Oberlausitzer Umgebindehaus

MediaLight

Eine kleine aber feine Vorstellung der Oberlausitzer Umgebindehäuser. Mit Geschichte der Umgebindehäuser von der Region und Tipps an Urlauber, Besucher und auch Einheimische.

Schutzgebühr 2,10 €

Oberlausitzer

Umgebindehaus

Informationsbroschüre | Ausgabe 5


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Ro any

2

Legende:

Ortschaften mit zahlreichen Umgebindehäusern

Fuß-, Radfahr- und Rollstuhlfahrwege

Straßen und Wege für Motorfahrzeuge

Autobahnen und Bundesstraßen

Staatsstraßen und Ortsverbindungsstraßen

Straßen in Planung

Berge/Erhebungen ohne Höhenangabe

Karte, Klaus Herzog


Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

genau heute vor einem Jahr, also zum „Tag des offenen Umgebindehauses“

am letzten Wochenende im Monat Mai 2012, erschien unsere

4. Auflage der Broschüre „Oberlausitzer Umgebindehaus“. Interessierte

Gäste und Besucher aus Nah und Fern, die sich mit dem

besonderen Baustil des Umgebindes beschäftigen oder sich vielleicht

auch mit dem Gedanken tragen, einmal ein Umgebindehaus als Wohnsitz

zu wählen, künftige und gegenwärtige Bauherren von Umgebindehäusern

sowie Besitzer dieser waren von unserer neuen Broschüre,

die sich von den vorherigen Ausgaben in der Gestaltung und Textauswahl

wesentlich unterschieden, sehr angetan.

Die Broschüre brachte den Leserinnen und Lesern einerseits das traditionelle

Handwerk beim Bau von Umgebindehäusern näher und verwies

an vielen Stellen auch auf die unterschiedlichen Facetten und

Spezifikas, die bei der Erbauung von Umgebindehäuser auftreten, wie

z.B. bei der Geschoss- und Stockwerkbauweise, der Dachkonstruktionen

u.v.m.. Andererseits wurde auch auf Sanierungs- und Nutzungslösungen

für Umgebindehäuser verwiesen, der Tag des offenen Umgebindehauses

als solches hervorgehoben und auf Möglichkeiten beim

Kauf bzw. der Finanzierung von Umgebindehäusern verwiesen. Traditionell

haben sich auch wieder eine Anzahl von Gemeinden, in denen

Umgebindehäuser vorkommen und die sich aktiv dem Thema Umgebindeland

zuwenden, in der Broschüre eingebracht und präsentieren

sich anschaulich.

Mit unserer neuen 5. Auflage wollen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser

mit solchen Themen, wie Umgebinde – ein Kulturerbe, Entwicklungsgeschichte

von Umgebindehäusern und weitere, die unsere Autoren

für Sie festgehalten haben begeistern und Sie auf diesem Wege

den Traditionen der Oberlausitz und der Heimatverbundenheit näher

bringen.

Auch in der neuen Ausgabe stellen sich wieder Gemeinden vor, die

das Bild der Oberlausitz mit ihren Umgebindehäusern prägen. Erstmals

stellt sich auch ein Ort im Tschechischen vor, die Stadt Rumburk,

in der wir auch eine Vielzahl von Umgebindehäusern vorfinden.

Die Untermalung des Textes mit vielen besonders ausgewählten Fotos

bietet Ihnen einen reichhaltigen und wunderschönen Ausblick auf

die Natur und Heimat unserer Region, der Oberlausitz, dem Umgebindeland.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen wieder viel Spaß beim

Lesen und dem Betrachten der Broschüre.

Wir bedanken uns bei den Autoren, die für uns die Fachtexte erstellt

haben, bei den Stadt- und Gemeindeverwaltungen für die Zuarbeit in

Text und Bild und bei den Unternehmen und Gewerbetreibenden, die

mit ihrer Anzeige zur Finanzierung der Broschüre beitrugen.

Ihr Team von Media-Light Löbau

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Herausgeber

Werbeagentur Media Light Löbau

Ernst-Thälmann-Str. 63 • 02708 Großschweidnitz

(03585) 40 19 67 • (03585) 46 88 87

www.media-light-loebau.de

media-light-loebau@gmx.de

Texte H. Roth – S. 4 – 10; A. Matthes – S. 11, S. 16; U. Mühle – S. 12 – 13;

R. Friebolin – S. 14 – 15

Zuarbeit der jeweiligen Gemeinden, Touristinformationen, Firmen

und Vereine

Fotos Zuarbeit durch die sich vorstellenden Gemeinden bzw. den Tourist-

informationen, Firmen und Vereine. Alle weiteren Fotos sind auf der

jeweiligen Seite gekennzeichnet

Illustrationen

Horst Pinkau – S. 9, 10, 15, 16, 17; Übersichtskarte – Klaus Herzog

Satz und Gestaltung Sharon Hille; Werbeagentur Media Light Löbau

Anzeigenakquise Hans-Peter Schulz, Roswitha Beil, Simone Baier – Media Light Löbau

Für die Richtigkeit der Werbeaussagen in den Anzeigen übernimmt die Werbeagentur keine Gewähr. Haftungsausschluß

besteht auch für redaktionelle und technische Fehler. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie die Nutzung der Broschüre

zu werblichen un kommerziellen Zwecken ist nicht zulässig.

Umgebindehauskarte 2

Vorwort, Inhaltsverzeichnis und Impressum 3

Umgebindehäuser – ein Kulturerbe von Weltgeltung 4–10

Grundelemente eines Umgebindehauses 10

Die Entwicklungsgeschichte des Umgebindehauses 11

Zeitgemäßes Bauen kontra 9000 jähriger Baustoff 12–13

Historische Türstöcke und Portale 14–15

Geschichte der Fensterbekleidungen in der Oberlausitz 16

Stiftung Umgebindeland, Fachring Umgebindehaus 18

Kauf-Beratung und Finanzierung 19

Bitte stilecht bleiben! 20

Oberlausitz Entdecken und Schmecken 21

Schkola – Kinder zum Thema Umgebindehaus 22

Gemeinden laden ein

Rumburk 25

Stadt Schirgiswalde-Kirschau 26

Cunewalde – Ein Tal mit Weitblick 27

Sohland an der Spree 28–29

Die Gemeinde (am) Kottmar – ein Berg und seine Dörfer 30–33

Windmühlen- und Wetterdorf Oderwitz 34

Seifhennersdorf – ein Erholungsort für Jung und Alt 35

Goßschönau mit seinem Erholungsort Waltersdorf 36

Luftkurort Jonsdorf 37

Niesky 38

3


Stefanie Klauss

Umgebindehäuser ein Kulturerbe

Text von H. Roth

4


Umgebindehäuser – ein Kulturerbe von Weltgeltung

Vor fast 30 Jahren, im Mai 1984, glich der Oberlausitzer Ort Obercunnersdorf

einem Ameisenhaufen. Vertreter des Internationalen Rates

für Denkmale und Denkmalsbereiche (ICOMOS) mit Sitz in Paris hatten

sich zu einer Fachexkursion angesagt. Was mochte die 150 Denkmalskundigen

aus 40 Staaten in den entlegenen Zipfel Deutschlands

gelockt und danach zu begeisterten Urteilen hingerissen haben? Es

waren die landschaftstypischen Umgebindehäuser! Nach dem Urteil

dieser Experten der einzige traditionelle Haustyp in ganz Europa,

• der drei grundverschiedene Bauweisen unter einem Dach vereint,

• der durchgängig mit dem namensgebenden Umgebinde eine originelle

Entlastungs- oder Stützkostruktion einsetzt.

Zusätzlich war es ein Haustyp,

• der sich über viele Jahrhunderte hinweg ständig weiterentwickelte

und somit vielfältigste Nutzungsmöglichkeiten erlaubte,

• der mannigfaltige Handwerkerleistungen in Schönheit und Perfektion

zusammenführte,

• der einstmals wohl weiter verbreitet war, heute aber konzentriert

nur noch in der Oberlausitz und den angrenzenden Gebieten Sachsens,

Brandenburgs, Tschechiens (Nordböhmen) und Polens (Schlesien)

zu finden ist, (Vielfach spricht man deshalb auch vom „Umgebindeland“

im Dreiländereck.)

• der nach stark schwankenden Angaben heute noch an zwischen

9000 und 20000 sehenswerten und vielgestaltigen Baudenkmalen

bewundert werden kann,

• dessen Bestand sich aber ständig verringert und deshalb langfristig

gefährdet ist.

Diese einmalige internationale Beachtung und Wertschätzung hatte

Folgen, die noch bis heute nachwirken.

Eine ganze Reihe guter Veröffentlichungen zur Umgebindebauweise

erschien. Reiseunternehmen und Individualtouristen aus allen Teilen

Deutschlands und vielen Ländern besuchen die Lausitz nicht mehr

nur wegen der schönen und vielgestaltigen Landschaft und ihrer altehrwürdigen

Städte, sondern sie wollen auch die eigenartigen Umgebindehäuser

kennenlernen.

Selbstbewusst geworden bewirbt sich das Umgebindeland mit seiner

Volksbauweise um die Aufnahme in die Liste der Welterbestätten.

Drei Häuser in einem

Drei traditionelle Bauweisen sind es, die man in Europas Dörfern vor

allem findet. Jede von ihnen den geografischen Bedingungen angepasst,

jeweils mit beachtlichen Vorteilen aber auch mit bedauerlichen

Schwächen. In den ehemals waldreichen Gegenden von Skandinavien

über die slawischen Länder bis in die Alpenregion hinein findet man

die Blockbauweise: Die Hauswände werden aus waagerechten Lagen

mehr oder weniger bearbeiteter Baumstämme oder starker Bohlen

zusammengefügt. Holz, ein in begrenztem Umfang vorhandener, natürlicher

Werkstoff zeichnet sich durch eine sehr gute Wärmedämmung

aus. Nicht umsonst baute man im Mittelalter als besonderen

Luxus behagliche Holzstuben in steinkalte Burgen oder Bürgerhäuser

hinein. Der Nachteil reiner Blockbauten ist der immense Holzbedarf,

auch sind sie anfällig gegen Schädlingsbefall, Nässe und Feuer.

Von den Britischen Inseln über Frankreich bis nach Mitteldeutschland

ist dagegen der westeuropäische Fachwerkbau verbreitet. Ihn könnten

wir als eine sparsame

Leichtbauweise bezeichnen.

Das kostbare Holz wird hier

nur für ein Skelett oder Gittergerüst

aus senkrechten

und waagerechten Balken

benötigt, das durch schräg

eingezimmerte Streben versteift

wird. Die Zwischenräume

(„Gefache“) werden

durch ein Lehmgefüge ausgefüllt. Lehm ist nicht nur der älteste, sondern

auch ein überall vorkommender, preiswerter und umweltschonender

Baustoff. Gelobt wird das gute Raumklima in Lehmbauten

(ausgeglichene Luftfeuchtigkeit). Etwas problematisch ist jedoch die

Verbindung von „arbeitendem“ Holz und den relativ starren Lehmausfachungen.

Es kann zu Ausbrüchen, Rissen und Leerfugen im Gefach

kommen. Auch deshalb ist die Wärmedämmung der oftmals schwachen

Lehmwände nicht überzeugend gewesen. Der Hauptnachteil besteht

aber darin, dass nasser Lehm jegliche Festigkeit verliert, ganz

gleich ob im Haus oder an der Außenwand. Es sei denn, er wurde zu

harten Ziegeln gebrannt. Doch das Ziegelbrennen war zumindest früher

aufwendig und teuer; verbrauchte man verglichen mit einem urigen

Blockhaus doch dafür z.B. die vielfache Menge an Holz.

Die dritte Bauweise findet man vorwiegend in Dörfern der warmen

Länder Südeuropas. Es handelt sich um kleinere Massivbauten aus

Feld- oder Bruchstein. Selbst wenn die Steine nicht in Zementmörtel

gebettet werden, ist eine solche geschickt aufgesetzte Mauer bei

entsprechender Stärke nahezu unverwüstlich. Nässe und Feuer, selbst

leichte Stöße können ihr nichts anhaben. Aber Steinwände sind unwirtlich

kalt.

Könnte man nicht die drei Bauweisen miteinander kombinieren, um

ihre Vorzüge zu nutzen und die Nachteile möglichst auszuschließen?

Gerade das schafft unser Umgebindehaus in einzigartiger Weise.

Erbittert und teilweise kontrovers wird darüber gestritten, warum,

wann und wie sich dieses „Multi-Haus“ entwickelte. Hat es etwas mit

Zillessen „Weberstube“

dem Aus Kontakt v.Lüdinghausen, zwischen „Die sächsische alteingesessener Oberlausitz“, S.70, sorbischer Berlin 1922Bevölkerung und

den deutschen Kolonisten des 12./13. Jahrhunderts zu tun, wie seine

regionale Verbreitung vermuten lässt? Einigkeit besteht nur da rin,

dass dies keine plötzlich-geniale Einzelerfindung, sondern ein langer

Prozess war. Sein Anfang liegt im Dunkeln. Es gibt weder Berichte

noch Abbildungen. Leider ist auch das in unserer Region zum Hausbau

verwendete Nadelholz nicht besonders haltbar. So haben sich die ältesten

Bauteile nur im Innern mehrfach umgebauter Häuser erhalten.

Keine gehen vor das 16. Jahrhundert zurück.

In der langen Entstehungsgeschichte wird es wohl zuerst zu einer

Verbindung von Block- und Fachwerkbau gekommen sein, wobei der

Blockteil sinnvollerweise den einzigen geheizten Raum des Hauses,

eine Stube, aufnahm. Im Fachwerkteil waren Schlaf- und Vorratskammern,

Wirtschafts- und Arbeitsräume, Flure und Treppen untergebracht.

Heute nicht mehr zuklären ist die prinzipielle Frage, ob damals

die massive Holzstube ins ursprüngliche Fachwerkhaus hinein gebaut

oder der ursprüngliche Blockbau mit einer Fachwerkkonstruktion umbaut

wurde. Von dieser Entscheidung könnte aber abhängig sein, ob

man das Umgebinde, welches

wir bald besprechen

werden, lediglich als eine

reduzierte Fachwerkwand

oder als eine besondere

Stützkonstruktion betrachten

muss. Die Formulierungen

„hinein gebaut“ und

„umbaut“ verweisen immerhin

auf einen unstrittigen

Wasserborn in Seifhennersdorf

und ganz entscheidenden Sachverhalt: Die Blockstube ist ein Haus im

Haus, eine in sich geschlossene, mit den anderen Hausteilen konstruktiv

nicht verbundene „Holzkiste“.

Über Jahrhunderte hinweg nahmen ganz langsam die steinernen Anteile

am Umgebindehaus zu. Am Beginn stand wohl ein schlichter

Natursteinsockel unter der Blockstube als Schutz vor Nässe. Kleine,

ausgemauerte Kellerlöcher werden gefolgt sein, in denen man Milch

und andere verderbliche Lebensmittel kühl lagern konnte. Dort, wo

es der Untergrund erlaubte, bekamen Umgebindehäuser viel später

beachtlich große, tonnengewölbte Keller, oft mit einem Hausbrun-

5


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nen und einer Abzucht für

überschüssiges Schichtwasser.

Auch der Hauflur, in dem

sich ursprünglich das offene

Herdfeuer befand, wurde

zunehmend „versteint“.

Er entwickelte sich zur „Halle“

mit Vorder- und Hintertür,

mit Zugang zu Stube und

Stallteil, mit Treppen zum

Keller und Obergeschoss (Typ des mitteldeutschen Ernhauses). Das

Herdfeuer wurde als „Schwarzküche“ vom Flur abgetrennt. Lange Zeit

hat man von hier aus auch den Stubenofen als „Hinterlader“ durch die

Wand hindurch befeuert. (Aus Brandschutzgründen wurde an dieser

Stelle ein Stück der Blockstube durch feuerfestes Material ersetzt.)

Mensch und Tier lebten im traditionellen deutschen Bauernhaus unter

einem Dach. Die Lehm-Fachwerk-Bauweise erwies sich für Ställe

als wenig geeignet; sie war nicht haltbar genug. Deshalb schloss sich

später in der Längsrichtung des Hauses an den Flur meist ein zweiter

Massivteil mit starken Natursteinmauern an. Diese Gewölbe konnten

nicht nur als Ställe, sondern auch als sichere Lagerräume oder für die

verschiedensten Handwerksberufe als Werkstatt genutzt werden. Bei

größeren Häusern bekam sie ab dem 18. Jahrhundert zusammen mit

dem Hausflur schöne Gewölbekappen aus Ziegelmauerwerk. Damit

ist unser Umgebindehaus komplett. Noch nicht ganz!

Denn zu einem Haus gehört auch das Dach mit den Bodenräumen.

Umgebindehäuser haben in der Regel ein Satteldach. Bei größeren

wurde dieses wegen der besseren „Windschlüpfrigkeit“ mit einem

Zwerchgiebel versehen. Das Dachmaterial wandelte sich in den letzten

150 Jahren von den ursprünglichen Strohschoben und Holzschindeln

zu einer Ziegel- und Schiefereindeckung. Die Giebel des Hauses

bestanden meist aus Fachwerk, nur selten aus einer einfachen Bretterwand.

Der meist recht große, oft zweistöckige Bodenraum wurde

in großen Teilen zum Einlagern von Brennmaterial (vor allem Reisig)

und Heu genutzt. Eine Luke im Giebel und ein heraus schiebbarer Balken

machten es möglich, dieses mittels Rolle und Seilzug nach oben

zu befördern, ohne Haus und Treppen zu beschmutzen. Für Licht und

die Durchlüftung des Bodens sorgten Fenster an den Giebelseiten

und Gaubenfenster in der Dachfläche. Deren landschaftstypische

Ausgestaltung als „Ochsenaugen“ oder „Hechte“ rührt wohl noch vom

Strohdach her. Bei eingeschossigen

oder kleinen Umgebindehäusern

konnte der

Raum unter dem Dach durch

einen deutlichen Dachüberstand

oder ein zwischengeschobenes

Halbgeschoss

(„Drempel“) vergrößert werden.

Letzteres ermöglichte

auch die Nutzung des unteren

Dachraumes als zusätzliche

Wohn- oder Schlafkammern.

Viel weiter verbreitet, am

Ende sogar üblich war es jedoch,

Umgebindehäuser mit

einem Fachwerk-Obergeschoss

zu bauen. Dort befanden

sich über der Blockstube die Schlafräume des Hausbesitzers

(Stubenkammern), über der Halle der „Saal“ als oberer Hausflur und

über den Gewölben die so genannten Stallkammern. Sie wurden vom

Hausgesinde oder eingemieteten „Inwohnern“ bewohnt, dienten teilweise

aber auch als Altenteil.

Jetzt endlich haben wir alle wichtigen Teile eines Umgebindehauses

beisammen: jedes von ihnen mit seiner typischen und der Nutzung

angepassten Bauweise. Spätere Anbauten, die sich meist an der Rückseite

des Hauses („Abseite“) befanden, dienten als Abort, Waschhaus

oder Schuppen.

Und noch eine einzigartige Lösung: Das Umgebinde!

Im vorigen Abschnitt haben wir einige Fragen offen gelassen: Warum

ist die Blockstube nicht richtig mit dem Rest des Hauses verbunden,

sondern nur hineingestellt? Was ist das erwähnte Umgebinde, welches

der ganzen Bauweise den Namen gibt?

Alles beginnt mit einer störenden Eigenschaft des Baumateriales

Holz, die wir vielleicht aus eigener Erfahrung kennen. Nimmt Holz

Feuchtigkeit auf, so quillt es; beim Trocknen schwindet es, bekommt

vielleicht sogar Risse – Holz arbeitet.

Warum aber reißt es nur in der ehemaligen Längsrichtung des Stammes?

Beim Quellen oder Austrocknen ändern Holzzellen kaum ihre

Länge (nur 0,1 % in der Faserrichtung), ihre Dicke aber sehr deutlich

(bis zu 8%). Bei den einzelnen und nicht zu dicken Balken im Fachwerk

stört das nicht. Sie behalten ihre Länge, und auch die Dicke ändert

sich kaum. Anders aber bei der Blockstube, wo viele Balken- oder

Bohlenlagen bis zur gewünschten Wandhöhe von vielleicht 2 m übereinander

gesetzt wurden. Es dauerte bis zu 15 Jahren, bis die aus

„grünem“ Winterholz gezimmerten Balken durchgetrocknet waren

und das Haus zur Ruhe kam. In dieser Zeit war die neu gebaute Blockstube

in der Höhe ganz allmählich um 10 cm oder mehr geschrumpft,

während das Fachwerk seine Gestalt behielt. Eine feste Verbindung

beider Baukörper würde schon deshalb „aus den Fugen geraten“ und

sich selber zerstören. Außerdem neigen die Wände größerer Blockstuben

dazu, sich bei Druck von oben (Belastung) zu deformieren, z.B.

auszubauchen. Es war also in mehrfacher Hinsicht günstig, die Blockstube

vom übrigen Haus abzukoppeln. Das erreichte man, indem man

sie mindestens an allen vier Ecken, meist auch dazwischen in einigem

Abstand mit Stützen oder

Ständern umstellte, welche

die Last des Dachgeschosses

tragen. Bei Umgebindehäusern

mit Drempeln

Heilkräutergarten in Seifhennersdorf

oder gar einem Fachwerk-

Obergeschoss mussten diese

Ständerbalken zwischen

Steinsockel unten und Dachauflage

dementsprechend

länger sein. Durch so genannte Kreuzstreben wurden sie fest

in das Fachwerkgerüst eingebunden und selber wichtiger Teil von diesem.

Der Fußboden der Obergeschosse ist bei solchen Bauten quasi

in das Ständer-Fachwerk-System eingehängt. Damit entsteht über der

Blockstube eine Doppeldecke. Es gibt aber auch die Variante, dass die

Dielung auf den Deckenbalken der Blockstube aufliegt. Dann kann sie

sich ständig gegenüber den Außenwänden verschieben. Die gerade

beschriebene Geschossbauweise mit Langständern scheint sich nur


ei nicht zu großen Umgebindehäusern bewährt zu haben. Langständer

neigen dazu, unten auseinander zu grätschen. Fußschwellen, die

Abhilfe schaffen könnten, kennt die Lausitzer Bauweise kaum.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich über Zwischenformen

ein modernerer Umgebindehaustyp: die Stockwerksbauweise.

Ihre Verbreitung ist bestimmt auch in Verbindung mit dem Vordringen

massiven Mauerwerks im Erdgeschoss zu sehen. Bei der Stockwerksbauweise

wird auf das Mauerwerk eine Art hölzerner Ringanker

aufgelegt, der das ganze Erdgeschoss umspannt. Dieser sogenannte

Rähm wird um die Blockstube herum von oftmals schön profilierten

und ziemlich kräftigen Ständern getragen. Diese dürfen sich keinesfalls

verschieben. Deshalb sind sie von unten in den Rähmbalken eingezapft.

Als eine Art Abstandhalter zwischen den einzelnen Ständern

wirken Spannriegel. Kopfbänder bilden zusätzlich eine schräge Versteifung.

Sie wurden allmählich in der Größe reduziert und zu Knaggen

umgebildet.

Aus dieser Konstruktion entwickelten sich allmählich die typischen

und gefälligen Umgebindebogen. Dass Fachwerk wurde wie ein Korb

auf das Umgebinde und den Rähm gesetzt. Deshalb benötigte es keine

Kreuzstreben mehr und wandelte sich zu einem nur noch an den

Ecken durch eine Strebe versteiften schmucklos-rationellen Gitter.

Diese Stockwerkbauweise machte nicht nur größere Fenster möglich,

sondern auch die sehr großen und prachtvollen Umgebindehäuser,

mit denen z.B. die Faktoren auftrumpften.

Und wie kam es zum Begriff Umgebinde? Vor reichlich 100 Jahren,

eigentlich erst, als die Volksbauweise bereits aus der Mode kam, entdeckten

Städter den Reiz und Wert unserer Umgebindehäuser. „Lausitzer

Haus“ nannten sie diese mit einem Notbegriff. Für die Oberlausitzer

war das gewöhnliche Haus im Ortsbild und deshalb ohne einen

besonderen Namen. 1897 führte der sächsische Architekt und Hausforscher

O. Gruner den Begriff „Umgebindehaus“ in die Fachliteratur

ein. Dazu verdolmetschte er den uralten Mundartbegriff „Imbschrut“

für die grob gezimmerte („geschrotete“) Stützkonstruktion, welche

die Blockstube auf drei Seiten umbindet. Anklänge gibt es aber auch

an den Zimmermannsbegriff des Abbindens für eine zusammengefügte

Holzverbindung.

Ein Haus – passend nicht nur für die Weber

große Fabrikbauten überformen die Oberlausitzer Dörfer

Leutersdorf um 1900

Im Tourismusgeschäft wird das Umgebindehaus vielfach auch als das

typische Lausitzer Weberhaus bezeichnet und seine Konstruktion mit

der Erschütterung beim Weben erklärt. Das ist gleich in mehrfacher

Hinsicht Unfug! Ein hölzerner Handwebstuhl verursacht keine nennenswerten

Erschütterungen, weder beim Hin- und Herschnellen des

Schiffchens noch beim Anschlagen der Lade. Außerdem gab es früher

Umgebindehäuser auch dort zuhauf, wo keine Weberei zu Hause war,

z.B. im Erzgebirge. Das Umgebindehaus war schon lange „erfunden“,

bevor böhmische Glaubensflüchtlinge die Leineweberei zu dem Wirtschaftszweig

zum Warmhalten der wurde Oberlausitz das Umgebindehaus entwickelten. im Winter versetzt Und doch gibt es da einen

Zusammenhang: Die Holzwände der Blockstube garantieren als

Foto © Gostelli

„Klimapuffer“ bei jeder Wetterlage eine annähernd gleiche Feuchtigkeit

im Raum und damit auch des Garnes. In immer mehr Blockstuben

unserer Umgebindehäuser wurde gesponnen, gespult und gehaspelt,

vor allem eine Qualitätsleinwand gewebt. In einem Umgebindehaus

ließ sich auch die Arbeit und das Zusammenleben einer Weber-Groß-

Familie gut organisieren. Die große Stube war für mindestens 10 Stunden

der Arbeitsraum, besaß aber hinter dem Ofen, in der „Hölle“, auch

einen kleinen Wohnteil. Die arbeitenden Erwachsenen, der Säugling

im Korb an der Decke oder in der Wiege, das spielende oder mithelfende

Kind, die fröstelnde Großmutter, alle hatten hier ihren Platz,

falls es nicht „außer Haus“ etwas zu tun gab. Gekocht wurde nebenan

und geschlafen in den Kammern oben drüber. Luxus war es, wenn

man sich statt der Gewölbe eine zweite Blockstube ins Haus hinein

baute oder manche Kammern für Wohnzwecke umgestaltete (bessere

Wärmedämmung durch Bretterverkleidung der Fassaden, Einbau zusätzlicher

Schornsteine und Öfen). Winkelförmige Hausanbauten entstanden

als Altenteil oder als Wohnung für die Familien der Kinder. Es

ist auffällig, dass nach dem Ende der Handweberei durch den Siegeszug

der Fabriken kaum mehr neue Umgebindehäuser gebaut wurden.

Dass Umgebindehäuser ursprünglich Bauernhäuser waren und noch

lange Zeit blieben, haben wir bereits erwähnt. Dieser ideale Haustyp

konnte aber auch von den verschiedensten Handwerkern und Krämern,

ja sogar als Armenhaus oder Schule des Dorfes genutzt werden.

Große Umgebindehäuser dienten den Verlegern als repräsentative

Wohnung mit „Comptoire“, waren Gutshaus, Pfarrhaus oder Gaststätte.

Die kleinsten Umgebindehäuser waren die Wohnstätten von „Gartennahrungsbesitzern“,

Tagelöhnern und Lohnarbeitern. Sie wurden

gerne an den Dorfrand verbannt und passten von Größe und Raumvolumen

her mehr als ein Dutzend mal in ein Faktorenhaus hinein.

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Die Schönheit alter Handwerkerkunst

Als im Mittelalter die Vorläufer

unserer heutigen Umgebindehäuser

entstanden, da

wurden sie wohl nicht nur im

Dorf, sondern auch weitgehend

als Gemeinschaftsleistung

der Dorfgemeinde errichtet.

Bauern mussten sich

damals in den verschiedensten

Handwerken auskennen.

Zunehmende Perfektion des

Umgebindehauses und zunehmendes

Wirken spezialisierter

Handwerker bzw. Gewerke

werden sich später

wechselseitig bedingt haben.

Bei den Gebäuden, aus dem

Ende des 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, wie wir sie heute

in den Lausitzer Dörfern vor allem finden, waren viele verschiedene

Handwerker in zeitlich fein abgestimmter Arbeit und oftmals gleichzeitig

tätig: Zimmerleute und Kleiber, Steinmetzen und Maurer, Dachund

Schieferdecker, Tischler, Schmiede und Schlosser. Das erste Haus

im 1722 neu gegründeten Herrnhut, das Umgebindehaus von Christian

David, war nach vier Monaten bezugsfertig. Und das bei reiner

Handarbeit mit den herkömmlichen Werkzeugen!

Eine Hauptrolle beim Bau von Wohnungen spielten, wie schon ihre

Berufsbezeichnung verrät, die Zimmerer. Sie waren ursprünglich für

alle Holzarbeiten am Haus zuständig, also auch für einfache Tischlertätigkeit.

Heute verbinden wir mit Zimmererarbeit alles, was mit

der Blockstube, mit fest eingebauten Brettern und vor allem dem Balkengerüst

des ganzen Hauses zu tun hat. Und das sind nicht wenige

Leistungen. „Zimmermänner“ haben den Haustyp erdacht und weiterentwickelt.

Sie haben das Zurechthauen von Balken mit dem Beil, bei

dem 40% der Holzmasse verloren ging, durch das effektivere Schroten

(Sägen) ersetzt. Sie haben die unterschiedlichen Eckverbindungen

unserer Blockstuben entwickelt, das Einzapfen und Aufblatten

von Balken, all die sinnvollen Teile des Umgebindes. Ihnen verdanken

wir die konstruktiv kluge aber auch ästhetisch schöne Gestaltung

des Fachwerks und dessen späterer Bretterverkleidung (sog. Lausitzer

Verschlag, sonnenförmige „Giebelzier“). Deutlich lässt sich das Streben

nach immer mehr Schönheit und Perfektion an der Entwicklung

der Umgebinde-Ständer nachweisen. Aus den einfachen Kantbalken

wurden balusterartige Säulen, die sogar über Tropfkanten für den Niederschlag

verfügen.

Viele kennen den Kleiber

heute nur noch als klettergewandten

Vogel. Bei der früheren

Lehmbauweise war er

ein gefragter Fachmann. Kleiber

schufen die gestampften

Lehmestrich-Fußböden kleiner

Hausflure und Ställe aber

auch von Scheunen und Dreschplätzen.

Sie bauten einfache

Öfen und Kamine. Vor

allem aber waren sie für die

Lehmteile im Fachwerk, in

Zwischendecken und Brandschutzverkleidungen

sowie

für den gar nicht so seltenen Lehmverputz zuständig. Lehm aus Lehmgruben

und Bachläufen, manchmal sogar aus dem Kelleraushub wurde

von unliebsamen Steinanteilen befreit und danach je nach Beschaffenheit

und späterem Verwendungszweck mit feinem Sand gemagert

sowie mit Strohhäcksel und Rinderdung, manchmal auch mit Blut versetzt.

Das Einsumpfen und

Mischen (Treten) des Lehms

in einer Kuhle war eine wichtigeVorbereitungsarbeit.

Besonders

feiner Lehm wurde

vor der Verarbeitung einen

Winter durchgefroren. Beim

Bau von Wänden und Zimmerdecken

gaben lattenartige

Staken oder Weller (mit

lehmigem Stroh umwickelte

Aststücke oder Latten) dem Lehmbewurf Halt von außen und innen.

Die Staken und Weller wurden nämlich mit geringem Abstand in

vorgefertigte Löcher und Kerben der sie von zwei Seiten tragenden

Balken eingeschoben. Ihrerseits stellten sie eine Art tragendes Gerüst

für die anhaftenden Lehmplatten dar. Nur noch selten sieht man im

Innern sehr alter Häuser, wie Kleiber mit ihren Fingern oder groben

Holzkämmen die Wände ornamental verziert haben.

Maurer errichteten die Massivteile des Umgebindehauses. Dazu wurden

ursprünglich Feld- und Bruchsteine unterschiedlichster Art und

Größe in eine Lehm-Kalk-Mischung gebettet. Fundamente benötigten

diese etwa einen Meter starken Mauern in der Regel nicht. Gebrannte

Ziegel wurden zuerst, aber dann gleich in beeindruckender Weise,

zum Mauern der Gewölbekappen eingesetzt. Nur in seltenen Fällen

wurde die Lehmausfachung des Fachwerkes gegen Ziegelwerk ausgetauscht.

Häufiger kam es in den letzten 100 Jahren dazu, dass ehemalige

Fachwerkwände des Erdgeschosses (Hausflur, kleinere Speicherräume

und Ställe) durch das inzwischen preiswerte und haltbare

Ziegelmauerwerk ersetzt wurden.

Bei eigenartigen Notbehelfen, die dem Wesen eines Umgebindehauses

zuwiderlaufen, wurde gelegentlich die Blockstube in der alten

Form durch Ziegelmauerwerk ersetzt oder wurde mit diesem luftdicht

umbaut (entweder zwischen den erhaltenen Ständern oder als kompletter

Umgebindeersatz). Es gibt auch gemauerte Scheinbalken des

Umgebindes. Verheerende Auswirkungen hatte der Mangel an Bauholz

in der DDR-Zeit. Trotz Denkmalschutz wurden aus vielen Umgebindehäusern

mit dieser Begründung ein Massivbau, oft auch mit völlig

veränderter Fensteranordnung und -form.

Die Steinmetzen griffen aus Kosten- und Transportgründen meist auf

Gestein aus der unmittelbaren Umgebung zurück. Das war im Umfeld

des Zittauer Gebirges Sandstein, ansonsten Granit aus ortsnahen

Steinbrüchen oder von großen Einzelsteinen.

Besonders am Eingangsbereich des Hauses, der repräsentativen „Visitenkarte“

des Hausherren, war die Arbeit des Steinmetzen gefragt.

Den Übergang von der schmutzigen Straße zum Haus bildete meist

eine große Steinplatte („Fletz“) mit Schuhabkratzer. Dort, wo es die

Lage des Hauses oder der soziale Status des Hausbesitzers erforderlich

machten, wurde dieser auch eine mehr oder weniger stattliche

Steintreppe vorgelagert. Großer Aufwand wurde bei der Anfertigung

der steinernen Türgewände betrieben. Nur bei frühen, sehr späten

oder ärmlichen Türen ist dieses aus drei rechteckigen Blöcken zusammengesetzt,

oft mit einem kleinen Oberlichtfenster. Meist sind jedoch

die Seitengewände wie eine Säule in Basis, Schaft und Kapitell gegliedert.

Zwischen ihnen spannt sich ein als flacher Korbbogen ausgebildeter

„Türschweif“ mit einem angedeuteten Schlussstein. Nicht selten

wurden dort Jahreszahl, Monogramm oder ein Hauszeichen eingemeißelt.

Viel größer war der Arbeitsaufwand, wenn man diese und kleine

Rähmchen als Wulst auf dem ringsum abgearbeiteten Stein stehen

ließ. Im Vergleich mit dem sehr harten Granit ließ sich Sandstein

leichter bearbeiten. Türstöcke aus diesem Material sind oft mit Rocaillen

(Muschelwerk), pflanzlichen Ornamenten, Girlanden, Sprüche

oder Ähnlichem reich geschmückt. Aus dem gleichen Stein wie

die Hauseingänge sind auch die Gewände des Flur- und Gewölbefenster.

Von schlichter Zweckmäßigkeit ausgerichtet künden die steiner-


nen Gewände der Stall- und Gewölbetüren im Haus, der Hintertür und

die zentnerschweren Steinplatten in der „Halle“. Auch rund ums Haus

findet man Steinmetzarbeiten wie Zaunsäulen, Wasserabläufe unter

Pumpen und Dachrinnen und große Tröge in gediegener Ausführung.

Aufgabe der Dachdecker war es ursprünglich bei allen Umgebindehäusern

die Stroh- manchmal auch Schindeldächer anzufertigen. Diese

„Weichdächer“ wurden bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fast

vollständig durch Schiefer- und Ziegeldächer abgelöst. Die Gründe

dafür sind vielfältig: Angst vor Bränden nach Funkenflug (wie 1848 in

Obercunnerdorf anlässlich des Eisenbahnbaues) verbindliche Brandschutzgesetze,

das Ende des Flegeldrusches mit dem Aufkommen der

Dreschmaschine, das wachsende Angebot an preiswerten Dachziegeln

und Schieferplatten usw. Die schweren Ziegel verlangten stabilere

Dachstühle. Nicht leicht war es das neue, starre Material dem

Schwung der traditionellen Dachgauben, den Zwerchgiebeln oder

Dachkehlen anzupassen. Nur noch selten findet man heute auf Umgebindehäusern

handgestrichene Biberschwanzziegel mit ihrem reichen

Farbenspiel.

Schieferdecker wurden erst dann wichtig, als die Eisenbahn das Material

schnell und kostengünstig in unsere Region brachte. Der anthrazitfarbene

Schiefer kam aus Thüringen, der weiße, sehr weiche

Ton-Kalk-Schiefer aus Böhmen (Jescken), der braun-violette sogar aus

England. Schiefer wurde schnell „modern“. Nicht so sehr zum Dachdecken,

sondern als Wetterschutz für die Giebel und Obergeschosse.

Manchmal wurden sogar die Wände der Blockstube und das Umgebinde

mit großem gestalterischen Aufwand verschiefert. Helle und

dunkle Schabloneschiefer in zwei Grundformen (Spitzwinkelschablone

und die schuppenförmige Achteckschablone) machten es möglich,

die unterschiedlichsten und reizvollen Flächenmuster zu gestalten.

Größere graue Schieferplatten umrahmten die Fenster und einzelnen

Wandflächen. Einfarbiger Schieferbehang wurde durch ornamentale

Gestaltungselemente belebt, z.B. durch unterschiedlich große „Sonnen“.

Sie gewinnen ihren Reiz durch Licht- und Schatteneffekte. Generell

wurden die Schiefer reihenweise von unten nach oben fortschreitend

angenagelt, so dass der obere Schieferstein den unteren

mindestens bis zur Nagelstelle überdeckte.

Tischler verdrängten die Zimmerer bei der Anfertigung von Türen,

Fensterumrahmungen und Fensterladen. Alte Türen bestehen meist

aus gedoppelten und mit Ziernägelreihen geschmückten Brettern. Oft

bilden diese ein schönes Rauten- oder Fischgrätmuster. Spätere und

größere Türen wiesen mit ihren Füllungen und aufgesetztem Schnitzwerk

die Stilmerkmale von Barock, Klassizismus, Zopfstil und Gründerzeit

auf. Das gilt besonders für die prachtvollen Doppeltüren der

Faktorenhäuser.

Die typischen Fensterumrahmungen (Fensterbekleidung links und

rechts, sowie Fensterbekrönung oben) des Umgebindehauses klemmen

zusammen mit den gleichfalls verzierten Brettern der Fensterlaibungen

im Hausinnern den Fensterrahmen von beiden Seiten fest

ein. Gegenüber der Bohlenwand oder dem umschließenden Fachwerkrahmen

benötigt er dagegen wegen des unterschiedlichen Holzschwundes

reichlichen, mit leichtem Dämmmaterial ausgefüllten

Spielraum. Wie an den Türen kann man auch an den Fensterumrahmungen

die Kunstgeschichte bis zum Jugendstil verfolgen. Touristen

freuen sich (und Hausbesitzer ärgern sich nicht selten) über die

kleinteiligen Fenster des Umgebindehauses. Auch diese sind historisch

bedingt. Mundgeblasenes Fensterglas war sehr teuer, eine große

Scheibe für einen Dörfler unerschwinglich. Darum haben die Fenster

unserer Umgebindehäuser traditionell zwei Flügel mit je zwei Sprossen.

Die sehr dünnen Glasscheiben sitzen passgenau in der Nut eines

zusammengesteckten und durch Holznägelchen gehaltenen Rahmens.

Solche alten Fenster schließen erstaunlich dicht, bewirken aber

durch ihre große Anzahl (acht

oder neun in einer typischen

Blockstube) viel Wärmeverlust.

Doppelfenster in Gestalt von

außen vorgesetzten Kastenfenstern

kamen erst im vorigen

Jahrhundert auf, wirken aber

nicht besonders schön. Fensterläden

wären europaweit

ein üblicher Ausweg. Gegen

diesen aber sperrt sich unser

Umgebindehaus: Außenläden

würden nämlich häufig mit der Fensterumrahmung und dem Umgebinde

kollidieren. Deshalb haben unsere Umgebindehäuser – als weitere

Besonderheit – ihre Fensterläden innen. Als Schiebeläden („Rutschen“)

ausgebildet und früher oft mit Blumen oder Marmorierung

bemalt, umziehen sie die Stube auf drei Seiten wie ein schmückendes

Band. Gleichzeitig sind sie ein wirksamer Sicht- und Einbruchsschutz.

Manche saubere Handwerksarbeit der

Schmiede (Nägel jeglicher Art und Größe,

Türbänder, Geländer, Schlachthaken, etc.)

sind im Hausinnern verborgen. Jedem Touristen

fallen dagegen die schön gestalteten

Gitter der Flur- und manchmal auch der Gewölbefenster

auf. Für die ehemals nicht mit

den zu teuren Glasfenstern ausgestatteten

und auch nicht stets kontrollierten Räume

waren Gitter ein notwendiger Dieben. Heu-

9


te aber staunen wir, zu welchen

kunstvollen Leistungen schlichte

Dorfhandwerker in der Lage waren.

Gitterstäbe wurden auf verblüffende

Weise ineinander gesteckt.

Mit Hilfe von Gesenken

(Hohlformen) wurden Wellbänder

geschmiedet, die wiederum die

Grundlage für besonders schöne

Gitter waren.

Von der Arbeit der Schlosser kündet

noch manches museumsverdächtige

Kastenschloss alter Hausund

Stubentüren mit mächtigem

oder taschengerecht zusammenklappbarem

Schlüssel. Auch offene Kastenschlösser, schöne Klinken

und Riegel, Türknäufe; Türklopfer und Klingelzüge sind zu finden.

Nur die wesentlichsten Besonderheiten des Umgebindehauses konnten

in diesem Beitrag dargestellt werden. Vielleicht konnte er aber

doch verdeulichen, dass die Umgebindebauweise in der Hauslandschaft

Europas etwas ganz Besonderes ist, im moderner Fachdeutsch

ein Alleinstellungsmerkmal. Die Umgebindehäuser der Lausitz, Böhmens

und Polens verdienen den Welterbestatus. Noch gibt es sie in

genügender Zahl und in geschlossenem Bestand.

H. Roth

„Touristenführer aus Leidenschaft, der

Geschichte und Brauchtum der Oberlausitz

liebt, lebt und belebt!“

Quellenverzeichnis:

Dr. Ing. Ander, Roland,

Merkblätter des Institutes für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden, o. J

Bernert, Karl, Umgebindehäuser, Verlag für Bauwesen, Berlin 1988

Bernert, Karl, Umgebindehäuser eine europäische Einmaligkeit

OLESCH-WERBUNG, Löbau

Autorenkollektiv, Touristisches Kleinod in der Oberlausitz

Werbeagentur Media-Light Löbau 2004

Autorenkollektiv, Umgebinde – Eine einzigartige Bauweise

„Blaue Reihe“ K. R. Langewiesche Nachfolger, Königstein im Taunus 2007

Hammer, Manfred, Bauernhäuser, Bauernhöfe, Dörfer (Band 6) Dresden 2009

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Die Entwicklungsgeschichte des Umgebindehauses

in Dittelsdorf, wird dendrochronologisch auf das Jahr 1525 datiert.

Dies bleibt bis heute der älteste Nachweis.

17. Jahrhundert

Das älteste bisher bekannte und bis heute vollständig erhaltene Umgebindehaus

wird gebaut. Es befindet sich in Ebersbach-Neugersdorf,

Oststraße 30.

1635 fällt die Oberlausitz an das Land Sachsen. Zahlreiche Exulanten

aus Böhmen besiedeln die freien Auenbereiche der Waldhufendörfer

und gründen neue Orte. Verschiedenste Haustypen entwickeln sich

für vielfältige Ansprüche und Nutzungen. Eingeschossige- und Drempelgeschossbauten

(eineinhalb-geschossig) sowie Geschossbauten

und Stockwerksbauten (zwei-geschossig) werden gleichwertig nebeneinander

errichtet. Die mit Andreaskreuzen und üppigen Holzeinsatz

geprägten Fassaden zeigen den Reichtum der einstigen Besitzer.

Umgebindehäuser sind nicht nur einzigartig, sie prägen seit Jahrhunderten

die Oberlausitzer Kulturlandschaft. Die Entwicklungsgeschichte

spielte sich meinst in den kurzen Friedenszeiten ab in denen

sich das Land von den zahlreichen Kriegsereignissen erholen konnte.

Ohne die geschickten Handwerker, die bereits damals viel Wert auf

Qualitätsarbeit legten, hätten die Häuser nicht so viele Generationen

überlebt. Kein Haus gleicht dem anderen und die bewährten Naturbaustoffe

Holz, Lehm, Stroh und Steine aus denen sie einst geschaffen

wurden liegen heute im ökologischen Trend.

Der Nachweis, dass allein das Zusammentreffen von slawischer Blockbautechnik

und deutscher Fachwerkbautechnik zur Herausbildung

des Umgebindehaus Bauprinzips führte, ließ sich aber noch nicht erbringen.

Dies bleibt wohl für immer ungelöst. Ein kurzer geschichtlicher

Überblick soll einen kleinen Einblick in die Hausgeschichte vermitteln:

11. Jahrhundert

Für das 11. Jahrhundert können archäologische Funde von Blockbauten

im slawischen Siedlungsbereich nachgewiesen werden.

12. – 14. Jahrhundert

Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert kamen meist fränkische Bauern

in die bis dahin nur dünn durch slawische Stämme besiedelte Lausitz.

In Mittel- und Süddeutschland existierten zu dieser Zeit bereits

ein ausgereifter Fachwerkbau und die Kombination mit dem Blockbau.

Die rauen klimatischen Bedingungen in der Lausitz und im böhmischen

Mittelgebirge zwangen die Siedler, so wie es die Slawen praktizierten

in Blockhäusern -stuben zu wohnen. Mit Einführung intensiverer

drei Felderwirtschaft ergaben sich überschüssige Vorräte die

gelagert werden mussten und im Fachwerkobergeschoss einen trockenen

Platz fanden. Die Oberlausitz kommt unter Böhmische Herrschaft.

Der König verbietet in den Städten den Bau von Holzhäusern.

15. – 16. Jahrhundert

Aus der Zeit um 1480 ist die erste bildliche Darstellung, eines einstöckigen

Umgebindehauses überliefert. Außerhalb der Stadtmauern

baut man in alter Tradition weiter. Besonders Laubenhäuser prägen

die kleineren Marktplätze.

Ein vor dem Abriss 1996, bautechnisch untersuchtes Umgebindehaus

18. – 19. Jahrhundert

Die meisten der heute noch vorhandenen Umgebindehäuser werden

in der Zeit nach 1700 errichtet. Spätbarocke Ornamentik und Formensprache

können sich nur die Reichen leisten und zeigen dies in

ihren Faktorenhäusern. In diese Zeit fällt auch die sich explosionsartig

entwickelnde Textilherstellung. Einen weiteren Bauboom von Umgebindehäusern

gab es nach 1813. Der einsetzende Holzmangel und

die klassizistische Formensprache beeinflussen die eher schlichte,

sparsame Bauweise. Ab 1850 setzt sich langsam die Massivbauweise

durch, die sich vor allem am modernen städtischen Bauen orientiert.

20. – 21. Jahrhundert

Die letzten Umgebindehäuser werden bis in die 20er Jahre gebaut.

Etwa 60 % der Umgebindehäuser sind im Zeitraum von 1900 bis

1950 verschwunden. Eine weitere Welle von Umbaumaßnahmen in

den 1970 bis 1980er Jahren zerstörte nochmals wertvolle Bauwerke,

meist durch Mangel an geeigneten Baumaterialien.

Gegenwärtig sind etwas mehr als 6000 Umgebinde- und Fachwerkhäuser

erhalten. Etwa 350 Gebäude sind zurzeit leer stehend und

können erworben werden.

Zahlreichen Hausbesitzern gelang es in den letzten Jahren die liebenswerten

Umgebindehäuser originalgetreu zu sanieren. Gäste wissen

die Gemütlichkeit und die individuelle Ausstattung zu schätzen

und verbringen hier ihre Urlaubstage.

Arnd Matthes

Umgebindehaus-Beauftragter

11


Zeitgemäßes Bauen kontra 9000 jähriger Baustoff

Noch Heute leben ungefähr ein Drittel der Menschen in Behausungen

oder Gebäuden aus dem Naturmaterial Lehm, also einem naturbelassenem

Verwitterungsprodukt unserer erdgeschichtlichen Entwicklung.

Udo Mühle; Lehmbau

Lehm ist ein Zerfallsprodukt unserer Gebirge durch Erosion, von Eis,

Wasser und Wind wurde es permanent transportiert und bewegt und

hat somit eine Unmenge an Bewegungsenergie aufgenommen und

erfahren. Wer sich in heutiger Zeit für den Wiedereinsatz des jahrtausendalten

Baustoffes Lehm entscheidet, entscheidet sich auch für

eine positive Beeinflussung seines Wohnumfeldes durch die hervorragenden

Eigenschaften dieses fantastischen Naturmateriales, was

auch mit der voran angesprochenen positiven Energieaufnahme zusammen

hängt. Wenn wir heute aufmerksam in unsere Welt hinausblicken,

dann werden wir mit Erstaunen feststellen, dass

monumentale Baukomplexe, riesige Wohnanlagen oder statisch

sehr sensible Bauwerke mit diesem Verwitterungsmaterial (Erdbaustoff)

tausende von Jahren fast unbeschadet bis in unsere heutige

Zeit hinein überlebt haben und zu dem auch noch voll funktionsfähig

sind.

Denken wir nur an die über 3000 Jahre alten Lehmsteingewölbe im

Tempel Ramses II., die Städte Jericho oder Babylon vor etwa 10.000

errichtet, die Chinesische Mauer oder das sogenannte „Manhattan“

von Südjemen, Hadramaut.

Doch nicht nur in der weiten Ferne sind uns derartige Bauwerke über

die Jahrtausende erhalten geblieben, sondern auch in unserer eigenen

Heimat können wir auf Bauten aus längst vergangener Zeit zurückschauen.

So die Pfahlbauten im Bodensee bei Unteruhldingen, das älteste

Lehmfachwerkhaus in Pfullendorf (ca. 1000 Jahre), eine Vielzahl an

Fachwerk- und auch Umgebindehäusern die mehr als 300 – 400 Jahre

auf dem Buckel haben. Auch das sogenannte Scharfrichterhaus in

Görlitz, welches demnächst einer sensible Rekonstruktion unterzogen

wird und dies unter Berücksichtigung der vorgefundenen Baumaterialien,

also auch wieder mit dem Baustoff Lehm, ist ca. um 1640

herum entstanden.

Unsere regionaltypische Baulandschaft wird leider Gottes täglich

mehr und mehr verringert, d.h. abgebrochen, verfallen gelassen, zerbaut

und überbaut und dies mit einem massiven Einwirken der uns

ständig umgebenden Bauwirtschaft und Materialanbieter.

Die rasante Entwicklung und Erfindung stetig neuer und angeblich

funktionstüchtiger

Bau-

stoffe

zur Erhaltung und Sanie-

rung unserer historischen

Fachwerk- und Umgebindehäuser, zeigt uns aber Tag täglich,

dass da etwas nicht stimmen kann.

Ausplatzungen, Schimmel, Feuchtigkeitsprobleme, Schadstoffausgasungen,

falsche oder unnützige Dämmsysteme bis hin zur rasanten

Zunahme an Allergiebelastungen, Krankheitssymptomen und weiteren

noch nicht absehbaren negativen Erscheinungen.

Anhand dieser vielfältigen Probleme, wie heute gebaut wird und angeblich

richtig sei, habe ich mir gesagt, dass ich mich für die Renaissance

des Bauens mit der sogenannten „Heilerde“ mit einsetze. Die

positiven Eigenschaften dieses wunderbaren Baumaterials tragen zur

Verringerung der mittlerweile bekannten Zivilisationskrankheiten bei

und sind auch für unsere Zukunft betrachte kein bedenkliches Überbleibsel.

Styropore, kunststoffvergütete Putze, Mineralwolle und viele andere

Materialien bereiten uns heute schon massive Probleme hinsichtlich

Entsorgung und Verwertbarkeit.

Die vielen positiven Eigenschaften des unbegrenzten Materiales

Lehm werden noch heute von vielen Fachleuten verkannt, obwohl

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uns unsere Altvorderen dies schon mehrfach damit bewiesen haben,

dass sie kaum mit Allergien, Erkältungskrankheiten und dergleichen

zu kämpfen hatten.

Feuchtigkeitsregulierende Wirkung im Gebäude, also auch für den

Baukörper eine gesunde Lösung, energetisch betrachtet ein hervorragender

Baustoff (im Sommer schön kühl und im Winter angenehm

warm!), antiallergische Eigenschaften, Schadstoffspeicher und auch

schallschutztechnisch Blockstubenfenster hoch interessant, bringt diesen Baustoff immer

mehr in die neue zivilisierte Baukultur zurück.

Feuchträume, Kinderzimmer, Wohnambiente, Vorratskammern, all

dies ist heute mit den mittlerweile auf unsere moderne Baukultur abgestimmten

Lehmbaustoffen ausführbar und umsetzbar.

Eine Vielzahl an Fertigprodukten aus Lehm sind heute verfügbar und

für die verschiedensten Aus-, Um- und Neubaubauten zu haben. Technische

Entwicklungen im Lehmbau sind mittlerweile

derart rasant im Vormarsch, daß es in absehbarer Zeit

auch vorgefertigte Wandbauteile geben wird.

Die Zusammenwirkung von nachwachsenden Rohstoffen

ist ein weiterer positiver Aspekt den der Erdbaustoff

hat, also Holz, Stroh, Hanf, Kork usw., womit weitere

interessante Einsatzmöglichkeiten eröffnet werden

können.

Wer sich heute für ein nachhaltiges

Bauen entscheidet, also mit Lehmbaustoffen,

Holz und Naturbausystemen

und dies von der Planung bis hin

zur Ausführung konsequent durchführt,

wird zukunftsorientiert preiswerter und auch unter

energetischen Gesichtspunkten sinnvoller und energieeinsparender

bauen.

Dies sollte zum Nachdenken anregen, denn wer verbietet uns, mit

einem Baustoff in heutiger Zeit zu Bauen, der schon vor tausenden

von Jahren unsere „Dritte Haut“ bedeutete.

Udo Mühle

Udo Mühle; Lehmbau

Abschließend sei noch bemerkt, dass schon die Kleinkinder

im Lehm herumtollen können, ohne dass es zu

Haut- und anderen Problemen führt und somit aufgezeigt

werden soll, dass die Entscheidung mich für den

Baustoff Lehm zu begeistern auf jedweder Art Schutzmittel

verzichten kann, denn Lehm hat eine heilende

Wirkung auf unsere Haut und unseren Organismus.

Udo Mühle; Lehmbau

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Historische Türstöcke und Portale

Viele Ortsbilder werden unter anderem auch von wunderschönen

oder einmaligen Türgewänden oder Türstöcken

aus Naturstein geprägt. Man denke da an Waltersdorf,

Eibau, Obercunnersdorf und andere kleine Orte in

der Oberlausitz.

Als Material wurde häufig regionaler Sandstein verwendet,

welcher sich sehr gut bearbeiten lässt und eine filigrane

Ornamentik möglich macht.

Einheimischer Granit ist ebenfalls verwendet worden

jedoch eher schlicht verarbeitet, was wohl an der etwas

härteren und spröderen Beschaffenheit liegt. Viele

Hausbesitzer wissen dabei um ihren Schatz und haben

ihn als äußerlichen Glanzpunkt hergerichtet.

Doch ist so ein altes Portal für manche ein krummes, unansehnliches

Bauteil, welches zu dem ansonsten brillianten,

neu verputzen und neu befensterten Haus nicht

zu passen scheint.

Eine fach- und denkmalgerechte Aufarbeitung oder Präsentation

sollte behutsam und mit Verständnis für die

historische Substanz vorgenommen werden. Es erfordert

anfänglich ein gewisses Auseinandersetzen mit

der Historie des Gebäudes. Denn genau dieses Details

repräsentieren das Gebäude in seinem ursprünglichen

Baustil und die Bedeutung des Hauses in der Ortsgeschichte.

Von so einem Bauteil kann man nicht verlangen, dass

es nach 150 – 300 Jahren noch in dem selben Zustand

oder sich in der selben lotrechten Ausrichtung befindet.

Deutliche Abriebe an den Laibungskanten, stark ausgetretene

Türschwellen, bröselnde und dicke Farbschichten,

Neigungen in alle Richtungen, Steinrisse durch korrodierende

Eisenanker und Ausbrüche an den Kanten

sind die häufigsten Sorgen an so einem alten Türgewände.

Doch gerade diese Wunden machen das Alter dieser

Bauteile sichtbar. Man spricht von Zeitspuren. Wie bei

uns Menschen mit unseren Narben hinter denen sich Erlebnisse

verbergen, Falten die uns interessant machen,

so sind auch sie Zeugen einer immer wechselvollen Geschichte.

In den 70iger, 80iger und 90iger Jahren des vorigen

Jahrhundert und auch heute noch, war es üblich diese

Portale, Türstöcke oder Gewände sandsteinsichtig aufzuarbeiten

(komplett steinmetzmäßig überarbeiten und

schleifen). Das Endresultat konnte sich sehen lassen und

die Hausbesitzer fanden ihr Geld sehr gut ausgegeben.

Doch im denkmalpflegerischen Sinne hat man aus solch

einem Portal ein neue Kopie gemacht. Alte originale

Farbgebungen, historisch Bearbeitungsspuren, teilweise

auch Inschriften sind ausgelöscht und verloren.

Der Stein hat den Anschein als sei er soeben hergestellt

worden. Das Alter erkennt man nur noch an der Form,

dem Baustil und der Architektur des Hauses.

Manchmal ist weniger mehr. Man kann den Gewänden

eine stark gerundete Kante, verursacht durch starke Frequentierung

mit sperrigen Gütern oder Auskehlungen in

der Laibung, verursacht durch einen Haken oder Kette

zur Sicherung, zugestehen.

Der Hofhund welcher ständig an der Kette zerrte und

dabei die Gewändebasis stark reduzierte, Spuren von

Kriegshandlungen oder Verwerfungen durch mangelhafte

Gründungen, bei all diese Details sollte man sich

fragen ob es sinnvoll ist, diese Spuren zu beseitigen und

eine manchmal aufwendige Korrektur vorzunehmen.

Oder diese Zustände lieber zu erhalten und somit die

Geschichte des Hauses erlebbar zu machen.

Ziel sollte es sein, passend zum Charakter eines Gebäudes

seine Baudetails zu erhalten, zu sichern und im äußersten

Fall zu erneuern. Dabei ist Augenmerk auf die

Funktionalität und den gefahrlosen Weitebestandes des

Türstockes zu legen.

14


Exemplarisch dazu eine Vorgehensweise:

1. Zustand gründlich dokumentieren, Baugeschichte und Besitzgeschichte

kennenlernen

2. Ziel der Sanierung oder Restaurierung formulieren, Beratung durch

Fachgremien, Denkmalbehörde, Steinmetze, Restauratoren (in der

Regel kostenlos)

3. Gegebenenfalls Förderungen durch verschiedene Institutionen abwägen

bzw. ergründen

4. Kostenangebote mit Art und Umfang der Arbeiten, Kostenermittlung,

eventuell zu erwartende Kostenerhöhung durch unvorhersehbare

verdeckte Schäden einkalkulieren lassen

5. Fachmann des Vertrauens mit den Arbeiten beauftragen, begleitend

mit den Arbeiten über Endzustand diskutieren, Kostenüberwachung

durch Ausführenden und Bauherren, Dokumentation der

Arbeiten (kostenpflichtig durch Auftragnehmer möglich)

6. Prüfung der Arbeiten nach Fertigstellung durch den Bauherren, Zufriedenheit

beider Seiten als Ergebnis

Roland Friebolin

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15


Geschichte der Fensterbekleidungen in der Oberlausitz

Fenster, Gestaltungselemente am Umgebindehaus

Öffnungen im Haus dienten im Mittelalter oft nur zum Lüften, oder

wenn man die hölzernen Klappläden aufschlug auch etwas zur Belichtung.

Die Fenster in der Blockstube sind oft größer als die im Obergeschoss.

Sind diese zum Lüften geeignet, so besitzen sie einen oder

zwei Fensterflügel und einen Fensterrahmen. Früher ebenso übliche,

fest verglaste Fenster hatten dagegen nur eine kleine verschiebbare

Scheibe zum Öffnen. Solche Fenster findet man noch oft in Räumen

die nur zu Lagerzwecken genutzt werden.

ca. 1780 – 1820

Die Barockzeit in der Oberlausitz spiegelte

sich erst spät in der Baukultur der Umgebindehäuser

wieder.

Üppige Ornamentik wie bei diesem Fenster

am Museum Dittelsdorf aus der Zeit

um 1780 findet man selten.

Typische Beispiele von Dachfenstern

Hecht

Die unterschiedlich profilierten Holzblenden an der Außenwand geben

noch heute jedem Haus ein individuelles Aussehen. Leider verschwinden

immer mehr originale Fenster mit der schönen Sprossenteilung,

die vier- oder sechsteilig sein kann. Dann schauen uns glatte

Glasflächen an, die wie „tote Augen“ in den sonst reich gegliederten

Fassaden hängen.

ca. 1820 – 1860

Im so genannten „Bauernbarock“ widerspiegeln

die geschwungenen Formen,

an der Brettverkleidung die bereits

lange zurückliegende Stilrichtung,

die sich im ländlichen Gebiet erst spät

durchsetzte. Das Beispiel zeigt umlaufend

geschwungene Formen.

Ochsenauge

In der Dachfläche dienen Fensteraufbauten zur Belüftung und zum

Lichteinfall. Sie können als Hecht, Ochsenauge, Fledermausgaube

oder Schleppgaube ausgebildet sein

Die gegenwärtig zu findenden Fensterbekleidungen stellen nur noch

einen geringen Bruchteil der einstigen Vielfalt dieser volkstümlichen

Gestaltung am Umgebindehaus dar. Zahlreiche Fenster wurden in den

1970er Jahren und nach 1990 erneuert. Einen identischen Ersatz der

Bekleidungen um das Fenster herum gab es kaum.

Anhand der noch vorhandenen Formen lassen sich diese in fünf Gruppen

einteilen:

ca. 1860 – 1895

Die Klassizistische Form und die Elemente

der Gründerzeit lassen sich kaum trennen.

In dieser Zeit werden bekannte und bereits

in Serie hergestellte Bekrönungen aus der

Möbelindustrie als Vorlage verwendet. Eine

aufwendige Zutat stellt die als Zahnschnittfries

bezeichnete Zierleiste in den beiden

Bekrönungen dar.

Arnd Matthes

Umgebindehaus-Beauftragter

17. und frühes 18. Jahrhundert

Aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert sind keine originalen Bekleidungen

erhalten. Teilweise gab es auch keine Bekleidungsbretter,

denn der Fensterrahmen wurde in den sogenannten Fensterstock

bündig mit dem Holz eingepasst.

Die Fensteröffnungen waren

ursprünglich nur 42 x

42 cm groß. Wer es sich

leisten konnte verglaste

diese kleinen Fensterflügel

auch mit Butzenscheiben.

ca. 1895 – 1920

Die Formensprache im Jugendstil wurde

besonders in den filigranen, plastischen

Schnitzarbeiten, besonders in der Bekrönung

umgesetzt. Die Fensterteilung wird auf

eine Viererteilung reduziert und endet mit

dem T- Fensterstock.

Als Gemeinsamkeit aller Fenster haben sich

über drei Jahrhunderte die barocken einschnitte

im Fensterbrett erhalten.

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17


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Wir retten Umgebindehäuser

Die Stiftung Umgebindehaus ist eine gemeinnützige, rechtsfähige

Stiftung privaten Rechts. Sie setzt sich seit 2004 für den Erhalt der

hölzernen Volksbauweise, den Umgebindehäusern in der Oberlausitz

ein. Gegenwärtig sind noch ca. 6500 Umgebindehäuser und Fachwerkhäuser

in den Landkreisen Görlitz und Bautzen sowie im östlichen

Gebiet der Sächsischen Schweiz erhalten.

Die meisten dieser Häuser wurden in der Zeit nach 1650 errichtet

und zeugen mit ihrem hohen Alter von der Qualitätsarbeit der damaligen

Handwerker. Kein Haus gleicht dem anderen und die bewährten

Naturbaustoffe Holz, Lehm, Stroh und Steine aus denen sie

einst geschaffen wurden liegen im ökologischen Trend.

Zurzeit stehen etwa 350 Häuser leer und sind ungenutzt. Bei Interesse

ein Umgebindehaus zu erwerben nutzen Sie die Umgebindehausbörse.

Die Stiftung Umgebindehaus ist zentraler Ansprechpartner in allen

Fragen rund ums Umgebindehaus. Wir beraten Sie nicht nur zu bauhistorischen

und denkmalpflegerischen Aspekten, sondern auch mit

dem Programm „Sonderfinanzierung Umgebindehaus“ kommen Sie

dem Wunsch vom eigenen Haus ein Stück näher.

Im Rahmen der „Projektförderung“ werden jährlich dringende Sicherungs-

und Restaurierungsarbeiten gefördert. Wenden Sie

sich vertrauensvoll an uns wir beraten Sie gern.

Geschäftsstelle der Stiftung Umgebindehaus

02727 Ebersbach-Neugersdorf, Hauptstraße 39

Telefon: 03586 - 763281 (nur an den Sprechtagen Mo. u. Di.)

Sprechzeiten: Mo. und Di.

Um vorherige Terminvereinbarung wird gebeten.

Geschäftsstellenleiter: Arnd Matthes

Funk: 0152-0876-4846

E-Mail: a.matthes@stiftung-umgebindehaus.de

Projektmanager: Dipl.-Ing. Sven Rüdiger

Funk: 0160-9915-3509

Mail: s.ruediger@stiftung-umgebindehaus.de

www.stiftung-umgebindehaus.de

Jede Spende hilft die Umgebindehäuser in der Oberlausitz zu erhalten.

Spendenkonto

Konto-Nr. 1000 10 9000

BLZ: 855 500 00

Kreissparkasse Bautzen

18

Fachring Umgebindehaus

Hohe Anforderungen an fachgerechte Sanierung

Der „Fachring Umgebindehaus“ vereint Spezialisten dieser Bauweise.

Die Handlungsmaßstäbe für die Mitglieder der Qualitätsgemeinschaft

wurden vom Verein für die Qualitätsmarke „Fachring Umgebindehaus

e.V. gemeinsam mit der Stiftung Umgebindehaus erarbeitet. Damit

liegen seit 2009 konkrete Kriterien für die denkmalgerechte Arbeit

an Umgebindehäusern vor.

Der Verein für die Qualitätsmarke „Fachring Umgebindehaus“ e.V.,

der 2007 von Fachleuten aus der Oberlausitz und der Sächsischen

Schweiz gegründet worden war, hat die Grundlagen für die neue Qualitätsmarke

geschaffen und vergibt sie nach Begutachtung der Bewerbungsunterlagen.

In den letzten Jahren hat der „Fachring Umgebindehaus“ eine starke

Gemeinschaft von Architekten, Bauingenieuren und Handwerkern

grenzüberschreitend entstehen lassen. Er kooperiert mit Partnern aus

Tschechien und hat auch dort eine Plattform von Umgebindehausakteuren

initiiert.

2012 bildete der Verein gemeinsam mit TUR (Gesellschaft zur Erhaltung

des Schluckenauer Zipfels) aus Tschechien ein grenzübergreifendes

Netzwerk von Fachleuten. Gemeinsam wurden die erarbeiteten

Handlungsmaßstäbe und Qualitätsanforderungen diskutiert, weiterentwickelt

und erprobt. Als Weiteres wurde mit dem polnischem

Stellmacherhausverein aus Zgorzelec ein Architekturwettbewerb zur

neuen Interpretation der Umgebindehausbauweise unter architektonischen

Gesichtspunkten umgesetzt.

Ronny Hausmann

1. Vorsitzender

Verein für die Qualitätsmarke

„Fachring Umgebindehaus“ e.V.

Niederoderwitzer Straße 6

02794 Spitzkunnersdorf

Telefon +49 35842 38469

Telefax +49 35842 20845

r.hausmann@fachring-umgebindehaus.eu

www.fachring-umgebindehaus.eu


Kauf-Beratung und Finanzierung

Das Umgbindehaus als Wohn-, Alters-, Gäste- oder Betriebsstätte

Wenn wir über die Umgebindebauweise in der Oberlausitz sprechen, so sprechen wir von einer Volksbauweise die

sich in der Zeit zwischen 1600 und 1900 im Besonderen entwickelt hat. Hier in unserer Heimat, der Oberlausitz

finden wir die höchste Konzentration dieser Bauweise vor, schätzungsweise gibt es noch ca. 20.000 Häuser weltweit,

davon etwa 6.500 vorwiegend regional bei uns.

Bewohner und künftige Bauherren haben ein besonderes Gefühl zum Umgebinde entwickelt. Für die, die hier geboren

und zu Hause sind, ist es Tradition und unverwechselbar, mit der Oberlausitz historisch gewachsen und es

gibt das Gefühl von Heimat und Geborgenheit davon aus. Für die, die aus der Ferne zu uns gekommen sind, ist es

der interessante und unverwechselbare Baustil, die vielen Eigenheiten und Individualitäten beim Bau eines solchen

Hauses, die geniale Konstruktion und die seit vielen Jahren sichtbar gemachte Überlieferung der Geschichte,

aber auch die Herzlichkeit der Menschen, dass sich Wohlfühlen und geborgen aufgenommen zu sein.

Für Beide, dem hier Großgewordenen und dem Hinzugezogenen, ist es wichtig, die Seele des Umgebinde am Leben

zu erhalten und zu pflegen sowie die Möglichkeit, etwas Eigenes sinnvoll und geschmackvoll einzubringen, selbst

Hand anzulegen, und dennoch authentisch zu bleiben.

Umgebinde heißt auch Tradition der Vergangenheit und der Gegenwart eng zu verbinden und individuelles Wohnen,

Geborgenheit zu schaffen und dabei auf wohnliche Baustoffe zurückzugreifen. Warum also sollten Sie sich

nicht für dieses Leben in der Oberlausitz in einem Umgebindehaus begeistern können? Das Umgebindehaus kann

Ihnen als Eigenheim für Familie, als Altersitz, als Pension- und Gästehaus, aber auch als Arbeitsstätte und Firmensitz

dienen. Fachhandwerker, Architekten, Bauplaner und Gutachter, natürlich auch Banken, stehen Ihnen fachkompetent

mit ihren reichhaltigen Erfahrungen und Möglichkeiten zur Seite, beraten Sie gern und geben Ihnen die notwendige

Hilfe sowie Anleitung für die ersten Schritte und begleiten Sie bei der Modernisierung, Renovierung und

Sanierung Ihres zukünftigen Umgebindehaus-Domizils.

Ihre Bank oder auch andere Finanzdienstleister zeigen Ihnen Modelle auf, wie Sie ihr Umgebindehaus-Bauprojekt

überschaubar finanzieren können und der Traum vom eigenen Umgebindehaus in Erfüllung gehen kann. Lassen

Sie sich durch die Volksbank Löbau-Zittau und die Sparkassen im Landkreis Görlitz und Bautzen zum „Umgebindehaus-Darlehen‘‘

beraten.

Die Stiftung Umgebindehaus und der „Fachring Umgebindehaus e.V.“ geben Ihnen entsprechende Hinweise und

Tipps sowie viele Anregungen, um Sie mit einem guten Gefühl fachgerecht und kompetent zu beraten und um Ihnen

einen begleitenden Ansprechpartner an die Seite zu stellen.

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.

Die Volksbank Löbau-Zittau eG unterstützt aktiv

den Erhalt der Oberlausitzer Umgebindelandschaft

und bietet Käufern und Sanierern ein besonders

zinsgünstiges Sonderkreditprogramm:

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besten zu uns.

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19


Badaustellung im Umgebindehaus

„Fachgroßhandel Bergmann“

Bitte stilecht bleiben…

Die Vorschriften des Denkmalschutzes können dem Besitzern eines

Umgebindehauses, manchmal das Leben schwer machen. Die Vorschriften

betreffen meist die Außenfassade, das Dach, Wände im Inneren

sowie Stuckelemente, Balken oder Türen.

Die Gestaltung der Inneneinrichtung ist dem Bewohner jedoch selbstverständlich

selbst überlassen. Trotzdem: Eine hypermoderne Edelstahlküche

mit Hochglanzfronten in der urigen Blockstube mit Kastenfenstern

und Holzdielen?

Ein Stilbruch – für den, der aus Überzeugung in einem solchen Kleinod

wohnt und lebt. Trotz des Willens, auch im Inneren eines Umgebindehäuschens

die historische Bausubstanz zu erhalten und die entsprechende

Optik auch in der Inneneinrichtung zu pflegen, muss aber keiner

auf Komfort verzichten. Man kann moderne Küchengeräte wie Herd,

Kühlschrank und Spülmaschine, hinter alten Bauernschrankfronten

verbergen und sogar alte Holzböden so wasserfest machen wie PVC-

Böden.

Auch im Wärme- und Badekomfort müssen keine Abstriche hingenommen

werden. Moderne und stilvolle Bäder sowie Heizsysteme die

wenig Platz brauchen sorgen für Wohlbehagen, ohne das gemütliche

Ambiente eines Umgebindehauses zu schmälern.

Während die Gestaltung im Inneren des Umgebindehauses immer der

Kreativität seiner Bewohner überlassen ist, hat die Baustofftechnik

für die energetische Wärmedämmung schon Lösungen entwickelt.

Um sein Häuschen fit für den Energieausweis zu machen, kann man

mit modernen Mitteln die Wärmedämmung von innen verbessern und

das Dach von innen isolieren. Die sorgfältige Aufarbeitung oder Auswahl

von Türen und Fenstern machen diese passgenauer und lassen

sie besser schließen. Einige Abstriche bleiben trotzdem nicht aus.

Doch dafür lebt man in einem Schmuckstück, einem Stück Geschichte

und erhält dieses auch für kommende Generationen.

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Badaustellung im Umgebindehaus

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Oberlausitz Entdecken und Schmecken!

Seit dem 1. Mai 2012 lädt Sie im beschaulichen Ruppersdorf ein aufwändig saniertes Umgebindehaus mit integrierter

Schauräucherei mit Spezialitätenladen und Pension zu einem Besuch ein. Im Erdgeschoss des Hauses aus

dem Jahr 1881 entstand eine Verkostungsstube, die zur Rad’l-Saison auch als Rastplatz und natürlich für gemütliche

Häus’l-Abende genutzt werden kann. Im ersten Obergeschoss und im liebevoll ausgebauten Dachgeschoss laden

drei moderne Ferienwohnungen zum längeren Verweilen ein. Ein angrenzender Wellnessbereich soll in naher

Zukunft das Haus mit seinem vielfältigen Angebot abrunden. Im „Räucherhäus‘l-Laden“ präsentiert sich ein großes

Sortiment von hauseigenen Räucherspezialitäten mit unzählig verschiedenen Schinken, Würsten, Speck, Käse, Fisch

und weiteren Produkten der Region. Ebenfalls finden sie eine Vielfalt an pfiffigen und attraktiven Geschenkartikeln

für jedes Budget und jeden Anlass. Bei den Sanierungsarbeiten Ihres Umgebindehauses war es Familie Kirchner besonders

wichtig, so viel wie möglich im Original zu belassen, angefangen bei den Fenstern der Umgebindeblockstube mit ihren

Schieberitschen über die Aufarbeitung der alten Türen bis hin zur Dachgestaltung mit dem einmalig schönen Hecht. Das Wohl

und die Entwicklung der Oberlausitz liegt Kirchner‘s am Herzen. Rationelle und moderne Arbeitsplätze motivieren ebenso, wie

der von Freundlichkeit, Respekt, Ehrlichkeit und Vertrauen geprägte Umgang. Außerdem spielt auch hier die Bewahrung des regionalen

Wirtschaftskreislaufes eine wichtige Rolle. Viele Firmen aus dem nahen Umland verwirklichten Familie Kirchners Traum der Sanierung

ihres Umgebindehauses. Sind Sie neugierig geworden? – Dann riechen Sie doch einfach mal bei uns rein!

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1. Mai bis 3. Oktober öffnet die Rad‘l-Rast

Wochentags zu unseren Öffnungszeiten sowie Wochenende

und Feiertags ab 11 Uhr

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Marius

Vanessa:

„Bei diesen Häusern ist

das richtige Haus über

der Blockstube.“

Heimat

Der Begriff Heimat beschreibt eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den

Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem seine frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst

Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.

Wir leben dort, wo andere Urlaub machen und unsere Kinder sollten dieses Wunder entdecken und wertschätzen lernen! In Zusammenarbeit

mit den Kindern der freien Schule „Schkola“*haben wir das Thema Umgebindehaus einmal an Schüler im Alter

von 9 bis 12 Jahren weitergegeben und gefragt, was Sie eigentlich darüber wissen, außerdem haben alle zum Pinsel gegriffen

und herausgekommen sind diese wunderschönen Bilder unserer kleinen Künstler.

Florian

„Das Umgebindehaus wurde

vor langer Zeit erfunden,

weil die Leute keine Zelte oder

Ähnliches hatten.“

Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“

Pablo Picasso

Patrick:

„Als Kind ist jeder ein Künstler.

Vanessa

Noah

Jannik:

„Ein Umgebindehaus ist

ein Haus mit ganz viel

Holz.“

*Die Schkola ist ein Ort der Besinnung,

der Achtung, der Kreativität, der Freude,

des Spiels und des Lernens. Sie

ist Lern- und Lebensort. Das Zusammenleben

ist durch Freundlichkeit,

Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft

und partnerschaftliches Miteinander

bestimmt.

Mehr unter www.schkola.de

Julian

Florentine

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Erikabaude

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Wir begrüßen Sie in einem denkmalgeschützten Umgebindehaus,

erbaut um 1869. Bereits in dritter Generation geführt, bieten wir

Ihnen Kaffeespezialitäten, handwerkliches Speiseeis sowie

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Gemeinden laden ein

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Janette Gosteli


Rumburk

Vorbildlich ins Stadtensemble integriert, ist ein sehr schönes Beispiel

alter Volksarchitektur in der Rumburker Šmilovský Straße zu bewundern.

Hier stehen insgesamt 18 Umgebindehäuser, die seit 1995 allesamt

unter Denkmalschutz stehen. Ein in der Region Děčín einzigartiger

Komplex alter Umgebindehauskultur.

Zur Geschichte

Im Deutschen hieß die Straße einst offiziell Scheibergasse, der Volksmund

hingegen bezeichnete sie immer nur als die „Gasse bei den neugierigen

Weberhäusern“ beziehungsweise die „neugierige Gasse“.

Nach 1945 erhielt die Straße dann den Namen des Schriftstellers Alois

Vojtěch Šmilovský (1837 – 1883).

Die Straße liegt westlich des Stadtzentrums im ehemaligen Ortsteil

Neusorge. Sie wurde gegründet vom Besitzer der Rumburger Herrschaft,

dem Fürsten Alois Josef von Liechtenstein (1759 – 1805). Er

teilte das ehemalige, in der Nähe des englischen Hauses gelegene,

Friedhofsgelände in 34 Parzellen auf und verteilte die Stücke an untergebene

Handwerker, meistens Weber.

Diese bauten zwischen 1785 bis 1805 ihre Häuser in der damals üblichen

Umgebindeart als sogenannte Dreikammergebäude. Das heißt:

Man kam aus dem sich mittig im Haus befindlichen und mit Ziegeln

gemauerten Flur zur einen Seite in die Holzstube und zur anderen Seite

in die Kammer. Wobei Letztere oft noch mit dem Stall verbunden

war. Im 19. und 20. Jahrhundert sind die kleinen Gebäude oft um- und

ausgebaut worden. Sie dienen heute privaten Wohnzwecken. Interessant

sind auch die an vielen Häusern über den Türstöcken eingelassenen

historischen Schieferplatten. Sie verraten oft das Baujahr des

Hauses und/oder enthalten die Initialen dessen ersten Besitzers.

Weitere sehenswerte Umgebindehäuser

Weitere Umgebindehäuser befinden sich im Stadtteil Dolní Křečany

(Niederehrenberg) und Horní Jindříchov (Oberhennersdorf).

Besonders hervorzuheben ist dabei das Haus Nr. 145 in der Kalna Straße,

versehen mit einem schönen Fachwerkbau im ersten Stock und dekorativen

Schieferplatten sowie das mit einer ungewöhnlichen Stube

ausgestattete Haus Nr. 124 in der Sportovni Straße.

www.rumburk.cz

Arnd Matthes

25


Stadt Schirgiswalde-Kirschau

mit seinen 12 Ortsteilen Bederwitz, Callenberg, Carlsberg, Crostau, Halbendorf/Geb., Kirschau, Kleinpostwitz,

Neuschirgiswalde, Rodewitz/Spree, Schirgiswalde, Sonnenberg und Wurbis

Mitten im Oberlausitzer Bergland liegt die Stadt idyllisch vom Tal der

Spree bis hinauf in bewaldete Höhen abseits belebter Straßen. Von

verschiedenen Aussichtspunkten hat man einen wundervollen Weitblick

auf die Oberlausitzer Berge und die im Tal liegenden Ortschaften

sowie bis zur Kreisstadt Bautzen.

Schirgiswalde-Kirschau erstreckt sich auf einer Fläche von 24,3 km²

und zählt etwa 7 000 Einwohner.

Geschichtlich hat jeder Ortsteil seine eigene, bewegte Vergangenheit.

Zahlreiche Details kann man heute noch entdecken.

Die über 150 Jahre alte Tradition der Textilindustrie hat die Ortschaft

Kirschau über Ländergrenzen hinweg bekannt gemacht. Neben markanten

Wohnsiedlungen stellt das historische Ortszentrum eine Einmaligkeit

in unserer Region dar. Die evangelische Kirche weist eine

beeindruckende Rundkuppel aus dem Jahr 1924 auf. Ein weiterer Zeitzeuge

ist der Dreiländerstein am westlichen Ortsrand im Tal der Pilke,

als Kirschau, zum Markgrafentum Lausitz gehörend, Grenzort zu Böhmen

und der Mark

Meißen

war. Zwei wichtige Handelsstraßen, die Böhmische Straße und die

Salzstraße, kreuzten sich im Mittelalter in Kirschau, dessen erste urkundliche

Erwähnung ins Jahr 1352 zurückreicht. Am Schlossberg erinnert

die Burgruine Körse an frühe Siedler im 12. Jahrhundert. Interessante

Fundstücke, ein rekonstruiertes Modell der Burg sowie

andere historische Dokumente sind im Körse-Museum ausgestellt.

Die Ortschaft Crostau liegt in einer Höhenlage bis zu 380 m. In der

1869 neu erbauten evangelischen Kirche befindet sich ein Kleinod

sächsischer Orgelbaukunst, die einzige Silbermann-Orgel Ostsachsens.

Regelmäßig erklingt sie zu beeindruckenden Orgelkonzerten.

Bei einem Besuch der Heimatstube im Ernst-Bursche-Haus kann man

sich umfassend zur Geschichte Crostau`s und seiner Ortsteile informieren.

Den Staatlich anerkannten Erholungsort Schirgiswalde kann der Gast

auf mehreren Rundwegen erkunden. Dabei sind zahlreiche Spuren

der außergewöhnlichen geschichtlichen Vergangenheit zu entdecken,

so z.B. 13 geschnitzte Wegweiser mit Schirgiswalder Originalen.

Im Heimatmuseum „Carl Swoboda“ erfährt der Besucher

u.a. alles Wissenswerte über die „Freie

Republik Schirgiswalde“, in der der

Ort von 1809 bis 1845 als

staatenlose Enklave

weder zu Sachsen

noch zu

Böhmen

gehörte. Der historische Marktplatz mit seinen Lauben- und Umgebindehäusern

sowie die katholische Pfarrkirche mit ihrem seltenen

Glockenspiel bereiten optischen und akustischen Genuss. Mit Klapperjungen

am Karfreitag und -samstag, der Fronleichnamsprozession

und dem St. Martinsumzug werden christliche Bräuche bis heute gepflegt

und fortgelebt.

Gut ausgeschilderte Wanderwege laden zum Entdecken der Umgebung

und zum Besuch unseres Hausberges „Kälberstein“ (487 m), ein.

Über ein ausgebautes Radwegenetz (z.B. den Spreeradweg) erreicht

man von Schirgiswalde-Kirschau aus zahlreiche interessante Ziele in

der Oberlausitz und der benachbarten Tschechischen Republik. Mehrere

Cafe`s und Gaststätten in der Stadt bieten Erfrischung und regionale

Spezialitäten an. Verweilen kann man auch an unseren gemütlichen

Rast-, Grill- und Spielplätzen sowie Aussichtspunkten.

So, dann vielleicht bis bald in Schirgiswalde-Kirschau !

www.stadt-schirgiswalde-kirschau.de

26


Cunewalde Ein Tal mit Weitblick

Der „Staatlich anerkannter Erholungsort“ Cunewalde liegt im

schönsten Tal der Oberlausitz zwischen dem Bergketten des Czorneboh

(561 m ü. NN) mit dem ersten steinernen Aussichtsturm der

Oberlausitz und des Bieleboh (499 m ü. NN).

Entdecken Sie Deutschlands größte evangelische Dorfkirche mit

2632 Sitzplätzen und 3 Emporen, die eine Stätte des Glaubens der

touristischen Route „Via Sacra“ ist. Besucher wie Musiker schätzen

die klangvolle Akustik in dem Gotteshaus.

Tipp: Öffentliche Kirchenführung Mai bis Oktober freitags 15 Uhr

Lernen Sie denkmalgeschützte Umgebindehäuser in ihrer einmaligen

Volksbauweise kennen.

Unweit der Kirche im Umgebindehaus-Park Cunewalde können Sie

originalgetreue Modelle sehenswerter Umgebindehäuser der Oberlausitz

besichtigen. Die Miniaturhäuser wurden fachmännisch im

Maßstab 1:5 errichtet und bieten einen bunten Querschnitt an besonders

typischen Ausführungen.

Unweit des Parks entsteht ein Umgebindehaus-Informationszentrum.

Die Eröffnung ist im Sommer 2012 geplant.

Tipp: Umgebindehaustouren und Umgebindehaus-Park Führungen

sind gegen Gebühr auf Anfrage bei der Tourist-Information möglich.

In dem denkmalgeschützten Umgebindehaus „Dreiseitenhof“ erwartet

Sie ein Töpfer- und ein Musikzimmer. Die Blockstube des Hauses

wird als Hochzeitsraum für Trauungen genutzt.

Eine Sommerbühne bietet viele Möglichkeiten für die unterschiedlichsten

Freilichtveranstaltungen.

Das Oldtimer-Museum erwartet außerdem alle Liebhaber im denkmalgeschützten

Dreiseitenhof. Von April bis Oktober bewundern

Gäste hier die ca. 70 Fahrzeuge und technischen Geräte der Baujahre

1910 bis 1980, die liebevoll in Szene gesetzt sind.

Erfahren Sie Cunewalde! Als Anschlusstour

zum Spree-Radweg ist der gut beschilderte

Cunewalder-Tal-Radweg zu empfehlen. Radeln

Sie fernab von den verkehrsreichen

Straßen vorbei an blumenreichen Gärten,

schattigen Rastplätzen und saftigen Wiesen.

Wandern Sie entlang des „Äberlausitzer

Kleeblattes“ oder „Rund um das Cunewalder

Tal“ und genießen die Ausblicke

auf die waldreiche Umgebung.

Tipp:

Gaststätten im Umgebindehaus

• Gaststätte „Kleene Schänke“;

• Gaststätte „Scharfe Ecke“;

• Hotel „Alter Weber“ im

OT Weigsdorf-Köblitz;

Tipp:

Urlaub im Umgebindehaus

• Hotel „Alter Weber“

• Ferienhaus Familie Rausendorf

• „Scheunen-Oase“ Ferienhaus Familie

Hebold

Seien Sie „Herzlich Willkommen“!

www.cunewalde.de

27


Julia Schütze

• Himmelsbrücke

Sohland an der Spree

Mit den Ortsteilen Taubenheim und Wehrsdorf

In einem idyllischen Winkel der sächsischen

Oberlausitz, unmittelbar an der Grenze

zu Tschechien, liegt das Sonnenuhrendorf

Taubenheim in einer Talmulde der

Spree. Umgeben von üppig bewaldeten

Hügeln ist der Ort ein Ruhepol für Naturliebhaber

und Erholungssuchende.

Dass die Taubenheimer besonders

die heiteren Stunden des Lebens

zählen, beweisen die 25 farbenfrohen

Sonnenuhren. Viele davon

schmücken die in der Region typischen

Umgebindehäuser. Zu verdanken

sind die historischen Zeitmesser

der Leidenschaft eines Dorfbewohners,

der viele der Sonnenuhren in liebevoller

Handarbeit anfertigte bzw. restaurierte

und diese Leidenschaft auf

andere übertrug.

und Wanderungen durch die Region wie auf dem Spreeradweg, rund

um den Taubenberg, zu den Kälbersteinen oder den tschechischen

Nachbarn. Auch im Dorf selbst gibt es mit 25 historischen Gebäuden

und Gedenksteinen und einem Freilichtmuseum Interessantes aus der

666-jährigen Geschichte zu entdecken.

Die Gemeinde Sohland a. d. Spree liegt im Südosten Deutschland an

der Grenze zur Tschechischen Republik. Sie ist mit 7680 Einwohnern

und 37,3 km² eine der größten Gemeinden im Landkreis Bautzen und

gehört dem Bundesland Sachsen an.

Am 01.03.1994 wurden die Ortschaften Sohland (1222 erstmals erwähnt),

Wehrsdorf (1232 erstmals erwähnt) und die jüngste im Trio,

Taubenheim (1345 erstmals erwähnt) zur Gemeinde Sohland a. d.

Spree zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss hat sich als

außerordentlich fruchtbar erwiesen, die Gemeinde gehört zu den leistungsstarken

in der Region. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist in

der Ortschaft Sohland zu finden. Drei Kindertagesstätten, zwei Grundschulen

und eine Mittelschule bieten gute Betreuung und Ausbildung

für die jüngsten Bewohner.

Für Unternehmungslustige ist Taubenheim der

ideale Ausgangspunkt erlebnisreicher Radtouren

Julia Schütze

• Ausblick auf Wehrsdorf

28

Julia Schütze

• Heimatmuseum


Alle drei zusammengehörenden Orte sind typische Waldhufendörfer

(fränkische Hufen); die Siedlungsstruktur ist vom Ursprung her ein

Reihendorf mit weit verstreuten Höfen entlang kleiner Waldbäche;

sie gehören seit dem DreißigjährigenKrieg zu Sachsen. Die gute Infrastruktur,

die Ortsflur, die weit auseinanderliegenden Ortsteile und

Ortschaften sowie die wunderschöne Umgebung eröffnen reichlich

Möglichkeiten – gut zu wohnen, zu arbeiten, zu lernen, Gäste zu empfangen

und mit ihnenzu wandern, zu radeln, Wintersport zu betreiben

und im Alltag oder in der Freizeit Ruhe und Schönheit der Natur

zu genießen.

Zahlreiche Umgebindehäuser, Vertreter einer einmaligen Architektur

in der Oberlausitz, prägen die Ortsbilder. Diese aus Holz und Lehm

erbauten Bauernhäuser stammen überwiegend aus dem 18. Jahrhundert

und stehen unter Denkmalschutz. Das wohl älteste Umgebindehaus

in der Oberlausitz (1750) befindet sich in Sohland und kann als

Heimatmuseum „Altes Weberhaus“ besichtigt werden.

Julia Schütze

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Die Gemeinde (am) Kottmar

ein Berg und seine Dörfer

Der weithin sichtbare 583 m hohe Kottmar ist ein markantes Zeichen

einer Landschaft, die einem Bilderbuch entnommen scheint.

Die um sich herum wie auf einer Perlenkette aufgereihten Dörfer

scheinen sich um ihn zu schmiegen wie Kücken um ihre Glucke. Er

bietet Schutz und Geborgenheit, ist Wasser- und Wetterscheide

und reicht territorial ins Quellgebiet der Spree, jenes Flusses,

der unsere Dörfer mit der Bundeshauptstadt Berlin verbindet.

Wer kann schon so eine direkte (Verkehrs-) Verbindung

aufweisen? In ca. 480 m Höhe entspringt am Westhang

die Spree. Es ist die geografisch am Höchsten gelegene

Quelle des Flusses, der sich hier noch als ein kleines

Rinnsaal darstellt.

Der Kottmar ist Mittelpunkt der am

01.01.2013 gegründeten Gemeinde Kottmar.

Der größte Schatz unserer Landschaft

ist neben den kulturellen

Traditionen der reiche Bestand

an Umgebindehäusern. Sie

sind einmalig in Europa.

Ihre noch vorhandene

Vielzahl

macht


die Region so spektakulär.

Hat man den Berg kräftigen Schrittes erklommen oder mühsam erwandert,

belohnt ein phantastischer Ausblick übers Mittellausitzer

Bergland bis hin zum Zittauer-, dem Jeschken-, Iser- und Riesengebirge.

Fast ideale Aussichtspunkte bieten sich an der Kottmarschanze

mit Blick zum Löbauer Berg und den Königshainer Bergen oder vom

Dreiländerblick in Richtung Süden. Hier liegt einem die Oberlausitz

regelrecht zu Füßen. Das Herz spürt die Freiheit, die sich einem bietet,

wenn man die Enge der menschlichen Zivilisation verlässt.

Wir laden ein zu einer Erkundungstour durch die einzelnen Ortsteile

und wandern entlang eines alten Verbindungsweges in nördlicher

Richtung nach Kottmarsdorf. Schon von weitem grüßt ein besonders

interessantes technisches Denkmal, die Kottmarsdorfer Bockwindmühle,

die 1843 auf dem Pfarrberg erbaut wurde und für das einst

selbständige Dorf zu einem Wahrzeichen geworden ist. Bei einer

sachkundigen Mühlenführung, welche die Natur- und Heimatfreunde

anbieten, erfährt der Besucher viel über die Entwicklung der Produktivkräfte

auf dem Lande. Bei Wind setzt sich die Mechanik wie von

unsichtbarer Hand getrieben in Bewegung. Ein Knarren und Ächzen

lässt uns das zu neuem Leben erweckte Baudenkmal hautnah erlebbar

werden.

Ein Stück bergab befindet sich das Kottmarsdorfer Friseurmuseum.

Der hier ausgestellte historische Frisörsalon stammt aus Dresden.

Seine bewegte Geschichte wird den Gästen mit

Herzblut nahe gebracht.

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Roland Schubert, Mühle Kottmarsdorf


Zu Fuß oder per Fahrrad geht es entlang von Wiesen und Feldern nach

Niedercunnersdorf. Das 1221 erstmals urkundlich erwähnte Weberdorf

liegt idyllisch am Löbauer Wasser. Seine Dorfstraße folgt dem

Bachlauf und reizvolle Umgebindehäuser säumen den Straßenzug zu

beiden Seiten. Im Dorfgemeinschaftshaus hat das Heimatmuseum des

Dorfes sein Domizil. Die Oberlausitzer Weberstube zeigt einen Einblick

in das Leben und die Arbeitswelt der Weberfamilien. Einst klapperten

in allen Umgebindehäusern die Webstühle und dienten dem

Broterwerb. Die fertigen Stoffe wurden entweder direkt vermarktet,

per Roaper zur Messe gefahren oder dem Leinwandhändler übergeben,

welcher ein entsprechendes Entgeld (Lohn) zahlte.

Zu Niedercunnersdorf zählte vor der Gemeindezusammenlegung

auch der Ortsteil Ottenhain.

Er ist die östlichste Ortschaft der Gemeinde Kottmar. Der Sonneberg

ermöglicht einen reizvollen Ausblick über das Tal des Löbauer Wassers

hinüber zum Kottmar mit Nieder- und Obercunnersdorf. Beide

Ortschaften verstecken sich ein wenig im Tal und lassen eine reiz- und

stimmungsvolle (Umgebinde) Landschaft vermuten.

Neben dem Ottenhainer Schloss bietet Ottenhain ein Schulmuseum.

Ein Besuch lohnt sich, Unterricht in früheren Zeiten, das war schon

etwas ganz anderes. Damals gab es die Schule noch im Dorf, die Kinder

genossen nach dem Unterricht die Freiheit der Dorfgemeinschaft.

Freilich musste man auf manche Annehmlichkeit verzichten, man

kannte nichts anderes.

Ein alter Feldweg über den Sonneberg führt die Wanderer nun nach

Obercunnersdorf. Der als Denkmalsdorf bekannte Ort kann jährlich

etwa 11.000 Gäste begrüßen. Sie alle wollen die Besonderheiten

der Oberlausitzer Umgebinde- bzw. Weberhäuser erkunden und kennenlernen.

Da gibt es soviel zu sehen und zu entdecken. Man schafft

es kaum, alle architektonischen Details zu erfassen. Eine große Vielzahl

an Verschieferungsmustern lässt uns darauf schließen, dass die

Handwerker früher sozusagen „um die Wette gebaut haben“. Wahrscheinlich

hatte jeder Handwerksmeister seine eigenen Muster.

Obercunnersdorf ist ein Lehrbuch der Umgebindebauweise.

Jeden Quadratmeter Bauland nutzend, wurden die Häuser

sehr dicht beieinander gebaut. Die kleinen Gärten werden

liebevoll gepflegt und geben dem Dorf eine einmalige

Note.

Für eine Ortsführung meldet man sich am besten

im „Haus des Gastes“. Es befindet in der Dorfmitte

und ist natürlich in einem historischen Umgebindehaus

eingerichtet. Unmittelbar daneben lädt

die Heimatstube mit Schuster- und Stellmacherwerkstatt

zur Besichtigung ein.

Der Rundgang durch den Ort führt nicht nur

entlang der Dorfstraße, dem Umgebindehausweg,

sondern kann individuell auch

durch verwinkelte Gässchen geführt werden.

Da bietet sich so manch reizvolles Fotomotiv.

Das Schunkelhaus erhielt seinen Namen

auf Grund seiner eigenartigen Gestalt. Es

wurde wohl in die letzte noch freie Ecke

des Dorfes zwischen Straße und Dorfbach

gesetzt und war bis 1990 bewohnt. Heute

dient es als Museum und lässt eindrucksvoll

die Wohnverhältnisse und Lebensweise der

Menschen in früherer Zeit nachempfinden.

Erhaben steht die 300 Jahre alte barocke

Hartmut Posselt, Obercunnersdorf

Hartmut Posselt, Weg zum Kottmar

Frank Hübler, Niedercunnersdorf

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Dorfkirche auf dem Kirchberg. Besonders sehenswert ist die Emporenmalerei

aus der Mitte des 17. Jahrhunderts mit Szenen aus dem

Alten und Neuen Testament. Stolz ist wohl nicht nur die Kirchgemeinde

auf die 2010 rekonstruierte Schuster-Orgel.

Ein Abstecher zum Erlebnisbad mit Minigolfanlage lässt uns von den

Strapazen der Wanderung erholen. An den Sommertagen lädt ein

Sprung ins kühle Nass zu aktiver Erholung ein.

Vom Obercunnersdorfer Bad aus führt uns der Wanderweg zum Kottmar,

wo wir entlang des Sagenpfades linkerhand zu den Kottmarhäusern

wandern. Der Sagenpfad

selbst ist

ein ca. 5,5 km langer Rundweg mit 10 Stationen, die uns mit der reichen

Sagenwelt des Kottmarberges vertraut machen. Höhepunkt

wäre die feuchtfröhliche Zeremonie einer Spreequelltaufe mit Zwerg

Gerbod.

Nun führt uns die Wanderung hinunter ins Landwassertal, in welchem

kurvenreich die B 96 verläuft. Wir sind im Ortsteil Walddorf mit seinen

schmucken kleinen Weberhäuschen angekommen. Schutzsuchend

schmiegt sich das Dörflein am Walde an den Kottmar und liegt

ihm gleichsam zu Füßen.

Hier findet sich das Haus „Spinnwebe“. In dieser Handwerberei wird

Schauweben vorgeführt, man kann sogar Kurse buchen und

die Weberei selbst erlernen – also eine Spurensuche

bei unseren Vorfahren, als noch keine

modernen Webautomaten die Meterware

in Rekordzeit produzierten.

Ein im Haus befindlicher

Laden

bietet Webprodukte

für

für jeden

Geldbeutel.

Die hauseigene

Pension bietet

rustikale Übernachtungs

möglichkeiten bei

bestem Service.

Eibau – das Dorf des

ländlichen Barock.

Bauerngehöfte, Umgebinde-

und Faktorenhäuser

prägen das Ortsbild. Der

Faktorenhof ist wohl Eibaus

bekanntester Gebäudekomplex

und überregional bekannt. Schon in

der Ortschronik von 1910 wird das stolze

Herrenhaus als „Perle der Oberlausitzer

Barockbauten“ bezeichnet. Von 1995 bis 2001

grundlegend saniert und rekonstruiert, beherbergt es

die Touristinformation „Spreequellland“ und das Standesamt der

Gemeinde Kottmar. Im historischen Festsaal finden regelmäßig die

verschiedensten Veranstaltungen statt. Die Räume im Obergeschoss

sind mit wertvoller Decken- und Wandmalerei versehen.

Im 2010 bis 2012 ausgebauten Dachgeschoss mit zwei Ebenen befindet

sich das Eibauer Heimat- und Humboldtmuseum mit seiner Ausstellung

zu den historischen Besonderheiten des Ortes. Die Naturaliensammlung

und das Kuriositätenkabinett entstanden in der

Volksbildungsarbeit der Humboldtbewegung zwischen 1864

und 1945.

Christfried Heinrich, Faktorenhof Eibau

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Christfried Heinrich, Obercunnersdorf


werker.

Hartmut Posselt, Obercunnersdorf Neben

den noch

erhaltenen

Faktorenhäusern,

die Eibau

aufzuweisen

hat, steht

auch die barocke

Dorfkirche

für das Streben

der Leinwandhändler

nach Ruhm und

Ansehen. Die zweitgrößte

Dorfkirche der Oberlausitz

wurde in den 1990er Jahren

umfangreich saniert. Der für

ein Weberdorf gewaltig anmutende

Kirchenbau zeigt eindrucksvoll das handwerkliche

Können der am Bau beteiligten Hand-

Geplant ist ein Wanderweg entlang ehemaliger

und noch aktueller Mühlenstandorte.

Mit dem Linienbus der KVG Dreiländereck

können wir nun nach Eibau bzw.

Obercunnersdorf zurück fahren. Wer

noch gut zu Fuß ist, nimmt den Weg zurück

über den Lerchenberg.

www.gemeinde-kottmar.de

Wir verlassen das Landwassertal über einen kleinen Höhenzug und

gelangen in den Ortsteil Neueibau. Auf unserer Tour bieten sich hier

noch einmal wunderschöne Ausblicke zurück über das Tal zum Kottmar.

Das von weiteren drei Bergen (Spitzberg Oderwitz im Süden, Beckenberg

im Osten und Lerchenberg im Westen) umrahmte Eibau wird

auch als Dorf zwischen Spreequellen und Windmühlen bezeichnet.

Das Mühlhaus der Neueibauer Zimmermann-Mühle ist Zeitzeuge der

einstigen Windmühlenlandschaft der Oberlausitz.

Hartmut Posselt

Hartmut Posselt, Schunkelhaus

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Windmühlen- und Wetterdorf Oderwitz

Eingebettet in die Hügel des schönen Oberlausitzer Berglandes vor

den Toren des Zittauer Gebirges erstreckt sich über 9 km Länge die

Gemeinde Oderwitz. Sie ist bekannt durch ihre 3 Bockwindmühlen

und liegt im südöstlichsten Zipfel des Freistaates Sachsen, dem Dreiländereck

Tschechien, Polen, Deutschland.

Alte Urkunden belegen, dass Oderwitz mit all seinen Teilen schon im

Mittelalter eine der größten Gemeinden im sächsischen Raum war.

Es wird 1324 zum ersten Male urkundlich unter dem Namen „Udrowitz“

erwähnt. Dieser Name ist slawischen Ursprungs und bedeutet

so viel wie ein „durch Wasser zerrissenes Tal“.

Auf Wanderwegen durch den Ort zeugen noch heute viele liebevoll

erhaltene Umgebindehäuser von der einst ansässigen Leineweberei.

Die meisten Umgebindehäuser in dieser Gegend entstanden zwischen

1700 und 1920. Es sind Wunderwerke aus Holz, Lehm und

Stein. Arme Leineweber besaßen nur kleine einstöckige, andere zweigeschossige

Umgebindehäuser mit Fachwerk.

An der Bauart der Umgebinde konnte man den jeweiligen Zimmermann

wiedererkennen. In Oderwitz stehen noch ca. 800 kleine und

größere Umgebindehäuser, welche fast alle fachgerecht restauriert

wurden und der ganze Stolz der Besitzer sind. Einige wundervolle alte

Türstöcke und Haustüren sind Zeitzeugen der Vergangenheit. Wer sich

einmal in ein Umgebindehaus verliebt hat und es besitzt, wird nie

wieder tauschen, denn die Gemütlichkeit in diesen Häusern ist kaum

zu toppen. Deshalb bieten wir auch unseren Gästen

dieses Flair als Unterkunft für Ihren

Urlaub an, um es hautnah erleben

zu können.

Bei einer Kutsch- oder Kremserfahrt kann man dann im gemütlichen

Trab den Ort erkunden und dabei noch manche Attraktion in Oderwitz

finden. Drei guterhaltene Bockwindmühlen begrüßen schon von

weiten seine Besucher. Der Böhmische Wind, welcher oft bei uns sehr

stark aus Richtung Tschechien weht, schaffte unter anderem ideale

Bedingungen für das Müllerhandwerk. Dadurch entstand, neben der

Leineweberei, ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig für die gesamte

Region. Um Traditionen wieder zu beleben, kann man sich in der

Birkmühle im romantischen Flair das Ja-Wort geben. Auch das Wetterkabinett,

in welchem man bei Wettervorträgen vieles über das „Oberlausitzer

Wetter“ erfahren kann, bindet sich in alte Traditionen ein.

Vor dem Gebäude steht ein lebensgroßes Wetterhaus im Umgebindehausstil

mit den Trachten der Frauen und Männer der Oberlausitz. Darin

kann man sich für ein lustiges Urlaubsfoto selbst postieren.

In einem fachgerecht sanierten Umgebindehaus befindet sich die

Feinbäckerei „Otto“. In welcher ein historischer

Holzbackofen zum Schaubacken und Verkosten

einläd.

Ein Besuch in unserem bunt bestückten

Oderwitz lohnt sich zu jeder

Jahreszeit. Alle Einrichtungen, behagliche

Gaststätten auch im Umgebindehausstil

sowie Ferienhäuser

und -wohnungen laden

Sie als Gast zu uns herzlich ein.

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Seifhennersdorf ein Erholungsort für Jung und Alt

Die Oberlausitzer Grenzstadt liegt in reizvoller Umgebung und ist ein

idealer Ort für erlebnisreiche Erholung.

Hüben und drüben der Grenze kann man abwechslungsreiche Ausflüge

und Wanderungen unternehmen.

Das Kindererholungszentrum „Querxenland“, die Bildungs- und Begegnungsstätte

„Windmühle“ und viele weitere Pensionen sowie modern

eingerichtete Ferienwohnungen bieten ausreichend Quartier für

einen niveauvollen Urlaub.

• Familienspaß mit Räuberhauptmann Karasek im KiEZ „Querxenland“

• Leinewebers Pilzwochenende • Karaseks Naturmärkte

Karasek-Museum / Tourist-Information Seifhennersdorf

Nordstraße 21 a

02782 Seifhennersdorf

Tel. 03586/45 15 67

Fax 03586/45 15 68

www.karaseks-revier.de

www.seifhennersdorf.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 09.00 bis 12.00 Uhr

und

13.00 bis 16.30 Uhr

Sonntag

13.00 bis 16.30 Uhr

www.seifhennersdorf.de

Auch im Ort selbst gibt es viel zu entdecken.

Das attraktive Wald- und Erlebnisbad „Silberteich“ lädt Jung und Alt

im Sommer zum Baden ein. In zwei regional typischen Umgebindehäusern

befinden sich die größte sächsische private Puppensammlung

und ein einzigartiges Eisenbahnmuseum. Der Lamahof und ein

historischer Dreiseithof (Bulnheimscher Hof) ergänzen die familienfreundlichen

Angebote. Im letzteren gibt es nicht nur zahlreiche

kulturelle Veranstaltungen, sondern hier finden auch regelmäßig

Karaseks Naturmärkte mit sächsischen und böhmischen Naturproduktehändlern

statt. Überhaupt spielt der legendäre Räuberhauptmann

Karasek im Ort eine dominante Rolle. Man kann sich mit ihm auf

eine spannende Schatzsuche begeben, ihm beim traditionellen Familienspaß

am 1. Mai im Querxenland erleben, das Karasek-Museum

besuchen oder seinen Spuren auf dem Karasek-Ringwanderweg bzw.

-Radweg folgen.

Auswahl touristischer Angebote: Karasek-Museum • Karasek- Radund

Ringwanderweg • Wald- und Erlebnisbad „Silberteich“ • Puppenmuseum

• Eisenbahnmuseum • Ensemble denkmalgeschützter Umgebindehäuser

im Ortsteil Läuterau • Knorr’s Lamahof • historischer

Dreiseithof (Bulnheimscher Hof) • Burgsberg – Tschechisch-Deutsche

Begegnungsstätte in Varnsdorf • Oberlausitzer Leinewebertag

Karasek-Museum Seifhennersdorf

Im Karasek-Museum taucht man in die Zeit der Räuber, Schmuggler

und Wilddiebe ab. Außerdem erfährt der Besucher viel Interessantes

über die einstige böhmische Enklave von Niederleutersdorf und die

harte Zeit der damaligen Leineweber.

Schwerpunkte:

• Räuberhauptmann Karasek und sein bewegtes Leben

• Böhmische Enklave von Niederleutersdorf (1635 – 1849)

• Original eingerichtete Bauern-, Schlaf- und Weberstube um 1800

Oberlausitzer Umgebindehaus und sein historisches Ensemble

• Imposanter Kreuzgewölberaum mit einer Dokumentation zur europaweit

einzigartigen Polierschieferlagerstätte (20–32 Mill. Jahre

alte Fossilien)

• Auf Bestellung kann man auch eine Führung mit Räuberhauptmann

Karasek im Museum buchen!

• Ausstellung„Damals in der DDR – das tägliche Leben“ ca. 800 Exponate

aus dem Bereichen Arbeit, Schule, Haushalt, Kultur und Freizeit

• Fotogalerie „Unterwegs in Karaseks Revier“

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Goßschönau mit seinem Erholungsort Waltersdorf

Die Vielfalt und Vielzahl der traditionellen Bauweise der Umgebindehäuser

ist einzigartig in der Gemeinde Großschönau. Entlang der Flüsse

Mandau und Lausur befindet sich das größte zusammenhängende

Ensemble von Häusern dieser Architektur. Das Ortsbild der Gemeinde

wird durch über 650 überwiegend denkmalgeschützte Umgebindehäuser

geprägt, in denen bis ins 19. Jahrhundert Webstühle klapperten.

Die vielen sich in einem intaktem Umfeld befindlichen Umgebindehäuser

sind mehr als ein Freiluftmuseum, sie verkörpern lebendige

Geschichte.

Im zur Gemeinde gehörenden Erholungsort Waltersdorf geben die

Sandsteintürstöcke der Umgebindehäuser dem Ortsbildseine unverwechselbare

Note. Kaum ein anderes Oberlausitzer Dorf hat die

wertvollen Türeinfassungen in solcher Zahl aufzuweisen. Sie gelten

als kleine Kunststücke und oftmals steckt hinter ihnen eine historisch

interessante Geschichte. Der Denkmalpfad entlang der Dorf- und

Hauptstraße von Waltersdorf gibt interessante Details über die Volksarchitektur

der Umgebindehäuser preis. An zehn markanten Stellen

befinden sich dazu informative Tafeln. Ein Spaziergang durch den Erholungsort

Waltersdorf mit seinen liebevoll gepflegten Gärten wird

zur Entdeckungstour. Eine Begleitbroschüre zum Denkmalpfad ist in

der Tourist-Information erhältlich, welche sich im Naturparkhaus Zittauer

Gebirge, im historischen Gebäude des Niederkretschams befindet.

Dieses imposante Gebäude gehört mit zu den größten Fachwerkensembles

der Oberlausitz.

Im Naturparkhaus erwartet den Besucher eine abwechslungsreich gestaltete

Erlebnisausstellung über die Entstehung, die Geschichte und

das Ökosystem des 100. Naturparks Deutschlands. Sowohl Erwachsene

als auch Kinder werden hier aktiv zur „überdachten“ Entdeckungsreise

des Naturparks eingeladen. Die Gesteinskammer zeigt, dass

Stein nicht nur Stein ist. Der Sagenraum lädt zum entspannten Lauschen

ein. Querxe, die kleinen zauberhaften Zwerge vom naheliegenden

Breiteberg leiten kleine Besucher spielerisch

durch die

Ausstellung. Abgerundet wird die Ausstellung durch einen emotionalen

Landschaftsfilm und multimedial präsentierte Ausflugstipps.

Lebendige Textilgeschichte wird in Großschönau großgeschrieben.

Die über 350-jährige Tradition der Damast- und Frottierweberei hat

das einmalige, anheimelnde Antlitz der Gemeinde geprägt. In keinem

anderen Ort Deutschlands wurde so viel und so lange Damast

gewebt wie in Großschönau. Mit den Angeboten im „Textildorf Großschönau“

soll die Brücke von den Wurzeln dieser Geschichte über die

vielfachen Zeugnisse im Ort bis zur Gegenwart geschlagen werden.

Im einzigartigen Deutschen Damast- und Frottiermuseum werden Besucher

in die bis 1666 zurückreichende Tradition der Damastweberei

geführt. Der Damast stellt jedoch nur die eine Hälfte der textilen

Industrietradition von Großschönau dar. Mit der anderen Hälfte verbindet

sich die Erinnerung an flauschige Handtücher und kuschelige

Bademäntel. Auch hier blickt Großschönau auf die deutschlandweit

längste Tradition zurück. 1856 wurde im Ort der erste Frottierhandwebstuhl

Deutschlands in Betrieb genommen. Der letzte funktionstüchtige

Webstuhl für diese Gewebeart zählt zu den besonderen Raritäten

des Deutschen Damast- und Frottiermuseums, ebenso wie ein

funktionstüchtiger Damastwebstuhl von 1835. In der dazugehörigen

Schauwerkstatt werden auf historischen Webmaschinen immer noch

Textilwaren für den Souvenirverkauf produziert. In einem der beiden

großen Textilbetriebe kann Einblick in die moderne Produktion von

Frottierstoffen genommen und bei beiden Unternehmen Erzeugnisse

gekauft werden. Auch bei den Ortsführungen erfahren Sie viel über

die textile Tra-

dition Großschönaus.

Zwei weitere Museen finden Sie in der Gemeinde: Das Motorrad-Veteranen

und Technikmuseum lässt das Herz beim Anblick mobiler Legenden

und technischer Wunderwerke höher schlagen.

Das Volkskunde- und Mühlenmuseum im Erholungsort Waltersdorf

erzählt von Mühlenromantik vergangener Zeiten.

Besonders Familien bieten sich in Großschönau attraktive Freizeitangebote:

der TRIXI-Ferienpark ist Waldstrandbad mit Walrossrutsche,

Freizeitbad mit Wellnesslandschaft und Ferienhausanlage mit Campingplatz

in einem. Der Abenteuer-Kletterwald gleich nebenan verspricht

Spaß und Spannung für Groß und Klein.

Der Erholungsort Waltersdorf hat sich auch als Wintersportort einen

Namen gemacht. Leichte bis mittlerschwere Abfahrtsstrecken mit

drei Liften, ca. 40 km gespurte grenzüberschreitende Skiwanderwege

durch das Gebirge sowie Rodelhänge laden zum Skivergnügen ein.

Eine Wanderung auf den höchsten Gipfel des Naturparks ist ein Muss

für jeden Wanderer. 793 Meter misst die Lausche und belohnt jeden

Gipfelstürmer mit einem wundervollen Ausblick ins angrenzende

Lausitzer Gebirge (Lužický Hory), Isergebirge bis ins Riesengebirge

hinein.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

www.grossschoenau.de

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Luftkurort Jonsdorf

Felsen und Bäche haben hier einen ganz besonderen, einzigartigen

Naturraum geschaffen.

Erst im 16. Jahrhundert wagten sich die ersten Siedler in die unzugänglichen,

von Sandsteinfelsen gesäumten und dicht bewaldeten

Täler, die damals zu den Fluren des Cölestinerklosters auf dem Berg

Oybin gehörten.

Hier entdeckte man besonders festen , von Erzgängen durchzogenen

Sandstein, der sich hervorragend zur Herstellung von Mühlsteinen

eignete, die überall im Land gebraucht wurden.

Wassermühlen und Wege wurden gebaut. Die Besiedlung des Landstrichs

begann. Steinbrecher, Steinmetze, Schmiede, Fuhrleute, Holzfäller,

Zimmerleute, Leineweber, Gärtner und Sägemüller fanden für

Jahrhunderte ihre Arbeit.

Die alten Häuser, errichtet aus heimischem Holz, Sandstein ,Lehm und

Stroh, zeugen von den Menschen, wie sie einst gelebt und gearbeitet

haben. Jedes Haus unterscheidet sich ein wenig vom anderen, und

dennoch vermitteln gerade unsere alten, in die Landschaft geduckten

Holzhäuser eine dörfliche Gemeinschaft, die immer mehr schwindet.

Häuser sind ein Spiegel ihrer Besitzer. Noch heute kann der aufmerksame

Betrachter anhand der Lage des Hauses, seiner Gestalt, der Größe

und dem handwerklichen Schmuck erkennen, ob es das Haus eines

armen Landlosen, eines

Gärtners, eines

Bauern oder

das

eines Mühlenbesitzers war.

Nehmen Sie sich Zeit beim Spaziergang durch den Ort. Dann entdecken

Sie liebenswerte Kleinigkeiten, die manchmal schon Seltenheitswert

haben.

Da ist der prächtige Hauseingang des J.G. Hänisch, dem Begründer der

Jonsdorfer Bleichwiesen, nach dem ein ganzer Ortsteil benannt ist,

oder das kleinste Umgebindehaus von Jonsdorf, in dem sich eine junge

Familie eingerichtet hat.

Da ist die alte Biberschwanzdeckung, jeder Ziegel mit der Hand geformt,

der Schieferschmuck, Abbundzeichen der Zimmerleute am

Fachwerk, die Sonne als vielfältiges Symbol, der Türgriff und vieles

mehr. Einen kleinen Einblick in die Vergangenheit bekommt man

beim Besuch der kleinen Weberstube, wo die früher weit verbreitete

Hausweberei vorgeführt wird. Die „Volksspielkunst Thalia Jonsdorf“

pflegt Oberlausitzer Kultur und Liedgut.

Eindrucksvolle Natur und Einblicke in die Geschichte bietet die Wanderung

in das Gebiet der alten Mühlsteinbrüche, durch die heute ein

Naturlehrpfad führt. Der Weg führt weiter in die Jonsdorfer Felsenstadt,

einem urwüchsigen Naturschutzgebiet mit interessanten

Felsformationen. Urlauber schätzen den

Luftkurort Jonsdorf und seine Gastlichkeit seit

über 150 Jahren.

Theatervorstellungen in der Waldbühne,

Veranstaltungen in der

Eishalle, die alljährliche

Kirmes mit der Jonsdorfer

Kuchenfuhre,

das

Schmetterlingshaus

mit seinen exotischen Bewohnern oder das Eisenbahnfest

mit der Oldtimershow ziehen alljährlich viele Besucher an.

An schönen Sommertagen findet man Entspannung im Jonsdorfer Gebirgsbad,

beim Wandern oder Klettern. Im Winter bieten 32 km Skiwanderwege

und das Eissportzentrum Möglichkeiten für aktiven Freizeitsport.

Ein Ausflug mit der „Bimmelbahn“ nach Zittau oder nach

Oybin sollte man keinesfalls verpassen.

Wer möchte, dehnt seine Ausflüge ins benachbarte Böhmen und

Schlesien mit seinen zahlreichen Schlössern und Burgen aus.

Es gibt überall viel zu sehen.

www.jonsdorf.de

37


Niesky begrüßt seine Gäste

Am 8. August 1742 legten böhmische Emigranten den Grundstein für

die ersten drei Häuser von Niesky. Sie hatten sich der Herrnhuter Brüdergemeine

angeschlossen und bekamen hier die Möglichkeit einer

Neuansiedlung. Diese ersten Häuser waren zugleich der Beginn für

eine planmäßige, symmetrisch gegliederte Ortsanlage. Der Architekt

Siegmund August von Gersdorf setzte in den Folgejahren den Gedanken

einer gleichgesinnten, christlichen Gemeinschaft architektonisch

um und ordnete schlichte, ländliche Barockbauten um einen zentralen,

parkähnlichen Platz.

Die drei ersten Häuser jedoch wurden in der Bauweise errichtet, die

den Böhmen aus ihrer Heimat vertraut war. Eines davon ist bis heute

erhalten geblieben und auf den ersten Blick als das älteste Haus

des Ortes erkennbar. Das böhmische Fachwerkhaus ist ein zweigeschossiger

Ständerbau, dessen Längsverband mit Andreaskreuzen

gewährleistet wird. An der rechten Hausseite befindet sich eine Umgebindekonstruktion

mit Eckblockstube. Ein besonderes Kleinod im

Hausflur sind die drei „Sonnenstufen“ in der Treppe zum Obergeschoss,

die den Lichteinfall durch das von der Treppe verdeckte Fenster

ermöglichen.

Garten und 10 Morgen Land übernahm nun der Garnhändler Georg

Kandler. Sein Sohn Leonhardt betrieb neben dem Garnhandel und

Feldwirtschaft auch eine Uhrmacherei, später übernahm er noch die

Posthalterei. Er vergrößerte das Haus hofseitig durch einen massiven

Anbau in der ganzen Länge. Um 1799 wurden das Raschkehaus sowie

alle anderen am Platz befindlichen Fachwerkbauten verputzt. Somit

verschwand infolge des damaligen Zeitgeschmacks das charakteristische

böhmische Element. Im Zuge von Rekonstruktionsmaßnahmen

im November 1992 trat das ursprüngliche Fachwerk wieder zutage.

Bei der Generalsanierung des Hauses 1995/96 entschieden sich die

Stadtväter für Sichtfachwerk und Wiederherstellung der Umgebindekonstruktion.

Heute befinden sich im ältesten Haus der Stadt Museum

und Touristinformation. In den Ausstellungen des Museums

erfährt der Besucher viele interessante Details zur

Stadtgeschichte. Häuser aus Holz spielten

auch in der weiteren Entwicklung

von Niesky eine besondere

Rolle. Die ortsansässige

Firma Christoph &

Unmack

entwickelte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die traditionellen Holzbauweisen

so weiter, dass Holzhäuser industriell vorgefertigt und

in Serien produziert werden konnten. Die Christoph & Unmack AG,

Niesky/OL war einst Europas bedeutendste Holzbaufirma und fand

mit ihrer vielfältigen Produktionspalette weltweiten Absatz. In Niesky

wurden in der Weimarer Zeit fast 100 Holzbauten errichtet, die

Werkswohnungen und gleichzeitig Musterhäuser waren. Am Raschkehaus

können architekturgeschichtlich interessierte Besucher individuell

oder mit einer Führung zur „Holzhaustour“ starten.

www.niesky.de

Dieses einzige noch existierende Nieskyer Umgebindehaus wurde

von Johann Raschke erbaut. In seiner böhmischen Heimat wegen Studiums

evangelischer Schriften zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, war

der Leinerweber nach seiner Entlassung nach Herrnhut ausgewandert.

1742 erhielt er von der Generalkonferenz der Brüdergemeine

den Auftrag, den Anbau von Niesky zu leiten. Schon Ende November

bezog das Ehepaar Raschke ihr neues Wohnhaus. In der

Blockstube standen bald mehrere Webstühle. Das Amt des ersten

Ortsvorstehers übte er fast 10 Jahre aus. Am 8. August

1762, genau 20 Jahre nach der Grundsteinlegung, wurde

Raschke auf dem Nieskyer

Gottesacker beigesetzt.

Dort ist sein Grabstein

noch heute zu finden.

Wohnhaus

mit Scheune,

38

Bellmann-Haus


„Mit Liebe, Lust und Leidenschaft Friseur“

Altmarkt 2, 02708 Löbau

(Ab September 2013 finden Sie uns

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10–15 Uhr

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Weitere Informationen auch zu Veranstaltungen auf unser Homepage

Ingrid Fischer, Petra Lemke

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Öffnungszeiten

Mai bis Oktober

täglich 11.00–21.00 Uhr

Inh. M. Chinnow

November bis April

Montag 11.00–18.00 Uhr

Dienstag Ruhetag

Mittwoch–Samstag

11.00–21.00 Uhr

Hintere Dorfstraße 34 • Telefon (035875) 6 76 65

www.kretscham-obercunnersdorf.de • kretscham-obercunnersdorf@arcor.de

OT Obercunnersdorf

Hauptstraße 80

02708 Kottmar

Tel.: 03586 70 03 82

Mail: info@blaue-berge.de

Museum & Touristinformation Niesky

Zinzendorfplatz 8

02906 Niesky

Telefon (035 88) 25 60 0 / (035 88) 25 58 0

E-Mail: museum@niesky.de

www.museum.niesky.de

www.wachsmannhaus.niesky.de

Unter

dem Motto »Erholen,

erleben und erlernen« entstand

im Kurort Jonsdorf eine faszinierende

zoologische und botanische Besonderheit,

das Schmetterlings- und Reptilienhaus. Inmitten

einer üppigen tropischen Pflanzenwelt,

umgeben von Palmen, Efeu und Bananenstauden

erleben Sie hautnah das vielfältige

Leben der über 250 exotischen

Schmetterlinge.

Für Sie haben wir

ganzjährig täglich

von 10 – 18 Uhr

Schmetterlingshaus

geöffnet

Jonsdorf GmbH | Zittauer

Str. 24 | 02796 Kurort Jonsdorf

Telefon (035844) 76 42 0

www.schmetterlingshaus.info

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