Veruche einer kritischen Analyse - Kantonsspital Aarau

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Veruche einer kritischen Analyse - Kantonsspital Aarau

CME-Schwerpunk t

Tab. 3 ERSPC-Studie: Ergebnisse des Schweizer Arms

Aargauer Screening-Resultate (n=4832)

PSA-Intervall

Anteil

Männer (%)

0–0,9 49,4 –

1–1,9 25,6 –

2–2,9 10,2 –

Anteil

Männer mit

Krebs (%)

3–3,9 5,5 20,8 86

4–9,9 7,7 23,8 71

10–19,9 1,3 56,3 41

≥20 0,4 100

pT2 (%)

Risiko eines Prostatakarzinoms mit steigendem PSA: Je höher das PSA, desto

geringer die Wahrscheinlichkeit einer lokal kurativen Therapie (% pT2).

Als Anhaltspunkt für die verschiedenen Grössenordnungen

kann man die NNS/NND der ERSPC/Göteborg-Studie mit

jenen anderer Screening-Programme vergleichen (Tab. 2). Eine

Senkung der Mortalität z. B. bei kolorektalen Karzinomen

konnte durch Atikin et al. 2010 beschrieben werden. Nach

einer medianen Beobachtungszeit von 11,2 Jahren zeigte sich

eine Reduktion der Mortalität um 31% (RR: 0,69; KI: 0,59–

0,85). Die berechnete NNS erbrachte einen Wert von 489

Personen, die sich einmalig einer Endoskopie unterziehen

mussten, um einen Todesfall zu vermeiden. Die Daten für das

Mammakarzinom-Screening sind in Tabelle 2 dargestellt. Zur

Gesamtbeurteilung sämtlicher Screening-Verfahren müssen

die Einschränkungen der Lebensqualitäten herangezogen werden,

die u. a. tumor- und therapiespezifisch und von der sozialen

Belastung her unterschiedlich sind. Das einheitliche Thema

der Beurteilung wird individuell zukünftig lauten: «More benefit

than harm!»

Vermeiden der Übertherapie

Da die Rate an Überdiagnosen in der ERSPC bis 56% beträgt

[14], wird der Überwachungsstrategie der «active surveillance»

in Zukunft eine besondere Rolle zukommen. Bisherige Studien

dokumentieren keinen onkologischen Nachteil [30] bei engen

Einschlusskriterien [31] sowie stringentem Beobachtungsprotokoll.

Bisher sind mehrere Studienergebnisse mit optimistischen

Resultaten publiziert worden [32–34]. Nomogramme

wie die von Kattan oder Steyerberg helfen, die Wahrscheinlichkeit

eines «indolenten Karzinoms» anhand weiterer prätherapeutischer

Parameter vorherzusagen [35, 36].

Praktisch bedeutet das, dass das Gespräch mit dem Patienten

bezüglich einer Früherkennungsuntersuchung auf ein

Prostatakarzinom umfassend erfolgen muss (Informationsblatt

der SGU, siehe Kasten «Weiterführende informationen»). Einen

Überblick über die Korrelation von PSA-Wert und das

Risiko eines Prostatakarzinoms sowie über die Wahrscheinlichkeit

eines kurativen lokalen Befunds zeigt Tabelle 3.

Literaturliste beim Verlag

Marco Randazzo

Urologische Klinik und Prostatazentrum

Kantonsspital Aarau

5000 Aarau

marco.randazzo@ksa.ch

Weiterführende Informationen zum Thema im Internet

FAZIT FÜR DIE PRAXIS

˘ www.erspc.org

˘ www.prostatecancer-riskcalculator.com

˘ www.psa-entscheidungshilfe.de

˘ www.prosdex.com

˘ www.nhs.uk

Die Schweizerische Gesellschaft für Urologie stellt auf ihrer Webseite

(www.urologie.ch) zum Download ein Informationsblatt

zur Prostatakrebsvorsorge für Patienten bereit (Kurzfassung:

http://www.urologie.ch/v2/IMG/pdf/information_an_interessierte_prostatakrebs-vorsorge.pdf,

Langfassung: http://www.

urologie.ch/v2/IMG/pdf/informationen_zur_prostatakrebsvorsorge.pdf).

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Männer im Alter zwischen 50 bis maximal 70 Jahren sollten

über die Vorsorgemöglichkeit informiert werden. Dazu gehören

neben den diagnostischen und therapeutischen Schritten

auch das Nebenwirkungsprofil.

Besteht die Bereitschaft zur Abklärung, sollte sofort ab einem

PSA über 4 ng/ml die Biopsie der Prostata durchgeführt werden.

«Nicht jedes früh erkannte Prostatakarzinom muss behandelt

werden, aber das Behandlungswürdige muss früh erkannt

werden!»

Die Active-Surveillance-Strategie stellt in vielen Fällen des

insignifikanten Karzinoms eine Therapiealternative dar, die

die Überbehandlung verhindern kann.

14 Hausarzt PraXIS 2011 | 15

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