aus dem Triathlet Nr. 111 - Maik Petzold

maik.petzold.de

aus dem Triathlet Nr. 111 - Maik Petzold

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juni 2013 | Nr. 111

Aerohelme

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S. 60

30

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S. 52

Maik Petzold

Zum Abschied auf

die Langdistanz

S. 14

Ironman 70.3

Llanos schlägt

Raelert auf Mallorca

Team 2020

Die Olympiasieger

von morgen?

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Der zerlegte

Ironman

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Ein „alter Sack“

auf Abschiedstour

Mister Zuverlässig macht Schluss. Nach 15 Jahren im Hochleistungssport will

Maik Petzold endlich privat „Nägel mit Köpfen“ machen. Allerdings nicht, ohne

vorher noch einen Langdistanztriathlon in Angriff zu nehmen. In Roth schließt

sich ein Kreis in seiner Familiengeschichte.

ጫጫ

Ines Bellinger

Zum Ende seiner Triathlonkarriere hätte Maik

Petzold beinahe noch eine handfeste Familienkrise

heraufbeschworen. Der erste Satz, der

seinem Vater Reinhard über die Lippen kam,

als er ihm von seinem Plan erzählte, zum Abschluss

noch ein Langdistanzrennen bei der Challenge

in Roth zu bestreiten, war: „Dann starte ich auch!“ Doch

Mutter Angela, seit jeher heimliches Oberhaupt und geschickte

Lenkerin des sportbegeisterten Petzold-Clans aus

Bautzen, haute mit aller Macht dazwischen: „Nee, du begleitest

und betreust Maik lieber“, ordnete sie an.

Theater bei Kilometer 30

Es ist nicht so, dass Angela Petzold ein Machtwort sprechen

musste, weil ihr Mann keinen langen Kanten mehr

in Angriff nehmen könnte. Der 60-Jährige ist topfit und

gerade in Cottbus Deutscher Duathlonmeister in seiner

Altersklasse geworden. „Er ist unverwüstlich. Jedes

zweite Wochenende sucht er sich einen Wettkampf raus,

den er cool findet“, erzählt Maik. Dass Reinhard Petzold

der Idee so bereitwillig folgte, liegt an einem gewissen

Charme, der dem Projekt anhaftet. Mit einem Rennen

an diesem Ort und in dieser

„Die Erwachsenen

neben mir sind nicht

geschwommen,

sondern durchs

Wasser gesprungen,

weil der Wasserstand

so niedrig war“

Konstellation – Sohn schwitzt,

Vater feuert an – schließt sich

der Kreis in einer besonderen

Vater-Sohn-Beziehung.

Es ist 20 Jahre her, dass Maik

Petzold das erste Mal in Roth

war. Damals in der Konstellation

– Vater quält sich, Sohn radelt

nebenher. „Maiki“, wie er

heute noch genannt wird, war

15, ein strohblonder Schlacks,

der viel lächelte, aber sparsam

redete. Er begleitete seinen Vater mit dem Fahrrad auf

der Laufstrecke – und sah ihn leiden. „Bei Kilometer 30

ging das Theater los“, erinnert sich Reinhard. „Ich musste

immer wieder Gehpausen einlegen.“ Trotzdem finishte er

in 9:05:53 Stunden und belegte Platz drei in seiner Altersklasse.

Während sein Vater ausgelaugt, aber glücklich mit

der Qualifikation für Hawaii in der Tasche schon weitere

Ironman-Pläne schmiedete, stand für den Junior fest: „Das

hier willst du nie machen.“

Der Vater-Virus

Maik und seine Schwester Tina begannen trotzdem schon

früh, dem Vater nachzueifern. Die Familie frönte jedem

nur denkbaren Sport: Klettern, Skilanglauf, Wasserball,

Radfahren, Schwimmen, Laufen. Reinhard Petzold

gehörte zu den Triathlonpionieren im Osten, ein Tausendsassa,

unkonventionell und experimentierfreudig. Er startete

1984 beim ersten offiziellen DDR-Triathlon in Leipzig,

der sich noch „Ausdauerdreikampf“ nennen musste, und

infizierte seine Kinder mit dem „Virus“. 1990 wagte Maik

in Niesendorf in der Oberlausitz sein erstes Rennen. „An

dem Tag war es sehr heiß, und der See hatte verdammt

wenig Wasser“, erinnert er sich. „Die Erwachsenen neben

mir sind nicht geschwommen, sondern durchs Wasser gesprungen,

weil der Wasserstand so niedrig war. Ich war

zwölf, bin aber trotzdem ziemlich weit vorne wieder an

Land gekommen.“

Es war ein Aha-Erlebnis. Er erkannte seine Begabung.

„Mich hat es motiviert zu sehen: Du bist verdammt

schnell. Ich wurde am Anfang ja nicht spezifisch auf Triathlon

trainiert, aber ich habe ziemlich schnell gemerkt,

dass ich in Sachsen alle schlagen kann.“ Maik begann

beim Bautzener LV Rot-Weiß, unter Anleitung seines Vaters

ernsthaft zu trainieren. Die Erfolge kamen schnell: Er

gewann die deutsche Jugendrangliste, wurde Duathlon-

14 triathlon

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Maik Petzold

Geburtstag 16. Januar 1978

Geburtsort Bautzen

Größe

183 cm

Gewicht 69 kg

Familienstand verheiratet mit Nadine

Größte Erfolge 6. Pl. WCS Madrid 2012

5. Pl. WCS Hamburg 2012

3. Pl. ITu­WM 2009

2. Pl. DM Triathlon 2007

1. Pl. WC Salford 2004

19. Pl. Olympia 2004

1. Pl. DM Triathlon 2003

www.maik-petzold.de

Foto: Sina Horsthemke

111 / juni 2013 tri-mag.de

triathlon 15

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personality

Jugendmeister, stand das erste Mal

bei einer Europameisterschaft am

Start. „Als es mit dem Verband losging,

dachte ich: Krass, das hier ist

die Nationalmannschaft, und du gehörst

dazu als Jugendlicher. Da habe

ich peu à peu meinen Traum gelebt.“

Weltspitze statt

Studentenleben

Dass er mit Triathlon nicht würde

reich werden können, war ihm früh

klar, aber das störte ihn nicht. Als

er zur Sportfördergruppe kam und zum Zeitsoldaten

ernannt wurde, konnte er vom Sold seinen Lebensunterhalt

bestreiten. „Ich dachte: Du machst deinen Sport

und bekommst auch noch Geld dafür – ein geiles Leben!“

Am Olympiastützpunkt in Saarbrücken hat er sich

damals, Ende der 1990er-Jahre, ein bisschen wie ein Student

gefühlt. Es wurde regelmäßig gefeiert, und das Training

war nicht mit dem von heute zu vergleichen. „Die

Strukturen waren noch nicht so vorhanden. Wir haben

da auch ein bisschen nach Gefühl trainiert“, gibt er zu.

Immerhin: Es reichte, um 2000 als Dritter der Deutschen

Meisterschaften die Qualifikation für die Europameisterschaften

in Stein am Rhein zu schaffen. Ein Schlüsselerlebnis.

„Da bin ich als Neuling ohne größere Erwartungen

reingegangen und am

„Ich habe ziemlich

schnell gemerkt, dass

ich in Sachsen alle

schlagen kann“

Ende Fünfter geworden. Das

hat mir die Augen geöffnet. Ich

dachte: Wahnsinn, du hast das

Potenzial, in Europa ganz vorne

dabei zu sein und irgendwann

auch in der Weltspitze.“ Den Anschluss

hatte er zwei Jahre später

hergestellt. Der Bronzemedaille bei der Europameisterschaft

in Györ folgte Platz sechs bei der Weltmeisterschaft

in Cancun als bester Deutscher. Wiederum zwei Jahre

später, Im Olympia-Jahr 2004, gelang Petzold sein erster

Weltcupsieg im englischen Salford. „Wir waren auf dem

Rad abgehauen mit zwei, drei Deutschen, und dann bin

ich weggerannt und habe das Ding nach Hause gelaufen.

Allein dieses Gefühl, wenn man mit Vorsprung ins Ziel

läuft; ich konnte das gar nicht fassen“, erzählt er. Sehr oft

hat er dieses Gefühl nicht genießen können. Petzold ist

zwar ein Muster an Beständigkeit. In seinen 15 Profijahren

hat er sich fast durchweg in der Weltspitze behauptet,

in zwölf Jahren an zwölf Weltmeisterschaften teilgenommen.

Die ganz großen Siege aber blieben ihm verwehrt.

Nach Salford folgte nur noch einer beim ITU Punkterennen

2007 in Genf.

Angenagter Sportlerstolz

Es war auch das Jahr, in dem er mit einer seiner größten

Enttäuschungen fertig werden musste. Während sich

Daniel Unger in Hamburg als Weltmeister feiern ließ

und Jan Frodeno als Sechster den zweiten Startplatz für

1990 1995

1987

Erstmal auf zwei Rädern. Bei der

kleinen Friedensfahrt in der DDR

sammelt Petzold junior seine ersten

Ausdauersport-Erfahrungen.

Feuertaufe. Bei einem

Volkstriathlon in Niesendorf

(Oberlausitz) infiziert sich Petzold

im Alter von zwölf Jahren

mit dem Dreikampfvirus.

Teenager Petzold wird von

Bundestrainer Reinhold Häußlein

in die Jugendnationalmannschaft

berufen. Außerdem u. a. dabei:

Anja Dittmer und Andreas Raelert.

Fotos: triathlon.org (Delly Carr,

Janos Schmidt). DTU, privat (2)

16 triathlon

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15 Jahre Profitriathlon, zwölf

Weltmeisterschaften: Die ganz

großen Siege auf der Kurzdistanz

blieben Petzold aber verwehrt

Starker Schwimmer: Beim

ersten Wechsel ist Petzold

immer vorn dabei, zeigt

selbst Superstar Gómez das

Hinterrad

Olympia in Peking ergatterte, kam Petzold nicht ins Ziel.

„Das war einer der bittersten Momente: In guter Position

liegend ein Rennen aufgeben zu müssen, weil der Muskelfaserriss

so geschmerzt hat“, erzählt er. „Und dann sieht

man, wie die Kollegen brillieren. Das hat mich gefreut,

aber zugleich wusste ich: Da gehen jetzt die zwei Tickets

für Olympia weg.“ In seiner ganzen Karriere hat Petzold

nur vier Mal aufgeben müssen: in Hamburg wegen einer

Verletzung, zwei Mal nach einem Radsturz und einmal

wegen Überhitzung. Es ist etwas, das an seinem Sportlerstolz

nagt: „Die Ziellinie nicht zu überqueren, wenn du

ein Jahr lang auf dieses Highlight hinarbeitest, das ist

fürchterlich.“

Mit sportlichen Niederlagen kann Petzold viel besser

umgehen. Er ist ein fairer Sportsmann, der die Leistungen

seiner Rivalen wertschätzt. Als er 2008 beim Weltcup

in Madrid elf Sekunden zu langsam war für das letzte

Olympiaticket, haderte er nicht mit seinem platten Reifen,

sondern gratulierte dem Peking-Reisenden Christian

Prochnow zu einem „saustarken Rennen“.

Kein „Schwachleister“

Der Traum von Olympia war damit nicht ausgeträumt.

Den 19. Platz von Athen wollte Petzold unbedingt noch

einmal toppen. Obwohl ihn der damalige Sportdirektor

Rolf Ebeling am liebsten aus der Sportfördergruppe

raus argumentiert hätte („Ihr kriegt Geld in den Arsch

geblasen und es kommt nichts rüber. Ihr macht nur

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Extrem schnell. Extrem sicher.

Reibungsverluste zwischen Reifen und Schlauch

gibt es nicht mehr. Der Rollwiderstand ist radikal

minimiert. Plötzlicher Luftverlust nahezu ausgeschlossen.

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Hartnäckig von A bis Z:

Dass er vom ehemaligen

DTu­Sportdirektor als

Schwachleister hingestellt

wurde, ärgerte Petzold

Platzierungen statt Medaillen.“), blieb Petzold har tnäckig.

Es ärgerte ihn, dass er als Schwachleister hingestellt wurde.

„Mein Ansatz war nie, mich von Jahr zu Jahr durchzumogeln.“

Der Peking-Enttäuschung ließ er eine Trotzreaktion

folgen – und sein bestes Jahr als Profi. In der neu

geschaffenen WM-Serie legte er

„Ich dachte: Mensch,

jetzt gehörst du auch

schon zu den alten

Säcken“

sechs Top-Ten- Platzierungen hin

und stand in der Endabrechnung

als Dritter auf dem Siegerpodest.

„Beim letzten Rennen

an der Gold Coast wusste ich,

dass es fünf Anwärter gibt auf

die Medaille. In der letzten Laufrunde

habe ich dann den entscheidenden Antritt gewagt

und mit dem vierten Platz die Bronzemedaille im Gesamtklassement

gesichert. Es ist schwer zu beschreiben,

welche Gedanken einem da durch den Kopf gehen. Das

ist so genial.“

Private Projekte

So schön dieser späte Erfolg war: Petzold war inzwischen

31 Jahre alt. Einige seiner Wegbegleiter hatten sich längst

vom Triathlon verabschiedet oder den Wechsel auf die

Langstrecke gewagt. Auch der bodenständige Sachse trieb

nun langsam, aber sicher die Planungen für die Zeit nach

der Karriere voran. „Nägel mit Köpfen machen“, nennt er

das. 2010 heiratete er Nadine, mit der er – Konstanz ist

das Stichwort! – seit 1998 zusammen ist. „Wir haben uns

auf einer Zugfahrt von Dresden nach Bautzen kennengelernt.

Sie hat mich angelächelt, und ich fühlte mich

aufgefordert.“

Gemeinsam kauften sie vor drei Jahren im Bautzener

Villenviertel eine sanierungsbedürftige Jugendstilvilla mit

sechs Wohneinheiten. Sie wird nun renoviert. Im Herbst,

kurz bevor er in Bautzen sein Public-Management-Studium

beginnt, wollen Maik und Nadine dort einziehen und

die restlichen Wohnungen vermieten. „Das Haus hat mir

schon einige schlaflose Nächte bereitet“, räumt Petzold

ein. „Es ist eines der größten Projekte, die ich privat in

meinem Leben anpacken werde.“

Auch über Kinder denken die beiden schon länger

nach. „Eigentlich beneide ich die, die schon mit 30 Papa

geworden sind. Aber auf der anderen Seite wollte ich

das nicht, solange ich den Sport auf so hohem Niveau

betreibe, weil man es definitiv nicht so genießen kann“,

sagt Petzold.

Einer für alle

Nach der Hochzeit hat er also noch zwei Jahre sein Leben

als Triathlonprofi ausgekostet – und Unverhofftes mitgenommen.

Bei der Team-Weltmeisterschaft in Lausanne

2011 wurde er überraschend für die erste Mannschaft nominiert,

gemeinsam mit Steffen Justus, Anja Dittmer und

Svenja Bazlen. Dann unterlief ihm ein folgen schwerer

Wechselfehler, der mit einer Zeitstrafe von 15 Sekunden

geahndet wurde. „Ich dachte die ganze Zeit: Um Gottes

Willen, jetzt hast du der Mannschaft die Medaille versaut.

Und dann geht der Steffen Justus auf die Laufstrecke und

rennt das Ding nach Hause. Wir haben uns vor Freude in

den Armen gelegen.“

Die Qualifikation für Olympia in London hatte er

in dem Jahr nicht geschafft. Dafür nutzte er seine letzte

Chance kurz vor den Spielen. Ausgerechnet in Madrid ,

wo er vier Jahre zuvor den Olympiazug so knapp verpasst

hatte, lieferte er ein großes Rennen ab, wurde Sechster

und checkte im London-Team ein. „Ich wollte unbedingt

noch einmal bei Olympia dabei sein. Das hat mich brutal

motiviert.“ Dass er im Hyde Park dann als 31. sogar

noch weit hinter seinem Athen-Ergebnis blieb, damit hat

er seinen Frieden gemacht. „Olympia hat seine eigenen

Fotos: Frank Wechsel (2), Sina Horsthemke

2000 2002 2003 2004

Als 22­jähriger klettert

Petzold zum ersten Mal

bei der Elite aufs Podium.

Bei der DM Triathlon

in Frankfurt/M. reicht es

zu Bronze.

Internationaler Durchbruch.

Petzold gehört nun

zu den besten Europas – im

ungarischen Györ wird er

hinter Ivan Raña und Filip

Ospaly EM-Dritter. Nur drei

Sekunden fehlen zum Titel.

Bei den Deutschen

Triathlon- Meisterschaften

am Breitenauer

See schlägt

Petzold die versammelte

Kurzdistanzelite.

Petzold ist auf

dem Zenit seiner

Karriere. Erst holt

er im britischen

Salford seinen

ersten Weltcuptitel,

dann bucht

er das Ticket zu

den Olympischen

Spielen in Athen,

wo er 19. wird.

18 triathlon

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Gesetze. Es war supergeil, dass ich dabei war, aber man

muss den Erfolg nicht um jeden Preis erzwingen. Das

war nie meine Devise.“

Unbekannte Gesichter

Petzold registrierte damals, dass sich neben den aufstrebenden,

bärenstarken Brownlee-Brüdern auch Jungs an

der Startlinie drängelten, deren Gesichter er noch nie gesehen

hatte. „Ich dachte, Mensch, jetzt gehörst du auch

schon zu den alten Säcken.“ Und nun kam es auch vor,

dass er bei einem Sprintrennen nach Olympia auf dem

Hotelzimmer saß und dachte: Warum hast du dich jetzt

gequält für einen 38. Platz? „Ich war ganz schön aufgebraucht.

Und ich hatte das Gefühl, dass ich im Sport so

ziemlich alles erreicht habe, was ich erreichen konnte.

Und dann habe ich zu meiner Frau gesagt, dass jetzt mal

die Familienplanung dran ist.“

Petzold wollte sein System aber nicht von hundert auf

null runterfahren. Deshalb hat er mit dem Verband für

sein letztes Profijahr eine Lösung ausgehandelt, die es

ihm erlaubt, auch noch einmal auf den langen Strecken

reinzuschnuppern. Vor der Challenge in Roth wird

2008

In Madrid erlebt er eine

seiner bittersten Stunden.

Im rennen um die Qualifikation

für Olympia in Peking

unterliegt er Teamkollege

Christian Prochnow.

111 / juni 2013 tri-mag.de

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personality

Vorsichtige Vorfreude: Die Challenge

Roth wird für Maik Petzold ein Kampf

gegen seinen Körper – und der

Schlussstrich unter die Karriere

Petzold im Kraichgau starten. Er hat viel Respekt vor den

langen Kanten, seit er weiß, wie es sich anfühlt, 90 oder

180 Kilometer in aerodynamischer Haltung auf dem Zeitfahrrad

zu sitzen. Wochenlang hat er mit einer Schiene an

der linken Hand trainieren müssen, weil er sich im Januar

einen Kahnbeinbruch zugezogen hatte. „Das hat mich

ganz schön zurückgeworfen im Training.“

Bratwurst und Fischsemmeln

Im Kraichgau wird er am 9. Juni mit der Startnummer

vier neben dem Hawaii-Zweiten Andreas Raelert, Sebastian

Kienle und Timo Bracht ins Rennen gehen. Er hat sich vorgenommen,

als einer der Ersten aus dem Wasser zu steigen,

auf dem Rad dranzubleiben und dann um einen Podestplatz

mitzurennen. Beim Kultrennen in Roth am 14. Juli will er

nur durchkommen, sagt

„Ich habe fast die ganze

Welt gesehen, deshalb weiß

ich, dass es zu Hause immer

am schönsten ist“

er jedenfalls. Ein bisschen

tiefstapeln muss er

ja: „Es geht einfach nur

darum, dieses Rennen

zu bestehen. Man kann

nicht in Rambo- Manier

das Ding von vorn gestalten und bei 80 Kilometern auf

dem Rad macht es peng und ich fahre das Rennen im 30er

Schnitt zu Ende und laufe fünf Stunden.“ Er ist noch nie einen

Marathon gelaufen. Wie wird es sein, wenn ihm dann

auch noch 180 Radkilometer in den Beinen stecken? „Ich

werde mich darauf einstellen müssen, dass ich nicht über

die Strecke fliegen werde, sondern dass es ein Kampf gegen

den Körper sein wird“, sagt er.

Petzold hat viel mit erfahrenen Umsteigern wie den

Raelert-Brüdern oder Nils Frommhold über das Abenteuer

Langstrecke gesprochen. Vor allem die Ernährung ist für

ihn noch ein Buch mit sieben Siegeln. Zeit, aus Fehlern

zu lernen, hat er nicht. In Roth muss alles passen. „Die

meisten sagen: Trink, was reingeht und iss, was du kriegen

kannst“, erzählt er. Wenn aber sein Vater an der Strecke

auftaucht und Verpflegung anreichen will, sollte Maik vorsichtig

sein. So wertvoll manche Ratschläge von Reinhard

auch sind, in puncto Ernährung ist der Autodidakt kein

Vorbild: „Ich habe vor einem Ironman noch Bratwürste

und Fischsemmeln gegessen“, erzählt er, „da haben andere

nur mit dem Kopf geschüttelt.“

Roth wird Maiks einziger Ausflug auf die Langdistanz

bleiben, das letzte Rennen seiner Karriere wird es nicht

sein. Im September startet er noch bei den Deutschen

Meister schaften, danach ist Schluss. In Zukunft will er aus

Spaß vielleicht noch hier und da Wettkämpfe mitmachen,

die ihn faszinieren: Escape from Alcatraz oder Cape Epic,

ein Mountainbike-Rennen in Südafrika. „Aber ich bin keiner,

der eine Bucket List hat wie Chris McCormack, der

in jungen Jahren schon gesagt hat, wo er überall starten

muss“, sagt Petzold. Auf seiner Wunschliste der Lebensträume

stehen nun Kinder ganz oben. Und er stellt sich vor,

dass der Garten vor seinem Haus sein neuer Lieblingsplatz

wird. „Ich habe fast die ganze Welt gesehen, deshalb weiß

ich, dass es zu Hause immer am schönsten ist.“

2009

2011 2012

Mit Routine und sportlicher

Klasse schnappt sich Petzold

an der Gold Coast (AUS)

im Jahr eins der ITU Triathlon

World Championship

Series die Bronzemedaille. Er

schafft in allen sechs Rennen

der Serie den Sprung in die

Top Ten.

Team-WM in Lausanne (Schweiz): Mit Svenja

Bazlen, Anja Dittmer und Steffen Justus holt

Petzold Bronze. Seine letzte internationale

Medaille.

Ausgerechnet in Madrid macht Petzold

doch noch seine zweite Olympiateilnahme

perfekt. In London ist dann die Luft

raus. Er läuft

an der Seite seines

Kumpels

Brad Kahlefeldt

als 31. ins Ziel –

und ist dennoch

zufrieden.

Fotos: Frank Wechsel, Sina Horsthemke,

triathlon.org (Delly Carr)

20 triathlon

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111 / Juni 2013 tri-mag.de

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