ursprung, zwiespalt und einheit der seele - Gustav Hans Graber ...

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ursprung, zwiespalt und einheit der seele - Gustav Hans Graber ...

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Vorwort zur Taschenbuchausgabe

Die Schrift "Einheit und Zwiespalt der Seele« erschien 1945 (2. Auflage)

und ist seit mehreren Jahren vergriffen. Die Herausgabe einer dritten

Auflage drängte sich seit langem auf. Es ist deshalb sehr dankenswert,

daß Herr Wilhelm Goldmann sich bereit erklärte, sie in der Reihe

GOLDMANNS GELBE TASCHENBüCHER erscheinen zu lassen.

In den 30 Jahren seit der Publikation der zweiten Auflage sind in allen

Wissenschaften und der Technik sprunghaft und atemberaubend neue

Erkenntnisse aufgeblüht, die vieles, was damals dem kritischen Geist

noch als bloße Hypothese (Annahme) oder gar als Utopie (Hirngespinst)

erschien, heute als erwiesene Tatsache und gesichertes Wissen

erscheinen läßt.

Erfreulicherweise trifft dies auch für die Psychologie und ihren jüngsten

Wissenszweig, die Tiefenpsychologie, zu. Manche Wissenschaft, wie

Medizin, Anthropologie, Biochemie, Physik usw. halfen in hohem Maße,

psychologisches Neuland zu erschließen.

Modernste elektronische Mikroskope, die das Wunder des Zellenlebens

offenbarten, Ultraschallgeräte, die u. a. die Herztöne des Kindes im

Mutterleib schon nach sechs Wochen der Schwangerschaft hörbar

werden lassen, modernste Röntgenfernsehgeräte, mit denen das Leben

des Kindes im Mutterleib in all seinen Phasen der Entwicklung

beobachtet werden kann, sind nur einige der Hilfswissenschaften und

Apparaturen, die neue Errungenschaften der Psychologie in hohem

Maße förderten.

Aber immer noch - 50 Jahre, nachdem Dr. O. RANK und ich gleichzeitig

und unabhängig voneinander in je einer Schrift die Ideen des

vorgeburtlichen Seelenlebens und des Traumas der Geburt vertraten -

werden diese Vorstellungen vielfach von den Tiefenpsychologen

beinahe ebenso ignoriert oder abgelehnt wie damals. Dr. RANK ist seit

35 Jahren tot, und so blieb es mir bestimmt, in meinen Büchern,

Abhandlungen und Vorträgen in .

einem Alleingang die Ideen über den harmonischen Ursprung und

Verlauf des Seelenlebens im Mutterleib und dessen erste grundlegende

Störung durch die Geburt zu entwickeln.

Aber einer der hervorragendsten und frühesten Schüler S. FREUDS, der

ungarische Psychiater Dr. S. FERENCZI, der schon ab 1906 zu dem

damals noch kleinen Kreis von Forschern um den großen Entdecker des

Zuganges zum unbewußten Seelenleben gehörte, darf hier nicht

unerwähnt bleiben. Denn bereits 1913 schrieb er in seiner Arbeit

»Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes« (Intern. Ztschr. f.

Psychoanalyse I, Heft 2):

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