Manifest zur Abschaffung der Sandstrahlen in der weltweiten Jeans ...

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Manifest zur Abschaffung der Sandstrahlen in der weltweiten Jeans ...

Clean Clothes Campaign Internationales Forum Istanbul, 22. -26. November 2010

Manifest zur Abschaffung der Sandstrahlen in der weltweiten Jeans

Produktion

Sandstrahlen erfreut sich seit über zwanzig Jahren stetig wachsender Beliebtheit und wird weltweit in

verschiedensten Produktionsländern als abschließende Behandlung in der Jeansherstellung

praktiziert. Um den neusten Modetrends zu folgen und höhere Gewinne zu verzeichnen, nehmen

Unternehmen und Fabrikbesitzer Risiken bei der Nutzung der unsicheren Sandstrahltechnik in Kauf,

die die Gesundheit und das Leben der oft unwissenden Arbeiter stark gefährden. Medizinischen

Gutachten aus der Türkei zufolge ist ein Arbeiter, der Jeans sandbestrahlt stark gefährdet in nur 6- 24

Arbeitsmonaten an einer akuten Form der Silikose, einer unheilbaren und häufig tödlichen

Lungenkrankheit, zu erkranken. Arbeiter im Sandstrahlen-Sektor sind oft jung, haben einen

Migrationshintergrund und arbeiten schwarz für die entsprechenden Hersteller. Somit gehören sie zu

der schutzlosesten und angreifbarsten Gruppe der Arbeiter. Neben den ernstzunehmenden

Gesundheitsproblemen erfahren sie keinerlei Unterstützung oder Kompensation für die zusätzliche

finanzielle Belastung, die durch ihre Krankheit entsteht.

Wir, die unterzeichnenden Organisationen und Personen, die auf dem Internationalen

Forum der Clean Clothes Campaign anwesend sind, das vom 22. Bis 26. November 2010 in

Istanbul abgehalten wird, rufen weltweit zur Abschaffung der Nutzung von Sandstrahlen in

der Jeansproduktion auf.

Wir appelieren an:

1. Markenfirmen, die mit sofortiger Wirkung die Nutzung der Sandstrahlen in ihrer gesamten

Lieferkette einstellen müssen. Daran anknüpfend fordern wir, dass die Unternehmen

öffentlich kundgeben, Sandstrahlen aus ihrer Lieferkette verbannt zu haben. Wir fordern,

dass die Unternehmen sicher stellen, dass diese Bannung auch durch adäquate

Überwachungsprozesse in Zusammenarbeit mit den örtlich ansässigen Gewerkschaften und

NROs umgesetzt und beibehalten wird. Außerdem fordern wir, dass Markenfirmen die

Verantwortung für diejenigen Arbeiter übernehmen, die bereits an Silikose erkrankt sind

und eine angemessene Wiedergutmachung leisten. Diese Wiedergutmachung sollte sicher

stellen, dass den Arbeitern und ihren Familien die zusätzliche finanzielle Belastung die

durch ihre Krankheit zustande gekommen ist (z.B. die Unfähigkeit zu arbeiten)

abgenommen wird und ihnen darüber hinaus die Kosten der medizinischen Behandlung

erstatten. Desweiteren fordern wir die Markenfirmen auf, Präventivmaßnahmen in Form

von Risikobeurteilungen zu ergreifen, sobald neue Produktionsmethoden eingeführt

werden.

2. Die nationalen Regierungen die Sandstrahlentechnik in der Jeansproduktion rechtlich zu

unterbinden. Wir fordern sie auf, dass das Verbot des manuellen Sandstrahlens und die

beruflichen Gesundheits- und Sicherheitsregeln zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen

durchgesetzt werden. Zusätzlich fordern wir, dass die von der Silikose bereits betroffenen

Arbeiter Unterstützung, soziale und medizinische Hilfe und eine Arbeitsunfähigkeitsrente

vom Staat erhalten, ungeachtet der Tatsache ob sie im formellen oder informellen Sektor

tätig waren.

3. Die ILO und WHO die Bedingungen in der Lieferkette der Jeansproduktion als Teil des

weltweiten Programms zur Ausrottung der Silikose 1 aufzunehmen.

4. Mutli-Staktholder-Initiativen und Business-Initiativen, die sich mit Arbeitsstandards in der

Textilindustrie auseinander setzen, ihren Einfluss zu nutzen, um ihre Mitglieder dazu zu

bewegen, Sandstrahlen aus ihrer Lieferkette zu verbannen.

1 Der gemeinsame Arbeitsschutz Ausschuss von ILO und WHO , rief 1995 ein globales Programm zur weltweiten Beseitigung von Silikose bis 2030 ins Leben . Ziel

dieser Einsatzgruppe ist es, das Programm weiter zu entwickeln und umzusetzen, in dem es jedes Land dazu auffordert ein eigenes Porgramm zu Ausrottung der Silikose zu

starten. Darüber hinaus fungiert es als Berater und eine Wissensbasis für Länder, die ein solches Programm einführen möchten.

http://www.who.int/occupational_health/topics/en/oehtf4.pdf


Clean Clothes Campaign Internationales Forum Istanbul, 22. -26. November 2010

5. Konsumenten darauf zu achten, nur Jeans zu kaufen, die nicht mit Sandstrahlen behandelt

wurden.

6. Designer aufzuhören Modetrends zu kreieren, die dazu führen, dass unsichere und

potentiell lebensbedrohliche Techniken wie das Sandstrahlen weiterhin in der

Jeansproduktion Anwendung finden.

Modetrends sollen nicht Teilschuld an Krankheit und Tod von Arbeitern in der

Textilindustrie tragen. Wir, die unterzeichnenden Organisationen und Personen,

verpflichten uns der weiteren Benutzung des Sandstrahlens in der Jeans

Produktion den uns gegebenen Mitteln entgegen zu wirken.

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