Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

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Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

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Ich habe oben gesagt (S. 101) , dass auf den Weltkörpern

Organismen zurück geblieben seyen , die noch der

Vervoiikomninung fähfg wären. Diesem zufolge müssten

auch auf der Erde dergleichen anzutreffen seyn. Diese gehörten

daher noch zu den ürkeimen, deren Keimungsprozess

also noch nicht gänzlich abgelaufen ist. Bei Pflanzen

ist die Veränderung durch Klima, Welttheil, Boden, Cultur

und Kreuzung so mannigfaltig und zahlreich, dass ich mich

darauf nicht einlassen kann , und selbst nicht auf Umänderung

der Arten, z. B. Dahlia variabilis in D. coccinea, Lobelia

lutea in L. bellidifolia, Zlziphora dasiantha in Z. intermedia

u. s. w., weil es höchst schwer ist zu bestimmen,

ob die alte oder neue Art die vollkommnere sey, zumal da

es noch nicht erforscht ist, ob nicht heutiges Tages einige

Arten höherer Pflanzen, ausserhalb des Meer- oder Süsswassers,

unmittelbar und auf Einmal in ungeheurer Menge

entstehen , z. B. auf ausgetrocknetem Meersboden, auf frisch

umgebrochenem Boden, auf den Plätzen ausgestockter Wälder,

auf Brandstätten, am Bodengrunde abgelassener Teiche*)

u. s. w. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass,

gleich den von den Pflanzen abhängenden Insekten, der

grösste Theil der Urkeime höherer Pflanzen nicht in den

Urmeeren, sondern auf den schon trocken liegenden Ringgebirgen

und auf den nicht mehr von Wasser bedeckten

Ebenen und Abhängen zu suchen sey , und dass ihre Generatio

aequivoca noch nicht am Ende ist. Die Pflanzen konnten

sich theilweise leichter als Landthiere nach grossen kometarischen

Fluthen auf die Nachwelt fortpflanzen,

weil viele

Samen im Wasser vollkommen ausdauern; es haben also

Jahrtausende die durch neues Hochwasser umgekommenen

Pflanzen**) ihre Samen an dasselbe abgegeben und sich,

*) Höchst lehrreich wird die vegetabilische Generatio aequivoca

dereinst werden ^ wenn das Harlemer Meer ausgetrocknet

seyn wird.

sjs*)

Wie Samen nicht blos im Wasser ausdauern ^ sondern

selbst einer durchgeführten Verdauung widerstehen^ Aveun ihre

Hülle ganz bleibt^ kann man täglich zu Winterszeit an Finken

und Sperlingen wahrnehmen^ die den Mist gut gefütterter Pferde

oft als einzige Nahrungsquelle benützen. Im Wasser sind die

Samen vor Austrocknung geschützt , und dies ist die Haupterforderniss

vieler Samen ^ z. B. der Eicheln^ Kastanien u. v. a.^

und oft reicht die Feuchtigkeit unterirdischer Gewölbe oder der

Schutz gegen Austrocknung hin, z. B. bei Hülsenfrüchten. Boroughes

benachrichtet von Samen von Centrantus ruber^ welche

seit der Mitte des 12. Jahrhunderts in einem alten Grabmale der

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