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TIMSS 2007: Erste Ergebnisse - Bifie

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3.4

3.4 Bildungsgerechtigkeit: Familiäre Bildungsressourcen und Schülerleistung Christina Wallner-Paschon Kontextfaktoren und Leistung Unterscheiden sich die familiären Bildungsressourcen der Schüler/innen zwischen den EU-Ländern? Welche Zusammenhänge zeigen sich im EU-Vergleich zwischen diesen Bildungsressourcen und den Schülerleistungen? Dieser Beitrag zeigt, dass sich die Bildungsressourcen der Schüler/innen – gemessen an der Anzahl von Büchern zu Hause – zwischen den EU-Ländern deutlich unterscheiden. In Österreich kommen 40 % der Viertklässler/innen aus einem Elternhaus mit nur geringem Buchbestand. In England fällt diese Gruppe mit 26 % EU-weit am kleinsten aus. Auch der Zusammenhang zwischen familiären Bildungsressourcen und Schülerleistungen präsentiert sich auf EU-Ebene unterschiedlich. Mehr familiäre Ressourcen gehen zwar in allen EU-Ländern mit besseren Schülerleistungen einher, in Österreich ist dieser Zusammenhang aber deutlich stärker als im EU-Schnitt. GBR (E) SWE LET CZE DNK GBR (S) DEU NLD HUN EU-Schnitt SLO AUT SVK ITA LIT 9 7 8 6 9 12 8 9 10 10 9 11 11 14 15 Anzahl der Bücher zu Hause 17 21 33 35 22 21 19 17 22 41 16 13 26 40 16 11 23 38 18 12 20 33 19 17 25 35 17 14 25 40 15 11 25 32 17 16 26 36 16 13 30 38 13 10 29 35 13 12 32 36 12 8 31 31 12 12 36 34 9 6 rSP Math. rSP Naturw. Leistungsmittelwert bei Buchbestand GBR (E) .34 .37 499 571 499 570 SWE .29 .33 476 523 493 551 LET .24 .25 513 558 517 561 CZE .29 .30 458 510 484 540 DNK .24 .28 502 546 492 544 GBR (S) .31 .34 461 518 467 528 DEU .37 .41 496 557 490 567 NLD .24 .29 514 551 502 546 HUN .41 .39 467 551 501 575 EU-Schnitt .28 .30 488 538 497 551 SLO .25 .25 480 521 497 540 AUT .34 .36 481 534 496 551 SVK .28 .30 475 523 502 555 ITA .15 .18 495 519 520 553 LIT .24 .22 514 549 501 530 % 0 20 40 60 80 100 % 400 450 500 550 600 niedrig hoch 0–10 Bücher 11–25 Bücher 26–100 Bücher 101–200 Bücher über 200 Bücher rSP = Korrelationskoeffizient nach Spearman Mathematik Naturwissenschaften gering (0–25 Bücher) mittel (26–100 Bücher) hoch (> 100 Bücher) Abb. 3.4: Anzahl der Bücher zu Hause im Ländervergleich und im Zusammenhang mit der Mathematik- und der Naturwissenschaftskompetenz

TIMSS 2007: Erste Ergebnisse 47 Dieser Beitrag widmet sich familiären Bildungsressourcen, gemessen durch die Anzahl von Büchern im Elternhaus aus zweierlei Blickwinkeln: Zum einen wird der Frage nachgegangen, ob und in welchem Ausmaß sich die EU-Länder hinsichtlich dieser Bildungsressource unterscheiden. Zum anderen stellt der Buchbesitz auch einen der wichtigsten sozioökonomischen Indikatoren dar und soll in dieser Funktion im Zusammenhang mit der Mathematik- und Naturwissenschaftskompetenz analysiert werden. Dabei wird untersucht, inwieweit der Bildungserfolg auch vom sozioökonomischen Status der Schüler/innen abhängt. Vor allem interessiert hier die Frage, ob es in einzelnen EU-Ländern – im Sinne von Bildungsgerechtigkeit – besser gelingt, den Einfluss dieses familiären Faktors auf die Schülerleistung zu minimieren. Bildungsressourcen im EU-Vergleich Bei TIMSS werden die Schüler/innen nach der ungefähren Anzahl der Bücher bei ihnen zu Hause gefragt. Dabei sind fünf Kategorien zur Auswahl vorgegeben. Abbildung 3.4 zeigt die prozentuellen Anteile der Schüler/innen in den fünf Buchbestands-Kategorien für die teilnehmenden EU- Länder. Die Länder sind hierfür aufsteigend nach den ersten beiden Kategorien (geringer Buchbestand) gereiht. Ein Blick auf diese beiden Kategorien zeigt deutliche Unterschiede zwischen den EU-Ländern. Während in England 26 % der Schüler/innen einen niedrigen Buchbestand mit maximal 25 Büchern zu Hause haben, sind es in Litauen über 50 % der 9-/10-Jährigen, die aus einem Haushalt mit maximal 25 Büchern kommen. Im EU-Schnitt kann mehr als ein Drittel der Grundschüler/innen (36 %) zu Hause auf nur wenige Bücher (0–25 Bücher) zurückgreifen und 29 % stehen zu Hause viele Bücher (mehr als 100) zur Verfügung. Ein geringfügig schlechteres Bild zeigt sich in Österreich. Ein Großteil (40 %) der österreichischen Viertklässler/innen kommt aus einem Haushalt mit wenigen Büchern und jedes vierte Kind (25 %) aus einem Elternhaus mit großem Buchbestand. Bildungsressourcen und Kompetenzen Ein wichtiges Ziel von Schulsystemen ist es, Bildungsgerechtigkeit herzustellen, indem der Einfluss der sozioökonomischen Lage und der familiären Ressourcen auf den Schulerfolg möglichst gering gehalten wird. Inwieweit es den teilnehmenden EU-Ländern gelingt, dieses Ziel zu verwirklichen, und ob sie sich darin unterscheiden, sind wesentliche Ergebnisse in diesem Abschnitt. Abbildung 3.4 zeigt den Zusammenhang zwischen Buchbestand zu Hause und Schülerleistung in tabellarischer Form (getrennt für die Mathematik- und Naturwissenschaftskompetenz). Die hier eingetragenen Zusammenhangsmaße sind alle positiv und bewegen sich zwischen 0 und 1, wobei ein höherer Wert einen stärkeren Zusammenhang darstellt. Um diese Zusammenhänge zu veranschaulichen, sind sowohl für die Mathematik- als auch für die Naturwissenschaftskompetenz die Leistungsmittelwerte der einzelnen Buchbestands-Kategorien dargestellt. Die Kategorien wurden dabei in folgende drei Gruppen zusammengefasst: geringer Buchbestand (0– 25 Bücher), mittlerer Buchbestand (26–100) und hoher Buchbestand (mehr als 100 Bücher). In allen Ländern zeigen sich für beide Kompetenzbereiche positive Zusammenhänge. Das bedeutet, dass höhere Bildungsressourcen mit höheren Schülerkompetenzen einhergehen. Die Stärke der Zusammenhänge ist im EU-Schnitt mit .28 für Mathematik und .30 für Naturwissenschaft als mittel einzustufen. Vergleicht man die Stärke der Zusammenhänge unter den Teilnehmerländern, werden große Unterschiede sichtbar. Während zwischen dem Buchbesitz und der Mathematikkompetenz in Ungarn mit .41 der stärkste Zusammenhang besteht, ist die Korrelation in Italien mit .15 weitaus schwächer. Auch in Österreich ist ein vergleichsweise starker Zusammenhang – .34 für Mathematik und .36 für Naturwissenschaft – erkennbar. Noch deutlicher wird das Ausmaß dieses Zusammenhangs beim Vergleich der Leistungen von Schülergruppen mit hohem und geringem familiärem Buchbestand. In Ungarn unterscheiden sich Schüler/innen aus einem bucharmen Elternhaus (467 Punkte) und jene aus einem Elternhaus mit vielen Büchern (551 Punkte) in ihrer Mathematikkompetenz um durchschnittlich 84 Punkte – dies entspricht dem Wertebereich von mehr als einer Kompetenzstufe. In Italien sind es hingegen nur 24 Punkte, die diese beiden Schülergruppen voneinander trennen. Im EU-Schnitt sind Leistungsunterschiede von 50 Punkten feststellbar. Damit liegt Österreich mit 53 Punkten zwischen diesen beiden Schülergruppen im EU-Schnitt. Auch für die Naturwissenschaft zeigen sich je nach Buchbesitz im Elternhaus deutliche Leistungsunterschiede. In Deutschland, wo der stärkste Zusammenhang beobachtet wurde, unterscheiden sich die beiden Schülergruppen (Elternhaus mit hohem Buchbestand, Elternhaus mit niedrigem Buchbestand) in ihrer Naturwissenschaftskompetenz um durchschnittlich 77 Punkte. In Italien – mit dem schwächsten Zusammenhang – ist der Leistungsunterschied zwischen diesen beiden Gruppen mit 33 Punkten deutlich geringer. Im EU-Schnitt gehen die Leistungsunterschiede in Naturwissenschaft um 54 Punkte auseinander. Im Vergleich dazu liegt Österreich mit 63 Punkten Differenz zwischen diesen beiden Gruppen über dem EU-Schnitt. Obwohl in allen EU-Ländern ein Zusammenhang zwischen den familiären Bildungsressourcen und den Schülerleistungen besteht, zeigen sich dennoch enorme Unterschiede zwischen den EU-Ländern. In einigen Ländern gelingt es deutlich besser, den Einfluss familiärer Ressourcen auf die Schülerleistung zu minimieren. Es bleibt in Detailanalysen abzuklären, warum in manchen Ländern die unterschiedliche Ausgangslage der Schüler/innen besser und in anderen weniger gut kompensiert werden kann.

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