Leseprobe - EPV-Verlag

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Wir Kinder hackten das Buschholz und spalteten das Klobenholz,

das unsere Eltern zuvor in kleinere Teile gesägt hatten. Beim

Torfstich halfen wir, die Soden 5 zum Trocknen zu stapeln. Im

Spätsommer brachten wir den Torf aus den Mieten mit dem

Pferdefuhrwerk nach Hause.

In den Ferien und an so manchem Nachmittag während der

Pflanzzeit gingen mein Bruder Heinz und ich zum Förster Emil

Stöffesandt, um für zwanzig Reichspfennige die Stunde Tannen

und Kiefern zu pflanzen. Die Setzlinge sollten vor Wildfraß

geschützt werden und wir rümpften die Nasen, wenn wir ihre

frischen Triebe mit stinkendem Carbolineum 6 einpinselten. Wir

nahmen immer einen großen Wecker mit in den Wald, damit

wir die Arbeitszeit einhielten.

Lustig war es, wenn wir im Sommer das Wasser holten. Bei der

Försterei, nicht weit von unserem Haus, stand ein Quellbrunnen,

der laufend Wasser führte. Frösche tummelten sich darin, und

wenn wir beim Schöpfen nicht aufpassten, glitschten sie uns

durch die Hände in unsere Eimer und Kannen.

Zu Hause wartete die Mutter auf uns. Sie hatte den Waschzuber

vorbereitet, in welchem sie von Hand unsere Wäsche wusch.

Am Wochenende stiegen wir alle nacheinander in die große

Zinkwanne zum Baden: zuerst Herbert, der Kleinste, danach

Reinhold und so weiter, in aufsteigender Geschwisterreihe.

Bei jedem Wechsel schöpfte die Mutter den Schmier von

der Oberfläche ab und goss warmes Wasser nach, für den

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Torfblöcke, die mit Hilfe eines Stecheisens gewonnen werden

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Holzschutzmittel; öliges Gemisch aus Bestandteilen des Steinkohlenteers

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