Albvereinsblatt_2011-03.pdf

Ermsgaufamilie

Salamandrisches Leben

Das Markenzeichen einer großen Schuhfabrik hat den Feuersalamander

überall bekannt gemacht. Doch wer hat ihn schon einmal

in der Natur gesehen? Denn wenn sich der Mensch des

Abends in seine Behausung zurück zieht, verlässt dieser Schwanzlurch

als Nachttier frühestens sein Tagesversteck. Nur bei Regen -

wetter kann man ihm auch am Tage begegnen. Deshalb haben

Wanderungen auch bei Regen ihren Reiz. Der Feuersalamander

ist ein Charaktertier feuchter Laubmischwälder mit Quellbereichen

des Hügel- und Berglandes. Hier ist er bis 600 Meter Meereshöhe

anzutreffen.

Auf der Schwäbischen Alb hält er sich gern in den Hohlräumen

schattiger Felsblockhalden auf, findet sich aber auch in Obstbaumwiesen

und Gärten in Waldnähe. Da der Feuersalamander

sehr orttreu ist, deuten diese Vorkommen auf frühere Wälder

hin. Ab der genannten Höhengrenze übernimmt der Alpensalamander

– vor allem in den Alpen – diesen Lebensraum. Während

der Feuersalamander eine größere Anzahl Jungtiere als Kiemen -

lar ven in sauberen strömungsarmen Bauchläufen absetzt, bringt

sie der Alpensalamander voll ausgebildet zur Welt. Die meist

zwei Junglurche benötigen also nicht mehr das Wasser als Lebens -

raum. Das ist in der Amphibienwelt einmalig.

Der Feuersalamander tritt in zwei Rassen auf, deren Grenze durch

unser Land verläuft. Im größeren nördlichen Teil ist es die gebän -

derte gelb-schwarze Form, im Süden die gefleckte. Beide Formen

werden auf eine eiszeitliche Trennung ehemaliger Vorkom -

men zurückgeführt. Die gelbe Hautfleckung des Feuersalamanders

bewirkt die Abschreckung potentieller Fressfeinde, die so

vor den vielen Giftdrüsen am Körper gewarnt werden. Auch der

Kurt Heinz Lessig

Jeder einzelne Feuersalamander hat seine individuelle Körperzeichnung.

einheitlich schwarze Alpensalamander besitzt sie. Heute sind

diese Tiere vor allem durch den Verkehr gefährdet.

Beide Arten sind sehr unterschiedlich im Land verbreitet. Der

Feuersalamander hat Vorkommenslücken im Nordosten und im

Süden, vom Bodensee bis zum Württembergischen Allgäu. Auch

die Südalb ist unbesiedelt. Der Alpensalamander hat – aus den

Alpen kommend – gerade noch die Südostecke in der Adelegg

er reicht.

Die träge Lebensweise der Salamander hindert die Tiere nicht,

an ihre Nahrung zu gelangen. Kleintiere aller Art wie Schnecken

und Würmer lassen sich immer erhaschen. Die plumpe Gestalt

der Salamander hat bereits Vorbilder in der Zeit der Ur-Amphibien

vor 300 Millionen Jahren. Dass sie einmal reine Wassertiere

waren, zeigt ihre unvollkommene Lungenatmung, die noch

von der Sauerstoffzufuhr über die Haut unterstützt werden muss.

Mit stoischer Gelassenheit begegnen sie dem Menschen. Ob sie

wissen, dass sie zu den besonders geschützten Tieren gehören?

Schwäbische Pflanzennamen

von Prof. Dr. Theo Müller

Kletten (Arctium-Arten)

Kletten sind mehr oder weniger stattliche, zweijährige Korbblütler-Stauden

mit einer dicken, verholzenden Pfahlwurzel.

Sie bilden im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette,

aus der im zweiten Jahr der aufrechte, verzweigte Stängel

sprießt, der die kugeligen, vielblütigen Blütenköpfe trägt.

Die Hülle der Blütenköpfe besteht aus mehreren Reihen

Hüllblättern. Die äußeren Hüllblätter sind lanzettlich und

laufen in einen kurzen Widerhaken aus, so dass die Blütenköpfe

nach der Samenreife leicht an vorübergehenden

Tieren oder Menschen hängen bleiben (»Klette«) und so die

Samen verbreitet werden. Die röhrigen roten Blüten sind

zwitterig.

Bei uns gibt es vier Klettenarten, die nicht immer eindeutig

anzusprechen sind, da sie alle untereinander bastardieren

können. Bei zwei Klettenarten sind mindestens die Stiele

der Grundblätter immer mehr oder weniger markig und

nicht hohl; bei der einen sind die Hüllblätter spinnwebigwollig

verbunden (Filzige Klette, Arctium tomentosum, bis

120 cm hoch), bei der anderen sind sie kahl (Große Klette,

Arctium lappa, bis 150 cm hoch). Bei den zwei weiteren Klettenarten

sind mindestens die Stiele der grundständigen

Blätter hohl; die eine besitzt lange, zunächst mehr oder weniger

waagrecht abstehende, später überhängende Äste

(Hain-Klette, Arctium nemoreum, bis 250 cm hoch), während

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Große Klette

die andere zahlreiche, aufrecht abstehende Äste aufweist

(Kleine Klette, Arctium minus, bis 120 cm hoch).

Mit Ausnahme der Hain-Klette, die in Waldschlägen, Waldverlichtungen

oder an Waldwegen zu finden ist, kommen die

übrigen Klettenar ten auf stickstoffreichen Böden in der Nähe

von menschlichen Siedlungen sowie an sonstigen, vom

Menschen beeinflussten Stellen wie Schuttplätze, Wegränder,

Raine, an Zäunen und Mauern vor.

Die Klettenwurzel gehörte zu den viel gebrauchten Hausmit -

teln und wurden bei Geschwüren, Flechten, Verbrennungen,

Thomas Pfündel

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