Aufbau einer Frauenmilchbank - Hauner Journal

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Aufbau einer Frauenmilchbank - Hauner Journal

| Dr. von Hau nersche s K i nderspit a l

Aufbau einer Frauenmilchbank

für sehr kleine Frühgeborene im

Perinatalzentrum am Klinikum der LMU,

Standort Großhadern


Dr. von Hau nersche s K i nderspit a l |

Silke Kirchhoff, Andreas W. Flemmer, Andreas Schulze

Muttermilch kann in den

ersten Lebenstagen für

sehr kleine Frühgeborene

(VLBWI) nicht immer

gewonnen werden. Gründe hierfür können

u. a. maternale Vorerkrankungen,

schwierige operative Entbindungen und

Präeklampsie sein. Formulanahrungen

können aber die komplexen Funktionen

von Muttermilch nicht ersetzen. Das

trifft neben den nutritiven insbesondere

für die immunologischen Eigenschaften

humaner Milch bei der Versorgung von

VLBWI zu. Nosokominale Infektionen

werden bei VLBWI häufig durch Translokation

von Bakterien aus dem Magen-

Darm-Kanal in die Blutbahn erworben.

Die Reifung der Barrierefunktion

der Darmwand kann durch sehr frühe

Gabe von humaner Milch bei VLBWI

beschleunigt werden.

Bei der Regierung von Oberbayern

wurden 2010 Genehmigungen zum

Aufbau einer Frauenmilchbank (FMB)

auf der Frühgeborenenstation des

Perinatalzentrums der LMU, Standort

Großhadern beantragt. Nach bisheriger

Auffassung war Frauenmilch weder als

Die Milch wird unter besonderen hygienischen

Bedingungen gewonnen und in sterile Einmalfläschchen

gefüllt

Nach ihrer Gewinnung werden der Frauenmilch

kleine Proben für Laboruntersuchungen entnommen.

Anschließend wird die Milch schockgefroren

Die Milchfläschchen werden für maximal drei

Monate im Tiefkühlschrank gelagert. Aufgrund der

detaillierten Etikettierung können Herkunft der

Probe, Zeitpunkt der Gewinnung und zugehörige

Labordaten stets identifiziert werden

Medikament noch als Nahrungsmittel

kategorisiert, sodass eine FMB in Eigenverantwortung

einer Klinik geführt

werden konnte. Für Bayern wurde entschieden,

Frauenmilch als Nahrungsmittel

einzuordnen und entsprechende

Auflagen zu erteilen. Deren Überwachung

erfolgt derzeit durch das Landesamt

für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Die Planung der Abläufe bei

Spende, Testung, Lagerung und Ausgabe

von Spendermilch erfolgte in wesentlichen

Teilen in Anlehnung an das Prozedere

bei Blutspende. Nur gesunde,

CMV-seronegative Mütter mit einer

ausreichenden Milchbildung (mind.

500 ml/Tag) können nach schriftlicher

Einwilligung Spenderinnen werden. Sie

werden gesondert auf Hepatitis B / C,

HIV, CMV und anderen Erkrankungen

zum Zeitpunkt der Spende getestet.

Die Spendermilch wird unter fachkundiger

Aufsicht auf Station gewonnen

und etikettiert, nach Probenentnahme

(Mikrobiologie) schockgefroren und

tiefgekühlt separat in der Milchküche

gelagert.

Seit März 2012 stellt unsere FMB

Spendermilch bereit.

Der personelle und finanzielle Aufwand

für Aufbau und Betreiben einer

FMB auf einer Frühgeborenenstation

ist erheblich. Unser Projekt erlaubt

eine detaillierte Quantifizierung dieses

Aufwandes. Es besteht eine unerwartet

hohe Bereitschaft unserer Mütter zur

Spende wie auch zur Einwilligung für

den Empfang. Auf Grund bestimmter

Vorgaben seitens der Behörden hinsichtlich

des Bakterienspektrums in

den Spendermilchproben muss derzeit

praktisch immer pasteurisiert werden.

Das Projekt Frauenmilchbank am

Campus Großhadern wird finanziert

von FrühStart ins Leben, e.V. und MSD

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