Gehirn- und Trauma-Stiftung Jahresbericht 2009

gtsg.ch

Gehirn- und Trauma-Stiftung Jahresbericht 2009

* Gehirn- und

Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Jahresbericht 2009

Stiftungsadresse:

Gehirn- und Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Poststrasse 22

CH-7000 Chur

Telefon +41 81 25076 11

Fax +41 81 25076 12

gehirnundtraumastiftung@swissonline.ch

www.gtsg.ch

Konto: GKB Chur 70-216-5

CK 442.513.800

Stiftungsrat:

Dr. iur. Giusep Nay (Präsident)

Prof. Dr. Pius Baschera

Prof. Dr. Theodor Leuenberger

lic. phil. I Paul Ruschetti

Dr. med. Eric Thomann

Dr. phil. I Andreas Müller

Geschäftsführung:

Dr. phil. I Andreas Müller

*

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* Gehirn- und

Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Jahresbericht 2009 – Tätigkeitsbericht Stiftungsrat

Damit es gut bleibt

Impressum

Herausgeber:

Gehirn- und Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Poststrasse 22

CH-7000 Chur

Redaktion:

Andreas Müller, Paul Ruschetti

Inhaltsverzeichnis

Tätigkeitsbericht Stiftungsrat

Damit es gut bleibt

Dank an die Spender

Zweckdefinition der Stiftung

Aufgaben und Ziele erfolgreich angehen

Berufliche und Persönliche Reintegration

Dank dem Projekt »La Cumpogna«

Menschen in die Unternehmenswelt reintegrieren

Der Lange Weg zurück

Interview mit dem Skirennläufer Daniel Albrecht

Öffentlichkeitsarbeit

Referenten, Workshops, Kongresse, Veröffentlichungen

Vortrag Martin Lemme

»Autorität durch Beziehung«

Detailbeschreibungen wichtiger Projekte

1. ADHD bei Erwachsenen

2. Leichte traumatische Hirnverletzung

3. Stressabbau bei schweren Herzattacken

4. Projekt Polen

Stiftungsratsmitglieder

Präsident und Mitglieder

Jahresrechnung 2009

Bericht der Revisionsstelle

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Auch im Berichtsjahr 2009 hat das Interesse an den verschiedenen Tätigkeiten

der Stiftung erfreulicherweise weiter zugenommen. Dies trifft auch

auf fast alle im Vorjahr neu aufgegleisten und mittlerweile erfolgreich als

wichtige Programmbestandteile etablierten Erweiterungen zu. Die von Beginn

an verfolgte Strategie, dass alle Tätigkeiten der Gehirn- und Trauma-

Stiftung Graubünden unmittelbar den Patienten und den Menschen

zugutekommen sollen, hat sich dabei als der richtige Weg erwiesen.

Gleichzeitig verstärkte sich jedoch auch 2009 die Überzeugung, dass der

Einbezug neurobiologischer Aspekte für die Behandlung mentaler Auffälligkeiten

in der allgemeinen Praxis und auch in der Pädagogik noch zu

wenig Fuss gefasst hat. Entsprechend soll dem Aspekt der Information

künftig noch vermehrt und gezielter Rechnung getragen werden.

Bedeutende Impulse für die nächsten Jahre gab einerseits ein wichtiges

Projekt im Rahmen der Kardiologie des Kantonsspital Graubünden. Andererseits

zeigte es sich erneut, welche grosse Bedeutung den von der Stiftung

nach Chur eingeladenen Referenten zukommt. Deren hervorragende

Vorträge zu verschiedene Themen stossen in immer breiteren Kreisen auf

grosses Interesse. Zudem wurde ein weiteres grosses Projekt mit der Promyk

Slonca Foundation, einem Spital für Klein- und Vorschulkinder in

Polen, zum Thema cerebrale Entwicklungsstörungen eingereicht. Projektpartner

bei diesem Projekt ist die HTW Chur.

Wichtigste Wegweiser sind bei all diesen Aktivitäten letztlich jedoch die

Bedürfnisse der Patienten, welche nach einem Schlaganfall respektive

nach einem Schädel-Hirn-Trauma den Weg wieder zurück in den Alltag

suchen. Diese sind es, welche das gesamte Tun und Denken der Stiftung

steuern.

Tätigkeiten des Stiftungsrates

Ein zentraler Bestandteil neben der durch eine steigende Zahl von Anfragen

gekennzeichneten, allgemeinen Alltagsgeschäfte stellte auch 2009

die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit auf verschiedenen Ebenen dar.

Zudem hat sich der Stiftungsrat gezielt mit den Verbesserungen im infrastrukturellen

Bereich auseinandergesetzt. Diese haben die weitere

Differenzierung und Entwicklung der Stiftung zum Ziel. Dabei geht es

auch um den Ausbau der Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern.

So konnte erfreulicherweise mit der Sozialversicherungsanstalt Graubünden

(Invalidenversicherung) ein Zusammenarbeitsvertrag im Rahmen

des Projektes »La Cumpogna« abgeschlossen werden. Ebenso

besteht eine Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Unfallver -

sicherungs anstalt SUVA in diesem Projekt.

Zudem hat der Stiftungsrat beschlossen, für das Projekt »La Cumpogna«

mit weiteren Kooperationspartnern eine intensive Zusammenarbeit zu suchen.

Der Stiftungsrat ist überzeugt, dass das Projekt für die Revision der

Invalidenversicherung wegleitend sein wird: Die Bestrebungen, möglichst

viele Menschen in das Erwerbsleben zu integrieren oder zu reintegrieren,

ist sowohl für die betroffenen Menschen wie auch volkswirtschaftlich von

größter Bedeutung. Für die Patientengruppe, derer sich die Stiftung annimmt,

ist der Weg zurück in den Alltag wohl einer der schwierigsten

überhaupt, weil für sie nichts mehr so ist, wie es vor dem Unfall oder dem

Anfall war. Der Stiftungsrat ist sich aber bewusst, dass der Reintegrationserfolg

nicht zuletzt auch von der finanziellen Unterstützung von Bund,

Kantonen und anderen Geldgebern, wie von diversen Stiftungen und auch

der Wirtschaft, die daran interessiert sein müsste, abhängig ist. In diesem

Sinn wurde beschlossen, die Suche nach Kooperationspartnern, welche

die Stiftung nachhaltig unterstützen, zu intensivieren.

In Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit konnte mit der Graubündner Kantonalbank

ein Partner gefunden werden: Das neue GKB-Auditorium ist

ein einmalig schöner Raum für die Referate der Gehirn- und Trauma-

Stiftung Graubünden. Der Stiftungsrat schätzt die neuen Möglichkeiten

und versucht eine langfristige Zusammenarbeit mit der GKB zu vereinbaren.

Die Suche nach geeigneten Referenten gestaltet sich allerdings

nicht immer einfach: Einerseits hat die Gehirn- und Traumastiftung den

Anspruch, möglichst europaweit bekannte Persönlichkeiten nach Chur zu

lotsen, andererseits sind die Mittel für das Engagement solcher Topleute

nicht leicht aufzutreiben. Bisher konnte die Rechnung bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit

einigermaßen ausgeglichen gestaltet werden, vor

allem auch deshalb, weil die gesamte Arbeit rund um die Vorträge inklusive

Apéro unentgeltlich geleistet wurde.

Die Arbeit des Geschäftsführers und seines Teams in der Forschung und

Entwicklung ist besonders anspruchsvoll, weil die Stiftung sich hier in

einem kompetitiven Umfeld mit übermächtigen Kontrahenten befindet.

Der grosse Vorteil ist zweifellos die von Andreas Müller in Zusammenarbeit

mit dem Institute for Human Brain in St. Petersburg (RU) entwickelte

Methode der Erfassung neurobiologischer Zustände. Diese Methode wird

mittlerweile von vielen Universitäten geprüft und angewendet. Ein Vorteil

ist weiter die konsequente Ausrichtung der Forschungstätigkeit an

den Erfordernissen des klinischen Alltags. Dadurch wird die Stiftung für

viele verschiedene Partner im In- und Ausland attraktiv.

Perspektiven 2010

Für 2010 wurden wichtige Vorarbeiten für die Kooperation mit verschiedenen

Projektpartnern geleistet. Es kann davon ausgegangen werden, dass

das Projekt »La Cumpogna« schon bald durch verstärkte Nachfrage sowohl

finanziell als auch personell erweitert werden muss. Mit dem Bezug von

grösseren, neuen Räumlichkeiten Anfang 2010 konnten die entsprechenden

Weichen bereits gestellt werden. Geographisch wird das Projekt bereits

2010 ebenfalls die Kantonsgrenzen sprengen.

Für 2010 wurden auch schon wesentliche Vorträge organisiert und weitere

Projekte im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit werden an die Hand genommen.

Ein besonderer Höhepunkt wird die Veranstaltung im September

mit der Alternativ-Nobelpreisträgerin Dr. Monika Hauser von medica mondiale

sein. Für diese Benefizveranstaltung ist die Gehirn- und Trauma-

Stiftung Graubünden mit der Frauenzentrale Graubünden, mit dem

Soroptimist Club International Chur sowie mit der Hochschule für Technik

und Wirtschaft eine Partnerschaft eingegangen.

Ein besonderes Jahr wird 2010 für die wissenschaftlichen Projekte. Nachdem

die Publikation von Forschungsergebnissen bereits im letzten Jahr

begonnen hat, wird die Publikations- und Vortragstätigkeit unseres

Geschäftsführers in den folgenden Jahren weiter intensiviert.

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Jahresbericht 2009

Berufliche und persönliche Reintegration

dank dem Projekt »La Cumpogna«

Menschen nach Schlaganfällen oder Kopfverletzungen

in die Unternehmenswelt reintegrieren

Spenden und Gönner

Dank des Stiftungsrats

Im Berichtsjahr 2009 konnten wiederum viele kleine und grosse Spenden im Gesamtumfang von insgesamt

Fr. 196.500 in Empfang genommen werden. Die kleineren Beträge bis 100 Franken sind meist Zuwendungen von

Personen, welche die Stiftung mit einem jährlichen Gönnerbeitrag unterstützen und so ihrer Verbundenheit mit der

Tätigkeit der Gehirn- und Trauma-Stiftung Graubünden Ausdruck geben. Erfreulicherweise hat sich dieser Kreis der

Gönner erneut vergrössert.

Grössere Beiträge werden der Stiftung meist zweckgebunden zuteil. So hat etwa die Innovationsstiftung Graubünden

mit einem wesentlichen Beitrag das sehr erfolgreiche Projekt ADHD bei Erwachsenen massgeblich unterstützt. Aber

auch Stiftungen und andere Institutionen haben mit namhaften Beiträgen die erfolgreichen Tätigkeiten der Gehirnund

Trauma-Stiftung Graubünden wesentlich ermöglicht und mitgetragen.

Der Stiftungsrat dankt allen Spendern, Gönnern, Stiftungen und Institutionen herzlich für ihre wichtige Unterstützung.

Zweckdefinition der Stiftung

»La Cumpogna« ist das wichtigste Unterstützungsprojekt

der Gehirn- und Traumastiftung Graubünden.

In diesem Projekt sollen Menschen nach

Schlaganfällen oder Kopfverletzungen in den Arbeitsprozess

reintegriert werden. Mit dem Projekt

»La Cumpogna« wird ein kreativer und innovativer

Weg eingeschlagen, der nicht nur den Direktbetroffenen

Hilfe leisten soll, sondern auch aus

volkswirtschaftlicher Sicht von Bedeutung ist. Ein

solcher Ansatz wird heute angesichts der steigenden

Kosten der Invalidenversicherung unter dem

Titel »Integration vor Rente« auch in der Politik

und der Öffentlichkeit zunehmend thematisiert.

Die Rückkehr in den Arbeitsalltag ist zwar nicht in

jedem Fall möglich, weil die Anstellung von Menschen

mit Kopfverletzungen und Schlaganfällen

mit zahlreichen Hindernissen und Schwierigkeiten

verbunden ist. Doch auch schon Teilerfolge

stellen für die Betroffenen und deren Umfeld eine

wichtige Unterstützung dar. Im Berichtsjahr 2009

haben die Verantwortlichen des Projektes zusammen

mit dem Supervisor des Projektes Dr. Willi

Morger, ehemaliger SUVA-Verantwortlicher für das

Case Management der schweizerischen Unfallversicherungs

anstalt, die Bedingungen definiert für

eine erfolgreiche Integration. Dabei wurden zahlreiche

Parameter ausgeleuchtet, welche es auf

dem Weg zur Reintegration zu beachten gilt. Die

wichtigsten Variablen sind auf der Seite der Betroffenen

die innere Neuausrichtung der eigenen

Person sowie die eigene Auseinandersetzung mit

dem Anderssein. Dies sind zeitaufwändige Prozesse,

welche der fachlichen Begleitung bedürfen.

Allzu schnell erfolgt sonst die Abkehr in die persönliche

Isolation und Resignation. Das Projekt »La

Cumpogna« versucht deshalb, aufbauend auf den

verschiedenen Ressourcen, Alternativen aufzuzeigen.

Überzeugungskraft und die Unterstützung

durch die Familienmitglieder oder nahe Bekannte

sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche

Bewältigung dieses oft hindernisreichen

Weges. Aber auch auf der Seite des Unternehmens

braucht es bestimmte Kommuni- kations- und

Arbeitsstrukturen, damit der Wissenstransfer der

Vier Beispiele für die berufliche Reintegration im Rahmen des Projektes »La Cumpogna«

Verantwortlichen der Gehirn-und Trauma-Stiftung

Graubünden in den Betrieb erfolgen kann. Damit

die vereinbarten Ziele nicht aus dem Auge verloren

und erfolgreich angegangen werden können,

sind letztlich Achtsamkeit und Präsenz aller Beteiligten

gefordert. Für die Definition der Ziele ist es

wichtig, alle Beteiligten am Reintegrationsprozess

für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Dort wo

die Beteiligten zusammen- spannen, sind die

Wirkungen des Reintegrationsprozesses am besten

sichtbar.

Die eigene Erfahrung ist hilfreich, um die Betroffenen

verstehen zu können, ihr Handeln den

Beteiligten zu erklären und sie in ihrem anspruchsvollen

Bemühen unterstützen zu können.

Anhand der nachstehenden Beispiele soll

aufgezeigt werden, wie vielfältig und anspruchsvoll

die Reintegrationsprojekte sind. Es

zeigt sich auch immer wieder, wie sehr ein behutsames

Vorgehen eine Veränderung initialisieren

aber auch behindern kann.

Die im Zweck der Stiftung definierten Aufgaben und Ziele umfassen

folgende drei Bereiche:

Aktive Unterstützung bei der beruflichen Wiederein

gliederung für Menschen mit Hirnschädigungen

Diesem GTSG-Schwerpunkt kam im Berichtsjahr zunehmend Bedeutung

zu. Es geht dabei um die Unterstützung von in Not geratenen

Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben oder durch ein Schädel-Hirn-Trauma

in ihrem Leben weitreichend handicapiert sind. Das

von der Stiftung lancierte Projekt »La Cumpogna« hat die Schaffung

einer Struktur zum Ziel, innerhalb der eine entsprechende Reintegration

in die Arbeitswelt beratend unterstützt werden kann. Die Hilfe

soll nicht nur Erwachsenen zukommen, sondern auch Kindern mit

diesen Handicaps.

Erforschung und Entwicklung von neuen Zugängen

zur neurobiologischen Diagnostik und Therapie

Die Erforschung der Neurobiologie ist eine der Haupttätigkeiten der

Stiftung. Im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Diagnosen

arbeitet die Gehirn- und Trauma-Stiftung an der Entwicklung von Instrumenten,

welche – ausgehend von der Psychologie und der Biologie

des Menschen – objektivere Diagnosen ermöglichen.

Veröffentlichung und Zugänglichmachen von neuen Erkenntnissen

der Neurobiologie für verschiedene Lebensfelder

Referate und Workshops der GTSG sollen sowohl der breiten Öffentlichkeit

als auch Fachpersonen Einsichten in neuere Anwendungen

neurobiologischer Forschungstätigkeit vermitteln. Entsprechende Erkenntnisse

zu den Themen Referenzdaten für Hirnwellen, Aufmerksamkeitsstörungen

und Defizite bei der Gedächtnisleistung stammen

aus dem seit 2005 laufenden ADHD-Forschungsprojekt der Stiftung.

Beispiel 1:

Ein junger Mann mit starker Symptomatik hat

Mühe, an seinem Arbeitsplatz mit der notwendigen

Aufmerksamkeit seine Aufgaben zu erledigen.

Die Vorgesetzten sind mit der Verhaltensweise des

jungen Mannes überfordert. Durch die Begleitung

des jungen Mannes können verschiedene Veränderungen

initialisiert werden.

Die Gespräche mit den Vorgesetzen helfen, die

Verhaltensweise des jungen Mannes besser zu

verstehen und die Schwierigkeiten nicht als einen

Akt des Wollens oder Könnens zu deuten, sondern

zu verstehen, dass die Verhaltensweise des jungen

Mannes durch Fehlfunktionen im Gehirn aus gelöst

werden.

Anhand von verschiedenen konkreten Beispielen

im Arbeitsverhalten konnten den Vorgesetzen die

Auswirkungen von problematischen Feedbacks

aufgezeigt werden. Die Rückmeldungen zum Arbeitsverhalten

des Klienten wurden vom Vorgesetzten

entsprechend angepasst.

Auf der anderen Seite lernte der junge Mann

durch gezieltes Training, die Anweisungen der

Vorgesetzten besser zu verstehen und durch verändertes

Verhalten auch umzusetzen. So konnten

sich beide Seiten in ihren Wünschen und Anforderungen

besser begegnen.

Die Folge war eine markante Verbesserung des Arbeitsverhaltens.

Die Anforderungen der Vorgesetzten

wurden situationsgerecht eingefordert und

dem jungen Manne konnte der Arbeitsplatz erhalten

bleiben.

Beispiel 2:

Ein junger Mann muss seit seiner Geburt mit bestimmten

körperlichen Einschränkungen leben,

die sein Leben stark einschränken. Er konnte so

auch nie ein gutes Gefühl zu sich und seinem Körper

entwickeln. Dennoch kann der junge Mann

zwar kein volles aber ein grösseres Arbeitspensum

erledigen.

Sein Verhalten ist jedoch geprägt von Unsicherheiten

und Fehleinschätzungen in anspruchsvollen

Situationen. Dies hat in seiner Vergangenheit

verschiedentlich dazu geführt, dass das Arbeitsverhältnis

aufgelöst wurde.

Durch Gespräche und Analyse von Arbeitssituationen

konnten dem jungen Mann die Auswirkungen

seines Verhaltens aufgezeigt werden. An

einem neuen Arbeitsplatz bewirkte eine gezielte

Begleitung von ihm und seinem Vorgesetzten,

dass besser auf die besonderen Anforderungen

eingegangen und die bisherigen Problemen vermieden

werden konnten. Der Vorgesetzte hatte

gelernt, dass Menschen mit Einschränkungen

nicht in erster Linie Mitleid brauchen, sondern situationsgerechte

Rückmeldungen und nachvollziehbare

Anforderungen. Dies scheint selbst -

verständlich zu sein, ist es aber leider zu oft nicht.

Der junge Mann lernte so auch, die Anforderungen

an ihn nicht einfach zu interpretieren, sondern

nachzufragen, um den geforderten Ansprüchen

auch gerecht zu werden.

Beispiel 3:

Eine Frau litt unter einem leichten Schädel-Hirn-

Trauma nach einem Verkehrsunfall und in ihrem

Betrieb wurden mehrere Reorganisationen durchgeführt.

Das verunsicherte und erzeugte Stress bei

den Mitarbeitern. Die Zusammenarbeit zwischen

dem Vorgesetzten und seiner Mitarbeiterin wird

zusehends schwierig. Die Kommunikation wird

zum Problem.

Die Intervention findet zweigleisig statt. Der Vorgesetzte

und seine Mitarbeiterin werden in ihrer

jeweiligen und auch in ihrer gemeinsamen Verunsicherung

begleitet. Festgemacht wird die Begleitung

am konkreten Prozess der veränderten

Arbeitsplatzgestaltung. In diesem Prozess lernen

beide Parteien verschiedene Werkzeuge und veränderte

Verhaltensweisen kennen und diese einzusetzen.

Durch die Intervention konnte der Frau

der Arbeitsplatz erhalten werden.

Beispiel 4:

Ein Mann fällt bei seiner Arbeit von einem Dach

und zieht sich Verletzungen am Kopf, am Rücken

und den Armen zu. Durch die damit verbundenen

Beeinträchtigungen hat er seine

Hoffnung auf eine Verbesserung seiner Situation

und die Rückkehr in den Beruf aufgegeben.

Durch Gespräche und die Koordination verschiedener

Therapien kommt es dennoch langsam

zu Verbesserungen und mit der Zeit kommt

beim Betroffenen wieder Hoffnung und Zuversicht

auf. Damit sind die Weichen für weitere Erfolge

in die richtige Richtung gestellt. Allerdings

ist es noch ein weiter Weg, bis die Situation so

weit verändert ist, dass über eine Teilzeitstelle

nachgedacht werden kann.

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Der lange Weg zurück

Interview mit Daniel Albrecht

Am 22. Januar 2009 geriet Daniel Albrecht im Abschlusstraining an der schnellsten

Stelle des Hahnenkamms mit 140 km/h in Rücklage, flog rund 70 Meter

durch die Luft und landete, sich rückwärts drehend, auf Kopf und Rücken. Albrecht

blieb bewusstlos liegen und war nicht ansprechbar. Nach der Erstversorgung

flog man ihn ins Spital von St. Johann, wo er kurz aufwachte und

danach in ein künstliches Koma versetzt wurde. Danach wurde Albrecht mit

dem Helikopter von St. Johann für weitere medizinische Untersuchungen in die

neurochirurgische Abteilung des Universitätsspitals Innsbruck überführt. Bei der

Untersuchung wurden ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Gehirnblutung und eine

Lungenquetschung festgestellt, jedoch keine Frakturen.

Die bewussten ersten Erinnerungen und Gedanken hatte Daniel erst wieder,

als er in Bern im Inselspital lag. An den Sturz hatte er jedoch keine Erinnerun-

Wir haben in verschiedenen Interviews gelesen,

dass Du Dich nicht an den Unfall erinnern

konntest. Wie ist das heute?

Ich kann mich inzwischen sehr gut an die Einzelheiten

erinnern. Allerdings bleiben bestimmte

Phasen vor dem Unfall für das Bewusstsein unauffindbar.

Es ist, wie wenn einzelne Seiten eines Albums

herausgerissen wären.

Wie geht's sprachlich vorwärts? Bemerkst du

Unterschiede zu früher?

Es wird immer besser. Aber es ist noch ein

Schwachpunkt, manchmal fehlen mir Wörter. Ich

muss mehr nach Worten suchen, die Sprache ist

nicht so geläufig wie früher. Sprechen ist nicht

mehr eine Selbstverständlichkeit, die automatisierten

Prozesse sind manchmal ordentlich da,

manchmal fehlen sie. Meine Sprache muss ich viel

bewusster einsetzen.

Wir finden, es braucht viel Mut und Kraft

sich so zurück in den Alltag zu kämpfen so wie

Du das machst.

Im Endeffekt: Ich will zurück, weil ich mir im Moment

nichts anderes als Skirennen zu fahren vorstellen

kann. Es ist jedoch auch ein Weg, der mit

viel Wollen, teilweise beschränktem Können, Versuchen,

Scheitern, Analysieren, neuen Versuchen,

kleinen und grösseren Erfolgen gepflastert ist. Insgesamt

ist es ein Herantasten an alte Gewohnheiten

und Routinen.

Ich habe oft das Gefühl, ich könne nicht auf Gewohnheiten

aufbauen, sondern müsse vieles neu

lernen. Dabei kommt mir natürlich zugute, dass ich

vor dem Unfall schon zu beissen gelernt hatte. Dies

ist ein Gefühl der Zuversicht und des inneren

Mutes, sich selbst anzustossen, auch dann, wenn

es nicht optimal läuft und ich kurzfristig das Gefühl

habe, alles sei sinn- und zwecklos.

Der Weg ist sicher sehr abhängig von der Unterstützung,

welche mir von vielen Seiten zukommt.

Generell ist die Unterstützung durch die Familie

sehr wichtig im Heilungsprozess.

Du hast Dir ein klares Ziel gesetzt. Du willst

zurück an die Spitze. Glaubst Du, dass dieses

klare Ziel Dir den Weg erleichtert?

Ich glaube schon, weil die Vorstellung einmal wieder

Skirennen auf höchstem Niveau zu fahren, mir

auch in schwierigen Momenten Kraft gibt und Mut

macht. Es ist wie eine Vision, ein Licht ganz hinten

im Tunnel. Ich sehe es täglich. Das Zusammensein

gen mehr und auch nicht an die Zeit danach in Innsbruck. Er muss alles neu

lernen. Sein Tempo dabei war weltmeisterlich. Er machte so gute Fortschritte,

dass er das Spital in Bern schliesslich nach 98 Tagen wieder verlassen konnte.

Er hatte in dieser Zeit auch wieder richtig sprechen und begreifen lernen müssen,

dass er nicht alles richtig ausspricht. Sah er beispielsweise einen Schmetterling,

wusste er zwar, was das war, das Wort dafür kannte er jedoch nicht

mehr, Fleisch nannte er AUDI. Auch andere vorher vorhandene Fähigkeiten

waren weg, das Reaktionsvermögen war geringer.

Insgesamt verlief der Reintegrationsprozess von Daniel Albrecht bisher vorbildlich.

Verhältnismäßig kurze Zeit nach dem schweren Unfall arbeitete er

sich zurück in die schweizerische Nationalmannschaft. Die Hoffnung, Anfang

der Skisaison 2009/2010 gleich wieder an die Erfolge des letzten Winters anzuknüpfen,

musste jedoch zunächst revidiert werden. Weltmeister und Olympiasieger

Carlo Janka attestiert Daniel Albrecht dennoch hohe technische

Fertigkeiten und Fähigkeiten, die Zeiten stimmen allerdings (noch) nicht. Der

Weg ist lang, steinig und hart, doch Daniel Albrecht will sich zurückkämpfen.

Damit wird er zum Symbolträger des Projektes »La Cumpogna.« Die Verantwortlichen

des Projektes »La Cumpogna« haben mit Daniel Albrecht gesprochen:

mit meinen Berufskollegen spornt mich an. Trotzdem

muss ich auch realistisch bleiben. Ich hatte

einen schweren Unfall, musste ganz unten wieder

anfangen und muss darauf achten, mich nicht zu

überfordern. Wenn ich mir zu viel Druck mache,

geht es eindeutig schlechter.

Wo hast Du die grössten Fortschritte im Alltag

gemacht?

Durch die Therapien habe ich sicher grosse Fortschritte

in der Sprache und in den Bewegungsabläufen

erreicht. Zusätzlich kommt es immer mehr

auch zu Wiedererkennungseffekten. Trotzdem ist

der Weg lang, Erreichtes scheint plötzlich weg zu

sein. Schwierig sind sicher die Feinkoordination und

das Gefühl für Bewegungen. Diese Schwierigkeiten

hat man aber auch nach einer Verletzung, wenn

man längere Zeit keine Rennen mehr gefahren ist.

Vieles von dem, was Dir früher selbstverständlich

erschien, musst Du Dir neu aneignen.

Was ist dabei für Dich schwierig?

Ich bin in Vielem verunsichert, weil mir der Bezug

zu mir und meiner Wahrnehmung fehlt. So muss

ich mich immer wieder an den Anderen orientieren.

Ich bin darauf angewiesen, die Anderen zu

beobachten. An ihren Reaktionen, erkenne ich

dann, ob ich etwas richtig gemacht habe.

Daniel Albrecht, wir wünschen dir für deinen weiteren

Weg hin zur Weltspitze alles Gute. Insbesondere

danken wir dir für deinen Einsatz in eigener

Sache. Damit wirst du zum Hoffnungsträger für

Menschen mit Einschränkungen.

Jahresbericht 2009

Breite und vielschichtige Öffentlichkeitsarbeit

Hochklassige Gastreferenten, Workshops, Kongressbeiträge

und Publikationen

Vorträge

Insgesamt fanden 2 Vorträge im neuen GKB-Auditorium statt (Jäncke und

Bauer), zusätzlich ein Vortrag in Domat /Ems, daneben mehrere Workshops,

unter anderem einer in Lenzerheide im November mit Prof. Juri D. Kropotov.

9. April 2009 in Domat/Ems:

Martin Lemme: Präsenz als Haltung und Einstellung (siehe Text Seite 8)

24. September 2010 in Chur:

Lutz Jäncke: Musik macht schlau

24. November 2010 in Chur, am Nachmittag:

Joachim Bauer: Das kooperative Gen. Warum ich fühle was du fühlst.

24. November 2010 in Chur, am Abend:

Joachim Bauer: Kreative Strategien in der Biologie.

Was können wir von der Evolution lernen?

DVDs von den Vorträgen

Von allen Vorträgen wurden DVD’s erstellt, welche von der

GTSG zum Selbstkostenpreis von sFr 35,– abgegeben werden.

Eine Mail an die Stiftungsadresse genügt!

Workshops und Kurse

Im Berichtsjahr 2009 haben Vertreter der GTSG im In- und Ausland Vorträge,

Kurse und Einführungen zu verschiedenen neurobiologischen Themen gehalten:

Andreas Müller: Quantitatives EEG und evozierte Potenziale,

Einsteigerkurs, 6 Tage, Schoresch, Wetzikon, 2009

Andreas Müller: Quantitatives EEG und evozierte Potenziale,

Aufbaukurs, 6 Tage, Schoresch, Wetzikon, 2009

Juri D. Kropotov, Andreas Müller: Quantitative EEG and evoked potentials,

A new paradigm, 5 Tageskurs, Berg, Deutschland, 2009

Juri D. Kropotov, Andreas Müller: Quantitative EEG and evoked potentials,

A new paradigm, 5 Tageskurs, Lenzerheide, 2009

Publikationen

Die Gehirn- und Traumastiftung hat folgende Publikationen veröffentlicht:

Andreas Müller, Gian Candrian, Juri D. Kropotov, Valery A. Ponomarev,

Gian-Marco Baschera:

Classification of ADHD patients on the basis of independent ERP components

using a machine learning system. Nonlinear Biomedical Physics 2010,

4(Suppl 1):S1; http://www.nonlinearbiomedphys.com/content/4/S1/S1

Andreas Müller:

Arbeitsgedächtnis-Training – ein neuer Ansatz.

Journal für Lehrerinnen- und Lehrerbildung 4/2009

Folgende Publikationen sind in Vorbereitung und werden 2011 erscheinen:

Andreas Müller, Juri D. Kropotov, Gian Candrian:

Neuro-Diagnostik bei ADHD

Verständliches Sachbuch, erscheint 2011 bei Springer

Juri D. Kropotov, Andreas Müller,

Gian Candrian, Valery Ponomarev:

Neurobiology of ADHD – A New Diagnostic Approach

Based on Electrophysiological Endophenotypes,

erscheint 2011 bei Springer

Daneben wurden auf verschiedenen Kongressen und Veranstaltungen Vorträge

zur Thematik gehalten:

Andreas Müller, Gian Candrian: A systemic model of neuropsychotherapy,

Workshop in Dubrovnik, Kroatien, April 2009

Andreas Müller, Gian Candrian: Endophenotypes in adults with ADHD,

ISNR – Indianapolis, USA, September 2009

Andreas Müller: Panel session: Endophenotypes in practical work,

ISNR – Indianapolis, USA, September 2009

Andreas Müller, Gian Candrian: Poster session: Independent ERP components

in classification of ADHD, Limassol, Zypern, November 2009

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Die wichtigsten GTSG-Forschungsprojekte im Überblick

»Autorität durch Beziehung«

Vortrag von Martin Lemme,

Domat/Ems, 9. April 2009

Forschung: Aus der Praxis - für die Praxis!

Forschen darf nicht Selbstzweck sein

Im Frühjahr 2009 referierte der deutsche Diplom-Psychologe Martin Lemme auf Einladung der GTSG

in Domat/Ems über die Thematik »Neue Autorität«, ein Begriff, der sich im Kontext des herausforderungsreichen,

modernen Erziehungsalltag herausbildete. Im Zentrum steht dabei ein Erziehungskonzept,

dass anstatt auf Macht, Durchsetzung und Kontrolle auf Beziehung, Kooperation

und »Dasein« basiert. In der nachstehenden Zusammenfassung gibt der Referent einen kurzen

Überblick über seine Ausführungen.

Elterliche Präsenz

Durch den Wegfall der traditionellen, allseits anerkannten

Autorität (in der Schule, aber auch im Elternhaus,

Kirche usw.) und das Scheitern permissiver

Erziehungsideen ist ein Vakuum entstanden, welches

sich auch in der öffentlichen Diskussion zeigt. Reality-

Shows wie »Supernanny« propagieren, dass klare

Regeln und Konsequenzen notwendig seien. Die

Metho den wirken teils hart und massiv, werden aber

angesichts des vorgefundenen Chaos als legitim und

notwendig angesehen. Fast wirkt es so, als würde die

Antwort auf die erzieherische Unsicherheit in der Wiederkehr

einer modernen Version der traditionellen

Pädagogik gesucht.

Im Kontrast dazu hat sich im Umgang mit dem immer

schwerer werdenden Erziehungsalltag der Begriff der

»Neuen Autorität« herausgebildet. Dabei geht es um

eine Form von »Anwesenheit« und »Dasein«, die

nicht (primär) auf Macht und Durchsetzung gründet,

sondern auf Beziehung und Kooperation. Diese Haltung

wendet sich gegen jedwede Form von Eskalation

(symmetrisch wie komplementär) und drückt sich in

»Standhaftigkeit« und »Ausdauer« in der Beziehungsgestaltung

aus. Die sich hieraus ergebenden

Interventionsmöglichkeiten zielen darauf ab, verloren

gegangene Präsenz wiederherzustellen und beeinträchtigte

Beziehungen zu erneuern oder neu

aufzubauen, anstatt vordringlich auf Kontrolle und

Disziplin abzuzielen.

Im Zentrum dieser Diskussion steht der Begriff der Präsenz.

Diese lässt sich beschreiben als die Bereitschaft,

im Leben des Kindes anwesend, eine besondere Rolle

spielen zu wollen. Im Sinne eines beziehungsstiftenden

Verhaltens, in einer wachsamen Sorge sind dann

Eltern anwesend als Personen mit eigenen Gefühlen

und Handlungen. Kinder und Jugendliche benötigen

ein Gegenüber, das bereit ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen

und auch zu reiben, ohne dabei abwertend

zu sein. An die Stelle von Strafen rückt dabei

die eigene Beharrlichkeit.

Nach Omer & v. Schlippe lassen sich folgende Prinzipien

für professionelle Präsenz beschreiben:

Physisch (Körperliche Präsenz)

Diese wird sichtbar durch »anwesendes« Verhalten:

geistig wie körperlich. Das Ziel ist, dazubleiben und

auszuhalten, statt sich abzuwenden; ausdauernd und

hartnäckig zu bleiben, statt fortzuschicken. Darin

spiegelt sich auch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung.

Moralisch (Wahrnehmung eigener

Handlungsüberzeugung)

In therapeutischen Kontexten wird dies gelegentlich

als Kongruenz zwischen Handeln und eigener Haltung

beschrieben. Es geht dabei um die innere Überzeugung,

dass das eigene Handeln angemessen und aus

der eigenen Perspektive »richtig« ist. Aus einer inneren

Perspektive wird Selbstwertgefühl erlebt, aus der

äußeren Perspektive wird Klarheit und Eindeutigkeit

wahrgenommen.

Pragmatisch (Erleben eigener

Handlungskompetenz)

Das Erleben und Wissen um mögliche Handlungs -

optionen auch in kritischen Situationen ermöglicht

dem Handelnden ein höheres Selbstwirksamkeits -

erleben. Insbesondere aus dem Bewusstsein heraus,

in kritischen Situationen nicht sofort und endgültig

entscheiden zu müssen, wird ein höheres Maß an

Handlungskompetenz erlebt.

Systemisch (Wahrnehmung und Nutzung

von Unterstützung, Vernetzung)

Wenn Eltern sich gegenseitig als Unterstützung erleben,

fühlen sie sich deutlich stärker. Alleine das Wissen um

eine mögliche Unterstützung lässt Hilflosigkeit schnell

überwinden, weil ich mir mindestens alternativ jemand

anders an die Seite holen kann. Auch die eigene Erweiterung

der Präsenz, was sich durch Kontakt mit Lehrern,

Freunden und Bekannten und anderen Unterstützern

mehr ausdrücken lässt, hilft mir eine Öffentlichkeit zu

erzeugen, die meinem Kind verdeutlicht, dass ich auch

über andere Möglichkeiten anwesend sein kann.

Internal (Erleben von Selbstkontrolle)

Im Laufe der Arbeit mit Eltern, Lehrern und anderen

Pädagogen zeigte sich, dass die selbst erlebte Präsenz

sehr stark damit zusammenhängt, wie es den Erwachsenen

gelingt, ihrer eigenen Selbsterwartung zu

entsprechen. Je mehr aus der eigenen, inneren Sicht

das »gefühlte« Handeln als konstruktiv wahrgenommen

wird, desto mehr steigt die selbst wahrgenommene

Handlungskompetenz und -überzeugung. Als

Autorität wird jemand dann anerkannt, wenn er sich

selbst emotional disziplinieren kann (eskalierendes

Verhalten wertet den Handelnden in der Sicht seines

Gegenübers ab, es wird in der Regel als Schwäche

wahrgenommen).

Intentional (Verbindung und Kontakt herstellen)

Wie bereits beschrieben, erhöht sich die Anerkennung

der Präsenz einer Person offensichtlich durch die von

ihr ausgehende Aufmerksamkeit und ihr Interesse an

den Schülern. Wenn also Eltern oder auch andere Erziehungspersonen

in guten Beziehungszeiten sich bewusst

und aufmerksam Zeit nehmen, den Kontakt

suchen, quasi regelmäßig ein »Beziehungs-Update«

durchführen (die Bindungstheorie nennt das Affektives

Tuning), dann ist eine gute Basis für schwierige

Zeiten gelegt, die diese besser durchstehen lassen.

Auch in kritischen Momenten erleben Kinder und

Jugendliche Grenzen setzendes Verhalten als an -

nehmbarer, wenn dies begleitet ist mit klaren

Kontaktangeboten.

Martin Lemme

»Die Tätigkeiten der Gehirn- und Trauma-Stiftung Graubünden müssen unmittelbar den betroffenen Menschen zugute kommen.« Dies ist das wichtigste

Credo der Forschungsleistungen, welche die Gehirn- und Trauma-Stiftung erbringt. Forschen darf nicht Selbstzweck sein.

Forschung im Rahmen der Gehirn- und Trauma-Stiftung ist Netzwerkarbeit. Wir bauen auf verlässliche Partner im In- und Ausland: Projekte werden

koordiniert diskutiert, geplant, gesteuert durchgeführt und kontrolliert. Dies erfordert gute Kommunikations- und Kooperationsstrukturen. Eine davon

ist sicher COST (European Cooperation in Science and Technology). COST ist eine der ältesten europäischen Instrumente zur Förderung der Zusammenarbeit

zwischen Wissenschaftlern und Forschern in ganz Europa und auf der ganzen Welt. Der Gehirn- und Trauma-Stiftung Graubünden ermöglicht

COST jährlich mehrere Meetings mit hochrangigen Referenten und Gesprächspartnern. Die schweizerische Eidgenossenschaft unterstützt diesen Austausch

durch ein eigenes Sekretariat und jährliche Beiträge. Unlängst wurde Dr. Andreas Müller vom schweizerischen Sekretariat für Bildung und Forschung

als Delegierter der Schweiz in das Managementkomitee der Aktion Consciousness: A Transdisciplinary, Integrated Approach berufen. Die Netzwerk arbeit

der GTSG kann so weiter verbessert werden, da dadurch der Zugang zu den wesentlichen Wissenschafts-Strukturen der Europäischen Union gewährleistet

ist.

Im Folgenden werden die Hauptprojekte dargestellt, an denen die Gehirn-und Trauma-Stiftung derzeit federführend oder partnerschaftlich beteiligt

ist. Diese umfassen die Bereiche ADHD bei Erwachsenen (Forschung ADHD), leichte traumatische Hirnverletzung (Forschung MTBI), Stressabbau nach

schweren Herzattacken (Forschung Herzattacke) und Entwicklungsdysfunktionen (Forschung Polen).

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* Gehirn- und

Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

ADHD bei Erwachsenen:

Ein Projekt im Rahmen der EU

Über 90 Prozent der ADHD-Patienten

zeigen typische abweichende Hirnstromdaten

Die wichtigsten GTSG-Forschungsprojekte im Überblick

Einbezug der Neurobiologie

zur Verbesserung des Outcomes

Leichte traumatische Hirnverletzung

(MTBI Studie)

Man ist sich in der Fachwelt einig, dass die Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung

(ADHS oder auch ADHD), unter der rund jeder zwanzigste

Mensch leidet, neurobiologisch bedingt ist (siehe dazu zum Beispiel Russel

Barkley: ADHD in Adults, 2008). Eine wichtige Rolle spielen dabei

offensichtlich die Gene, aber auch die Umwelt beeinflusst die Störung. Bisher

gibt es jedoch kein wissenschaftlich validiertes Verfahren, mit welchem

diese häufige Störung in der Alltags-Praxis im Einzelfall zuverlässig mit objektiven

Kriterien nachgewiesen werden kann. Das dürfte sich nun ändern.

Wissenschaftler mehrerer Universitäten und Forscher der Gehirn- und

Trauma-Stiftung Graubünden hatten sich zum Ziel gesetzt, die Objektivität

bei der Diagnose von ADHS zu steigern. Mittels der Auswertung von Hirnstrommessungen,

den sogenannten evozierten Potenzialen, die bei der

Ausführung bestimmter kognitiver Aufgaben aufgenommen werden, haben

sie nun eine Methode entwickelt, mit welcher die Störung objektiv und mit

über 90-prozentiger Sicherheit diagnostiziert werden kann. Das Verfahren

beinhaltet einen zwanzigminütigen Konzentrationsverlaufstest, bei dem

die Hirnströme aufgezeichnet werden. Anschliessend werden die Daten mit

komplexen mathematischen Modellen ausgewertet und mit den Testresultaten

von gesunden Personen verglichen. Dadurch lässt sich die Informationsverarbeitung

soweit aufschlüsseln, dass wesentliche Aussagen über

Dysfunktionen in einzelnen Bereichen des Gehirns lokalisiert werden

können. Dazu gehören insbesondere die sensorischen Bereiche, die Speicherung

und die exekutiven Funktionen.

Zurzeit basiert die Diagnose der Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung

hauptsächlich auf Beobachtungen des Facharztes, der unter anderem

Fragebogendaten auswertet. Die Objektivität der Diagnosestellung ist somit

weitgehend abhängig von der Erfahrung des Arztes und der Eigen -

einschätzung des Patienten. Die Kriterien für die Diagnose sind im

diagnostischen und statistischen Manual Version 4-5 (DSM 4-5) des

amerikanischen Institutes für Mental Health, respektive im ICD 10 der WHO

dargestellt. Aufgrund dieser Angaben ist die Störung durch das Vorhandensein

einer bestimmten Anzahl der aufgelisteten Kriterien definiert und

muss bereits in der Kindheit vorgelegen haben. Sowohl die Eigenbeurteilung

der aktuellen Situation als auch der Kindheit sind damit ebenso wie

die Fremdbeurteilungen stark subjektiv geprägt.

Die Wissenschaftler, deren Arbeit Anfang Juni in der Online-Zeitschrift Non-

Linear Biomedical Physics publiziert wurde, untersuchten 74 Männer und

Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren, die aus einer Stichprobe von anfänglich

350 Probanden aufgrund verschiedenster Ausschlusskriterien als

eindeutige ADHD-Fälle übrigblieben. Alle diese Probanden sind von Fachärzten

gemäss DSM 4-5 als ADHD diagnostiziert worden. Nebst der Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung

wiesen rund 80 % der Probanden

noch weitere Symptome auf, welche von den Fachärzten als Komorbidität

eingestuft wurden. Die Hirnstrommessungen dieser 74 Personen wurden

mit jenen einer gleich großen Kontrollgruppe gleichen Alters verglichen.

Beiden Gruppen wurden dieselben Testbedingungen vorgegeben.

Allein mit den evozierten Potenzialen, welche mittels unabhängiger Komponentenanalyse

gewonnen wurden und einem Programm, welches auf

dem Maschinenlernen basiert, liessen sich die beiden Gruppen in einem

Cross-Validierungsverfahren mit einem Index von 92 % trennen. Das

heisst, dass die in dieser Arbeit verwendeten, neurophysiologischen Parameter

für die Diagnosestellung überaus zuverlässig eingesetzt werden

können. Dies ist für die Diagnostik von mentalen Störungen ein sensationell

gutes Ergebnis.

ADHD-typische Abweichungen im QEEG und in gewissen evozierten Potenzialen

werden in der Wissenschaft zwar seit einiger Zeit diskutiert. Keine

der Studien konnte bisher jedoch bei einer so grossen Patientengruppe so

gesichert eine eindeutige Zuordnung finden. Zudem ging man lange davon

aus, dass sich die Störung mit dem Erwachsenwerden auswachse, weshalb

sich die meisten Untersuchungen auf Kinder konzentrierten. Die neue Studie

zeigt nun, dass sich selbst bei Erwachsenen ADHD mit neurobiologischen

Methoden klar identifizieren lässt. Dieselbe Methode hatten die

Wissenschaftler bereits zuvor bei Kindern erfolgreich erprobt.

Ein weiteres Argument für die Methode ist, dass sie kostengünstig, schnell

erlernbar und bereits heute mit vergleichsweise geringen Kosten im klinischen

Alltag eingesetzt werden kann.

Mit der hier validierten Methode lassen sich in Zukunft objektivere und

sehr viel besser reproduzierbare Diagnosen erstellen. Das Verfahren kann

zudem dafür eingesetzt werden, Therapieerfolge und -wirkungen, zum

Beispiel von Medikamenten, nachzuweisen und neutral zu messen.

Weitere Informationen erteilt der Erst-Autor der Studie,

Dr. Andreas Müller (a.mueller@gtsg.ch). Die Studie kann unter

http://www.nonlinearbiomedphys.com/content/4/S1/S1

nachgelesen werden.

Das generelle Ziel dieser Untersuchung ist die Verbesserung der Vorhersage

des Outcomes nach schweren Schädel-Hirn-Traumen aufgrund verfeinerter

neurobiologischer Diagnostik. Die Untersuchung rechtfertigt sich aus

personalen, ethischen, sozialen und finanziellen Gründen.

In einer dynamischen neurobiologischen Sicht geht man heute davon aus,

dass eine Hirnverletzung in den betroffenen Hirnregionen starke Verunsicherung

hervorruft und die Funktionen und Informationsverarbeitungsprozesse

durch einen shut-down Akt einzelner oder aller Hirn-Systeme

gänzlich ausfallen.

Die grosse Entwicklung in den letzten Jahren der bildgebenden Methoden

(MRI, PET, SPECT) hat enorme Fortschritte hinsichtlich der Lokalisation der

Verletzung mit sich gebracht. In Bezug auf die Funktionalität des arbeitenden

Gehirns, welches letztendlich für die Vorhersage aller Bemühungen

hinsichtlich Integration ausschlaggebend ist, lässt sich allerdings wenig

sagen. Methoden und Modelle, die in den letzten Jahren neu entwickelt

wurden, ergeben neue Einsichten, welche in den Rehabilitationsbemühungen

bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma (Traumatic brain injury /TBI

Patienten) nutzbar gemacht werden sollen. Die Methoden, welche in dieser

Untersuchung zum Einsatz kommen, sind nebst der von der Gehirnund

Trauma-Stiftung Graubünden entwickelten Methode der ICA-

Komponentenanalyse bei evozierten Potenzialen sowie die Methode

Diffusion Tensor immaging (TDI).

Partner:

Die Studie wird in Zusammenarbeit zwischen der Klinik Bellikon, der

Gehirn- und Trauma-Stiftung Graubünden und dem Kantonsspital

St. Gallen durchgeführt.

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* Gehirn- und

Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Projekt: Stressabbau

bei schweren Herzattacken

Die wichtigsten GTSG-Forschungsprojekte im Überblick

Projekt: Entwicklungsdysfunktionen

mit der Promyk Slonga Foundation

Das Projekt:

Nach einem akutem Herzinfarkt wird in der Schweiz in der Regel eine

stationäre oder ambulante Rehabilitation über vier bzw. neun Wochen

durchgeführt. Neben körperlichem Aufbautraining werden in der Regel Instruktionen

zur Erkrankung, Ernährung und Stressbewältigung angeboten.

Die bisher angebotenen Programme zur Stressverarbeitung werden als

ungenügend eingestuft.

Untersucht wird ein neues EDV-basiertes Stressabbau-Programm, welches

die Patienten selbstständig und ihren Möglichkeiten angepasst zu Hause

im Rahmen einer ambulanten Behandlung durchführen können.

Folgende Ziele sollen mit der Studie erreicht werden:

1. Verbesserte holistisch ausgerichtete Behandlung.

2. Verbesserung der Nachhaltigkeit der Behandlung.

3. Reduktion der Gesamt-Kosten durch gezielte und überwachte

ambulante Rehabilitation mit spezieller Berücksichtigung des

Stressabbaus.

Studienpopulation:

Die Studie umfasst 100 konsekutive Patienten nach einem akuten Herzinfarkt

und Katheter-Intervention, die während neun Wochen am ambulanten

kardialen Rehabilitionsprogramm des Kantonsspitals Graubünden

teilnehmen.

Studiendesign:

Randomisierung nach dem Zufallsprinzip in die Gruppe A oder Gruppe B.

Gruppe A trainiert drei bis fünf Mal pro Woche mit dem EDV-basierten

Stressabbau-Programm. Die Gruppe B besucht die aktuell angebotene

Instruktion zum Stressabbau.

Umfangreiche Abklärungen zu Beginn und nach Abschluss des Rehabilitationsprogrammes

(Woche 10) sowie nach einem Jahr.

Erfasst werden im Rahmen des Projektes Patienten- und klinische Daten,

Fahrrad-Belastungstest, Stressverarbeitung, neuropsychologische und

neurophysiologische Daten

Studien Eckdaten:

Studienbeginn: Juni 2010

Letzte Untersuchungen: Juni 2011

Studienabschluss: Juni 2012

Stressabbau:

Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Druck und Spannung.

Eine gewisse Dosis an Stress ist für das Leben wichtig (Eustress). Im Zusammenhang

mit Operationen, Krankheiten oder Unfällen entsteht oft eine

belastende Form von Stress.

Der Abbau von Stress geschieht oft natürlicherweise durch Ruhe und Entspannung.

Krankheiten oder heftige koronare Ereignisse sind häufig von

Zweifeln und Unsicherheiten begleitet, die therapeutisch wirksam angegangen

werden müssen.

In dieser Studie soll nicht nur Ruhe induziert werden durch die Verwendung

einer speziellen Technik (Alphastimulation), sondern gleichzeitig eine

mentale Aktivierung angestrebt werden. Dadurch sollen nicht nur neue

Strategien für Entspannung entwickelt werden, sondern gleichzeitig solche

für eine adäquate Aktivierung. Die Aktivierung geschieht mittels Training

des Arbeitsgedächtnisses (Cogmed Training Tools), 30 – 40 Minuten täglich,

vier bis fünf Mal pro Woche während sieben Wochen. Der Trainingsfortschritt

wird laufend überprüft und ein Mal pro Woche mit dem Patienten

besprochen. Das eingesetzte Training ist adaptiv, das heisst es passt sich

laufend den Möglichkeiten des Patienten an.

Partner:

Die Studie wird in Zusammenarbeit mit der Kardiologie, des Departements

Innere Medizin, Kantonsspital Graubünden (Verantwortlich: Prof. Prof. Dr.

med. Walter H. Reinhart, Chefarzt, Innere Medizin; Dr. med. Peter Müller,

Leitender Arzt, Kardiologie; PD Dr. med. Piero O. Bonetti, Leitender Arzt,

Kardiologie), dem Human Brain Institut in St. Petersburg (Prof. Dr. Juri D.

Kropotov) und weiteren Partnern für statistische Berechnungen (ETH Zürich,

Universität Genf) durchgeführt.

Die möglichst frühe Erfassung von neurobiologischen Auffälligkeiten bei

Kindern ist aufgrund verschiedener methodischer Schwierigkeiten noch

kaum angegangen worden. Dabei ergeben sich bei möglichst früher

Erfassung der Schwierigkeiten die besten Heilungschancen, weil das Gehirn

in diesem frühen Stadium die größte Neuroplastizität aufweist.

Die Promyk Slonga Foundation aus Breslau (Polen) ist an die Gehirn- und

Trauma-Stiftung Graubünden herangetreten, mit der Bitte um fachliche

Unterstützung bei der Durchführung des Projektes. Die Promyk Slonga

Foundation ist ein Kinderspital für entwicklungsauffällige Kleinkinder und

Kinder im Vorschulalter. Entsprechend der Gesetzgebung in Polen werden

diese Kinder in so genannte Integrationskindergärten aufgenommen. Die

Stiftung selbst betreibt im Südwesten von Polen, in Breslau, solche Kindergärten.

Die Gehirn- und Trauma-Stiftung hat sich für dieses Projekt mit

dem Institut for Gender and Diversity IGD, Fachhochschule Ostschweiz (FHO),

Head: Prof. Rosmarie Müller-Hotz; c/o HSR Hochschule für Technik Rapperswil,

Oberseestrasse 10, Postfach 147, CH-8640 Rapperswil/HTW Chur,

Ringstrasse/Pulvermühlestrasse, 7000 Chur vernetzt.

Es ist vorgesehen, im Verlauf der nächsten 6 Jahre möglichst viele Kinder in

einem möglichst frühen Entwicklungsstadium zu untersuchen. Diese

Untersuchung wird in der Folge jährlich wiederholt. So lassen sich

Entwicklungsdefizite in Abhängigkeit von den Behandlungsmethoden im

Verlauf beobachten.

Die Studie ist definiert, die Absichtsverträge sind unterschrieben. Die

polnische Stiftung ist mit der Finanzierung betraut. Nebst dem fachlichen

Wissen, welches dieses Projekt erzeugen wird, ist die Netzwerkarbeit im

europäischen Raum mit namhaften Partnern von sehr großer Bedeutung.

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* Gehirn- und

Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Jahresbericht 2009

Stiftungsratsmitglieder:

Präsident:

Dr. iur. Giusep Nay

7077 Valbella GR

Mitglieder:

Bis 31.12.2006 Bundesgerichtspräsident

Prof. Dr. Pius Baschera

8038 Zürich

Verwaltungsratspräsident Hilti AG, Schaan; F. Hoffmann-La Roche Ltd, Basel, VR-Mitglied; Schindler Holding

AG, Hergiswil, VR-Mitglied; Ardex GmbH, Witten (D), Vizepräsident des Beirates; Venture Incubator AG,

Zug, Präsident des Verwaltungsrates; Vorwerk, Wuppertal, Vizepräsident des Beirates; Lehrstuhl an der ETH

Zürich, Professor für Unternehmensführung

Prof. Dr. Theodor Leuenberger

4052 Basel

Gehirn- und Traumastiftung

Graubünden/Schweiz

JAHRESRECHNUNG 2009

1970 bis 1993: ordentlicher Professor der HSG; 1972 bis 1975 Lehrauftrag an der Universität Zürich; 1977 Gastprofessor

an der Universität Bochum; Stockholm School of Economics; Gastprofessur an der Universität in

Tokio

lic. phil. Paul Ruschetti

7208 Malans GR

BILANZ PER 31.12.2009

ERFOLGSRECHNUNG VOM 01.01. - 31.12.2009

ANHANG ZUR JAHRESRECHNUNG 2009

Soziologe; Dozent für empirische Sozialforschung und wissenschaftliche Methodologie an der HTW Chur

Dr. med. Eric Thomann

7000 Chur

BERICHT DER REVISIONSSTELLE 2009

Kinder- und Jugendpsychiater mit eigener Praxis in Chur; Lehrbeauftragter

Dr. phil. I Andreas Müller

7000 Chur

CHUR, 24. März 2010

Psychotherapeut mit eigener Praxis in Chur; Geschäftsführung Gehirn- und Trauma-Stiftung Graubünden;

Präsident HBI Database AG

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* Gehirn- und

Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Jahresbericht 2009

Gehirn- und Traumastiftung

Gehirn- und Traumastiftung

BILANZ PER 31. DEZEMBER 2009 2008

ERFOLGSRECHNUNG 2009 2008

ERTRAG CHF % CHF

%

AKTIVEN CHF % CHF

UMLAUFVERMÖGEN 235.869,49 99,58 145.903,99

Bank GKB CK 442.513.800 228.577,32 141.227,07

Bank GKB CA 442.513.800 731,82 367,57

Bank GKB Mieterkaution 1.523,45 1.515,85

Uebrige Forderungen 87,35 86,25

Aktive Rechnungsabgrenzungen 4.949,55 2.707,25

%

99,59

Betriebsertrag 248.941,65 100,00 172.243,90

Eingang Spenden 4.164,20 10.789,00

Leistung GTSG Projekt 51.508,80 0,00

Spenden projektbezogen 125.000,00 158.364,50

Spenden Projekt Cumpogna 71.500,00 0,00

Vorträge (3.231,35) 3.090,40

AUFWAND

Personalaufwand (9.806,12) (3,94) (5.667,10)

100,00

(3,29)

ANLAGEVERMÖGEN 1.000,00 0,42 600,00

0,41

BRUTTOERGEBNIS I 239.135,53 96,06 166.576,80

96,71

Sachanlagen 1.000,00 0,42 600,00

EEG-Geräte/Hardware 1.000,00 600,00

TOTAL AKTIVEN 236.869,49 100,00 146.503,99

0,41

100,00

Betriebsaufwand (21.838,40) (8,77) (12.769,75)

Mietaufwand (1.062,00) 0,00

Unterhalt/Reparaturen/Ersatz 0,00 (2.280,35)

Sachversicherungen, Abgaben, Gebühren (392,50) (261,65)

Energie- und Entsorgungsaufwand (1.398,90) (602,35)

Verwaltungs- und Informatikaufwand (17.880,60) (9.265,80)

Repräsentations- und Reisespesen (1.104,40) (359,60)

(7,41)

PASSIVEN CHF % CHF

%

BETRIEBSERGEBNIS VOR FINANZERFOLG 217.297,13 87,29 153.807,05

UND ABSCHREIBUNGEN

89,30

FREMDKAPITAL 72.945,15 30,80 61.955,00

42,29

Kurzfristiges Fremdkapital 7.518,05 3,17 15.306,80

Verbindlichkeiten aus Lieferungen/Leistungen 0,00 12.006,80

Passive Rechnungsabgrenzungen 7.518,05 3.300,00

Darlehen 65.427,10 27,62 46.648,20

Darlehen/KK Praxis für Kind, Organ.u.Entw. 65.427,10 46.648,20

10,45

31,84

Projekt ADHD-Studie (120.700,38) (48,49) (127.987,25)

Projektkosten ADHD-Studie (120.700,38) (127.987,25)

Projekt La Cumpogna (14.046,50) (5,64) 0,00

Projektkosten La Cumpogna (14.046,50) 0,00

Projekt Publikationen (451,00) (0,18) 0,00

Projektkosten Publikationen (451,00) 0,00

(74,31)

0,00

0,00

EIGENKAPITAL 163.924,34 69,20 84.548,99

57,71

Stiftungskapital 84.548,99 63.135,69

Jahresgewinn 79.375,35 21.413,30

Finanzerfolg 84,00 0,03 (58,30)

Finanzertrag 257,30 90,40

Finanzaufwand (173,30) (148,70)

(0,03)

TOTAL PASSIVEN 236.869,49 100,00 146.503,99

100,00

BETRIEBSERGEBNIS VOR ABSCHR. 82.183,25 33,01 25.761,50

14,96

Abschreibungen / Wertberichtigungen (2.807,90) (1,13) (2.250,00)

Abschreibungen (2.807,90) (2.250,00)

(1,31)

Ausserordentlicher Erfolg 0,00 0,00 (2.098,20)

Ausserordentlicher Aufwand 0,00 (2.098,20)

(1,22)

JAHRESGEWINN 79.375,35 31,89 21.413,30

12,43

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* Gehirn- und

Trauma-Stiftung

Graubünden | Schweiz

Jahresbericht 2009

Gehirn- und Traumastiftung

ANHANG PER 31. DEZEMBER 2009

Details zur Bilanz per 31. Dezember 2009

Transitorische Aktiven

National Versicherung, UVG 2010

National Versicherung, Betriebshaftpflicht 10

BVG-Nachtrag 09 Candrian

BVG-Nachtrag 09 Coray

National Vers.,UVG-Abrg.09

SVA GR, AHV-Schlussrg.09

National Vers., Sachvers.5.09-4.10

CHF

1.422,40

420,00

81,00

294,15

71,05

2.530,10

130,85

Total Transitorische Aktiven

4.949,55

Transitorische Passiven

Riedi Ruffner Theus AG, Chur

A. Müller, Private Zahlung (Rückzahlung im 2010)

Mujo Malai (Betrifft GmbH - wird im 2010 zurückbezahlt)

Div. Private Zahlungen A. Müller (Wird im 2010 zurückbezahlt)

IBC, Schlussrechnung

CHF

2.500,00

215,90

2.500,00

2.102,15

200,00

Total Transitorische Passiven

7.518,05

Stiftungskapital

Bestand 1. Januar 2009

Jahresgewinn 2009

CHF

84.548,99

79.375,35

Total Stiftungskapital

163.924,34

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