Der gesamte Artikel - Erklärung von Bern

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Der gesamte Artikel - Erklärung von Bern

Datum: 21.03.2013

WOZ Die Wochenzeitung

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WoZ Die Wochenzeitung

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Luxuriöser Kristallisationspunkt der Kritik: Im Lausanner Luxushotel Beau Rivage versammelt sich Mitte April die Rohstoffbranche zum FT Global Commodities Summic ,OTO DU. BALIBOUSE. REUTERS

ROHSTOFFPLATZ SCHWEIZ

«Dieses Geschäftsmodell an

sich ist der Skandal»

Mitte April findet in Lausanne der wichtigste Rohstoffgipfel weltweit statt, in Zürich zusätzlich ein Goldforum.

Um die Treffen gibt es kritische Veranstaltungen, aus denen eine soziale Bewegung entstehen könnte.

VON KASPAR SURBER

Eine Gala der Sponsoren

«Once upon a time», wirbt das Fünfsterne-

«Dass der Anlass am Genfersee stattfindet,

hotel Beau Rivage Palace in Lausanne. Es war unterstreicht die Bedeutung der Schweiz

einmal, als Schriftsteller Victor Hugo, Modedesignerin

Coco Chanel oder Antiapart- als Rohstoffhandelsplatz», sagt Oliver Clas-

sen von der Erklärung von Bern. Mit ihrem

heidkämpfer Nelson Mandela am Genfersee

Handbuch «Rohstoff» hat die entwicklungslogierten.

Am 15. April wird, auf Einladung politische Organisation vor zwei Jahren eine

der Wirtschaftszeitung «Financial Times»,

pionierhafte Recherche zur verschwiegenen

eine illustre Gästeschar aus der Gegenwart

Branche geleistet. Am jährlichen globalen

erwartet: Vertreterinnen von Öl-, Gas- und Umsatz mit Rohstoffen von 3000

Minengesellschaften, von Milliarden

Handelsfirmen Franken haben die in der Schweiz tätigen Unund

Investmentbanken versammeln sich

zum zweiten Mal zum wichtigsten Treffen ternehmen demnach einen Anteil von 15 bis

25 Prozent. «Die Breite der Teilnehmer am

der Rohstoffbranche weltweit, zum FT Global

Commodities Summit. Die Zimmer im «Beau

Rivage» sind ausgebucht.

Gipfel macht klar, dass sich die Rohstoffbranche

selbst als solche versteht», sagt Classen

weiter. Die in der Schweiz ansässigen Handelsfirmen

versuchten stattdessen immer

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wieder, Menschenrechtsverletzungen oder

Umweltverschmutzungen in den Förderländern

damit herunterzuspielen, dass sie ja nur

saubere Händler seien.

Der dreitägige Rohstoffgipfel dient, das

zeigt die Sponsorenliste, der Selbstbestätigung

der Branche. Zu den Sponsoren zählen

Ölhandelsriesen wie Mercuria, Vitol oder

Trafigura, alle mit operativen Zentren in

Genf, aber auch Banken wie HSBC oder Pictet.

Für das Dinner kommt der Privatjetvermieter

Netjets auf, für den Lunch der Steuerberater

KPMG. Vor allem aber treffen sich die Firmen,

um aktuelle Branchentrends zu diskutieren.

Greg Pace, Chef des US-Agrarmultis

Cargill, wird zum Auftakt eine Marktanalyse

präsentieren. Cargill hat nach dem Zweiten

Weltkrieg, mithilfe einer Steuererleichterung,

mit der Eröffnung der Europaniederlassung

in Genf den hiesigen Rohstoffcluster mitbegründet.

Auf dem Programm stehen anschliessend

die Finanzierung und die Regulierung

der Rohstoffgeschäfte. In den USA wurde

kürzlich mit dem Dodd-Frank Act ein Gesetz

erlassen, nach dem Unternehmen ihre Zahlungen

an die Regierungen der Förderländer

offenlegen müssen. Die Information über die

Kosten der Abbaulizenzen ist für

lokale KritikerInnen wichtig im

Kampf gegen Korruption. Die EU

will mit einer ähnlichen Regulierung

nachziehen.

Die Erklärung von Bern

wird am Gipfel in Lausanne teilnehmen.

«Für uns bietet sich

eine wichtige Gelegenheit, bei

Marktentscheidern für mehr

Transparenz zu lobbyieren»,

sagt Classen. Im Sinn einer Arbeitsteilung

begrüsse er es,

wenn auch Druck von der Strasse

komme. «Der Rohstoffgipfel könnte zu einem

Kristallisationspunkt für die Kritik werden.»

Dadurch, dass es sich um ein Branchentreffen

handle und nicht wie beim Wef in Davos um

einen Vermittlungsversuch zwischen Politik

und Wirtschaft, falle «der ganze Verschwörungskram»

weg. «Der Skandal ist hier also

nicht die Legitimität der Veranstaltung, sondern

das Geschäftsmodell der Rohstoffbranche

an sich ist für viele empörend.»

Nachdem der erste Rohstoffgipfel weitgehend

unbemerkt stattfand, wird es in diesem

Jahr Proteste geben: Am Samstag, 13. April,

findet im Quartierzentrum Sous Gare in Lausanne

ein Gegenforum statt, am Montag darauf

folgt zum Gipfelauftakt eine Demonstration,

die vor das «Beau Rivage» führt. «Wenn

an einem Montag tausend Personen kommen,

wäre das ein grosser Erfolg», sagt Remy Gyger,

der als Sekretär von Attac Schweiz die

Kundgebung mitorganisiert. Die Rohstoffunternehmen

würden auch in der Westschweiz

vermehrt zum Thema. «Die rechtlose

Zone, in der die multinationalen Unternehmen

tätig sind, muss von einer breiten Öffentlichkeit

diskutiert werden.»

Einen Anstoss für die Proteste gab die

diesjährige Tour de Lorraine in Bern, die sich

Vielleicht

schweigt der

Bundesrat weiter,

bis die Gipfel

vorüber sind.

den «Drecksgeschäften» widmete. Yvonne

Zimmermann von der NGO Solifonds leitete

dort einen Workshop zum Arbeitskampf

indischer LeiharbeiterInnen gegen den Zementriesen

Holcim. «Wir müssen darauf hinarbeiten,

dass eine Bewegung entsteht», sagt

sie. «Dabei geht es um die Verbindung der

verschiedenen Widerstände im Süden und im

Norden. Es ist ein gemeinsamer Kampf gegen

die Macht der Konzerne.» Am Gegenforum

in Lausanne werden ein kanadischer

Aktivist, ein kolumbianischer

Kleinschürfer und ein

kongolesischer Bauer von ihren

lokalen Auseinandersetzungen

mit den Multis berichten, anschliessend

diskutieren sie mit

den Finanzplatzkritikern Jo

Lang und Jean Ziegler.

Nach der Verbindung zwischen

den Minen und den Metropolen

fragt auch eine Veranstaltung,

die bereits nächste Woche

im Lausanner Squat «Espace

Autogere» stattfindet. Sie sucht nach Mitteln

gegen die «Glencorporisation».

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Schmutziges Gold

Das Hotel Park Hyatt in der Zürcher Innenstadt

rühmt sich seiner Nähe zu den «prestigereichen

Banken am Paradeplatz» und

seiner «Konferenzräume für Geschäftsunterzeichnungen».

Hier findet vom 16. bis

18. April das European Gold Forum statt, bei

dem Investoren und Minenbetreiber zusammenkommen.

Zwar handelt es sich um eine

kleinere Veranstaltung als jene in Lausanne,

doch sie wirft ein Licht auf die Schweiz als

Goldhandelsplatz.

Die Schweiz ist der wichtigste Abnehmer

von Rohgold, wie eine im Dezember veröffentlichte

Studie der Gesellschaft für bedrohte

Völker zeigt. Woher das Gold stammt,

wird seit den siebziger Jahren nicht mehr ausgewiesen.

Diese gezielte Intransparenz vertuschte

einst die Zusammenarbeit mit dem

Apartheidregime in Südafrika. Anders als bei

den übrigen gehandelten Rohstoffen, die nie

hierher gelangen, spielt die Schweiz mit vier

der neun grössten Raffinerien auch bei der

Verarbeitune des Edelmetalls eine zentrale

Rolle. Den Raffinerien wird vorgeworfen,

«schmutziges Gold» zu schmelzen, das unter

Missachtung von Menschenrechten und Umweltvorschriften

gefördert wird.

Bundesrat will zur Tat schreiten

Beim industriellen Tagbau bleiben hochgiftige

Abfälle zurück. Im rumänischen

Rosia Montana ist die grösste europäische

Goldmine geplant, für die 2000 Menschen

zwangsumgesiedelt werden sollen. Hinter

dem Projekt steht der weltweit grösste

Goldkonzern Newmont, der im Tessin eine

der Raffinerien betreibt. Aus Anlass des

Goldforums werden AktivistInnen aus Rosia

Montana am 12. April im «Autonomen Beauty

Salon» in Zürich von ihrem Widerstand

berichten. Unter dem Motto «Goldforum

aufschürfen!» soll am 17. April ebenfalls eine

Kundgebung vor dem Hotel stattfinden.

Die vielfältigen Proteste in den nächsten

Wochen zeigen, dass aus der Information

über die verschwiegene Rohstoffbranche

ein Widerstand wächst. Sogar der Bundesrat

will zur Tat schreiten. Dem Vernehmen nach

könnte er noch vor Ostern seinen lange angekündigten

Grundlagenbericht zur Regulierung

der Rohstoffgeschäfte veröffentlichen.

Vielleicht schweigt er aber auch weiter, bis

die Gipfel vorüber sind.

ROHSTOFFBRANCHE

Die WOZ nimmt die anstehenden Rohstofftreffen

zum Anlass, das Thema «Rohstoffbranche»

intensiver zu bearbeiten.

Als Nächstes sind Artikel zur Regulierung

der Rohstoffbranche in der Schweiz sowie

zum Minenprojekt im rumänischen Rosia

Montana geplant.

Alle Artikel der Serie sind im Dossier auf

wvvw.woz.ch/dossier zu finden.

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