Leseprobe - EPV-Verlag

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Wir rupften das Kraut für die Kaninchen, fütterten Hühner,

Enten und Gänse und holten die Eier aus dem Hühnerstall, wo

die Hennen sie gelegt hatten. Für den Garten war mein älterer

Bruder Heinz verantwortlich. Jedes Wochenende im Sommer

jätete er Unkraut, hackte und harkte den Boden und vergrub

den Mist von den Tieren sowie die Fäkalien aus unserer Toilette.

Sie befand sich im Stall und bestand lediglich aus einem Brett

mit einer Klobrille über einem Loch. Ein Sammelbehälter fing

alles auf. Ein Wasserklosett gab es nicht, denn wir hatten kein

fließendes Wasser.

Heute frage ich mich, was während der kalten Wintermonate

von November bis März, wenn der Boden gefroren war, mit dem

Mist geschah? Die Winter kamen mir früher viel strenger vor.

Nach kurzen Tauwetterphasen von vielleicht einer Woche kehrte

der Frost zurück und brachte lang anhaltende Kälteperioden mit

Temperaturen unter zwanzig Grad minus.

War ein Winter vorbei, trafen wir schon im Frühling die

Vorbereitungen für den nächsten. Neben seinem Lohn von

sechzig Reichsmark im Monat erhielt mein Vater vom Gut ein

Deputat 4 . Jeden Tag bekamen wir drei Liter Milch, außerdem

sechs Zentner Roggen im Jahr. Dazu verfügten wir über rund

zweitausendfünfhundert Quadratmeter Kartoffelland sowie

genügend Holz und Torf zum Heizen.

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Sachleistung, die zusätzlich zum Lohn gewährt wird

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