Albvereinsblatt_2011-03.pdf

Ermsgaufamilie

Fotos: Kurt Heinz Lessig

Ökologische Kleinode unserer Heimat

Kalkmagerrasen und Borstgrasrasen

Von Kurt Heinz Lessig

Innerhalb des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 der Europäischen

Union wurden 14 prioritäre Lebensraumtypen

aufgelistet, für die Baden-Württemberg eine besondere

Verantwortung trägt. Zwölf davon liegen im Vereinsgebiet

des Schwäbischen Albvereins, der sich für deren

Schutz von jeher einsetzt.

Im vorigen Heft der »Blätter« wurden die Kalkpionierrasen

behandelt. Diesmal geht es um verwandte, aber weniger

extreme Lebensräume. Diese beiden Biotoptypen haben,

außer dem jeweiligen Bodentyp, auf dem sie wachsen, einige

Gemeinsamkeiten. Sie können darum in manchen Passagen

gemeinsam betrachtet werden. Ihre flächenhafte

Ausdehnung ist hauptsächlich dem wirtschaftenden Menschen

zu verdanken. Nach der Auflichtung der Wälder durch

Weide und Mahd entstanden im Laufe von Jahrhunderten

offene Kulturlandschaften, die sich mit einer gebietstypischen

Vegetation bedeckten. Je nach Nutzung entstanden

Magerrasen von unterschiedlicher Ausprägung. Beweidung

bewirkte eine Auslese der Arten, Mahd verhinderte das

Aufkommen von Gehölzen. Eine oft geringe Bodenkrume

setzte manchen Arten Grenzen. Die Neigung zur Sonne bestimmte

die entstehende Bodentemperatur, was ebenfalls

Konkurrenten ausschloss. Auch die Höhenlage hatte ihren

Einfluss. Es entstand eine kurzrasige, artenreiche Pflanzendecke

aus Kräutern und Gräsern. Diese Kriterien treffen

auf beide Lebensraumtypen zu. Sie unterscheiden sich

aber durch den Chemismus ihrer Bodensubstrate. Böden

auf Kalkunterlage weisen darum andere Pflanzenarten auf,

als solche auf Silikatgestein (Granit, Gneis, Sandstein und

entkalkter Wurzelraum).

Kalkmagerrasen

Wenden wir uns zunächst den Kalkmagerrasen zu. Diese

Vegetationsform stellt sich dort ein, wo die Bodendecke

über dem Kalkgestein flachgründig ist und damit auch eine

geringe Bodenfeuchte gegeben ist. Vor allem aber bestimmt

die Nährstoffarmut diesen Biotoptyp. Da hier ackerbauliche

Nutzung ausschied, blieben nur Wiesennutzung

und Weidebetrieb. Der spärliche Aufwuchs reichte gerade

für eine Mahd im Jahr. Damit wurden aber Fuß fassende

Gehölze verhindert. Denselben Effekt bewirkt auch die Beweidung

mit Schafen und Ziegen. Da diese aber selektiv

fressen, ergibt sich eine etwas andere Artenzusammensetzung

als bei der Wiesenmahd. Die sich einstellenden

Eine besonders blumenbunte Kalkmagerwiese am Leimberg bei

Gosbach (oben). Weithin leuchten die Blütenstände der Pyramiden-Hundswurz-Orchidee

(unten).

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