Schädel-Hirn-Trauma im - Hauner Journal

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Schädel-Hirn-Trauma im - Hauner Journal

| Dr. von Hau nersche s K i nderspit a l

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Das klinische Zeichen eines großen, fluktuierenden

Galeahämatoms ist direkter Hinweis für eine darunter

liegende Kalottenfraktur

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Bei einem 12 jährigen Mädchen war es nach Fahradsturz zu einer Kalottenfraktur gekommen,

welche im Röntgen Schädel diagnostiziert werden konnte (blaue Pfele links). In der nachfolgend

durchgeführten MRT des Schädels zeigt sich ein Epiduralhämatom (blaue Pfeile) mit einem diskreten

Mittellinienshift. Bei neurologisch völlig unauffälligem Mädchen wurde auf eine Operation

verzichtet. Die Verlaufskontrolle 32 Tage nach Trauma zeigt keine Residuen mehr

Das leichte

Schädel-Hirn-Trauma im

Kindesalter – ein Chamäleon?

Als Folge von Unfällen jeglicher Art kommt es bei Kindern im Alter zwischen 0 und 16

Jahren etwa 100.000 Mal pro Jahr zu einer Mitverletzung des Kopfes einschließlich

des Gehirns. Glücklicherweise sind etwa 75% dieser Verletzungen als leichtes Schädel-

Hirn-Trauma einzustufen.

M. Lehner, H.-G. Dietz

Unter einem leichten Schädel-

Hirn-Trauma subsumieren

wir in der kinderchirurgischen

Klinik Verletzungen,

die mit einer vorübergehenden Beeinträchtigung

der neurologischen Funktionen

einhergehen. Im Vordergrund

steht das mit einem Sturz oder Schlag

auf den Kopf aufgetretene Erbrechen,

aber auch die initial nach dem Unfall

stattgefundene Bewusstlosigkeit oder

der Gedächtnisverlust während oder

kurz nach dem Ereignis (Amnesie).

Sind derartige Symptome vorhanden,

so werden wir bei einer Vorstellung

in der kinderchirurgischen Ambulanz

nach einer eingehenden körperlichen

Untersuchung die stationäre Aufnahme

durchführen.

In über 80% der Fälle sehen wir

während der stationären Beobachtung

einen unkomplizierten Verlauf. In etwa

15% - 35% der Fälle kommt es zu Beginn

der stationären Überwachung noch zu

Symptomen. Im weiteren Verlauf zeigen

diese Patienten jedoch keinerlei neurologische

Auffälligkeiten, sodass wir

keine weitere Diagnostik anschließen

müssen.

In 5% bis 10% der Kinder, die nach

einem Sturz stationär aufgenommen

werden, erfolgt im Verlauf des stationären

Aufenthalts eine Bildgebung des


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Gehirns – sei es eine Computertomographie

oder ein MRT. Weniger als ein

Prozent der Patienten wird dann aufgrund

einer Blutung im Schädelinneren

im Verlauf operiert.

Dennoch kommt es eben auch bei

der primär als leichtes Schädel-Hirn-

Trauma eingestuften Verletzung zur

Einblutung im Schädelinneren, welche

potentiell lebensgefährlich ist.

Problematisch sind im Kindesalter

Brüche der Schädelkalotte. Diese können

z. B. nach Sturz vom Wickeltisch

(Abb. 1) oder Sturz auch aus nur geringer

Höhe auf der Treppe oder nach

Unfall im Straßenverkehr (Abb. 2) auftreten.

Durch den Bruch des Schädelknochens

kann es zu einem Einriss der

darunter gelegenen Blutgefäße kommen

und nachfolgend zu einem sogenannten

epiduralen Hämatom.

Je nach Ausdehnung können gravierende

neurologische Störungen wie

tiefe Bewusstlosigkeit und eine einseitig

weite, lichtstarre Pupille vorliegen.

Diese Patienten werden einer Notfalldiagnostik

mittels Computertomographie

und anschließend einer sofortigen

chirurgischen Therapie zugeführt und

zeigen in der Regel einen guten Verlauf.

Problematisch für den betreuenden

Arzt sind die Patienten, bei denen eine

intrazerebrale Verletzung nicht sicher

ausgeschlossen werden kann, gleichzeitig

jedoch keinen Hinweis für ein fokal

neurologisches Defizit besteht.

Insbesondere die Patienten mit

einem Bruch des Schädelknochens

haben ein vierfach erhöhtes Risiko für

eine intrazerebrale Blutung (Cuppermann

et al.2009). Hier ist – entgegen

den aktuellen Leitlinien – auch beim

neurologisch unauffälligen Kind – eine

zerebrale Bildgebung zu diskutieren.

Als Konsequenz müssen diese Patienten

für mehrere Tage stationär beobachtet

werden und innerhalb der ersten

12 – 48 Stunden nach Trauma nachuntersucht

werden mittels zerebraler

Bildgebung. Zeigt sich durch diese Bildgebung

– initial oder im Verlauf – eine

Grössenausdehnung mit Verziehung

der Mittellinie über 5mm, so muss operiert

werden. In den anderen Fällen

kann zugewartet werden und innerhalb

von 4-6 Wochen wird sich das epidurale

Hämatom resorbieren.

Somit sehen wir eine klare Indikation

zur stationären Überwachung von

Kindern, die ein Schädel-Hirn-Trauma

erlitten haben und folgende Symptome

zeigen:

• erbrechen in zeitlichem Zusammenhang

mit dem Unfallereignis

• Initiale Bewusstlosigkeit

• Amnesie zum Unfallereignis

• Kalottenfraktur

• Krampfanfall

• Fokal neurologisches Defizit

In den Fällen, in denen eine Kalottenfraktur

vorliegt, welche man klinisch

am ausgedehnten Galeahämatom

vermutet und zum Teil sonographisch

diagnostizieren kann, sollte eine zerebrale

Schnittbildgebung angeschlossen

werden.

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