SemesterJournal 2/07 - MBA Programme der HWR Berlin

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SemesterJournal 2/07 - MBA Programme der HWR Berlin

SemesterJournal

Hochschulmanagement im Fokus

Gesundheitliche Auswirkungen befristeter

Beschäftigung Ausgezeichnet: Die

Sommerschulangebote der FHW Berlin

Put Asia on your CV

2/07


02 SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Inhaltsverzeichnis

03

Inhalt

Thema: Hochschulmanagement

im Fokus

Neue Medien

Gleichstellung

Forschung

In, An, Aus der FHW Berlin

Personalia

Rund um's Studium

Alumni

Der internationale Austausch

Impressum

4 Freiheit für die Hochschulleitung? | Henriette Scharfenberg

6 Hochschulsteuerung im Wandel | Interview

8 Wissenschaft im Zentrum der

Managementbemühungen | Jürgen Blum

10 Wettbewerb als Motor des Hochschulwesens? | Olaf Winkel

12 Wiki-Projekte in der Lehre | Ute Hechtner und Heike Wiesner

14 IT-Governance | Michael Sost

15 Frauen-Stipendienvergabe für MBA-Programme zum Wintersemester 2007

16 Girl‘s Day am Fachbereich Berufs akademie | Diana Kreutzer

17 Gender-Lehreinheiten in wirtschaftswissenschaftlichen

Studiengängen | Andrea-Hilla Carl

18 Gesundheitliche Auswirkungen befristeter Beschäftigung | Antje Mertens

20 Gründen und Nachfolgen studieren | Birgit Felden und Christian Baal

22 Die Ostseepipeline und ihre

wirtschaftlichen Folgen | Helmut Maier und Hanna Shcherbich

24 „Der Sinn des Unternehmens –

Strategien und Werte auf dem globalen Marktplatz“ | Sylvia Nave-Brüggemann

26 W-Besoldung: Größere Einkommensunterschiede

an Fachhochschulen? | Viola Philipp

28 Neu berufen

29 Erster Honorarprofessor für den Fach bereich Berufsakademie

29 Gastdozentur für Stefanie Lorenzen

30 Neue Mitarbeiter/innen

32 Die neue Macht des Marketing

33 Im Gesetzgebungslabor | Susanne Meyer

34 Es ist geschafft! | Timo Schneider und Stefanie Jägerling

35 Bildungssysteme im Vergleich | Hanna Shcherbich

36 Vernetzung leicht gemacht | Anke Lüers

37 „Für mich ist ein duales Studium zukunftsträchtig“ | Interview

38 GLU Alumni Summer School 2007 | Harald Kröck und Mirjam Klessen

39 Ausschreibung von Auslandsstudien plätzen für FHW-Studierende

40 „Leben und Studieren an einer

Partnerhochschule der FHW Berlin“ | Alexander Gruschka

42 Ausgezeichnet: Die Sommer schulangebote der FHW Berlin | Katja Zühlsdorf

44 Put Asia on your CV | Michael Tolksdorf

46 Impressum


04

Thema: Hochschulmanagement im Fokus

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Thema: Hochschulmanagement im Fokus

05

Freiheit für die Hochschulleitung?

Text: Henriette Scharfenberg

Freiheit für die Hochschulen – seit

geraumer Zeit wird diese Forderung

landauf, landab erhoben. Nur mit

einem gewissen Maß an Unabhängigkeit

vom Staat und der Fähigkeit,

eigenständig zu entscheiden, wohin ihr

Weg führen soll, seien die Hochschulen

in der Lage, im nationalen und internationalen

Wettbewerb zu bestehen, so

die Meinung. Doch was genau verbirgt

sich hinter der Forderung nach mehr

Hochschulautonomie und wie lässt sich

diese umsetzen?

Dass diese Frage nicht leicht zu beantworten

ist, zeigen die unterschiedlichen

Wege, die die einzelnen Bundesländer

dabei im Rahmen ihrer Kulturhoheit

eingeschlagen haben. Im Zentrum

steht das Verhältnis zwischen Staat und

Hochschulen oder, genauer gesagt, das

Maß der Einflussnahme und der Kontrolle,

die die Wissenschaftsbehörden

ausüben. Dies kann sich in Haushaltsfragen

ebenso niederschlagen wie in

Personal- und Berufungsangelegenheiten,

aber auch in den Modellen, die

für die Organisation der Hochschule

vorgeschrieben oder möglich sind.

Von Globalbudget bis

Berufungshoheit

Einen relativ großen Aktionsradius

haben Hochschulen beispielsweise,

wenn es ihnen möglich ist, mit einem

Globalbudget zu haushalten, dessen

Positionen bzw. Kapitel gegenseitig

deckungsfähig und zeitlich übertragbar

sind. Auch wenn sie eine eigene

Personal verwaltung und Dienstherrenfähigkeit

haben, gibt ihnen das Gestaltungsspielräume.

Wichtig ist darüber

hinaus die Frage, in welchem Maße

der Staat sich neben der Rechtsaufsicht

auch die Fachaufsicht über die

Hochschulen vorbehält. Hierzu zählen

beispielsweise die Genehmigung von

Studiengängen oder die Entscheidung

über Studien- und Prüfungsordnungen,

aber auch die Berufung von Professorinnen

und Professoren.

Einflussnahme behält sich der Staat

auch im Hinblick auf die interne

Organisation der Hochschulen vor. In

der Regel ist im jeweiligen Landeshochschulgesetz

festgeschrieben, welche

Form der Hochschulleitung es gibt, wie

diese durch Gremien ergänzt oder auch

gesteuert wird und welche Form eines

auch extern besetzten Kontrollgremiums

es gibt. Vor allem im Hinblick auf

Letzteres haben in den meisten Bundesländern

inzwischen die Ministerien

zugunsten von Hochschulräten auf Einfluss

verzichtet. Nur sehr vereinzelt –

so in Bremen und Schleswig-Holstein –

gibt es kein derartiges Gremium. In

wenigen Bundesländern ist es vorwiegend

staatlich besetzt oder wird mit

starkem staatlichen Einfluss ausgewählt.

Dies ist beispielsweise in Berlin

laut Gesetz bei den (herkömmlichen)

Kuratorien der Fall, in denen Mitglieder

von Senatsverwaltungen und

Fraktionen des Abgeordnetenhauses

sowie von gesellschaftlichen Interessengruppen

vertreten sein müssen.

Die meisten Bundesländer haben

im Gegensatz dazu in ihren Gesetzen

Aufsichts- bzw. Kontrollgremien

(z. B. Hochschulräte) festgesetzt, die

durch die Hochschule selbst oder

mit Einfluss der Hochschule gewählt

bzw. besetzt werden können und ganz

oder teilweise aus hochschulexternen

Mitgliedern bestehen. Dabei haben die

Hochschulräte unterschiedlich starken

Einfluss – er reicht von reiner Beratung

über Beschlussfassung bezüglich der

Haushaltspläne und der Hochschulentwicklung

bis zur Wahl und Abwahl der

Präsidenten.

Der Grad der Autonomie, den die einzelnen

Bundesländer ihren Hochschulen

in sonstiger Hinsicht gewähren,

variiert beträchtlich, je nachdem, wie

eng die jeweiligen Hochschulgesetze

gefasst sind. Globalbudgets stehen

inzwischen den Einrichtungen in den

meisten Bundesländern zur Verfügung.

Einer der Vorreiter war in dieser Hinsicht

Berlin, aber auch Niedersachsen

und Bremen gaben ihren Hochschulen

haushaltswirtschaftlich relativ früh

viel Spielraum. Ähnliches gilt für die

Deckungsfähigkeit sowie die Möglichkeit

der Rücklagenbildung und Übertragbarkeit

der Haushaltspositionen.

Experimentierklauseln:

Neue Modelle im Test

Hervorzuheben ist das Instrument der

Experimentier- oder Erprobungsklausel.

Dieses ermöglicht es, in der Regel

für eine begrenzte Zeit von bestimmten

gesetzlichen Bestimmungen abzuweichen.

Die Berliner Erprobungsklausel

in § 7a BerlHG führt z. B. aus:

„Die für Hochschulen zuständige Senatsverwaltung

kann auf Antrag einer Hochschule

nach Stellungnahme des Akademischen

Senats und mit Zustimmung

des Kuratoriums … für eine begrenzte

Zeit Abweichungen von den Vorschriften

der §§ 24 bis 29, 34 bis 36 [Regelungen

zu Studium, Lehre und Prüfungen], 51

bis 58 [Regelungen zur Form der Hochschulleitung],

60 bis 75 [AS, Konzil,

Kuratorium] sowie 83 bis 121 [zentrale

Einrichtungen, Haushalt, Personal]

zulassen, soweit dies erforderlich ist, um

neue Modelle der Leitung, Organisation

und Finanzierung zu erproben, die dem

Ziel einer Vereinfachung der Entscheidungsprozesse

und einer Verbesserung

der Wirtschaftlichkeit, insbesondere

der Erzielung eigener Einnahmen der

Hochschule, dienen. Abweichungen von

§§ 87 und 88 [Haushalt] bedürfen des

Einvernehmens mit der Senatsverwaltung

für Finanzen.“

Fast alle Berliner Hochschulen haben

inzwischen Gebrauch von § 7a BerlHG

gemacht. Die FHW Berlin hat so z. B.

im Dezember 2003 ein neues Leitungsmodell

eingeführt, das es nach Fusion

mit der Berufsakademie ermöglichte,

die Dekane der beiden Fachbereiche

gleichzeitig als Prorektoren in die

Hochschulleitung einzubinden. Darüber

hinaus wurde das Kuratorium verkleinert

und seine Zusammensetzung

unter Einbeziehung von Wirtschaftsvertretern

besser an die Bedürfnisse

der Hochschule angepasst. Das Konzil

wurde zugunsten des Erweiterten Akademischen

Senats abgeschafft, dem nun

auch die Mitglieder des Akademischen

Senats angehören.

Ähnliche Abweichungsformeln – mehr

oder weniger umfangreich – finden

sich auch in den Hochschulgesetzen

von Brandenburg, Mecklenburg-

Vorpommern, Hamburg, Bremen, und

Thüringen.

Modellhochschulen als

Pilotprojekte

Besondere Erwähnung verdienen noch

die Modelle, die Hessen und Sachsen

sowie Niedersachsen und Nordrhein-

Westfalen zur Steuerung ihrer Hochschulen

gewählt haben. Hessen und

Sachsen haben sich dazu entschieden,

eine weitgehende Hochschulautonomie

zunächst durch „Modelluniversitäten“

erproben zu lassen. In Hessen bekam

die TU Darmstadt im Januar 2005

befristet bis Ende 2009 den Status

als „erste selbständige Hochschule

Deutschlands“. Damit gingen die

Entscheidungen über Satzungen sowie

über die Einführung und Aufhebung

von Fachbereichen und Studiengängen

vom Ministerium an die Hochschulleitung

über. Auch Haushaltsfragen,

Personal angelegenheiten und die

Immobilien- und Grundstücksverwaltung

können seitdem von der Hochschule

selbst entschieden werden. In

organisatorischer Hinsicht sind ebenfalls

Abweichungen vom Hessischen

Hochschulgesetz zulässig.

Auch Sachsen hat zunächst die TU

Dresden zur Modelluniversität mit

größeren Freiheiten gemacht. Das

entsprechende Gesetz soll im Frühjahr

2008 in Kraft treten und bietet der

Hochschule vor allem Personalautonomie

(ausgenommen allerdings die

Professoren), aber auch ein Globalbudget

sowie organisatorische Reformen.

Die Erprobungsphase ist zunächst auf

drei Jahre begrenzt; bei Erfolg sollen

die Reformen auch an anderen Hochschulen

des Landes möglich werden.

Stiftungshochschulen und

Hochschulfreiheitsgesetz

Niedersachsen eröffnet seinen Universitäten

und Fachhochschulen seit 2002

die Möglichkeit, auf Antrag in eine

rechtsfähige Stiftung des öffentlichen

Rechts überführt zu werden. Die Stiftung

übernimmt dann die Rechts- und

Fachaufsicht sowie die Dienstherrenfähigkeit,

allerdings erfolgt die Berufung

der Professoren noch über das Fachministerium.

Bislang am umfassendsten hat sich

Nordrhein-Westfalen mit seinem im

Oktober 2006 verabschiedeten „Hochschulfreiheitsgesetz“

zur Unabhängigkeit

seiner Hochschulen bekannt.

Alle seine Hochschulen wurden in

diesem Zuge nicht nur aus der Rechts-,

sondern auch aus der Fachaufsicht

des Landes entlassen. Sie haben nun

die umfassende Verantwortung für

Finanz-, Personal- und Organisationsentscheidungen

und auch das Berufungsrecht

für ihre Professoren.

Ob das nordrhein-westfälische Gesetz

zum Modell für die übrigen Länder

wird oder ob es auch in Zukunft eine

Reihe von unterschiedlichen Regelungen

mit abgestuften Graden der

Eigenverantwortung der Hochschulen

geben wird, bleibt abzuwarten – ebenso

wie die Prüfung, ob ein größeres Maß

an Autonomie tatsächlich die Wettbewerbsfähigkeit

der Hochschulen

steigert.


06

Thema: Hochschulmanagement im Fokus

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07

Thema: Hochschulmanagement im Fokus

07

Hochschulsteuerung im Wandel

Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer von CHE Consult, Professor für Hochschulmanagement an der

FH Osnabrück und Mitglied der Kommission zur Evaluation der Leitungsstruktur der FHW Berlin, über Probleme und Chancen

der neuen Managementmodelle

Interview: Henriette Scharfenberg

Prof. Dr. Frank Ziegele

SemesterJournal (SJ): Der Bund zieht

sich immer mehr aus der Hochschulsteuerung

zurück, die einzelnen

Bundesländer bieten den Hochschulen

auf die eine oder andere Weise an, von

den gesetzlichen Normen abweichende

Formen des Managements zu finden,

meist über sog. Experimentierklauseln.

Nordrhein-Westfalen hat mit dem

Hochschulfreiheitsgesetz gleich allen

Hochschulen des Landes die Reform

vorgegeben. Allen Ansätzen gemeinsam

ist: Das Hochschulmanagement

soll professionalisiert werden. Hat die

akademische Selbstverwaltung versagt?

Frank Ziegele (FZ): Nein, so einfach

ist das nicht. Versagt hat einerseits die

staatliche Steuerung; sie hat die Hochschulen

in ein Korsett von schädlichen

finanziellen, personalwirtschaftlichen

und organisatorischen Detailregelungen

eingezwängt, die nach und nach

fallengelassen werden. Andererseits

gab es aber auch Probleme innerhalb

der Hochschulen: So die verfehlte

Überzeugung, dass Professor/innen

qua Amt auch ohne Weiteres in der

Lage sind, eine Hochschule, Fakultät

oder Forschergruppe zu führen und

zu managen. Oder dass es mit kollegialen

Entscheidungen in Senaten

gut gelingt, strategische Prioritäten

einer Hochschule zu setzen. Letztlich

ist die aktuelle Reform eine Stärkung

der akademischen Selbstverwaltung:

Hochschulmanager/innen können

mehr selbst entscheiden, sollen dafür

besser qualifiziert werden, erhalten als

Personen mehr Verantwortung und

werden dadurch entscheidungsfähiger.

Professionalisierung heißt ja nicht, dass

Hochschulen nun von Wirtschaftsbossen

gemanagt werden, sondern von

Wissenschaftlern mit Management-

Know-how.

SJ: Welche Chancen ergeben sich denn

aus Ihrer Sicht für die Hochschulen aus

den neuen Gesetzeslagen?

FZ: Sie werden erstens schneller und

reaktionsfähiger: Personalfragen

können intern gelöst werden, staatliche

Genehmigungen sind in weniger Fällen

erforderlich. Wenn man eine gute Gelegenheit

erkennt, kann man eigenverantwortlich

Geld in die Hand nehmen

und investieren. Zweitens kann man

sich innere Strukturen schaffen, die

für die eigenen Ziele und die spezielle

Situation einer Hochschule optimal

sind (statt staatlichen Einheitsmodellen

folgen zu müssen). Dass beispielsweise

die FHW Berlin in einer bestimmten

historischen Situation die Dekane zu

Mitgliedern der Hochschulleitung

gemacht hat, war dieser Situation

angemessen und wird erst durch innere

Organisationsautonomie möglich. Und

drittens wird die Verantwortung für

die Festlegung von Zielen primär in die

Hände der Hochschulen gegeben. Dies

gibt die Chance, durch innere Prozesse

der Zielbildung die Hochschulangehörigen

zu motivieren und für eine

gemeinsame Sache zu mobilisieren.

SJ: Gibt es ein Modell unter den verschiedenen

bundesweiten Ansätzen,

dem Sie persönlich den Vorzug geben

würden? Weshalb?

FZ: Es gibt kein Idealgesetz, die Gesetze

der Länder haben unterschiedliche

Vor- und Nachteile. In Bezug auf die

Leitungsstrukturen von Hochschulen

würde ich mir etwas wünschen, was es

bisher nicht gibt: Ein Gesetz, das nur

noch wenige Grundprinzipien formuliert

(z. B. „In den Leitungsorganen

der Hochschule sind Aufsichts- und

Umsetzungsfunktion klar zu trennen“),

die in eigenverantwortlich gestalteten

Modellen der Hochschulen zu berücksichtigen

sind. Diese Lösung wäre besser

als Leitungsstrukturen, die sich über

eine Experimentierklausel als Ausnahmen

zunehmend von der eigentlichen

Gesetzeslage entfernen oder Leitungsmodelle,

die zwar vielleicht moderner

sind als die traditionelle Gruppenhochschule,

aber staatlich wieder im Detail

vorgegeben werden.

SJ: Das Hochschulfreiheitsgesetz in

NRW und auch die Experimentierklauseln

in einigen Bundesländern haben

aber auch für Furore und heftige Kritik

gesorgt. Insbesondere wird befürchtet,

dass die paritätische Mitbestimmung

durch den Einsatz von externen Hoch-

schulräten mit weitgehendem Mitspracherecht

ausgehebelt wird. Ist diese

Kritik nicht berechtigt?

FZ: Nein. Hochschulräte haben eine

wichtige Funktion als „Wächter der

Strategie“. Ein FH-Präsident aus Baden-

Württemberg hat mir mal gesagt, das

beste an seinem Hochschulrat sei, dass

die Leute die Finger in die richtigen

Wunden legen und permanent nachfragen

„Passt das, was ihr macht, zu

euren Zielen?“ Die Hochschulräte

sind ja nicht als Organe angelegt, die

sich selbst Ziele und Maßnahmen für

die Hochschule ausdenken, sondern

als Aufsichtsorgan. Und was das Gute

an der neuen Hochschulwelt ist: Sie

eröffnet ganz neue Kanäle für interne

Mitsprache! In Bayern wird z. B. die

sogenannte „erweiterte Hochschulleitung“

aus Präsidium und Dekanen

aufgewertet. Viele Hochschulen geben

mehr Kompetenzen in die Fakultäten,

die Selbstbestimmung erfolgt dann

direkt vor Ort durch die Leistungsträger/innen

in Lehre und Forschung.

SJ: Sind Schwierigkeiten nicht vorprogrammiert,

wenn Präsidenten oder

Rektoren durch ein rein externes Gremium

gewählt und abgesetzt werden

können? Wie weit darf und sollte der

Einfluss der Hochschulräte reichen?

FZ: Das gängige Modell ist die sogenannte

„doppelte Legitimation“: Für

Wahl und Abwahl ist nicht nur der

Hochschulrat, sondern auch der

Senat zuständig. Ich halte diese Idee

für richtig: Die externe Legitimation

verschafft den Führungspersonen eine

gewisse Unabhängigkeit von internen

Verteilungsinteressen, die interne Legitimation

sichert die Unterstützung der

Hochschule und schützt vor dem Verlust

der Bodenhaftung. Senate sollten

meines Erachtens das Abwahlrecht für

Präsidenten und Rektoren unbedingt

behalten. Übrigens ist der Hochschulrat

nicht überall rein extern besetzt; z. B.

können auch in NRW die Hochschulen

zwischen externer und gemischter

Besetzung wählen.

SJ: Die Anwendung des Hochschulfreiheitsgesetzes

in NRW hat gezeigt, dass

es in der Praxis durchaus eine Reihe

von Problemen geben kann, insbesondere,

wenn die Ansichten des Hochschulrates

von denen der Hochschulleitung

abweichen. Wie könnte man diese

Probleme umgehen?

FZ: In NRW fangen die Hochschulräte

ja gerade erst an zu arbeiten oder

werden derzeit eingesetzt, da kann

man diese Beobachtung noch nicht

machen. Probleme gibt es an anderer

Stelle: In Niedersachsen sind Präsidentenwahlen

gescheitert, weil sich Senat

und Hochschulrat nicht einig wurden.

Wenn man die doppelte Legitimation

will, muss man da durch. Das Problem

wird dann gemildert, wenn man

gemeinsame Findungskommissionen

bildet. Schließlich gibt es auch handwerkliche

Fehler in Gesetzen: NRW hat

vergessen, eine Abwahlmöglichkeit für

Hochschulratsmitglieder vorzusehen.

Dies sorgt derzeit an der Uni Paderborn

für erheblichen Ärger, wo man

ein Hochschulratsmitglied eigentlich

loswerden möchte.

SJ: Mehr Freiheit für die Hochschulen

bedeutet gleichzeitig auch neue

Herausforderungen. Die Verwaltung

eines eigenen Budgets, das Gebäudemanagement,

die Personalhoheit auch

über die Professoren, die autonome

Entscheidung über Einführung und

Aufhebung von Studiengängen – das

alles ist nicht einfach zu bewerkstelligen.

Können die Hochschulleitungen

dies alles leisten?

FZ: Ja, unter drei Bedingungen: Erstens

brauchen die Hochschulleitungen die

entsprechenden Qualifikationen. Diese

erhalten sie durch Personalentwicklung

und auf neuen, managementbezogenen

Karrierewegen, die z. B. vom Dekan der

Universität X zum Vizepräsidenten der

FH Y und von dort zum Präsidenten

der Universität Z führen. Zweitens

bedarf es der Dezentralisierung von

Verantwortung auf die Fakultäten

und Fachbereiche; dort ist ein Teil der

Aufgaben noch näher am Geschehen in

Lehre und Forschung zu erledigen. Und

drittens ist die Unterstützung durch

Managementprofis auf allen Ebenen

erforderlich: Qualitätsmanager und

Strategieentwickler auf Leitungsebene,

Fakultätsgeschäftsführer, Manager von

Forschungsclustern usw. Für solche

Leute gibt es übrigens inzwischen

akademische Ausbildungsangebote; ich

selbst biete an der FH Osnabrück ein

berufsbegleitendes MBA-Studium für

Hochschulmanagement an.

SJ: Die Bestrebungen, den deutschen

Hochschulen mehr Autonomie zu

geben, werden weiterhin fortgesetzt.

Die Abschaffung des Hochschulrahmengesetzes

auf der einen Seite, der

Test weitgehender Selbststeuerung in

Modellprojekten wie in Darmstadt oder

Dresden auf der anderen Seite, aber

auch das dauerhafte Angebot von Experimentierklauseln

in den Landeshochschulgesetzen

sind in der Diskussion.

Wo wird der Weg hinführen? Wo sehen

Sie die Hochschullandschaft in fünf

Jahren?

FZ: Sehr viel stärker ausdifferenziert

als heute und mit sinkender Bedeutung

der alten Typenstruktur Uni–FH. Der

Sektor der Exzellenzunis wird sich

absetzen, andere Unis werden zunehmend

zu regionalen Lehruniversitäten,

einzelne FHs werden stärkere Forschungsintensität

entwickeln –

z. B. im „Club“ der „UAS7“, dem die

FHW Berlin und sechs andere renommierte

Fachhochschulen angehören.

Es wird eine Vielfalt interner Steuerungs-

und Organisationsmodelle

existieren, natürlich wird und muss es

in einzelnen Fällen auch ein Scheitern

innerer Reformen geben. Die Hochschulen

werden mehr Anstrengungen

auf Transparenz und Information

verwenden müssen, um eine komplexere

Landschaft für Studierende,

Forschungspartner und Gesellschaft

durchschaubar zu machen.

SJ: Vielen Dank!


08 Thema: Hochschulmanagement im Fokus

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Thema: Hochschulmanagement im Fokus

09

Wissenschaft im Zentrum der

Managementbemühungen

Text: Jürgen Blum

Ich wurde um einen Artikel zur Evaluation

der Gremien- und Leitungsstruktur

der FHW Berlin gebeten,

die ich moderiert habe. Ich möchte

hier nicht den Ergebnisbericht der

Evaluationskommission wiedergeben,

den die Hochschulmitglieder in der

veröffentlichten Lang- und Kurzfassung

nachlesen können, vielleicht auch

sollten. Ich will in dem kurzen Artikel

einige persönliche Anmerkungen zu

einigen mir besonders wichtig erscheinenden

Problemen und Lösungsansätzen

im Wissenschaftsmanagement

machen, die auch bei der Evaluation

der FHW Berlin, zumindest in der

Diskussion, eine Rolle gespielt haben.

Meine Ausführungen geben nur meine

persönliche Meinung und nicht die der

Evaluations kommission wieder.

Management zum Nutzen der

Wissenschaft

Ich benutze lieber den Ausdruck

„Wissenschaftsmanagement“ statt

„Hochschulmanagement“, da mit ihm

klar ist, dass im Zentrum der Managementbemühungen

die Wissenschaft

steht, die Lehre und Forschung und

Nebenfunktionen wie den Transfer

umfasst. Mit dieser Begrifflichkeit wird

klar, dass Management nachweislich (!)

der Wissenschaft nutzen muss. Soweit

dieser Nachweis nicht erbracht werden

kann, sollten Managementprozesse, ihr

Aufwand und die hierfür verantwortlichen

Personen in Frage gestellt werden.

Das gilt für die Verwaltungen der

Hochschule ebenso wie für jegliches

Projektmanagement in der Wissenschaft.

Das gilt auch für Beratungsleistungen,

die nur über den konkreten

Erfolg für die Wissenschaft zu rechtfertigen

sind. Ich verstehe nicht, dass

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

sich inzwischen geduldig einer

Flut sie rechtfertigender Evaluationen

unterziehen, ohne dieses gleichzeitig

und nach einem strengen Maßstab für

ihre Verwaltungen zu verlangen, deren

Aufwand ja aus den Ressourcen für

Wissenschaft bestritten wird.

So kommt eine „billige“ und trotzdem

effiziente Verwaltung der Wissenschaft

direkt zugute. Das hieraus abgeleitete

Motto für Wissenschaftsmanagement

lautet daher: Nur soviel Management,

wie für den Erfolg für Wissenschaft

unbedingt nötig, und das heißt, so

wenig wie möglich! Daraus ergeben

sich die Hauptkriterien für eine Evaluation

von Verwaltung, die meines

Erachtens alle vier Jahre erfolgen sollte.

Soweit die Einleitung, um jeden Zweifel

über die Funktion von Management für

Wissenschaft von vorneherein auszuschließen.

Effektivität und Effizienz auch im

Wissenschaftsmanagement

Eine zweite Vorbemerkung ist,

dass ein auf betriebswirtschaftliche

Kriterien von Effektivität und Effizienz

ausgerichtetes Management aus

der Wirtschaft auf die Wissenschaft

prinzipiell übertragbar ist, wenn es

sich dem Kontext der Wissenschaft

anpasst. Das ist per definitionem ganz

selbstverständlich, da Management

immer akzessorisch zu seinem Gegenstand

ist. Konkret bedeutet das u. a.,

dass Wissenschaftsmanagement nicht

genauer sein kann als die Wissenschaft

selber und dass für ihre Unwägbarkeiten

auch im Management die erforderlichen

Freiräume und Flexibilitäten

vorgehalten werden müssen. Das aber

darf von der Wissenschaft nicht als

ein Vorwand, eine generelle Abwehr

und prinzipielle Diskreditierung von

Wissenschaftsmanagement missbraucht

werden. Viele Bereiche des Managements

sind aus der Wirtschaft direkt

auf die Wissenschaft übertragbar, wenn

es z. B. nicht direkt um die eigentlichen

Wissenschaftsprozesse geht, sondern

um die Betriebsfunktionen der Wissenschaftseinrichtungen,

die Administration,

die Infrastrukturen etc., die einen

ganz wesentlichen Produktions- und

Kostenfaktor für Wissenschaft darstellen.

Das wird vielfach von den Wissenschaftler/innen

nicht gesehen. Sie

trauen sich in ihrem aus wissenschaftlichem

Erfolg abgeleiteten Übermut

Leitungsfunktionen im Management

von Wissenschafts-„Unternehmen“(!)

zu, für die sie nicht ausgebildet sind

und die sie häufig überfordern. Für

diesen Zusammenhang fehlt vielfach

das Bewusstsein, da für Folgen solchen

Missmanagements nicht gehaftet wird.

Diese Kultur des professionellen Dilettantismus

findet auch kein generelles

Korrektiv durch die hauptamtlichen

Administratoren, die nach wie vor

weitgehend eine juristische Ausbildung

und Ausrichtung haben und es ebenfalls

nicht können. Hier liegt ein doppelter,

sich gegenseitig verstärkender

Effekt von spezieller Unfähigkeit vor,

der der Wissenschaft schadet.

Ich will im Nachfolgenden thesenartig

einige mir besonders wichtig erscheinende

Managementaspekte ansprechen,

die mir im Generellen und auch für

die FHW Berlin als besonders wichtig

erscheinen:

Unter den Gesichtspunkten von

Management sind Strategie und

Strategieentwicklung essentiell, sozusagen

der Beginn von Management.

Ohne eine zielgerichtete, umsetzbare

Strategie kann man allenfalls von

Verwaltungen – Fortschreibung eines

Zustands, der sich höchstens zufallsbedingt

ändert – sprechen, bestenfalls

von Administration – Verwaltung als

Zuwendung zur Wissenschaft. Erst

Strategie macht den Managementprozess

zu einem zielgerichteten und

vom Management zu verantwortenden

Vorgang. Dies ist ein top-down angestoßener

Vorgang, der in einem organisierten

Strategieentwicklungsprozess

im Gegenstromverfahren das gesamte

Wissenschaftsunternehmen erfasst und

so zu einer Identifikation durch aktive

Mitwirkung und Auseinandersetzung

mit der Strategie führt. Der Strategieentwicklungsprozess

ist die wichtigste

Führungsaufgabe, für die nicht nur

Fantasie sondern auch handwerkliches

Können zur Durchführung des Prozesses

notwendig sind.

Zur Strategieentwicklung gehört

notwendigerweise auch eine professionelle

Kommunikation. Hierunter

ist nicht zu verstehen, dass viele viel

miteinander reden, sondern dass

obligatorische Kommunikationsstrukturen

etabliert werden. Das heißt, die

gezielte Information zur rechten Zeit

wird zur Dienstpflicht und ihre Verletzung

ist arbeitsvertragliches Dienstvergehen

mit den möglichen rechtlichen

und tatsächlichen Konsequenzen. Ich

kenne keine Wissenschaftseinrichtung,

bei der ich die Kommunikationsstrukturen

nicht als mehr oder weniger stark

defizitär bezeichnen würde, auch die

eingeschlossen, bei denen ich selber

hierfür Verantwortung getragen habe.

Das Personalmanagement ist der kritische

Erfolgsfaktor für Wissenschaftsmanagement.

Im Personalmanagement

fehlen im öffentlichen Bereich vor

allen Dingen die monetären Incentives.

Wenn auch die persönlichen Incentives,

die stimulierende und selbstbestätigende

Beschäftigung mit Wissenschaft,

in der Regel stärker wirken mögen als

ein geldwerter Anreiz, sollte dieses aber

nicht zu einer verklärenden Idealisierung

mäßig bezahlter und stark

regulierter Tätigkeit in Lehre und Forschung

führen. Hier gibt es aus meiner

Sicht ein starkes Motivationsdefizit und

gleichzeitig bei der öffentlichen Hand

wie auch bei der Wissenschaft selbst

weder Neigung noch durchsetzbare

Vorstellungen, diesen Zustand wirksam

zu verändern.

Ein weiterer wichtiger prinzipieller

Punkt ist das Verhältnis von Zentralität

und Dezentralität: Es gilt der

Grundsatz „Soviel Dezentralität wie

möglich und soviel Zentralität wie

unbedingt nötig“. Die Umsetzung

dieses Subsidiaritätsprinzips stellt hohe

Ansprüche an die Führungspersonen

auf der zentralen und der dezentralen

Ebene, die auf der einen Seite die strategische

Verantwortung und Delegation

deren Umsetzung beherrschen

und auf der anderen Seite die operative

Umsetzungsverantwortung übernehmen

müssen.

Drohende Handlungsautonomie?

Das Wissenschaftssystem im universitären

und außeruniversitären Bereich

ist in einem weiteren Umbruch: Ihre

Finanzierungsnöte versucht die öffentliche

Hand dadurch zu lindern, dass

sie den Wissenschaftseinrichtungen,

insbesondere den Hochschulen, unter

Chiffren wie „Solidarpakt“, „Globalhaushalt“

etc. eine Autonomie einzuräumen

vorgibt, die das (dann insoweit

arbeitslose) Mittelmanagement

der Wissenschaftsministerien nicht

wirklich will und zu der das hierauf

nicht vorbereitete Management der

Wissenschaftseinrichtungen (noch)

nicht befähigt ist. Über Jahrzehnte

haben die Wissenschaftseinrichtungen

diese Chance verwirklichter Handlungsautonomie

für sich gefordert, die

nun zu drohen scheint. Hieraus ergeben

sich Reaktionsnotwendigkeiten,

von denen ich nur einige stichwortartig

ansprechen möchte:

Es bedarf der weiteren Professionalisierung

auch im Managementbereich.

Zur Strategie gehört daher ein Konzept

der Personalentwicklung mit einer

darauf abgestimmten Fort- und Weiterbildung

und dessen Finanzierung

in einem der Industrie vergleichbaren

Umfang.

Konsequenz der ausgeweiteten Selbstverantwortung

der Wissenschaftseinrichtungen

muss ein erfolgsorientiertes

Qualitätsmanagement im Hinblick auf

die Leistungen und Produkte der Wissenschaftseinrichtungen

sein. Dieses

steckt erst in den Anfängen.

Ehe Studenten und Studentinnen

zur erfolgsbestimmenden Kundschaft

von Hochschulen werden, müssen

deren Leistungen stärker auf diese

zugeschnitten und wirksame Marketingkonzepte

entwickelt werden.

Interessanterweise hat ein erfolgreicher

Finanzdienstleister, der das akademische

Personal als Zielgruppe hat,

hierfür das Modell der Career-Center

entwickelt, das in ersten Ansätzen nun

im Hochschulbereich übernommen

wird. Mit diesem Konzept gilt es sich

auseinanderzusetzen und es fortzuentwickeln.

Das öffentliche Vergütungssystem,

dem die Wissenschaftseinrichtungen

unterworfen sind, bietet bei guten

Verdiensten für ordentliche, aber nicht

herausragende Leistungen und hoher

Beschäftigungs- und Versorgungssicherheit

keine ausreichenden Incentives

für die besondere Leistung. Nach

20-jähriger Diskussion um einen

eigenen Wissenschaftstarif habe ich

den Glauben an Einsicht und Durchsetzung

verloren und setze auf eine

an sich unvernünftige Kompensation

durch Nebentätigkeiten, z. B. an

sogenannten „An-Instituten“, die es

inzwischen an allen im Drittmittelbereich

erfolgreichen Wissenschaftseinrichtungen,

insbesondere in den

Ingenieurwissenschaften, gibt. Diese

intelligenten Umgehungsstrukturen

mit ihren zum Teil hervorragenden

Forschungs-, Ausbildungs- und Transfereffekten

werden inzwischen zum

Glück selbst von den Rechnungshöfen

nicht mehr diskreditiert, sondern sogar

begrüßt, sind aber insoweit ein Testat

für die Unfähigkeit des öffentlichen

Systems.

Ein perspektivisch besonders wichtiger

Entwicklungsschwerpunkt für die

Wissenschaftseinrichtungen sind die

IT-Infrastrukturen, die ich in nur zwei

Gesichtspunkten ansprechen will: Die

IT-Serviceprozesse als Umsetzungsfunktionen

für Wissenschaft und

Management bedürfen einer hohen


10 Thema: Hochschulmanagement im Fokus

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Thema: Hochschulmanagement im Fokus

11

Wettbewerb als Motor des

Hochschulwesens?

Eine Betrachtung aus dem Blickwinkel von Fachhochschulen

Text: Olaf Winkel

Die deutsche Hochschullandschaft

befindet sich im Umbruch. Ziel ist

dabei nicht nur die Schaffung eines

einheitlichen europäischen Hochschulraums

im Sinne der Erklärung von

Bologna, sondern auch eine Steigerung

der Qualität von Forschung und Lehre

an den heimischen Hochschulen, die

viele für im internationalen Vergleich

nicht mehr konkurrenzfähig halten.

Ein Element der Hochschulreform ist

die Aufwertung von Wettbewerb, dem

Ökonomen die Fähigkeit zuschreiben,

die Ressourcenallokation optimieren,

Innovationsfähigkeit erhöhen,

Monopolbildung verhindern und

einer leistungsgerechten Einkommensverteilung

Vorschub leisten zu

können. Wettbewerb soll künftig nicht

nur innerhalb der Hochschulen eine

zentrale Rolle spielen, sondern auch im

Verhältnis zwischen den Hochschulen

in den Varianten von künstlichem und

echtem Wettbewerb. Während echter

Wettbewerb für Leistungsbereitstellung

Spezialisierung und Professionalität,

die jedenfalls von kleineren und

mittleren und manchmal auch großen

Wissenschaftseinrichtungen nicht

vorgehalten werden kann. Hier sollten

Konzepte des Jobsharings bis hin zum

Outsourcing entwickelt und modellhaft

ausprobiert werden, um die erheblichen

Effizienzpotentiale zugunsten

der Wissenschaft auszuschöpfen. Dem

steht tendenziell der individuelle Übermut

der Wissenschaft entgegen, die ihr

unreflektiertes Vorurteil pflegt, hier

sei die Wissenschaftsfreiheit gefährdet.

Ein spezielles und besonders wichtiges

Problem der IT-Infrastrukturen ist das

der IT-technologischen Unterstützung

und Umsetzung von Vernetzungsstrukturen,

die zwar in aller Munde

sind, ohne dass aber die Problematik

wirklich klar beschrieben ist.

Die angeführten Punkte sind nur eine

Auswahl, die Statements und Argumentationen

sind um die Differenzierung

verkürzt und sollen nur

Diskussionsbeiträge sein, wenn auch

zum Teil dezidierte.

Ich bewundere die FHW Berlin um

ihren gut gelaunten Mut, mit der sie

wichtige Initiativen ergriffen hat, um

ihre Zukunft tatkräftig in die eigenen

Hände zu nehmen und sie zu gestalten.

Die zweimalige Fusion, zunächst mit

der Berufsakademie und jetzt mit der

unter Konkurrenzbedingungen steht,

geht es beim künstlichem Wettbewerb

darum, Konkurrenzbedingungen zu

simulieren, etwa indem mit Hilfe von

Kennzahlen Leistungsvergleiche durchgeführt

und diejenigen belohnt werden,

die dabei besonders gut abschneiden.

„Die Hochschulpolitik vernachlässigt

bei der Umstellung auf die

zweistufige Studienstruktur die

Tatsache, dass funktionierender

Wettbewerb vergleichbare Ausgangsbedingungen

auf Seiten der

Wettbewerber voraussetzt.“

Schwierigkeiten im Bereich des internen

Wettbewerbs, wie sie etwa bei der

Messung und Bewertung individueller

Leistungen auftreten, finden inzwischen

zunehmend Beachtung. Die Probleme,

die insbesondere echter Wettbewerb

zwischen Hochschulen nach

Fachhochschule für Verwaltung und

Rechtspflege, hat aus meiner Sicht ein

ungeheueres Potenzial, das meines

Erachtens allerdings in beiden Fällen

noch nicht annähernd ausgeschöpft

ist. Dies zu fördern und hierzu Hilfestellung

zu leisten, war die eigentliche

Aufgabe der Evaluationskommission,

deren Empfehlung nun vorliegt. Es ist

nicht der Anspruch, dass sie befolgt

wird. Wichtig ist, dass wir einen Beitrag

zur Auseinandersetzung der Hochschule

leisten. Dazu kann man nur

Glück wünschen und gespannt sein.

Prof. Dr. Jürgen Blum ist Rechtsanwalt

und Berater des Zentrums für Wissenschaftsmangement

(ZWM) e. V. Speyer.

sich ziehen kann, sind dagegen bislang

weitgehend unterbelichtet geblieben.

Gerade sie erscheinen aber aus Sicht

von Fachhochschulen besonders

brisant. Denn die hierzulande angestrebte

Umwandlung der Hochschullandschaft

in ein System „innovativer

Hochschultypen jenseits der bestehenden

Einteilung in Universitäten und

Fachhochschulen“, die miteinander in

einen intensiven Wettbewerb treten

(Lothar Zechlin, langjähriger Rektor

der Universität Duisburg-Essen),

stellt die Fachhochschulen vor neue

Herausforderungen, die sie unter den

gegebenen Voraussetzungen kaum

bewältigen können. Zurückzuführen

ist dies darauf, dass die Hochschulpolitik

bei der Umstellung auf die zweistufige

Studienstruktur die Tatsache

vernachlässigt, dass funktionierender

Wettbewerb vergleichbare Ausgangsbedingungen

auf Seiten der Wettbewerber

voraussetzt.

Die Ungleichbehandlung von Universitäten

und Fachhochschulen beginnt

schon bei der staatlichen Forschungsförderung,

welche dazu tendiert,

Fachhochschulbelange auszublenden.

Deutlich geworden ist dies auch bei

der Ausgestaltung der Exzellenzinitiative,

durch die im Zeitraum von 2005

bis 2011 1,9 Milliarden Euro in das

deutsche Hochschulsystem gepumpt

werden sollen. Noch problematischer

wirken sich aber abweichende strukturelle

Rahmenbedingungen aus.

Während die Lehrverpflichtung der

Hochschullehrer an Universitäten acht

Wochenstunden beträgt, liegt sie an

Fachhochschulen bei achtzehn Stunden.

Während Universitäten über einen

akademischen Mittelbau zur Unterstützung

der Hochschullehrer verfügen,

fehlt es an Fachhochschulen zumeist an

einem solchen.

Die hohe Lehrverpflichtung an

Fachhochschulen, welche angesichts

der Informationsexplosion in fast

allen Fachgebieten schon längst nicht

mehr zeitgemäß ist, geht dort häufig

zu Lasten der Forschung. Ohne ein

Mindestmaß an Forschung lässt sich

aber weder eine hochwertige Lehre

gewährleisten noch das Renommee

sichern, das eine Hochschule benötigt,

um Studierende anzuziehen und

Arbeitgeber von der Qualität ihrer

Ausbildung zu überzeugen. Dass man

sich dieses Umstands in der Hochschulrektorenkonferenz

und in vielen

Kultusministerien durchaus bewusst ist,

zeigt die Diskussion um die Einrichtung

sogenannter Lehrprofessuren an

Universitäten. Darin hat sich nämlich

relativ schnell die Einschätzung durchgesetzt,

dass eine über zwölf Semesterwochenstunden

hinausgehende

Lehrverpflichtung kaum sinnvoll ist,

weil Hochschullehrer ausreichend Zeit

benötigen, um sich in ihren Fachgebieten

auf dem aktuellen Stand zu halten

und durch Publikationen die Fähigkeit

zu einer hochwertigen Lehre unter

Beweis zu stellen. Vor der Konsequenz,

dieser Erkenntnis auch im Hinblick auf

Fachhochschulen Geltung zu verschaffen,

scheuen die Verantwortlichen aber

bis heute zurück.

Die Asymmetrien in der Ausstattung

der deutschen Hochschulen lassen sich

auch in Geld ausdrücken. Während die

jährlichen Aufwendungen für einen

Studienplatz an Universitäten 7.400

Euro betragen, liegen sie an Fachhochschulen

bei 4.300 Euro. Und schließlich

führen spezielle hochschulpolitische

Feinjustierungen dazu, dass an Fachhochschulen

erworbene Bachelor- und

Mastergrade trotz der nominellen

Gleichstellung weniger wert sind als

solche, die von Universitäten stammen.

Dies gilt schon hinsichtlich der weiteren

Qualifikationsperspektiven. Ob

ein Fachhochschulbachelor Zugang zu

einem universitären Master studiengang

bekommt und wenn, unter welchen

Bedingungen, entscheiden die Universitäten.

Ebenso wenig hat ein

Fachhochschulmaster Anspruch auf

Zugang zu den Promotionsstudiengängen

der Universitäten, die das

Promotions privileg aller Voraussicht

nach exklusiv behalten werden. Auch

hier ent scheiden die Universitäten

über die Zulassung – und diese haben

es Fachhochschulabsolventen mit entsprechenden

Ambitionen schon in der

Vergangenheit schwer gemacht.

„Schweben die Fachhochschulen

vielleicht in der Gefahr, zum

billigen Jakob der deutschen

Hochschullandschaft abzusinken?“

Nicht gleichwertig sind die Abschlüsse

von Universitäten und Fachhochschulen

auch dort, wo es um Beschäftigungsperspektiven

im öffentlichen

Dienst geht. Dass ein Universitätsmaster

die Befähigung für eine Laufbahn

im höheren Dienst besitzt, steht in

traditioneller Weise außer Frage. Bei

einem Fachhochschulmaster wird eine

entsprechende Zulassung dagegen an

die Erfüllung zusätzlicher Voraussetzungen

gebunden. Für erforderlich

hält man dabei nicht nur eine entsprechende

Feststellung in der Akkreditierungsurkunde,

sondern zumeist auch,

dass die jeweils zuständige oberste

Dienstbehörde die Eignung der Ausbildung

für den höheren Dienst explizit

anerkennt.

Angesichts der geschilderten Wettbewerbsnachteile

ist nicht auszuschließen,

dass es mit den Fachhochschulen von

dem Augenblick an bergab gehen wird,

an dem sich die heute noch primär

forschungsfixierten Universitäten

stärker für die Lehre und insbesondere

die Bachelorausbildung erwärmen.

Schweben die Fachhochschulen

vielleicht in der Gefahr, zum billigen

Jakob der deutschen Hochschullandschaft

abzusinken und eines Tages nur

noch Abschlüsse anbieten zu können,

die studierwillige junge Menschen und

Arbeitgeber zu Recht als zweitklassig

ablehnen? Diese Frage stellt sich inzwischen

durchaus.

Allerdings zeichnen sich in einzelnen

Bereichen auch Entwicklungen ab, die

den Fachhochschulen den Rücken stärken.

So hat sich der Bund kürzlich dazu

durchgerungen, von der Diskriminierung

von Fachhochschulmastern beim

Zugang zum höheren Dienst Abstand

zu nehmen. Und es gibt inzwischen

Anzeichen dafür, dass vielleicht auch

Landesminister diesem Beispiel folgen

werden. Die Hochschulpolitiker, auf

die es hier entscheidend ankommt, verhalten

sich gegenüber den Problemen

der Fachhochschulen aber weiterhin

eher indifferent. Insbesondere sind sie

längst überfällige Nachbesserungen in

den Bereichen der Lehrdeputate und

der Ressourcenausstattung bis heute

weitestgehend schuldig geblieben.

In den vergangenen Jahrzehnten haben

sich die Fachhochschulen vor allem

durch die Fähigkeit, eine hochwertige

Lehre mit anwendungsorientierter

Forschung zu verbinden, zu einem

konstituierenden Element des deutschen

Hochschulwesens entwickeln

können. Um ihr Potential zu erhalten,

sollte ihnen eine faire Chance gegeben

werden, sich im Wettbewerb zu

behaupten.

Der Autor ist Professor für Public

Management mit dem Schwerpunkt

Verwaltung an der FHVR Berlin.


12 Neue Medien

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Neue Medien

13

Wiki-Projekte in der Lehre

„Gruppen-Lernprojekt: interessant, praxisnah, empfehlenswert.“

Text: Ute Hechtner und Heike Wiesner

Entscheidend für die Akzeptanz und

die kreative Nutzung von Informationstechnik

in Lern- und Arbeitskontexten

ist, dass die Nutzenden die Technologie

als komfortabel und vertraut empfinden.

Die Dinge zu vereinfachen, ist

eine gute Ausgangsbasis, um Softwareprojekte

zu verbreiten. „Partizipative

Softwaregestaltung“ geht jedoch einen

Schritt weiter. Die potenzielle Gruppe

von Nutzer/innen in den Gestaltungsprozess

der Technologie zu integrieren,

kann dazu führen, dass Software nicht

mehr als statisches Produkt, sondern

als Prozess empfunden wird.

Das Lernziel der Lehrveranstaltung

„Grundlagen der Wirtschaftsinformatik“

besteht nicht nur darin, die

Studierenden über Datenbanken,

IuK-Systeme in Unternehmen etc. zu

informieren, sondern sie auch mit

Softwareentwicklungsprozessen direkt

in Berührung zu bringen: Im Ersten

Studienabschnitt der Bachelor-Studiengänge

geht es v. a. um eine wissenschaftliche

Grundausbildung, in der

auch die Praxisbezüge zu verdeutlichen

sind.

„Das Projekt hat auf jeden Fall Spaß gemacht ...“

Software- bzw. Systementwicklung

ist die Gestaltung rechnergestützter

Informations- bzw. Anwendungssysteme,

die i. d. R. mit Hilfe eines

Vorgehensmodells konzipiert wird und

u. a. eine Analyse-Phase beinhaltet.

Dieser Aspekt lässt sich hervorragend

in authentische, realitätsnahe

Lernprojekte übertragen. Auch in der

beruflichen Zukunft der Studierenden

werden Vorgehensmodelle eine Rolle

spielen, da Endbenutzer/innen in die

Entwicklung von Software einbezogen

werden.

„Für die Software-Entwicklung sind

Systemanalytiker/innen oder Programmierer/innen

zuständig“, so lautete die

Meinung der Studierenden. Das Thema

hatte in ihren Augen eine geringe

Gegenwartsbedeutung, da sie ja Wirtschaft

und nicht Informatik studieren.

Insofern wurde der Lehr-Lerninhalt

als „verordnet“ empfunden. Um

den Studierenden den thematischen

Zugang zu erleichtern, wurden sie

in praxisnahen Projekten mit Aufgabenstellungen

konfrontiert, die an

ihre Interessen und Vorkenntnisse im

Foto: Ute Hechtner

Umgang mit Computer bzw. Internet

anknüpften. Im Vordergrund stand

dabei, dass digitale Medien nicht nur

zur Wissensrepräsentation oder zum

Transport für deklaratives Wissen, sondern

auch als kognitive Werkzeuge für

die aktive Wissenskonstruktion dienen

sollten. Um dieses Ziel zu erreichen,

wurde während des Semesters mit dem

Wiesner-Wiki 1 gearbeitet.

Die sogenannte Wiki-Technologie

ist eines der Herzstücke der Web-

2.0-Anwendungen und steht für

Nutzerfreundlichkeit, Standardisierung,

Mitwirkung, Weiterverwendbarkeit

und – als fast unbeabsichtige

Nebenfolge – Wirtschaftlichkeit. Statt

(moderner) Geschlossenheit wird

postmoderne interaktive Offenheit

proklamiert. In Wikis findet das kooperative

und konstruktivistische Arbeiten

seine volle Entfaltung. Die Grenze

zwischen Lehrenden und Lernenden

wird absichtsvoll vermischt und lädt zu

neuen Lehr-Lernformen und inhaltlichen

Neuorientierungen ein – ein

grenzüberschreitender Schmelztiegel

aus Laien- und Expertenwissen. Wikis

vereinen damit kollektives Wissen, das

nicht nur abgerufen, sondern zugleich

auch weiterentwickelt werden kann.

Die Wiki-Technologie für die Lehrveranstaltung

nutzbar zu machen,

war daher nahe liegend. Lernprojekte

innerhalb der Lehrveranstaltung

„Grundlagen der Wirtschaftsinformatik“

bei Prof. Wiesner zu erproben,

wurde von Ute Hechtner angeregt,

geplant und direkt umgesetzt. So hat

sich ein Team gefunden, das nicht nur

Wiki-Begeisterung auslösen konnte

(Wiesner), sondern auch über mediendidaktische

Kompetenzen in Sachen

„Lernprojekte“ (Hechtner) verfügte.

Nach einer kurzen Einführung in die

Handhabung des Wikis konnten die

Studierenden eigene Web-Seiten mit

Artikeln zum Vorlesungsstoff (z. B.

Fachbegriffe) anlegen, verfassen und

miteinander verlinken. Jede Arbeitsgruppe

erhielt einen Projektauftrag

mit der Aufgabe, eine Ist-Analyse zu

Internet-Anwendungen durchzuführen.

Die Studierenden konnten sich

entscheiden, ob sie Firmen-Wikis oder

die Gebrauchstauglichkeit, das Suchmaschinen-Ranking

bzw. den Online-

Kundenservice der FHW-Webpräsenz

untersuchen.

Die Lernprojekte waren so formuliert,

dass die Studierenden keine vorgefertigten

Lösungswege abarbeiten konnten.

Die beiden Lehrenden begleiteten

stattdessen die Lernprozesse. Das

Fehlen von konkreten Handlungsanweisungen

zur Lösung der Aufgaben

irritierte die Studierenden anfänglich.

Doch bereits nach einer zweiwöchigen

Einarbeitungszeit zeigte sich, dass die

Beschäftigung mit dem jeweiligen

Thema das Interesse der Studierenden

geweckt hatte. In einem Zwischenfazit

präsentierten die Gruppen erste

Lösungsansätze. Das Wiesner-Wiki

wurde zur Dokumentation der Lernergebnisse

und für Absprachen hinsichtlich

der Arbeitsaufteilung rege genutzt.

Ende Mai referierten die Studierenden

zu ihren Themen und den Ergebnissen

ihrer Lernprojekte. Dabei wurden die

Stärken bzw. Schwächen des Internetauftritts

der FHW Berlin sowohl

aus der Perspektive verschiedener

Zielgruppen als auch im Vergleich zu

konkurrierenden Hochschulen aufgezeigt

und Vorschläge zur Verbesserung

unterbreitet. Darüber hinaus wurde

ein Kontakt mit der Synaxon AG, der

größten IT-Verbundgruppe Europas,

hergestellt. Die Studierenden interviewten

den CEO des Unternehmens,

Frank Roebers, zu seinen Erfahrungen

im Hinblick auf die Einführung eines

Firmen-Wikis. Selten wurden wirtschaftliche

Aspekte so hautnah in eine

Grundveranstaltung integriert.

Fazit

Mit den Lernprojekten wurde konstruktives,

kooperatives und selbstgesteuertes

Lernen ermöglicht. Die Studierenden

zeigten großes Engagement,

um innovative und kreative Lösungsansätze

zu finden. Die Einladung zur

Wissenskonstruktion wurde von ihnen

gern angenommen: „Das Projekt hat

auf jeden Fall Spaß gemacht und mir

persönlich viel mehr gebracht als mein

EDV-II-Kurs.“, „Lernprojekte fördern

selbständiges Arbeiten ... Learning by

Doing gewährleistet tieferen Einblick

ins Fachgebiet.“, „Projekt war sehr

gut, man hat auf jeden Fall was für die

Zukunft gelernt.“ „Gruppenlernprojekt:

interessant, praxisnah, berufsorientiert,

empfehlenswert.“

Die Konzeption und Betreuung der

Lernprojekte waren Teil der Masterarbeit

„Digitale Medien und Wissensgenerierung

in Lehr-Lernkontexten.

Lernprojekte zur Förderung von

Medienkompetenzen bei Studienanfängern.“

(Universität Rostock). Ohne

diesen speziellen Kontext wären die

Lernprojekte nicht möglich gewesen.

Doch jenseits der guten Zusammenarbeit

zwischen den beiden Dozent/innen

gilt der Dank den Studierenden der

Lehrveranstaltung. Sie haben deutlich

gemacht, dass mehr Potenzial in ihnen

schlummert, als vorab vermutet. Eine

tolle Erfahrung für alle Beteiligten!

Und natürlich werden in der nächsten

Grundlagenveranstaltung wieder Lernprojekte

angeboten …

Lese-Tipps

Ergebnisse aller Lernprojekte im

Wiesner-Wiki:

http://www.heike-wiesner.de/wiki/

index.php/Kategorie:GWI

Zum Einsatz von Wikis in Lehr-

Lernkontexten: Wiesner, H. (2007):

Neue Lehr- und Lernkonzepte in der

Wirtschaftsinformatik. In: Curdes,

B./Marx, S./Schleier, U./Wiesner, H.

(Hrsg.): Gender lehren – Gender

lernen in der Hochschule. Konzepte

und Praxisbeispiele, Oldenburg,

S. 127–158

Auszug aus dem Lernprojekt (1):

Wissensmanagement und Firmen-Wikis

Zielsetzung

Einführung eines Firmen-Wikis

Inhalt Forschungsstand Wikis

Wissensmanagement im internationalen

Vergleich

Analyse: Erhebung, Beschreibung

und Bewertung des

Ist-Zustandes bezüglich der an

der FHW Berlin vorhandenen

Anwendungssysteme

Grobkonzept zur Einführung

eines Firmen-Wikis

Interview mit der Synaxon AG

Auszug aus dem Lernprojekt (2):

Suchmaschinenoptimierung

Zielsetzung

Inhalt

Gute Platzierung der zu

bestimmten Suchbegriffen relevanten

FHW-Webseiten,

z. B. auf den Ergebnisseiten der

Suchmaschine Google

Gerade in den wirtschaftswissenschaftlichen

Studiengängen

konkurrieren die Hochschulen

um leistungsstarke Bewerber.

Da die meisten Internet-User

(und damit auch Studieninteressierte)

für die Informationsrecherche

Suchmaschinen

benutzen, ist zu prüfen, mit

welcher Platzierung und mit

welchen Verweisen die FHW-

Webpräsenz in den Suchmaschinen

erscheint.

Forschungsstand: Suchmaschinenoptimierung

Analyse: Erhebung, Beschreibung

und Bewertung des

Ist-Zustandes unter Berücksichtigung

des Rankings der

Hauptkonkurrenten (nach

Standort und Studienangebot)

Erstellung eines Lastenheftes,

um ein Angebot von Firmen

einzuholen, die Webseiten für

Suchmaschinen optimieren

1

Das Wiesner-Wiki ist eine Applikation auf der

Web-Präsenz von Prof. Wiesner. Dabei handelt es

sich um Artikelsammlungen, die mit einem normalen

Web-Browser nicht nur angeschaut, sondern auch direkt

editiert werden können.


14 Neue Medien

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Gleichstellung

15

Schlüssel zur erfolg reichen Transformation der Hochschule

IT-Governance

Der Modernisierungsauftrag an die Hochschulen ist im Kern eine Herausforderung der IT. Das Heben von Wertschöpfungspotenzialen

(insbesondere die Optimierung der Lehre) in Abstimmung mit den vorhandenen IT-Ressourcen wird eine zunehmend

stärker zu beachtende Aufgabe des Hochschulmanagements sein.

Text: Michael Sost

Mit dem Bolognaprozess werden

Rahmenbedingungen formuliert, die

letztendlich als Auftrag zur Reorganisation

der Hochschule mit Hilfe der

IT verstanden werden müssen. Die

wesentlichen Herausforderungen können

wie folgt benannt werden:

Erhöhter Verwaltungsaufwand. Die

Anzahl der Studiengänge hat sich

mehr als verdoppelt. Die Anzahl der

Prüfungsleistungen hat sich deutlich

erhöht. Die Studienverlaufsprüfung ist

viel komplexer geworden.

Entwicklung eines bedarfsgerechten

Studienangebots. Die Differenzierung

des Lehrangebots bzw. der Lehrform

(das didaktische Setting für den

Bachelor-Studenten sollte sich von

dem des Master-Studenten unterscheiden)

stellt eine Herausforderung dar,

der man nur über den vermehrten

Einsatz der elektronischen Medien

begegnen kann.

Wie auch immer die Formulierung

einer Strategie im Einzelnen lauten

wird, in letzter Konsequenz ist eine

Entwicklung hin zu einer IT- bzw.

medienbasierten Hochschule unabwendbar

– die IT muss als Instrument

verstanden werden, über das sich Wettbewerbsvorteile

erzeugen lassen.

Auf der operativen Ebene kumulieren

sämtliche Überlegungen in dem

Ziel, eine integrierte multimediale

Informationsversorgung aufzusetzen,

von der sämtliche Nutzerkategorien

profitieren. Damit rückt die Gestaltung

der Geschäftsprozesse (Dienste bzw.

Services) und nicht die Beherrschung

einer bestimmten Technologie in den

Vordergrund. Das Selbstverständnis

eines Rechenzentrums ändert

Beratung

Rektorat

CIO

Vorsitz

IT-Board

Lenkungsgremium für operative IV

Geschäftsverteilung

Medien Bibliothek Verwaltung

Die Säulen des IT-Governance-Modells

sich demnach. Es ist nicht mehr der

„Rechenknecht“ vergangener Tage,

sondern vielmehr ein Servicezentrum,

das die notwendige Infrastruktur zur

Abbildung der Geschäftsprozesse

liefert. Die IT wird somit integraler

Bestandteil einer Hochschulentwicklungsplanung.

Zwischen der strategischen und der

operativen Ebene müssen Funktionen

eingerichtet werden, die im Gegenstromverfahren

die Abstimmung

zwischen den technischen Rahmenbedingungen

und den strategischen

Erfordernissen durchführen. Im

Folgenden wird ein IT-Governance-

Modell vorgestellt, das sich im privatwirtschaftlichen

Bereich (in ähnlicher

Form auch schon im Hochschulbereich

implementiert) bewährt hat. Es besteht

im Wesentlichen aus drei Säulen:

Der CIO (Chief Information Officer).

Ihm obliegt die IT-Gesamtplanung in

IVZ (IV-Servicezentrum)

Weisung, Zielvereinbarung

Beratung

Abstimmung

FB I

Serviceteam

FIOs

Aufsicht

FB V

Serviceteam

der Hochschule. Er legt die zentralen

IT-Projekte fest, um übergreifende

Synergien sicherzustellen.

Der FIO (Faculty Information

Officer). Er ist im Fachbereich der

Ansprechpartner für IT: verantwortlich

für Anforderungsdefinition,

Fachkonzepterstellung, fachliche

Architektur.

Das IVZ (IV-Service-Zentrum). Das

IVZ ist verantwortlich für Entwicklung,

IT-Betrieb, und technische

Architektur. Es berät die Fachbereiche

bzw. die FIOs und den CIO zu technischen

Innovationen.

Die Themen, die sich durch den Einsatz

der IT ergeben, sind also vielfältig.

Neben der technischen und fachlichen

Dimension des IT-Einsatzes, ist insbesondere

die übergreifende Koordinierung

der diversen Aktivitäten zwingend

erforderlich.

Frauen-Stipendienvergabe für MBA-

Programme zum Wintersemester 2007

Zum dritten Mal vergab die Fachhochschule

für Wirtschaft Berlin Stipendien

für Frauen, die mit einem Master of

Business Administration ihre berufliche

Karriere ausbauen wollen. Die fünf

Mitglieder des Vergabeausschusses,

Dr. Vera Piálek (Leiterin Training und

Fortbildung der Berliner Volksbank),

Marianne Rühl-Andresen (Leiterin des

Referates Grundsatz- und Rechtsangelegenheiten

der Gleichstellungspolitik

bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft,

Technologie und Frauen), Petra

Wieczorek (Geschäftsführerin des IMB

der FHW Berlin), Prof. Dr. Sven Ripsas

(Direktor des IMB) sowie beratend

Viola Philipp (Frauenbeauftragte der

FHW Berlin) konnten sich über 26

qualifizierte Bewerbungen freuen. Die

vier Teilstipendien in Höhe von jeweils

5.000 Euro gingen an studieninteressierte

Frauen, deren herausragende

berufliche Leistungen, gepaart mit

gesellschaftlichem Engagement, den

Vergabeausschuss überzeugten.

Die FHW Berlin vergibt im Rahmen ihres Stipendienprogramms mit Mitteln der Hochschule sowie des Berliner

Programms zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen in Forschung und Lehre zum 01.04.2008

3 Stipendien

zur Vorbereitung bzw. Konzeptionierung eines Promotionsvorhabens

Die Laufzeit der Stipendien beträgt 12 Monate. Gefördert wird die Vorbereitung eines Promotionsvorhabens

sowie die Zeit der Erbringung von notwendigen Vorleistungen an der Promotionshochschule. Gefördert werden

wissenschaftliche Vorhaben in den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fachgebieten.

Das Programm richtet sich an Berliner Absolventinnen von wirtschaftswissenschaftlichen

Fachhochschulstudiengängen, die ihr Studium mit einem überdurchschnittlichen Abschluss beendet haben.

Bewerbungen mit einem Forschungs-/Projektantrag sind bis zum 20.01.2008 einzureichen.

Als wissenschaftliche Ansprechpartnerin steht Frau Prof. Dr. Dorothea Schmidt (Telefon +49 (0)30 85789-158) zur

Verfügung. Die Bewerbungsunterlagen und allgemeine Auskünfte sind bei der Zentralen Frauenbeauftragten der FHW

Berlin, Viola Philipp, (Telefon +49 (0)30 85789-231 und www.fhw-berlin.de/frauenbeauftragte) erhältlich.

Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) Berlin

Badensche Str. 50–51, 10825 Berlin

Da das Programm der Förderung von Frauen in der Wissenschaft dient, können sich nur Frauen bewerben. Die FHW

Berlin wurde nach 2002 im Jahre 2005 erneut aufgrund ihrer erfolgreichen Aktivitäten für die Chancengleichheit mit

dem Total-E-Quality-Award ausgezeichnet.


16 Gleichstellung

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Gleichstellung

17

Girl's Day am Fachbereich

Berufs akademie

Gender-Lehreinheiten in wirtschaftswissenschaftlichen

Studiengängen

Text: Diana Kreutzer

Auch in diesem Jahr beteiligte sich

der Fachbereich Berufsakademie am

Girl's Day, der bundesweit am 26. April

stattfand. Dieser jährliche Aktionstag

soll dazu beitragen, jungen Mädchen

ein breites Spektrum an beruflichen

Möglichkeiten zu zeigen und sie dazu

zu bringen, sich nicht ausschließlich für

„typisch weibliche“ Berufe zu interessieren,

sondern auch für technische

Bereiche, in denen zunehmend qualifizierte

Fachkräfte fehlen.

Nach einer Einführung in das duale

Studiensystem durch den Dekan des

Fachbereichs, Prof. Kurzawa, stieß der

kurze Vortrag von Sarah Hameister,

Wirtschaftsingenieurin bei der DaimlerChrysler

AG, auf großes Interesse

der über 40 Teilnehmerinnen. Sie

Spannende Aktionen beim Girl's Day

ermutigte die jungen Mädchen, sich

nicht einreden zu lassen, dass Technik

nichts für Mädchen sei, und sich bereits

frühzeitig dafür zu interessieren.

In den Räumen des Studienbereichs

Technik wurden den Teilnehmerinnen

dann spannende Aktionen geboten: In

der Fachrichtung Informatik lernten

die Schülerinnen in Windeseile, mit der

Software Prolog zu programmieren. Bei

der Wirtschaftsinformatik erhielten sie

eine kurze Einführung in Algorithmen

am Beispiel des „Spiels des Lebens“,

bei dem Regeln formuliert werden,

wie aus einer Generation lebender und

toter Zellen eine neue Zellgeneration

berechnet werden kann. Beim Bauwirtschaftsingenieurwesen

konnten sie die

Tragfähigkeit unterschiedlicher Materialien

überprüfen, mit Bodenproben

experimentieren und Schallmessungen

durchführen, und in der Fachrichtung

Maschinenbau experimentierten sie

mit einem Industrieroboter, der darauf

programmiert ist, den Zauberwürfel

„Rubik's Cube“ zu lösen.

Seinem Ziel, Mädchen für die Technik

zu begeistern, ist der Fachbereich

Berufsakademie auf jeden Fall näher

gekommen: Meldete sich bei einer

ersten Befragung zum Interesse an

Technik bei der Begrüßung nur eine

Teilnehmerin, so waren es bei der

Abschlussrunde immerhin fünfzehn

Mädchen, die sich vorstellen können,

einen technischen Beruf zu ergreifen.

Mit einer Zunahme an weiblichen Studierenden

ist also zu rechnen!

Foto: FHW Berlin, Diana Kreutzer

Im Rahmen des Bologna-Prozesses besteht die Chance und Herausforderung, fachspezifische Lehrinhalte aus der Frauen- und

Geschlechterforschung in den Curricula der Bachelor- und Masterstudiengänge zu verankern. Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

nutzt diese Gelegenheit und entwickelt derzeit gemeinsam mit dem Harriet-Taylor-Mill-Institut der FHW Berlin

geschlechterspezifische fachbezogene Lehreinheiten, die den Lehrenden zur Verfügung gestellt werden sollen.

Text: Andrea-Hilla Carl

Im vergangenen Jahr wurden fünf

Werkverträge an ausgewiesene

Experten und Expertinnen wirtschaftswissenschaftlicher

Fachgebiete

vergeben (Personal und Organisation,

Rechnungs wesen und Controlling,

Mikro- und Makroökonomie, Finanzwissenschaft

sowie Wirtschaftsinformatik).

Ziel war die Erarbeitung des

Standes der Erforschung geschlechtsspezifischer

Aspekte des jeweiligen

Fachgebietes im deutsch- und englischsprachigen

Raum. Die Ergebnisse,

die auf der Homepage des Instituts

einsehbar sind und noch veröffentlicht

werden sollen, wurden in diesem Jahr

im Rahmen von fünf Workshops einer

breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Die Workshops, an denen zwischen

fünf und 15 Interessierte teilnahmen,

richteten sich an Fachexpertinnen

und -experten der FHW Berlin und

anderer Berliner und Brandenburger

Hochschulen. Sie hatten das Ziel, im

Austausch Eckpunkte für die Entwicklung

von fachbezogenen Gendermodulen

zu entwickeln. Eine konkrete

Modulgestaltung (auch auf der Grundlage

der Workshopergebnisse) erfolgt

in einem nächsten, abschließenden

Schritt. Die Struktur der Workshops

war jeweils gleich: Die Werkvertragsergebnisse

wurden präsentiert und von

einem Vertreter bzw. einer Ver treterin

des Fachgebietes der FHW Berlin

kommentiert. Neben einer generellen

fachlichen Kommentierung wurde vor

allem auch eine kritische Einschätz

ung vorgenommen, inwieweit, wo

und in welcher Form die präsentierten

Inhalte Verknüpfungsmöglichkeiten

mit dem bestehenden Curriculum der

jeweiligen Facheinheit eröffnen. In den

abschließenden Diskussionsrunden

bzw. Arbeitsgruppen der Workshops

ging es um folgende Leitfragen:

Wie können Lehrende motiviert

werden, Geschlechterthemen in die

Lehre einzubinden?

Wie können Geschlechterfragen in

das jeweilige Fachgebiet integriert

werden?

Die Workshops erbrachten durchaus

vergleichbare Ergebnisse, von

denen hier nur ein kleiner Ausschnitt

skizziert werden kann. Um die Lehrenden

zu erreichen und Gender in

ein Fachgebiet zu integrieren, müsste

das Geschlechter thema systematisch

in die Fachinhalte und -einheiten

getragen werden. Zur Förderung der

Geschlechter kompetenz auf Seiten

der Lehrenden wurden regelmäßige

Gespräche zu verschiedenen Themen

(z. B. Bedeutung von Geschlechterthemen

für das Fachgebiet; geschlechtersensible

Didaktik) in den Facheinheiten

angeregt sowie die Kooperation

zwischen Lehrenden und Geschlechterforscher/innen

vorgeschlagen. Ziel

solcher Kooperationen wäre etwa

Foto: Roland Horn

die gemeinsame Erarbeitung von

Kursinhalten oder exemplarischen

Modell-Lehreinheiten. Darüber hinaus

könnten den Lehrenden ausgearbeitete

Lehr- und Lernpakete zur Verfügung

gestellt werden. Übergeordnet sollten

die Curricula grundlegend hinsichtlich

Gender überarbeitet werden.

In allen Workshops wurde angemerkt,

dass die Integration von Gender-

Aspekten in die fachbezogene Lehre

nur dann erfolgreich sein kann, wenn

auch die Hochschulleitungen diesen

Prozess durch zentrale Vorgaben unterstützen.

In diese Richtung gab es am

Fachbereich I der FHW Berlin schon

vor der Durchführung der Workshops

Bewegung. Die Zielvereinbarungen

des Fachbereichs enthalten nicht nur

explizit das Ziel, Module zu identifizieren,

bei denen die Verankerung

von Gender-Aspekten sinnvoll bzw.

notwendig ist, und eine Anpassung der

ent sprechenden Inhalte in den Modulbeschreibungen

vorzunehmen. Auf

Anregung des Dekans des Fach bereichs

wurde auch eine Arbeitsgruppe gebildet,

die diesen Prozess antreiben und

begleiten soll.


18 Forschung

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Forschung

19

Gesundheitliche Auswirkungen

befristeter Beschäftigung

Ein deutsch-spanischer Vergleich

Text: Antje Mertens

Befristete Beschäftigung –

Chance oder Risiko?

Seit Mitte der 1980er Jahre haben viele

europäische Länder, darunter auch

Deutschland, neue Möglichkeiten

geschaffen, Beschäftigte ohne spezifischen

Grund befristet einzustellen.

Dadurch wollte man ein dynamischeres

Einstellungsverhalten der Unternehmen

motivieren, ohne den prinzipiellen

Kündigungsschutz in Frage zu stellen.

Von Anfang an gab es jedoch auch

zahlreiche kritische Stimmen. Man

befürchtete eine Zweiteilung oder

Dualisierung des Arbeitsmarktes mit

einer Gruppe von stabil Beschäftigten

einerseits und einer marginalisierten

Gruppe von Beschäftigten in befristeten

Verträgen andererseits. Würden

Beschäftigte mit befristeten Verträgen

wieder in so genannte Normalarbeitsverhältnisse

zurückfinden? Würde das

Einkommen befristeter Beschäftigter

geringer ausfallen als dasjenige unbefristet

Beschäftigter? Und würde letztendlich

sogar die Gesundheit durch die

unsichere Stellung leiden?

Erstaunlicherweise machten nicht alle

Länder die gleichen Erfahrungen mit

der neuen Gesetzgebung. Während

insbesondere in Spanien die befristete

Beschäftigung sprunghaft angestiegen

ist und inzwischen rund ein Drittel

aller Beschäftigungsverhältnisse ausmacht,

war der Anstieg in Deutschland

weit weniger dramatisch. Mit rund

8 % liegt der Anteil befristeter Beschäftigung

unter dem EU-Durchschnitt

von 12–13 %. Wie empirische Studien

zeigen, waren die Befürchtungen

zumindest für Spanien nicht unbegründet,

denn für befristete Arbeitskräfte

ist es dort schwierig, aus dem Kreislauf

wiederkehrender Arbeitslosigkeit und

erneuter Befristung herauszufinden. In

Deutschland werden befristet Beschäftigte

zwar ebenfalls häufiger arbeitslos,

jedoch ist der Übergang in unbefristete

Beschäftigung nicht unwahrscheinlich.

Wie sich Befristungen auf Löhne und

Gesundheit auswirken, haben wir in

unseren neueren Studien untersucht

und die Erfahrungen in beiden Ländern

verglichen.

Die Löhne befristet beschäftigter

Arbeitnehmer

Wie Schaubild 1 zeigt, konzentriert

sich befristete Beschäftigung stark

am unteren Ende der Lohnverteilung.

Tatsächlich verdienen in Deutschland

befristet beschäftigte Männer im

Durchschnitt 32 % weniger als Arbeitnehmer

in regulären unbefristeten

Beschäftigungsverhältnissen. In Spanien

ist die Differenz sogar fast 50 %.

Berücksichtigt man jedoch die Qualifikationen

und das Alter der Beschäftigten

sowie weitere individuelle und

firmenspezifische Merkmale, so fällt die

Lohndifferenz auf rund 18 % in beiden

Ländern. Verwendet man ein spezielles

statistisches Verfahren, das auch unbeobachtbare

individuelle Merkmale, wie

besondere Begabungen, berücksichtigt

(Fixed Effects Modell), so fallen die

Lohnunterschiede sogar auf 4,4 % in

Spanien und 6,9 % in Deutschland.

Eine detaillierte Betrachtung der Lohnverluste

entlang der Lohnverteilung

zeigt, dass die Verluste in Deutschland

besonders die unteren Lohngruppen

betreffen (siehe Schaubild 2). Je

höher man als befristet Beschäftigter

in der Lohnverteilung platziert ist,

desto geringer ist die Lohneinbuße.

Unter Berücksichtigung der oben

genannten persönlichen Merkmale

und Firmencharakteristika verdienen

befristet Beschäftigte in den unteren

Lohngruppen ca. 30 % weniger als

unbefristet Beschäftigte; in den oberen

Lohngruppen ist der Verlust mit unter

10 % bedeutend kleiner. In Spanien

sind die Lohnverluste dagegen gleichmäßiger

verteilt, wobei allerdings der

durchschnittliche Verlust – wie oben

dargestellt – in beiden Ländern vergleichbar

ist. In Spanien kommt es also

nur darauf an, ob man einen befristeten

Vertrag hat oder nicht; in Deutschland

ist es wichtig, was für einen befristeten

Vertrag man hat.

Gesundheitliche Auswirkungen der

Beschäftigungsunsicherheit

Ein weiteres Problem befristeter

Beschäftigung ist, dass diese unvermeidlich

häufiger in Arbeitslosigkeit

mündet als unbefristete Beschäftigung,

da die Verträge in der Regel im Laufe

von ein bis zwei Jahren auslaufen. Nach

einem Jahr sind in Deutschland rund

13 % der befristet Beschäftigten arbeitslos,

in Spanien rund 20 %. In empirischen

Studien konnte oft gezeigt werden,

dass Arbeitslosigkeit, aber auch

Jobunsicherheit, eine Verschlechterung

des Gesundheitszustandes hervorrufen

kann und die Aufnahme einer Beschäftigung

die Gesundheit verbessert. Aber

finden sich die gleichen Effekte auch

bei befristeten Verträgen?

Während sich bei deutschen Männern

die gesundheitlichen Effekte befristeter

und unbefristeter Arbeitsverhältnisses

nur wenig unterscheiden, verbessert

sich bei spanischen Männern die

Gesundheit nur bei Aufnahme eines

unbefristeten Vertrages. Dies kann

vermutlich durch die unterschiedlichen

Gelegenheitsstrukturen erklärt werden,

die in Spanien deutlich schlechter sind

als in Deutschland: Die Wahrscheinlichkeit,

ein unbefristetes Arbeitsver-

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

Schaubild 2 – Befristet Beschäftigte verdienen in allen Bereichen der Lohnverteilung weniger als unbefristet Beschäftigte

Durchschnitt

hältnis zu bekommen, ist in Spanien

gering, und die Jobqualität befristeter

Arbeitsverhältnisse ist deutlich schlechter.

Da in Deutschland die Karrierechancen

für befristet Beschäftigte

(noch) besser sind, können Männer

auch gesundheitlich von einem befristeten

Vertrag profitieren. Für deutsche

Frauen ergeben sich jedoch negative

Auswirkungen befristeter Verträge auf

die Gesundheit. Die Rückkehr in das

Berufsleben führt bei ehemals arbeitslosen

Frauen nur bei unbefristeten

Verträgen, aber nicht bei befristeten

Verträgen, zu einer gesundheitlichen

Verbesserung. Erstaunlicherweise

verändert sich die Einschätzung des

eigenen Gesundheitszustandes bei spanischen

Frauen weder bei Aufnahme

einer befristeten noch einer unbefristeten

Stelle. Wir vermuten, dass die

deutlichen Geschlechtsunterschiede

Schaubild 1 – Befristet Beschäftigte arbeiten vor allem im unteren Teil der Lohnverteilung

Quantil 10 Quantil 25 Quantil 50 (Median) Quantil 75 Quantil 90

zumindest teilweise auf die unterschiedliche

Belastung durch Kinderbetreuung

und Tätigkeiten im Haushalt

zurückzuführen sind. Die „Doppelbelastung“

durch Jobunsicherheit und

Hausarbeit verhindert das Entstehen

positiver gesundheitlicher Wirkungen

bei Aufnahme einer Beschäftigung.

Vor dem Hintergrund steigender Zahlen

befristet beschäftigter Arbeitnehmer

stimmen diese Ergebnisse nachdenklich.

Finden sich zunehmende

Anteile der Bevölkerung in befristeter

Beschäftigung, könnte die durchschnittliche

Gesundheit der Bevölkerung

in Mitleidenschaft gezogen

werden. Negative Auswirkungen auf

die Produktivität der Wirtschaft durch

befristete Beschäftigung sind somit

nicht auszuschließen.

Deutschland

Unterstes Viertel Zweites Viertel Drittes Viertel Oberstes Viertel

Anmerkung: Befristet beschäftigte Männer in den verschiedenen Vierteln (Quartilen) der gesamten Lohnverteilung in Prozent aller befristet Beschäftigten

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels und des European Community Household Panels

- 0,00

- 0,05

- 0,10

- 0,15

- 0,20

- 0,25

- 0,30

- 0,35

Deutschland

Spanien

Spanien

Anmerkungen: Erweiterte Mincer-Lohngleichungen für Männer. Kleinste Quadrate Schätzung (Durchschnitt) und Quantilsregressionen für unterschiedliche Punkte der Lohnverteilung.

Dabei misst beispielsweise Quantil 10 die Lohnverluste an dem Punkt der Lohnverteilung unterhalb dessen sich 10 % der Fälle der Lohnverteilung befinden.

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis des sozio-oekonomischen Panels und des European Community Household Panels

Literatur

Amuedo-Dorantes, C. (2000), Industrial

and Labour Relations Review, 53,

309–325.

Boockmann, B./Hagen, T. (2005),

ZEW-Wirtschaftsanalysen, Band 79.

Gash, V./Mertens, A./Romeu-Gordo,

L. (2007), European Societies, 9 (3),

429–458.

McGinnity, F./Mertens, A./Gundert, S.

(2005), European Sociological Review,

21(4), 359–374.

Mertens, A./Gash, V./McGinnity, F. (im

Erscheinen), Labour.


20 Forschung

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Forschung

21

Gründen und Nachfolgen studieren

Die Unternehmensnachfolge wird neben den Unternehmensgründungen wegen der Relevanz für Arbeitsmarkt und Konjunktur

zunehmend auch als Thema in Bildung und Forschung erkannt. Eine aktuelle Umfrage der FHW Berlin untersuchte vor diesem

Hintergrund die qualifikatorischen Anforderungen an Nachfolger und Gründer aus Sicht von Finanzmittelgebern.

Text: Birgit Felden und Christian Baal

Der DIHK stellt in seinem aktuellen

Unternehmensbarometer fest, dass pro

Jahr in rund 43.000 Unternehmen ca.

150.000 Arbeitsplätze durch eine ungelöste

Unternehmensnachfolge bedroht

sind. Das IfM in Bonn stellt gar fest:

„Dies führt dazu, dass die Zahl der von

Unternehmensnachfolgen berührten

Arbeitsplätze von 907.000 (im Jahre

2000 ff.) auf knapp 680.000 im Jahre

2005 ff. zurückgehen wird.“ Die

merklichen Zuwachsraten von Arbeitsplätzen

im Zuge der sich belebenden

Konjunktur würden sich bei diesem

„Worst-case-Szenarium“ deutlich reduzieren.

Insofern ist die Nachfolge nicht

mehr nur ein soziostrukturelles oder

demographisches Phänomen, sondern

zunehmend ein Thema, das dieselben

strukturellen und inhaltlichen Fragen

wie die Existenzgründerforschung

aufwirft.

Während bislang die empirische

Betrachtung eines demographischen

Ist-Zustandes im Vordergrund der

Nachfolge-Forschung stand, rücken

aktuell die Umsetzung und die Qualität

der Nachfolgeprozesse in den Fokus

der Betrachtung. Auch Fragen nach

der Übereinstimmung des real vorhandenen

und des erwünschten Qualifikationsprofils

müssen vor diesem Hintergrund

verstärkt gestellt werden. Welche

Anforderungen werden an Nachfolger

aus der Sicht der beteiligten Marktpartner

gestellt? Welches Prozesswissen

ist bei Nachfolgern und Übergebern

vorhanden? Werden alle Möglichkeiten

ausgeschöpft, um eine Unternehmensnachfolge

erfolgreich zu gestalten? Was

muss ein Nachfolger können, um ein

bestimmtes Unternehmen in Zukunft

erfolgreich führen zu können? Welche

Bildungsschwerpunkte sollte er

mitbringen, wo besteht nachträglicher

Qualifikationsbedarf? Was sind geeignete

Bildungsformate, um eine optimale

Qualifikation von Gründern und

Nachfolgern zu gewährleisten?

Bewertung der Qualität von Businessplänen von Gründern und Nachfolgern

mangelhaft

17 %

ausreichend

18 %

ungenügend

7 %

sehr gut

7 %

befriedigend

28 %

gut

23 %

Insbesondere letztere Fragestellungen

stehen im Fokus der aktuellen Umfrage,

die von der Professur für Mittelstand

und Unternehmensnachfolge der FHW

Berlin unter Kreditinstituten durchgeführt

wurde. Hintergrund der Befragung

ist die Einführung des Bachelor-

Studiengangs Unternehmensgründung

und -nachfolge an der FHW Berlin vor

zwei Jahren. Dieser richtet sich an Studierende

und „young professionals“, die

eine Gründung oder die Übernahme

eines Unternehmens anstreben. Dabei

wurden rund 500 Multiplikatoren mit

einem Fragebogen angeschrieben, von

denen rund 20 % geantwortet haben.

Die Kernergebnisse der Umfrage verwundern

den Praktiker nicht:

1.

Aus Sicht der befragten Bank en

und Kammern besteht ein

deutlicher Qualifizierungsbedarf, insbesondere

im betriebswirtschaftlichen

Bereich. Eine fundierte betriebswirtschaftliche

Grundbildung ist also aus

Sicht der Multiplikatoren unabdingbare

Voraussetzung für eine gelungene

Gründung oder Nachfolge. Deutlich

wird, dass die qualifikatorischen

Anforderungen an Nachfolger höher

liegen, als an Gründer, diese aber auch

nach Ansicht der Multiplikatoren

besser erfüllt werden. Sowohl bei der

allgemeinen Schulbildung als auch bei

berufsspezifischen Bildungsabschlüssen

weisen Nachfolger bessere Ergebnisse

aus. 21,7 % der Nachfolger haben einen

berufsspezifischen Hochschulabschluss,

bei den Gründern liegt dieser Anteil

lediglich bei 13,5 %.

2.

Bei Unternehmensnachfolgern

fehlen in einem größeren

Umfang Kenntnisse über Finanzierungsmöglichkeiten.

Alternative Finanzierungsarten,

wie z. B. der Einsatz

von Business Angels, Beteiligungsgesellschaften,

Mitarbeiterbeteiligungen,

Mezzanine-Finanzierungen oder Mittel

aus dem persönlichen Umfeld, kamen

bei der Frage nach den am häufigsten

genutzten Finanzierungsarten quasi

nicht vor. Vorherrschend sind die drei

klassischen Finanzierungsarten, der

Bankkredit (97,8 %), öffentliche Mittel

(88,9 %) und Eigenkapital (87,8 %). Im

Zusammenhang damit steht auch die

mäßige Beurteilung der Businesspläne

aus Sicht der Befragten. Die Hilfe

externer Berater bei dem Verfassen von

Businessplänen wird daher von mehr

als der Hälfte der Befragten positiv

bewertet. Hier zeigt sich möglicherweise

sehr deutlich die Qualifikationslücke

vieler Gründer und Nachfolger,

vor allem im strategischen und finanziellen

Bereich. Die Businesspläne der

Nachfolger wurden dabei von einem

deutlich höheren Anteil der Befragten

besser beurteilt, was wiederum die

Vermutung einer konsequenteren

Zielausrichtung unterlegt sowie die

höhere Qualifikation der Nachfolger

widerspiegelt.

3.

Allerdings zeigt die Umfrage

auch, dass die Befragten nur selten

spezialisierte Bildungsangebote für

Gründer und Nachfolger kennen. Hier

besteht auf Seiten der Bildungsanbieter

ein erhöhter Marketing- und Informationsbedarf.

Aus der Umfrage wird

deutlich, dass spezialisierte Bildungsangebote,

wie das der FHW Berlin,

nur wenig bekannt sind, gleichzeitig

aber mittelständisch ausgerichtete

Hochschulstudiengänge durchaus für

geeignet gehalten werden, die Qualifikationslücke

von Gründern und

Nachfolgern zu schließen.

Im Sinne eines zukunftsfähigen gesellschaftlichen

Umfelds, das Unternehmertum

sichert, fördert und nachhaltig

wachsen lässt, ist eine umfassende

Informations- und Bildungsoffensive

gefordert. Wie die Untersuchung der

FHW Berlin zeigt, reichen dabei die

hergebrachten Existenzgründungs- und

Nachfolgequalifizierungen häufig nicht

aus. Gerade bei Unternehmensnachfolgen

sind Kenntnisse erforderlich,

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

Eignung verschiedener Qualifikationsangebote für Gründer und Nachfolger

aus Sicht der befragten Institutionen

0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %

Hauptmängel in der Qualifikation von Gründern und Nachfolgern

Berufsspezifische

Mängel

Betriebswirtschaftliche

Mängel

die auf die speziellen Bedürfnisse des

Mittelstandes zugeschnitten sind. Die

Erhöhung des Bekanntheitsgrades

bestehender Angebote sowie die Einrichtung

und Vermarktung neuer Qualifizierungsangebote

können zukünftig

zu einer Verbesserung beitragen. Das

Ausschöpfen alternativer Finanzierungsquellen

birgt zusätzliches Potenzial

zur Belebung der Gründungs- und

Nachfolgeszene. Schließlich ist der

Gründer

Betriebswirtschaftliche Kurse von Kammern und Verbänden

Berufsspezifische Kurse von Kammern und Verbänden

Gründungs- bzw. nachfolgespezifische Kurse

Allg. betriebswirtschaftliches Hochschulsstudium

BWL-Studium mit Schwerpunkt Mittelstand

MBA Unternehmensentwicklung FH Pfozheim

B.A. Unternehmensgründung und -nachfolge FHW Berlin

Nachfolger

Betriebswirtschaftliche Kurse von Kammern und Verbänden

Berufsspezifische Kurse von Kammern und Verbänden

Gründungs- bzw. nachfolgespezifische Kurse

Allg. betriebswirtschaftliches Hochschulsstudium

BWL-Studium mit Schwerpunkt Mittelstand

MBA Unternehmensentwicklung FH Pfozheim

B.A. Unternehmensgründung und -nachfolge FHW Berlin

kenne ich nicht ungeeignet geeignet

Gründer

Mängel in der

sozialen Kompetenz

Nachfolger

Unternehmerische

Mängel

Ausbau der Forschungsaktivitäten auf

diesem speziellen Gebiet zu empfehlen,

um weitere Erkenntnisse über Qualifikation

und Qualifizierungsmöglichkeiten

für die Praxis zu erhalten.

Die komplette Version des auf Basis

der Umfrage entstandenen Artikels im

„Finanzbetrieb“ kann unter baal@fhwberlin.de

angefordert werden.


22 Forschung

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Forschung

23

Die Ostseepipeline und ihre

wirtschaftlichen Folgen

Hanna Shcherbich aus Weißrussland gehört zu den ersten Absolvent/innen des dreisemesterigen Masterstudiengangs „International

Economics“. In ihrer Masterarbeit hat sie sich mit der Abschätzung wirtschaftlicher Folgen von Investitionen zur Erstellung

der 1.200 km langen Erdgaspipeline durch die Ostsee beschäftigt, die von Vyborg in Russland unterseeisch direkt bis nach

Mecklenburg-Vorpommern in die Nähe von Greifswald führen soll.

Text: Helmut Maier und Hanna Shcherbich

Szenario: Folgeabschätzung für Deutschland, Basis Input-Output-Tabelle von 1997

Zusammengefasste Gütergruppen 1

Zunahme

Endnachfrage

Mio. Euro

Zunahme

Produktionsoutput

Mio. Euro

Zunahme

Erwerbstätigenzahl

Personen

Zunahme

Bruttowertschöpfung

Mio. Euro

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 0 9,90 199,00 5,50

Bergbau, Steine/Erden, Energie-, Wasserversorgung 0 152,40 915,00 74,70

Mineralöl, Gas, chemische Erzeugnisse, Baumaterialien 0 633,80 4.633,00 243,90

Metalle (Gewinnung und Bearbeitung) 496,00 1.109,70 10.410,00 444,90

Maschinenbau, Fahrzeuge, Datenverarbeitungsgeräte 1.950,00 2.596,60 21.404,00 1.050,10

Großbritannien

Deutschland

Norwegen

Dänemark

Der geplante Verlauf der Ostseepipeline

Schweden

Erforderliche Kenntnisse zur Durchführung

derartiger Abschätzungen

mit Hilfe empirischer Input-Output-

Tabellen hatte Hanna Shcherbich in

der Lehrveranstaltung Ökonometrie

im Wintersemester 2006/07 erworben,

in der sie eine Hausarbeit über

gesamtwirtschaftliche Einbußen durch

die damalige Krise bei Airbus angefertigt

hatte. Doch die neue Aufgabe war

ungleich schwieriger und anspruchsvoller.

Das offiziell als North European

Gas Pipeline bezeichnete Projekt sieht

den Bau von zwei parallelen Leitungen,

einer überseeischen Plattform sowie

Anschlussleitungen in Russland und

Deutschland mit einer Transportkapazität

von 55 Mrd. Kubikmeter Erdgas

pro Jahr vor, wodurch eine Steigerung

der Erdgasimporte nach Mittel- und

Westeuropa um bis zu 25 % im Jahr

2012 möglich ist. Die herausragende

Bedeutung dieses Projektes ist auch von

der Europäischen Kommission erkannt

worden, welche es im Dezember 2000

zum integralen Bestandteil des transeuropäischen

Energienetzes (TEN-E)

erklärt hat. Dies ist teilweise umstritten,

Polen

Litauen

Finnland

Estland

Lettland

Russland

Polen hatte Bedenken geäußert. Für die

Durchführung wurde die Nord Stream

AG gegründet, an der auf russischer

Seite die Gasprom mit 51 % und auf

deutscher Seite Wintershall/BASF und

E.ON Ruhrgas mit je 24,5 % beteiligt

sind.

Hauptziel der Masterarbeit war, auf der

Basis von deutschen und russischen

Input-Output-Tabellen und greifbaren

Kostendaten in zwei Szenarien den

gesamtwirtschaftlichen Niederschlag

dieser deutsch-russischen Investition

zum Bau der Pipeline in beiden Ländern

einschließlich indirekter Auswirkungen

grob abzuschätzen und zu

bewerten. Eine Fülle von Detailproblemen

war zu lösen. Als summarisches

Ergebnis für Deutschland auf der Basis

der Input-Output-Tabelle von 1997 mit

59 Gütergruppen ergab sich: Nimmt

man an, dass der Bau dieser Pipeline

und erforderlicher Landanschlüsse die

Endnachfrage nach Bauarbeiten um

etwa 3 Mrd. Euro, nach Maschinen/

Fahrzeugen/DV-Geräten um 1,95 Mrd.

Euro und nach Metallproduktion in

der Bundesrepublik um knapp 0,5 Mrd.

Euro, also insgesamt um 5,5 Mrd. Euro

erhöht, so erhöht sich dadurch der

Produktionsoutput (einschließlich

Vor leistungen) um insgesamt 10 Mrd.

Euro, die Bruttowertschöpfung um

4,5 Mrd. Euro und die Erwerbstätigenzahl

um etwa 100.000 Personen für ein

Jahr. Die Multiplikatorwirkung beträgt

1,8. Berücksichtigt man eine Laufzeit

von fünf Jahren für den Bau und seit

1997 gestiegene Arbeitsproduktivitäten,

so liegt der Arbeitsmarkteffekt für

Deutschland unter 20.000 Erwerbstätigen

pro Jahr.

Das summarische Ergebnis für Russland

auf der Basis der Input-Output-

Tabelle von 2003 sieht folgendermaßen

aus: Nimmt man an, dass durch den

Bau dieser Pipeline und erforderlicher

Landanschlüsse die Endnachfrage

in Russland nach Bauarbeiten um

4,9 Mrd. Euro und nach Maschinen/

Fahrzeugen/DV-Geräten um knapp

1 Mrd. Euro, also insgesamt um knapp

6 Mrd. Euro steigt, dann steigt der

Produktionsoutput (einschließlich

Vorleistungen) um 9,6 Mrd. Euro und

die Bruttowertschöpfung um 4 Mrd.

Euro. Die Multiplikatorwirkung beträgt

1,63 und ist damit niedriger als in der

Bundesrepublik. Auf die Angabe des

rechnerischen Arbeitsmarkteffektes,

der in Russland wegen niedrigerer

Arbeitsproduktivitäten weit höher liegt

als in Deutschland, wird hier verzichtet,

da die aufgetretenen Zahlen als verzerrt

bewertet und Inkonsistenzen u. a. im

statistischen Datenmaterial vermutet

werden, die in der dreimonatigen

Be arbeitungszeit nicht abschließend

geklärt werden konnten.

Textilien, Leder, Holz, Papier, Sekundärrohstoffe 0 215,20 1.885,00 81,20

Nahrungs-, Futtermittel, Getränke, Tabakerzeugnisse 0 7,90 59,00 2,00

Bauarbeiten 3.060,00 3.181,00 41.225,00 1438,80

Handels-, Verkehrs-, Nachrichten und Gaststätten-DL 0 644,60 8.656,00 276,80

Kreditinstitute, Versicherungen, Wohnungswesen und

sonstige unternehmenbezogene DL

DL Gesundheit, Veterinär-, Sozialwesen, Erziehung,

Unterricht, Entsorgung

DL öffentliche Verwaltung, Verteidigung,

Sozialversicherung, private Haushalte

0 1.343,20 9.542,00 816,20

0 27,50 182,00 13,60

0 87,10 1.538,00 62,70

Summe 5.506,00 10.008,80 100.649,00 4.510,40

Szenario: Folgeabschätzung für Russland, Basis Input-Output-Tabelle von 2003

Zusammengefasste Gütergruppen 2

Zunahme

Endnachfrage

Mio. Euro

Zunahme

Produktionsoutput

Mio. Euro

Zunahme

Bruttowertschöpfung

Mio. Euro

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 0 15,00 7,88

Bergbau, Steine/Erden, Energie-, Wasserversorgung 0 290,90 108,39

Mineralöl, Gas, chemische Erzeugnisse, Baumaterialien 0 1.025,60 459,8

Metalle (Gewinnung und Bearbeitung) 0 646,70 193,86

Maschinenbau, Fahrzeuge, Datenverarbeitungsgeräte 996,00 1.495,20 304,49

Textilien, Leder, Holz, Papier, Sekundärrohstoffe 0 184,80 46,10

Nahrungs-, Futtermittel, Getränke, Tabakerzeugnisse 0 51,90 12,83

Bauarbeiten 4.910,00 4.415,30 2.029,79

Handels-, Verkehrs-, Nachrichten und Gaststätten-DL 0 1.262,80 795,59

Kreditinstitute, Versicherungen, Wohnungswesen und

sonstige unternehmenbezogene DL

DL Gesundheit, Veterinär-, Sozialwesen, Erziehung,

Unterricht, Entsorgung

DL öffentliche Verwaltung, Verteidigung,

Sozialversicherung, private Haushalte

0 110,20 62,02

0 57,30 26,98

0 51,00 25,39

Summe 5.906,00 9.606,70 4.073,12

1) Die Originaltabelle umfasst 59 Gütergruppen DL Dienstleistungen

2) Die Originaltabelle umfasst 23 Gütergruppen 1 Euro = 34,93 Russische Rubel (25. Juli 2007)


24 In, An, Aus der FHW Berlin

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 In, An, Aus der FHW Berlin

25

IMB Management Forum 2007

„Der Sinn des Unternehmens –

Strategien und Werte auf dem

globalen Marktplatz“

Text: Sylvia Nave-Brüggemann

IMB Management Forum 2007

Foto: Andrea Katheder

Keynote-Sprecher Dr. Wolfgang Gerhardt

Foto: Andrea Katheder

Werte und Wirtschaft – kaum etwas

beherrscht derzeit mehr die Schlagworte

als Themen wie Corporate

Social Responsibility, Wirtschaftsethik,

Integrität oder „Karma-Kapitalismus“.

Halten sie, was sie versprechen?

Können Unternehmen rund um den

Erdball mit einer Orientierung an Werten

tatsächlich erfolgreicher sein? Diese

und andere Fragen wurden im Rahmen

der hochkarätig besetzten Fachtagung

am 21. September 2007 unter dem

Titel „Der Sinn des Unternehmens –

Strate gien und Werte auf dem globalen

Marktplatz“ behandelt. Anlässlich des

15-jährigen Jubiläums der MBA-Studiengänge

an der FHW Berlin wurde

dieses Thema von Wissenschaftlern

und Wirtschaftsvertretern im Ritz

Carlton Berlin in seinen vielfältigen

Facetten dargestellt und diskutiert.

Keynote-Sprecher war Dr. Wolfgang

Gerhardt, Mitglied des Bundestages im

Auswärtigen Ausschuss, langjähriger

Vorsitzender der FDP und Vorsitzender

der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Prof. Norbert Bolz von der TU Berlin,

Medienphilosoph und Trendforscher,

beleuchtete die gestiegene Rolle von

Ethik und Werten in der sich vernetzenden

Welt und daraus resultierende

Herausforderungen an das Management.

Die Strategien und Werte, die es

deutschen – meist familiengeführten –

Mittelstandsbetrieben ermöglichen,

sich auf globalen Märkten als Weltmarktführer

positionieren zu können,

stellte Herr Prof. Venohr von der FHW

Berlin dar.

Vier Workshops boten den Teilnehmern

anschließend die Möglichkeit,

sich aktiv von neuen Managementansätzen

inspirieren zu lassen und neue

Leadership-Skills kennen zu lernen. In

der abschließenden Podiumsdiskussion

beleuchteten Unternehmerpersönlichkeiten

das Tagungsthema aus der

Perspektive ihrer Unternehmen.

Mit dem IMB Management Forum

2007 würdigte die Fachhochschule

für Wirtschaft Berlin das 15-jährige

Bestehen ihrer MBA-Studiengänge

am hochschuleigenen IMB Institute

of Management Berlin mit mittlerweile

über 800 Absolventen. Die FHW

Berlin hat sich in Deutschland als

Vorreiter bei der Entwicklung und

Einführung von MBA-Weiterbildungsstudiengängen

(1992 MBA European

Management, 1998 MBA European-

Asian Program me) positionieren

können. Das Gesamtangebot des IMB

umfasst fünf akkreditierte MBA-

Programme, zwei Masterstudiengänge

sowie ein Zertifikatsprogramm. Die

MBA-Studiengänge mit ihren jeweiligen

inhaltlichen Schwerpunkten

bilden die Kernkompetenz des IMB.

Auf der Internetseite www.mbaberlin.de

sind Fotos des Jubiläums, der

Tagungsreader zum Herunterladen

sowie Videoausschnitte der Abschlussdiskussion

eingestellt.


26 In, An, Aus der FHW Berlin

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 In, An, Aus der FHW Berlin

27

W-Besoldung: Größere Einkommensunterschiede

an Fachhochschulen?

Durch die Einführung der „leistungsgerechten“ Bezahlung für Professorinnen und Professoren kann es auch in der FHW Berlin

zu bisher nicht gekannten Einkommensunterschieden kommen. In diesem Beitrag sollen einige Hintergründe und offene Fragen

thematisiert werden.

Text: Viola Philipp

Grundlagen zur Einführung der

W-Besoldung

Zum Jahr 2005 haben gemäß Bundesbesoldungsrecht

(Professorenbesoldungsreformgesetz)

alle Länder über

die entsprechenden Landesgesetze

die W-Besoldung mit dem Element

Leistungszuschläge eingeführt. Professoren

und Professorinnen können seit

dem 1. Januar 2005 nur noch in ein

W-Amt berufen werden. Damit wurden

zugleich die W-Grundgehälter festgelegt;

einen Dienstaltersaufstieg – wie

er in der C-Besoldung und in den am

Fachbereich Berufsakademie überführten

Angestelltenprofessuren nach

A-Gehältern üblich ist – beinhaltet

die W-Besoldung nicht mehr. Zu den

Grundgehältern können aus folgenden

Gründen Leistungszulagen hinzutreten:

Berufungs- und Bleibeverhandlungen

besondere Leistungen in Forschung,

Lehre, Kunst, Weiterbildung und

Nachwuchsförderung

Wahrnehmung von Funktionen oder

besonderen Aufgaben im Rahmen der

Hochschulselbstverwaltung oder der

Hochschulleitung.

Diejenigen Professor/innen, die nach

C-Besoldung eingestellt wurden,

rücken weiterhin in den Dienstaltersstufen

auf. Der Wechsel in eine höhere

Besoldungsstufe – der früher in Berlin

an Fachhochschulen z. T. realisiert werden

konnte – ist nicht mehr möglich.

Für Berlin hat der Senator für Bildung,

Wissenschaft und Forschung festgelegt,

dass bei einem Wechsel für C-besoldete

Professorinnen und Professoren in

die W-Besoldung automatisch nur das

W-Grundgehalt angesetzt wird und die

bereits erreichten Dienstaltersstufen als

Gehaltsbestandteil nicht mitgenommen

werden können. Ein Wechsel erscheint

damit eher für sehr junge Professorinnen

und Professoren, die erst wenige

Dienstaltersstufen erreicht haben, interessant.

Sollten die Professorinnen und

Professoren jedoch einen Ruf von einer

anderen Hochschule erhalten und doch

an ihrer Hochschule bleiben wollen,

können sie nun eine W-Besoldung mit

Zulagen (Abwehrruf) verhandeln.

Generell sind die Eintrittsgehälter in

der W-Besoldung niedriger als in der

C-Besoldung (weitere Informationen

im W-Portal des Hochschulverbandes:

www.hochschulverband.de). Im

Vergleich zur C-Besoldung erhalten

Einsteiger/innen sowie Geistes- und

Sozialwissenschaftler/innen im Durchschnitt

geringere Gehälter. Sie erhalten

z. T. nur das Grundgehalt, und das liegt

je nach Alter bzw. Familienstand um

mehrere Hundert Euro niedriger als bei

der alten C-Besoldung.

Der Gesamtvergaberahmen für die

Verteilung der Besoldungszahlungen

ist nicht vergrößert worden, so dass

der einzelnen Hochschule dafür nicht

mehr Geld als früher zur Verfügung

steht. Selbst wenn die Hochschule das

gesamte Finanzvolumen des Vergaberahmens

an die Professorinnen und

Professoren weitergibt, muss folgender

Effekt entstehen: Bei einer stärker

leistungsdifferenzierten Bezahlung

können nur für einige Professor/innen

höhere Gehälter realisiert werden

und dies zu Lasten derer, die nur das

Grundgehalt bekommen.

Regelungen an der FHW Berlin

Der professorale Lehrkörper an der

FHW Berlin weist verschiedene

Besoldungs- und Gehaltsmodelle auf.

Das Spektrum umfasst verbeamtete

C2- und C3-Positionen und verbeamtete

W-Professuren am Fachbereich

Wirtschaftswissenschaften sowie

nichtverbeamtete Angestellten-Professuren

mit überführten A-Gehältern

und an W2 angelehnte Angestelltenprofessuren

am Fachbereich Berufsakademie.

Insgesamt hat der Rektor

seit 2005 35 W-Professuren, mehrheitlich

mit Rufannahme, verhandelt.

Darüber hinaus gibt es noch weitere

Vergütungs- und Besoldungsformen

an unserer Hochschule, nach denen

jedoch wenige Personen vergütet

werden.

Die FHW Berlin verfügt wie alle Berliner

Hochschulen über eine Satzung zur

Vergabe besonderer Leistungsbezüge

sowie eine Durchführungsrichtlinie,

die zum Jahr 2005 in Kraft trat. In der

Durchführungsrichtlinie werden die

maximalen Beträge für Leistungszulagen

im Rahmen von Berufungs- und

Bleibeverhandlungen sowie für die

Gewährung von Funktionsleistungsbezügen

und für besondere Leistungen

sowie deren Ruhegehaltsfähigkeit

geregelt. Die Satzung enthält die

Kriterien für besondere Leistungen.

Darin sind auch Elemente, die aus

gleichstellungspolitischer Sicht wichtig

sind, aufgenommen worden. Besondere

Leistungen sind u. a. auch wesentliche

Beiträge zu Gender- bzw. Diversity-

Ansätzen in der Lehre sowie die Förderung

des weiblichen wissenschaftlichen

Nachwuchses.

In den Leistungsrat, der über das

Vorliegen einer besonderen Leistung

entscheidet, werden vier Professor/innen

beiden Geschlechts bestellt.

Die Beratungen des Leistungsrates

werden von der zentralen Frauenbeauftragten

begleitet. Auf Vorlage des

Bescheids des Leistungsrates und der

Stellungnahme des Dekans bzw. der

Dekanin entscheidet der Rektor bzw.

die Rektorin über Art und Umfang

der besonderen Leistungszulagen. Der

Gesamtumfang ist vom Vergaberahmen

begrenzt.

Offene Fragen und Auswirkungen

auf das Geschlechterverhältnis

Das leistungsorientierte Element der

W-Besoldung eröffnet die Möglichkeit

einer neuen Gehaltsverteilung.

Wenn die Gehälter ungleicher werden,

könnten geschlechterspezifische Effekte

entstehen. So stellt ein aktueller Bericht

der Senatsverwaltung für Bildung,

Wissenschaft und Forschung an das

Abgeordnetenhaus zwei Jahre nach der

Einführung der leistungsorientierten

Besoldung in Berlin auf Grundlage der

empirischen Ergebnisse der Berliner

Hochschulen fest, dass über alle Hochschulen

hinweg Frauen bei Berufungsverfahren

seltener Berufungsleistungsbezüge

erlangen konnten (Quelle:

Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache

16/0757 vom 25.07.2007, Mitteilung

zur Umsetzung des Professorenbesoldungsreformgesetzes).

In den nicht betriebswirtschaftlichen

Fächern an der FHW Berlin sind

proportional mehr Frauen als in den

betriebswirtschaftlichen Fächern vertreten.

Wird die Gruppe der Professorinnen

durch die neuen Regelungen

(ungewollt) benachteiligt? Wird es für

die einzelne Person überhaupt eine

Berufungszulage bzw. Bleibezulage

geben, und nach welchen Kriterien

wird die Höhe der Zulage vergeben?

An der wirtschaftswissenschaft lichen

Fachhochschule werden häufig wissenschaftlich

ausgebildete Praktiker/innen

rekrutiert. Werden (männliche)

Manager aus großen Unternehmen

und mit internationaler Erfahrung,

die BWL-Fächer unterrichten, finanziell

jetzt besser gestellt als andere

Professor/innen? Dies könnten die

(mehrheitlich weiblichen) Jurist/innen,

Volkswirt/innen, Mathematiker/innen

und Gesellschaftswissenschaftler/innen

sein, die keine konkurrierenden Gegenangebote

aus der Wirtschaft vorzuweisen

haben (vgl. FHW-Richtlinie).

Ist das möglicherweise gerechtfertigt,

weil diese betriebswirtschaftlichen

Praxiskenntnisse für eine Fachhochschule

unabdingbar sind? Oder sollten

Erfahrungen und Qualität in der Lehre

stärker gewichtet werden, weil das die

Hauptaufgabe einer hauptamtlichen

Lehrkraft ist?

Weiter stellt sich die Frage, in welchen

Einkommensverhältnissen sich die

(jüngeren) Professor/innen langfristig

wiederfinden werden, die heute

nach C2 besoldet werden. Werden

die „neuen“ Professor/innen in der

W-Besoldung auf lange Sicht durch

Leistungszulagen im Durchschnitt

mehr verdienen als die Professor/innen

in der C-Besoldung? Muss diese Entwicklung

eine politisch hingenommene

Folge des Gesetzes zur Einführung der

leistungsbezogenen Professorenbesoldung

sein?

Aktueller Handlungsbedarf

Der genauen Ausgestaltung der Regelungen

muss sich die FHW Berlin bald

stellen. Erste Anträge für Leistungszuschläge

sind im Jahr 2008 zu erwarten.

Dann müssen die Beratungen des Leistungsrates

erfolgen, der die Kriterien

aus der Satzung und der Richtlinie in

die Praxis umsetzen muss. Der Prozess

der Differenzierung hat begonnen.


28 Personalia

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Personalia

29

Neu berufen

Fachbereich I Wirtschaftswissenschaften

Fachbereich II Berufsakademie

Thomas Gruber – Professur für Allgemeine BWL, insbesondere Rechnungswesen und Controlling

Thomas Gruber studierte BWL an der

Universität des Saarlandes in Saarbrücken.

Daran anschließend war er

wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen

Institut für betriebswirtschaftliche

Steuerlehre, wo er 1990 promovierte.

Die letzten 18 Jahre war Thomas Gruber

in unterschiedlichen Funktionen in

den Bereichen Bilanzen und Controlling

im Daimler-Konzern tätig.

Ab 1997 arbeitete er in Berlin bei

Daimler Financial Services, wo er in

den letzten Jahren als Bereichsleiter für

Corporate Controlling und Bilanzierung

verantwortlich war. Schwerpunkt

seiner Tätigkeit in dieser Zeit war die

Claudia Lemke – Professur für Wirtschaftsinformatik

Claudia Lemke studierte Wirtschaftswissenschaften

mit dem Schwerpunkt

Wirtschaftsinformatik an der TU Bergakademie

Freiberg und promovierte

1999 über neue Geschäftsmodelle in

der digitalen vernetzten Welt.

Ihre mehr als 10-jährigen beruflichen

Erfahrungen sammelte Frau Lemke

in verschiedenen Unternehmensberatungen.

Zuletzt war Frau Lemke

bei Horváth & Partners Beraterin im

Bereich Informationsmanagement. Sie

führte zahlreiche Projekte im Umfeld

der IT für internationale Konzerne

und den gehobenen Mittelstand durch.

Exemplarische Aufgabenstellungen

waren die Konzeption und Umsetzung

von IT-Strategien, die Bewertung und

Auswahl betriebswirtschaftlicher Standardsoftware

sowie die Entwicklung

konzernweite Einführung der International

Financial Reporting Standards

im externen und internen Rechnungswesen

und die Implementierung des

Internal Control System nach US-amerikanischen

Vorschriften.

Nebenberuflich war Thomas Gruber

als Trainer bei Forum, Institut für

Management, tätig. Darüber hinaus

ist er beim International Accounting

Standards Board und beim Deutschen

Rechnungslegungs Standards Committee

Mitglied in Arbeitskreisen, die sich

mit der Weiterentwicklung der internationalen

Bilanzierung von Leasingverhältnissen

beschäftigen.

serviceorientierter IT-Organisationsmodelle.

Frau Lemke kann auf eine langjährige

Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen

zurückblicken. Von 2006 bis

zu ihrer Berufung an die FHW Berlin

hatte sie eine Vertretungsprofessur für

Organisation und Informationsmanagement

am Fachbereich Wirtschaft

der Fachhochschule Stralsund inne.

Zu ihren Forschungsinteressen gehören

die Entwicklung von Prozessmodellen

in der IT auf der Basis von Referenzmodellen

sowie organisatorische

Fragestellungen von IT-Abteilungen

und IT-Dienstleistern. Frau Lemke ist

PMI-zertifizierter Project Management

Professional.

Erster Honorarprofessor für den

Fach bereich Berufsakademie

Prof. Dr. Ralf Leinemann vertritt das Bauvertrags- und Vergaberecht

Prof. Dr. Ralf Leinemann

Am 29. Juni 2007 hat der Rektor der

FHW Berlin den langjährigen Lehrbeauftragten

des Fachbereichs II für

privates Baurecht, Dr. Ralf Leinemann,

zum Honorarprofessor ernannt. Ralf

Leinemann studierte Rechtswissenschaften

in Würzburg und Köln, legte

seine Staatsexamina in Köln und Düsseldorf

ab und promovierte 1989 mit

einer Dissertation über das deutschamerikanische

Umwelthaftungsrecht.

1985 verbrachte er ein Jahr an der State

University of New York, wo er einen

„Bachelor of Arts“ in den Politikwissenschaften

erwarb.

Gastdozentur für Stefanie Lorenzen

Stefanie Lorenzen studierte an der

Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg

und der Freien Universität Berlin

Rechtswissenschaften. Nach dem Studium

unterstützte sie in Namibia das

Justizministerium bei der nationalen

Rechtsreform im Rahmen der deutschen

Entwicklungszusammenarbeit.

Als Rechtsanwältin war sie von 1998 bis

2003 bei der internationalen Wirtschaftskanzlei

Gleiss Lutz in Berlin

Nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt

in Düsseldorf begann Dr. Leinemann

seine berufliche Tätigkeit bei der Sozietät

Lauenroth & Partner, in die er bald

selbst als Partner eintrat. Im Jahr 2000

gründete er die Sozietät Leinemann &

Partner mit Sitz in Berlin, die heute mit

31 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten

bundesweit an vier Standorten

tätig ist.

Die Schwerpunkte der anwaltlichen

Tätigkeit von Herrn Dr. Leinemann liegen

auf dem Gebiet des Baurechts und

des Vergaberechts. Seit 1996 hat er die

Errichtung zahlreicher Bauvorhaben

anwaltlich begleitet und dabei oftmals

ausführende Unternehmen im Rechtsstreit

vor Gerichten und Schiedsgerichten

vertreten, so zum Beispiel bei der

ICE-Neubaustrecke Köln-Rhein/Main,

beim Neubau des Lehrter Bahnhofs in

Berlin, beim Neubau des Bundeskanzleramts

und bei der Neugestaltung des

Berliner Olympiastadions. Er ist zudem

als Berater und Bevollmächtigter bei

förmlichen Verfahren zur Vergabe

öffentlicher Bau- und Dienstleistungsaufträge

tätig und als Autor und

tätig. Dort spezialisierte sie sich im

Arbeitsrecht, einschließlich gesellschafts-

und sozialrechtlicher Fragestellungen.

Nach der Geburt ihres zweiten

Sohnes gründete sie eine eigene

Kanzlei.

Ihre thematischen Schwerpunkte liegen

in den arbeitsrechtlichen Aspekten von

Unternehmensumstrukturierungen

und der Auswirkung von Privatisierungen

auf Arbeitsverhältnisse. In

Herausgeber zahlreicher Fachbeiträge

und Bücher in Erscheinung getreten.

Seit vielen Jahren ist Dr. Leinemann

Seminarleiter für Bau- und Vergaberecht

beim Wissensforum des Vereins

Deutscher Ingenieure (VDI) sowie

beim Betriebswirtschaftlichen Institut

der Bauindustrie (BWI Bau). Seit der

Einführung der Fachanwaltschaft für

Bau- und Architektenrecht im Jahr

2005 ist er fachlicher Leiter bei zwei

Veranstaltern dieser beruflichen Qualifizierungsmaßnahme

für Rechtsanwälte

und gehört dem entsprechenden

Fachanwaltsausschuss des Vorstandes

der Rechtsanwaltskammer Berlin an.

Seit 1998 ist Dr. Leinemann Lehrbeauftragter

für Bauvertragsrecht an der

Berufsakademie Berlin. Mit der Bestellung

zum Honorarprofessor spricht

ihm die Hochschule ihre Anerkennung

für herausragende Leistungen auf dem

Gebiet des Bauvertragsrechts und des

Vergaberechts sowie für sein Engagement

an der FHW Berlin aus.

der wissenschaftlichen Arbeit interessiert

sie das Spannungsfeld zwischen

Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen

und Schutz des einzelnen Arbeitnehmers,

insbesondere im internationalen

Kontext. Seit 2006 unterrichtet Stefanie

Lorenzen als Lehrbeauftragte an der

FHW Berlin und hat vom Oktober

2007 an für ein Jahr eine Gastdozentur

für Arbeits- und Sozialrecht am

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

übernommen.


30 Personalia

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Personalia

31

Neue Mitarbeiter/innen

Zentrale Hochschulverwaltung

Isolde

Drosch

Isolde Drosch ist seit Mai 2007 für den

career contact der FHW Berlin tätig.

Sie ist dort die Ansprechpartnerin für

Bewerbungsberatung und Coaching.

Darüber hinaus ist sie für die Organisation

der Bewerbungsstrategieseminare

sowie das Controlling von ESF-Projekten

zuständig.

Nach mehrjähriger Arbeit im sozialpädagogischen

Bereich und einer Expedition

eines britisch-amerikanischen

Forschungsinstitutes studierte sie an

der FHW Berlin Wirtschaftswissenschaften.

Bevor sie nach fast zehn Jahren Auslandsaufenthalt

mit ihrer Familie nach

Berlin zurückkehrte, arbeitete sie in

Paris für eine Non-Profit-Organisation.

Dort war sie für die Kommunikation

mit den spendenden Unternehmen und

die Betreuung der Spendenempfänger

verantwortlich.

Detlef

Kaszynski

Seit September 2007 ist Detlef

Kaszynski für die Zentrale Hochschulverwaltung

als Hausmeister am Fachbereich

Berufsakademie tätig.

Vom November 2005 bis August 2006

absolvierte er ein Praktikum im Rahmen

„Praxis Büro“ im Bereich Gebäudemanagement

und Zentrale Dienste

der FHW Berlin. Dort sammelte er

Erfahrung in der Haushandwerkerei,

im Postdienst und der Vervielfältigung.

Begleitend nahm er an einer Qualifizierung

im EDV-Bereich, der betriebswirtschaftlichen

und kaufmännischen

Grundlagen und am Teamtraining teil.

Dazu beizutragen, dass am Standort

Berufsakademie auch im Hinblick

auf den bevorstehenden Umzug Ende

nächsten Jahres alles reibungslos funktioniert,

ist für ihn ein erstrebenswertes

Ziel, dem er sich voller Freude stellt.

Bis zum Umzug des Fachbereichs II

nach Alt Friedrichsfelde gehören das

Ausstatten der Seminarräume, die

Wartung, Bereitstellung und Pflege

von mechanischem Gerät zum problemlosen

Ablauf der Seminare sowie

die handwerklichen Hausarbeiten zu

seinen Aufgaben.

Regine

Liebelt

Regine Liebelt vertritt seit Juli 2007

Frau Schumann für die Dauer ihrer

Elternzeit im Bereich Hochschulmarketing

und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Zu ihren Aufgaben zählt die

Erstellung von Inhalten für den Internetauftritt

der FHW Berlin sowie die

Mitarbeit bei verschiedenen Projekten

des Hochschulmarketings.

Frau Liebelt studierte Soziologie und

Anglistik an der Universität Hamburg

und Medienberatung an der TU Berlin.

Während ihrer Studienzeit sammelte

sie Erfahrungen im Rahmen diverser

Praktika und als freie Mitarbeiterin in

den Bereichen Marktforschungs- und

Marketingassistenz, die sie nach ihrem

Abschluss als Diplom-Medienberaterin

in verschiedenen Unternehmen weiter

ausbaute.

Marc

Wingenfeld

Marc Wingenfeld setzt seine Kreativität

seit Oktober 2007 als Grafiker

in der Abteilung Hochschulmarketing

ein und ist nun gemeinsam mit Frau

Ruhstrat hauptsächlich für die visuelle

Um setzung der PR- und Marketing-

Materialien der FHW Berlin zuständig.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung

studierte Herr Wingenfeld

Kommunikationsdesign/Grafikdesign

an der Fachhochschule Dortmund und

erwarb im Herbst 2004 sein Diplom.

In Hamburg arbeitete er eine Zeit

lang in der Marketingabteilung des

Software-Publishers dtp entertainment

AG und war seit Sommer 2006 als

freiberuflicher Designer für verschiedene

Unternehmen der Medienbranche

tätig. In dieser Zeit befasste sich Herr

Wingenfeld vor allem mit Kommunikations-,

Web- und Corporate Design.

Fachbereich I

Wirtschaftswissenschaften

Nadja

Awada

Nadja Awada ist seit August 2007

im Büro für Immatrikulation und

Bewerber marketing tätig. Sie ist mitverantwortlich

für die Organisation

und Durchführung der Zulassungsverfahren

und die Immatrikulation

der zugelassenen Bewerber aller

Studien gänge, einschließlich der Gaststudenten.

Frau Awada gibt Auskunft

zu allen Fragen der Bewerbung und

Zulassung.

Zu Ihren Aufgabenschwerpunkten

gehören die Informationsbeschaffung

und der Kontakt mit Ämtern und

anderen Einrichtungen, wie der Senatsverwaltung,

der Ausländerbehörde und

Krankenkassen.

Im Herbst 2002 hat Frau Awada an der

FHW Berlin ihr Diplom erworben.

Ihre Diplomarbeit wurde im Jahr 2003

als Buch unter dem Titel „Celebrity-

Marketing – Der Trend zu Werbung

mit Prominenten“ veröffentlicht. Nach

ihrem Studium an der FHW Berlin hat

Frau Awada in einem Verein Projekte

und Ehrenamtliche betreut und an

der Freien Universität einige Semester

Rechtswissenschaften studiert.

Christian

Baal

Christian Baal ist einer von zwei

Forschungsassistenten, einer Position,

die zum Mai 2007 neu an der FHW

Berlin geschaffen wurde. Herr Baal

ist Frau Prof. Felden zugeordnet, die

den Bachelor-Studiengang „Unternehmensgründung

und -nachfolge“

leitet. Die inhaltlichen Schwerpunkte

seiner Forschungs arbeit liegen in den

Bereichen KMU, Familien unternehmen

und Unternehmens nachfolge im Mittelstand.

Zur Zeit arbeitet er zusammen

mit Frau Felden an der Veröffentlichung

eines Buches zum Thema Unternehmensnachfolge.

In Zukunft werden

seine Tätigkeiten vor allem im weiteren

Ausbau des Studiengangs und in der

Vertiefung des Themas Familienunternehmen

als Forschungsschwerpunkt

liegen.

Herr Baal hat im Jahr 2004 an der

FHW Berlin mit dem Schwerpunkt

Organisation und Personal diplomiert.

Ein weiterer Studienschwerpunkt

lag im Bereich Gründung und

Management von kleinen und mittelständischen

Unternehmen. Praxiserfahrung

konnte Herr Baal als General

Manager mit Schwerpunkt Vertriebsorganisation

bei einem kleinen Berliner

Handelsunternehmen sammeln.

Marleen

Kregel-Olff

Marleen Kregel-Olff arbeitet seit

August 2007 im Studienbüro für den

Masterstudiengang „Chinese-European

Economics and Business Studies“

(CEEBS). Sie unterstützt dessen

Einführung und Organisation in den

Bereichen des Bewerbermarketings, der

Lehrplanung und der Kommunikation

mit den chinesischen Partnerhochschulen.

Darüber hinaus wirkt sie an

der Konzeption des Fremdsprachenangebots

der FHW Berlin mit.

Nach ihrem Studium der Sinologie,

Sprachwissenschaften und Anglistik in

Kiel und in Hangzhou war Frau Kregel-

Olff zunächst als Dozentin am Eurasia-

Institut Berlin tätig. Anschließend

sammelte sie bei uni-assist in enger

Zusammenarbeit mit verschiedenen

Hochschulen, der Akademischen Prüfstelle

in Beijing und der Zentralstelle

für ausländisches Bildungswesen in

Bonn Erfahrungen als Asienreferentin.

Zur Zeit arbeitet sie nebenbei an der

Veröffentlichung ihrer Promotion.

Elzbieta

Zielonka

Elzbieta Zielonka ist seit Oktober 2007

Mitarbeiterin im Lehrbetriebsamt des

Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften.

Zu ihren Aufgaben gehört die

Mitarbeit bei dem organisatorischen

Teil der Lehrplanung mit dem Schwerpunkt

der Raumvergabe, die Organisation

und Überwachung der Ausleihe

und Vergabe von Lehrmitteln sowie

die Betreuung der akademischen Mitarbeiter/innen

bei der Raumvergabe.

Frau Zielonka ist Diplom-Ingenieurin

für Biomedizinische Technik. Nach

dem Studium an der TU Breslau hat sie

mehrere Jahre an der Medizinischen

Universität in Breslau gearbeitet, wo

sie für die Verwaltung und Betreuung

von medizinischer Apparatur und PCs

zuständig war.

Dr. Holger

Zumholz

Dr. Holger Zumholz ist seit Mai 2007

als Forschungsassistent von Prof.

Ripsas tätig. Er unterstützt ihn bei

einem Forschungsprojekt, das die

Gründungsplanung und Strategiegenese

in jungen Unter nehmen untersucht.

Das Projekt wird in Kooperation

mit der Berliner Volksbank und dem


32 Rund um's Studium

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Rund um's Studium

33

Beratungsunternehmen Leo Impact

Consulting durchgeführt.

Herr Zumholz hat an der FU Berlin

Betriebswirtschaftslehre studiert und

bei Prof. Winterhager im Themenbereich

Entrepreneurship promoviert. Er

war selbst an der Gründung verschiedener

Unternehmen beteiligt und berät

und unterstützt Unternehmensgründer

und Gründerteams bei der Entwicklung

ihrer Geschäftskonzepte.

Seit dem WS 2006/07 ist er auch Lehrbeauftragter

an der FHW Berlin und

hält Vorlesungen im Bachelor-Studiengang

„Unternehmensgründung und

-nachfolge“.

Fachbereich II Berufsakademie

Anika

Maier

Anika Maier ist seit Juni 2006 bei

Prof. Schmoll gen. Eisenwerth in

der Fachrichtung Immobilienwirtschaft

des Fachbereichs Berufsakademie

beschäftigt und arbeitet dort

für das Projekt „Erfolgsfaktoren von

Wohnungsunternehmen in einem

schwierigen Marktumfeld“. Zu ihren

Aufgaben zählen neben der organisatorischen

Unterstütz ung des Projektes

die Entwicklung von Fragebögen und

Interview-Leitfäden sowie die statistische

und qualitative Auswertung der

Ergebnisse.

Frau Maier studierte am Fachbereich

Berufsakademie der FHW

Berlin Immobilienwirtschaft und war

danach im Bereich der gewerblichen

Immobilienfinanzierung bei der

Landesbank Berlin AG tätig. Zur Zeit

absolviert sie den Master-Studiengang

International Management am Fachbereich

I der FHW Berlin.

Im Gesetzgebungslabor

Ein Blick hinter die Kulissen des Bundestags

Text: Susanne Meyer

Die neue Macht des Marketing

Relevanz von Emotion, Innovation und Präzision für die Ausgestaltung des unternehmerischen Marketing

„Marketing is in trouble …“ ist einer

der plakativen Sätze, der in Fachdiskussionen,

Vorträgen und Veröffentlichungen

in jüngster Zeit immer

häufiger zu hören ist. Denn vor dem

Hintergrund von in diesem Ausmaß

bisher nicht bekannten Veränderungen

von Markt, Kunde, Wettbewerb, Mitarbeiter

etc. scheinen die bisher gelernten

klassischen Konzepte, Strategien und

Instrumente des Marketings immer

weniger zu überzeugen. Die sich

verändernden Rahmenbedingungen

des unternehmerischen Marketings

schlagen sich u. a. in folgenden Entwicklungen

nieder:

Aufgeklärtere und kritischere

Ver braucher

Fragmentierung des gesamten

Informationsangebotes

Verweigerungshaltung immer größerer

Kundengruppen gegenüber dem

werblichen Information-Overload

Zunehmende Flopquoten bei

Innovationen

Höhere Erwartungshaltungen an das

Marketing in den Unternehmen

In der Konsequenz gerät Marketing im

eigenen Unternehmen immer stärker in

die Defensive. Denn auf eine gleichermaßen

dynamischere wie unberechenbarere

Umfeldentwicklung kann nicht

mehr mit der bisher üblichen Selbstverständlichkeit

und Vorhersagbarkeit

reagiert werden. Die in der Vergangenheit

erfolgreich angewandten Konzepte

„greifen“ offensichtlich nicht mehr mit

der gleichen Sicherheit.

Vor diesem Hintergrund muss der

generelle Marketing-Anspruch des

Unternehmens neu ausgerichtet

werden – mit einem stärkeren Fokus

auf noch mehr Emotion, Innovation

und Präzision als dies jemals vorher

notwendig war. Im Kern geht es darum,

Emotionen als Erfolgsparameter im

Innen- und Außenverhältnis des

Unternehmens konsequent einzusetzen,

indem auf die Erreichung einer

„Unique Passion Proposition“ hingearbeitet

wird und bspw. Mitarbeiter zu

Markenbotschaftern aufgebaut werden.

Gleichzeitig gilt es, Innovationen im

Unternehmen stärker als Erfolgsparameter

zu verstehen und Kunden viel

früher und systematischer in den Innovationsprozess

einzubinden. Darüber

hinaus sollte das Kommunikationspotenzial

des Web 2.0 erschlossen werden

– und dies nicht nur im Innovationsbereich.

Zusätzlich ist der Erfolgsparameter

Präzision zu vertiefen, weil hier das

Marketing den größten Nachholbedarf

aufweist, um den Return on Marketing

Invest zu belegen.

Diese und viele weitere Aspekte werden

im dem Marketing-Reader von

Kreutzer/Merkle vertieft, der soeben

im Gabler-Verlag, erschienen ist. Viele

renommierte Experten aus Wissenschaft

und Praxis präsentieren neueste

Forschungsergebnisse und praxisorientierte

Lösungskonzepte.

Kreutzer, R./Merkle W., Die neue

Macht des Marketing. Wie Sie Ihr

Unternehmen mit Emotion, Innovation

und Präzision profilieren,

Wiesbaden 2007.

ISBN 978-3-8349-0515-4

Das Reichstagsgbäude

Was macht ein Parlamentarier den

ganzen Tag? Wer hilft ihm bei der

Informationsbeschaffung? Worüber

entscheidet das Parlament? Was ist eine

Fraktion? Wer findet im Bundestag

Arbeit? Was sind die verschiedenen

Tonsignale, die im Reichstagsgebäude

überall zu hören sind?

Diese Fragen und viele mehr konnten

Studierende bei unserem Besuch im

Bundestag klären. Unter der fachkundigen

Anleitung von Dr. Peter Fäßler,

Mitarbeiter des Staatsministers im Auswärtigen

Amt, Gernot Erler, durften

wir hinter die Kulissen des Bundestags

schauen. Neben einem Überblick über

die Einrichtungen, die Bundestagsabgeordnete

zur Informations beschaffung

und Organisation ihrer täglichen

Arbeit nutzen können, haben wir im

Fraktionssaal der SPD Einzelheiten

über die parlamentarische Arbeit

erfahren.

Der gedrängte Zeitplan der Abgeordneten,

die Fülle der in den Sitzungswochen

abzuarbeitenden Fragestellungen

und die große Spannbreite von

Themen haben uns dabei besonders

beeindruckt. Im Fraktionssaal der SPD

suchte sich jede Teilnehmerin und

jeder Teilnehmer einen Platz in den

Bänken derjenigen Landesgruppe, aus

dessen Bundesland er oder sie stammt.

Das war mit viel Heiterkeit verbunden.

Dr. Fäßler beantwortete mit großer

Geduld alle aufkommenden Fragen.

Die beeindruckende Architektur des

Reichstages tat ein Ihriges dazu, den

Besuch zu einem großen Gewinn für

alle Teilnehmenden zu machen. Natürlich

endete die Besichtigung auf der

eindrucksvollen Kuppel von Sir Norman

Foster. Wer dort länger verweilte,

konnte sogar noch Zeuge einer Besetzung

der Reichstagsfassade durch eine

Gruppe Protestierender werden, die ein

großes Plakat an der Fassade abseilten.

Blitzschnell waren Sicherheitsbeamte

Foto: Presse- und Informationsamt des Landes Berlin

zur Stelle, die wir zuvor überhaupt

nicht wahrgenommen hatten.

Insgesamt sei Herrn Dr. Fäßler herzlich

gedankt für seine informative Führung.

Die Veranstaltung werden wir sicher

wiederholen.

PS: Die merkwürdigen Tonsignale, die

überall im Reichstagsgebäude zu hören

sind und die wir sehr irritierend fanden,

haben eine sehr wichtige praktische

Bedeutung: Sie rufen zur Abstimmung.

Ein solches Signal ertönt vor jeder

Abstimmung im Plenum, damit auch

diejenigen Abgeordneten, die gerade

nicht im Parlamentssaal sind, noch

schnell herbeieilen können, um ihre

Stimme abzugeben. Aus der Art des

Signals können die Abgeordneten, die

nicht im Plenarsaal sind, entnehmen,

ob namentlich, mit Hammelsprung oder

einfach abgestimmt wird. Daraus ergibt

sich für sie auch, wie wichtig ihre Teilnahme

an der Abstimmung ist.


34 Rund um's Studium

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Rund um's Studium

35

Es ist geschafft!

Erste Bachelor-Absolventen der Studiengänge „Business Administration“ und „Economics“

Bildungssysteme im Vergleich

Wie eine Masterstudentin die „deutschte Art“ des Studierens kennen lernte

Text: Timo Schneider und Stefanie Jägerling

Text: Hanna Shcherbich

Übersetzung: Helmut Maier

Dies gilt sowohl für die Fachhochschule

für Wirtschaft Berlin als auch

für die ersten Absolventinnen und

Absolventen der Bachelorstudiengänge

„Business Administration“ und

„Economics“. Die Hochschule hat seit

Herbst 2003 den ersten Turnus dieser

Studiengänge durchgeführt und dabei

die positiven Merkmale des Bachelorstudiums

in der Praxis erleben können.

Aber auch Verbesserungspotenziale

konnten erkannt und Maßnahmen

eingeleitet werden. Die Absolventinnen

und Absolventen können ebenfalls

jubeln. Sie haben ihren Abschluss als

„Bachelor of Arts“ in der Tasche.

Diese erfolgreichen Ereignisse wurden

mit einer kleinen Abschlussveranstaltung

Ende April 2007 gebührend

gefeiert. Prof. Bruche erläuterte in seiner

Rede die Studienzeit mit Hilfe der

Symbolik einer Schiffsreise. Die Studenten

sind mit ihrem Abschluss sicher

im Hafen angekommen. Jetzt beginnt

die nächste Reise im Master oder im

Berufsleben. Im Anschluss hielten auch

die Studenten Reden bereit, in denen

es um die vorangegangenen Erlebnisse

der gemeinsamen Studienzeit und den

Ausblick in die Zukunft ging.

Nach der offiziellen Zeugnisübergabe konnten die Hüte fliegen und die Sektkorken knallen.

Wir möchten uns noch bedanken:

insbesondere bei unseren Studiendekanen,

die unserer Meinung immer viel

Aufmerksamkeit geschenkt haben; bei

allen Professorinnen und Professoren

und Lehrbeauftragten für eine sehr

angenehme Lernatmosphäre und einen

hohen Praxisbezug. Natürlich wollen

wir auch den Eltern, dem BAföG-Amt

und sonstigen Sponsoren danken, die

uns überhaupt ein Studium ermöglicht

haben. Ganz besonders am Herzen liegt

es uns jedoch, unserem Studienbüro zu

danken. Allen derzeitigen Studentinnen

und Studenten wünschen wir weiterhin

viel Erfolg beim Studium!

Im Jahr 2005 habe ich an der Technischen

Universität in Brest/Weißrussland

das Diplom in „International

Economics und International Relations“

erworben. Obwohl ich fünf Jahre

für dieses Ökonomiestudium gebraucht

hatte, habe ich noch nicht gewusst, auf

welchem spezifischen Berufsfeld ich

meinen Werdegang beginnen sollte.

Maßgeblich dazu beigetragen hat, dass

osteuropäische Bildungssysteme (hier

meine ich z. B. Russland, Weißrussland,

oder die Ukraine) auf fest definierten

Ausbildungsmodulen gegründet sind,

die zwar eine große Vielfalt von Pflichtfächern

abdecken, jedoch nicht die

Möglichkeit zur vertiefenden Spezialisierung

bieten.

Deshalb habe ich mich während

meiner Arbeit als Managerin für die

Logistik eines kleinen Transportunternehmens

in meiner Heimatstadt nach

einer Möglichkeit umgesehen, meine

Ausbildung im Ausland fortzusetzen.

Die Entscheidung für ein Studium in

Berlin erschien mir damals ein wenig

spontan, aber wenn ich heute darüber

nachdenke, fallen mir schon ein

paar Gründe ein. Erstens war meine

zweite Fremdsprache (nach Englisch)

Deutsch, und beim Lernen der Sprache

lernte ich auch deutsche Kultur,

Geschichte und Traditionen kennen.

Zweitens waren die Ausbildungs- und

Lebenshaltungskosten in Deutschland

mehr als angemessen für mich. Und

drittens bot die Fachhochschule für

Wirtschaft Berlin ein Masterprogramm

an, das hervorragend zu meiner vorher

erreichten Qualifikation passte.

Daher habe ich im April 2006 mit

dem Masterstudium in „Interna tional

Economics“ begonnen. Schon zu

Beginn habe ich etliche Unterschiede

zu meiner weißrussischen Universität

festgestellt: Der Lernprozess war völlig

anders organisiert. In fast allen Lehrveranstaltungen

wurde in Seminarform

unterrichtet, bei der die Studierenden

in die Diskussion einbezogen werden.

Die Prüfungen sind schwierig gewesen,

und sie umfassten – mit Ausnahme

der mündlichen Abschlussprüfung

zu Semesterende – Präsentationen

und terminierte Hausarbeiten. Neben

Pflichtfächern hat es einen Kanon von

Wahlpflichtfächern gegeben, unter

denen jeder etwas Interessantes finden

konnte.

Mein erstes Semester an der FHW

Berlin würde ich als die „Anpassungsperiode“

bezeichnen. Es ergab sich,

dass ich später als die übrigen Studierenden

zu den Kursen kam. Deshalb

musste ich nicht nur auf den Inhalt

laufender Lehrveranstaltungen achten,

sondern auch eigenständig die versäumten

Inhalte nachholen. Am besten

habe ich meine erste Präsentation

über die Firma 3M im Kurs „Strategic

Management“ sowie die erste Gruppenpräsentation

zur Situation in meinem

Heimatland im Kurs „Development

Economics“in Erinnerung.

Mein zweites Semester ist im Gegensatz

hierzu sehr intensiv gewesen. Ich bin

mit dem Bildungssystem allgemein

vertrauter geworden und habe meine

Wahlpflichtfächer sehr sorgfältig ausgewählt.

Daher bin ich mit jedem Kurs,

den ich besucht habe, zufrieden gewesen.

So ist z. B. „International Business

Law“ toll gewesen durch die Art und

Weise, wie Prof. Straub es organisiert

hatte: Er hat einfache Sachverhalte und

Bilder mit der „Juristensprache“ in aufregende

Geschichten verwandelt; er hat

einen ungewöhnlichen Weg gefunden,

sonst langweilige und schwierig zu

behaltende Dinge wirklich interessant

zu gestalten. Die Innovation von Prof.

Haller in ihrem Kurs „Current Issues

in Marketing“ hat darin bestanden,

die zwei großen Themen Einzelhandel

und Tourismus anhand eines Beispiels

darzu legen, das sie zur Erklärung der

Theorie benutzt hat. Und mein absoluter

Lieblingskurs ist „Econometric s“

gewesen. Offen gestanden bin ich

bislang nie gut im Umgang mit Zahlen

gewesen, aber nach der Teilnahme

an dem Kurs von Prof. Maier, nach

seinen klaren und detaillierten Ausführungen,

habe ich mich entschlossen,

die Leontiefsche Input-Output-Theorie

zur Grundlage meiner Masterarbeit zu

machen.

Zusammenfassend kann ich nur

anfügen, dass mein Studium hier an

der FHW Berlin meine universitäre

Ausbildung perfekt vervollständigt hat.

Es hat mir mehrere neue Wege aufgezeigt,

wie ich mein erworbenes Wissen

in die Praxis umsetzen kann, und es hat

mir eine hochinteressante Erfahrung

verschafft. Meine Entscheidung, an

der FHW Berlin zu studieren, ist ganz

bestimmt richtig gewesen!


36 Alumni

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Alumni

37

Vernetzung leicht gemacht

Neue Alumni-Plattform der FHW Berlin

Text: Anke Lüers

Der Kontakte e. V. – das Ehemaligennetzwerk

der FHW Berlin – geht noch

in diesem Jahr mit einer von der Firma

Implemens konzipierten Datenbank

speziell für alle Ehemaligen, aber

für auch Studierende und Lehrende

unserer Hochschule, online. Nach zahlreichen

Angeboten und ausführlicher

Prüfung sind wir glücklich darüber,

uns für die Implemens-Datenbank

entschieden zu haben. Wir freuen uns

auf den Start!

Die Alumni-Plattform bildet den Kern

der Datenbank. Sie wird durch die

Module „Career Service“ und „Netzwerke“

erweitert. Das Modul „Netzwerke“

ermöglicht es jedem Fachbereich

bzw. Studiengang, sich individuell

abzubilden und sich damit auch

innerhalb der Plattform von anderen

abzugrenzen.

Die Plattform deckt alle Anforderungen

einer Alumni-Organisation ab, wenn

man die Ehemaligen nicht nur verwalten,

sondern auch ansprechen und zur

Eigeninitiative auffordern will. So bietet

sie den Ehemaligen ein intuitives und

Das Leistungsspektrum der Implemens-Datenbank

Module (Ausschnitt)

Community-Plattform

Alte Kontakte finden

Neue Kontakte knüpfen

Potenzielle Geschäftspartner treffen

Termine veröffentlichen

Downloads

Kursinformationen

E-Mail-Verteiler

Informationen über Veranstaltungen

(z. B. Workshops, Homecoming Days,

Stammtische)

Versand von Newslettern

Bildung von eigenen Communities

interaktives Networking-Portal. Alle

Funktionen der Plattform sind einfach

bedienbar, so dass jeder Ehemalige

sehr leicht eigene Inhalte beisteuern

und die Plattform für alle Mitglieder

interessanter machen kann. Die Suchmöglichkeiten

umfassen alle wichtigen

Informationen zu einer Person, d. h.

neben Namens- und Adressdaten

beispielsweise auch den Abschlussjahrgang

oder den derzeitigen Arbeitgeber.

Die Alumni verwalten ihre Daten selbst

und werden regelmäßig gebeten, ihr

Profil auf Aktualität zu überprüfen.

Die Informationen im Alumni-Portal –

Artikel, Bilder, Termine und Umfragen

– können zentral oder dezentral

eingestellt und gesteuert werden.

Zur Kommunikation stehen verschiedene

Online-Formate zur Verfügung.

Diese können auf der Ebene der Communities

eingesetzt werden. So werden

automatisch E-Mail-Verteiler für jede

Community generiert. Ein „Instant

Messenger“ sowie Diskussionsforen

und Newsletter eröffnen zusätzliche

Kommunikationskanäle. Die aktuellste

Career-Service

Einstellen von Interessenprofilen

Einstellen von Stellenangeboten und

-gesuchen durch Unternehmen

gezielte Ansprache der Absolventen/

Studenten durch Filterkriterien

Unternehmenspräsentationen

Organisation von Firmenmessen

Erweiterung ist die Integration von

Internettelefonie über Skype.

Das Modul „Career Service“ ist eine

wertvolle Ergänzung der Alumni-

Plattform. Es bündelt wichtige Funktionen

rund um den Jobeinstieg und

die persönliche berufliche Karriere.

Die Funktionen des Jobmarktes sind

umfassend und nutzerorientiert. Über

eine externe Website stellen Unternehmen

ihre Angebote in einem standardisierten

Format ein, die so für die

Ehemaligen im Portal sichtbar werden.

Neben dem Einstellen von Ange boten

gehört die aktive Vermittlung zu den

wesentlichen Erfolgsfaktoren. Vor diesem

Hintergrund wurden detaillierte

Filterfunktionen entwickelt, die Angebot

und Absolventenprofil zusammenbringen.

Die Alumni entscheiden selbst

über den Empfang und die Art der zu

empfangenden Angebote. Auch der

career contact der FHW Berlin freut

sich darauf, dass es schon in Kürze

losgehen wird.

Kurzum: Mit allen Funktionen und

Möglichkeiten bildet die Datenbank

sämtliche Alumni-Strukturen innerhalb

der FHW Berlin ab. Die Alumni-

Arbeit der Hochschule hat damit eine

sichere und gute Startposition für die

künftige Interaktion mit ihren Ehemaligen.

Genau gesagt – was heißt hier „Ehemalige“?

Das Kontakte-Netzwerk will sehr

gern auch die heutigen Studierenden

ansprechen, sie für eine Mitgliedschaft

gewinnen und frühzeitig beim

Berufseinstieg unterstützen.

Besuchen Sie uns (www.fhw-kontakte.

de) oder schreiben Sie uns (kontakte@

fhw-berlin.de): Wir freuen uns auf Sie!

„Für mich ist ein duales Studium

zukunftsträchtig“

Madeleine Peran (Jg. 1983) hat in Berlin ihr Abitur gemacht. 2002 hat sie an der damaligen „Berufsakademie Berlin“, jetzt

Fachbereich der FHW Berlin, ein duales Studium aufgenommen. Heute ist sie als Auditorin bei der PricewaterhouseCoopers

S.à.r.l. in Luxembourg tätig. Wir haben mit ihr gesprochen und sie nach den Motiven für ihre Stu dienentscheidung sowie ihre

Erfahrungen im Studium und beim beruflichen Einstieg befragt.

Interview: Helmut Lück

Madeleine Peran

SemesterJournal (SJ): Warum haben Sie

sich für ein duales Studium entschieden?

Madeleine Peran (MP): Die Entscheidung

für dieses Studium fiel während

meiner Schulzeit. Ich wollte gern eine

Bankausbildung machen und hinterher

studieren. Wichtig war mir die Verbindung

zur Praxis, da mir die Schule

lebensfremd vorkam. Als ich mich über

eine mögliche Ausbildung informierte,

bin ich auf die Berufsakademie gestoßen.

Diese Verbindung von Theorie

und Praxis hat mir gefallen, ich war

begeistert. Daraufhin habe ich mich bei

den großen Banken, die alle Kooperationspartner

der Berufsakademie sind,

um einen Ausbildungsplatz beworben.

SJ: Wie haben Sie die Studienzeit

erlebt? Haben sich Ihre Erwartungen

erfüllt?

MP: Ich weiß noch: Die erste Zeit in

der Praxis war sehr aufregend. Man

musste den Umgang mit den Kunden

lernen. Da geht es oft um „Kleinigkeiten“,

die aber entscheidend sein können.

Wir haben das trainiert, und das

hilft mir heute sehr in meinem Beruf.

Besonders interessant war die Zeit im

Ausland: Ich habe eine Praxisphase in

der Firmenkundenkreditabteilung der

Commerzbank in Paris absolvieren

können.

Die Anforderungen der Hochschule

im Studium, vor allem in den ersten

Semestern, waren „knackig“. Mit über

30 Semesterwochenstunden hatten wir

ordentlich zu tun! Dass wir faktisch

von morgens bis abends den Tag in der

Hochschule zusammen verbrachten,

schweißte aber auch eng zusammen.

Außerdem waren wir kleine Gruppen

von 30 Personen, was die Lernatmosphäre

sehr förderte. Auch hatten

wir ein enges Verhältnis zu unseren

Professoren.

Zwischenzeitlich kamen natürlich auch

Zweifel bei uns auf. Kritisch hinterfragten

wir unser Studium. Ist dies

denn eine akzeptable Ausbildung, die

junge Menschen für das Leben rüstet?

Ich für meinen Teil kann sagen: Ja!

SJ: Wie ging es weiter? Wie gelang

Ihnen der Berufsstart?

MP: Als das Studienende absehbar

war, die Diplomarbeit endlich fertig

war, überlegte ich natürlich, was ich

in Zukunft tun könnte. Dafür sind die

Personalabteilung des Ausbildungsunternehmens,

aber auch Firmenkontaktmessen

sehr hilfreich.

Da ich gern ins französischsprachige

Ausland gehen wollte, bin ich zur im

November in Strasbourg stattfindenden

Firmenkontaktmesse „Forum francoallemand“

gefahren. Über die Messe

habe ich auch meinem heutigen Arbeitgeber,

die PricewaterhouseCoopers

S.à.r.l., Luxembourg, kennengelernt.

Ich habe mich beworben, und es hat

geklappt. Jetzt bin ich in Luxembourg

im Audit tätig. Meine Ausbildung bei

der Commerzbank – die ja Teil des

Studiums war – hat mir beim Berufsstart

sehr geholfen. Luxembourg als

einer der wichtigsten Finanzplätze in

Europa bietet jungen, gut ausgebildeten

Menschen viele Möglichkeiten.

SJ: Wissen Sie auch, wie es Ihren Kommilitonen

ergangen ist?

MP: Zwei weitere Kommilitonen von

mir sind dort in Banken tätig. Alle

meine ehemaligen Studienkollegen

sind in „Lohn und Brot“. Ein groß er

Teil blieb in den ursprünglichen

Ausbildungsbetrieben. Einige sind im

Ausland tätig. Wiederum andere, aber

nur ein geringer Teil, haben gleich

einen Aufbaustudiengang zum Master

gewählt. Ich selber habe kein Master-

Studium aufgenommen, da ich mich

berufsspezifisch weiterbilden möchte.

Abschließend kann ich sagen: Für mich

ist ein duales Studium zukunftsträchtig.

Es sollte weiterhin gefördert werden.

Es führt junge Menschen schnell und

gut ausgebildet in die Berufswelt und

lässt zugleich für die Zukunft alle Wege

offen.

SJ: Vielen Dank für das Gespräch.


38 Alumni

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Der internationale Austausch

39

GLU Alumni Summer School 2007

Text: Harald Kröck und Mirjam Klessen

Ausschreibung von Auslandsstudienplätzen

für FHW-Studierende

Studierende können sich für wahlweise ein bis zwei Semester oder für das Doppelabschlussprogramm, beginnend mit dem

Wintersemester 2008/2009, bewerben. Bewerbungszeitraum: Plätze außerhalb des Erasmus-Programms vom 8.–30. November

2007 und Plätze im Erasmus-Programm vom 1.–31. Januar 2008 im International Office (Räume 57 und 58).

Genau drei Jahre, nachdem die ersten

Studierenden der 2004 gegründeten

Global Labour University (GLU) ihren

Master-Abschluss in „Labour Policies

& Globalisation“ an der FHW Berlin

abgelegt haben, fand für die Alumni

der ersten beiden Jahrgänge die 1. GLU

Alumni Summer School statt.

Gelebte Internationalität: Die GLU-Alumni aus 20 Ländern

Knapp zwei Wochen lang diskutierten

die aus ca. 20 Ländern angereisten ehemaligen

Studierenden im IG-Metall-

Bildungszentrum bei Beverungen

und an der Universität Kassel u. a.

nationale und internationale gewerkschaftliche

Strategien im Hinblick auf

die fortschreitende Globalisierung

und analysierten die innerhalb der

GLU definierten Ziele bezüglich der

bisher erreichten Ergebnisse und

damit verbundenen Erfahrungen. Ein

Schwerpunkt wurde bei der Summer

School zudem auf einen intensiven

Erfahrungs austausch zwischen den

Alumni gelegt, der insbesondere zur

Stärkung des weltweiten Netzwerkes

ehemaliger GLU-Studierender beigetragen

hat.

33 der insgesamt 44 Alumni haben –

meist unter Inanspruchnahme eines

großen Teil ihres Jahresurlaubs – an

der Summer School teilgenommen und

diese in Workshops, Präsentationen

und Diskussionsrunden weitgehend

selbst gestaltet.

Während der Summer School wurden

unter reger Beteiligung der Alumni

drei neue Forschungsprojekte ins Leben

gerufen. Die größte Projektgruppe hat

ihre Arbeit zum Thema „Achieving

Better Protection and Representation

for Workers in Small and Micro

Enterprises“ bereits im Oktober 2007

aufgenommen und wird in den nächsten

Monaten ca. 15 Länderstudien

hierzu erarbeiten. Die Ergebnisse der

Einzelstudien werden dann in einem

Gesamtbericht aufbereitet, welcher im

Frühjahr 2008 bei der Internationalen

Arbeitsorganisation (ILO) in Genf

eingereicht wird.

Plätze im Erasmus-Programm

Dänemark

England

Aalborg

Kopenhagen

Bristol

Hatfield

Portsmouth

Sheffield

E

E

L

L

L

L

Aalborg Universitet

Copenhagen Business School

University of the West of England (DD)

University of Hertfordshire

University of Portsmouth (1S)

Sheffield Hallam University (1S)

NEU! Finnland Vantaa E EVTEK School of Business Administration 1)

Frankreich

Angers

Lyon

Paris

Rennes

L

E

twE

E

Ecole Supérieure des Sciences

Commerciales d‘ Angers

Université Catholique de Lyon

Ecole Supérieure du Commerce Extérieur

Ecole Supérieure du Commerce 2)

Griechenland Athen E Athens University of Economics

& Business

Italien

Irland

Niederlande

Bergamo

Catania

Dublin

Waterford

Amsterdam

Groningen

Haarlem

Sittard

L

L

L

L

E

E

E

E

Università degli Studi di Bergamo

Università degli Studi di Catania

Dublin Institute of Technology

Waterford Institute of Technology

HES Amsterdam (1S) + (DD)

Hanzehogeschool Groningen (DD)

Hogeschool INHOLLAND (1S) + (DD)

Hogeschool Zuyd

Norwegen Trondheim E Trondheim Business School (1S)

Österreich Eisenstadt

L Fachhochschule Burgenland

Wien

L FH Wien

Polen

Spanien

Tschechische

Republik

Türkei

Warschau

Posen

Alicante

Bilbao

Bilbao

Las Palmas

Vitoria-Gasteiz

Zaragoza

E

L

twE

L

L

L

L

L

Warsaw School of Economics

Bankhochschule Posen

Universidad de Alicante

Bilbao Business School

Faculty of Economics and Business

Studies Sarriko (1–2 S) (DD)

Universidad de Las Palmas de Gran Canaria

Business School of Vitoria-Gasteiz

Universidad de Zaragoza

Prag E University of Economics (1S)

Istanbul

Istanbul

Izmir

E

E/D

E

Bogaziçi University

Marmara University

Ege University (1–2 S) (DD)

Ungarn Budapest E International Business School

Plätze außerhalb des Erasmus-Programms

NEU!

Argentinien

Australien 3)

Brasilien

Buenos Aires

Buenos Aires

Sydney

Townsville

Blumenau

Sao Paolo

L

L

L

L

L

L

Universidad Argentina de la Empresa

Universidad Torcuato di Tella

Macquarie University

James Cook University

Universidade Regional de Blumenau 4)

State University of Campinas (auf Anfrage)

Chile Santiago de Chile L Universidad Mayor

China Chengdu L Southwestern University of Finance

and Economics

NEU! SAR China Hong Kong E Hong Kong Baptist University

Japan Otaru E Otaru University of Commerce (2S)

Kanada Kelowna L Okanagan College

Mexiko Monterrey twE Universidad de Monterrey

Russland St. Petersburg L St. Petersburger Staatliche Universität

für Wirtschaft und Finanzen

Schweiz Winterthur twE Zürcher Hochschule Winterthur

Singapur 4) Singapur E Nanyang Technological University

Südkorea Seoul E Sungkyunkwan University

Ungarn Budapest E Fondation ESSCA Hongrie

(bei 2S ggf. Kombination mit ESSCA Angers)

NEU!

NEU!

NEU!

NEU!

USA 3)

Buffalo, NY

East Bay, CA

Fresno, CA

Honolulu, HI

Minneapolis, MN

Missoula, MT

Newark, DE

Philadelphia, PA

University Park, PA

Wichita, KS

L

L

L

L

L

L

L

L

L

L

Canisius College

California State University East Bay

California State University Fresno

Hawai‘i Pacific University

University of Minnesota

University of Montana

University of Delaware

Drexel University

Pennylvania State University

Wichita State University

Der Masterstudiengang „Labour Policies

and Globalisation“ ist ein Gemeinschaftsprojekt

der FHW Berlin und der

Universität Kassel. Finanziell unterstützt

wurde die GLU Summer School

vom DAAD und der ILO. Für Ende

2008 ist die 2. GLU Summer School,

diesmal im IG-Metall-Bildungszentrum

Pichelssee/Berlin, bereits in Planung.

Zusätzliche Informationen

zu den Sprechzeiten des International Office (Raum 57/58):

Mo 10.30–11.30 h, Di/Mi 10.30–12.30 h, Do 14.00–16.00 h

www.ilias.fhw-berlin.de > Magazin > Zentrale Dienste >

International

www.fhw-berlin.de > Internationales

Internetseiten der Partnerhochschulen

1) Studiengang Wirtschaftsinformatik

2) bei 2S Möglichkeit zum Bachelorabschluss

3) nur 1 Semester möglich

4) für Studierende im Studiengang Wirtschaftsingenieur – Umwelt und Nachhaltigkeit

E Der Unterricht findet überwiegend oder ganz auf Englisch statt.

L Der Unterricht findet in der Landessprache statt.

twE Der Unterricht findet teilweise auf Englisch statt.

D Der Unterricht findet auf Deutsch statt.

1S/2S für ein/zwei Semester

DD Double Degree Programme/Doppelabschlussprogramm


40 Der internationale Austausch

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Der internationale Austausch

41

Fotowettbewerb

„Leben und Studieren an einer

Partnerhochschule der FHW Berlin

Text: Alexander Gruschka

Ein Blick sagt mehr als tausend Worte –

wohl wahr, möchte man meinen. Nur

wohin soll der Blick sich richten? Stellte

sich der austauschwillige Student die

Frage, welche Partnerhochschule am

besten zu ihm passt, fand er bislang

Antworten im persönlichen Gespräch

mit Rückkehrern, bei Informationsveranstaltungen

des International Office

oder beim Durchstöbern diverser

Erfahrungsberichte, die irgendwann

anfingen, gleich zu klingen. Der visuelle

Eindruck blieb – sicherlich abseits

einiger Ausnahmen – meist auf der

Strecke. Das Bild (im wahrsten Sinne

des Wortes) der Partnerhochschule

bzw. des Umfeldes entstand häufig im

Kopf des Interessenten. Leider sind

diese fiktiven Eindrücke aber auch mit

Vorurteilen gespickt und von fremden

Erfahrungen geprägt.

Gefragt war also aktuelles Bildmaterial,

welches für die Studierenden an der

FHW Berlin jederzeit frei zugänglich

ist und die Partnerhochschule sowie

das studentische Umfeld porträtiert.

Unterstützung fanden wir beim DAAD,

der das Projekt im Rahmen des Programms

„GoOut – Studieren weltweit!“

finanziell ermöglichte.

Wir starteten also das Projekt Fotowettbewerb

unter dem Motto „Leben und

Studieren an einer Partnerhochschule

der FHW Berlin“. Aufgerufen waren

alle Studierenden, die in den letzten

drei Semestern an einer unserer Partnerhochschulen

immatrikuliert waren.

Gewünscht waren 5–10 Fotos pro

Beitrag, die für nachfolgende Generationen

neben den verbalen Eindrücken

auch einen visuellen leisten sollten.

Etwa 30 Teilnehmer machten sich an

die Arbeit und sendeten viele schöne

und teilweise sehr aufwändige Fotos.

Das machte uns im International Office

und der Jury die Auswahl nicht leicht.

Die Auslobung der drei Preise in Höhe

von 300 € für den ersten, 200 € für den

zweiten und 100 € für den dritten Platz

machten einen Entscheid aber unumgänglich.

Schade! Denn es waren weit

mehr als nur drei Beiträge preisverdächtig.

An dieser Stelle seien zum

Beispiel die Beiträge von Jan Bracke

(Otaru University of Commerce, Japan)

und Manuela Halbekath (Universidad

Regional de Blumenau, Brasilien)

genannt. Mit sehr schönen Einzelbildern

wussten sie die Jury zu begeistern.

Nichtsdestotrotz sind wir für jedes

einzelne Bild dankbar und hoffen, dass

nun auf diesem Wege die Entscheidung

für eine Partnerhochschule besser

getroffen werden kann.

Foto: Steffen Heiling

Alle Beiträge werden im übrigen auf

der ILIAS-Webseite der FHW Berlin

unter Magazin/Zentrale Dienste/International

eingestellt.

Die Entscheidung über die Gewinnerfotos

fiel wie folgt aus:

1. Platz: Steffen Heiling –

Southwestern University

of Finance and Economics,

Chengdu, VR China

2. Platz: Daniela Kupke –

Dublin Institute of

Technology, Dublin, Irland

3. Platz: Andreas Brepohl –

Zürcher Hochschule

Winterthur, Schweiz

Wir gratulieren den drei Gewinner/innen

und bedanken uns ganz herzlich

bei allen Teilnehmern!

Foto: Jan Bracke

Foto: Daniela Kupke

Foto: Andreas Brepohl

Foto: Steffen Heiling


42 Der internationale Austausch

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Der internationale Austausch

43

Ausgezeichnet:

Die Sommer schulangebote

der FHW Berlin

Text: Katja Zühlsdorf

„Put Germany on Your Resumé“

Die Angebote der Berlin International

Summer School der FHW

Berlin wurden in diesem Jahr gleich

zweifach ausgezeichnet. Zum Einen

erhielt der Wirtschaftskurs „Markets

and Management in Europe“, der 2007

schon zum zweiten Mal angeboten

wurde, die DAAD-Auszeichnung

als „exzellente Sommer-Akademie“.

Kriterien hierfür sind zum Beispiel ein

fachlich anspruchsvolles Curriculum,

die Vergabe von ECTS- bzw. Leistungspunkten,

ein attraktives Begleit- und

Kulturangebot und ein professioneller

Betreuungsservice. Insgesamt erhielten

20 Universitäten und zwei Fachhochschulen

aus ganz Deutschland und aus

sehr unterschiedlichen Fachgebieten

diese Auszeichnung. Den ausgewählten

Hochschulen stellte der DAAD für die

Durchführung ihrer Sommerkurse

großzügig Stipendien für internationale

Teilnehmer zur Verfügung. Außerdem

wurden diese Angebote weltweit gesondert

beworben.

Eine weitere DAAD-Auszeichnung

erhielt die FHW Berlin im September

2007 mit der Entwicklung eines neuen

Kursangebots. Das DAAD-Programm

„Put Germany on your Resumé“ richtet

sich dabei speziell an die Bedürfnisse

US-amerikanischer Studierender und

unterstützt ausgewählte Hochschulen

drei Jahre lang beim Aufbau einer

erfolgreichen Sommer-Akademie.

Da das Kursprogramm gemeinsam

mit US-Universitäten entwickelt

werden sollte, stellte die FHW Berlin

die Zusammen arbeit mit sechs

US-Partnern (Baruch College der City

University of New York, Canisius

College, Wichita State University,

Hawaii Pacific University, California

State University East Bay, University of

Montana) sicher. Besonders intensiv

entwickelte sich die Zusammenarbeit

mit dem Canisius College in Buffalo,

New York.

Erfolg im deutschlandweiten

Wettbewerb

Nachdem in einer ersten Projektphase

vor drei Jahren zehn Studienangebote

(u .a. FUBiS, LMU, Uni Bonn, TU

Berlin) auf den Weg gebracht worden

waren, wählte der DAAD in diesem

Jahr nur sieben neue Projektanträge

aus, die ihm in einem deutschlandweiten

Wettbewerbsverfahren zugegangen

waren. Darunter waren fünf

Engineering-Studienangebote und nur

zwei Angebote aus dem Wirtschaftsbereich

(HS Pforzheim und FHW

Berlin). Die neuen Projekte erhalten

alle das DAAD-Gütesiegel, was eine

fortlaufende Qualitätskontrolle in den

kommenden drei Jahren bedeutet.

Neben der Anschubfinanzierung trägt

der DAAD zur gemeinsamen Vermarktung

in den USA bei.

Das neue englischsprachige Sommerkursangebot

der FHW Berlin trägt den

Titel „The European Union in a Global

World“ und enthält vier aufeinander

bezogene Module in den Bereichen

BWL, VWL, Umwelt und Sozialwissenschaften

nebst eines deutschen Sprachund

Kulturangebots. Indem der Kurs

insgesamt 90 Kontaktstunden (ganze

Stunden) sicherstellt, gewährleistet er

die Anerkennung an US-Hochschulen

mit etwa sechs US-Credits. Das ist

tatsächlich ein hochschulpolitischer

Durchbruch, weil bisher die direkte

Anerkennung auf den ECTS-Raum,

also Europa, beschränkt ist. „The EU

in a Global World“ wird erstmalig im

Sommer 2008 angeboten und soll sich

nach spätestens zwei Jahren auch finanziell

selbst tragen.

Neben der Förderung interkulturellen

Verständnisses zwischen den

National itäten will die FHW Berlin ein

Problem lösen, das einem größeren

Studentenaustausch bisher im Wege

steht: Diese Sommerakademien helfen,

ausländische Studierende nach Berlin

zu holen, die wegen ungünstiger

Semesterzeiten und fehlender Sprachkompetenz

ein volles Semesterstudium

nicht hätten aufnehmen können. Im

Austausch erhalten FHW-Studierende

entgeltfreie Studienplätze, z. B. in den

USA, Australien, Singapur und Mexiko.

Berlin International

Summer School 2007

Insgesamt haben die Sommerschulangebote

der FHW Berlin 2007 wieder

mehr als 60 Studierende aus aller Welt

angelockt, darunter viele von unseren

Partneruniversitäten, wie der

Macquarie University/Australien und

der Universidad de Monterrey/Mexiko.

Die Nanyang Technological University/

Singapur, mit der die FHW Berlin erst

vor knapp einem Jahr eine neue Kooperation

geschlossen hat, schickte allein

neun Studierende in die Sommerkurse.

Als Folge der weltweiten Werbung

durch den DAAD fand eine große

Anzahl „free mover“, also Studierende,

die nicht von Partnerinstitutionen

kommen, ihren Weg nach Berlin, u. a.

aus so unterschiedlichen Ländern wie

Ägypten, Afghanistan, Brasilien, China,

Rumänien, Türkei, Usbekistan, USA

und Vietnam. Insgesamt waren bislang

25 Nationalitäten bei der Sommerschule

vertreten, eine wahrlich internationale

Gruppe.

Foto: FHW Berlin, Christian Kretke

Mittlerweile in ihrem vierten Jahr,

bot die Internationale Sommerschule

wieder intensive und kompakte Kurse

für Studierende aus dem Ausland

an. Waren sie anfangs noch ganz auf

das Erlernen der deutschen Sprache

beschränkt, ist das Kursangebot

sukzessive gesteigert worden. Diesjährige

Teilnehmer konnten sich

zwischen zwei Wirtschaftsfachkursen

und zwei Sprachkursen entscheiden.

Die Wirtschaftskurse, „Markets and

Management in Europe“ und „European

Business and Economics Programme“,

wurden interdisziplinär und

komplett auf Englisch unterrichtet. Der

Fokus lag allgemein auf Wirtschaft in

Europa bzw. der Europäischen Union,

um vor allem Studierende aus Übersee

anzusprechen. Beide Fachkurse wurden

durch ein interessantes Begleitprogramm

ergänzt, das inhaltlich auf die

jeweiligen Module abgestimmt war.

So führten z. B. zwei Exkursionen des

Moduls „Marketing for the Automotive

Industry“ zur Autostadt nach Wolfsburg

(VW) und zu Porsche in Leipzig.

Weitere Exkursionen bestanden aus

einer Führung im Bundestag, einem

Seminar in der Vertretung der Europäischen

Kommission in Berlin und

einem Vortrag beim Innovations- und

GründerZentrum (IGZ) bzw. einem

Rundgang im Wissenschafts- und

Technologiepark Adlershof.

Abgerundet wurde das akademische

Kursprogramm durch ein umfassendes

Kulturangebot. Mit Ex kursionen zur

Gedenkstätte Sachsenhausen und

zum Schloss Sanssouci in Potsdam,

Führungen im Pergamonmuseum,

der Gemäldegalerie und im Holocaust

Denkmal war die „High Culture“

ebenso vertreten wie die „Low Culture“:

Bootstour, Besuch von Berliner

Biergärten und Beach Bars, Schwimmen

im Strandbad Wannsee und Kinobesuch.

Fazit: Den Teilnehmerinnen

und Teilnehmern hat es in Berlin gut

gefallen!


44 Der internationale Austausch

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 Der internationale Austausch

45

Put Asia on your CV

Als FHW’ler in Kobe und Hong Kong

Text: Michael Tolksdorf

In einem Beitrag über „Managementstile

deutscher Manager“ bemängelte

das Handelsblatt kürzlich, dass deutsche

Firmenvertreter – sehr zum eigenen

Nachteil und dem ihrer Unternehmen

– „fremde Kulturen mitunter nicht

ernst“ nähmen. Wenn das so zuträfe,

wäre es ein sehr guter Grund für die

FHW Berlin, zu Hochschulen an vielen

Orten der Erde Beziehungen aufzunehmen.

Studierende und Lehrende

könnten damit in direkten Kontakt zu

unterschiedlichsten Kulturen kommen.

Trotz ihrer weltweiten Bedeutung sind

unsere Austauschbeziehungen mit den

asiatischen Wirtschaftsgroßmächten

Japan (Nr. 2) und China (seit 2007 Nr. 3

der Weltrangliste nach absolutem BIP)

eher gering. Grund genug für mich, ein

Angebot der Universität Kobe, einer

Nachbarstadt von Osaka in der westjapanischen

Kansai-Region, anzunehmen.

Im September 2007 führte ich als

Gastdozent ein Kompaktseminar „The

Economics of European Integration“

durch. Da damit eigenständige Lehre

und Prüfungen verbunden waren,

ernannte mich die Universität förmlich

zum „Visiting Professor“.

Unsere Partnerhochschule in Hong Kong

Die Kansai-Region in Westjapan:

Kobe, Osaka, Kyoto

Die Universität Kobe – vierzig Shinkansen-Minuten

entfernt von der alten

Kaiserstadt Kyoto, die die meisten als

Ort des gleichnamigen UN-Umwelt-

Protokolls von 1997 kennen – blickt

mittlerweile auf eine fast hundert

Jahre alte Tradition zurück. Malerisch

auf halber Höhe am Rokko-Gebirge

gelegen, bietet sie mit ihrem weiträumigen

Campus einen faszinierenden

Blick auf die Stadt und deren Hafen.

Die Studenten wohnen zum Teil auf

dem Campus, viele fahren aus der Stadt

mit dem Bus die Hügel hoch, um ihre

Studien tagsüber zu verfolgen. Eine gut

ausgestattete Bibliothek und eine große

Mensa mit einer breiten Auswahl japanischer

Speisen laden dazu besonders

ein.

Ähnlich wie bei uns haben die Studierenden

einige Probleme, dem Unterricht

in englischer Sprache zu folgen.

Als Folge asiatischer Traditionen sind

sie auch eher zurückhaltend im Unterricht.

Eigenständige Beiträge waren zu

ermuntern, weil sonst fast nur rezeptiv

mitgearbeitet worden wäre. Allerdings

tauten sie im Laufe der Tage doch spürbar

auf und ließen sich gern anregen,

mit eigenen Ideen im Seminar aufzuwarten.

Hilfreich waren dabei Ayako

und Hiroto Tanaka, die vorher im

Austausch an der FHW Berlin studiert

hatten und gut mit den Kulturunterschieden

umgehen konnten. Gerechterweise

muss man hinzufügen, dass auch

die Zahl der Professoren, die in Kobe

Seminare in englischer Sprache geben

können, derzeit noch gering ist.

Einen gewissen Kulturschock stellten

dann die abschließenden mündlichen

Prüfungen dar, da sonst ausschließlich

schriftlich geprüft wird. Es bestand

aber die Bereitschaft, mit dem europäischen

Gastprofessor auch Prüfungsforderungen

zu akzeptieren, die sonst

nicht üblich, aber Ausdruck europäischer

Hochschultradition sind. Als

deutlich wurde, dass die Prüfungen mit

einem frei zu wählenden Schwerpunkt

aus dem Bereich der europäischen

Integration begonnen werden durften,

breitete sich dann doch Zuversicht aus,

die Neuerung beherrschen zu können.

Stolz und Freude nach bestandener

Prüfung waren deutlich zu sehen –

manche der Student/innen hatten

erstmals in einer anderen Sprache

Foto: Michael Tolksdorf

Prof. Tolksdorf mit Dekan Yasuhide Tanaka und Vizepräsident Hiroshi Ohta von der Kobe University

als Japanisch vor der ganzen Gruppe

gesprochen und ein mündliches Examen

bestanden.

Zur Zeit bereiten sich an der FHW

Berlin vier Studierende des Masterstudiengangs

„International Economics“

auf ein Studiensemester in Kobe vor.

Sie werden, da bin ich sicher, bereichert

zurückkehren.

Hong Kong als eurasischer

Studienort

Im Anschluss hatte ich die Möglichkeit,

unsere neue Partneruniversität

in dem vier Flugstunden von Kansai

International entfernten Hong Kong

zu besuchen – die HK Baptist University

im Stadtteil Kowloon. Hong

Kong ist als Sonderverwaltungsregion

(SAR) seit zehn Jahren Teil der

VR China. Mit derzeit knapp acht

Milionen Einwohnern – fast alle sind

Chinesen, es gibt nur vergleichsweise

wenige „Langnasen“, wenn auch im

öffentlichen Straßenbild mehr als in

Japan – ist diese quirlige Stadt eines der

Zentren weltwirtschaftlicher Aktivitäten.

Dazu tragen zu vermutlich

gleichen Teilen das auf der Insel Hong

Kong gelegene Finanzzentrum und

der riesige Hafen bei. Im öffentlichen

Straßenbild dominieren die chinesischen

Schriftzeichen, aber überall

sind englische Bezeichnungen zu

finden, die einem die Orientierung, die

Verkehrswegsuche und das Einkaufen

erleichtern. Die jungen Chines/innen

tragen die überall beworbene westliche

Markenkleidung und sind vielfach

„MP3-gestöpselt“. Praktisch alle Leute

führen die „Octopus“-Karte mit sich,

eine aufladbare Geldkarte, mit der die

Verkehrsmittel, Speisen und Getränke

und sonstige kleinere Käufe getätigt

werden. Die Lehrkräfte und Studenten

der HKBU waren alle – so kam es mir

jedenfalls vor – im Besitz einer solchen

Karte. Meine wurde mir unmittelbar

nach der Begrüßung in der Universität

ausgehändigt.

Die HKBU verfügt über eine „School of

Business“ mit einem breit gefächerten

Programm, das zum Abschluss eines

Bachelor of Business Administration,

B.B.A. (hons.), führt. Die AACSB-

Akkeditierung wird betrieben. Die

Schwerpunktsetzungen im Studium

sind sehr gut zu vergleichen mit den

Tätigkeitsfeldern, die der Bachelor-

Studiengang „Business Administration“

bei uns aufweist. Darüber hinaus ist die

Faculty of Social Sciences zu erwähnen,

die mit ihrem Department of Government

and International Studies (GIS)

internationale und sozialwissenschaftliche

Schwerpunkte aufweist, die für

unsere Studierenden in „Economics“

und „Business Administration“ von

Interesse für ein Auslandssemester sein

könnten. Weiträumige „Housing Facilities“

lassen es grundsätzlich zu, dass

man auf dem Campus lebt und studiert.

Besonders wertvoll ist der Tatbestand,

dass die Lehre fast ausschließlich in

englischer Sprache mit einem internationalen

Lehrkörper stattfindet. Das

unterscheidet die HKBU ganz wesentlich

vom bisherigen chinesischen Partner

in Chengdu und den japanischen

Universitäten in Kobe und Otaru. Dort

gibt es – wenn überhaupt – nur einen

schmalen „English Stream“, womit die

Hauptbeschäftigung unserer Studierenden

auf Sprach- und Kulturstudien lag.

In Hong Kong steht somit ein volles

wirtschafts- und sozialwissenschaftliches

Lehrangebot auf Englisch zur

Verfügung.

Mein Vortrag vor etwa 70 Studierenden

über „Present Economics Developments

in the European Union and in

Germany“ zeigte, dass Europa trotz

aller asiatischen Wirtschaftsdynamik

durchaus noch „eine Adresse“ ist. Eine

Präsentation über Studienmöglichkeiten

an der FHW Berlin brachte noch

einmal 20 Studenten zusammen und

erste konkrete Anmeldungen –

erstaunlicherweise von GIS-Student/in -

nen, die auch unser deutschsprachiges

Lehrangebot nutzen wollen.

So verschieden Japan und China/

Hong Kong auch sein mochten, ich war

berührt über die herzliche Aufnahme,

die ich an beiden Standorten gefunden

hatte. Die Partner in Kobe und Hong

Kong machten mehrfach deutlich, dass

FHW-Studierende nicht anders behandelt

werden.

„Put Asia on your CV”?! Die Tür steht

offen!


46 Impressum

SemesterJournal 2/07 SemesterJournal 2/07 47

Impressum

Das Semesterjournal ist die Hochschulzeitschrift

der FHW Berlin. Es

erscheint zweimal jährlich während

des laufenden Semesters. Namentlich

ge kennzeichnete Beiträge stellen die

Meinung der jeweiligen Autorin bzw.

des jeweiligen Autors dar. Die Redaktion

behält sich sinnvolle Kürzungen vor.

Herausgeber

Der Rektor der FHW Berlin

Badensche Str. 50–51

10825 Berlin

Redaktion

Henriette Scharfenberg

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E-Mail: scharfen@fhw-berlin.de

Gestaltung und Satz

Marc Wingenfeld

Telefon: +49 (0)30 85789-412

E-Mail: marc.wingenfeld@fhw-berlin.de

Foto

Jan Bracke (Titel)

familie redlich (S. 2 und S. 47)

Druck

Oktoberdruck AG

chlorfrei gebleichtes Papier

Auflage

2.500 Stück

Redaktionschluss

Oktober 2007

ISSN 0945-7933

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