ursprung, zwiespalt und einheit der seele - Gustav Hans Graber ...

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ursprung, zwiespalt und einheit der seele - Gustav Hans Graber ...

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A. Die Einheit der vorgeburtlichen Seele

Über den Ursprung des Seelenlebens

über den Ursprung der Seele wurde in Wissenschaften und Religionen

viel Widersprechendes und Unwirkliches in die Welt gesetzt. Da der Leib

des Menschen seinen Ursprung in der befruchteten Eizelle hat, so muß

sich nach dem Prinzip der Leib-Seele-Einheit der Ursprung der Seele

ebenfalls in der befruchteten Urzelle befinden.

In dem mit dem Gynäkologen Prof. Dr. M. BERGER geführten Gespräch,

in dem er - wie im Vorwort erwähnt - ein vorgeburtliches Seelenleben

des Kindes als eine selbstverständliche Tatsache anerkannte, stellte ich

ihm die weitere Frage, wann denn nach seiner Auffassung das

intrauterine Seelenleben beginne.

Seine Antwort war wiederum eindeutig und überzeugt: "In der

befruchteten Eizelle.« Das ist seit Jahrzehnten auch meine Überzeugung.

Leib und Seele entwickeln sich demnach als Ganzheit von der

befruchteten Urzelle an im Mutterleib bis zu ihrer Reife vor der Geburt.

So wie der "fertige« Leib bei der Geburt zur Welt kommt, so auch die

unbewußte, ausgereift-ganzheitliche Seele: das unbewußte Selbst.

Die skizzierte einfache biologisch-genetische Darstellung fand sich

kaum bei den Psychologen, eher noch bei den Theologen.

Wir müssen jedoch einsehen, daß, wenn wir über den Ursprung des

Seelischen nicht völlig im Klaren sind, dann wird auch die Erkenntnis

seelischer Entwicklung und Zielsetzung verworren.

Hier liegt die Ursache, warum in den verschiedenen

tiefenpsychologischen Schulen seelische Strukturbegriffe wie Ich, Selbst,

Es, über-Ich usw. oft so ganz andersartig verstanden werden.

Wenn aber je in unserer frühesten Kindheit eine seelisch-traumatische

Strukturveränderung im Sinne einer Oberflächenbildung stattfand, kann

dies nur durch die Urgewalt der Geburt erfolgt sein. Sie schafft die große

Scheidung. Was vordem an Lebensbedingung war, ist so unendlich

andersartig als das Dasein danach, daß im ganzen Lebenslauf niemals

irgend ein Erleben an Intensität auch nur entfernt daran reichen könnte

mit einer Ausnahme: die seelische Wiedergeburt. Aber auch sie, obwohl

das Ergebnis ein neuer Mensch ist, bleibt doch nur ein Wiederholungserlebnis.

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