Albvereinsblatt_2011-03.pdf

Ermsgaufamilie

Reinhard Wolf

terlich, wahrscheinlich sogar älter. Links und rechts des

Pfads verlaufen teilweise Trockenmauern als Abgrenzung

der ehemaligen Weinberge, die hier bis etwa 1900 das Landschaftsbild

geprägt haben. Wildpflanzen, wie Storchschnabel

oder Warzenkraut, haben sich ihrer bemächtigt. Rechts

an der Böschung finden Sie einen Grenzstein der ehemaligen

Reichsstadt. Er zeigt die frühere »Staatsgrenze« zu

Württemberg an. Dann geht es steil weiter. Wo es etwas

flacher wird, treffen Sie links auf eine mächtige Ruhebank.

Das Kleindenkmal steht in einer leichten Ausbuchtung des

Wegs, dahinter befinden sich eine Trockenmauer und eine

Hecke, gegenüber steht ein stattlicher Weißdornbaum.

Der Standort ist umgeben von Obstbaumwiesen und umzäunten

Gärten. Er ist so idyllisch, dass Sie ein paar Augenblicke

verweilen sollten.

Ruhebänke oder schwäbisch: »Gruhen« finden sich als Zeugnisse

vergangener Zeiten an steilen Wirtschaftswegen. Wer

schwere Lasten zu schleppen hatte, konnte auf dem hohen

Steinquader seine Rückentrage oder Kopflast ablegen

und, nach der Rast auf den Sitzbänken daneben, ohne fremde

Hilfe wieder aufnehmen. Die Gruhe an der Pfauenberg -

steige ist erstaunlich gut erhalten. Das historische Kleinod

besitzt einen doppeltem Sturz und zwei steinerne Sitzbänke.

Man kann sich regelrecht vorstellen, wie sich Leute

hier getroffen, sich ausgetauscht und gevespert haben.

Der Weg verläuft in einem kontinuierlichen, zum Teil sehr

steilen Anstieg bis zum Jägerhaus, wo Sie eine weitere Gruhe

vorfinden. Diese befindet sich in der Nähe des Hotels

Jägerhaus auf der Nordostseite der Straße Esslingen – Weißer

Stein bei der Abzweigung zweier Waldwege ins Stettener

Tal. Die Ruhebank steht direkt am Waldsaum. Auch

diese Gruhe verfügte ursprünglich über zwei Sitzbänke, wovon

heute die rechte fehlt. Wer weiter wandern möchte,

kann den Albvereinszeichen und Wegweisern zum Kernenturm

oder nach Aichwald folgen, ansonsten bietet der

weit weniger beschwerliche Rückweg bergab schöne Ausblicke

auf das Neckartal und die Stadt. Sabine Wächter

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Der Ehinger Wolfertturm

Der Wolfertturm, seit über 120 Jahren eines der Wahrzeichen

der Stadt Ehingen (Donau) in einer Parkanlage, ist eines

der frühesten mehrgeschossigen Beton-Bauwerke in

Süddeutschland. Der Turm wurde 1891 als »Kaiser Wilhelm

Thurm« vom Verschönerungsverein Ehingen errichtet. Baumeister

war der in Ehingen sehr geschätzte Max Buck, Mitglied

im Verschönerungsverein. Ein Drittel des Zementes

lieferten die damaligen Zementwerke Blaubeuren, Schelk -

lingen, Allmendingen und Ehingen kostenlos – zur Werbung

für ihre Unternehmen. Denn ein bahnbrechendes Verfahren

wurde angewendet: die oberen Wände, die Zinnen, die

Kapitelle, die Bogen und die Säulen wurden als Fertigbauteile

am Boden gegossen. Die Erstbesteigung war der

29. März 1892.

Die Turmplatte liegt 570 m ü. N.N.. Erklimmt man die 126

Stu fen des etwa 30 Meter hohen braun-gelben Turmes, erschließt

sich in nördlicher Richtung ein wunderbarer Ausblick

auf Ehingen und Umgebung. Schaut man nach Süden,

erkennt man die ruhig fließende Donau, den nahe gelegenen

Bussen, und bei guter Fernsicht erblickt man sogar die

Alpen.

Das Landesdenkmalamt stufte den Wolfertturm als erhaltenswürdiges

Kulturdenkmal ein. Im Jahre 1989 beschloss

der Gemeinderat der Stadt Ehingen

die Generalsanierung des

Wol fertturmes. Seit 1990 betreut

die OG Ehingen (Donau) den

Turm während der Besichtigungs -

zeiten.

Der Wolfertturm mit Parkanlage,

Teich und Kinderspielplatz liegt

am Donauradweg. Öffnungszeiten:

am ersten Sonntag der Monate

April bis Oktober, 10 –12

Uhr, 14 –16 Uhr, Eintritt frei.

Günther Heigl

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