Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

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Naturwissenschaftlich-astronomisches Jahrbuch für physische und ...

14Ö

Diese Begebenheiten sind so wirklich, dass kein Astronom

mehr an ihnen einen Zweifel findet. Aber ihre Wirkungen

nehmen wir als blosse Lichtveränderungen wahr,

wie vom Brande des Tychonischen neuen Sterns in der Cassiopea.

Wenn nun das Licht so wirksam ist, sollte es nicht

auch verhältlich die Wärme des Lichts auch seyn^ wenn

dieses sich verändert? Nun brachten die Sonnenflecken und

der heuerige andauernde Lichtmangel die gewaltigsten Lichtveränderungen,

von deren Grösse sich nur der astronomische

Physiker einen Begriff machen kann. Es ist also

sc/tlechterdmgs unmöglich , duss diese Veräiidervng nicht

auch Veränderungen in der Temperalur der Atmosjjhüre

der Erde zur Eolge haben sollten.

Solche Veränderungen lassen sich auch aus den vorigen

Jahrhunderten nachweisen, wenigstens von den Wirkungen

des Mangels und des häufigen Vorkommens der Sonnenflecke.

Scheiner, der zuerst anhaltend die Sonnenflecken

beobachtete, sah von 1611 bis 1632 dieselben sehr zahlreich

und die Jahreszeiten dieser Jahre hatten sehr vermischte

Witterung*); von 1676 bis 1684 sah Flumsleat keine, in

welcher Periode sich die sehr kalten Winter von 1677, 1678,

1680, 1683 und 1684 sogar der kühle Sommer auszeichneten.

Von 1749 bis 1773 sah Cassini immer und oft sehr

viele Sonnenflecke und es gab in diesen Jahren viele untermischte,

meist gelinde Winter und warme oder heisse

Sommer, und 1763, als er im September den grössten

Flecken sah, gab es ein gutes Weinjahr. Pastor Fritsch

in Quedlinburg sah von 1809 bis 1811 einschlüssig die Sonne

immer rein ; und die Winter der ersten zwei Jahre w aren

sehr kalt und am dritten war es vom 1. — 10. Jan. doch auch

so kalt, dass die Weser sich mit Eis bedeckte. Von dieser

Zeit an haben meine thermometrischen Beobachtungen mit

denen der Sonne gut harmonirt. Das Jahr 1814, wo sich

die Schattirung der Sonnenoberfläche so deutlich zeigte, dass

ich viele Abbildungen machen konnte (astr. J. f. 1846 S. 115

— 118), fing im Januar gelind an; die Kälte stieg aber im

Februar so, dass das Thermometer am 7. um 7 Uhr früh

— 9«,5, am 18. — 10",0, am 20. — 10^5 und am 21. um

dieselbe Stunde — 16'',0 hatte; am 24. zeigte es — 14",5,

am 25. — 8%5, am 26. — 9«,0, am 27. — 10^25 und

am 28. Febr. — 10°,0. Der März und der April und Mai

zeigten in der Sonne keine so ausgedehnten dunklen Stellen

*) 1627 hatte unter allen diesen Jahren den gelindesten Winter;

in Deutschland sangen im Januar die Lerchen.

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