Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

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Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

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sten Art verglich; dazu kommt noch, dass er unter einem

nur sehr kleinen Winkel mit dem Aequator geneigt, seine

Richtung von Westen nach Osten hat , also von der hier

im Westen aufgehenden Sonne abgekehrt ist und Tag und

Nacht nicht verschwindet, wie die heilen, nebelrauchartigen

Streifen, die am Morgen entstehen und am Abend verschwinden

(m. s. den Artikel im astr. J. f. 1845 S. 76 — 87).

Der phantasiereichste Verstand , der grösste Physiker, Chemiker,

Astronomen und Geologen können sich keine Erklärung

machen, wie von Natur ein solches flach, gleichsam auf

den Mondboden hingezaubertes Bild habe entstehen können.

Selbst der phantasiereiche Göthe konnte sich, als ich 1826

Spätsommers in Weimar war und ihm dieses ausserordentliche

Gebilde beschrieb, nur dahin entscheiden, dass es nur

ein Kunstwerk seyn könne (Kastners Archiv f. d. ges. Naturlehre

Bd. 8. Hft. I. S. 62 — 63). Es sey mir erlaubt,

über dieses sonderbare Phänomen erklärende Betrachtungen

anzustellen:

Wenn die Hofl'nung, die ich mir bei Verfassung des

Artikels ,, Fernröhren" auf dem Monde machte (astr. J. f.

1842 S. 116), erfüllt wäre, dass es daselbst homogene,

mineralische, durchsichtige Krystalle gäbe, oder vollkommen

durchsichtige hornartige organische Substanzen, oder

vollkommen polirbare Metalle, oder aber dass eine chemische

Zusammensetzung einer starren ,

keine Ofenhitze verlangenden

, chemischen Substanz von vollkommener Durchsichtigkeit

dort möglich wäre, so könnten die selenitischen

Astronomen, so wie wir mit Fernröhren eben so kleine

Theile an hellen Stellen auf der Erde sehen, wie wir auf dem

Monde*). Bei ihnen könnte also der Begriff entstehen, dass

auch wir dergleichen bei ihnen sehen könnten , und sie

könnten dadurch zum Entschluss gekommen seyn , auf eine

grosse Fläche ihres Bodens aus weissem Alabaster oder

ähnlichem Material die Gestalt eines Kometenschweifs für

unser Auge darzustellen, sofern es mit einem guten Fernrohre

bewaffnet ist. Erlauben wir uns, noch ein kleines

Ringgebirge als Kern des Kometen dazu zu denken, dessen

innere Masse in die Masse des Mondes versunken ist (da

'0 Bergkrystall gibt es daselbst in manchem grossen Urgebirge

gewiss. Dieser gibt wenigstens Material zu Ociilaren^ deren

man bei uns auch verfertigt. Ob aber Objective aus Bergkrystall

gefertigt werden können, zweifle ich; weil grosse Stücke ohne

Streifen kaum zu finden sind. An achromatische Fernröhren ist

auf dem Monde wohl nicht zu denken.

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