Düngen leicht gemacht

orchideen.wien.at

Düngen leicht gemacht

Die erfolgreiche Kultur von

Catasetum pileatum

(Syn. Catasetum imperiale)

setzt sowohl eine ausgewogene

als auch eine

wachstumsbegleitende

Düngung (s. Text) voraus.

Alle Fotos: W. Ermert

Düngen leicht gemacht

Gesamtgehalt und Verhältnis

der Nährstoffe im Dünger

Düngen

Teil 2

36

Im ersten Teil (s. OrchideenZauber-Heft 4–2009,

Seite 36–41) wurde dargelegt, welche Nährsalze

die Orchideen für ein gutes Wachsen und Gedeihen

benötigen. (Zur Wiederholung: Es sind die

Hauptnährstoffe Stickstoff N, Phosphor P, Kalium

K sowie die Nebenbestandteile Magnesium Mg

Calcium Ca, Schwefel S und die Spurenelemente

Eisen Fe,Bor B,Molybdän Mo,Mangan Mn,Zink Zn,

Kupfer Cu.) Aus welchen Mineralien sich der Dünger

zusammensetzen muss, wurde somit geklärt,

aber nicht, wie hoch der Gesamtgehalt und die

Konzentration der einzelnen Nährstoffkomponenten

zueinander sein sollten.

Zum einen muss die Frage beantwortet werden:

Wie viel an Nährsalzen benötigen die Orchideen

oder wie viel an Nährsalzen können sie vertragen?

Zum anderen muss das Verhältnis der Nährstoffe

zueinander ermittelt werden. Dieses soll nun das

Thema des zweiten Teils sein. Der abschließende

dritte Teil wird die Herstellung eines geeigneten

Düngers und die Anwendung behandeln, also der

Frage nachgehen, wie finde ich einen geeigneten

Dünger für meine Orchideen und wie setze ich ihn

richtig ein, um ein gesundes Wachstum und Blühen

sicherzustellen?

Was haben Kilokalorien (kcal)

mit Siemens (S) gemeinsam?

Beides sind Maßangaben:Die Kilokalorien für eine

Mahlzeit ergeben sich aus dem Gehalt an Fett,

Eiweiß und Kohlenhydraten. Aus der Angabe in

Siemens pro cm (vereinfacht im Folgenden meist

nur mit S angegeben) einer wässrigen Lösung

kann auf die Konzentration an gelösten Nährsalzen

– somit der Nahrung für unsere Orchideen –

geschlossen werden.

Oder vereinfacht gesagt: Die Kalorien in der

Nahrung für den menschlichen Organismus entsprechen

dem,was Siemens in der Nährlösung für


Pflanzen bedeutet. (Anmerkung: Im Gegensatz

zum menschlichen oder tierischen Organismus

kann die Pflanze alle für ihr Wachstum benötigten

Substanzen wie Aminosäuren selber aus

Mineralsalzen mittels Photosynthese herstellen!

Die Aminosäuren müssen also nicht mit der Nahrung

aufgenommen werden! Daher sind Orchideen

autotroph – „sich selbst ernährend“.)

So, wie sich die Nahrung anhand der kcal als fette

oder magere Kost einstufen lässt, so wird anhand

von Siemens angegeben, wie stark oder schwach

die Lösung an Nährsalzen ist.Je höher dieserWert,

desto stärker konzentriert ist die Lösung oder

umso mehr Nährsalze sind im Wasser gelöst.

Siemens in S/cm ist die Maßeinheit für die elektrische

Leitfähigkeit. Löst man zum Beispiel Kochsalz

im Wasser auf, dann zerfällt es dabei in positive

Natrium-, Na + , und negativ geladene Chlorid-, Cl – ,

Teilchen, die als Ionen bezeichnet werden.

Ionen sind in der Lage, den elektrischen Strom

durch Wasser zu transportieren,ihn also zu leiten.

Je mehr Ionen sich in der Lösung befinden, desto

mehr Strom wird von den Ionen durch das Wasser

geleitet, das heißt umso höher ist demnach die

elektrische Leitfähigkeit, S/cm. Am Beispiel Kochsalz

bedeutet dies,je höher der gemesseneWert in

S/cm,umso mehr Kochsalz ist imWasser in Lösung

vorhanden. Der gemessene Wert S/cm gibt also

indirekt den Gesamtgehalt an Salz in g/l wieder.

Dies trifft allerdings nur dann zu, wenn der im

Wasser gelöste Stoff auch vollständig in Ionen zerfällt.

Zucker oder auch der unter Stickstoff in Teil 1

bereits erwähnte Harnstoff (OrchideenZauber 4–

2009) zerfallen nicht oder nicht sofort in Ionen,

sondern sind in molekularer Form gelöst. Sie leiten

demnach den elektrischen Strom nicht und

ihre Konzentration ist somit über eine Leitfähigkeitsmessung

nicht erfassbar. Dies trifft im

Besonderen häufig auf sogenannte organische

Dünger zu, die im folgenden 3.Teil noch näher besprochen

werden. Sie leiten den Strom nur bedingt,

wie Guano (zerfällt in Nitrat-Ionen), oder

gar nicht, wie Hornspäne.

Bei einigen Mineralwässern,beispielsweise italienischer

Herkunft, findet man eine Angabe in S/cm

häufig auf dem Etikett der Flasche. Mit Hilfe dieser

Angabe kann also auf den Gesamtgehalt an Salzen

im Mineralwasser geschlossen werden.Da die Konzentrationen

sehr klein sind,wird derWert häufig in

µS/cm(Mikrosiemens/cm)angegeben,µSist einTausendstel

S und messtechnisch noch gut erfassbar.

Die Messung

Die elektrische Leitfähigkeit lässt sich relativ einfach

mit einem handelsüblichen Taschengerät

messen (siehe Abbildung o. r.).

Verschiedene Geräte werden vom Handel in verschiedenen

Preiskategorien, je nach Ausführung,

angeboten. Für unsere Zwecke reichen dabei bereits

solche ab etwa 25 € völlig aus. Sinnvoll ist es

jedoch, wenn der Kauf eines Leitfähigkeitsmessoder

auch EC- (electric conductivity) Geräts in

Die Abbildung zeigt diverse Geräte zur Messung, links

Leitfähigkeitsmessgerät, Mitte Taschenmessgerät für

die Leitfähigkeit, rechts Kombigerät für Leitfähigkeit,

pH-Wert und Temperatur sowie Konzentrationsangabe

in g/l.

Erwägung gezogen werden sollte, gleich ein Kombinationsgerät

zu wählen. Mit diesem lässt sich

dann nicht nur die Leitfähigkeit bestimmen, sondern

auch gleichzeitig der für die Gießwasserqualität

ebenfalls von ebenso großer Bedeutung

erfasste pH-Wert sowie die Temperatur des

Wassers.

Der pH-Wert macht eine Aussage darüber, ob das

Wasser sauer (pH-Wert kleiner 7), neutral (pH-

Wert 7) oder alkalisch (pH-Wert größer 7) ist.Diese

Geräte sind dann natürlich etwas teurer, aber die

Anschaffung lohnt sich in jedem Fall.

Der Gesamtgehalt in g/l an Nährsalz wird ebenfalls

von solchen Kombigeräten umgerechnet.

Diese Konzentrationsangabe bezieht sich jedoch

nur auf das im Wasser gelöste Salz in Ionenform,

wie oben dargelegt. Der Umrechnungsfaktor beträgt

0,6543, also etwas mehr als die Hälfte der

Leitfähigkeit.

Wie man unschwer erkennen kann, kommt der

Qualität des Gießwassers für die Düngung eine

wesentliche Bedeutung zu, da die Pflanze die

Nährsalze nur in Wasser gelöst aufnehmen kann.

Die Wahl des geeigneten Gießwassers ist für eine

erfolgreiche und richtige Düngung somit eine unbedingte

Voraussetzung.

Die Wahl des geeigneten

Gießwassers

Um einmal eine ungefähre Vorstellung davon zu

haben, wie gering der Gesamtgehalt an Nährsalzen

im Wasser an natürlichen Orchideenstandorten

sein kann, sei das Beispiel der Schwarzwasserflüsse

in Venezuela angeführt. Dieses Wasser

besitzt eine Leitfähigkeit von circa 10 µS/cm, hat

also nur etwa 0,5 mg/l an Salz gelöst. Der pH-Wert

liegt bei ungefähr 3,5, also sauer! Dennoch oder

gerade deswegen wachsen und gedeihen hier

viele verschiedene Orchideenarten prächtig. Im

Übrigen liegen die Weißwasserflüsse in ihrer Konzentration

im gleichen Gebiet auch nicht wesentlich

höher: circa 30 µS/cm bei einem pH-Wert um

6,5. Im Vergleich dazu sind viele unserer Flüsse

mit etwa 1000 µS/cm um ein Vielfaches höher. >>

Catasetum discolor, weiblich

Auf verrottendem Substrat.

Ctsm. discolor, terrestrisch

Cyrt. braemii, lithophytisch

Oncidium sp., feine Wurzeln

Guttation bei Cycnoches

Kräftige Wurzeln bei Ctsm.

Wurzeln bei Esmeralda clarkei

Überdüngung bei Phalaenopsis

Sobralia macrantha, lithophyt.

37


Orchideenjäger

Sebastiao Cesar de Freitas

knieend vor Cyrtopodium

braemii (Syn. Cyrtopodium

sarneyanum).

De Freitas begleitete

neben Anderen auch

Arthur W. Holst (Autor des

Buchs: The World of

Catasetums. 1999)

auf seiner Reise durch den

südlichen Teil von

Rondônia und dem

angrenzenden Amazonas,

Bundesstaaten Brasiliens.

Dies trifft aber leider auch in vielen Regionen auf

unser Leitungswasser zu. Werte um 500 µS/cm

und mehr werden in Deutschland häufig gemessen

– eine Folge von im Wasser gelöstem Magnesium-

und Calciumcarbonat. Je höher die Konzentration

an diesen Salzen ist, desto härter ist das

Wasser.Daher spricht man auch von Härtegraden:

1 Grad dH (d für deutsch) entspricht in etwa 17,8

mg/l Calciumcarbonat. Sofern nur Carbonate gelöst

sind, liegt also bei 500 µS/cm ein Leitungswasser

von 14 °dH vor.

Daraus wird deutlich, warum Leitungswasser als

Gießwasser für unsere Orchideen nur bedingt geeignet

sein kann. Härtegrade unter 8 °dH können

gerade noch über einen gewissen Zeitraum bei

weniger empfindlichen Orchideen toleriert werden

– dabei gilt: je geringer, umso länger!

Tipp: Falls Sie die Härtegrade ihres Leitungswassers

nicht kennen und auch nicht messen können,

können sie diese über das zuständige Wasserwerk

erfragen.

Gießen Sie ihre Orchideen über längere Zeit mit

relativ hartem Leitungswasser, so scheidet sich

mit der Zeit ein weißer Belag auf der Oberfläche

derWurzeln und des Substrats ab.Dieses ist nichts

anderes als der vom Kochen von Wasser bekannte

Kesselstein. Die dadurch hervorgerufene Verkrustung

der Wurzeln führt über kurz oder lang zum

Tod der Pflanze, da die Wurzeln nicht mehr in der

Lage sind, Wasser aufzunehmen und zu atmen.

Tipp: Das Absterben von Pflanzen beruht häufig

auf der Verwendung von zu hartem Leitungswasser

als Gießwasser! Die Verwendung von Regenwasser

oder durch Umkehrosmose enthärtetem

Leitungswasser ist daher fast schon ein Muss, will

man Orchideen auf Dauer erfolgreich kultivieren.

Regenwasser besitzt eine Leitfähigkeit von etwa

50 µS/cm,je nachdem,wo und wie es aufgefangen

wird. Unter Umständen kann man auch stilles

Mineralwasser verwenden, wenn die Angabe auf

dem Etikett der Flasche weniger als 100 µS/cm

(Konzentration der Salze kleiner 50 mg) aufweist

und kein Natrium enthalten ist. Natrium ist toxisch

für die Pflanzen! Hierzu noch eins: Durch

Abkochen wird die Härte des Wassers nicht oder

nur minimal verändert – ein leider weit verbreiterter

und auch immer wieder zu lesender Irrtum!

Betrachtung einiger Naturstandorte

von Orchideen

Wie ganz zu Anfang des Artikels im Teil 1 (s.

OrchideenZauber-Heft 4–2009) bereits erwähnt,

sind Orchideen wahre Hungerkünstler, da sie sich

von den wenigen Nährsalzen, die sie am Naturstandort

vorfinden,ernähren können.Wenn diese

Aussage so richtig ist, hat dies für die Düngung

von Orchideen entsprechende Konsequenzen.

Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass in den

Anfängen der Orchideenkultur auf eine Düngung


Cyrtopodium braemii

epiphytisch auf einer

Palme in vermoderndem

Substrat wachsend.

Der Autor mit

Cyrtopodium braemii

lithophytisch wachsend.

Cyrtopodium braemii

terrestrisch auf einem

Torf-Sand-Gemisch

wachsend. Cyrtopodium

braemii kommt

endemisch in Rondônia

vor und kann sich zu

großen Horsten über eine

zusammenhängende

Fläche von 50 m 2 und mehr

auswachsen, wie im vorliegenden

Fall – ein imposanter

Anblick, besonders

natürlich zur Blütezeit.

bewusst verzichtet, ja diese sogar

als schädlich angesehen wurde.

Es stellt sich daher an dieser Stelle

die Frage,ob Orchideen am Naturstandort

Nährsalze in nennenswerter

Konzentration überhaupt

vorfinden? In der Literatur über

Orchideen liest man häufig, dass

die Orchideen die Nährsalze durch

die Luft infolge gewittriger Niederschläge

(Ammoniak) oder durch

in der Atmosphäre fein verteilten

Staub erhalten.

In den folgenden Abbildungen erkennt

man, dass die gleiche >>

39


Das sehr seltene

Catasetum longifolium

wächst ausschließlich auf

Palmen hängend in

größtmöglicher Höhe, da

seine schmalen Blätter –

wie der Name schon sagt –

eine Länge von über 2 m

erreichen können. Seine

kräftigen, dicken Wurzeln

verankern sich dabei in

den abgestorbenen

Wedeln der Palme in

verrottetem, moosigem

und mineralsalzhaltigem

Substrat.

Orchideenart nicht nur epiphytisch auf den unterschiedlichsten

Bäumen gut wachsen kann, sondern

auch lithophytisch auf Felsen oder terrestrisch

auf Böden. Eigene Untersuchungen der

Nährsalzkonzentrationen an den jeweiligen

Naturstandorten haben dabei doch recht erstaunliche

Ergebnisse zutage gebracht. So wurde im

Falle eines Catasetum osculatum, eingewachsen

in abgestorbenen Palmblättern, Nährsalzgehalte

gefunden, die bei circa 500 µS/cm lagen (1 g

Substrat auf 1 l destilliertes Wasser). Auch in dem

Sand-Torf-Gemisch im Falle eines Catasetum ciliatum-Standorts

(Synonym für Catasetum discolor)

wurden ähnlich hohe Konzentrationen gemessen.

Hingegen konnte im Falle von Oncidium

cebolleta (Synonym für Trichocentrum cebolleta)

kein nennbarer Messwert erhalten werden. Demzufolge

wachsen und gedeihen die Pflanzen einer

jeweiligen Orchideenart oder -gattung an den

Naturstandorten offensichtlich dort besonders

gut, wo sie den für sie geeigneten Nährsalzgehalt

vorfinden. Es ist sogar im Falle der Cataseten so,

dass sie sich neue Lebensräume in den durch

Brandrodung entstandenen Palmenhainen erobern,

in denen sie sogar bessere Lebensbedingungen

vorfinden als im ursprünglichen Primärwald,

das heißt ihr Artenreichtum und ihre Häufigkeit

haben deutlich zugenommen.

Inwieweit eine Pflanze demnach Salze nur aus der

Luft oder der Atmosphäre aufnimmt und ob dies

in jedem Fall so zutrifft, wie in der Literatur häufig

angegeben, darf hiernach zumindest bezweifelt

werden. Daraus folgt aber auch, dass eine

Düngung von Orchideen – maßvoll durchgeführt

– durchaus richtig und sinnvoll ist!

Wie hoch darf oder muss der

Gesamtgehalt an Nährsalzen im

Gießwasser sein?

Wie viel die Orchidee an Nährsalzen vertragen

kann, kann man ganz einfach beispielsweise anhand

ihrer Wurzeln erkennen. In sehr feinen, dünnen

Haarwurzeln wie von einer Eria densa (s. Abb.)

liegt eine sehr geringe Konzentration an Nährsalzen

vor, im Gegensatz zu einer Vanda sp. mit

einer relativ dicken Wurzel (s. Abb.).

Feine dünne Wurzeln bei einem Oncidium sp.

Eria densa mit feinem

Haarwurzelgeflecht.

Dicke Wurzel bei einer Vanda-Hybride.

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Somit reicht schon ein Blick auf die Wurzeln der

Orchidee aus, um ihre Verträglichkeit gegenüber

Nährsalzen vorhersagen zu können.

Tipp: Die Wurzeln der Orchideen geben uns bereits

einen guten Anhaltspunkt dafür, wie viel

Dünger sie vertragen können – je feiner, umso

weniger, je stärker, umso mehr.

Diese rein subjektive Beobachtung lässt sich aus

dem Vorgang der Wasser- und Nährstoffaufnahme

beispielsweise bei einer Phalaenopsis sp.

auch objektiv begründen: Die Phalaenopsis verfügt

über Wurzeln, die sich im Substrat („Wasserwurzeln“)

und – wie bei Epiphyten oder Aufsitzerpflanzen

üblich – an der Luft befinden („Luftwurzeln“).

Diese Luftwurzeln können Wasser wie

ein Schwamm aufnehmen und speichern. Dabei

verfärben sie sich von silbrig nach grün. Sie besitzen

außen ein vielschichtiges Gewebe aus toten

Zellen, das Velamen radicum, welches das Wasser

bei Benetzung aufsaugt.Von dort tritt das Wasser

über halbdurchlässige Zellen in die zentrale Leiterbahn

der Wurzel ein, von wo es in die oberirdi-


schen Teile der Pflanze gedrückt wird. (Anmerkung:

Die Vorgänge in der epiphytischen Wurzel

laufen noch viel komplexer ab, dies ändert aber

nichts am Ergebnis.)

In den Wasserwurzeln geschieht dies ähnlich,

wobei das Velamen als Speicherfunktion entfällt,

da das Substrat die Funktion als Wasserspeicher

übernimmt. Die Luftwurzel wandelt sich daher in

eine Wasserwurzel um, wenn sie in das Substrat

hineinwächst.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass zwar

Wasser auf diesem Wege in die zentrale Leiterbahn

der Wurzel – den Zentralzylinder – gelangt,

aber keine Nährsalze! Wasser tritt also durch die

Zellwand derWurzel hindurch,während die Nährsalze

zurückgehalten werden. Anhand eines Beispiels

aus dem täglichen Leben soll dieser für das

Leben der Pflanzen so wichtige Prozess etwas ausführlicher

erläutert werden.

Der Vorgang der Osmose –

der Motor des Lebens

Haben Sie sich nicht schon mal darüber gewundert,

warum der gerade in Essig, Öl und Salz (der

Salatsauce oder dem Dressing) frisch angemachter

Salat bereits nach kurzer Zeit seine Festigkeit

verloren hat und matschig geworden ist? Dafür

gibt es folgende Erklärung:Physikalisch-chemisch

betrachtet liegen zwei Lösungen verschieden

hoher Konzentrationen an Salzen vor, zum einen

die salzhaltige Salatsauce und zum anderen das

fast salzfreie Wasser im Salatblatt. Die beiden

Lösungen sind durch die Zellwände des Salatblatts

voneinander getrennt. Nun kann zwar das

Wasser durch die Zellwand des Blatts in das Dressing

hinein wandern, aber das Salz aus der Salatsauce

nicht von dem Blatt aufgenommen werden.

Die Zellwand ist somit halbdurchlässig (nur für

das Wasser) und stellt somit eine semipermeable

(halbdurchlässige) Membran dar.

Wenn nun der Salat mit der Sauce angemacht

wird, strömt das Wasser aus dem Salatblatt sofort

durch die Zellwand in das Dressing hinein, um so

die salzige Lösung des Dressings zu verdünnen. So

wird ein Konzentrationsausgleich zwischen den

beiden Lösungen angestrebt. Der Druck, mit dem

das Wasser aus dem Salatblatt ausströmt, wird

umso größer sein (der Salat wird demzufolge

umso schneller matschig), je höher die Salzkonzentration

im Dressing ist. Das Strömen des Wassers

durch eine semipermeable Membran hindurch

aus einer geringer konzentrierten in eine

höher konzentrierte Salzlösung ist ein osmotischer

Prozess. Der Druck, den das Wassers so erzeugt,

ist somit ein osmotischer Druck, hervorgerufen

durch die Osmose.

Genau diese Verhältnisse finden wir in der Wechselwirkung

zwischen dem Wasser enthaltenden

Substrat einerseits und der Wurzel der >>

Galeandra leptoceras

benötigt ein

ausgewogenes,

in seiner Konzentration

aber nicht zu hohes

Düngerverhältnis.








41


42

Orchidee andererseits im Topf. Das Gleiche trifft

auch für das Wasser speichernde Velamen einerseits

und die Leiterbahn in der Luftwurzel der

Orchidee andererseits zu. Das Wasser kann durch

das Zellsystem der Wurzel wandern. Es kann so

folglich sowohl aufgenommen als auch abgegeben

werden. Die Nährsalze aber können dieses

Zellsystem nicht passieren. Somit stellt die Zellwand

der Wurzel eine semipermeable Membran

dar. (Allerdings können neben dem Wasser auch

noch sehr kleine Moleküle wie Sauerstoff, Stickstoff

und Kohlendioxid, außerdem Alkohol sowie

Ethylen hindurchwandern.)

In der Orchidee sind – je nach Art und Gattung –,

wie einleitend bereits anhand der Wurzelstärke

beobachtet,mehr oder weniger Salze in der Leiterbahn

der Wurzel in Wasser gelöst. Diese Konzentration

ist umso höher, je stärker die Wurzel ist.

Nun stellen wir uns einmal vor, dass wir das Substrat,

in dem sich unsere Phalaenopsis-Orchidee

befindet, nur mit Regenwasser, also fast salzfreiemWasser,gießen.Was

passiert? Das Wasser wird

von der Wurzel solange aufgenommen werden,

bis die Salzkonzentration in der Wurzel die des

Regenwassers erreicht.DasWasser strömt also am

Anfang kräftig in die Wurzel hinein und es entsteht

ein Überdruck, der Turgor genannt wird, der

das Wasser in die oberirdischen Teile der Pflanze

presst.

Die Pflanze verfügt über keinen aktivenTransportmechanismus

des Wassers. Das Wasser kann in

erster Linie nur auf diesem Weg über die Sprossachse

in die Blätter gelangen. Allerdings kann in

der Pflanze auch noch ein Sog – hervorgerufen

durch die Transpiration und auch Guttation, also

die Wasserabgabe über die Blätter – entstehen,

der so das Wasser innerhalb der Pflanze unterstützend

fördert. Dieser ist jedoch in seiner Wirksamkeit

mehr oder weniger abhängig von den

äußeren Bedingungen.

Stellen wir uns nun den umgekehrten Fall vor:Wir

gießen unsere Pflanze mit einer hoch konzentrierten

Nährsalz-, also Düngerlösung. Was geschieht

nun? In diesem Fall wird das Wasser aus der Wurzel

in die Düngerlösung einströmen,je höher konzentriert,

umso schneller. Die Pflanze erleidet also

einen Wasserverlust und der Wurzeldruck sowie

damit der Wassertransport innerhalb der Pflanze

werden allmählich abnehmen. Besteht dieser Zustand

fortwährend über einen längeren Zeitraum,

so wird den Blättern das Wasser entzogen und sie

beginnen zu verwelken.

Wenn die Pflanze etwas mehr als 30 % ihres Wassergehalts

eingebüßt hat, ist der Vorgang nicht

mehr umkehrbar und die Pflanze stirbt schließlich

ab. Bis dies allerdings soweit ist, verfügt die Pflanze

noch über einige Abwehrmöglichkeiten, aber

auch diese sind irgendwann erschöpft.

Daraus folgt: Der Zustand der Welke kann nicht

nur auf zu wenig Gießen und damit verbundene

Austrocknung zurückgeführt werden, sondern

auch eine Folge der Überdüngung der Pflanze

sein!

Aus diesem Grund wird sofort verständlich,

warum eine Überdüngung bei epiphytischem

Wachstum der Orchideen besonders kritisch ist:

Im und auf dem Velamen radicum der Wurzel reichern

sich die Nährsalze infolge Verdunstung oder

Aufnahme des Wassers durch die Pflanze über die

Zeit an. Im Topf werden die Nährsalze hingegen

auch an das Substrat gebunden, sie werden somit

besser „verteilt“. Das bedeutet aber nicht, dass

eine Überdüngung auch in letzterem Fall nicht zu

Schäden an der Pflanze führen kann.

Vielleicht haben Sie sich gewundert, warum es

eigentlich so wichtig ist, dass die Zellwand der

Wurzel nur halbdurchlässig ist? Nun, wäre dies

nicht der Fall, dann könnten ja auch Salze ungehindert

in die Pflanze eintreten. Damit aber käme

kein Wasserdruck und somit kein Transport des

Wassers in der Pflanze zustande. Der Motor des

Lebens der Pflanze – die Osmose – käme nicht nur

ins Stottern, sondern letztendlich zum Erliegen.

Bei defekten oder zerstörten Wurzeln ist dies der

Fall und daher ist es so wichtig, dass die Pflanze

gute, kräftige und gesunde Wurzeln ausbildet.

Der Weg der Nährsalze in die Pflanze

Wenn nun aber das Nährsalz mit dem Wasser

durch die Zellwand nicht in die Pflanze gelangen

kann, wie kann dann die Pflanze diese aufnehmen?

Da dies für das weitere Verständnis für die

Düngung von Pflanzen von Bedeutung ist,soll dieser

komplexe Vorgang in seinem wesentlichen

Ablauf vereinfacht dargestellt werden.

Die Zellwand derWurzel besteht aus Zellen,die als

äußere Schicht eine Biomembran tragen. Diese

Biomembran setzt sich aus Fetten (Lipid-Doppelschichten)

zusammen und lässt – wie bereits bekannt

– nur Teilchen von sehr kleinem Durchmesser

passieren. In dieser Schicht sind sogenannte

Transportproteine eingebettet, die den Stoffaustausch

zwischen den Zellen und dem umgebenden

Medium gewährleisten. Oder anders gesagt:

Es sind die in der Biomembran eingelagerten

Transportproteine, welche die Nährsalze in die

Zelle leiten.

Die Proteine bestehen aus verschiedenen Substanzen

und werden, je nach dem, wie sie die

Nährsalze transportieren, eingeteilt in zum Beispiel

Poren, Kanäle, Pumpen und sogenannte

Translokatoren. Interessant ist in dem Zusammenhang,

dass für jedes Salz, also beispielsweise

für das Kalium-Ion, ein spezifisches Protein zur

Verfügung steht. Es nimmt daher nur das Kalium-

Ion auf und transportiert es weiter in die Zelle.

Ganz absolut ist diese Spezifität allerdings nicht,

so können durch die Kaliumkanäle K + -Ionen, aber

auch toxische Ionen wie Cadmium-, Cd + , -Ionen in

die Zelle gelangen.

In der Regel liegen die Nährsalze nicht frei in der

Bodenlösung vor, sondern sind an das Substrat

oder im Velamen radicum gebunden. Sie müssen

davon abgelöst werden. Bei der Zellatmung wird

durch die Wurzeln Kohlendioxid in das Umge-


ungswasser abgegeben. Es zerfällt im Wasser in

Hydrogencarbonat-Anionen undWasserstoff-,H + -

Ionen, auch Protonen genannt. Diese Ionen verdrängen

die an die Bodenteilchen gebundenen,in

Ionen vorliegenden Salze. So freigesetzt reichern

sie sich an der Zellwand der Wurzel an. Hier werden

sie von dem für sie spezifischen Transportprotein

aufgenommen und gelangen dann in die

Wurzel.

Wenn man diesen Mechanismus auch nicht so

ganz verstehen sollte, und vieles davon ist auch

wissenschaftlich noch nicht mit letzter Sicherheit

geklärt, so gilt für die Düngung, dass immer

eine kleine, ausreichende Menge Nährsalz – je

nach Orchideenart – im Substrat vorhanden sein

muss. So kann die Wurzel die Nährsalze in dem

umgebenden Wasser, auch Kapillarwasser genannt,

mit Hilfe des geschilderten Ablösevorgangs

sicher finden und über die Transportproteine

aufnehmen.

Verliert sie indessen den Kontakt mit dem Kapillarwasser

oder findet sie nicht genügend Nahrung,so

ist sie in der Lage,demWasser auch durch

Wachstum ihrer Wurzeln zu folgen.

Ein stark durchwurzeltes Substrat bedeutet demnach,

dass der Salzgehalt nicht zu hoch und die

Pflanze kräftig genug war,sich die Nahrung durch

Ausbildung der Wurzeln zu suchen. Schlecht oder

kaum bewurzelte Pflanzen können umgekehrt

eine Folge der Versalzung des Substrats sein.

Ursache der weichen Blätter bei

Phalaenopsis und deren mögliche

Abhilfe

Wenn also Phalaenopsen schrumpelige, weiche

und schlaffe Blätter aufweisen (s.Abb.),dann kann

das demnach folgende Ursachen haben: entweder

die Pflanze wurde zu trocken gehalten oder

aber es ist eine Folge von Überdüngung. In jedem

Fall sollte das Substrat sofort gründlich mit Regenwasser

durchgespült oder die Pflanze intensiv in

Regenwasser getaucht werden. Eventuell ist bei

zu starker Versalzung auch ein Substratwechsel

dringend angeraten.

Leider tritt dieser Effekt sehr häufig bei Pflanzen

auf, die man relativ preiswert, beispielsweise im

Supermarkt, erstanden hat. Diese Pflanzen werden

Jahr für Jahr in Zigmillionen Exemplaren in

Gewächshäusern sehr schnell – unter anderem

auch durch extrem hohe Düngergaben bei optimalen

äußeren Wachstumsbedingungen – vermehrt.

So lange die Pflanze im Wachstum begriffen

ist,kann sie diese Düngergaben auch verarbeiten

und verwerten.

Sobald sie aber in der Wohnung weiterkultiviert

wird, kann ihr die noch vorhandene hohe Konzentration

an Dünger im Substrat zum Verhängnis

werden. Sie befindet sich ja in der Regel nicht

mehr im vollen Wachstum und benötigt daher

kaum Nährsalze. >>

Weiche, verschrumpelte

Blätter und kaputte

Wurzeln bei Phalaenopsis

infolge Überdüngung.

Catasetum confusum,

Blüten wie zwei fliegende

Prachtbienen.

43


Anmerkung zur

Düngerpyramide:

Die angegebenen Werte

gelten nur bei gesunden,

blühfähigen Pflanzen,

insbesondere in nährstoffarmen

Substraten wie

Pinienrinde. Bei

geschwächten Pflanzen

dürfen die Gaben nur

maximal die Hälfte des

Werts betragen.

Somit geschieht, was bereits in obigem Beispiel

des matschigen Salats geschehen muss – Wasser

tritt aus der Pflanze in das Substrat aus,die Blätter

verschrumpeln zusehends und fallen schließlich

ab. Die Pflanze ist verloren,wenn man nicht sofort

die bereits geschilderten Maßnahmen einleitet

und durchführt. Aber auch das ist keine Gewähr,

insbesondere wenn der Prozess schon zu weit fortgeschritten

ist und die Pflanze schon irreparable

Zellschäden erlitten hat.

Anhand der Abbildung einer derart geschädigten

Pflanze kann man auch noch sehr gut Folgendes

erkennen: Es fehlen die Luftwurzeln völlig und die

Wasserwurzel zeigt Fäulnis an. Finden Sie eine

ähnliche Erscheinung bei Ihren Pflanzen, dann

deutet das zusätzlich eventuell noch auf zu hohe

Stickstoffgaben und auch auf ein zu basisches

Substrat (pH-Wert deutlich höher als 7) hin,insbesondere

eine Folge von Harnstoff.

Anmerkung: Harnstoff zerfällt im reinen Wasser

nach einigen Wochen in Ammonium-Ionen (1 g

Harnstoff führt zu 1000 µS/cm) und das Wasser

wird zudem stark basisch (pH-Wert 8,5). Empfohlen

wird daher, eine Zeitlang ganz auf die

Zugabe von Stickstoff zu verzichten und, um eine

Wurzelbildung anzuregen, Phosphat und Kalium

betonter zu düngen.

Die Düngerpyramide für

verschiedene Orchideengattungen

Düngerpyramide

Mit Hilfe des osmotischen Drucks kann man auch

quantitativ indirekt ermitteln, wie hoch die Konzentration

an Nährsalzen im Gießwasser sein darf.

Geht der Wurzeldruck gegen Null, ist die Konzentration

bereits zu hoch gewählt.Man kann es auch

anders sehen,die Salzkonzentration in der Pflanze

entspricht der Salzkonzentration im Gießwasser,

wenn der Wurzeldruck Null beträgt. Wie dies

exakt erfasst werden kann, sei hier nicht weiter

ausgeführt. Wichtig ist nur zu wissen, dass dies

möglich ist, wobei die dabei gefundenen Salzkonzentrationen

immer einer gewissen Schwankungsbreite

unterliegen müssen, je nach dem

Zustand der Pflanze. Dabei stimmt das oben bereits

erwähnte praktische Modell, die Düngerkonzentration

anhand derWurzelstärke einschätzen

zu können, mit dem objektiven, die Konzentration

der Nährsalze anhand des osmotischen

Drucks genau zu erfassen, erwartungsgemäß

überein.

Die so grob ermittelten maximal möglichen Düngerkonzentrationen

für verschiedene Orchideengattungen

sollen im Folgenden anschaulich und

einprägsam in Form einer Pyramide dargeustellt

werden, wobei die Spitze den Nullpunkt an Nährsalzen

darstellt. Sie gilt in erster Linie für gesunde

Pflanzen bei optimalen äußeren Wachstumsbedingungen

wie Licht, Luft, Wärme und Feuchtigkeit.

Sind diese nicht optimal, muss entsprechend

weniger gedüngt werden, wie im Teil 3 noch genauer

erläutert werden wird.

Die Leitfähigkeitswerte beziehen sich auf einen

kommerziellen Dünger „Mairol Classic“, der bei

1 g Dünger in 1 l destilliertem Wasser gelöst eine

Leitfähigkeit von etwa 1400 µS/cm aufweist. Wie

44


ja bereits erläutert, kann die Leitfähigkeit für ein

anderes Düngersystem bei 1 g/l größer oder auch

kleiner sein, je nachdem, wie viel Salz in Ionenform

im Gießwasser vorliegt. Leider wird dieser

Wert häufig von dem Düngemittelhersteller nicht

angegeben, also ist ein Rückschluss aus der ermittelten

Leitfähigkeit auf die Konzentration nur bedingt

möglich. Die Konzentrationsangabe in g/l

ist somit die exakte Bezugsgröße. Auf die Angabe

der Leitfähigkeit wurde dennoch nicht verzichtet,

weil diese immer wieder in der Praxis als Bezugsgröße

herangezogen wird.

Das Nährstoffverhältnis

Wenn somit der Gesamtnährstoffgehalt einer

Pflanze mit Hilfe des osmotischen Drucks bestimmt

werden kann, so lässt dies jedoch keinen

Rückschluss auf das Verhältnis der Nährstoffe zu.

Wie hoch der jeweilige Anteil an Stickstoff, Phosphor,

Kalium, Magnesium, Calcium, Schwefel

und den Spurenstoffen in der Pflanze ist, ist weiterhin

unbestimmt. Diese lassen sich durch

Pflanzengewebeanalysen, beispielsweise durch

Veraschung der Pflanze oder durch Extraktion,

ermitteln.

Eine Gewebeanalyse ist im Folgenden anhand einer blühfähigen

Frauenschuhorchidee beispielhaft dargestellt:

Analyse einer blühfähigen Pflanze

Paphiopedilum callosum

N 105,0 mg

P 2 O 5 35,8 mg

K 2 O 185,6 mg

CaO 250,9 mg

MgO 26,9 mg

Fe 1267,2 µg

Mn 281,6 µg

Cu 112,6 µg

Zn 1591,0 µg

B 243,2 µg

Mo 1,0 µg

Verhältnis der Nährstoffe zueinander (N = 1):

N : P 2 O 5 : K 2 O : CaO : MgO

1 : 0,34 : 1,77: 2,39: 0,26

Auffallend dabei ist der sehr hohe Gehalt an

Calcium, was zum einen die Bedeutung dieses

Nährstoffs gerade für Frauenschuhorchideen hervorhebt.

Paphis sind demnach kalkliebende Pflanzen

und benötigen immer eine ausreichende Versorgung

mit Calcium. Wie dies am besten geschieht,

wird im Teil 3 dargestellt.

(Anmerkung:Düngerlösungen aus Phosphat oder

Sulfat können nicht gleichzeitig auch Calcium enthalten.

Calcium bildet mit dem Phosphat einen

schwerlöslichen Niederschlag Calciumphosphat

und kann somit von der Pflanze nicht mehr aufgenommen

werden! Wie im Teil 1 erwähnt, bezeichnet

man dies auch treffend als „Festlegung“ eines

Nährsalzes.)

Übrigens zählen auch die meisten Phalaenopsen

zu den kalkliebenden Orchideen.

Hinweis: Finden Sie schlecht entwickelte oder

abgestorbene Wurzeln an Ihren Pflanzen sowie

braune Blattflecken, so kann dies eine Folge von

Kalkmangel sein.

Auch der Gehalt an Kalium ist vergleichsweise

hoch.Da Kalium in den Leitbahnen der Pflanze frei

beweglich ist, ist es in erster Linie für den Wurzeldruck

(und auch die Spaltöffnungen, s. Teil 1)

und damit den Wassertransport innerhalb der

Orchidee verantwortlich. Somit muss immer eine

genügend hohe Konzentration an Kalium in der

Pflanze vorhanden sein, damit das Transportsystem

und damit der Wurzeldruck nicht zusammenbrechen

können. Da Kalium also für die

Aufrechterhaltung der Osmose in der Pflanze in

erster Linie verantwortlich ist, wird es in seiner

Funktion als Hauptosmotikum bezeichnet.

Hinweis: Weiche Pflanzenstängel und -teile weisen

auf einen ungenügenden Wurzeldruck infolge

Kaliummangels hin.

Die Ergebnisse von Gewebeanalysen weichen jedoch

sehr stark von Art zu Art,aber auch innerhalb

der Pflanzen vom Spross zur Bulbe oder zum Blatt

hin ab.Auch die Ernährungsweise der Pflanze,also

was die Pflanze an Nährsalzen erhalten und vorgefunden

hat, beeinflusst das Ergebnis maßgeblich.Wenn

eine Pflanze zum Beispiel in erster Linie

nur Stickstoff angeboten bekommt, wird sie diesen

auch bevorzugt aufnehmen und einlagern.

Wie kritisch eine zu hohe Dosierung eines Nährstoffs

dabei sein kann, kann man leicht an einer

ausschließlich Stickstoff betonten Düngung erkennen:Nimmt

die Pflanze den N vor der Ruhezeit

(z. B. bei Cattleyen oder Cataseten) auf und lagert

ihn in denWasser speichernden Organen,also den

Bulben, ab, dann kann die Konzentration so stark

ansteigen, dass diese weich werden. Um die Konzentration

in der Bulbe abzusenken, wird mehr

und mehr Wasser aus den Zellen gesaugt, die

Bulbe wird immer weicher und„kippt“ schließlich

um (s. Abb. u.). Untersucht man den Zellsaft einer

solchen Bulbe, so finden sich zum Teil erschreckend

hohe Werte (2000 µS/cm und mehr). Eine

gesunde, feste Bulbe weist hingegen im Zellsaft

nicht mehr als 300 µS/cm auf. Hauptverursacher

hierfür dürfte der N aus dem Harnstoff (Urea oder

auch Carbamid) gewesen sein, der in einer Orchideenkultur

sehr vorsichtig verwendet werden

muss und auf den man eigentlich besser ganz verzichten

sollte. >>

Umgekippte Bulbe, primär

als Folge eines zu hohen

Stickstoffgehalts, der dann

im weiteren Verlauf trotz

völliger Trockenheit zur

Fäulnis führte.

45


Catasetum saccatum

epiphytisch aufrecht an

einer Palme in verrottetem,

mineralsalzhaltigem

Substrat wachsend,

welches zu kräftigen

Bulben und großen Blüten

führt.

Empfehlung:Benutzen Sie in der Orchideenkultur

nur harnstofffreien (Carbamid freien) Dünger.

Die Ergebnisse solcher Analysen mit den erwähnten,

sich zwangsläufig ergebenden Unwägbarkeiten

bedürfen daher in der Kultur einer genaueren

Überprüfung. Zu diesem Zweck wurden Arten

verschiedener Orchideengattungen mit unterschiedlichen

Nährstoffverhältnissen unter gleichen

Wachstumsbedingungen über einen längeren

Zeitraum (mehr als fünf Jahre) behandelt. Aus

diesen sehr umfangreichen Versuchen ergaben

sich folgende ermittelte optimale Werte für die

Kultur von Orchideen:

Nährsalz und pH-Wert-Anforderungen

von verschiedenen Orchideen

pH- Nährsalzgehalt Verhältnis

Gattung Wert g/l N : P : K

Cattleya 4,0 1,0 - 2,0 1,0 : 0,4 : 0,75

Cymbidium 5,0 2,0 1,0 : 0,4 : 0,75

Paphiopedilum 5,5 - 6,5 0,05 1,0 : 0,8 : 1,0

Phalaenopsis 4,7 0,25 - 0,5 1,0 : 0,8 : 1,5

46

Wie aus Versuchen, die im Institut für Bodenkunde

und Pflanzenernährung an der FHWeihenstephan

von Prof. Penningsfeld et al. durchgeführt

wurden, hervorgeht, findet – wie erwartet –

bei ungedüngtem Substrat oder bei Fortlassen

einer der Hauptnährstoffe N, P, K so gut wie kein

Wachstum und Blühen statt.

Auch eine Verdopplung der Anteile an N oder P

ergibt keine nennenswerte Erhöhung des Wachstums

und im Blühertrag gegenüber der Standarddüngung.

Hingegen führt die Verdopplung

des Kaliumanteils gegenüber der Standarddüngung

zu einer deutlichen Steigerung des Blühertrags

als Folge des höheren Wurzeldrucks. Jedoch

leidet darunter die Qualität, insbesondere die

Haltbarkeit der Blüten (um mehr als 30 % kürzer).

Untersucht man die Wurzelbildung, so stellt man

fest, dass ohne Düngung oder bei Mangel an

N die Wurzeln sehr stark ausgeprägt sind und

ein Wachstum der oberirdischen Pflanzenteile

unterbleibt. Die Pflanze ist auf der Suche nach

Nahrung und investiert daher alle Kraft in das

Wurzelwachstum.

Im Falle der doppelten Menge an K oder P wird die

Wurzelbildung hingegen stark zurückgedrängt.

Fazit: Die Standarddüngung N : P : K mit 1 : 0,8 : 1

schneidet bei Berücksichtigung unterschiedlichster

Faktoren am besten ab, hätte jedoch im Blühertrag

durch ein etwas höheres Angebot von N

und K etwas gesteigert werden können.

Es muss bei diesen Düngerversuchen jedoch kritisch

angemerkt werden, dass nicht wachstumsbegleitend,

also in der Wachstumszeit (vegetativen

Zeit), stickstoffbetonter und in der generativen

Phase phosphorbetonter gedüngt, sondern

das Verhältnis immer gleich bleibend über das

Jahr gewählt wurde.

Es ist daher zusammenfassend für die Auswahl

eines geeigneten Düngers für Orchideen wichtig,

dass ein im Nährstoffverhältnis ausgewogener

Dünger gewählt wird, wie der für Paphiopedilum

angegebene (1 : 0,8 : 1),und dieser derWachstumsphase

der Pflanze angepasst wird. Wenn sich also

der neue Trieb oder das neue Blatt zeigen, sollte

man das Stickstoffverhältnis anheben (etwa auf

3 : 1 : 1). Vor Abschluss des Triebs oder Blatts muss

der N-Anteil dann deutlich zugunsten von Phosphat

und Kalium reduziert werden (z. B. 1 : 2 : 3

oder auch 0 : 1 : 2), um schließlich in der Übergangsphase

wieder zum ursprünglichen, ausgeglichenen

Nährstoffverhältnis zurückzukehren.

Ein vergleichender Düngerversuch wurde hierzu

vom Autor über drei Jahre an zwei Gomesa radicans

durchgeführt. Die beiden Pflanzen wurden

unter völlig identischen Bedingungen (an gleicher

Stelle im Gewächshaus) gepflegt. Der Unterschied

ist dabei signifikant: sowohl Wurzel- als auch

Blattbildung sind deutlich kräftiger im Falle der

wachstumsbegleitenden Düngung und auch die

Anzahl der Blüten war um mehr als das Dreifache

erhöht. Diese Abfolge der Düngung hat sich so gut

bewährt, dass sie auch von botanischen Gärten

und Orchideenbetrieben mit jahrzehntelanger

Erfahrung in der Kultur von Orchideen verbreitet

eingesetzt wird.

Im dritten, abschließenden Teil über die Auswahl

und Anwendung des richtigen Orchideendüngers

wird daher das Thema der wachstumsbegleitenden

Düngung nochmals ausführlicher dargestellt

werden.

Ô

Dr. Wolfgang Ermert


Standarddüngung

(1 : 0,8 : 1) links im

Vergleich zu einer

wachstumsbegleitenden

Düngung (s. Text) rechts an

einer Gomesa radicans

(Syn. Ornithophora

radicans) unter ansonsten

gleichen Bedingungen

über drei Jahre.

Bernd Nowak / Bettina Schulz

Taschenlexikon

tropischer Nutzpflanzen

und ihrer Früchte

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Quelle & Meyer Verlag GmbH

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