Albvereinsblatt_2011-03.pdf

Ermsgaufamilie

Schulwandern

»An einem Sommermorgen / da nimm den Wanderstab, /

es fallen deine Sorgen / wie Nebel von dir ab.« So dichtete

Theodor Fontane, und wir Albvereinler können nur zustimmen.

In den Schulen scheint dieser einfache Hinweis

zur Lebensbewältigung allerdings weitgehend in Vergessenheit

geraten zu sein. Seit zwei Jahren wird in den deutschen

Wandervereinen unter Federführung des Deutschen

Wanderverbandes intensiv daran gearbeitet, dass Schülerinnen

und Schüler mehr wandern.

Das Projekt Schulwandern »Starkmachen für mehr Bewegung

und nachhaltige Naturerlebnisse« agiert auf drei Ebenen;

mit den Lehrern und Wanderexperten an den Schulen,

mit den Schulverwaltungen und mit den Kultusministerien

in ganz Deutschland. Das Ziel ist: Jede Schulklasse

geht einmal in der Woche in die Natur. Die Kinder profitieren

in vielfacher Weise davon. Wandern ist das beste

körperliche Aufbautraining. Die Kinder lernen ihre Umgebung

kennen und gleichzeitig eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung,

die jeder ohne großen Aufwand sein ganzes

Leben lang durchführen kann. Alle Schulfächer können

im Freien anschaulich unterrichtet werden, der Bezug zur

Lebenswirklichkeit kann hergestellt werden. Der Aufenthalt

im Freien wirkt sich positiv auf die Gruppendynamik

einer Schulklasse aus. Die Natur ist ein deutlicher und gerechter

Erziehungshelfer. Wenn es regnet, werden alle nass –

Lehrer, Musterschüler und Schulversager. Eine Wanderung

fördert Teamgeist, Geistesgegenwart und Reaktionsvermögen.

Jeder Wanderer kann diese Aufzählung fortführen

und mit Beispielen ergänzen.

Bei den Schulen stoßen wir auf Interesse. Zwei Lehrerfortbildungen

der Heimat- und Wanderakademie in den

Jahren 2009 und 2010 und eine Pilotschulung des Deutschen

Wanderverbandes im Juni 2011 wurden mit Erfolg

durchgeführt. Im Oktober 2011 wird eine weitere Lehrerfortbildung

der Heimat- und Wanderakademie stattfinden.

Es ist schön, dass der Schwäbische Albverein bei diesem

wichtigen gesellschaftlichen Thema seine Kompetenz zeigen

kann, und wir sind sicher, noch viele Schülerinnen und

Schüler für das Wandern begeistern zu können.

Stefan Österle

Wandertraining

Hand aufs Herz: wann waren Sie zum letzten Mal mehrere

Tage mit dem Rucksack unterwegs?

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Bei einer solchen Wanderung vor Jahren gingen mir viele

Fragen durch den Kopf. Wer tagelang unterwegs ist und

dabei nur ganz wenigen Menschen begegnet, fragt sich, warum

nur wenige dies tun. Auf Nachfragen antworten viele

darauf, es sei zu anstrengend…, das schaffe ich nicht… usw.

Klar, Wandern ist ein Sport. Jede Sportart hat ihren Trainingsabend

– warum nicht auch wir Wanderer? Dies war die

Idee für einen Versuch, im Teck-Neuffen-Gau »Wandertrainingsgruppen«

zu gründen. Diese treffen sich seither

wöchentlich, um eine Strecke von sechs bis zehn Kilometer

bei flottem Tempo (fünf bis sechs Stundenkilometer)

zurückzulegen mit anschließenden gymnastischen Übungen.

Für jede Teilnahme gibt es einen Stempel im Wandertrainingspass.

Jeder volle Pass (40 Stempel) wird mit einem

freien Eintritt ins Thermalbad Beuren belohnt .

Dass Wandern einen positiven Einfluss auf die Gesundheit

hat, ist schon lange bewiesen. Ging der Mensch in Deutschland

vor 100 Jahren täglich noch 20 Kilometer, so sind es

heute nur noch 400 bis 700 Meter, die er zu Fuß zurücklegt.

Basierend auf den Erkenntnissen mehrerer Gesundheitskongresse

»Wandern« sind gesundheitsfördernde Aspekte

des Wanderns aus medizinischer als auch therapeutischer

Sicht belegt, z. B. konnten einige Dia betes-

Patienten während einer Wanderung auf dem Westweg ihr

Medikament absetzen. Auch Teilnehmer am Wandertraining

machten selbst die Erfahrung, dass sich Bewegung positiv

auf ihr Wohlbefinden auswirkt.

Vorrangig für die Teilnehmer am »Wandertraining« wurde

2008 im Gau eine Streckenwanderung auf dem Hauptwanderweg

1 (HW1) organisiert, um ihre Kondition herauszufordern

– und dabei aber auch die Natur zu genießen. Von

Neidlingen, über den Reußenstein, Randecker Maar, Breitenstein

und Gelber Fels erreichte die 30-köpfige Wandergruppe

plus 100 Tageswanderer das erste Quartier, die

Burg Teck. Als Gast war Manuel Andrack, Wanderbuchautor

und Fernsehjournalist, an zwei Etappen dabei. Am zweiten

Tag führte die Wanderung über den Hohenneuffen nach

Bad Urach. Weiter gings über den Uracher Wasserfall nach

Honau. Schöne Ausblicke vom Steilabfall belohnten die

Wanderer immer wieder. Mössingen, Dreifürstenstein, Raichberg,

Burgfelden, Frommern und Lochen sind unvergessliche

Stationen dieser Gauwanderwoche.

Im Jahr 2010 beteiligten sich an der Fortsetzung des Nordrandwegs

teils streckenerfahrene und auch neue Teilnehmer.

Vom Lochen ging es über Spaichingen, Mühlheim, Fridingen,

Wanderheim »Rauher Stein« nach Sigmaringen (Näheres

in Heft 6/2010 Seite 30 der Albvereinsblätter).

Eine Fortsetzung ist für 2012 für die Teilnehmer der Wandertrainingsgruppen

in Planung. Vom Hegau führt die Tour

durch die Wutachschlucht, vorbei am Schluchsee, zum Feldberg.

Folgende OGn im Teck-Neuffen-Gau bieten Übungsabende an: Bissingen,

mittw. 18.30 Uhr, Holzhaus Stuberweg; Lenningen, mittw.

18.00 Uhr, Sulzburgstüble; Neckartailfingen, fr. 18.00 Uhr, Liebenau-Sporthalle;

Oberboihingen, mittw. 18.00 Uhr, Albvereinsheim;

Owen do. 18.00 Uhr, Freizeitheim KJR; Weilheim, mittwochs 18.00

Uhr Sportplatz Egelsberg; Unterensingen, donnerstags 18.30 Uhr,

Bettwiesenparkplatz.

Richard Hausmann

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