Albvereinsblatt_2011-03.pdf

Ermsgaufamilie

Fragen an den LNV-Vorsitzenden Reiner Ehret

Welche Bedeutung hat für Sie der Schwäbische

Albverein in Ihrem Dachverband?

Ohne den vormaligen Albvereins-Präsidenten Fahrbach gä -

be es den LNV gar nicht. Heute ist der Schwäbische Albverein

einer der großen Mitgliedsverbände und mit seinem Prä -

sidenten Dr. Rauchfuß auch ein bedeutender gesellschaftlicher

und politischer Faktor. Und noch eines: Hätte mich

Alb vereins-Ehrenpräsident Peter Stoll im Jahr 2000 nicht

ermuntert, das Amt des LNV-Vorsitzenden zu übernehmen,

würde heute ein anderer Ihre Fragen beantworten.

Unsere neue Regierung spricht von mehr und neuen For -

men der »Bürgerbeteiligung«. Sehen Sie dadurch die Na -

turschutzverbände stärker als seither in der Verantwortung?

Die mehr als 540.000 Einzelmitglieder in den 33 Mitgliedsverbänden

des LNV waren bisher schon ein Beispiel dafür,

dass Bürger sich beteiligen. Das wird sich dann noch verstärken,

wenn es die neue Regierung nicht nur bei der

Ankündigung von mehr Bürgerbeteiligung belässt, sondern

diese auch tatsächlich in der Praxis verwirklicht. Wir - die

Bürger - werden dann allerdings im Gegenzug bereit sein

müssen, noch mehr als bisher mitzuarbeiten und auch

Verantwortung zu übernehmen.

Natur wie der Schwäbische Albverein zu nutzen und

gleichzeitig zu schützen – ist das für Sie ein Widerspruch?

Ich bin fest davon überzeugt, dass nur derjenige, der die

Natur kennt und nutzt, sie auch zu schützen bereit ist. Die

vielen Tausend Wanderer im Schwäbischen Albverein sind

dafür ein lebendiges Beispiel. Und dafür ist der Dachverband

LNV dankbar und stolz! Allein die Anlage und Pflege

tausender Kilometer Wanderwege ist eine der wirkungsvollsten

Naturschutz-Maßnahmen!

Sind Sie dafür, auf jeden Hügel unseres Landes ein Windrad

zu bauen?

Nein, natürlich nicht! Wir werden mehr Windenergie auch

bei uns brauchen, um innerhalb der nächsten 10 Jahre den

Atomstrom ganz durch Erneuerbare Energie zu ersetzen. Wir

werden aber zunächst dort neue Windräder bauen, wo Vor -

be lastungen der Landschaft durch vorhandene Windkraftanlagen

oder Überlandleitungen bereits vorhanden sind und

wir werden vor allem alte, leistungsschwache Windräder

durch neue, leistungsstarke ersetzen können. Im übrigen soll

jeder einzelne künftige Standort einer Umweltverträglichkeitsprüfung

unterzogen werden. Ich bin auch ziemlich sich -

er, dass die Akzeptanz von Windrädern im selben Maß zu -

neh men wird wie die Ablehnung von Atomkraftwerken, de -

ren strahlender Abfall den nächsten rund 30.000 Gene rationen

Sorgen und Kosten verursachen wird – egal wo letzten

Endes endgelagert wird.

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LNV-Vorsitzender Reiner Ehret und Albvereinspräsident

Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß

1991 von ihm den LNV-Vorsitz übernahm, standen schwierige

Zeiten bevor: Der Höhenflug der Umweltbewegung

ebbte ab, der Staat drängte Naturschutz und Ökologie hinter

das Thema Wiedervereinigung und deren Folgen zurück

– nicht ohne Wirkung auf die Umweltverbände. Der

staatlich verordnete Entzug an Mitwirkungsmöglichkeiten

zerrte an den Nerven der Verbände – unterschiedliche Auffassungen

über den »richtigen Weg« traten deutlicher hervor.

Zum Leidwesen vieler verließen NABU und BUND das

LNV-Dach, die anderen großen Verbände wie zum Beispiel

der Schwäbische Albverein blieben dem LNV jedoch treu.

Vor Ort, also in den LNV-Arbeitskreisen, hat sich dieser

Kon flikt weniger ausgewirkt – nach wie vor erarbeiten dort

Vertreter von NABU, BUND, Albverein, Jägern und Fischern

gemeinsame Stellungnahmen – was für den Erfolg und die

Beständigkeit des »Modells LNV« spricht. Reiner Ehret übernahm

im Jahr 2000 den LNV-Vorsitz deswegen auch mit

dem Ziel, das Trennende zwischen den großen Verbänden

zu überwinden. Wenn auch die Wiedervereinigung bis heute

formal nicht zustande kam – de facto wird auch auf Lan -

des ebene inzwischen wieder vieles in gegenseitiger Abstim -

mung auf den Weg gebracht – in der Erkenntnis, dass es

unseren Widersachern dann weniger gelingt, einen Keil in

zwischen die Umweltverbände zu treiben bzw. uns gegeneinander

auszuspielen.

Unter Führung von Reiner Ehret ist der LNV den Weg hin

zu einer Organisation mit eigenem Profil und Inhalten konsequent

weiter gegangen: Das »Zukunftsforum Naturschutz«

ist eine hochkarätige, sehr gefragte Veranstaltung geworden,

in den Medien und landesweiten Veranstaltungen wird

Präsenz gezeigt und mit zahlreichen Resolutionen und Positionspapieren

werden inhaltliche Zeichen gesetzt, welche

sich hernach oft in Verordnungen und Gesetzen wieder

finden.

Mit den Medienpakten »Ende im Gelände« und »Kurze Wege«

wurde an vielen Orten eine öffentliche Diskussion über

den Flächenverbrauch angestoßen. Auch das neueste Werk

– der Bildband »LAND« –ist auf dem besten Weg, ein viel be -

achteter Erfolg zu werden. Er ist der beste Ausdruck dafür,

dass sich der LNV nicht davor scheut, auch die großen The -

men anzupacken. Diese werden dem LNV auch in den näch -

sten 40 Jahren sicher nicht ausgehen – mit der natur- und

land schaftsverträglichen Umsetzung der Energiewende steht

er ganz aktuell vor einer gewaltigen Herausforder ung, aus

den unterschiedlichsten Sichtweisen der Mitglieds vereine

wieder einmal eine gemeinsame Haltung zu schmieden.

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