:vom Wasser bedeckt

hbla.steyr.eduhi.at

:vom Wasser bedeckt

:vom Wasser bedeckt

Kunstprojekt der 1AKM und 1BKM

der HBLA für Kultur- und Kongressmanagement

Steyr

Projektleitung: Mag. Erich Aufreiter

Ausgangspunkt:

war eine Zeitungsmeldung über das Kunstprojekt von Johannes Angerbauer

und Erich Spindler, das eine „künstlerische“ Aufarbeitung von Relikten aus

dem zweiten Weltkrieg zu Inhalt hat, die aus den Wassern der Enns und

Steyr aufgetaucht sind.

Den ersten beiden Klassen der HBLA wurde, wie den 26 Künstlerinnen

und Künstlern eine Waffe ausgehändigt, mit dem Hinweis „sie zum Guten

zu wenden“

Ziel:

Ein Objekt als Beitrag der SchülerInnen zur Ausstellung am 11. September

2002 in der Reithofferhalle Steyr, (früher Kunsthalle.tmp Steyr)

Umsetzung:

Beide Klassen nähern sich dem Thema durch assoziatives arbeiten

und verschiedene künstlerische Techniken. Die BKM teilt sich

in verschiedene Projektgruppen, die mit den Mitteln von

Video, Fotografie, Computer, Literatur und Objektkunst

sich mit dem Thema Gewalt, Krieg und der Möglichkeit

von Entwaffnung und Frieden auseinandersetzen.

Die AKM Klasse wird in einer Performance versuchen

ihre Gedanken umzusetzen. In vier oder fünf Szenen

werden die Schüler Gegensätze wie Tod und

Leben, Liebe und Leid, fressen und gefressen

werden, Mitte und Rand, Schmetterling und

Chaos darzustellen versuchen. Dabei werden

Texte und Musik erarbeitet und in einer

Choreographie zusammengefasst.

verrostete waffe

ein verrostetes altes ding,

doch was hat es für einen sinn?

zum töten und zum jagen,

korruption an vielen tagen,

denn wo einst hass brannte,

niemand mehr gerechtigkeit kannte

nadine


AKTIONSTAG:

Sa 4. Mai 2002, 9.00 - 12.00 Uhr „Aufgetaucht“. Anlässlich des Jahrestages der Entledigung

der Waffen und des Einmarsches der amerikanischen Streitkräfte in Steyr am 5. Mai 1945

findet am Samstag ein Aktionstag statt. Schüler der HBLA werden „Flaschenpost“ um eine

Spende für das „Friedensdorf international“ anbieten. Außerdem wird noch an einem

Straßentheater gearbeitet.

Trommler: trommelt den Takt in dem die Soldaten marschieren,

trägt auch eine Maske

Erzähler:

Höret, höret liebe Leute, wir wollen euch zeigen heute,

Was damals ist geschehen, und dennoch auch heute wird gesehen.

Immer wieder immer fort, schaut uns zu, an diesem Ort.

Vor gar nicht allzu langer Zeit ragten Waffenberge aus dem Fluss,

ganz weit

Waffen, nur schwer,

Denn Schutz waren sie für diese Leute,

Doch was heißt Schutz für uns denn heute?

Die Truppe marschiert ein, gleiche Kleidung, gleiche Maske, sie

marschieren im Gleichschritt zum Takt den der Trommler vorgibt;

Anführer schreit: Immer schön lächeln, euer Leben besteht aus

Arbeit. Nicht vergessen, ihr seid glücklich und zufrieden! Eure

Träume sind Wirklichkeit geworden! Immer mir nach!...

726.511 b: Nein!

Der Trommler hört auf zu Trommeln, und alle drehen sich zu

726.511 b Ich will nicht mehr! Ich will endlich frei sein, keine Angst

mehr haben, ich selbst zu sein!

Anführer: Soldat 726.511 b was fällt Ihnen denn ein? Zurück in die Reihe, los!

726.511 b blickt den Anführer kampfbereit an, und rührt sich nicht.

Na los, was ist? Wenn du nicht sofort in die Reihe zurückgehst, dann werde ich mich darum

kümmern, dass dein Gehalt gekürzt wird

726.511 b: Warum? Weil ich ich selbst sein will?!

Soldat 2: Ja, 726.511 b hat recht! Warum nicht? Auch ich kann ohne diese Maske leben.

Vielleicht nicht einfacher, aber besser! Nimmt die Maske ab, und stellt sich zu 726.511 b

Anführer: Aufhören, auch dein Gehalt wird gekürzt werden! Allgemeines Gemurmel Reiht

euch sofort wieder ein und maschiert weiter! Auf der Stelle!

Soldat 3: Nein! Freiheit! Wir können auch ohne euren sogenannten Schutz Leben!

Alle nehmen die Masken ab

Anführer: Wollt ihr mir denn in den Rücken fallen?

726.511 b: Nein, denn auch du kannst dich entscheiden ohne Zwang zu leben!

Anführer: Soll ich! Aber dann bin ich schutzlos, alleine und verloren...

Erzähler: ...Aber frei...

Anführer: ...alleine..

Erzähler: ...aber frei! Es fällt Dir schwer Dich von etwas zu trennen, das Dir scheinbar Schutz

gibt, aber tust du es, so kannst Du Du selbst sein! Hab keine Angst!

Anführer: Ich selbst...ICH...Ja! Warum nicht? Reißt die Maske vom Gesicht.

Erzähler: Nun ihr Leute habt ihr gesehen? Auch wir können uns befreien!

Alle gehen jubelnd ab.


WERKSCHAU:

Mi 26. Juni 202, 14.00 Uhr

in den Räumlichkeiten der HBLA Steyr, Werndlstraße 7

Die Performance der 1 AKM

"noch vom Wasser bedeckt"

Nicht nur Kriegsrelikte aus dem 2. Weltkrieg sind sind es, die verschwommen unter

der Oberfläche dümpeln. Es sind die Waffen, mit denen wir heute umzugehen

gelernt haben und die wir täglich benutzen. Zwar niemals, so würden wir behaupten

zu Kriegszwecken, aber um uns durchzustzen, Macht auszuüben, Vorteile zu

behaupten und Siege zu erkämpfen allemal.

Gegensätze erzeugen Spannung, ermöglichen Energie und Leben. Gegensätze

sind es aber auch, die überspannt werden, Nerven reißen und Kämpfe ausbrechen

lassen. Fünf solcher Spanungelemente sind wir in Szenen nachgegangen und

spielen sie unter einem blauen Seidentuch. Dieses blaue Tuch soll symbolisieren,

dass es heute oft um verdeckte Kämpfe geht. Sichtbar und hörbar möchten wir sie

machen, damit sie bewusst werden und den Satz: "nie wieder!" auch heute

rechtfertigen.

Die dazu geschriebenen Texte stammen ausschließlich von SchülerInnen der

1.AKM der HBLA für Kultur- und Kongressmanagement.

MITTE UND RAND

SCHMETTERLING UND CHAOS

FRESSEN UND GEFRESSEN WERDEN

LIEBE UND LEIDEN

TOD UND LEBEN

einsam

bin ich

war es oft

bin ich noch immer

werde ich für immer sein

aber es gibt licht

eine kleine chance

eine möglichkeit

hoffnung

chaos

verursacht durch

den winzigen hauch

eines flügelschlages von einem

schmetterling, ein so kleines wesen

vollbringt schwerwiegende dinge, die

sich auswirken auf

alles lebendige

hier

alleine

außenseiter sein

im regen stehen

weg und gebannt vom leben

nie einen freund gehabt haben

und sich immer fragen

warum denn ich

ganz alleine

ich

gefahr

unscheinbare gefahr

unscheinbare gefahr hass

doch es herrscht leben

leben im chaos von hass

leben endet immer

es endet

einfach?!

umarmung

jemand umarmen

ganz fest umarmen

immer fester, immer stärker

ihn aus liebe beinahe erdrücken

einengen keinen platz lassen

nicht loslassen können

zwanghaft umklammern

umklammerung


Presseartikel:

Waffe in der Hand von Schülerinnen

löste Kunstaktion aus

Tod, Verletzungen, Blut und Kampf, Vergangenheit und Zukunft, Waffen als Spielzeug

und alte Waffen als Projektionsfläche für heutige Probleme ….das ist der Stoff aus

dem die beiden ersten Klassen der HBLA für Kultur- und Kongressmanagment

Kunstwerke schaffen.

Johannes Angerbauer und Erich Spindler die Leiter der Kunstaktion :vom Wasser

bedeckt, haben nicht nur österreichischen Künstlern Kriegsrelikte zur künstlerischen

Bearbeitung übergeben, sondern haben bewusst auch SchülerInnen in dieses

Projekt miteinbezogen. Nun geht das Schuljahr zu Ende und die Arbeiten wurden

in einer Werkschau den Lehrern und Eltern präsentiert. Der Öffentlichkeit werden

die Ergebnisse bei der Eröffnung der Ausstellung „:vom Wasser bedeckt“ am

11.September in der Reithofferhalle (ehm. Kunsthalle tmp.) zugänglich sein.

Als erstes werden die Besucher der

Ausstellung an eine freigelegte Mauer

geführt, die einen Blick auf Ziegelscharen

freigibt, die die Verstorbenen rund um einen

Überlebenden symbolisieren. „Trotz des

Glücks überlebt zu haben, ist er nicht

glücklich“, schreiben dazu die Schülerinnen,

„Muss nicht der Verlust von Freunden,

Familie, Besitz, das Leben bedeutungslos

erscheinen lassen?“ Ein weiters Objekt,

das sie mit sehr viel Geschick gefertigt

haben, zeigt eine mit Wunden übersäte

Fläche, die notdürftig geflickt ist - „Werden

diese Wunden jemals heilen?

Die Fotogruppe legte das Relikt,

eine „Carcano mit Bajonett“ wieder

in das Wasser zurück, dabei

entstanden Fotocollagen mit neuen

Perspektiven, ein monströses Etwas

. „Die Waffen animierten uns, die

verschiedenen Gefühle

auszudrücken. Auch wenn die Zeit

schon längst vorbei ist, wird sie nie

in Vergessenheit geraten“.

In zwei Videoprojekten, kommt es

auf der einen Seite zur Konfrontation

mit einer Zeitzeugin, der Oma einer

Schülerin, deren Erinnerungen in

Bildern wieder wach werden und

der sehr aktuellen Frage der Waffen

als Spielzeug in Händen von

Jugendlichen.


"Dunkle Erinnerungen an die

Vergangenheit. Bilder vom KZ-

Mauthausen.Das Gespräch mit einer

Zeitzeugin. Bilder der unwissenden

Vorfreude. Bedrohliche Situationen.

Wir machten uns Gedanken wie wir

das Thema Krieg und Waffen von einer

neuen Perspektive, nämlich durch die

Augen von Jugendlichen, präsentieren

können.

Mit diesem Film möchte wir, wie viele

schon vor uns, vor dem Krieg warnen

oder um besser auszudrücken

abraten. Krieg führt zu keiner Lösung.

Ganz im Gegenteil."

Zu sehen wird auch eine Performance sein, die sich in 5 Bildern mit den Themen

„Mitte und Rand“, Liebe und Leid“, Schmetterling und Chaos“, „fressen und gefressen

werden“ und dem alles umfassenden Titel „Leben und Tod“ auseinandersetzt. Die

Akteure spielen unter einem riesigen Seidentuch um zu zeigen, dass sich auch hier

und heute noch viel unter der Oberfläche abspielt - „:vom Wasser bedeckt“ ist und

an die Oberfläche drängt.

„Die Schüler haben sich auf eine intensive Auseindersetzung mit den Themen

Gewalt, Krieg und Tod eingelassen und haben dabei gelernt, wie man sich mit

verschiedensten künstlerischen Mitteln annähern kann. Dabei sind großartige Dinge

entstanden, die weit über das Endprodukt hinausreichen.“ ist der Lehrer Erich

Aufreiter überzeugt. Als Nebenprodukt, sind dabei auch die Organisation von

Ausstellungen, die Werbung und die Durchführung praktisch gelernt worden.

Mein Dank gilt Johannes Angerbauer und Erich Spindler, die

spontan zusagten die SchülerInnen in die Reihe der

Kunstschaffenden aufzunehmen und ihnen so diese Möglichkeit

der Partizipation am künstlerischen und organisatorischen

Geschehen der Ausstellung zu geben.

Erich Aufreiter

Ähnliche Magazine