Reisetipps Kaokoveld - Namibia Tourism

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Reisetipps Kaokoveld - Namibia Tourism

Zurück zum Ursprung - im äußersten Nordwesten Namibias

Gurgelnd stürzen sich die Fluten in die Tiefe, grollend schallt es von unten herauf. Hinter einem

Schleier aus feinsten Nebeltröpfchen wölbt sich ein schillernder Regenbogen. In den nassen, steil

abfallenden Felsen krallt sich ein gewaltiger Baobab. Hunderte Makalani-Palmen säumen das Delta

des Flusses vor der Felsschwelle. Zwischen den vielen Kaskaden weiß schäumender Wasserfälle

recken sich nackte Felsen aus üppiger Vegetation – eine grüne Insel inmitten der braunen, kargen

Landschaft der umgebenden Berghänge.

Die Epupa Fälle sind eine der vielen Attraktionen im äußersten Nordwesten Namibias, dem

Kaokoveld. Sie sind Teil des Kunene, des Flusses, der das Gebiet im Norden begrenzt und

gleichzeitig die Landesgrenze zwischen Namibia und Angola bildet. Im Osten stößt das Kaokoveld

an die von Ovambo-Völkern bewohnte Region Omusati und an den Etosha National Park, im

Westen an den Skelettküsten Park und im Süden an das von Ost nach West verlaufende Hoanib

Rivier (Trockenfluss).

Mit einer Fläche von etwa 49.000 km² ist das Gebiet etwa so groß wie die Schweiz.

Das Kaokoveld gilt als eine der letzten einsamen und wilden Gegenden Namibias – auch wenn der

Tourismus dort in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat. Doch noch konzentrieren sich die

Reiserouten auf einige Ortschaften und Verbindungsstraßen. Der größte Teil des riesigen Gebietes

dagegen, vor allem der Westen, ist dünn oder gar nicht besiedelt, weist abenteuerliche Pisten auf

und kann nur mit einem geländegängigen Wagen bereist werden.

Die abwechslungsreiche, weite und unglaublich stille Landschaft, in dem das traditionsbewusste

Volk der OvaHimba lebt, zieht jeden Besucher schnell in ihren Bann. Steile Gebirgszüge zerteilen

das Land, mit unbezwingbar erscheinenden Pässen, wie der berühmte Van Zyl‘s Pass. Zwischen

ihnen öffnen sich weite Täler, auf deren Ebenen nach dem Regen silbrig-grüne Grasfelder wogen,

wie am Marienfluss. Fern im Westen schließt sich ein Dünenmeer an, und jenseits liegt die

berüchtigte Skelettküste. Durch diese Halbwüste und Wüste winden sich Riviere, also Trockenflüsse,

die nur nach ausreichendem Regen Wasser führen, die Mensch und Tier eine wenn auch karge

Existenzgrundlage bieten – wie etwa das Hoarusib oder das Hoanib Rivier.

Die Menschen

Die größte Bevölkerungsgruppe des Kaokoveldes stellen die OvaHimba. Daneben gibt es noch

einige mit ihnen eng verwandte Gruppen von OvaHerero sowie Tjimba-Herero. Die OvaHimba

stammen von OvaHerero ab, die im 16. Jahrhundert aus Gebieten Ostafrikas nach Südwesten

zogen, den Kunene überquerten und in das Kaokoland einwanderten. Aufgrund von

Bevölkerungswachstum und Dürrejahren zogen viele OvaHerero Mitte des 18. Jahrhunderts weiter

nach Süden und Südosten. Nur ein kleiner Teil des Volkes blieb im Kaokoland zurück.

Diese mit ihren Viehherden umherziehenden Hirten blieben fast 200 Jahre lang unbehelligt. Von

1850 bis 1870 drangen räuberische (Oorlam-)Nama-Gruppen in das Gebiet vor, die den weit

verstreut lebenden OvaHerero das Vieh und damit das wichtigste Besitztum raubten. Es blieb ihnen

schließlich nichts anderes übrig, als sich als Jäger und Sammler durchzuschlagen – was von

traditionellen Rinderhirten als minderwertige Existenz angesehen wird. Die verarmten OvaHerero

wurden deshalb als Tjimba (Erdferkel) verspottet. Als die Raubzüge der (Oorlam-)Nama ihren

Höhepunkt erreichten, flohen viele Tjimba-Herero über den Kunene nach Angola.


Das Volk der Ngambwe, bei dem sie Zuflucht suchten, nannte diese mittellosen Flüchtlinge

schließlich abfällig OvaHimba (Bettler).

Doch die ‚Bettler‘ schlossen sich ab etwa 1900 mit anderen OvaHerero dem Neffen des

traditionellen OvaHerero-Führers Manasse an, der aus dem Süden in die Region gezogen war. Sie

erbeuteten als gefürchtete Streitmacht auf Raubzügen in Angola so viele Rinder, dass sie nach dem

Ersten Weltkrieg mit großen Rinderherden ins Kaokoland zurückkehren konnten. Die OvaHimba

ließen sich in der nördlichen Hälfte des Gebietes nieder. Die OvaHerero und verbliebenen Tjimba-

Herero zogen weiter hinunter in das zentrale und südliche Kaokoland.

Die OvaHimba sind eines der wenigen Völker Afrikas, die ihren Lebensstil, ihre uralte Kultur und

Gesellschaftsordnung bis heute beibehalten haben. Sie leben hauptsächlich von der Rinder- und

Kleinviehzucht. In kleinen Familiengruppen ziehen sie mit ihren Tieren zwischen Sommer- und

Winterweide hin und her. Sie werden daher auch als Halbnomaden bezeichnet. Nur ein schmaler

Streifen entlang des Kunene ist für etwas Ackerbau geeignet.

Bekannt wurden die OvaHimba vor allem aufgrund ihrer schönen, stolzen Frauen, die mit

ockerfarbener Haut und bloßen Brüsten Bildberichte in Magazinen und Broschüren zieren. Frauen

und Kinder reiben ihre Haut zum Schutz gegen das Austrocknen mit einem Gemisch aus Fett

(heutzutage oft auch Vaseline), aromatischen Kräutern und einem rotbraunen Pulver ein, das aus

einem bestimmten Stein gewonnen wird. Hinzu kommen weitere äußerliche Merkmale der

OvaHimba- Kultur wie Haartracht, Schmuck und Kleidung der Frauen und Männer, an denen man

ihren sozialen Status erkennt. Diese Äußerlichkeiten sowie die von Traditionen geprägte

Lebensweise dieses Volkes üben eine große Faszination auf die Menschen der ‚westlichen‘ Welt aus,

der man sich kaum entziehen kann.

Doch wie bei allen Völkern der Welt ist auch bei den OvaHimba die Kultur im Umbruch begriffen.

Die Jugend strebt nach besserer Bildung, Konsumgütern und einem 'höheren' Lebensstandard

westlicher Prägung. Deshalb darf man besonders entlang der Touristenrouten im Kaokoland keine

ursprünglichen Dörfer mehr erwarten. Die Bewohner nutzen jede Gelegenheit, ein kleines

Einkommen zu verdienen oder zu erbetteln. Trotzdem sollte man niemals unaufgefordert eine

Siedlung betreten oder Personen fotografieren, ohne zu fragen. Zu beachten sind außerdem die

Umgangsformen und Regeln des Zusammenlebens der OvaHimba – denn auch als 'zahlender

Urlauber' ist man schließlich zu Gast und sollte sich als solcher benehmen.

Die Sehenswürdigkeiten

Die nachfolgenden Beschreibungen und Informationen sind geographisch geordnet und folgen der

gängigen Reiseroute, ausgehend von den Ruacana Fällen, den Kunene entlang bis Swartbooisdrift,

über Epembe nach Epupa, dann zum südlich gelegenen Opuwo und weiter bis zur Khowarib

Schlucht nahe Sesfontein. Diese Strecken sind während der Trockenzeit von jedermann zu

bewältigen, am besten mit einem Geländewagen.


Der westliche Teil des Kaokolandes dagegen ist nicht ohne weiteres zu befahren und wird hier nicht

näher behandelt. Nur soviel: In dem Gebiet leben wilde Tiere und kaum Menschen. Richtige Straßen

gibt es nicht, so dass man sich leicht verirren kann und auch im Falle einer Panne völlig auf sich

selbst gestellt ist. Man braucht einen Allradwagen und sollte stets mit mindestens zwei Wagen

unterwegs sein. Sorgfältige Vorbereitung und richtige Ausrüstung sind ein Muss; es gibt

ausführliche Reiseliteratur, Kartenmaterial sowie GPS -Daten zum Kaokoveld. Wer jedoch kein

wirklich erfahrener Offroadfahrer und Naturcamper ist, sollte die Gegend im Rahmen einer

organisierten, geführten Tour erkunden.

Kunene

Der Fluss entspringt im Hochland von Angola und bildet auf einer Länge von etwa 350 km die

Grenze zwischen Namibia und seinem nördlichen Nachbarn. Er ist einer der wenigen ständig

wasserführenden Flüsse Namibias. Im Gegensatz zum Oranje im Süden gibt es im Kunene noch

Krokodile – in seinen Fluten zu baden ist also nicht ratsam. Der Pegel des Flusses schwankt ständig

und ist nicht nur vom Regen im Auffanggebiet, sondern auch von der Stromproduktion des

Wasserkraftwerks bei Ruacana abhängig. Nicht immer wird Wasser durch die Turbinen gelassen;

und manchmal müssen die Überflutungsschleusen geöffnet werden, um den Druck auf die

Staumauer zu verringern. Der Kunene windet sich durch felsiges Gebiet, weist zum Teil reißende

Stellen auf und mündet als recht breiter Strom im Atlantik. Das Mündungsdelta ist aufgrund seiner

Flora und Fauna streng geschützt; unter anderem kommen dort zwei seltene Schildkrötenarten zur

Eiablage an Land.

Zwischen Ruacana und Epupa kann man dem Flusslauf auf einer Straße folgen, die sich allerdings ab

Swartbooisdrift als anspruchsvolle und zeitraubende Geländewagenstrecke gestaltet. Man kann die

Distanz auch per Paddelboot zurücklegen – im Rahmen einer mehrtägigen (Gruppen-)Tour mit

speziellen zweisitzigen Schlauchbooten. Mehrere Unterkünfte an dem Flussabschnitt vermieten

Boote, so dass man auch mehrstündige Ausflüge unternehmen kann. Mehr dazu in unserem

Informationsblatt "Wild auf Wasser in Namibia". Zwischen Epupa und Atlantik ist das teils tropisch

grüne Ufergebiet nicht mehr zu befahren. Die Steilhänge der Baynes und Otjihipa Berge bilden

unüberwindliche Hindernisse.

Swartbooisdrift

An dieser Furt haben vor mehr als 100 Jahren die Teilnehmer des 'Dorslandtreks' (Buren aus

Südafrika auf ihrem so genannten Durstlandtreck) auf ihrer Rückkehr aus Südangola den Kunene

überquert. Auf einem Höhenzug südlich der Furt befindet sich ein kleines Denkmal, das an die

Strapazen der Buren erinnert. Bei Swartbooisdrift scheiden sich die Wege. Geübte Allradwagen-

Fahrer, die es wissen wollen, folgen weiterhin dem Kunene und sollten für die 100 km lange Strecke

bis Epupa ein bis zwei Tage rechnen. Alle anderen biegen hier ab Richtung Süden, umfahren die

Zebra Berge und erreichen Epupa in etwa fünf Stunden.


Epupa

Der Flecken besteht aus einigen Hütten und Häuschen, zwei nebeneinander liegenden

Touristencamps direkt am Kunene – und den Wasserfällen. Oberhalb der Fälle verbreitert sich der

Kunene zu einem kleinen Delta. Neben dem Hauptarm, der sich in eine enge Schlucht ergießt, gibt

es viele mehr oder weniger breite Kaskaden. Auf den Felseninseln strecken riesige Baobab Bäume

ihre Äste in den Himmel. Tagsüber kann man sich Epupa und die Umgebung sehr gut zu Fuß

erobern, sei es auf mehrstündigen Wanderungen mit einem örtlichen Führer, sei es auf einem

Spazierweg entlang der Fälle. Am Nachmittag trifft man sich zum Sonnenuntergang auf den Felsen

gegenüber der Wasserfälle. Denn im Licht der untergehenden Sonne bieten sich dem Fotografen

unendlich viele stimmungsvolle Motive. Abgesehen von den malerischen Wasserfällen weist Epupa

eine interessante Geologie auf – mit den ältesten Gesteinen Namibias. Der so genannte

Metamorphit-Komplex ist zwischen 2.100 Mio. und 1.750 Mio. Jahre alt und stammt aus einer Zeit,

in der zwei Ur- Kontinentalschollen zusammenstießen.

Opuwo

Das kleine Städtchen ist Verwaltungs- sowie Schulzentrum der Region Kunene. Und es ist der

einzige Ort weit und breit, in dem man Benzin und Grundnahrungsmittel kaufen kann. Auf den

Reisenden wirkt Opuwo eher bizarr, treffen dort doch die völlig konträren Welten des Westens und

des traditionellen Afrika harsch aufeinander: Hier der Allradwagen, dort der Reitesel, hier der

Himba- Mann in Bayern-München-Trikot und Jeans, dort die Himba-Frau mit bloßen Brüsten und rot

schimmernder Haut; hier eisgekühlte Coca-Cola, dort eine Kalebasse mit traditioneller Sauermilch.

Baobab Wald

Auf der Strecke zwischen Opuwo und Fort Sesfontein passiert man eine größere Ansammlung von

gewaltigen Baobab Bäumen, die mit viel Fantasie als ‚Wald‘ bezeichnet werden könnte - verglichen

mit der sonst vorherrschenden, von Busch und Gras dominierten Vegetation.

Wüstenangepasste Elefanten

In den Betten der Riviere (Trockenflüsse) Hoanib und Hoarusib, aber auch in den weiter südlich

gelegenen Rivieren bis zum Aba Huab, leben Elefanten, die sich an die trockene, lebensfeindliche

Umwelt des Kaokoveldes angepasst haben. Sie zählen zu einer der wenigen noch frei lebenden

Populationen der Welt. Diese so genannten ‚Wüstenangepassten Elefanten‘ sind keine eigene Art,

sondern gehören zu den afrikanischen Savannen-Elefanten. Sie ernähren sich von Blättern, Zweigen

und der Rinde von Büschen und Bäumen und graben in den Flussbetten nach Wasser – wenn keine

offenen Wasserstellen vorhanden sind. Vor ungefähr 80 Jahren lebten noch etwa 3.000 Tiere in der

Kunene Region. Anfang der Achtziger Jahre waren sie fast ausgerottet. Nachdem die Elefanten

unter Schutz gestellt worden waren, stieg ihre Zahl wieder an – sie liegt heute bei schätzungsweise

700 Tieren.


Leider sind die Elefanten in den vergangenen Jahren durch Medienberichterstattung sehr bekannt

geworden und es hat ein regelrechter ‚Elefanten-Tourismus‘ eingesetzt. Reisegruppen machen sich

auf die 'Jagd' nach den faszinierenden Tieren und versuchen, möglichst spektakuläre Fotos zu

machen. Die Elefanten, die aufgrund der oft schluchtförmigen Rivierläufe kaum ausweichen

können, werden dabei manchmal derart gereizt, dass es bereits zu Angriffen und Unfällen kam. Man

sollte sich deshalb immer vergegenwärtigen, dass es sich um wild lebende Tiere handelt, denen mit

Respekt und Rücksichtnahme begegnet werden sollte. Um die Elefanten des Kaokoveldes vor

unnötigem Stress zu bewahren, werden seit einiger Zeit in Namibia ‚Elefanten-Führer‘ ausgebildet.

Sie sind in der Lage, die Elefanten in den Flussbetten aufzuspüren und zwar so, dass die Tiere

möglichst wenig gestört werden.

Wer sich einem solchen Führer anschließt, wird selbst dann ein aufregendes und lehrreiches Erlebnis

haben, wenn er keinen Elefanten zu Gesicht bekommen sollte. Denn natürlich gehört immer eine

kleine Portion Glück dazu, wilde Tiere anzutreffen.

Sesfontein

‚Sechs Quellen‘ bedeutet der Name dieses Fleckens, der aus vielen, weit verstreut liegenden Hütten

und Häuschen, einer Schule, einem kleinen Laden und einer Tankstelle besteht. Die Gründung des

Ortes geht auf das Jahr 1896 zurück, als die Deutsche Kolonialmacht während einer verheerenden

Rinderpest dort einen Veterinärsposten einrichtete. Man wollte damit den Viehhandel aus dem

Norden kontrollieren. Bis 1906 wurde der Posten dann zu einem Fort erweitert, das nach dem Ersten

Weltkrieg aufgegeben wurde und bis auf wenige Mauerreste verfiel. Später wurde es renoviert und

zu einer Unterkunft ausgebaut. Sesfontein ist heute idealer Ausgangspunkt für eine Fahrt in den

Hoanib Trockenfluss oder eine Safari in das Kaokoveld.

Onongo Wasserfall

Einige Kilometer außerhalb des Örtchens Warmquelle speist eine lauwarme Quelle einen kleinen

Wasserfall, der in ein natürliches Felsbecken plätschert. Der Platz ist unter den Kaokoveld-

Reisenden sehr beliebt, die sich dort bei einem erfrischen Bad Staub und Hitze von den Gliedern

spülen.

Khowarib Schlucht

Auf etwa 23 km Länge hat sich der Hoanib eine bis zu 500 m tiefe Schlucht gegraben. Sie kann in der

Trockenzeit von geübten Fahrern mit dem Geländewagen durchquert werden.


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