Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

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Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

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Schattirung der sichtbaren Oberfläche der Sonne dachte,

gab es am 7. Februar der Zufall, dass sie zur Mittagszeit

durch leichte ziehende Wolken fast überall auffallend dunkel

erschien, und es erschienen von S über W bis N die

Randgegenden am dunkelsten. Ich traute meinen Augen

nicht und versuchte allerlei Blendgläser und Objectivblendüngen;

ich konnte aber bei vollem Sonnenschein nur wahrnehmen,

dass die sehr kleine Oeffnung im Ostnordosten in

der Nähe des Randes in ihrer Umgegend eine wahrnehmliche

Helligkeit verbreitete. Dieser Zustand schien der gelinden

, mit Schneegestöber vergesellschafteten Witterung

total zu widersprechen: es sollte die grimmigste Kälte sevn

und mir wurde bange, dass der Zustand der Sonnenatmosphäre

mit unserer Witterung einmal ausser Uebereinstimmung

kommen dürfte. Aber schon in der Nacht vom 7. auf

den 8. fiel die Temperatur um das Doppelte. Am 9. Morgens

trat eine alte, behofte Oeffnung am östlichen Rande ein

in Begleitung einiger Fackeln und kleinsten Oeflnungen und

gab Hoffnung zum Nachlass der Kälte, wenn sie sich der

Mitte etwas nähern würde. Wirklich fiel zu Gunsten dieser

Erwartung das Quecksilber im Barometer; allein die heitern

Nächte vom 8. bis 11. vermehrten die Kälte so, dass

das Thermometer an meiner Sternwarte am 11. bis auf 20

Grad gefallen war. Am 9., 10. und 11. hatte die Dunkelheit

der Sonne nur in der Umgegend der grossen Oeffnung

beträchtlich nachgelassen, sonst aber blieb sie so dunkel

wie am 7. und am 12., und an diesem Tage hatten wir den

Nachlass der Kälte =: — 12-' nur dem die Wärmestrahlung*)

verhindernden nächtlichen Nebel zu verdanken, denn

^'') Die Ursache, warum die heitern Nächte zu Sommerszeit

die Atmosphäre so abkühlen und im Winter ihr eine sehr vermehrte

Kälte bringen, ist von Physikern wohl beachtet, aber

nicht völlig, wie es der Meteorolog und Astronom bedarf, in

eine präcise Reflexion genommen worden , ob sie gleich dazu die

gehörigen Erfahrungen geliefert haben. Diese Betrachtungen lehren

uns, dass eben sowohl aus einem kalten Körper die Kälte

ausströmen (PicteVs Versuche mit 2 Hohlspiegeln, deutsche Encyclopädie,

Art. Kälte, S. 5ö8 — ö59) als aus einem Avarmen die

Wärme QPicfeß. Diese Erfahrung erklärt aber alle andern, die

über die Erkältung der Atmosphäre in heitern Nächten gemacht

sind, und die fast jeder Mensch kennt. Die \^arme, untere,

dichtere Atmosphäre lässt ihre Wärme gegen die kalte , obere,

dünnere ausstrahlen, und umgekehrt, wenn man die Kälte als

eine positive Kraft annehmen will. Die Wärmestrahlung der Atmosphäre

ist desto stärker, je stärker die Atmosphäre erwärmt

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