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Moos auf den Steinen

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Österreich

Re-Release

Moos auf den Steinen

Re-Release präsentiert im Februar Georg Lhotzkys stilistisch markante Gerhard-Fritsch-

Verfilmung MOOS AUF DEN STEINEN aus dem Jahre 1968, die in der heimischen

Filmgeschichtsschreibung gerne als erster Exponent des »Neuen Österreichischen Films«

gehandelt wird.

Es kuratiert Lukas Maurer

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Vergangenheit und Gegenwart. Diese zwei Pole

sind im Kontext von Georg Lhotzkys vielzitierter

Adaption von Gerhard Fritschs gleichnamigem

Debütroman (1956) in verschiedener Weise von

Bedeutung. Zum einen auf inhaltlicher Ebene:

MOOS AUF DEN STEINEN erzählt von einer

verschwindenden, donau-monarchistisch geprägten

Welt, von einer disparaten Gruppe an

Personen (ein dauerquasselnder Geschäftsmann,

ein stiller Literat, eine Baronesse, ein nachdenklicher

Baron), die sich an einem Wochenende auf

einem verfallen, barocken Landschloss begegnen

und in deren Lebensauffassungen unterschiedliche

»Österreich-Bilder« gespiegelt sind, wie auch der

Ort an sich, dass Marchfeld-Schloss, zum »Symbol

für Österreich« (Gerhard Fritsch) gerät. Zum

anderen lässt sich Lhotzkys Kinodebüt auch in seiner

Produktionsgeschichte zwischen Gestern und

Heute positionieren. MOOS AUF DEN STEINEN

(1968) ist ein Schwellen-Film, der dem Trümmerzustand

der österreichischen Filmwirtschaft trotzte

und sich aus Eigenleistungen der Filmemacher,

bescheidenen Subventionen und Sachleistungen des

ORF finanzierte – nicht zuletzt deshalb markiert

der Film gemeinhin den Beginn des »Neuen Österreichischen

Films«. Und schließlich ist es, freilich

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Österreich Re-RELEASE

eng mit Inhalt und Produktion verbunden, seine

formalästhetische Haltung, in welcher die beiden

Pole Vergangenheit und Gegenwart wirksam sind.

MOOS AUF DEN STEINEN ist der ambitionierte

Versuch, den ausgetreten Erzählpfaden des heimischen

Kinos eine mutige, internationale Filmsprache

entgegenzusetzen, zeichnet sich aus durch eine

agile Kamera, die gerne in Plansequenzen schwelgt,

durch elaborierte Bild- und Tonentkoppelungen,

sprich: durch eine Montage und Mise-en-Scène, die

insbesondere für den – durchaus ambivalenten –

Schmerz der Erinnerung, der dieser Geschichte zugrunde

liegt, immerzu sinnbildliche Entsprechungen

bereithalten. »Spielt’s Wirklichkeit, Kinder«,

heißt es am Ende im Film. Ein (innerer) Zuruf, der

sich in gewisser Weise auch als Forderung nach

einem mehr an Realismus im österreichischen

Kino lesen lässt. Ein Forderung, der aber – wie

man weiß – in den folgenden Jahren (oder auch:

Jahrzehnten) nur zögerlich nachgekommen wurde

(das Fernsehen war da mit Blick auf die wirklichkeitsnahen

Fernsehspiele in den Siebzigern schon

schneller). Die Vergangenheit hält lange an.

Lukas Maurer

MO 14.2., 20:45 | DO 17.2., 18:30 | SA 19.2., 18:45 |

MI 23.2., 18:15 | FR 25.2., 20:45

MOOS AUF DEN STEINEN A 1968

reGie Georg Lhotsky BUCH Georg Lhotsky, nach dem gleichnamigen

Roman von Gerhard Fritsch KAMERA Walter Kindler

SCHNITT Hannelore Klimitschek MUSIK Friedrich Gulda MIT Erika

Pluhar, Heinz Trixner, Wilfried Zeller-Zellenberg, Fritz Muliar

PRODUKTION West-Film, Wien 79 Minuten, 35mm, s/w

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