Albvereinsblatt_2011-03.pdf

Ermsgaufamilie

Arnikawiese auf der Südwestalb mit der geschützten Heilpflanze Arnika (oben). Nur im Flug zeigen sich die roten Unterflügel der Roten

Schnarrschrecke (links). Bläulinge nehmen gern Mineralien vom Erdboden auf: hier der Himmelblaue Bläuling (rechts).

Wacholderbüsche, Wildrosen und Weißdorne ergeben dann

das Bild der süddeutschen Wacholderheiden.

Von den einschürigen Mähderwiesen, über die Wacholderheiden

bis zu den Halb- und Volltrockenrasen zeigt sich

der Lebensraumtyp der Kalkmagerrasen in vielen Varianten.

Es sind die artenreichsten Lebensräume unserer Heimat.

Zusammen mit den Steppenheiden und Saumgesellschaften

haben sie besonders unter den Pflanzenfreunden

die Schwäbische Alb in ganz Deutschland bekannt gemacht.

Ihre schönste Ausbildung erreichen sie in unserem Mittelgebirge.

Bis zu 80 Pflanzenarten können in dieser Pflanzengesellschaft

wachsen, weil konkurrenzstärkere Arten ausgeschlos -

sen sind. Wenn man weiß, dass jede einzelne Art ihre zahlreichen

Liebhaber in der Insektenwelt hat, kann man sich

vorstellen, wie groß der Artenreichtum insgesamt ist. Besonders

hoch ist die Zahl der Schmetterlingsblütler und

Orchideen. Dazu kommen Salbei, Nelken und viele andere

Kostbarkeiten der Pflanzenwelt. Vom zeitigen Frühjahr

mit Küchenschelle und Frühlingsenzian bis in den Herbst

hinein mit seinen späten Enzianen, Gold- und Silberdisteln,

blühen die Kalkmagerrasen in ihren schönsten Ausprägungen

durch.

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Unter den Schmetterlingen haben die Bläulinge, Perlmutter-

und Scheckenfalter hier ihre Hauptverbreitung. Auch

die Heuschrecken sind in diesem Biotop mit einer großen

Artenzahl vertreten. Rote Schnarrschrecke und Warzenbeißer

sind die auffälligsten. Sie verstärken mit ihrem Gesang

zusammen mit den Grillen akustisch die besondere

Stimmung auf den Heiden und Trockenwiesen. In besonders

warmen Biotopbereichen zeigen sich die Schmetterlingshafte,

das sind seltene Netzflügler. Hoch ist auch die

Zahl der Käfer, Wildbienen, Schwebfliegen und anderer

Kleintiere. Deshalb sind diese Lebensräume auch Nahrungsreviere

verschiedener Vögel und Kriechtiere wie Pieper,

Wachtel, Neuntöter, Dorngrasmücke, Eidechse und

Schlingnatter. Greifvögeln erlaubt die durchsichtige Vegetation

eine gute Sicht auf ihre bevorzugte Kleinsäugerbeute.

Die Vorkommen der Kalkmagerrasen sind über große Teile

unseres Landes verbreitet mit Ausnahme vor allem des

Schwarzwaldes. Denn nicht nur auf der Alb, sondern auch

im Muschelkalkgebiet in der Mitte und Norden des Landes

und auf den kalkführenden Schichten des Keuperlandes

sind die Voraussetzungen gegeben. Viele entsprechen

den einschränkenden Vorgaben der FFH-Richtlinie und

sind – sofern nicht schon Naturschutzgebiet – damit geschützt.

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