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

- 16 -

Orchis purpurea Huds.

Braunes Knabenkraut. — Fuscus,

dunkel.

Im g-anzen Aufbau und Habitus Orchis militaris L. sehr

nahe stehend, aber mit mehr eiförmigen spitzeren Knollen, im

allgemeinen etwas robuster und durch die dunkle Färbung der

Blüten hinlänglich unterschieden. Die Sepalen und Fetalen sind

von gleichem Bau bei beiden Arten, aber bei dieser Art hier

entweder innen hellrosa mit purpurbraunen Streifen oder innen

und außen purpurbraun. Verschieden ist ferner bei typischen

Exemplaren das Labellum, welches im ganzen dem von O. militaris

ähnelt, dessen mittlerer Teil aber in zwei Seitenzipfel ausgeht,

deren Vorderrand gezähnelt ist. Der mittlere Zahn in der

Bucht zwischen beiden Abschnitten ist stets deutlich vorhanden.

Von dieser typischen Form aus geht die Variation nach zwei

entgegengesetzten Richtungen, entweder verschmälern sich die

Seitenzipfel und werden schmal-linealisch, — dann entsteht im

extremsten Falle eine Form, die man als Orch. hybrida Bönningh.

unterschieden hat, oder aber alle Abschnitte werden rundlich,

dann wird daraus die O. fusca var. rotundata Wirtgen, welche

auch als O. moravica Jacq., beschrieben ist. Die Farbe des

Labellums ist hell purpurrot mit dunkleren Flecken. Der Sporn

ist noch kürzer als bei O. militaris.

Die Pflanze deckt sich in ihrer Verbreitung- wesentlich mit

Orch. militaris und ist einst von Linn6 mit ihr zu einer Art zusammengeworfen

worden. Von einer Identität ist indessen keine

Rede, nicht einmal von Stammart und Varietät. Zu den Besonderheiten

dieser Art gehört auch der starke Geruch nach

Cumarin, den auch die Herbarexemplare noch lange bewahren.

Das Verbreitungsgebiet reicht etwas weiter südlich als das von

Orch. militaris, so ist u. A. die Pflanze von Korsika sicher nachgewiesen,

dagegen reicht sie nicht so weit östlich wie Orch.

militaris. — Blüht im Mai und Juni.

Über die Tätig-keit der Insekten wissen wir wenig. Darwin

erwähnt, daß O. fusca noch seltener Früchte ansetze als O. militaris.

Im Gegensatz dazu bildet Reichenbach in der Fl. Germ.

XIII, XIV t. 26 einen dicht gedrängten Fruchtstand, bei dem jede

Kapsel normal entwickelt ist,

ab.

Tafel 16. Gesamtbild in natürl. Größe und 3 Blüten, davon

1 in natürl. Größe, die beiden anderen vergrößert, 1 davon im

Längsschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

17. Orchis ustulata L.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 17 —

Orchis ustulata L.

Ustulatus angebrannt, verbrannt; wegen des schwärzlichen

Aussehens der Blüte

vor dem Aufblühen.

Knollen kurz oblong - oder kugelig, die jüngere meist etwas

gestielt. Die Blätter, 2— 4, stehen am Grunde des 15—30 cm

hohen Stengels, sie sind längiich lanzettlich, am Grunde scheidenförmig,

lebhaft grün und saftig, nach oben hin gehen sie in

Scheidenblätter über, welche fast bis zur Blütenähre reichen.

Die Ähre ist dicht gedrängt und vielblütig". Die Deckblätter

sind ziemlich groß und erreichen die Längte des stark gedrehten

Fruchtknotens. Die 3 äußeren Hüllblätter sind eiförmig oder

oblong, spitz oder stumpf und neigen zu einem ziemlich geschlossenen

Helm zusammen; die beiden seitlichen inneren Blätter

sind linealisch, stumpf oder ausg-erandet, sie schließen die Lücken

zwischen den 3 äußeren. Die 3 äußeren sind außen dunkel

purpurn, innen entweder ebenfalls purpurrot oder weißlich, die

inneren sind weiß oder weißlich. Das Labellum ist keilförmig

und dreiteilig, die beiden Seitenzipfel sind linealisch und vorn

abgestutzt oder gezähnelt, der Mittellappen wiederholt diese

Bildung - ,

nur daß die Spalte, welche ihn vorn teilt, nicht so tief

geht wie die Buchten der Seitenlappen, der Sporn ist kurz und

sackartig; die Farbe des Labellums ist weiß mit purpurroten

Pünktchen. Die Blüten sind die kleinsten der Gattung, trotzdem

aber sehr hübsch. Der Duft ist vanilleähnlich und sehr angenehm.

Eine auf Mitteleuropa beschränkte Art, welche weder sehr

weit nördlich vorkommt noch sehr weit südlich. Im Süden nur

auf Berg-höhen (bis zu 2000 m in den Alpen) wo der Charakter

der Wälder mehr an Mitteleuropa und das Waldgebiet als an

das Mediterrangebiet erinnert. Sie bevorzugt lichte Gehölze und

Weiden mit kalkigem Untergrund. — Blüht im Mai und Juni.

Die zur Übertragung des Pollens dienenden Teile sind dieselben

wie die anderer Orchis-Arten; es können für diese Art

natürlich nur sehr winzig'e Insekten in Betracht kommen.

Tafel 17. Gesamtbild in natürl. Größe, 3 Blüten, 2 davon

stärker vergrößert und 1 Pollenmasse mit Klebscheibe.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

x. Orchis tridentata Scop.


— 18 —

Orchis tridentata Scop.

Tridentatus, dreizähnig\ Wegen der meist 3 Zähnchen in

jedem Abschnitt

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

der Lippe.

Die Knollen sind oblong-, die jüngere ist bisweilen gestielt.

Der Stengel erreicht eine Höhe von 20 bis 40 cm, er ist ziemlich

dünn und oberwärts etwas kantig. Die Blätter sind lanzettlich

und zugespitzt; sie stehen zerstreut am unteren Ende des Schaftes

und gehen nach oben in Scheiden über, welche fast den Blütenstand

erreichen. Dieser ist ziemlich kurz und fast kopfähnlich,

wenigblütig im Vergleich mit andern Arten. Die Deckblätter

sind farbig und kürzer als der gedrehte Fruchtknoten. Die

3 äußeren Hüllblätter und die 2 seitlichen inneren bilden einen

nicht sehr fest g-eschlossenen Helm mit 3

etwas zurückgebog-enen

Spitzen, die äußeren Hüllblätter sind eilanzettlich und zugespitzt,

die beiden inneren linealisch, alle 5 sind hellrosarot mit dunkelrosa

Streifen. Das Labellum ist dreilappig, die beiden Seitenlappen

sind keilförmig und vorn gezähnelt, der mittlere gTÖßere

ist aus keilförmigem Grunde facherartig verbreitert und vorn

undeutlich zweiteilig, der ganze vordere Rand ist g-ezähnelt; der

Sporn ist ziemlich so lang wie der Fruchtknoten und das Labellum,

nach der Spitze zu etwas dicker und stumpf oder spitz. Die

Farbe des Labellums ist weiß mit zahlreichen purpurnen Punkten,

der Sporn ist hellrosa. Die Narbenhöhle ist nierenförmig. Die

Blüten sind meist etwas kleiner als auf der Tafel 16, welche ein

sehr üppiges Exemplar darstellt.

Die Pflanze ist einschließlich ihrer Subspezies über einen

großen Teil von Mittel- und Süd-Europa verbreitet und wächst

auch auf den Inseln des westlichen Mittelmeeres; rechnet man

nach Reichenbachs Vorschlag Orch. lactea Poir. ebenfalls mit

hierher, so erstreckt sich der Verbreitungsbezirk auch auf die

Balkanhalbinsel, Creta und die kleinasiatische Küste bis zur Krim.

— Blüht im Mai und Juni.

Die Veränderlichkeit im Bau ist ung'emein gToß. Die hier

abgebildete Form ist ziemlich genau das, was man sonst Orch.

commutata Todaro nennt, da Orch. tridentata „typica" kleinere

Blüten hat. Einen gestauchten Habitus, breitere Blätter mit

dunklen Fleckchen, aber regelrechte „tridentata" -Blüten hat die

var. lactea (Orch. lactea Poir.).

Tafel 18. Gesamtbild in natürl. Größe; außerdem 2 Blüten,

eine davon im Längsschnitt. — Beide vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

i:>. Orchis arlobosa 1.


— 19 —

Orchis globosa L.

Globosus, kugelig*; wegen des kugeligen Blütenstandes.

Knollen walzig- stumpf, ziemlich lang*, Stengel schlank,' kantig,

mit entfernt g-estellten Blättern.

Die größeren Blätter sind oblong

und kurz zugespitzt, die oberen länglich-lanzettlich oder schmallanzettlich,

das oberste viel kleinere lineal-lanzettlich, die Farbe ist

nieist matt blaugrün. Der Blütenstand ist eine kugelige, seltener

zylindrische Ähre mit dicht zusamm enggedrängten Blüten. Die Deckblätter

sind lanzettlich, grün, rot-gerandet und so langwie der Fruchtknoten.

Die 3 äußeren Hüllblätter sind eiförmig, lang zugespitzt

und an der Spitze spatelig- verbreitert, die inneren seitlichen

Hüllblätter ähnlich, aber etwas breiter und kürzer; alle 5 neigen

zusammen, aber zu wenig, um einen Helm zu bilden. Das Labellum

ist dreiteilig, die Seitenlappen sind rhombisch, der mittlere von

etwas keilförmigem Grunde aus läng] ich viereckig, vorn abgestutzt

und mit mittlerem Zahn, alle 3 sind am Vorderrande gezähnelt;

der Sporn ist kurz, kaum halb so lang wie der Fruchtknoten,

etwas g-ekrümmt und zugespitzt. Die Blütenfarbe ist bei den

Knospen ein ausgesprochenes Rosenrot, bei den geöffneten Blüten

ein etwas rötlich überlaufenes Weiß mit rötlichen Spitzen; das

Labellum ist rein weiß mit rosaroten Flecken. Die Narbenhöhle

ist herzförmig bis nierenförmig; die Stielchen der bei dieser Art

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

groß.

Durch Mittel-Europa zerstreut, aber nirgends häufig-, in den

Gebirgen bis 1600 m. In Norddeutschland sehr selten und dort

natürlich in der Ebene. — Mai bis Ende Juli.

Hierzu kann man als Varietät rechnen Orchis sphaerica

M. B., bei welcher das Labellum 3 spitze Zipfel hat, während

alle anderen Merkmale gut übereinstimmen.

Da bei dieser Art die Klebscheiben der beiden Pollenmassen

getrennt sind, so hat Reichenbach früher die Pflanze zum Typus

einer besonderen Gattung- erhoben und sie Traunsteinera globosa

genannt; als solche ist sie z. B. in Barla Flore de Nice abgebildet.

In der Flora Germanica ist sie jedoch wieder zu Orchis gestellt.

Tafel 19. Gesamtbild in natürl. Größe. 4 Blüten, von denen

getrennten Pollenmassen sind kräftig, die Haftscheiben ziemlich

die eine im Längsschnitt dargestellte stärker vergrößert ist, außerdem

(rechts) eine Pollenmasse.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

20. Orchis coriopliora L.


— 20 —

Orchis coriophora L.

Wanzen-Orchis. — Von Kopie; Wanze und cpepco trafen;

wegen des Duftes nach zerquetschten Blattwanzen, welcher den

Blüten eignen ist.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Die Knollen sind groß und fast kugelig. Der Stengel wird

meist bis zu 30 cm hoch und ist am Grunde dicht beblättert.

Die Blätter sind lanzettlich bis lineal-lanzettlich, sie nehmen rasch

an Größe ab und am Schaft sind sie zu lineal-lanzettlichen

Blättchen reduziert, weicht- in


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

21. Orchis mono L.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 21 —

Orchis Morio L.

Morio abgel. von u,a*pia Wahnsinn. — Gezwungene Übertragung"

eines von Plinius für eine ganz andere Pflanze gebrauchten

Namens. Die von Plinius erwähnte Pflanze sollte

Wahnsinn erzeugen.

Die Knollen sind kugelig und stehen dicht bei einander.

Der Stengel ist 15— 20 cm hoch, sehr selten höher und am

Grunde reichlich beblättert. Die Blätter sind länglich lanzettlich

und kurz zugespitzt, die oberen sind scheidenförmig und viel

kleiner als die grundständigen. Der Blütenstand besteht aus

ungefähr 8— 15 nickenden, ziemlich großen Blumen. Die Deckblätter

sind lanzettlich und etwas länger als die stark gekrümmten

Fruchtknoten, sie sind grünlich-purpurn gefärbt und

deutlich geädert. Die 5 Hüllblätter bilden zusammen einen gut

geschlossenen Helm, die 3 äußeren sind oblong und stumpf, die

seitlichen außen stumpfwinkelig, die beiden inneren seitlichen

zungenförmig und ebenfalls stumpf. Das sehr große und breite

Labelluni ist von keilförmigem Grunde aus dreilappig, die beiden

seitlichen Lappen sind vom mittleren wenig- abgesetzt, oblong

und vorn abgerundet, der mittlere ist wenig länger als die seitlichen

und mehr oder minder tief ausg-erandet; der Rand ist

meist etwas gekräuselt und gezähnelt. Der Sporn ist nahezu

so lang wie der Fruchtknoten, walzig oder sogar keulenförmig

ansteigend und stumpf an der Spitze. Die Blüte ist mehr oder

minder intensiv purpurrot mit grünen Streifen, oder reinweiß mit

grünen Streifen. Die Narbenhöhle ist fast quadratisch. Die

Blüten haben einen schwachen aber sehr angenehmen, etwas an

Veilchen erinnernden Duft.

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich durch ganz Europa.

Die Pflanze soll noch bei Archangelsk gefunden worden sein (65

n. Br.) und findet sich auch auf den 3 südlichen Halbinseln und

den großen Inseln des Mittelmeeres einschließlich von Cypern;

östlich ist sie bis zur Krim verbreitet. — Blüht im Mai.

Die Befruchtung dieser Art, ebenso die von Orch. mascula,

latifolia und maculata, wird, wie zahlreiche Beobachtungen dargetan

haben, von Hummeln besorgt, welche das saftige Gewebe

der Wandungen des honiglosen Spornes anritzen und den Saft

saugen. Die deutlieh beobachteten Verletzungen an den Spornwandungen

machen dies unzweifelhaft. — Die Knollen dieser


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 21 —

Art, sowie die von Orch. mascula liefern die Radix Salep der

Apotheken.

Tafel 20. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. 2 Blüten,

eine davon im Längsschnitt, links oben eine Pollenmasse, links

unten Querschnitt durch den Fruchtknoten, rechts unten Säule

von vorn, alles stark vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

22. Orchis mascula L.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 22 —

Orchis mascula L.

Musculus, männlich. — Der Name, dessen Beziehung- unklar

ist, wurde bereits von den Autoren zur Zeit der Renaissance

gebraucht.

Die Knollen sind länglich bis kugelig-, der bis 40 cm hohe

Stengel am Grunde dicht beblättert, die Blätter sind länglich

oder länglich lanzettlich und kurz zugespitzt; sie sind hellgrün

und meist, wie auch der Stengel, fein purpurrot punktiert, die

oberen Blätter sind auf Scheiden reduziert, lanzettlich und spitz.

Der Blütenstand ist eine ziemlich lange lockere Traube von

ungefähr 20 Blüten. Die Deckblätter sind blaßrot, lanzettlich,

und etwa halb so lang - wie der grünrote g-edrehte Fruchtknoten.

Die 3 äußeren Hüllblätter sind eiförmig - und spitz, die äußeren

etwas schief und seitlich zurückgeschlagen, das mittlere bildet

mit den beiden inneren lanzettlichen Hüllblättern den Helm,

alle sind purpurrot mit dunkleren Streifen. Das Labellum ist in

der Reg-el deutlich dreilappig, seltener ungeteilt oder undeutlich

geteilt. Die beiden Seitenlappen sind abgerundet, oblong oder

umgekehrt eiförmig, der mittlere ist kurz und mehr oder minder

zweilappig, der ganze Rand ist gekräuselt oder gezähnelt, der

Sporn ist walzig, etwas geschweift und aufwärts gewendet, nach

der Spitze zu ist er oft keulenförmig angeschwollen und stumpf.

Die Farbe des Labellums ist meist purpurrot mit weißem oder

weißgrünem Zentrum mit purpurroten Fleckchen und feinen

Härchen. Die Säule ist purpurrot und genau die der anderen

Orchis-Arten. Die Blüten duften etwas nach Flieder.

Die Pflanze ist durch ganz Europa von Skandinavien bis

zum äußersten Süden verbreitet und stellenweis auf Waldwiesen

häufig, sie kommt auch auf Sardinien und Korsika vor, aber

nicht auf Sizilien, Creta und Cypern, dageg-en in Kleinasien und

den Kaukasusländern, sowie in Persien. — Blüht von Ende April

bis

zum Juni.

Die Befruchtung geschieht durch Hummeln und zwar ziemlich

reichlich. Die Variation erstreckt sich bei dieser Art, wie

bei den meisten Orchis-Arten, auf die Spitzen der Perigonblätter,

welche spitz oder stumpf sein können und auf den Umriß

der Lippe, welche alle Formen von absolut ganzrandig bis tief

dreiteilig

durchlaufen können.

Tafel 22. Gesamtbild der Pflanze und rechts daneben die

Knollen in natürl. Größe, rechts oben eine vergrößerte, links


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 22 —

unten eine noch stärker vergrößerte Blüte im Längsschnitt, links

eine Pollenmasse, rechts oben ein Fruchtknoten im Querschnitt.

— Alles verg-rößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

23. Orcliis pallens L


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

- 23 —

Orchis pallens L.

Pallens, bleich; wegen des Gegensatzes der blaßg*elben

Blumen zu den purpurroten Blüten der anderen Orchis-Arten.

Die Knollen sind oblong" und einander sehr genähert und

sitzen ziemlich tief in der Erde, der Stengelteil zwischen ihnen

und den Blättern ist daher meist ziemlich lang. Die Blätter

sind länglich-lanzettlich, hellgrün und saftig, spitz oder abgerundet,

sie hören plötzlich auf ohne eigentlichen Übergang

zu Steng'elscheiden, von denen sich höchstens l tief unten

stellende findet. Der Blütenstand ist eine lockere Ähre von

ungefähr 12 — 20 Blüten. Die Deckblätter sind lanzettlich und

ungefähr so lang wie der nahezu horizontale oder doch nur

wenig ansteigende Fruchtknoten. Die äußeren Hüllblätter sind

oblong und stumpf, die seitlichen sind flügelähnlich zur Seite

gedreht, das mittlere bildet mit den beiden schmal-oblongen

oder zungenförmig-en seitlichen inneren den Helm, die seitlichen

äußeren wie inneren Blätter sind stark unsymmetrisch. Das

Labellum ist sehr breit, quer-oblong und oft nahezu ungeteilt

oder mehr oder minder tief dreilappig-; die Seitenlappen sind

dann rundlich oder undeutlich dreieckig, der Mittellappen ist

halb quadratisch, mit abgerundeten Ecken, oft vorn mit einer

wenig hervortretenden dreieckigen Spitze, das ganze Labellum

am Rande gewellt oder ganz leicht ausgebuchtet; die Oberfläche

ist schwach sammtig und trägt an der Basis ein paar winzig-e

Plättchen, welche aus den Fortsetzungen der Ränder, der Säule

bestehen. Der Sporn ist walzig, schräg- aufwärts ansteigend und

an der Spitze stumpf. Die ganze Blüte ist gleichmäßig hellblaßgelb

mit Ausnahme desLabellums, dessen Oberfläche ein etwas

intensiveres Zitroneng-elb zeigt, selten sind die Blüten ganz weiß.

Der Geruch wird sehr verschieden geschildert, einige Autoren

vergleichen ihn mit Flieder, andere mit den Exkrementen von

Katzen, andere wieder behaupten, die Blüten hätten gar keinen

charakteristischen Geruch (Reichenbach, f.).

Die Pflanze gehört dem Kontinent Europas nordwärts der

Alpen und den Alpenländern in ihrer ganzen Ausdehnung an;

außerhalb dieser Zone ist sie selten. Sie bewohnt lichte Gebüsche

auf Kalkboden und blüht sehr früh im Jahre, früher

selbst als Orch. Morio.

Tafel 23. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe und

2 Blüten, eine davon im Längsschnitt; beide vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

24. Orchis Laxiilora Lam.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 24 —

Orchis laxiflora Lam.

Laxiflorus, sc hl äffblutig-. Der Name ist nicht sehr charakteristisch,

da die Blütenstände nicht schlaffer sind als sonst bei

verschiedenen Orchis-Arten.

Die Knollen sind eiförmig bis kug'elig und ziemlich klein

für die hohe schlanke Pflanze. Die Blätter stehen gedrängt am

unteren Ende des Stengels, sie sind lineal-lanzettlich, lang - zugespitzt

und gehen in Scheiden über. Der Blütenstand ist eine

lange Ähre mit ungefähr 12 — 15 ziemlich entfernt gestellten

Blüten. Die Deckblätter sind lineal-lanzettlich und ungefähr so

lang wie der oben stark gekrümmte Fruchtknoten. Das mittlere

äußere und die seitlichen inneren Hüllblätter sind alle 3 oblong,

stumpf und neigten zusammen, die inneren

sind wesentlich kleiner,

ein eig-entlicher geschlossener Helm kommt nicht zu stände, die

beiden seitlichen äußeren Hüllblätter sind oblong", spitz, unsymmetrisch

und stehen flügelartig ab. Das Labellum ist aus keilförmigem

Grunde fächerartig verbreitet, mit großen fast quadratischen,

am Rande stumpf gezähnelten Seitenlappen und einem

mehr oder weniger entwickelten stumpf dreieckigen Mittellappen

in der tiefen Bucht zwischen den beiden seitlichen. Der Sporn

ist g-erade oder etwas ansteigend, an der Spitze etwas verdickt

und oft etwas ausgerandet, er ist länger als das Labellum und

mehr als halb so lang" wie der Fruchtknoten. Die Säule ist ziemlich

hoch, das Rostellum ragt ziemlich weit über die Mündung

zum Sporn hinüber, welches dadurch in 2 Eingänge geteilt wird.

Die Farbe der Blüten

Labellums und der Sporn sind

ist ein gesättigtes Purpurrot, die Basis des

heller.

Die Pflanze ist von Norddeutschland an nach Süden und

Westen über ganz Südeuropa und alle 3 südeuropäischen Halbinseln

verbreitet, sie findet sich auch auf den großen Inseln des

Mittelmeeres; sie bewohnt Sumpfwiesen, deren große Zierde sie

ist. Von einigen Autoren wird sie mit der folgenden zu einer

Art zusammengezogen unter Beibehaltung des Namens Orchis

laxiflora Lam., da dieser der ältere ist. — Sie blüht im Mai

und Juni.

Tafel 24. Gesamtbild in natürlicher Größe. 1 Blüte von

vorn gesehen und eine im Längsschnitt; beide vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

25. Orchis palustris Jaeq.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 25 —

Orchis palustris Jacq.

Palustris,

sumpfbewohnend.

Im ganzen Aufbau der vorigen Art sehr ähnlich, aber meist

mit mehr zusammengezogenem Blütenstand, steiler ansteigenden,

an der Spitze weniger gekrümmten Fruchtknoten. Die 5 oberen

Hüllblätter sind ebenso gestellt und ähnlich geformt, aber in der

Regel an den Spitzen bedeutend stumpfer. Der Hauptunterschied

liegt im Labellum, an welchem der mittlere Lappen stets

entwickelt und niemals dreieckig, sondern halb quadratisch oder

an der Vorderseite sogar etwas ausgerandet ist; ferner ist der

Sporn nicht horizontal oder ansteigend wie bei Orch. laxiflora,

sondern mehr oder minder absteigend und kürzer. Die Blüten

sind purpurrot und vielleicht eher noch eine Nuance dunkler als

die von Orch. laxiflora. Die Unterschiede zwischen beiden Arten

sind nicht sehr zahlreich und haben vor allen Dingen den Übelstand,

daß sie bei Herbarexemplaren schlecht zu erkennen sind,

sie sind jedoch so gut fixiert, daß es besser ist, beide Arten getrennt

zu halten.

Die Verbreitung- und der Standort dieser Art ist

wie bei der

vorigen, nur reicht das Verbreitungsgebiet noch weiter nach

Osten,

denn sie ist auf Cypern und in Syrien sicher nachgewiesen,

sogar bei Persepolis (Dr. Kotschy in Fl. v. Cypern). — Sie blüht

in Deutschland von Mai bis Anfang- Juli.

Tafel 25. Gesamtbild der Pflanze in natürlicher Größe und

eine vergrößerte Blüte im Läng-sschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

26. Orchis sambucina L.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 26 —

Orchis sambucina L.

Sambucus, Flieder; wegen des Fliederduftes der Blüten.

Die Knollen sind meist in 2 Hälften geteilt, seltener einfach,

der Stengel ist röhrenförmig", ungefähr 20— 25 cm hoch

und am Grunde beblättert. Die Blätter umfassen den Stengel

scheidenartig-, sie sind im ganzen länglich-lanzettlich und kurz

zugespitzt, sie beginnen mit verhältnismäßig schmaler Basis, verbreitern

sich sehr stark in

der Mitte und nehmen gegen die Spitze

hin rasch ab, die oberen Blätter sind direkt lanzettlich, das oberste

ähnelt bereits den Deckblättern. Die Ähre ist meist nicht gerade

vielblütig, aber ziemlich dicht; die Deckblätter sind lanzettlich

und lang zugespitzt, sie sind bei den hellblühenden Exemplaren

laubblattähnlich,

bei den purpurrotblühenden ebenfalls grün, aber

rot überlaufen, die unteren überragen die ihnen zugehörigen

Blüten oft um das doppelte, die oberen kommen den Blüten

gleich.

Das mittlere äußere Hüllblatt ist oblong, ebenso die beiden

seitlichen inneren, welche wesentlich kleiner sind und mit jenem

zusammen den Helm bilden, die beiden seitlichen äußeren Hüllblätter

sind eiförmig-länglich und bilden die Flügel des Helmes,

alle 5 sind am Rande mehr oder weniger stumpf gezähnelt und

an der Spitze abgerundet. Das Labellum ist entweder ungeteilt

und dann meist quer-oblong oder es ist undeutlich dreilappig,

mit großen Seitenlappen und schwach entwickeltem dreieckigen

stumpfen Mittellappen. Der Sporn ist aus kegelförmigem Grunde

walzig, stumpf, etwas gekrümmt und annähernd so lang wie der

Fruchtknoten. Die Säule ist stumpf, die Staminodien sehr deutlich.

— Die Farbe der Blüten ist entweder schwefelgelb mit

intensiv gelbem Labellum oder purpurrot mit gelblicher Basis

des Labellums, gelegentlich sollen schneeweiße oder richtiger

farblose Blüten vorkommen. Der Duft der Blüten wird von den

meisten Autoren mit dem des Flieders (Sambucus nigra) verglichen.

Die Pflanze ist in Mittel-Europa verhältnismäßig häufiger als

im Norden undden; sie fehlt in England und (mit Ausnahme

von ein paar Stellen) in den Ebenen Nord-Deutschlands, sie ist

häufiger in den Mittelgebirgen und wächst besonders auf Bergwiesen

mit kalkigem Untergrund. In Italien kommt sie höher in den Bergen

vor und findet sich auch auf Korsika und Sizilien, ist aber bisher

nicht in Sardinien gefunden. In Frankreich und Spanien kommt sie


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 26 —

nur vereinzelt, vor, ostwärts der Adria fehlt sie gfanz. — Blüht

im Mai.

Tafel 26. Die weißblühende Form in 2, die rotblühende in

1 Exemplar. 1 Blüte in natürlicher Größe und eine im Läng-sschnitt

vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

•21. Orchis Latifolia L.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 27 —

Orchis latifolia L.

Die Knollen sind handförmig geteilt und etwas flachgedrückt.

Der Stengel, dessen Höhe bisweilen 50 cm erreichen kann, ist am

Grunde mit weißlichen Niederblättern besetzt, welche bald in die

oblongen, nieist kurz zugespitzten, dunkelgrünen, schwarzbraun

gefleckten Blätter übergehen. Diese werden nach oben hin

kleiner, aber nicht eigentlich deckblattähnlich; der Stengel ist

oberwärts kantig- und bis weit hinauf hohl. Der Blutenstand

ist eine ziemlich dichte mehrblütig-e oder oft vielblütige Ähre.

Die Deckblätter sind ei-lanzettlich und etwa von der Länge der

Blüten, krautartig- mit rötlichem Anflug- oder rötlichem Rande

und Mittel nerv. Die 3 äußeren Perigonblätter sind oblong, am

Grunde etwas verschmälert, lang oder kurz zugespitzt, die seitlichen

stehen ab oder sind zurückg-eschlag-en, das mittlere bildet

mit den beiden seitlichen, inneren, kleineren aber sonst ähnlich

geformten den Helm. Das Labellum ist von keilförmig-em Grunde

aus ausgebreitet dreilappig-, die Seitenlappen sind im allgemeinen

rhombisch, der mittlere dreieckig-, alle mit abg-erundeten Ecken,

der Rand stumpf gezähnelt oder gebuchtet. Der Sporn ist aus

trichterförmigem Grunde allmählich kegelförmig zugespitzt, stumpf

und wenig- g-ebogen, er ist stets läng'er als das Labellum und so

lang wie der Fruchtknoten. Die Farbe ist purpurrot in den verschiedensten

Abstufungen, der Grund der Lippe und die Spornmündung-

sind stets etwas heller als die Grundfarbe und dann

mit Punkten, Fleckchen oder Linien in

dunklerer Färbung geziert.

Die Pollenmassen sitzen an einem Stielchen, die Narbe ist annähernd

quadratisch, das Rostellum springt ziemlich weit über die Spornmündung

vor.

Die Pflanze ist durch das ganze Waldgebiet des östlichen

Kontinentes von Irland bis zum Amur und südwärts bis in den

Himalaya verbreitet, desgleichen findet sie sich auf geeigneten

Plätzen, d. h. feuchten Wiesen im ganzen Mediterrangebiet.

Rechnet man auch Orch. foliosa Sol. hierher, was mir unabweisbar

erscheint, so tritt noch Algier und die Insel Madeira hinzu,

dagegen fehlt sie auf den großen Inseln des Mittelmeeres. —

Blüht im Mai und Juni.

Die Variabilität der Pflanze und ihre Fähigkeit, Bastarde

zu bilden sind außerordentlich groß. Es ist ein Studium für sich,

diese zahllosen durch Überg-änge verbundenen Formen in etwas

wie ein System zu bringen, in welchem eben jede Unterabteilung-


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 27 —

wiederum durch Ausnahmen und abweichende Formen in

Frage

gestellt wird und vor allen Dingen durch Übergänge in Orch.

incarnata L. und Annäherung an Orch. sambucina L. Es ist von

verschiedenen Botanikern versucht, diese Proteus-Formen in die

Fesseln von Subspezies zu legen und ihre von Exemplar zu

Exemplar fluktuierenden Merkmale durch Beschreibungen festzunageln.

Wie weit bei diesen zahllosen Variationen Bastardbildungen,

wieweit eine schrankenlose Fähigkeit, zu variieren,

mitspricht, das ist nur durch Kulturversuche festzustellen. Die

Schwierigkeiten, welche diese darbieten, sind jedoch außergewöhnlich

große und bei dem langsamen Wachstum der Orchideen

würde ein Menschenleben gewöhnlicher Dauer nicht ausreichen,

sie zum Abschluß zu bringen.

Tafel 27. Gesamtbild in natürl. Größe, oben Querschnitt

des Fruchtknotens, links Kapsel, darunter Säule mit Pollenmassen;

rechts eine Pollenmasse und darunter ein Samen.

Alles

vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

•28. Orchis incarnata L.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 28 —

Orchis incarnata L.

[ncarnatus, fleischfarbig; nach der am häufigsten vorkommenden

Farbe der I>lüten.

Die Knollen sind tief bandförmig geteilt und endigen in

sehr lange und dünne Fasern. Der Stengel ist reichlich beblättert,

röhrenförmig mit dünneren Wandungen als der von Orch. maculata.

Die Blätter sind laue- lanzettlich oder lineal-lanzettlich, sehr lang

zugespitzt und an der Spitze kappenförmig zusammengezogen,

die oberen sind natürlich kleiner, reichen aber mit ihren Spitzen

an oder sogar über den Blutenstand, sie sind heller als bei Orch.

latifolia und stets ungefleckt. Der Blütenstand ist eine dichte

Ähre. Die Deckblätter sind lanzettlich, lang - zugespitzt, länger

als die Blüten, krautartig mit nur sehr geringem oder meist ohne

rötlichen Anflug. Die beiden äußeren seitlichen Hüllblätter sind

eiförmig" aber unsymmetrisch und etwas geschweift, sie stehen

nach eben und sind weniger abg-espreizt als die bei Orch. latifolia,

das mittlere äußere und die beiden seitlichen inneren Hüllblätter

sind oblong, alle 3 bilden den Helm, am Rande sind alle 5 bisweilen

etwas fein gekerbt. Das Labellum ist breit, meist kreisförmig"

und ganz und gar ungeteilt, nur gelegentlich mit einer

schwachen Andeutung einer Dreiteilung und eines mittleren

Lappen, der Sporn ist weit, etwas gekrümmt, stumpf und stets

mehr als halb bis dreiviertel so lang" wie der Fruchtknoten. Die

Färbung" der Blüte ist bei typischen Exemplaren ein blasses

Rosenrot als Grundfarbe. Das Labellum hat zahlreiche in den

verschiedensten Mustern angeordnete rote Flecke, welche meist

nahe der Peripherie und in 1 oder 2 Mittellinien des Labellums

verlaufen. Sehr selten sind reinweiße Exemplare, eine sehr

distinkte Form ist dagegen die strohgelbe sog. var. ochroleuca

Wüstenei *), diese zeichnet sich auch durch äußerst robusten

Wuchs und eine bei der typischen Form fast nie vorkommende

Höhe aus.

Diese Art gehört mehr den nördlichen Gebieten an und

wächst auf schwammigen Toriwiesen auf noch nasseren Standorten

als Orch. latifolia. Sie erstreckt sich von England, wo sie

selten ist,

ostwärts bis Japan und kommt in einer charakteristischen

Varietät auch im Altai vor, in einer andern in Algier. — Blüht

im Juni stets später als die vorhergehende Art.

gemacht hat.

*) Wüstenei ist der Name des Botanikers, welcher die Pflanze zuerst bekannt


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 28 —

Auch bei dieser Art g'eht die Mengte der Varietäten in das

unendliche, so daß diese Art zusammen mit der vorigen zu den

schwierigsten Gruppen der Orchideen gehören. Die Fähigkeit,

mit anderen Arten und Formen der eigenen Übergangsbastarde

zu bilden, ist unbegrenzt.

Tafel 28. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; rechts

eine stark verg-rößerte Blüte im Längsschnitt, links eine schwächer

vergrößerte.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

21». Orchis maculata Huris.


— 29 —

Orchis maculata L.

Maculatus, gefleckt; wegen der sehr großen und dunklem

Flecken der Blätter.

Die Knollen sind bandförmig- g-eteilt

mit sehr langen Fasern

und von zahlreichen dünnen Wurzeln umgeben. Der Stengel

ist schlank, nicht selten 45 cm hoch und mit ziemlich entfernt

stehenden Blättern besetzt. Diese sind an ihrem unteren Ende

scheidenförmig, von ihrer Ansatzstelle her verbreitert und oft

nahezu umgekehrt eiförmig, stumpf oder kurz zugespitzt und mit

zahlreichen tief schwarzbraunen Flecken oder Bändern oft über

mehr als die Hälfte bedeckt; nach oben hin werden sie viel

kleiner, gehen aber nicht in Deckblätter über. Der Steng-el ist

nicht hohl und oberwärts ziemlich dünn. Der Blütenstand ist

zuerst kegelförmig, später bildet er eine ziemlich gedrängte vielblütige

Ähre, bisweilen kopfähnlich, meist zylindrisch.

Die Deckblätter

sind annähernd so lang wie die Blüten, eiförmig-lanzettlich

und stets krautig. Die beiden äußeren seitlichen Blütenhüllblätter

sind oblong, mehr oder weniger unsymmetrisch und hochstehend,

das mittlere und die inneren seitlichen sind oblong und etwas

kleiner, alle 5 sind blaßlila, die äußeren außerdem oft mit violetten

Punkten geziert. Das Labellum ist meist vom Grunde aus stark

auseinander g-espreizt, oft breiter als lang-, mit großen breit

oblong-en oder quadratischen Seitenlappen und dreieckigem

kleineren Mittellappen. Der Sporn ist stumpf kegelförmig, etwas

gebogen, halb so lang etwa wie der Fruchtknoten und ebenso

lang als das Labellum. Die Färbung- der Lippe ist die der

anderen Blütenteile,

nur etwas intensiver.

Weit verbreitet in Wäldern und auf Waldwiesen des ganzen

östlichen Waldgebietes bis zum Altai und durch Sibirien bis zum

Amur. Vom mittleren Skandinavien bis Italien, wo sie indessen

nur auf den Bergen vorkommt; auf Corsica und Sizilien, aber

bisher nicht auf Sardinien gefunden. In Spanien nur im Norden.

Rechnet man hierher Orch. saccig-era Brong-n., so kommen noch

die Standorte auf der Balkanhalbinsel hinzu. Dagegen findet

sich die Pflanze nicht mehr in Algier und nicht in Syrien und

auf Cypern, auch nicht in Klein- Asien. — Blüht im Juni bis

Anfang- Juli.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Eine sehr variable und sehr zu Kreuzungen geneigte Art.

Orch. saccig-era Brongn., welche von Orch. maculata kaum zu

trennen ist, hat ungefleckte Blätter, äußerst üppige Formen und


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 29 —

ein stark zu Dreiteilung- neig-endes Labellum, im übrig-en jedoch

alle Merkmale der typischen Orch. maculata.

Tafel 29. Gesamtbild in natürl. Größe; links eine Pollenmasse

und Querschnitt durch den Fruchtknoten, rechts eine vergrößerte

Blüte im Längsschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

30. Orchis Spitzelii Sauter


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 30 —

Orchis Spitz elii

Sauter.

Die Knollen sind oblong, beinahe walzig und völlig ungeteilt.

Der Stengel wird ungefähr 25 cm hoch und ist am

Grunde beblättert. Die 3 bis 4 ungefleckten Blätter sind oblong

oder elliptisch und vorn abgerundet oder ganz kurz zugespitzt,

das oberste Blatt ist zu einer spitzen Scheide am unteren Ende

des sonst blattlosen Schaftes reduziert. Die Ähre ist meist 10-

bis 12-blütig und ziemlich locker. Die Deckblätter sind lanzettlich,

so lang- wie der Fruchtknoten, zugespitzt, krautig aber mit

rötlichem Anflug. Die 3 äußeren Hüllblätter sind oblong, ziemlich

stumpf, die seitlichen etwas unsymmetrisch und flügelartigabstehend,

die beiden seitlichen inneren sind zungenförmig und

stumpf, sie bilden mit dem mittleren der 3 äußeren Blätter den

Helm, die Farbe aller 5 ist tief dunkelpurpurrot mit grünem

Anflug an der Basis, besonders der äußeren Hüllblätter, welche

auch bisweilen grün gesprenkelt sein können. Das Labellum

beginnt mit kurz-keilförmig-em Grunde, die Seitenlappen sind

annähernd rhombisch oder verkehrt eiförmig mit stumpfer Spitze,

der mittlere Teil breit viereckig oder trapezförmig, vorn mehr

oder weniger ausgerandet und am ganzen Rande feingekerbt.

Der Sporn ist kürzer als das Labellum, weit zylindrisch, fast

sackartig-, stumpf und herabhängend. Die Farbe ist dunkelpurpurn

mit hellerer Basis und dunkleren Streifen.

Die Pflanze findet sich stellenweis im südlichen Tirol, und

sonst in den Kalkalpen, innerhalb Deutschlands nur in Württemberg

bei Nagold. — Blüht im Juni.

oben eine

Tafel 30. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; rechts

vergrößerte Blüte.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

31. Anacamptis pyramidalis Ricl


— 31 —

Anacamptis pyramidalis Rieh.

Von dcvaKCcjutTUU, umbiegen, weg'en der an der Spitze nach

hinten gebogenen seitlichen Hüllblätter — pyramidalis, pyramidenförmig

wegen der Form des Blutenstandes.

Die Gattung Anacamptis ähnelt Orchis in allen Hauptmerkmalen,

unterscheidet sich aber durch die beiden Plättchen

auf der Basis der Lippe und den langen fadenförmigen Sporn,

welcher Honig absondert und somit als echtes Nectarium anzusehen

ist.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Die Knollen sind rundlich eiförmig-, einfach, d. h. niemals

geteilt, die Wurzeln sind nicht sehr zahlreich und ziemlich

dick. Der Steng'el wird 25—35 cm hoch und ist nur an der

Basis beblättert. Die beiden unteren Blätter sind oblong oder

länglich, seltener lanzettlich, dann folgt ein lanzettliches, viel

schmaleres und dann 3—4 lineale Steng-elblätter, deren oberstes

fast völlig deckblattähnlich ist. Der Blütenstand ist kug'elig oder

eiförmig', d^r Ausdruck „pyramidalis" trifft, streng wörtlich genommen,

selten zu. Das obere (äußere) Perigonblatt bildet mit

den beiden seitlichen inneren (den Petalen) eine Art Helm, ganz

ähnlich wie dies bei den meisten Orchis-Arten vorkommt. Die

seitlichen äußeren Hüllblätter divergieren dagegen fast rechtwinklig,

alle 5 sind im Umriß annähernd eiförmig', und vorn

stumpf. Die Lippe ist im Totalumriß breit eiförmig mit 3 Abschnitten

oder Lappen, w r elche alle 3 nach vorn g'erichtet sind,

die seitlichen sind kürzer und entweder rhombisch wie auf unserer

Tafel oder dreieckig', der mittlere ist stets dreieckig und etwa

um ein Drittel länger. Oben auf dem Labellum, kurz vor der

Basis desselben, stehen die beiden oblongen Plättchen, auf denen

die Trennung der Gattung von Orchis beruht. Der Sporn ist

doppelt so lang wie der als Blütenstiel dienende stark gedrehte

Fruchtknoten, er ist sehr dünn und bis hoch hinauf mit Honiggefüllt.

Die Säule ist mäßig hoch, der Pollen grün, die Stielchen

des Pollens ziemlich kräftig. Die Klebdrüse hat eine sehr

charakteristische Sattelform, welche die Verwechslung mit denen

der Orchisarten ausschließt. Die Blütenfarbe variiert von blaßrosa

bis gesättigt purpurrot.

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südlichen England

durch Norddeutschland, wo jetzt nur vereinzelte Standorte

noch sicher sind, bis etwa Mecklenburg; mehr nach Süden hin

wird die Pflanze häufig'er und erstreckt sich durch das ganze


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 31 —

südliche Gebiet aber mit ausschließlicher Bevorzugung des Kalkbodens

bis Nord-Afrika und östlich bis Syrien, ferner findet sie

sich auf allen größeren Inseln des Mittelmeeres, einschließlich

der Insel Cypern. — Blüht von Mai bis Juli.

Die Pflanze ist durchaus auf Schmetterlingsbesuch eing-erichtet.

Die beiden Plättchen auf dem Labellum dienen als

Führung" für den Rüssel, und der nicht wie bei Orchis fingierte,

sondern wirklich vorhandene Honig dient als wirksames Lockmittel.

Wie gierig - gewisse Schmetterlinge nach dem Honigdieser

Art sind, beweisen die beiden von Charl. Darwin erwähnten

Fälle, wo ein Exemplar von Acontia luctuosa 7 und eins von

Caradrina blanda gar 1 1 Klebscheiben von Anacamptis auf dem

(wegen der Belastung nicht mehr einrollbaren) Rüssel sitzen hatte.

Nicht weniger als 2$ Spezies von Schmetterlingen zählt Darwin

auf, welche nur in Süd-Eng-land als Besucher dieser Art sicher

nachgewiesen sind.

Der Betrag an Variabilität ist bei dieser Art nicht sehr

groß, auch ist nur ein einziges Mal eine Bastardform (mit

Gymnadenia conopsea) beobachtet worden. Die von H. G. Reichenbach

als variet. „brachystachys" von der Hauptart unterschiedene

Form verdient keinenfalls den Rangeiner

Varietät; es ist eine

kümmerliche, wenig" konstante Form.

Über die Beibehaltung der Gattung" Anacamptis wäre kurz

zu sagen, daß sie sich empfiehlt und zwar auf Grund der Lamellen

oder Plättchen an der Basis der Lippe. Dies Merkmal

trennt die Pflanze endg-ültig- von Orchis, wohin andere Autoren

sie gestellt haben. Ebenso verbietet der lange Sporn, sie mit

Aceras, wohin Reichenbach f. sie gestellt hat, zu vereinigen.

Tafel 31. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; 3 Blüten

stark vergrößert,

eine davon im Längsschnitt, rechts oben Pollenmasse,

rechts unten die Säule von vorn, beides noch stärker

vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

!2. Gymnadenia eonopsea Li. Br


— 32 —

Gymnadenia R. Br.

Nacktdrüse. Abgeleitet von yuu.vöc;, nackt und &oY]v, Drüse.

Die Klebscheiben der Pollinien liegen bei dieser Gattung nicht

in einer Tasche (bursicula), sondern frei auf beiden Seiten des

Rostellums.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Das in der Namenerklärung erwähnte Merkmal ist dasjenige,

wodurch sich diese Gattung vonOrchis unterscheidet; im übrigen

gleichen die hierher gehörigen Pflanzen etwas schlank geratenen

Orchis-Arten. Die Blüten sind wie bei Orchis durch Drehung

des Fruchtknotens resupiniert.

Gymnadenia conopsea R.

Br.

Abgeleitet von kcuvco^/, Mücke. Wie Ascherson bemerkt,

würde das Wort richtiger conopea zu lauten haben.

Die Knollen sind handförmig geteilt mit dünnen Fasern,

der Stengel ist 25 — 50 cm hoch (var. densiflora), die Blätter stehen

hauptsächlich am Grunde des Steng-els und sind lineal-lanzettlich

bis linealisch und zugespitzt, am oberen Teil stehen dann noch

ein paar winzige deckblattähnlich werdende Blättchen. Der

Blütenstand ist eine lange zylindrische dicht- und vielblütig'e

Ähre.

Die Deckblätter sind lanzettlich, so lang oder etwas länger

als der meist rötliche Fruchtknoten. Die 3 äußeren Hüllblätter

sind oblong und stumpf,

die seitlichen stehen nahezu rechtwinklig

ab, das mittlere bildet mit den beiden seitlichen inneren, welche

kleiner und spitzer sind, ein Helmdach über der Säule. Das

Labellum ist am Grunde keilförmig-, dann dreilappig' mit sehr

wechselnden Formen der einzelnen Lappen, die seitlichen sind

halbkreisförmig oder rhombisch, der mittlere meist dreieckig oder

ebenfalls halbkreisförmig, der Rand ist schwach geZähnelt oder

glatt; der Sporn ist bei typischen Exemplaren oft mehr als

doppelt so lang als der Fruchtknoten und sehr dünn, er ist zum

großen Teil mit Honig gefüllt. Die Säule ist niedrig- und stumpf.

Die Antherenfächer stehen parallel, die Stiele der Pollenmassen

sind kurz, die Klebscheiben aber fast so lang wie die ganzen

Pollenmassen samt Stielchen, und diese sind nicht in der Mitte

sondern dem vorderen Ende der Scheibe eing'efügt, die Narbenhöhle

ist nierenförmig-.

Die Blüten sind purpurrot in verschiedenen


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 32 —

Abstufungen oder rein weiß, ihr Duft ist in unmittelbarer Nähe

nicht angenehm, wohl aber aus einiger Entfernung".

Von den Varietäten wäre nur eine einzige zu nennen, obwohl

sie ebenso wenig" konstant ist, wie alle anderen, nämlich

die „var. densiflora". Sie hat einen robusten Wuchs, kürzere

Sporne, und wie der Name besagt, eine dichtgedrängte Blütenähre.

Es ist bei weitem mehr eine gefällig'e Form als eine

durch Merkmale charakterisierte Varietät.

Auf Wiesen, besonders der Bergregion von den britischen

Inseln an durch g"anz Europa und Sibirien, südlich bis Sizilien,

aber nicht auf den übrigen Inseln des Mittelmeeres. Im Süden

nur auf den Bergwiesen, im Norden auch im Flachlande. —

Blüht von Mai bis

Juli.

Die Bestäubung erfolg't ziemlich regelmäßig" durch kleine

Schmetterlinge, welche den Honig aus dem Sporn saug-en und

dabei entweder an die g-roßen Klebscheiben stoßen oder, falls

die Pollenmassen schon entfernt sind, rechts und links am

Rostellum vorbei die ihnen von anderen Blüten her anhaftenden

Pollenmassen auf die eine oder andere Hälfte der tief nierenförmigen

(also zweiteiligen) Narbenfläche plazieren.

Tafel 32. Gesamtbild der Pflanze in natürlicher Größe;

3 Blüten, 1 davon (rechts oben) im Längsschnitt, darunter die

Säule von vorn, rechts oben Pollenmasse; alles stark vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

33. Gymnadenia odoratissima Rieh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Odoratissimus,

— 33 —

Gymnadenia odoratissima Rieh.

sehr duftend.

Im ganzen Aufbau eine schlanker und feiner ausg-eführte

Form der vorigen. Knollen, Steng-el und Blätter, Blutenstand

und Deckblätter auf mög-lichst lineare -Verhältnisse verjüngt. Der

Unterschied liegt, von den überall viel g-ering-eren Größen Verhältnissen

abgesehen, im Labellum samt Sporn, in der Farbe und

— was bei Herbarexemplaren allerdings ausscheidet — im Duft.

Das Labellum ist dreilappig, die Seitenlappen dreieckig oder halb

verkehrt eiförmig mit stumpfen Außenecken, der Mittellappen

ebenso ein stumpfes Dreieck oder eine abgerundete stumpfe

Eiform bildend. Der Sporn ist viel kürzer als bei Gymn. conopsea,

da er nur wenig länger oder bisweilen ebenso lang als der

Fruchtknoten ist; er ist ziemlich hoch hinauf mit Honig gefüllt.

Die 5 anderen Hüllblätter unterscheiden sich von der Größe abgesehen

kaum von denen der vorigen Art, sie sind rosarot ohne

•irgend welche Zeichnung. Das Labellum ist weißlich und blaß

rosa überhaucht oder reinweiß. Die Klebscheiben sind kürzer

und mehr rundlich als bei Gymn. conopsea, die Narbenhöhle

ist herzförmig und über jeder Hälfte steht je eine Klebscheibe.

Das Verbreitungsgebiet ist ein ziemlich schmaler Streifen,

welcher sich an die Kette der mitteleuropäischen

Gebirge hält mit

geringer nord-südlicher Ausdehnung und keiner allzu weiten nach

Westen und Osten. Die Pflanze fehlt in England und findet sich

sehr vereinzelt nördlich und südlich ihres Verbreitungsbezirkes,

so z. B. an einigen Standorten in Schweden; ostwärts nicht über

St. Petersburg hinaus, im Mediterran-Gebiet fehlt sie. Sie bewohnt

mit Vorliebe Alpenweiden der Kalkgebirge; an ihren

nördlichsten Standorten auch tiefer gelegene, aber ziemlich

trockene Wiesen; in den Alpen kommt sie bis 1600 m über dem

Meere vor. — Blüht im Juni und Juli.

Von dieser Art sowohl wie von der vorigen finden sich gelegentlich,

absolut spornlose Formen, welche übrigens bei allen

Orchideen mit gespornten Blüten gelegentlich beobachtet und

lediglich als Bildungshemmungen anzusehen sind. Wenn sonst

die Blüten normal ausgebildet sind und die Permanenz dieser

Bildungshemmung nicht nachgewiesen werden kann, geht es

nicht an, auf ein solches gelegentliches Vorkommnis auch nur

eine

Varietät zu gründen.

Tafel 33. Gesamtbild in natürlicher Größe. 3 Blüten, 1 davon

im Längsschnitt, links eine Pollenmasse ; alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

84. Gymnadenia eucullata Rieh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Cucullatus,

Hüllblätter zu beziehen.

— 34 —

Gymnadenia cucullata Rieh.

-

kapuzenförmig . Wohl auf den Helm der 5 oberen

Die Knollen sind abweichend von denen der anderen Arten

kugelig oder quer oblong- und oft ausg-erandet. Der Steng-el ist

spannenhoch und trägt an der Basis 2 nahezu g-leiche, ziemlich

gegenständige, kurz gestielte, oblonge, spitze Blätter und am

Schaft weiter hinauf nur noch 1 — 2 Blättchen. Der Blütenstand

ist eine ungefähr 5 — 10 cm lange Ähre, deren Blüten

nach einer Seite g-ewendet sind. Die Deckblätter sind lanzettlich

krautig' und fast ebenso lang - als die unteren Blüten samt

den Fruchtknoten. Die 3 äußeren Hüllblätter sind ländlich

lanzettlich und spitz und schließen samt den noch schmäleren,

seitlichen, inneren Hüllblättern eng zu einem Helm zusammen.

Das Labellum beginnt mit linealer Basis und ist dann tief dreispaltig.

Die beiden seitlichen Lappen sind linealisch oder schmal

dreieckig- mit divergierenden Spitzen, der mittlere ist meist

doppelt so lang und schmal dreieckig-. Der Sporn ist dünn,

zylindrisch, kürzer als der Fruchtknoten und leicht nach vorn

g-ebogen. Die Säule ist kurz, aber völlig- die von Gymnadenia,

die Scheiben der Pollenmassen sind kurz, oblong-, die Narbe

fast quadratisch mit g-eringer Einbuchtung- unten, das Rostellum

hat 2 Schlitze für die kurzen Stielchen, vor welchen (Schlitzen)

dann die Klebscheiben liegen. Die Blüten sind blaß rosarot,

das Labellum ist

meist noch etwas heller.

Die Pflanze erreicht in den östlichsten Teilen Deutschlands

die Westgrenze ihrer g-eog-raphischen Verbreitung. Sie ist in

ihrem Bau so völlig- verschieden von den anderen Gymnadenien,

daß es nahe liegt, sie als Vertreter einer besonderen Gattung-

„Neottianthe" oder, da dies wegen der Merkmale der Säule

nicht angeht, als besondere Tribus von Gymnadenia aufzustellen.

Die Verbreitung reicht von Ostpreußen durch ganz Sibirien. Im

äußersten Osten trifft diese Pflanze dort auf andere ihr im Habitus

äußerst ähnliche, im Bau der Säule jedoch abweichende Ophrydeen

der Gattung- Cynosorchis, welche dort den östlichsten

Punkt ihrer Verbreitung- erreichen. — Blüht im August.

Tafel 34. Gesamtbild der Pflanze in natürlicher Größe.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

35. Grynrnadenia albida Rieh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Albidus weißlich.

— 35 —

Gymnadenia albida Rieh.

Die Knollen sind bis zum Grunde geteilt und in dünne

schwanzartige Teile zerspalten.

Die Stengel sind 1 5 bis 20 cm hoch,

schlank und hoch hinauf beblättert. Die Blätter sind elliptisch,

oblong bis länglich-lanzettlich, stumpf oder (die oberen) spitz.

Der

Blütenstand ist eine meist kurze gedrängte Ähre weißlich-gelber

Blüten. Die Deckblätter sind krautig und ebenso lang - oder länger

als der Fruchtknoten. Die 3 äußeren Hüllblätter sind eiförmig und

stumpf, die seitlichen wie gewöhnlich am Außenrande etwas breiter,

die

beiden seitlichen, inneren Blätter sind ähnlich aber kürzer und

daher mehr oblong als eiförmig und gleichfalls stumpf. Das Labellum

ist aus etwas keilförmigem Grunde dreiteilig, die beiden

Seitenlappen sind schmal und spitz,

der mittlere breit und stumpf,

aber alle 3 dreieckig — oft der mittlere viel stärker entwickelt.

Der Sporn ist kurz zylindrisch, etwas keulenförmig. Die 5 oberen

Hüllblätter sind weißlich oder rein weiß, das Labellum ist blaßgelb.

Die Säule ist kurz und stumpf, die Antherenfächer konvergieren

unten nach innen,

das Rostellum ist mit feinen Wärzchen besetzt,

die Narbenhöhle ist nierenförmig und hat an ihrem Grunde 2 beulenförmige

Hervorragungen, die Klebscheiben der Pollenmassen sind

zart und durchscheinend.

Von Lappland bis nach Mittel-Italien, im Norden in der

Ebene, im Süden auf Bergwiesen, aber nirgends häufig;

in westöstlicher

Ausdehnung von Island und Wales bis an die Grenzen

Deutsch-Österreichs. Fehlt im eigentlichen Mediterran-Gebiet

und in Ost-Europa. — Blüht von Juni bis August.

Auch diese Art ist zum Typus einer besonderen Gattung

„Bicchia" Pari, erhoben und schließlich lassen sich ein paar Gründe

finden, um dies zu motivieren, nur daß dann kein Ende wäre, um

bei den Orchideen Gattungen aufzustellen. Am meisten von Interesse

ist ein Merkmal der sehr kleinen Narbenhöhle, es findet sich

dort jederseits eine kleine buckel- oder beulenartige Auftreibung;

dies ist die erste schwache Andeutung derjenigen Bildung, welche

bei der die tropischen und subtropischen Gebiete bewohnenden

Gattung- „Habenaria" Willd. die charakteristischen Narbenfortsätze

bildet. Stark abweichend ist auch das Rostellum dieser Pflanze,

eine oblonge Anhäufung kleiner Wärzchen.

Tafel 35.

Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe und 4 vergrößerte

Blüten, eine davon (rechts unten) im Längsschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

36. Piatanthera viridis Lindl


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 36

Piatanthera L. C. Rieh.

Abgeleitet von IlXotTUC, breit und Anthere, Staubbeutel.

Die Pflanzen haben den allgemeinen Bau von Orchis, die

Anthere hat 2 stark divergierende Fächer, die Klebscheiben der

Staubbeutel liegen frei an den Rändern des Rostellums, dessen

mittlerer Abschnitt an die Rückwand der Anthere (das Connectivum)

fest angewachsen ist.

Piatanthera viridis Lindl.

Die Knollen sind bandförmig g-eteilt oder tief zweispaltig,

(Um- spannenhohe Stengel ist mit entfernt gestellten, läng-lich

lanzettlichen, meist spitzen Blättern besetzt, welche nach oben

hin in Deckblätter übergehen. Der Blutenstand ist eine wenig--

blütig-e Ähre. Die Deckblätter sind krautig- und so g"roß, daß

sie oft die Blüten überragen. Die 3 äußeren Hüllblätter sind

eiförmig' oder länglich und stumpf, die beiden seitlichen inneren

sind aus breiterer Basis linealisch und stumpf, alle 5 bilden zusammen

einen über die Säule sich wölbenden Helm. Das

Labelluni sitzt mit breiter Basis an der Säule, verschmälert sich

alsdann etwas, um vorn wieder breiter zu werden und ist dort

in 3 Zipfel geteilt, deren Länge sehr verschieden sein kann;

meist ist der mittlere der kleinere. Der Sporn ist kurz und

sackartig- und oft etwas ausgerandet. Die Säule ist breit, die

Staminodien sind sehr groß', die Narbenfläche ist nierenförmig

oder dreieckig mit abgerundeten Ecken. Die Blüten sind g-rün

mit mehr oder weniger deutlichen schmutzig- roten Streifen, das

1 .abelluni ist gelblich.

Die Pflanze ist ungemein weit verbreitet. Im nördlichen

Waklgebiet von Irland bis an den Amur und südwärts bis zum

llimalaya, außerdem auch von Unalaschka an, wo Chamisso sie

sammelte, quer durch Nordamerika. In Europa reicht ihre Südgrenze

bis Sizilien. Blüht von Mai bis Juli.

Von Varietäten ist nur eine besonders zu nennen, welche

ab und zu auch in Deutschland vorkommt, nämlich die var.

„bracteata" Rchb. f. Diese wird beträchtlich größer als die

typische Form, hat reichere Belaubung- und, wie der Name besagt,

große Deckblätter.

Der Sporn Sondert 1 Innig ab und die Einrichtung ist so getroffen,

daß die Insekten jedes Mal nur eine Pollenmasse aus der


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 36 —

Blüte entfernen können. An der Basis des Labellums finden sich

außerdem zwei Nectar absondernde Punkte. Die hier saugenden

oder leckenden Insekten kommen dabei mit dem Kopfe an die

unmittelbar darüber stehende Klebscheibe und entfernen so

Pollenmasse.

Tafel 36. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. 4 Blüten,

3 davon ziemlich stark verg-rößert, links unten eine Pollenmasse,

rechts oben ein Fruchtknoten im Querschnitt, beides vergrößert.

die


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

37. Piatanthera solstitialis Boenningh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 37 —

Platanthera solstitialis

Bönningh.

(Piatanthera bifolia Rieh.)

Solstitialis, weil sie zur Zeit des Sommersolstitiums zu blühen

beginnt. Bifolius, zweiblättrig - ; wegen der beiden großen

grundständigen Blätter.

Die Knollen sind länglich rübenförmig und stark verschmälert.

Der Stengel wird bis 30 cm hoch, er trägt unten

2 nahezu gegenständige, verkehrt eiförmig-e, vorn abgerundete

oder kurz zugespitzte Laubblätter, am Schaft nur 1 oder 2 sehr

kleine Blättchen. Der Blütenstand ist eine mehr oder weniger

dichte, ungefähr 20— 25-blütige Ähre. Die Deckblätter sind

länglich-lanzettlich oder ei-lanzettlich und annähernd so lang wie

der oben gebog'ene Fruchtknoten. Von den 3 äußeren Hüllblättern

ist das mittlere dreieckig oder eiförmig mit stumpfer

Spitze, die beiden seitlichen sind oblong und zugespitzt, sie stehen

seitlich weit ab und sind etwas nach unten geschlagen. Die

beiden seitlichen, inneren Hüllblätter sind schief dreieckig,

an der

äußeren Ecke etwas breiter und dort abgerundet, sie bilden mit

dem äußeren, mittleren das Helmdach über der Säule. Das

Labellum ist einfach (ungeteilt) aus etwas breiterer Basis linealisch

verschmälert, stumpf und vorn abgerundet. Der Sporn ist ziemlich

lang, fadenförmig und leicht nach vorn gekrümmt, er enthält

sehr viel Honig - . Die Blüten sind vor der Blütezeit grünlich,

zur Blütezeit rein weiß, der Sporn ist an der Spitze oft

noch etwas grünlich. Die Säule ist ziemlich breit, die Pollenmassen

bestehen aus locker zusammenhängenden Paketen von

Pollen, die Antherenfächer divergieren sehr stark. Die Blüten

haben einen köstlichen

Duft.

Diese Art bewohnt das gemäßigte Europa, in nördlichen

und südlichen Gegenden ist sie weit seltener; sie soll auch im

gemäßigten Sibirien vorkommen, ebenso wird sie aus Algier

erwähnt. In Deutschland ist sie in Laubwäldern nicht selten. —

Blüht im Juni.

Aus Gründen, die hier nicht weiter entwickelt werden

können, ist der richtige Name Plat. solstitialis Bönningh.; da

die Pflanze jedoch in vielen Floren und Handbüchern noch unter

dem alten Namen PI. bifolia Rieh, erwähnt ist, so habe ich

diesen Namen beigefügt.

Der Duft der Blumen ist besonders bei Abend stark, er

hat der Pflanze den in einem großen Teil von Deutschland


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 37

üblichen Namen „Waldhyacinthe" verschafft. Die Befruchtung

der Blüten kann nur von Schmetterlingen ausgeführt werden,

da nur für die feinen Rüssel dieser Tiere der Honig in dem

engen Sporn zugänglich ist.

Tafel 37. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. Links

eine Pollenmasse, darunter eine Blüte, darunter Stücke des

Pollens; rechts oben eine Kapsel, darunter ein Samenkorn,

darunter eine Blüte im Längsschnitt, darunter der Fruchtknoten

im Querschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

38. Platahthera chlorantha Custer


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 38 -

Platantliera chlorantha Custer.

Chloranthus, grünblütig, wegen der ins Grüne spielenden

Farbe der Blüten.

Dem Aufbau und Habitus nach der vorigen sehr ähnlich,

aber in der Regel größer. Die Blüten sind nie rein weiß,

sondern mit einem Stich ins grünliche. Das Labellum ist meist

kürzer, der Sporn aber länger als das Ovarium und an der

Spitze keulenförmig- aufgetrieben, er enthält reichlich Honig.

Die Säule zeigt einige bemerkenswerte Unterschiede. Die Fächer

der Anthere divergieren zuerst, konvergieren aber dann nach

innen, so daß ihre Klebscheiben einander genähert sind, diese

letzteren sind sehr merkwürdig, man hat sie „trommeiförmig"

genannt, und die Pollenmassen sitzen seitlich an ihnen; unter

der „Trommel-' befindet sich dann noch eine ganz dünne, nur

wenige Zellschichten starke klebrige Membran. Die Trommel

1 »ildet also das Verbindungsstück zwischen dem Stiel der Pollenmassen

und der Klebschicht. Die Narbenfläche ist häutig umrandet.

- - Die F^arbe der Blüten ist übrigens selten so grün

wie auf unserer Abbildung, der Duft ist ähnlich wie bei der

vorigen Art, nur wesentlich schwächer.

Die Verbreitung- dieser Art ist annähernd die der vorigen,

aber nicht so genau bekannt, da sie mit ihr oft verwechselt ist.

Sie reicht von England bis weit nach Sibirien hinein und erstreckt

sich auch im Süden weiter nach Osten, so wird sie von

Kotschy als auf Cypern wachsend angegeben. - - Blüht im Mai

und Juni.

Die Übertragung- der Pollenmassen ist der Gegenstand

einer ungemein scharfsinnigen Untersuchung- Ch. Darwin's; dieser

gab die erste g-enaue Beschreibung- und wies nach, daß das

trommelähnliche Verbindungsstück des Polliniums durch einseitiges

Einschrumpfen eine merkwürdige Drehung ausführt,

und

schließlich das schwere vordere Ende der Pollenmasse so nach

unten hängt, daß die Masse beim Besuch der nächsten Blüte

auf die Narbe gelangen muß. Die Besucher der Blüten sind

Nachtschmetterlinge, deren Köpfe und besonders die Augen

oft ganz mit den Klebscheiben der Pollenmassen besetzt sind.

(Vgl. Darwin, Orchideen, 2. Aufl. S. 59 u. ff.)

Tafel 38. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; links

2 Blüten, die untere im Längsschnitt und stärker vergrößert,

rechts unten 2 Pollenmassen mit den Klebscheiben.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

i yJ^Uu

39. Nisritella angustifolia Rieh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 39 —

Nigritella Rieh.

Die Blüten sind nicht resupiniert, da der Fruchtknoten nicht

gedreht ist, das Labellum steht also aufwärts; die Säule ist genau

wie die von Piatanthera.

Nigritella angustifolia Rieh.

Nigrita, Neger; NigTitella also wörtlich Negerchen, wegen

der schwärzlichen Blüten. - - Die Pflanze hat viele Volksnamen.

Kammblümle, Kohlrösel, Braunelle und sicher noch andere. —

angustifolius

schmalblättrig.

Die Bulben sind handfdrmig geteilt und gehen in dünne

wurzelähnliche Schwänze aus. Der Steng-el ist fing-er- bis spannenhoch

und am Grunde dicht beblättert.

Die Blätter sind linealisch,

sie nehmen nach oben an Größe rasch ab und werden schließlich

deckblattähnlich. Der Blütenstand ist eine dichtgedrängte,

vielblütige, kugelige Ähre. Die Deckblätter sind lanzettlich und

ungefähr so lang wie die Blüten und meist ebenso gefärbt. Die

3 äußeren und die beiden seitlichen, inneren Hüllblätter sind läng - -

lich (die inneren meist etwas kleiner) und alle mehr oder weniger

zugespitzt. Das Labellum ist von herzförmigem Grunde aus dreieckig

- mit meist sehr geringer Andeutung von Dreiteilung. Der

Sporn ist kurz und sackartig. Die Antherenfächer divergieren etwas,

die Narbe ist im Umriß nierenförmig. Das Rostellum ist meist

groß und ragt weit über die Narbenhöhle vor. Die Pollenmassen

sind groß und locker und sitzen mit dickem, etw T as gekrümmtem

Stielchen je einer Klebscheibe auf. Die Blüten sind schwarzpurpurn,

seltener einfach purpurrot, rosa oder weiß. Der Duft

erinnert an Vanille.

Weit verbreitet im Gebiet der Kalkalpen bis zur Höhe von

2300 m, soll auch in Schweden und bei Drontheim vorkommen.

Östlich bis in die Balkanländer hinein, auch in Siebenbürgen.

— Blüht je nach der Höhe von Mai bis August.

Die Blüten werden massenhaft von Schmetterlingen besucht,

welche sich bei der umg-ekehrten Stellung der Blüten die Klebscheiben

an die Unterseite der Rüssel ankleben.

Tafel 39. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. 4 Blüten,

1 davon (die mittlere, rechts) im Läng-sschnitt ; rechts oben eine

Pollenmasse,

darunter der Fruchtknoten im Querschnitt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

lo. Nigritella suaveolens Ivoch


— 40 —

Nigritella suaveolens Koch.

Suaveolens, süßduftend.

Dem Habitus nach der vorigen sehr ähnlich,

aber bedeutend

größer in allen Teilen. Der Blütenstand ist ebenfalls eine dichte,

reichblütige, kopfähnliche Ähre.

Die Deckblätter sind länger als

die Blüten und g"rün mit rötlichem Anflug. Das mittlere äußere

und die beiden seitlichen inneren Hüllblätter sind oblong" und

spitz und bilden eine Art Helm über der Säule. Die beiden seitlichen

äußeren Hüllblätter sind läng-er, oblong und stehen rechtwmkelig

von der Blüte ab. Das Labellum ist oblong oder verkehrt

eiförmig- mit starker Neigung - zur Dreiteilung, die Seitenlappen

sind abgerundet, der mittlere ist dreieckig, das ganze

Labellum ist am Rande etwas gezähnelt. Der Sporn ist annähernd

so lang - wie der Fruchtknoten. Die Blüten sind nicht

resupiniert und bilden oft alle möglichen Winkel zwischen wag"erecht

und senkrecht. Die Säule ist kurz, die Antherenfächer

sind parallel und liegen dicht nebeneinander, die Klebscheiben

sind einander stark genähert. Die Blüten sind größer als bei

der vorigen Art, nicht so dunkel gefärbt und außerordentlich

wohlriechend.

Im Gebiet der Kalkalpen hier und da, aber nirgends häufig

— - .

Blüht im Juli und August.

Die Pflanze ist ein Bastard zwischen Gymnadenia conopsea

als Mutter und Nig'ritella angustifolia als Vater; eine der wenigen

leidlich reg-elmäßig auftretenden Bastardformen. Man hat, um

diese Herkunft auszudrücken, der Pflanze auch den Speziesnamen

..nig-roconopsea" geg-eben, doch ist der Speziesname „suaveolens"

der korrektere. Die Bastardnatur folgt u. a. auch aus

der eigentümlichen Stellung der unvollständig resupinierten

Blüten.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Tafel 40. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. 3 Blüten,

1 davon (rechts in der Mitte) im Längsschnitt, rechts oben eine

Pollenmasse, darunter die Säule von vorn; alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

41. EpipogoD aphyllus Sw.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 41

Epipogon aphylhis Sw.

In alteren Werken Epipogium Gmelinj Rieh., richtiger

Epipögon aphyllus Sw. Abg-eleitet von sjri auf und jrcuyiov

Bart. Aphyllus, blattlos. Der Gattungsname bezieht sieh auf

das nach oben gewendete Labellum.

Blattloses und chlorophylloses Gewächs von saprophytischer

Lebensweise ohne echte Wurzeln und mit verzweigter, nur mit

Wurzelhaaren besetzter Grundachse, deren Verzweigungen oft

mit schaufeiförmigen Spitzen endigen. Die Niederblätter der

Achse sowohl wie des Stengels sind sehr hinfällig-. Der Mangel

assimilierender Organe setzt (ebenso wie bei No. 1, 42 und 43)

die Ernährung aus halbverwesten Stoffen voraus. Der Stengel

beginnt mit dünner Basis unter der Erde, schwillt dann stark an

und verdünnt sich allmählich nach oben, wo er die wenigen

(2— 5) Blüten trägt. Die Deckblätter sind oblong und so lang

oder etwas länger als der kurz gestielte nicht gedrehte Fruchtknoten.

Die Blüten sind also nicht resupiniert und das Labellum

steht aufwärts. Die 3 äußeren und die beiden seitlichen inneren

Hüllblätter sind nahezu gleich, länglich-lanzettlich und zugespitzt.

Das Labellum ist tief dreispaltig, die Seitenlappen sind kleiner

und dreieckig, der mittlere ist eiförmig, der Sporn ist ein breiter

und nicht sehr tiefer, offener, etwas gekrümmter Sack. Die kurze

(nach unten gewendete) Säule trägt an ihrem Ende die hinten

angewachsene, zw r eifächerige Anthere, die beiden Pollenmassen

haben elastische, ziemlich lang"e Stiele und eine gemeinsame

Klebscheibe. Die Narbe ist eine etwas vorspring-ende, quergestellte,

in merkwürdig-er Weise mit hin- und hergezogenen,

warzigen Linien besetzte Platte. — Die ganze Pflanze ist bleich

und fast durchscheinend. Die Blüten sind blaßg-elb, nur auf dem

weißlichen Labellum finden sich in der Nähe des gezähnelten Randes

Reihen und Gruppen von purpurroten Wärzchen. Der Sporn

ist meist ebenfalls weißlich, seltener (wie auf der Tafel 40; rötlich.

Die Pflanze

England an, wo sie sehr selten ist

bewohnt die Wälder des mittleren Europas von

(Herefordshire), bis nach Sibirien

hinein und vom mittleren Skandinavien bis in die Abruzzen, sie

fehlt aber im eig-entlichen Mediterrangebiet. Überall ist sie selten

und verschwindet auf Jahre hinaus auch in Gegenden, wo man

sie sonst mit einiger Regelmäßig-keit antraf, da augenscheinlich

das Blühen die schwächlichen Rhizome noch gründlicher erschöpft

als die Bulben anderer Orchideen.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

41 —

Bei der Seltenheit der Pflanze ist auch über die Befruchtung

noch wenig" bekannt. Eine Hummel, Bornbus lucorum, ist bisher

als Besucher der Pflanze sicher festgestellt. — Blüht im Juli

und August.

Tafel 41. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. 2 Blüten,

alle 3 in natürl. Stellung, 1 im Längsschnitt, links oben die Pollenmassen,

rechts unten Querschnitt durch den Fruchtknoten.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

42. Limodorum abortivum Sw.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 42 —

Limodorum abortivum Sw.

Liinodorum, Xetp-ööcupov alter Pflanzenname bei Theophrastus;

abortivus fehlgeschlagen, wegen der fehlenden Blätter.

Der Wurzelstock sitzt sehr tief (50 cm und tiefer) im Boden

und besteht aus mehrfach geteilten 1 cm dicken Verästelungen,

welche an ihren Spitzen die nächstjährigen oberirdischen Triebe

entwickeln. Die Oberhaut der Wurzeln ist mit dicken Papillen

besetzt, die Lebensweise ist saprophytisch (vgl. Nr. 40). Die

olierirdischen Stengel sind violett, sie erheben sich 20—40 cm

hoch über den Boden und sind durchweg - mit violetten oder

grünvioletten Niederblättern besetzt, welche scheiden artig - den

Stengel umfassen und oben meist spitz endigen. Der Blütenstand

ist eine wenig"- bis mehrblütige Ähre von 4—25 Blüten,

welche in

den Achseln g-roßer, violetter, eilanzettlicher Deckblätter

entspringen und resupiniert sind, die obersten Deckblätter sind

meist steril, d. h. sie enthalten keine Blüten. Die 3 äußeren und

die etwas kleineren, seitlichen inneren Hüllblätter sind lanzettlich

und spitz, alle 5 breiten sich zur Blütezeit flach aus. Das Labellum

ist zweiteilig, es besteht aus einem g-espornten basalen Teil

(Hypochilium), welcher mit der Säule fest verbunden ist und

einem ausgebreiteten, ausgegliederten, flachen Teile (Epichilium),

welcher flach ausgebreitet und am Rande g'ezähnelt und gewellt

ist. Der Sporn ist dünn, zylindrisch und so lang- wie der Fruchtknoten.

Die Farbe der Blüte ist wie die der ganzen Pflanze

violett mit dunkleren Adern. Die Säule ist ziemlich groß und

dick. Die Anthere ist zweifächerig' und sitzt an einem derben

dreispitzigen Filament, die Hohle, in welcher die Polienmassen

liegen, ist ziemlich tief und geräumig; diese selbst sind fein

pulverig, fast staubähnlich und einer zweilappig-en Klebscheibe

angeheftet.

Die Pflanze bewohnt in Deutschland nur den Südwesten

und Westen, außerdem hauptsächlich Süd-Europa und ist in den

Kastanienwäldern auf dürrem oft steinigem Terrain heimischer

als im Humus der mitteleuropäischen Wälder. Die Fundorte

erstrecken sich durch ganz Süd-Europa bis Kleinasien und Cypern.

Durch ihre sehr tief heg-enden unterirdischen Teile ist die Pflanze

gegen Ausrottung- sehr gut geschützt. — Blüht von Mai bis Juli.

Tafel 42. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe, eine Blüte

im Längsschnitt, darüber der Fruchtknoten im Querschnitt, rechts

die Säule von vorn und von der Seite; alles schwach vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

43. Neottia nidus avis Rieb


— 43 —

Neottia Nidus avis Rieh.

Abgeleitet von veorrid Nest; damit übereinstimmend der

lateinische Speziesname nidus avis Vog-elnest; also Nestwurz.

Das im Boden kriechende Rhizom ist mit zahlreichen dicken

Fasern besetzt, welche an ihrer Spitze Adventivknospen, d. h.

Knospen für die späteren oberirdischen Triebe entwickeln können.

Das Ganze bildet einen Knäuel von Wurzelfasern, welcher zu

dorn Vergleich mit einem Neste g-eführt hat. Der oberirdische

Stenge] wird ungefähr 30 cm hoch und ist mit bleichen bräunlichen

Schuppen besetzt, welche in sehr seltenen Fällen sich zu

einer Blattfläche entwickeln. Der Blütenstand ist eine meist

ziemlich dichte Traube hellbrauner Blüten. Die Deckblätter sind

meist etwas länger als der gedrehte Blütenstiel. Die 3 äußeren

Hüllblätter und die beiden inneren seitlichen sind alle annähernd

gleich groß (die inneren nur um weniges kleiner) und verkehrt

eiförmig, etwas keilförmig und kurz zugespitzt; alle 5 neigen

nach vorn stark zusammen. Das Labellum ist am Grunde schüsseiförmig

vertieft und geht nach vorn in 2 divergierende Lappen

auseinander, welche ganzrandig- oder unregelmäßig gezähnelt

sind. Die Vertiefung- am Grunde des Labellums ist mit feinen

Honig absondernden Drüsen besetzt. Die Säule steht fast rechtwinklig

zum Labellum und ist ziemlich lang. Die Anthere steht

etwas nach hinten auf der Säule, sie ist herzförmig - ,

zweifächerigund

enthält 4 längliche Pollenmassen von staubähnlicher Konsistenz,

welche einer sehr kleinen wasserhell-glänzenden drüsigen Klebscheibe

angeheftet sind. Die Narbenhöhle ist breit nierenförmig"

und wird von dem breiten Rostellum nahezu verdeckt.

Fast in ganz Mittel-Europa und dem Mediterrang-ebiet in

Buchenwäldern, g-eleg-entlich auch in Tannenwäldern unterDentaria,

Waldmeister und anderen Laubblattpflanzen. Blüht von Mai

bis Juli.

Die Pflanze wird sehr reichlich von Insekten besucht und

massenhaft durch Übertragung des Pollens befruchtet. Die Art,

wie die Insekten sich die Pollenmassen ankitten, ist dieselbe wie

bei Listera ovata (Tafel 44), wirkt aber nicht ganz so sicher. Der

Übelstand, daß diese Einrichtung nicht ganz so tadellos funktioniert,

wird durch die Möglichkeit der Selbstbefruchtung wieder aufgehoben.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Es verdient bemerkt zu werden, daß der braune Farbstoff

dieser Pflanze in heißem Wasser in g-rün übergeht und daß die


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

43 —

Pflanze von allen saprophytisch lebenden diejenige ist, welche

den regelrecht assimilierenden am nächsten steht.

Tafel 43. Gesamtbild der Pflanze und Wurzelpartie längs

durchschnitten in natürl. Größe, links oberer Teil der Säule und

darunter die Pollenmassen, rechts 3 Blüten, eine davon im Längsschnitt;

alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

ii. Listera ovata !>'. Br.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 44 —

Listera ovata R. Br.

/.u Ehren von Dr. M. Lister (1638— 1711) engl. Arzt und

Botaniker benannt;

Zweiblatt.

ovatus, eiförmig wegen der Form der Blätter.

Die Grundachse der Pflanze kriecht horizontal im Boden

und treibt in gewissen Abständen dicke Wurzelfasern und nach

oben blühende Stengel. Die beiden einzigen, ziemlich großen,

gegenständigem Laubblätter sind eiförmig-elliptisch und vorn in

der Verlängerung des Mittelnervs mit einem feinen Spitzchen versehen,

oberhalb dieser beiden finden sich nur noch ein paar winzige

Blättchen. Einschließlich der ziemlich langen lockeren Ähre

wird die Pflanze 30 — 50 cm hoch. Die 3 äußeren Hüllblätter

der Blüte sind eiförmig - bis elliptisch und etwas zug'espitzt, die

beiden seitlichen inneren sind kleiner und etwas spitzer, alle 5

sind gleichmäßig- grün. Die Lippe ist linealisch, länger als die

anderen Blätter, tief zweispaltig mit einer vertieften honig--

führenden Rinne von der Spitze bis zur Basis, zu Anfang der

Blütezeit senkrecht nach unten g-eschlag-en, später etwas mehr

horizontal gestellt; ihre Farbe ist gelblich-g'rün. Die Säule ist

kurz, oben kappenförmig" und ausgehöhlt. In dieser Aushöhlung

lieg'en unten von dem Rostellum gestützt, die gToßen, eiförmigen,

ziemlich lockeren Pollenmassen, unterhalb desRostellums

liegt die Narbenfiäche. Die Früchte sind kurz eiförmig-e bis

kugelförmige Kapseln, auf denen, selbst wenn sie die Samenkörner

bereits ausg-estreut haben, die Perigone fast unverändert

sitzen. Die g-anze Pflanze hat einen eigentümlichen, am besten

wohl mit Pfeffer zu vergleichenden Duft.

Die Pflanze ist im g-anzen Waldg-ebiet der östlichen Erdbälfte

ung-emein verbreitet. Von Island durch g-anz Nord-Europa

und ganz Sibirien; südwärts bis Granada, Sizilien (wo sie allerdings

als Seltenheit galt), im Peloponnes und ostwärts bis zum

Kaukasus. Sie variiert etwas an Größe, ist aber sonst auffallend

konstant in allen ihren Teilen. — Blüht von Mai bis Juli.

Die Befruchtung- ist eine der merkwürdigsten unter allen

bei Orchideen beobachteten und bereits von C. F. Sprengel,

später von Charl. Darwin und F. Müller (Blumen und Insekten

S. 78 u. ff.) beschrieben worden. Die häufigsten Besucher sind

kleine Käfer, seltener größere Insekten. Diese Tiere landen auf

dem Labellum, dessen beide Endzipfel w{e geschaffen sind, um

mit den Vorderbeinen gepackt zu werden. Sie g-ehen nun langsam


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 44 —

aufwärts an der Saftrinne entlang, deren Inhalt sie auflecken.

Am oberen Ende angekommen, stehen sie mit dem Kopf vor


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

15. Listera cordata R. Br.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 45 —

Listera cordata R.

Br.

Cordatus,

herzförmig.

Die Grundachse des sehr zarten und zerbrechlichen Gewächses

durchzieht die Sphagnumpolster oder den schwammigen

Buden der Torfsümpfe. Der annähernd spannenhohe Stengel

trägt 2 g-eg-enständig-e, herzförmige oder nahezu dreieckige, kurz

zugespitzte, am Grunde etwas keilförmige Laubblätter, oberhalb

dieser jedoch keine Hochblättchen und eine Ähre von 6— 12

winzigen Blüten. Die 3 äußeren Hüllblätter sind oblong und

kurz zugespitzt, die beiden seitlichen inneren sind schmaler, zungenförmig

und etwas spitzer. Die Lippe hat beiderseits nahe der

Basis einen kleinen seitlichen Abschnitt (der bei L. ovata fehlt)

und einen langen, sehr tief gespaltenen mittleren Abschnitt.

Die Blüte ist in ihrer Hauptfarbe grünlich mit braunem Anflug,

das Labellum ist rötlich braun. Die Säule hat im allg-emeinen

große Ähnlichkeit mit der von L. ovata, hat aber augenscheinlich

nicht das empfindliche Rostellum mit der Kittdrüse dieser Art.

Die Pflanze ist über einen sehr großen Teil des nördlichen

Waldgebietes verbreitet, sie ist eine der wenig"en europäischen

Orchideen, welche auch in Nord-Amerika vorkommen. Sie

wächst in den nördlichen Gebieten mehr im Flachlande, weiter

südlich, wo die Torfsümpfe sich auf die Berge zurückziehen, in

höheren Lagen immer den Torfsümpfen folgend, zu deren seltneren

Charakterpflanzen sie g-ehört.

Beobachtung-en über die Befruchtung- fehlen g-änzlich und

sind bei dem vereinzelten Vorkommen der Pflanze und der Unmöglichkeit,

in den schwammigen Moospolstern Stunden lang

auf Insektenbesuch zu warten, kaum ausführbar. -- Blüht von

Mai bis Juli.

Tafel 45. 2 Pflanzen in natürl. Größe. 3 Blüten, eine davon

im Längsschnitt, darunter der Fruchtknoten quer durchschnitten;

— alles vergTÖßert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

in. Epipaclis palustris < 'ranlz


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 46 —

Epipactis Rieh.

;'

.-ruraKTiq, Pflanzenname bei Theophrast.

Kräuter mit unterirdischem, weithin kriechendem Stamm,

also ohne Bildung - von Knollen. Die 5 oberen 1 liillblätter schließen

glockig zusammen, das Labelluin zerfällt in eine basale mit der

Säule rechtwinklig fest verbundene und in eine vordere Partie,

welche mit der ersteren entweder beweglich (No. 46) oder

unbeweglich verbunden ist (No. 47— 50). Man unterscheidet

daraufhin die beiden Unterabteilungen „Arthrochilium" und

..Kn epipactis". Die Säule ist kurz, die Anthere ist stumpfdreieckig.

Die 4 Pollenmassen haben keinen Stiel, sondern nur

eine runde Klebscheibe, sie sind breiartig" und hängen ziemlich

lest zusammen.

Epipactis palustris Crantz.

Die Verzweig-ung-en des unterirdischen Stammes sind oft

lang und ausläuferartig; die oberirdischen Stengel werden bis

40 cm hoch und sind reichlich beblättert. Die Blätter sind

eiförmig oblong, eilanzettlich bis schmal-lanzettlich, und alle an

der Basis halbstengelumfassend; die obersten ähneln völlig den

unteren Deckblättern der langen, etwas lockeren Ähre, deren

nickende Blüten die Neig"ung haben, sich gruppenweis immer

nach einer Seite zu stellen. Die Deckblätter sind krautartiggrün

und meist ebenso lang wie die Blüten, nur die obersten sind

kürzer. Die 3 äußeren Hüllblätter sind oblong, am Grunde etwas

keilförmig, außen deutlich geädert und vorn zug'espitzt, die beiden

seitlichen inneren sind zarter in Textur, eiförmig - und spitzer,

die äußeren sind grünlich mit rötlichem Anflug und innen rot,

die inneren weiß mit hellrotem Grunde. Der basale Teil des

Labellums (Hypochilium) ist schüsseiförmig, kurz und endet vorn

in zwei dreieckige Zipfelchen, er sondert aus der verdickten

Mittellinie Honig ab; der vordere Teil des Labellums (Epichiliuin)

ist rundlich oder quer-oblong-, flach, am Rande stumpf g-ezähnelt

oder gekerbt, ohne Honigabsonderung auf der Fläche; am Grunde

befinden sich zwei erhabene Längsstreifen. Die Färbung- ist weiß

mit rötlichen Adern oder rein weiß. Die Säule ist kurz und

oben verbreitert; die Anthere ist groß, dreieckig bis eiförmig,

zwei fächerig mit undeutlicher nochmaliger Teilung der beiden

Fächer. Die Narbe ist eiförmig- und mit einem Rande versehen,

der in der Gegend, wo das Rostellum sitzt, dreilappig ist. Das


— 46 —

RosteHum wird zur Blütezeit bei der geringsten Berührung- zu

einem milchigen Tropfen.

Mit Ausnahme des äußersten Nordens über ganz Europa

und Sibirien verbreitet, südwärts bis Süd-Italien, in Asien bis

zum nördlichen China. .Auf etwas sumpfigen Wiesen, aber keineswegs

eine besonders charakteristische Sumpfpflanze. Sie ist die

einzige Art der Sektion Arthrochilium (mit gegliederter Lippe),

die nun folgenden sind Euepipactis (Epipactis im engeren Sinne).

— Blüht in manchen Gegenden schon zu Anfang Juli.

Der Mechanismus der Blüte ist von Ch. Darwin erläutert.

Die Insekten (Bienen) saugen den Honig des 1 1 vpochiliums und

stoßen dabei mit dem Kopfe an das RosteHum, welches dadurch

zu einer milchig-en sehr klebrig-en Masse zerfällt. Wollen sie die

Blüte verlassen, so zwingt sie die nach oben wirkende Elastizität

des Labellums, besonders des Epichiliums, nach oben zu fliegen,

und nun berühren sie mit dem Tropfen Kleber, den sie vom

RosteHum her an der Stirn haben, die Blütenstaubmassen der

Anthere, welche sie sich somit anleimen und mit denen sie nun

davonfliegen. Auf einer andern Blüte kommt dann der Blütenstaub

mit der großen Narbenfläche in Berührung. Die regelmäßigsten

Besucher sind nach Will. Darwins Beobachtungen

Honigbienen, seltner und mit weniger gutem Erfolge gewisse

Fliegen.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Tafel 46. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; links

unten eine vergrößerte Blüte im Längsschnitt, darüber die Säule

in Front- und Seitenansicht, oben Pollenmassen links in der

Anthere, rechts aus der Anthere genommen. — Dieselbe Art

ist auf dem Außentitel des Werkes dargestellt.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

47. Epipactis latifolia All.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 47 —

Epipactis latifolia All.

I

)ie Verzweigungen des unterirdischen Stammes sind kurz, die

Triebe jedes Jahres entspring-en also unmittelbar neben denen des

Vorjahres. Die Stengel können 60 cm hoch werden. Die Blätter

sind eiförmig oder oblong, die oberen eilanzettlich und von ziemlich

fester Textur. Der Blütenstand, dessen Axe ebenso wie die

oberen Stengelteile oft ganz kurz flaumig behaart ist, kann eine

Länge von über 20 cm erreichen und bildet eine leckere Ähre.

Die Deckblätter sind lanzettlich, die unteren länger, die oberen

ebenso lang als die dazu gehörigen Blüten. Die 3 äußeren Hüllblätter

sind eiförmig und spitz, seltener länglich, von grünroter oder

grüner Farbe außen und rötlich-violetter innen;

die Nerven treten

etwas hervor, die Textur ist fest. Die beiden seitlichen inneren

Hüllblätter sind oblong und spitz, von viel zarterer Textur, rötlich

oder rot-violett mit grünen Spitzen. DasLabellum besteht aus einem

tief schalenförmig-en basalen Teil (Hypochilium),

welcher reichlich

Honig" absondert und dem damit fest verbundenen, quer-oblongen

und vorn ausgerandeten oder kurz zugespitzten vorderen Teil

(Epichilium). Der Bau der Säule ist wie der der vorigen Art, nur

daß der Klebstoff des Rostellums nicht so schnell trocknet. Die

Blüten nicken nicht so stark wie die der vorigen Art, obwohl sie

auch etwas abwärts g-ewendet stehen, sie sind weg-en ihrer düstern

Färbung viel weniger augenfällig als jene. Die Anthere ist breit

dreieckig, die Narbenhöhle fast quadratisch, das Rostellum ragt

nicht so weit über die Narbenfläche wie bei Epip. palustris.

Die Pflanze ist außerordentlich weit verbreitet. Von den

britischen Inseln bis Ost-Asien, auch im Himalaya nicht selten, ferner

in ganz Süd-Europa. Am auffallendsten sind die von Asa Gray

erwähnten Standorte bei Buffalo und Syracuse im Staate New-

York; die einzigen Standorte dieser Art in Nord-Amerika. —

Sie bewohnt schattige Laubwälder und blüht von Juni bis August.

Die Befruchtung der Pflanze wird meist von Wespen vollzogen,

während andere Hymenopteren, auch Honigbienen, damit

nicht zu Stande kommen. Der Insektenbesuch ist ein sehr regelmäßiger,

da fast alle Blüten Kapseln ansetzen.

Tafel 47. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; 3 Blüten,

eine davon (rechts unten) im Längsschnitt; links in der Mitte

die Pollenmassen und die Anthere ohne Pollen; rechts oben ein

Samenkorn, darunter eine aufgesprungene Kapsel, darunter eine

durchschnittene Kapsel. — Alles

vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

19. Epipaetis rabiginosa Gaud.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Rubiginosus,

Die Pflanze hat

— 48 —

Epipactis rubiginosa Gaudichaud.

rötlichbraun.

eine kriechende Grundachse mit sehr kurzen

Verzweigungen, der Trieb des nächsten Jahres entspringt also unmittelbar

neben dem dieses Jahres und oft sieht man 2 blühende

Stengel dicht nebeneinander stehen. Der Stengel wird nicht

so hoch wie bei starken Exemplaren der vorig-en Art, er ist oft

von oben bis unten rot überlaufen und fein behaart. Die Blätter

sind länger als die Zwischenglieder, dunkelgrün, von ziemlich fester

Textur, oblong- oder eilanzettlich, sie umfassen an der Basis

scheidenartig" denSteng"el,die obersten sind bereits deckblattähnlich.

Der Blütenstand ist eine ziemlich lange, lockere, einseitswendige

Ähre. Die Deckblätter sind lanzettlich und annähernd so lang

wie die Blüten, deren Fruchtknoten stets (auch bei den Knospen)

auffallend dick ist. Die 3 äußeren Hüllblätter sind länglich und

kurz zugespitzt, die beiden seitlichen inneren mehr eiförmig" und

spitzer, alle 5 bilden ein glockiges, etwas nickendes Perigon von

tief-dunkelroter Farbe. Der basale Teil der Lippe ist fast kreisrund

und tief schalenförmig mit sehr eng"er Mündung, der vordere

im Umriß ähnlich, aber flach mit g'ezähneltem Rande und eigentümlichen,

halbkugeligen Drüsen und gezähnten Kämmen auf der

Oberfläche. Die Säule hat den Bau der schon beschriebenen

Arten. Die Blüten sind rotbraun und hauchen einen höchst angenehmen,

an Vanille erinnernden Duft aus, welcher den anderen

Arten der Gattung fehlt.

Diese Art ist den kalkigen Hügeln Mittel-Europas und den

Dünen und Uferhügeln unserer Nord- und Ostsee-Küste gemeinsam

und findet sich auch in Süd-Europa auf allen 3 Halbinseln.

— Blüht von Mai bis Juli.

Die Pflanze wird mit Unrecht als Varietät von Epipactis

latifolia All. angesehen, sie ist so g-ut abgegrenzt von allen

anderen, daß der Mißgriff schwer verständlich ist. Gelegentlich

findet sie sich in älteren Werken unter dem Namen Epip. atrorubens

Schultes angeführt, ein mit rubiginosa gleichbedeutender

Speziesname.

Tafel 48. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. 3 Blüten,

1 davon im Längsschnitt, links oben der Fruchtknoten quer

durchschnitten, links in der Mitte eine Pollenmasse mit Stielchen

und Drüse; alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

48. Epipactis violacea Dur. Duq.


— 49 —

Epipactis Violacea Durand Duquesney.

Violaceus, violett; nach dem violetten Hauch, der über der

ganzen Pflanze liegt.

Wurzelstock mit kurzen Gliedern. Der Stengel ist ziemlich

fest, bis 40 cm hoch und nur oberwärts fein behaart. Die Blätter

sind klein, lanzettlich bis lineal-lanzettlich und ebenso lang - oder

kürzer als die Zwischenräume von Blatt zu Blatt (Internodien).

Die Ähre ist ziemlich lang- und verhältnismäßig- dicht. Die Deckblätter

sind den Laubblättern sehr ähnlich, lanzettlich, krautig- und

länger als die Blüte und an der Spitze violett angehaucht. Die

3 äußeren Hüllblätter sind breiteiförmig, spitz, die inneren kürzer,

aber sonst sehr ähnlich. Das Labellum hat im wesentlichen den

Bau von Epipactis latifolia, ein nahezu kreisförmiges, basales

Stück, welches rechtwinklig zur Säule steht und einen engen

Eingang hat und ein breit-oblong-es, ovales vorderes Stück mit

dreieckiger Schwiele am Grunde, welche Honig- absondert. Die

ganze Blüte ist grün und violett angelaufen, das Labellum ist

blaß

rosa.

Die Verbreitung dieser Art ist annähernd dieselbe wie die der

typischen Epipactis latifolia, aber sie ist überall seltener. Von

manchen Autoren wird sie als eine Varietät dieser Art aufgefaßt

und diese Annahme hat manches für sich, aber die Unterschiede

sind so konstant und der Übergänge so wenige, daß sie sich mit

demselben Recht als Spezies ansehen läßt. — Blüht im Juli und

August.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Tafel 49. Gesamtbild eines mittelgroßen Exemplares der

Pflanze in natürl. Größe.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

50. Epipactis microphylla Ehrli.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

51. Epipactis microphylla Ehrh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 50/51 —

Epipactis microphylla Ehrhart.

Abg'elcitet von u-tKpoc; klein und cpuXXov Blatt; also kleinblätterig

- .

Der Stenge] ist dünn, 15 bis 30 cm hoch, an der Basis mit

Niederblättern und höher hinauf mit kleinen eilanzettlichen Blättern

besetzt, welche ungefähr so lang" sind wie die Zwischenglieder.

Die g*anze Pflanze ist über und über fein behaart. Der Blütenstand

ist eine wenigblütige, lockere, meist nach einer Seite gewendete

Ähre. Die Deckblätter sind lanzettlich und ungefähr

so lang- als die gestielten, verkehrteiförmigen, gerippten Fruchtknoten.

Die 3 äußeren Hüllblätter sind eiförmig-, die inneren

seitlichen dreieckig und spitzer. Die äußeren sind grün, die

inneren blaßviolett oder rosa auf grünlichem Grunde. Das Labellum

ist nahezu gleich lang-, der basale Teil (Hypochilium) ist

oblong- und seitlich etwas zusammengedrückt mit verhältnismäßigweiter

Mündung, der vordere Teil (Epichilium) ist eiförmig, am

Rande gekerbt, gekräuselt, mit 2 Auftreibungen am Grunde und

einer kleineren davor. Die Lippe ist rötlich.

'

Die

Pflanze ist, wie auch die vorige, durch ganz Europa

bis nach Kleinasien hin verbreitet, aber noch seltener als diese.

Sie bevorzug-t Kalkboden. — Blüht im Juli und August.

Man hat auch diese Art ebenso wie die vorige als Varietät

von Epip. latifolia angesehen, aber mit noch gering-erer Berechtigung.

Abgesehen von den sehr konstanten Merkmalen

im Wuchs haben wir hier noch ein Labellum mit oblongem,

seitlich zusammengedrücktem Hypochilium und einem Epichilium,

dessen Umriß vielleicht an das von Epip. latifolia erinnert, keinenfalls

aber die Schwielenbildung auf ihm.

Tafel 50. Gesamtbild einer Pflanze in natürl. Größe, links

daneben 2 Blüten vergrößert, die obere im Läng-sschnitt.

Tafel 51. Gesamtbild von 2 Pflanzen in natürl. Größe.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

fri. Spiranthes autumnalis Rieh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 5 a

Spiranthes Rieh.

Abgeleitet von öjtstpa Gewinde und &v£ostgrenze Europas durch ganz Asien und Australien einschließlich

Neuseeland vorkommt.

Spiranthes autumnalis Rieh.

Autumnalis, von autumnus, Herbst — im Herbst blühend.

Die Wurzelfasern sind dick und rübenförmig. Die Blätter

längdich oder länglich lanzettlich zug-espitzt oder stumpf. Aus

einem der Niederblätter unterhalb der Laubblätter entspringt

der ungefähr spannenhohe, blattlose Blütenschaft, der nur mit

einigen Schuppenblättchen besetzt ist und oben die stark gedrehte

Ähre trägt. Da die Drehungen stets 360 ° betragen, so

stehen alle Blüten nach einer Richtung g-ewendet, also in einer

Reihe übereinander. Der ganze Blütenschaft, einschließlich der

Deckblätter und Fruchtknoten, ist weichhaarig. Die Deckblätter

sind am Rande durchscheinend, sonst krautartig, dreieckig bis

eiförmig und ungefähr so lang wie die Fruchtknoten. Die Blüten

sind durch Drehung der Fruchtknoten resupiniert. Die 3 äußeren

Hüllblätter sind lanzettlich spitz und außen weichhaarig - ,

die

beiden inneren seitlichen schmaler, zungenförmig und stumpfer.

I )as Labellum ist im ganzen Umriß elliptisch, vorn am Rande

gekräuselt und abwärts gebogen uud meist stumpf, es besitzt

jederseits am Grunde eine kleine Austiefung. Die Säule hat


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

52 —

«im- schräg nach vorn verlaufende Rinne für die 4 länglichen,

zugespitzten Pollenmassen, deren große Klebscheibe dem

tief gespaltenen Rostellum aufliegt. Die Airthere seihst ist breit

dreieckig und sitzt fest am hinteren Rande der Säule. Die Blüten

sind wohlriechend und rein weiß mit Ausnahme des Labellums,

welches in der Mitte grün ist.

Die Pflanze ist nördlich der deutschen Meere nirgends

beobachtet, sie bewohnt grasige, trockene Triften und ist in

Deutschland durch Urbarmachung des Bodens so gut wie ganz

verschwunden, ihr Gebiet erstreckt sich südlich bis nach Nord-

A.frika und von Portugal (Coimbra) «in ("istlich bis nach Indien

(Nordwest-Himalaya). In Afghanistan trifft sie mit der oben

erwähnten Spir. australis zusammen. - - Blüht von August bis

Oktober.

Es ist auffallend, daß es Hummeln sind, w T elche diese winzigen

Blüten befruchten. Die Blüten sind ausgesprochen proterandrisch,

d. h. die Anthere öffnet sich bereits im Innern der

Blüten, bevor diese aufblüht, so daß die Vereinigung zwischen

den Pollenmassen und der großen bootförmigen Klebscheibe

beim Aufblühen sehr leicht erfolgen kann. Die genauere

Struktur und den sehr verwickelten Bau der Säule hat Ch. Darwin

beschrieben (Ch. Darwin, Orchideen von Insekt, befr., II. deutsche

Aufl. S. 90 u. ff.).

Der Wuchs dieser Art ist von dem der folgenden durchaus

verschieden. Der Blütenschaft hat nämlich zur Blütezeit

keine Blätter mehr sondern nur noch die Überreste derselben.

Der Blätterbüschel am Grunde des Schaftes gehört nicht zu

ihm, sondern aus dem Gipfel derselben wird, falls die Pflanze

die zur Blütenbildung nötige Kraft behält, der Blütenschaft des

nächsten Jahres hervorgehen. Bei starken Exemplaren sieht man

ihn schon in diesem Jahre vorgebildet als winzige Knospe.

Tafel 52. Gesamtbild einer Pflanze in natürl. Größe; links

2 Blüten, die untere im Längsschnitt; rechts oben eine Kapsel

quer durchschnitten ohne Samen, darunter eine reife Kapsel

mit den Überresten der Blüte, darunter ein Samenkorn. — Alles

vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

53. Spiranthes aestivalis Rieh.


— 53 —

Spiranthes aestivalis Rieh.

Aestivalis, im Sommer blühend.

Die Knollen sind auch hier verdickte Wurzelfasern, aber

meist dünn zylindrisch und nicht rübenförmig. Der Stengel wird

bis zu 30 cm hoch, er ist an der Basis mit lineal-lanzettlichen

spitzen Blättern besetzt. Der Wuchs ist also von dein der vorigen

Art völlig verschieden. Der Schaft trägt oberwärts ein

paar Blättchen, ganz oben ist er schwach dreikantig und

etwas behaart. Der Blütenstand ist eine lange dünne Ähre,

welche in ihrer ganzen Längte nur zwei bis zwei und eine halbe

Windung macht, sodaß die Blüten nicht in einer senkrechten

Reihe wie bei der vorigen Art, sondern in einer Spirallinie

stehen. Die Deckblätter sind lanzettlich, spitz und so lang- wie

die schwach behaarten Fruchtknoten. Die 3 äußeren Hüllblätter

sind oblong stumpf, schwach behaart und neig-en dicht

zusammen.*) Die beiden seitlichen inneren sind linealisch stumpf

und etw r as nach vorn gebog'en. Das Labellum ist am Grunde

selbst beiderseits etwas ausgehöhlt, breit linealisch, vorn etwas

verbreitert, abg-erundet und dort gekräuselt. Die Säule ist der

der vorigen Art ähnlich, aber in allen Teilen stärker in die

Läng-e g-ezogen. Die Blüten sind w T eiß mit grünlichem Fleck

auf dem Labellum; sie sind im Gegensatz zu denen von Spir.

autumnalis g'eruchlos.

Die Pflanze findet sich nur im südwestlichen Teil Deutschlands,

wo bei Darmstadt die Nordgrenze der Verbreitung- liegt;

von da an südlich durch ganz Süd-Europa. Sie überschreitet

indessen die Grenzen Europas nirg-ends. Sie kommt noch auf

Korsika und Sardinien vor, aber nicht mehr auf Sizilien und

den östlichen großen Inseln. — Blüht im Juli.

Über die Befruchtung liegen z. Z. keine Beobachtungen

vor, was sich wohl daraus erklärt, daß die Pflanze nirgends

häufig ist.

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Tafel 53. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; 2 Blüten,

eine davon (links oben) im Längsschnitt; links unten der obere

Teil der Säule mit Pollenmassen, rechts unten derselbe ohne

diese, außerdem links und rechts Pollenmassen in verschiedener

Ansicht. — Alles vergrößert.

*) Auf unserer Tafel ist die Haltung dieser Blätter und ihre Stellung durchaus

korrekt angegeben; versehentlich sind die Trennungslinien zwischen den oberen

und den beiden seitlichen inneren Blättern fortgelassen.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

54. Goodyera repeiis R, Br.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

repens,

— 54 —

Goodyera repens R.

Zu Ehren von V. Goodyer, einem englischen Botaniker —

kriechend.

Die Grundachse kriecht weithin im Boden und treibt außer

den Wurzeln blühende und nicht blühende Laubsprosse. Die Blätter

sind langgestielt, der Blattstiel umfaßt mit seiner Basis den

Stengel; die Blattfläche ist länglich oder elliptisch und kurz

zugespitzt und entweder einfarbig grün oder -

teils silberweiß, teils

dunkel gezeichnet. Der Blütenschaft ist nur mit einigen kleinen

Blättchen besetzt, welche ganz oben völlig deckblattähnlich

weiden; die ganze oberePartie der Pflanze ist mit kurzen, weichen

Ilaaren liedeckt. Die Blütenähre ist ungefähr 5—6 cm lang und

dünn. Die Blüten stehen ziemlich dicht. Die Deckblätter sind

lanzettlich, spitz und länger als die gedrehten Fruchtknoten.

Das mittlere äußere Hüllblatt und die beiden inneren seitlichen

neigen dicht zusammen, alle 3 sind länglich, die inneren etwas

kleiner und alle 3 stumpf, die äußeren seitlichen Hüllblätter sind

eiförmig-länglich, etwas spitzer und spreizen zur Blütezeit weit

ab. Das Labellum ist am Grunde sackförmig vertieft aber nicht

gespornt und vorn in

Br.

eine nicht sehr lange am Rande gekräuselte,

an der Spitze herabg-ebogene Platte verlängert. Die 3 äußeren

Hüllblätter sind außen weichhaarig-, innen sind sie ebenso wie

die anderen Blütenteile unbehaart, sie sind außen grünlich-weiß,

innen weißlich. Die Säule ist sehr kurz. Die Anthere ist fast

kreisförmig, sie ist hinter der Säule angewachsen und hebt sich

vorn, um die beiden zweiteiligen Pollenmassen frei zu lassen;

diese sitzen an einer quadratischen Klebscheibe. Das Rostellum

besteht aus 2 parallelen Zähnen, auf welchen die Klebscheibe

sitzt; diese ist natürlich streng- genominen auch ein Teil des

Rostellums, aber entfernbar, während die beiden Zähne in der

Blüte

verbleiben.

Die Pflanze ist der einzige europäische Repräsentant einer

weit verbreiteten Gattung-. — Die Verbreitung reicht

von Schottland

(in England, Wales und Irland fehlt sie) bis Ost-Sibirien

und südlich bis zum nordöstlichen Himalaya (Simla), ferner findet

sie sich häufig in Nord-Amerika. Sie wächst im Moore des

Waldbodens und bevorzugt gemischten Bestand. — Blüht im

Juli und August.

Auch bei dieser Art öffnet sich die Anthere in der Knospe

und die Blütenstaubmassen werden dem Rostellum angeheftet,


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 54 —

von welchem ein bestimmter Teil auch bei der geringsten

Berührung zu einer sehr klebrigen, milchig trüben Masse zerfällt.

Die Übertragung" des Blütenstaubes besorgen auch hier Hummeln,

andere Insekten würden nicht die Kraft haben, die sehr zähen

den, mit denen die Pollenkörner zusammenhangen, beim Ankleben

an die Narben wieder loszureißen.

Tafel 54. Gesamtbild der Pflanze in natüii. Größe; 3 Blüten,

eine davon im Längsschnitt; links oben eine Pollenmasse; unter

der Blüte rechts oben ist der obere Teil der Säule dargestellt

und zwar links in der Seitenansicht, rechts von unten gesehen,

um die runde Narbenfläche zu zeig-en. Darunter die Kapsel in

natürl. Größe und vergrößert; darunter ein Samenkorn. - Alles

vergTÖßert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

55. Cephalanthera rubra Rieh.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 55 —

Cephalanthera L. C. Rieh.

Abgeleitet von KecpaXrj, Kopf und &v\)r)pa Staubbeutel.

Die 3 äußeren und beiden seitlichen inneren Hüllblätter

sind nahezu gleich und neigen meist zusammen. Die Lippe

besteht ähnlich wie bei Epip actis aus einem mit der Säule

fest verbundenen und ihrem parallel verlaufenden basalen Teil

(Hypochilium) und einem vorderen beweglichen Teil (Epichilium).

Die Blüten sind durch Drehung des Fruchtknotens resupiniert.

Die Säule ist schlank und träg't an ihrem oberen Ende die

nicht abfallende Anthere. Die Narbenfläche ist schildförmig, ein

Rostellum fehlt.

Cephalanthera rubra Rieh.

Der unterirdische Stamm steig't ziemlich tief senkrecht in

den Boden und ist mit zahlreichen Seitenwurzeln besetzt. Der

Stengel ist aufrecht und bis hoch hinauf beblättert. Die Blätter

sind lanzettlich und lang zugespitzt. Der g-anze obere Teil der

Pflanze ist fein und weich behaart. Der Blütenstand ist eine

wenig-blütig-e, lockere Traube. Die Deckblätter sind krautig-,

lanzettlich und etwas läng-er als die weich behaarten Fruchtknoten.

Die Hüllblätter des inneren wie des äußeren Kreises

sind eilanzettlich und zugespitzt, die 3 oberen bilden eine Art

Helm, die beiden äußeren stehen etwas ab. Der basale Teil

des Labellums (das Hypochilium) hat 2 stumpfe seitliche Zipfel,

der vordere Teil (das Epichilium) ist eiförmig- und lang zugespitzt,

beiderseits aber abgerundet. Die Blüten sind blaß-purpurrot, das

Labellum im Innern meist weißlich mit purpurroten Streifen. Die

Säule ist schlank und gleichfalls purpurrot. Die Anthere ist g'roß,

desgleichen die schildförmig- vorn becherförmig- vertiefte Narbe.

Die Pflanze bewohnt ganz Europa. In den nördlichsten und

südlichsten Gegenden des Erdteils ist sie selten, sie fehlt in Portug-al

und auf den Inseln des Mittelmeeres mit Ausnahme Siziliens, wo sie

sehr selten ist; östlich erstreckt sie sich wenig über das pontischkaukasische

Gebiet hinaus. Sie bewohnt lichte Wälder und ist

nicht absolut an Kalkboden gebunden. — Blüht im Juni und Juli.

Über die Befruchtung ist z. Z. nichts bekannt.

Tafel 55. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; 2 Blüten,

eine davon im Längsschnitt und stärker vergrößert, daneben eine

Pollenmasse; links ein Fruchtknoten quer durchschnitten. —

Alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

56. Cephalanthcra ensifolia Rieh.


— 56 —

Ceplialanthera ensifolia Rieh.

Abg-eleitet von ensis, Schwert und folium, Blatt; also

schwertblätterig - .

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Die Grundachse steigt tief in den Boden aber nicht ganz

so tief als bei der vorigen Art und verläuft oft streckenweis

wag-erecht, die Seitenwurzeln sind gelegentlich g-abelig- geteilt.

Die Scheiden des Stengels gehen bald in Blätter über; diese sind

sehr reichlich entwickelt, sie stehen streng- zweizeilig und sind

lineal-lanzettlich mit langer Spitze, die oberen überragen nicht

selten den Blutenstand. Die unteren Deckblätter der wenig-blütigen

Ähre sind völlig laubblattähnlich und viel länger als die Fruchtknoten

oder sog-ar die ganzen Blüten. Die Pflanze einschließlich

der Fruchtknoten ist im Gegensatz zur vorhergehenden Art

völlig- kahl. Die Blüten sind meist sitzend, wenn sie gelegentlich

einen kurzen Stiel haben, so ist dieser und nicht der Fruchtknoten

gedreht. Die 3 äußeren und die beiden etwas kleineren

seitlichen inneren Hüllblätter sind lanzettlich und spitz (die inneren

etwas kürzer und stumpfer), alle 5 sind reinweiß und bilden einen

Helm über der Säule. Das Hypochilium der Lippe ist ziemlich

tief und zweilappig, die Seitenlappen kurz dreieckig- und stumpf.

Der vordere Teil des Labellums, das Epichilium, ist breit dreieckig-,

an der Spitze zurückg-ebog-en und am Rande stumpf gekerbt.

Die Oberfläche dieses Teils ist mit gezähnten Leisten und

Kämmen von goldgelber Farbe auf schneeweißem Grunde geziert.

Die ebenfalls reinweiße Säule wird von den Seitenlappen

des Hypochiliums umfaßt, sie ist schlank und ebenso lang wie

das Labeil um. Die Narbenfläche ist gerandet und in der Mitte

becherförmig" vertieft. Die beiden Pollenmassen sind g-änzlich

g-eteilt, es sind also 4 vorhanden.

Durch das ganze Waldgebiet und Mediterrang-ebiet Europas

verbreitet, südlich bis Nord-x\irika, östlich bis Kashmir und das

ganze nordwestliche Himalaya-Gebiet. Die Pflanze bewohnt Waldwiesen

und lichte Gebüsche und setzt, wie manche andere Orchidee

auf Jahre hinaus ihr Erscheinen aus. — Blüht im Juni und Juli.

Die Kreuzbefruchtung ist wahrscheinlich, Selbstbefruchtungwie

bei der folgenden Art scheint nicht oder nur selten vorzukommen.

Genauere Beobachtungen fehlen augenblicklich noch.

Tafel 56. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. 3 Blüten,

— Alles verg-rößert.

1 davon (rechts oben) im Läng-sschnitt, links oben 2 Pollenmassen.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

57. Cephalanthera grandiflora Babingt.


zweiten

Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

—, 57 —

Cephalanthera grandiflora Babingt.

Cephalanthera pallens Rieh.

Grandiflora, g-roßblütig. — In vielen Floren unter dem

Namen.

Pallens, bleich; soll wohl die weiße Blütenfarbe bezeichnen

und ist ein nicht glücklich gewählter Name für die auffallend

sein nie Pflanze, da auch andere Arten weiß blühen.

Die Grundachse ist meist stärker als die über der Erde

befindlichen Stengel, sie verläuft stellenweis wagerecht, dann

wieder für längere Strecken schräg abwärts. Die Stengel

werden über 30 cm hoch, sie sowohl wie die Blätter und der

gesamte Blütenstand sind stets kahl. Die Blätter sind länglich,

nieist spitz, seltener abgestumpft. Der Blütenstand besteht aus

nur einigen wenigen großen Blüten, deren Deckblätter —

besonders die unteren — völlig- laubblattartig sind und die

Fruchtknoten unter Umständen sogar die ganzen Blüten weit

überragen. Die Fruchtknoten sind meist sitzend, sehr selten

gestielt. Die 3 äußeren und die beiden seitlichen inneren Hüllblätter

sind länglich, am Grunde etwas keilförmig- und stumpf,

die inneren sind gleich, aber etwas kleiner, alle 5 bilden zusammen

einen die Säule und das Labellum einschließenden Helm. Der

die Basis bildende Teil des Labellums, das Hypochilium, hat

2 stumpfe, die Säule umfassende Lappen und sondert auf seinem

Grunde reichlich Honig ab. Der vordere Teil, das Epichilium,

ist breit, oblong oder herz-nierenförmig und vorn abgerundet.

Die Längsadern sind zu g-ezähnelten Längskielen entwickelt,

deren mittlerer bis zur Basis der Lippe verläuft. Der Rand ist

schwach gekerbt und g-efältelt. Die ganze Blüte ist schneeweiß,

die Längskiele der Lippe goldig auf weißem Grunde. Die Narbe

ist breit-schildförmig- und sehr groß.

Durch Mittel-Europa und das Mittelmeergebiet weit verbreitet,

östlich bis Cypern und den Kaukasusländern, auf Sizilien

und Sardinien (Korsika?), nicht in Nord-Afrika und Syrien. —

Blüht im Mai und Juni.

Die Befruchtung ist ein seltenes Mittelding von Selbstbefruchtung

und Kreuzbefruchtung. Die Pollen massen treiben

aus den vorderen, dicht über der Narbe geleg-enen Partieen

schon im Knospenzustand der Blüte Schläuche in das Gewebe

der Narbe und schützen durch diese Fäden, welche gewissermaßen

ein Gerüst von Versteifungen bilden, die Pollenmassen


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 57 —

davor, gänzlich aus der sich öffnenden Blüte herauszufallen.

Werden nun die stets honiglosen Blüten von Insekten besucht,

so ist es sehr wohl möglich, daß sie Massen des leicht zu entfernenden

Pollens mitnehmen ; als Lockmittel dienen die goldg-elben

oder orangefarbigen Kämme im Labellum, deren Benagen

länger dauert als das Ausschlürfen von flüssigem Nectar. Die

dazu nötige Zeit ist jedenfalls ausreichend, um etwas Pollen den

Insekten irgendwo anzukleben, den sie auf anderen Blüten absetzen

können. Sollte eine Blüte von keiner anderen her den

Pollen erhalten, so genügen die schon während der Knospenzeit

eingedrungenen Pollenschläuche, um eine wenn auch minder

erfolgreiche Befruchtung - zu bewirken. Die Menge des zur Verfügung-

stehenden Pollens ist bei dieser Art sehr groß und er ist

an sich klebrig genug, um an anderen Gegenständen von selbst

zu haften, sofern man ihm die nötig-e Zeit läßt. -- Von Formen

dieser Art ist besonders Ceph. Lonchophyllum Rchb. f. bemerkenswert,

bei welcher die unteren Deckblätter völlig die

Größe von Laubblättern haben.

Tafel 57. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe; links

oben Säule und Lippe von der Seite gesehen, darunter 2 Pollenmassen,

darunter Säule und Lippe (letztere etwas herabgebogen)

von vorn g-esehen. Rechts Blüte im Längsschnitt, unten der

Fruchtknoten quer durchschnitten. — Alles vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

58. Cypripedmm caleeolus L.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

Frauenschuh.

— 58 —

Cypripedium Calceolus L.

Grundachse im Boden kriechend mit zahlreichen Wurzeln

versehen. Das vordere Ende verlängert sieh jedes Jahr um ein

kurzes .Stück, während das hintere Ende abstirbt. Der Stenge]

ist einlach und mit 4 5 großen oblongen spitzen, starknervigen

Blättern bekleidet: diese wie die ganze Pflanze sind fein behaart;

das oberste I'latt ist gewissermaßen das Deckblatt der

Blüte. Blüten eine oder 2, welche nicht durch Drehung des

Fruchtknotens, sondern durch ein eigentümliches Überkippen der

Knospe in die resupinierte Stellung- gelangen.*) Von den 3 äußeren

Perigonblättern ist das obere breite eiförmig, lang zugespitzt

und übergeneigt, die beiden seitlichen sind in ein schmal-lanzettliches

vorn in 2 Zipfel geteiltes Blatt verwachsen. Die beiden

Fetalen sind lineal-lanzettlich und machen eine und eine halbe

Schraubenumdrehung. Diese 4 Blätter sind schön purpurbraun.

Das Labellum ist ein umgekehrt eiförmiger (also vorn breiterer)

Sack mit eingebogenen (überkragenden) Rändern mit ungefähr

9 schwach vertieften Läng-sfurchen, außen glatt, im Innern nach

der Basis zu mit feinen Härchen besetzt. Die Farbe dieses sogenannten

Schuhes, von dem die Pflanze den Namen hat. ist

goldgelb mit feinem, purpurrotem Saum und purpurroten Längslinien

im Innern. Die Säule ist so völlig- abweichend von der

aller anderen Orchideen, daß Cypripedium und seine Verwandten

streng genommen eine selbständige Gruppe außerhalb der

Orchideen bilden. Das bei den anderen Orchideen vorhandene

Staubgefäß ist hier in einen flachen, oben durch den eingebogenen

Rand schwach vertieften, oblongen Körper (Staminodium) verwandelt,

jederseits neben ihm steht 1 Staubgefäß, welches einen

kurzen dicken Staubfaden besitzt und daran den Staubbeutel,

diese haben weder einen Deckel wie bei Liparis, Microstylis und

Melaxis, noch eine zweifächerige Anthere wie bei Orchis,

Ophrys usw., es rindet sich auch kein Rostellum und keine

Narbenhöhle, sondern der Griffel ist kurz und djek und trägt

an seinem vorderen Ende eine gleichfalls schildförmige, in der

Mitte etwas vertiefte, deutlich dreiteilige Narbe. Der ganze

Apparat erinnert also sehr stark an die Einrichtung bei anderen

Blütenpflanzen. Der Pollen ist ein äußerst zäher, klebriger Kitt

und von dem der übrigen Orchideen sehr verschieden.

*) Siehe Einleitung S. VH.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 58 —

Die Pflanze bewohnt g-anz Mittel-Europa, ist aber streng

an Kalkboden gebunden, sie bevorzugt die Wälder, besonders

die etwas lichteren, ohne deshalb Wiesen gänzlich zu meiden.

In Sibirien kommt sie ebenfalls vor, wird aber dort nach und

nach von Cyprip. macranthos verdrängt. Die üppigsten mir je

vorgekommenen Exemplare fand ich in einzelnen schattigen

Schluchten des Kreidemergels der Stubbnitz auf Rügen, wo der

Kalkboden, der massenhafte Laubwaldhumus und die Seeluft

Exemplare hervorbringen, welche dem nordamerikanischen

Cypriped. Reginae an Größe nahekommen. Sie blüht im

Mai und Juni.

Die Befruchtung der Pflanze wird durch kleine Bienen,

besonders solche der Gattung- Andrena besorgt, welche in das

Labellum kriechen, um dort die honigabsondernden Haare zu

verzehren. Am Verlassen des Labellums durch die große mittlere

Öffnung werden sie durch den übergreifenden Rand gehindert,

und so müssen sie an der Narbe vorbei durch eine der

beiden Öffnung-en am Grunde der Lippe herauskriechen. Dies

gelingt ihnen meist, aber sie passieren dabei unterhalb der

beiden Staubbeutel durch, deren klebrig-er Pollen auf dem Rücken

der Bienen einen dicken Streifen hinterläßt. Kriechen sie nun

in eine andre Blüte, so wischen sie einen Teil des mitgebrachten

Pollens auf die Narbe und vermitteln so die Befruchtung - . Dies

ist von Ch. Darwin durch direkte Versuche nachgewiesen.

Der Name Cypripedium ist etymologisch nicht einwandfrei

und er würde richtiger Cypripedilum lauten. Es ist indessen

bei weitem besser, die alte Schreibweise beizubehalten. Wohin

würde es führen, wenn man alle anfechtbaren Namen umkorrigieren

wollte! Littera scripta manet.

Tafel 58. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe nebst

einer Blüte von der Seite gesehen; rechts unten die Säule, von

unten (die linksseitige) und von oben (die rechtsseitige Darstellung-),

darunter der Fruchtknoten im Querschnitt, die drei

letzteren Figuren etwas vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

59. Serapias pseudo-cordigera Moricand


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 59 —

Serapias pseudo-cordigera

Moricand.

Sepajriaq bedeutete in der altg-riechischen Botanik eine

dem Serapis heiligte Pflanze, wahrscheinlich unsere Orchis morio.

Pseudo - cordigera, um sie von der ähnlichen in Süd -Italien

heimischen Scrap. cordigera zu unterscheiden.

Die Gattung- Serapias g-ehört zu den Ophrydeen, also in

die Verwandtschaft von Orchis. — Kräuter, von der Tracht einer

schlanken Orchis mit 2 ziemlich kleinen kugeligen Knollen, von

denen die jüng-ere in der Reg*el kurz gestielt ist. Der Stengel

ist schlank und oben, wie auch mehr oder wenig-er die ganze

Pflanze, rot überhaucht. Die Blätter sind lineal-lanzettlich und

lang- zugespitzt, sie gehen nach oben hin in große halb-laubblattähnliche,

halb blumenblattähnliche und netzartig geäderte Deckblätter

über, welche die Blüten meist beträchtlich überragen.

Die 3 äußeren Perigonblätter sind lanzettlich und g-ehen in eine

lange Spitze aus, das mittlere ist g-rößer als die beiden seitlichen.

Die beiden inneren seitlichen Hüllblätter sind an der Basis dreieckig-

und sehr lang zugespitzt, sie bilden mit den 3 äußeren ein

enges röhrenförmiges Gebilde, welches die Säule eng- umschließt.

Das Labellum ist dreilappig-; die seitlichen Lappen sind abgerundet,

fast halbkreisförmig und umfassen die Säule, der mittlere ist länglich

lanzettlich und sehr spitz, dieser letztere Teil ragt einzig

und allein aus der engen röhrenförmigen Blüte hervor. Dieser

Teil hat an der Basis 2 stumpfe nebeneinander oder voneinander

entfernte Buckel und in

der Mittellinie eine einfache oder Doppelreihe

g-lanzheller saftiger Härchen, er ist oft ziemlich lang, nach

unten g-eschlag-en und der auffallendste Teil der Blüte. Die

Färbung der 5 oberen Blätter ist ein düsteres Purpurbraun, das

Labellum ist schön purpurn, die beiden Buckel sind tief schwarzpurpurn.

Die Säule ist an sich, d. h. bis zum Befruchtungsapparat,

kurz, oberhalb desselben jedoch in einen langen, geschweiften, am

Rande g-ezähnelten Schnabel ausgezogen. Die Pollenmassen

haben eine Klebscheibe, die Antherenfächer sind parallel, die

Narbenhöhle ist umgekehrt herzförmig. Die Säule ist ebenfalls

purpurrot. Die Blüten stehen steil dem Stengel ang-edrückt und

sind öfter nicht völlig resupiniert, sondern stehen etwas schief.

Die Nordgrenze dieser Pflanze ist Südtyrol, sie ist auf das

Mediterrangebiet beschränkt wie die wenigen anderen Arten

dieser Gattung-. Sie findet sich durch dies ganze Gebiet auf

Triften mit fruchtbarem nicht zu trockenem Boden, ostwärts bis


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 59 —

Syrien (bei Antiochia nach Dr. Kotschy), auch auf allen großen

Inseln mit Einschluß von Cypern.

Die Befruchtung wird durch Bienen bewirkt.

April und Mai.

— Blüht im

Die Pflanze ist hier mit aufgeführt, weil sie ebenso wie

Orchis papilionacea (Tafel 13), denen wohl bekannt sein wird,

welche den Frühling" und Vorsommer an der Riviera verlebt

haben, denn sie gehört mit zu den auffallendsten Pflanzengestalten

der Frühlingsflora dieser sonnigen Küste.

Tafel 59. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe. Rechts

oben die Säule von der Seite gesehen, darunter eine Blüte im

Längsschnitt, darunter der Fruchtknoten im Querschnitt. — Alles

schwach vergrößert.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

GO. Calypso bulbosa Rchb. F.


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 60 —

Calypso bulbosa Rchb. F.

Calypso borealis

Salisbury.

Calypso, bekannter Name einer in der Odyssee erwähnten

Nymphe. Bulbosus, weg-en der zwiebelähnlichen Knolle. Borealis,

den Norden bewohnend.

Die Knolle bestellt aus 2 kurzem Stengelgliedern oder

Internodien und steht halb oberirdisch; sie ist eiförmig- oder

oblong- und hat neben sich und in denselben Niederblättern

steckend die Knolle des Vorjahres und ihre eig-ene Ersatzknolle

für das nächste Jahr. Aus dem Zipfel der Bulbe entspringt das

einzig-e Blatt und der Blütenschaft. Das Blatt ist sehr langg-estielt,

der Stiel ist fast so lang wie die Blattfläche, diese letztere

ist oblong- oder herzförmig-, ziemlich lang- zugespitzt und oben

dunkelgrün. Der Blütenschaft hat an seiner unteren Hälfte ein

Scheidenblatt und trägt eine einzige Blüte. Das Deckblatt ist

lanzettlich und umfaßt den unteren Teil des Blütenstieles scheidenartig.

Die 3 äußeren und die beiden seitlichen inneren Hüllblätter

sind lanzettlich und zug-espitzt, sie sind blaß rosenrot oder weißlich

rot mit dunkel rosaroten Längsstreifen. Das Labellum ist

ihnen an Länge gleich, es ist im allgemeinen Umriß geigenfÖrmig-,

am Grunde ausg-ebreitet und an der Spitze sackartig oder schuhartig

mit stumpfer Spitze. Auf der Oberseite des Schuhes unmittelbar

vor der Öffnung nach innen steht (wie eine Rosette)

ein Büschel fleischiger Warzen. Das Labellum selbst ist außen

rosarot, das Innere purpurbraun, die Rosette von Wärzchen

g-oldgelb. Die Ähnlichkeit mit einem Schuh ist hier größer als

bei Cypripedium. Die Säule ist kurz, blumenblattartig verbreitert

und rosa gefärbt. Die Anthere ist kegelförmig, im Innern undeutlich

zweifächerig. Die 2 Pollenmassen sind so tief zweiteilig,

daß es tatsächlich 4 Massen sind, welche an einer kurzen

quadratischen Klebscheibe sitzen. Die Narbe ist nierenförmig

oder quer oblong.

Das Verbreitungsgebiet dieser Art schließt sich unmittelbar

an das an, dem die meisten Arten dieses Buches angehören, dem

Norden beider Hemisphären. Sie wächst im nördlichen Nord-

Amerika, in Nord-Europa und durch ganz Sibirien, in Torfsümpfen

so tief im Moore steckend, daß das einzige Laubblatt dem Boden

oder wohl richtiger dem Moore aufliegt. — Blüht im Mai und Juni.

Es ist sehr auffallend, daß die Unterabteilung der Epidendreen,

welche sonst nur in tropischen und kaum in subtropischen Gegenden


Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

— 60 —

vertreten ist und welche sonst in Europa fehlt, im Polarg-ebiet durch

diese, wie die Abbildung zeigt, wunderschöne Pflanze repräsentiert

wird. Der Name muß jetzt aus Gründen der Priorität Cal. bulbosa

heißen, ich habe jedoch den älteren Namen der Pflanze außerdem

beigefügt, da er der bekanntere ist.

Tafel 60. Gesamtbild der Pflanze in natürl. Größe, daneben

2 Blüten, die eine (rechts) ebenfalls in natürl. Größe, die andre

(links) schwach verg'rößert und im Längsschnitt.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine